BVB erfindet Job für Terzic

Gute Nachrichten und drei Fragezeichen: Edin Terzic verlängert seinen Vertrag bei Borussia Dortmund bis 2025, wird aber nicht Teil des künftigen Trainerteams von Marco Rose, sondern rückt auf den neu geschaffenen Posten des „Technischen Direktors“ – ein Jobtitel, mit dem ich noch nie viel anfangen konnte. Glücklicherweise hat der BVB die Fragen der Fans vorausgeahnt und so gibt Edin Terzic der Vereinswebseite ein Interview, in dem er recht ausführlich auf seine Tätigkeit eingeht.

Die Idee, ein solches Stellenprofil im Verein zu schaffen, sei bei einer gemeinsamen Saisonanalyse mit den anderen BVB-Verantwortlichen entstanden, so Terzic. Erst im Laufe dieses Prozesses hätten er und die anderen erkannt, wie gut dieses Profil auf ihn selber passe. Dem kann man vollumfänglich glauben, es gibt aber keine zwingenden Gründe dafür. Hört man die Meldung zum ersten Mal, könnte man ja denken, die Borussia mache genau das, wovon ich sie im letzten Artikel für die jüngere Vergangenheit freigesprochen habe: für verdiente (Ex-)Angestellte einen Versorgungsposten schaffen.

Kooperation mit Kehl, Zorc und Addo

Das Terzic-Interview kann diesen Verdacht nicht direkt entkräften. Denn was sind nun die Aufgaben des künftigen Technischen Direktors? Er wird „fest“ in die Kaderplanung involviert und soll versuchen,„Spieler für den BVB zu begeistern“. Er wird „ein weiterer Ansprechpartner“ für das Nachwuchsleistungszentrum, der„wie Otto Addo auch direkt an der Schnittstelle zwischen Nachwuchs und Profis“ arbeitet. Außerdem soll Terzic Kontakt zu an andere Vereine verliehenen Profis und deren Trainern halten. Eine Aufgabe, die aller Ehren wert ist, aber wohl nicht den Großteil seiner Arbeitszeit in Anspruch nehmen wird. Edin Terzic fasst sein Aufgabenfeld abschließend so zusammen:

Im Grunde werde ich in Zukunft der Co-Trainer von Michael Zorc und Sebastian Kehl sein (lacht).

Es sind Tätigkeitsfelder, die sich mit denen der genannten BVB-Mitarbeiter überschneiden oder nicht besonders zeitintensiv sein dürften. Nun ist gegen Aufgabenteilung nichts einzuwenden, solange die Zusammenarbeit effektiv und harmonisch abläuft. Und hier dreht sich die Interpretation ins Positive: Vielleicht bräuchte der BVB nicht unbedingt einen Technischen Direktor, aber es spricht einiges dafür, dass Edin Terzic durch seine Persönlichkeit und seine vom Fragesteller im Interview nochmal aufgezählten Kompetenzen doch etwas im Verein bewegen kann. Auch zusammen mit anderen und vielleicht besser als im Trainerteam. Auch wenn sein Posten etwas konstruiert wirkt. Den Segen der Fans wird er spätestens mit diesem Satz haben:

Ich hatte nullkommanull Lust, Borussia Dortmund zu verlassen.

Rose-Terzic-Conundrum

Es gibt wohl kaum einen BVB-Fan, der nicht spätestens jetzt Edin Terzic mag: Nach Pokalsieg und Platz 3 in der Liga hat die Borussia endlich wieder einen erfolgreichen und netten Trainer mit Stallgeruch. Doch nach aktuellem Stand rückt Terzic im Juli wieder ins berühmte zweite Glied – hinter Marco Rose und neben dessen Co-Trainer Alexander Zickler und Rene Maric. Die genaue Aufteilung der Kompetenzen – sollte es bei dieser Konstellation bleiben – ist noch nicht bekannt.

Viel ist bereits über dieses mögliche Set-up geschrieben worden. Es ist ungewöhnlich, spricht aber Bände über die Vereinsbindung von Edin Terzic. Man kann eher das Risiko von schnell aufkeimender Unruhe sehen oder die positive Seite: eine eigentlich komfortable Situation für den BVB. Sollte es wirklich wann auch immer ganz schlecht mit Marco Rose laufen, bräuchte der logische Ersatzmann wenig Anlaufzeit. Ich persönlich denke nicht, dass Rose in ein paar Monaten das Führen einer Mannschaft verlernt hat.

Die Zahlen sprechen für sich

Terzic wiederum hat in dieser Saison gezeigt, dass er es drauf hat. Gegenüber März, als bei Any Given Weekend ein erster Artikel zur Frage „Rose oder Terzic?“ und eine Zwischenbilanz zu Edins Zeit als Chef-Trainer erschien, hat sich seine Statistik klar verbessert. Inzwischen liegt sein Punkteschnitt deutlich vor dem von Favre in dieser Bundesliga-Saison (1,96 zu 1,73). Es war jedoch keine freie Fahrt für Terzic und die Mannschaft. Ja, der BVB hat mit großem Abstand die zweitmeisten Tore (75) geschossen. Doch das kurz nach seinem Amtsantritt von Terzic geäußerte Credo, ihm sei es wichtiger, die Mannschaft schieße ein Tor mehr als der Gegner als eins weniger zu kassieren, hat sich am erfolgreichen Ende der Saison nicht mehr so deutlich in der Spielweise niedergeschlagen. Da ließ die Borussia – ob freiwillig oder nicht – öfter als früher den Gegner spielen und konterte sich im Idealfall zum Tor. Trotzdem, und das ist entscheidend, gelangen in der Rückserie mehr Treffer als in der ersten Saisonhälfte (42/33).

Wichtig, wenn auch nicht in jeder Partie offensichtlich: Der neue Trainer erreichte die Spieler wohl besser als Lucien Favre. Dafür gibt es keinen Beweis, es lässt sich aber aus Äußerungen schließen. Akustisch steht ohnehin außer Frage, wer sich im Stadion besser Gehör verschaffte. Die Anfeuerung durch Terzic war in der Regel über die volle Länge der BVB-Spiele auch vor dem Fernseher vernehmbar. Wie groß der Anteil des Trainers an der Rückkehr Jadon Sanchos und später von Marco Reus zu alter Form war, lässt sich schwer beantworten, doch sie vollzog sich unter Terzics Führung und war ein entscheidender Faktor.

Edin Terzic wie auch Marco Rose kommen in Interviews und auf Pressekonferenzen nett und jovial rüber. Natürlich sprach Terzic besser Deutsch als Lucien Favre und konnte daher pointierter und ausführlicher antworten. Doch er ließ sich ebenfalls nicht gerne in die Karten schauen und es sich nicht nehmen, wiederkehrende Standardfragen auch mal nicht zu beantworten. Kein Traum für (Boulevard-)Journalisten, aber gut nachvollziehbar für Fans.

Die Lösung des Trainer-Rätsels: Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Scheitert Rose, kommt Terzic. An Terzic wird Rose nicht scheitern. Eine schwächere Phase mit einem schwächer besetzten Verein lässt Rose nicht ungeeignet als BVB-Trainer werden. Schon bald werden die Spieler-Transfergerüchte wieder spannender sein als das Rose-Terzic-Conundrum.

Ein freundschaftliches 3:1 zum Finale

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 3 Bayer Leverkusen 1

Es war ein Tag der Abschiede und der Freundschaft: Im Duell der befreundeten Trainer Edin Terzic und dem von seinem aktuellen Verein scheidenden Hannes Wolf hatte der scheidende Schiedsrichter Manuel Gräfe wenig Mühe und kam ohne Gelbe Karten aus. Von der Intensität her war die Partie zwar nicht mit der aus der Hinserie vergleichbar, aber immerhin weitaus weniger ein Sommer-Kick des BVB wie am letzten Spieltag der Vorsaison.

Abschieds-Aufstellung

Der zumindest von seiner jetzigen Position scheidende Edin Terzic beorderte sechs Neue in die schwarz-gelbe Startelf. Man kann das zuvorderst auf der menschlichen und in zweiter Linie auf der kommerziellen Ebene verstehen. Dass Lukasz Piszczek spielen würde, war eh klar. Dass auch Brandt, Delaney, Reinier und Schulz auflaufen durften, war gleichzeitig ein Dank für ihre Geduld, aber auch ein Schaufenster für die Spieler, um sich nochmal möglichen Interessenten zu präsentieren. Man möchte und kann wohl nicht alle vier abgeben, wäre bei dem einen oder anderen aber auch nicht gleich abweisend. Wobei ich inzwischen hoffe, dass Julian Brandt uns erhalten bleibt. Weiterlesen „Ein freundschaftliches 3:1 zum Finale“

Pokalsieger 2021: Und wir freuen uns doch!

DFB-Pokal, Finale / RB Leipzig 1 BVB 4

Viel war darüber geredet worden, wie das wohl sein werde: ein Pokalfinale in Berlin mit schwarz-gelber Beteiligung, aber ohne Fans. Wer bei einem der vergangenen Endspiele dabei oder zumindest in der Stadt war, weiß, dass das noch mal etwas anderes ist als eine beliebige andere Partie vor leeren Rängen. Es hatte schon etwas Surreales, wie die glücklichen BVB-Profis am Ende mit dem Pokal auf den Rängen durchs leere Stadion liefen. Aber trotzdem: Die Situation ist wie sie ist. Und dafür war es schon ziemlich genial, was gestern im Olympiastadion passiert ist.

Perfekter Start, starke Konter

Die Dortmunder – inklusive dem fitten Erling Haaland – gingen wach und mit einer guten Portion Aggressivität ins Spiel und belohnten sich schon nach fünf Minuten. Eine Balleroberung von Marco Reus mündete schließlich in einen tollen Schlenzer von Jadon Sancho ins Tor. Womit schon zwei der Hauptfiguren des Abends erwähnt wären. Reus ist zum bestmöglichen Zeitpunkt wieder in Topform. Und Jadon – nicht nur Erling – werden wir hart vermissen, wenn er im Sommer tatsächlich wechseln sollte. Haaland zeigte dann beim 0:2, wieso es so wichtig war, ihn dabei zu haben, selbst wenn es am Samstag noch ohne ihn geklappt hatte. Wie er sich gegen Upamecano behauptete und dann trotz Bedrängnis die richtige Ecke in Gulascis Kasten fand – unnachahmlich!

Zuvor hatte die Partie bereits ihren Rhythmus gefunden: Es spielte vor allem die Leipziger, die alles in allem passsicherer und flüssiger agierten. Nur eben nicht bis vors Tor – zumindest in der ersten Hälfte nicht. Das frühe Pressen, das der BVB zunächst noch praktiziert hatte, sah man später nur noch punktuell. Zahlen untermauern die optische Überlegenheit der Brause-Kicker: 60 Prozent Ballbesitz, 248 zielgenaue Pässe in der gegnerischen Hälfte gegenüber 92 bei der Borussia. Allerdings machten es die Schwarz-Gelben offensiv eben besser: Sie brauchten nicht viele Pässe und auch nur zehn Torschüsse, von denen fünf zielgenau und vier drin waren (Leipzig: 22/4/1). Die Nadelstiche und Konter, die der BVB setzte, waren oft gefährlich und es hätte auch noch höher ausgehen können – wenn man etwa an die Chancen von Thorgan Hazard und vor allem Jadon Sancho denkt. Weiterlesen „Pokalsieger 2021: Und wir freuen uns doch!“

Terzic oder Rose – das ist hier die Frage

Teile der Anhängerschaft von Borussia Dortmund und der Medien führten in den letzten Wochen eine heiße Diskussion: Wird zur nächsten Saison etwa der bessere Dortmunder Trainer von Neuankömmling Marco Rose auf den Co-Posten verdrängt? Edin Terzic, ein Mann mit jeder Menge schwarz-gelbem Stallgeruch, hatte einige beachtliche Ergebnisse vorzuweisen, während Noch-Gladbacher Rose ein Spiel ums andere verlor. Nun ist dieser Lauf der Dinge am Wochenende erstmal gestoppt worden: Gladbach hat nicht ganz unerwartet in Gelsenkirchen gewonnen, sogar zu null, und der BVB kann mit dem erst in letzter Minute gesicherten Punkt in Köln nicht zufrieden sein, genauso wenig wie mit der gezeigten Leistung.

Nun könnte man in Frage stellen, ob heute schon der richtige Tag ist, um sich in der oben gestellten Frage zu positionieren. Würden nur kurzfristige Erwägungen und Stimmungen in meine Meinungsbildung eingehen, wäre diese Kritik berechtigt. Schauen wir uns deshalb die gesamte bisherige Saison an: Edin Terzic hat in 15 Ligaspielen einen Punkteschnitt von 1,6 erreicht. Zuvor brachte es Lucien Favre in elf Partien auf durchschnittlich 1,73 Punkte. Mit Terzic hat der BVB außerdem zwei Runden im DFB-Pokal überstanden und ist ins Viertelfinale der Champions League eingezogen. Ersteres gelang eher knapp und ohne viel Glanz. Zweiteres ist trotz weniger Minuten Zitterns eine starke Leistung.

Was sich geändert hat

Wie stark Edin Terzic die Schwarz-Gelben vorangebracht hat, ist angesichts der Ergebnisse eine spannende Diskussion. Einige Spieler, etwa Mats Hummels, haben die Veränderungen und Herangehensweise von Terzic ausdrücklich gelobt. Es gab Partien, in denen mehr Wille zu Pressing und vertikalem Spiel zu sehen war. Andere Begegnungen erwecken den Eindruck, dass sich nichts Substanzielles gegenüber dem ersten Saisondrittel unter Favre geändert hat, in dem eben auch nicht alles schlecht war. Gelegentlich ging das gewünschte aggressivere Auftreten mit unerwünschter größerer defensiver Anfälligkeit einher. Was Lucien Favre in den Pokalwettbewerben erreicht hätte, muss Spekulation bleiben – deshalb ist es schwer, daran einen Fortschritt festzumachen.

Marco Rose ist unterdessen in Mönchengladbach in eine Situation geraten, an der er vielleicht nicht komplett unschuldig ist, die aber nur wenig über seine Fähigkeiten als Trainer aussagt. Wie auch immer sich die durch die Ankündigung seines Wechsels entstandene Unruhe genau ausgewirkt hat – wegzuleugnen ist ihr Einfluss nicht. Aber es kann auch niemand behaupten, dass Rose die Mannschaft entglitten ist. Ja, er hat Fehler gemacht, etwa im Derby gegen Köln. Aber das Team hat sich während der Pleitenserie nie willenlos in sein Schicksal ergeben, sondern meistens genügend Chancen auf ein besseres Ergebnis gehabt. Ein kleines Gedankenexperiment: Was wäre gewesen, wenn Roses Gladbach in den erfolglosen Partien Erling Haaland zur Verfügung gehabt hätte und Terzics BVB zur gleichen Zeit an des Norwegers Stelle einen beliebigen Gladbacher Stürmer?

Ich finde, Marco Rose hat in Mönchengladbach insgesamt beachtliche Arbeit geleistet und sich grundsätzlich als BVB-Trainer qualifiziert. Wie jeder Aktive oder Funktionsträger, der mal für das Dosen-Imperium gearbeitet hat, muss er bei mir mehr Überzeugungsarbeit leisten als jemand, der in dieser Hinsicht unbefleckt ist. Der Hauptteil dieser Arbeit wird fällig, wenn Rose in Dortmund ist. Edin Terzic mag ich sehr als Typen – soweit ich das beurteilen kann – und als Borussen von Herzen. Ich hoffe, dass er Schwarz-Gelber bleibt oder in Zukunft wieder wird, gerne auch Cheftrainer. Stand jetzt – und das war letzte Woche nicht anders – gibt es für mich allerdings keinen Grund, ihn Marco Rose vorzuziehen. Möglich, dass diese Meinung am Saisonende schwerer zu halten sein wird – das bleibt schlicht abzuwarten.

Dortmund feiert spanische Nacht

Champions League, Achtelfinale / FC Sevilla 2 BVB 3

Warum sind eigentlich so viele Beobachter so überrascht? Auch wenn vielleicht nicht mit einem Auswärtssieg und drei Toren zu rechnen war: Der BVB hat in der Champions League in den meisten Spielen ein anderes Gesicht als in der Liga gezeigt. Das gelang auch gestern in Andalusien und stellt eine kleine Revanche für die veritable „Shithousery“ der Gastgeber beim letzten Aufeinandertreffen dar.

Stabiler, wacher, stärker

Edin Terzic hatte Lehren aus den letzten beiden Partien gezogen: Emre Can rechts hinten hatte nicht so gut funktioniert. In Sevilla lief der Mentalitätsspieler im defensiven Mittelfeld auf, wo er wenn irgendwie möglich hingehört. Ihm zur Seite standen Jude Bellingham und Mo Dahoud, die etwas offensiver orientiert waren, aber auch in Zweikämpfen weitgehend überzeugten. Drei echte Offensivkräfte reichen eben aus, wenn zwei von ihnen Erling Haaland und Jadon Sancho heißen. Bei all diesen positiven Erscheinungen um ihn herum ließ sich auch Kapitän Reus nicht lumpen und war durch seine Balleroberung im Mittelfeld sowie seinen Pass auf Haaland maßgeblich am dritten Treffer beteiligt.

Obwohl Sevilla in der zweiten Hälfte über längere Strecken am Drücker war und der BVB zu viel Raum preisgab, stand die Abwehr sicherer als zuletzt. Beim 1:0 war viel Pech dabei, auch wenn Sancho natürlich nicht optimal verteidigte. Das späte 2:3 der Gastgeber entsprang dann mal wieder einem Standard, als Dahoud und Can den eingewechselten Luuk De Jong laufen ließen. Aber das Handwerk dazwischen verrichtete die Viererkette ordentlich, mit Abstrichen bei Morey.

Momente der Extraklasse gab es an anderer Stelle: Mo Dahouds satter Treffer zum Ausgleich aus fast 20 Metern. Die spielerische Urgewalt von Erling Haaland, der das 1:2 selbst einleitet, zu Sancho weitergibt und dann dessen schönen Lob zurück eiskalt verwertet. Das kann die Borussia alles und hat es in der Champions League auch schon gezeigt – selbst wenn die Gegner noch nicht die Klasse des FC Sevilla hatten.

Warum nicht immer so?

Natürlich hatte der BVB gestern einen Gegner, der selbst gerne den Ball in seinen Reihen hält. Das kam den Schwarz-Gelben entgegen: Sie mussten mal nicht das Spiel gestalten. Hätten die Andalusier Ballverluste besser vermieden, wäre es mit dem Auswärtssieg sicher noch ein Stück schwerer geworden. Aber dennoch: Beim Vergleich mit den nicht gewonnenen Partien in der Liga fragt man sich unweigerlich, warum gestern deutlich mehr Wachheit (wie bei Reus), mehr Einsatzwillen (etwa bei der von Edin Terzic bejubelten Grätsche von Emre Can) und mehr Bindung zwischen den Mannschaftsteilen zu spüren war.

Dieser Vergleich macht einen bei aller Freude über den couragierten Auftritt gestern etwas ärgerlich. Bei allen taktischen Unterschieden: Wer in Sevilla gewinnt, muss auch gegen Hoffenheim drei Punkte holen. Das beste Mittel gegen diesen Ärger: ein Derbysieg, egal wie! Danach können wir ein neues Kapitel beginnen.

Die Aufstellung: Hitz – Morey, Akanji, Hummels, Guerreiro (76. Passlack) – Can, Bellingham, Dahoud (89. Meunier) – Reus (80. Brandt), Sancho – Haaland. Gelbe Karten: Hummels, Haaland. Tore: Dahoud, Haaland (2)

Auch das Gras wird wieder grün, wenn in Dortmund Rosen blühen

Es war die Nachricht, auf die viele gewartet hatten – anscheinend so viele, dass heute Nachmittag sogar die Webseite von Borussia Mönchengladbach kurzzeitig in die Knie ging: Trainer Marco Rose verlässt die Gladbacher im Sommer und wechselt zu Borussia Dortmund. Um genau zu sein vermeldet der BVB Roses Zusage, während dessen bisheriger Arbeitgeber seinen bevorstehenden Abgang unter folgender Bedingung bestätigt:

Sollten die in seinem Vertrag festgelegten Bedingungen fristgerecht erfüllt werden, wird er uns also nach dem Saisonende nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Bedingungen dürften darin bestehen, dass der BVB sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt mit Gladbach über die Zahlungsmodalitäten für die angeblich fünf Millionen Euro einigt, die aufgrund von Roses Ausstiegsklausel fällig werden. Daran gibt es trotz der finanziell angespannten Lage wenig Zweifel.

Es war an der Zeit, das Versteckspiel zu beenden und Klartext zu reden – auch wenn es dazu wohl vor allem auf Druck der Medien kam. Jede Woche die gleichen penetranten Fragen beantworten zu müssen macht müde und vielleicht richtet die medial verstärkte Ungewissheit genauso viel oder mehr Schaden an wie ein frühes Bekenntnis zum Vereinswechsel. Letzteres ist aber auch nicht ohne: Für beide Borussias dürfte es die restliche Saison durch die heutige Neuigkeit noch mehr in sich haben. Ja, die Dinge sind geklärt, doch welche Auswirkungen hat das auf die Mannschaften und die Trainingsarbeit? Weiterlesen „Auch das Gras wird wieder grün, wenn in Dortmund Rosen blühen“

Borussia unter Terzic zu Hause noch unbesiegt

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 2 TSG Hoffenheim 2

Positiver Spin, anyone? Nach der Heimpartie gegen Hoffenheim fällt es mal wieder deutlich leichter, negative Aspekte des BVB-Spiels hervorzuheben. Daran sind zu viele Faktoren schuld, als dass man an eine schnelle Wende glauben könnte.

Uninspirierte Aufstellung

Edin Terzics Mut bei der Wahl seiner Startelf erschöpfte sich darin, Kapitän Marco Reus auf die Bank zu setzen. Manche meinen ja, dazu gehöre in Dortmund schon viel Mut, aber in der derzeitigen Situation sollte jedem klar sein, dass tiefgreifende Änderungen nötig sind. Die zuletzt genauso bescheiden kickenden Brandt und Reyna durften wieder ran: ersterer auf der ungeliebten Außenbahn, Giovanni dafür zentraler. Jude Bellingham agierte etwas weiter vorne als Thomas Delaney im zentralen Mittelfeld, Emre Can blieb rechts hinten.

All diese Entscheidungen erwiesen sich als unglücklich bis falsch. Auch wenn Moukoko nach einer Stunde für Brandt kam und diesmal nicht so viel bewegen konnte: Er hätte einen Einsatz von Beginn an verdient gehabt. Von Julian und Giovanni kam wieder sehr wenig Erwähnenswertes. Die Aufstellung des Mittelfelds sorgte mit dafür, dass die Gäste zu viele Konter bekamen. Can wäre dort deutlich besser aufgehoben gewesen. Weiterlesen „Borussia unter Terzic zu Hause noch unbesiegt“

Streichs erster Streich gegen Dortmund

1. Bundesliga, 20. Spieltag / SC Freiburg 2 BVB 1

Seit 2009 hatte der SC Freiburg nicht mehr gegen den BVB gewonnen. So lange ist noch nicht mal Christian Streich im Amt und so war das 2:1 sein erster Sieg über die Schwarz-Gelben. Für Letztere endet eine weitere positive Serie in dieser ergebnis- wie gefühlsmäßig bescheidenen Saison.

Probleme mit den Flügeln

Edin Terzic hatte sich sicher etwas dabei gedacht, als er Emre Can auf die rechte Position in der Viererkette beorderte. Mateu Morey durfte in den letzten beiden Partien Thomas Meunier vertreten. Über die Qualität seiner Auftritte lässt sich diskutieren; nicht aber über die Tatsache, dass der junge Spanier gelegentlich, wie beim dritten Gladbacher Tor, zu weit eingerückt und sein Flügel verwaist war. Emre Cans Leistung heute war jedoch mindestens genauso „hit-and-miss“: Vor Freiburgs 1:0 konnte er Grifos Flanke nicht verhindern.

Das 2:0 kam über den anderen Flügel zustande, wo Jonathan Schmid nicht rechtzeitig aufgehalten wurde. Während Raphael Guerreiro auf links aber wegen seiner unbestreitbaren Offensivqualitäten über ernste Zweifel erhaben ist, dürfte die Rechtsverteidiger-Position Edin Terzic zunehmend Kopfzerbrechen bereiten. Weiterlesen „Streichs erster Streich gegen Dortmund“

Das verflixte 13. Spiel

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Mönchengladbach 4 BVB 2

Zwölfmal hatte Borussia Dortmund gegen die andere Borussia zuvor gewonnen, doch 2020/21 kann man sich auf nichts mehr verlassen, schon gar nicht auf eine schwarz-gelbe Serie. Stattdessen kassierte der BVB vier Tore in Gladbach, davon drei durch Standards. Es war ein attraktives Spiel, das die Gäste aber erneut zu wechselhaft bestritten.

Diesmal fehlt die Wachheit

Stellen die Schwarz-Gelben eine Unzulänglichkeit ab, tritt eine neue zutage. Das Offensivspiel hat sich unter Edin Terzic insoweit verbessert, dass die Mannschaft wieder mehr nach vorne probiert und streckenweise ansehnliche Szenen im letzten Drittel hat. Zwei gut herausgespielte und erkämpfte Tore von Erling Haaland auf Vorlage von Jadon Sancho lassen hoffen.

Doch in beiden Halbzeiten brauchte der BVB eine Anlaufzeit, um wach zu sein und den Gladbacher Angriffsbemühungen zu widerstehen. Aus beiden Anlaufzeiten resultierten Tore der Gastgeber. Dem ganz frühen, nicht anerkannten Treffer der Gladbacher ging ein klares Foul an Bellingham voraus, so dass man diese Aktion nicht einbeziehen muss. Doch sie tauchten auch danach zu oft am und im Dortmunder Strafraum auf. Das 1:0 durch Elvedi nach Freistoß von Jonas Hofmann war folgerichtig. Weiterlesen „Das verflixte 13. Spiel“