Sokratis auf dem Olymp

Sokratis Papastathopoulos ist endgültig zum Fußballgott aufgestiegen. Leider konnte ich die Partie gegen Frankfurt nur im ZDF-Sportstudio verfolgen, aber das Spiel der Traumtore verdient trotzdem noch ein paar Zeilen. Am Mittwochabend äußerte sich die Belastung, unter der auch ‚Papa‘ nach dem Anschlag stand, in Tränen. Am Samstag lässt er mal eben einen Gegenspieler aussteigen und trifft mit einem herrlichen Pfund ins linke Eck.

Dieser Schuss war die Antwort auf das Geschehene, auch wenn er nichts ungeschehen macht und nichts vorbei ist. Umso schöner, dass auch noch Rückkehrer Marco Reus mit einem Hackentrick traf. Vielleicht beginnt nun eine Phase, in der Fußballspiele für die vom Anschlag betroffenen Spieler – zu denen Reus nicht gehörte – eine willkommene Ablenkung sind. Kopf abschalten, Fußball spielen eben. Aber das ist natürlich nur eine Hoffnung und Küchenpsychologie obendrein.

Für die Champions League, die am Mittwoch folgt, hege ich allerdings keine großen Hoffnungen. Monaco scheint mir zu wach und kühl, um sich den Vorteil noch nehmen zu lassen. Schauen wir mal. In der Liga ist nicht nur wegen des Heimspiels gegen Hoffenheim selbstverständlich noch Platz 3 drin.

Schwarz-gelbe Pfeifenallergie

1. Bundesliga, 12. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 1

Mit Wolfgang Starks Pfeife hatte die schwarz-gelbe Borussia schon häufiger Probleme. Vielleicht pfeift der bayerische Schiedsrichter einfach zu schrill und den unseren klingeln die Ohren. Besonders der Anpfiff scheint gefährlich: Stark bläst zur zweiten Halbzeit, wenig später steht es 0:1. Eine gute Minute nach dem Ausgleich fällt das 1:2. Das ist die humorvolle Sichtweise, die aus gutem Grund etwas gezwungen erscheinen mag. Ganz ernsthaft deshalb die drei Gedanken zum Spiel in Frankfurt.

Defizite auch bei der Einstellung. Thomas Tuchel nannte die Vorstellung „ein einziges Defizit“ und bezog dabei auch gleich die Trainingswoche seit Mittwoch mit ein. Damit meint er auch die Einstellung. Man kann sich ja gegen diese Eintracht wirklich schwer tun. Was Niko Kovac seit den Relegationsspielen dort geleistet hat, ist enorm. Aber zweimal so schnell in Rückstand zu geraten, ist fahrlässig. Schaut man sich die beiden Spielzüge vor den Toren der SGE an, sieht man verlorene Zweikämpfe, ungeordnetes, unentschlossenes Abwehrverhalten und Spieler, die schlicht zu weit weg vom Gegner stehen.

Stark wieder nicht stark. Ganz grobe Fehler waren beim in Dortmund eher ungeliebten Unparteiischen nicht dabei. Aber während das mögliche Foul in der Nachspielzeit gegen Auba umstritten ist und nicht unbedingt mit Elfmeter zu ahnden war, hätte Marco Reus zuvor einen zugesprochen bekommen müssen, als er im Strafraum gehalten wurde.

Schürrle nur anfangs stark. Thomas Tuchel sorgte für ein Novum in der Dortmunder Bundesliga-Geschichte, als er in der 58. Minute gleich dreimal wechselte. Gehen musste auch André Schürrle, für den Dembélé kam. Nach guten Aktionen zu Beginn hatte der Rekordtransfer stark nachgelassen, wirkte ideen- und glücklos. Den Durchbruch in schwarz-gelb hat Schürrle noch nicht geschafft. Fragt sich, ob er aus persönlichen oder opportunistischen Gründen anderen vorgezogen wird. Dass neben ihm auch andere Offensive wie Götze und vor allem Ramos abbauten, lenkt zumindest heute von einer genaueren Analyse ab.

Fazit: ein vollkommen gebrauchter Samstag für Schwarz-Gelb. Neun Punkte auf das Projekt, schon wieder sechs auf die Bayern und morgen womöglich nur noch Siebter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer – Weigl (58. Rode) – Ramos (58. Reus), Götze, Castro, Schürrle (58. Dembélé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Sokratis, Castro, Schmelzer. Tor: Aubameyang

Abstiegskämpfer schlagen Vizemeister

1. Bundesliga, 33. Spieltag / Eintracht Frankfurt 1 BVB 0

Keine Rekordpunktzahl, Bayern Meister – kurz vor Ende einer starken Spielzeit musste Borussia Dortmund doch noch mal einen Dämpfer hinnehmen. Letztlich war es ein verschmerzbarer und vor allem ärgerlich, weil unnötig.

Man hätte sich denken und darauf einstellen können, dass die Eintracht im letzten Heimspiel vor ihrem bekannterweise emotionalen Publikum noch mal alles raushauen würde, um den Abstieg zu verhindern. Genau das taten die Gastgeber und schafften es tatsächlich, den Vizemeister mit Dauerdruck und intensivem Anlaufen zu beeindrucken. Von einem souveränen Spitzenteam waren die Schwarz-Gelben in der Anfangsphase weit entfernt. Der starke Start der Eintracht kulminierte im 1:0 durch Aigner nach einer kurz ausgeführten Ecke. Erik Durm, der Piszczek vertrat, hatte ihm den entscheidenden Platz gelassen.

Der Rest des Spiels ist schnell auf den Punkt gebracht: Einbahnstraße in Richtung Frankfurter Tor. Angesichts von am Ende 84 Prozent Ballbesitz zu wenige Chancen für den BVB, die aber dennoch mindestens für einen Punkt hätten reichen müssen. Die SGE igelte sich ein, zog ihre erste Verteidigungslinie immer weiter zurück und vermochte es so tatsächlich, die Mitte halbwegs dicht zu halten. Weiterlesen „Abstiegskämpfer schlagen Vizemeister“

DO trotzt dem Schema F

1.Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 4 Eintracht Frankfurt 1

Nach sieben Minuten der letzten Bundesliga-Begegnung dieses Spieltags gab es unter BVB-Fans wohl einen sehr weit verbreiteten Gedanken: Nicht schon wieder. Die Schwarz-Gelben hatten in der Anfangsphase unheimlich Druck gemacht und sich dann beim ersten Eintracht-Angriff gleich kalt erwischen lassen. Also schon wieder die Baustelle Abwehr, mit einem halbherzigen Hummels. Und warum hatte der Tuchel bloß einen fitten Sokratis auf der Bank gelassen?

Am Ende der gut 90 Minuten konnte man keinem Borussen inklusive Trainer mehr einen Vorwurf machen. Mats Hummels hatte mit einem Klassepass in die Tiefe den Ausgleich vorbereitet und später das 3:1 erzielt. Eine Unaufmerksamkeit hatte er mit viel Präsenz, gerade auch nach vorne, wieder mehr als wettgemacht.

Weiter zu arbeiten mit Geduld und Übersicht, das machte heute den Unterschied gegenüber der Partie gegen PAOK aus. Natürlich griff die Eintracht nach der Führung erst recht auf ihr übliches Schema gegen spielstarke Teams zurück. Es war gegen den Ball ein Spiel mit zwei Abwehrreihen, fünf bis sechs Leute ganz hinten und drei davor, die frühestens Mitte der eigenen Hälfte attackierten. Die Borussia tat sich eine Zeit lang schwer damit, blieb aber geduldig und hatte am Ende 75 Prozent Ballbesitz. Weiterlesen „DO trotzt dem Schema F“

Dortmunds Krise hat auch Gründe

1. Bundesliga, 13. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 0

Wer wollte dieser weisen Erkenntnis der ARD-Sportschau widersprechen? Fragen wir uns also mal wieder, welche Gründe dazu geführt haben, dass die Borussia auch am 13. Spieltag mit null Punkten nach Hause fährt. Und zu diesem Zeitpunkt der Saison so schlecht da steht wie seit knapp 30 Jahren nicht mehr – seit der Spielzeit mit dem legendären Relegations-Krimi gegen Fortuna Köln. Der Übersichtlichkeit halber erfolgt die Analyse in zwei Teilen. Über die Transferpolitik und erzwungene Transfers wird in der nahen Zukunft zu sprechen sein.

Gegen die Eintracht wurde der BVB erneut Opfer einer unguten Mélange aus haarsträubenden Abwehrfehlern, unglücklicher bis schwacher Chancenverwertung, fehlender Kreativität und grenzwertiger Schiedsrichterentscheidungen. Um es gleich zu sagen: Einen klaren Fehler wie Wolfgang Stark beging der Unparteiische Gagelmann jedoch nicht – obwohl das Einsteigen gegen Aubameyang vor dem 0:2 äußerst robust war.

Das Verletzungspech ist derzeit vor allem daher ein Problem, weil es im schwarz-gelben Kader doch größere Leistungsunterschiede gibt. Und die, die nach einer Verletzung wieder zurückkommen, noch nicht bei 100 Prozent sein können. Um es deutlich zu sagen: Eine Innenverteidigung aus Matthias Ginter und Neven Subotic muss so bald wie möglich vermieden werden. Mit sehr einfachen Mitteln waren die beiden heute zu überrumpeln – dass Piszczek / Großkreutz und Durm zu viele Flanken zuließen, kommt noch dazu. An Jürgen Klopp muss man wiederum die Frage stellen, warum er mit den zuletzt allesamt nicht besonders glücklich agierenden offensiven Mittelfeldleuten Großkreutz, Kagawa und Mkhitaryan begann. Gündogan oder Ramos von Beginn an wären naheliegende Alternativen gewesen.

Für die Abwehr, wo sich inzwischen selbst Roman Weidenfeller von der Unsicherheit anstecken lässt, ist hoffentlich bis Freitag Abhilfe in Sicht. Schwieriger wird es, die fehlenden Ideen und die Torgefahr von Marco Reus kurzfristig zu ersetzen. Ein ‚Weiter so‘ kann es im Offensivbereich auch nicht geben. Nachdem ein Festhalten an Personen und am System nicht wirklich geholfen hat, muss Klopp hier wieder mehr experimentieren. Adrian Ramos und Ciro Immobile sind im derzeitigen Kader die Einzigen, die einen ähnlichen Torinstinkt wie Aubameyang und Reus haben. Sie besser ins Spiel zu integrieren, wird in den nächsten Tagen eine wesentliche Aufgabe für Klopp und sein Team sein.

Machen wir uns nichts vor: Die Partie in Frankfurt war nicht gut und für Dortmunder Verhältnisse auch keine unglückliche Niederlage. Der Unterschied selbst zur Vorsaison ist groß. In den nächsten Wochen werden nach derzeitigem Stand bis auf Marco Reus alle Spieler wieder zur Verfügung stehen. Wenn das nicht weiterhilft – nur dann wäre Jürgen Klopp mit seinem Latein am Ende.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (38. Ramos), Subotic, Ginter, Durm – Bender, Kehl (74. Gündogan) – Mkhitaryan, Kagawa (74. Jojic), Großkreutz – Aubameyang. Gelbe Karten: Ginter, Großkreutz

Dortmund holt sich den Rekord

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 4 Eintracht Frankfurt 0

Das nächste tolle Ligaspiel, vier Tore und ein Rekord, der nicht dem FC Bayern gehört – was hätte man mehr erwarten können von der Neuauflage des Pokalduells vom Dienstag? Wie vermutet hatte Borussia Dortmund im eigenen Stadion weniger Probleme mit der Frankfurter Eintracht, zumal deren Trainer Armin Veh seine Mannschaft auf vier Positionen umbaute.

Wenig war zu sehen vom Spiel aus einem Guss, vom erfolgreichen Pressing, wie es die SGE unter der Woche noch praktiziert hatte. Die geänderte taktische Ausrichtung war ja zu erwarten gewesen, weniger jedoch die Aussetzer, die den Plan der Gäste früh obsolet machten. Der BVB dagegen zeigte, was Selbstvertrauen gepaart mit Lernfähigkeit ausmachen können. Gerade die von mir nach dem Pokalspiel noch kritisierte linke Seite mit Schmelzer und Großkreutz zeigte sich enorm verbessert; beide nutzten den Raum über den Flügel und setzten die Gäste-Defensive immer wieder unter Druck. Es dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, dass dem Frankfurter Rechtsverteidiger Jung früh ein schwerer Fehler unterlief, als er den Ball an Mkhitaryan verlor und dieser einen herrlich präzisen Pass in den Laufweg von Aubameyang spielen konnte: 1:0 nach zehn Minuten.

Überhaupt: Mkhitaryan und Aubameyang. Die persönlichen Erfolge in den letzten Partien haben offensichtlich gut getan. Wo sind jetzt die Zweifler, die Kommentarschreiber, die von „Fehleinkäufen“ sprachen? Und wenn wir gerade beim Thema sind: Wo ist die BVB-Krise? Wie ist die schwarz-gelbe Borussia aus der Winterpause gekommen, wie die andere? Und Leverkusen? ‚Miki‘ und ‚Auba‘ gehörten jedenfalls zu den Matchwinnern am Samstag, auch dank ihres zweiten gemeinsamen Tores: Gut zehn Minuten nach der Führung schlug ersterer einen Eckball in den Strafraum, Manuel Friedrich verlängerte mit dem Hinterkopf Richtung Tor, Keeper Trapp konnte den Ball per Reflex nur kurz abwehren und Pierre-Emerick stand frei und bereit, um einzuschieben.

Wenn es noch etwas Schatten beim Neuzugang aus St. Etienne gibt, dann betrifft er sein Passspiel. ‚Auba‘ gibt sich redlich Mühe, nach einem schnellen Lauf einen besser postierten Mitspieler wie etwa Lewandowski einzusetzen, doch das sollte noch präziser werden. Ein oder zwei Tore mehr wären dadurch gestern drin gewesen. Nach der beruhigenden Führung ließen die Schwarz-Gelben ihre Gäste etwas mehr in die Offensive gehen, wie es eigentlich deren Stil ist. Doch man ließ sich eben nicht hinten reindrängen, nicht nervös machen wie in manch anderem Spiel in dieser Saison. Weiterlesen „Dortmund holt sich den Rekord“

Ohne Autos fahr’n wir nach Berlin

In Deutschland gibt es derzeit mehr als einen unpopulären Autoklub: Nur gut 13.000 Zuschauer lockte der VfL Wolfsburg gestern zum DFB-Pokal-Viertelfinale nach Sinsheim. Was sicher ebenso sehr an den Gastgebern, der TSG Hoffenheim lag. Deutlich mehr dürften sich im April im Dortmunder Westfalenstadion einfinden, wo der VW-gesponserte Bundesligist zum Halbfinale antreten muss. Was deutlich mehr an den Gastgebern liegen dürfte.

Der allgemeine Wunsch nach einem Heimspiel für den BVB hat sich also erfüllt. Dass das gegen den Autoklub eine richtig schwere Aufgabe wird, brauche ich nicht zu betonen. Ihre Ambitionen haben die Vereins- und Konzernlenker der Wölfe durch die Verpflichtung des ehemaligen Borussia-Transferziels Kevin De Bruyne klar gemacht. Es hätte dennoch schlimmer kommen können. Der Sieger wird mit größter Wahrscheinlichkeit auf den FC Bayern treffen. Die zwar mit einem Heimspiel gegen den FCK – Sensationssieger in Leverkusen – das auf dem Papier einfachste Los bekommen haben. Jedoch um den Preis, dass sie merken werden, dass sich immer weniger neutrale Fußballfans für ihre Spiele interessieren.

Für Borussia Dortmund steht nun jedoch selbstverständlich zunächst die Partie gegen Eintracht Frankfurt im Vordergrund. Derselbe Gegner wie am Dienstag, jedoch im eigenen Stadion. Nach dem hitzigen Pokalfight dürfte es am Samstag etwas ruhiger zu gehen. Eintracht-Trainer Veh hat angekündigt, den Gelbsperren-gefährdeten Innenverteidiger Zambrano nicht einzusetzen – so wie er schon gegen die Bayern zwei Spieler draußen ließ. Ansonsten ist der wichtigste Ausfall bei den Gästen das erneute Fehlen von Kapitän Schwegler.

Jürgen Klopp wollte sich bei der heutigen Pressekonferenz aus naheliegenden Gründen nicht ausführlich zu taktischen Erwägungen äußern. Doch er ließ erkennen, dass die Partie vom Dienstag intensiv aufgearbeitet wurde und wird. Derart offensiv und aggressiv wie im Pokal im eigenen Stadion wird die SGE in Dortmund wohl nicht auftreten. Wenn die Schwarz-Gelben aus ihren Fehlern lernen, spricht nicht viel dafür, dass die Gäste noch mal derart großen Widerstand leisten können wie vorgestern. Zumal die Chance besteht, dass sich die personelle Lage der Borussia kurzfristig noch verbessert: Sven Bender ist bereits wieder voll im Lauftraining und selbst einen Einsatz von Marco Reus, bei dem nach letztem Samstag mit einer zweiwöchigen Pause gerechnet worden war, mochte Klopp nicht komplett ausschließen.

Eines dürfte sich übermorgen wiederholen: Die Stimmung wird ähnlich gut sein wie in Frankfurt. Eine würdige Kulisse, um den Wunsch des Trainers zu erfüllen, den er auf der PK äußerte: „Drei Punkte zu Hause wären auch mal wieder schön.“

Der Adler ist gelandet, BVB fliegt weiter

DFB-Pokal, Viertelfinale / Eintracht Frankfurt 0 BVB 1

Borussia Dortmund steht im DFB-Pokal unter den letzten Vier und ist damit einem wichtigen Saisonziel einen Schritt näher gekommen. Es war der erwartet schwere Pokalfight, doch insgeheim hatte man sich erhofft, dass sich der Qualitätsunterschied im Kader etwas häufiger zeigt. Angesichts der Verletztenliste war das vielleicht auch noch zu optimistisch.

Geplant war nach Jürgen Klopps Worten, die Frankfurter ruhig das Spiel machen zu lassen und etwas abwartender als gewöhnlich zu agieren. Es entwickelte sich eine sehr ausgeglichene Partie, in der die Frankfurter wie vermutet auf konsequentes Pressing im Mittelfeld setzten. Eigentlich war es eine angenehme Abwechslung, sich mal nicht als Heimmannschaft fühlen zu müssen, sondern auf Konter setzen zu können.

Leider gab es aber auch Dinge, die nicht so funktionierten wie erhofft und dafür sorgten, dass erst in der 83. Minute das entscheidende Tor fiel. Im Offensivspiel fehlte zeitweise die Übersicht, zu oft wurden Spieler auf den Flügeln übersehen. Ein ‚Übeltäter‘ war hier Henrikh Mkhitaryan, der aber sonst ordentlich spielte und schließlich auch den Eckball vor dem Treffer schlug. Im Spiel nach vorne gab es mit Pierre-Emerick Aubameyang und Sebastian Kehl zwei Akteure, deren Pässen es gelegentlich an Präzision mangelte. Hier wären sicher Reus und Hummels hilfreich gewesen. Und leider wirkte defensiv unsere linke Seite wieder mal alles andere als gefestigt. Schmelzer stand bei Frankfurter Angriffen oft sehr zentral, der Flügel war verwaist, generell passte die Abstimmung mit dem nach links beorderten Großkreutz nicht wie früher.

Die Chancen waren dennoch da und der Sieg letztendlich verdient. In der zweiten Hälfte erhitzte das Duell Carlos Zambrano gegen Robert Lewandowski die Gemüter. Der Frankfurter Abwehrspieler agierte hier unter der Überschrift „Austeilen, aber nicht einstecken können“: Er fiel theatralisch, setzte aber schon mal den Ellbogen gegen Lewa ein. Nicht nur deswegen war es ein klassisches Pokalspiel mit offenem Visier und stetem Auf und Ab. Zu den besten Akteuren gehörten Sokratis und Lewandowski, Sahin steigerte sich in Halbzeit 2. Am Ende wurde der enge Tanz durch einen Eckball entschieden. Keine schwarz-gelbe Stärke zuletzt, umso besser, dass es funktionierte. Kehl verlängerte Mkhitaryans Hereingabe, am langen Pfosten nickte Aubameyang ein, Frankfurts Rode war auf der Torlinie noch am Ball.

Nach der Führung kam von den Gastgebern nichts Gefährliches mehr, was den Sieg auch zu einem verdienten macht; allerdings kann man sicher anderer Ansicht sein als Jürgen Klopp, der von 70 richtig guten Minuten des BVB sprach. Trotzdem danke und jetzt ein Heimspiel, bitte!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Kehl, Sahin – Aubameyang (90. +4 Schieber), Mkhitaryan (89. Hofmann), Großkreutz – Lewandowski. Gelbe Karten: Sokratis, Schmelzer, Aubameyang. Tor: Aubameyang

Die Borussen kommen

Um direkt an das Ende des gestrigen Textes anzuschließen: Was gibt es in dieser Saisonphase Schöneres als einen Pokalabend mit einem Gegner wie Eintracht Frankfurt? Es wird laut, es wird gekämpft – hoffentlich nur auf dem Platz – und Borussia Dortmund hat ordentliche Chancen auf ein Weiterkommen im zum Saisonziel erklärten Wettbewerb.

Eintracht-Trainer Armin Veh machte vorletzte Woche Schlagzeilen, als er entschied, Sebastian Rode und Carlos Zambrano wegen drohender Gelbsperren gegen Bayern München zu schonen. Die Partie gegen den Titelaspiranten ging deftig verloren, doch dafür wurde die Begegnung, auf die Vehs Maßnahme zielte, erfolgreich gestaltet: Das Abstiegsduell gegen die zweite Eintracht entschieden die Frankfurter mit 3:0 für sich.

Obwohl die Liga natürlich Priorität genießt, hat Veh vor dem Pokalspiel schon mal klargestellt, dass es in dieser Partie keine Geschenke geben wird. Ungewiss ist allerdings, ob die SGE nicht unfreiwillig geschwächt antreten muss. Wie bei der Borussia haben sich am Wochenende auch zwei wichtige Akteure aus der Frankfurter Stammelf verletzt. Die Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler und Johannes Flum sind fraglich. Interessanterweise wollte sich Veh zu ihren Einsatzchancen nicht äußern, während Jürgen Klopp eher damit rechnet, dass die beiden nicht dabei sind.

Der Dortmunder Trainer machte auch bereits Andeutungen zur Aufstellung der eigenen Mannschaft. Im zentralen Mittelfeld sollte Sebastian Kehl an die Seite von Nuri Sahin rücken; ein Einsatz für Neuzugang Milos Jojic von Beginn an ist nach Klopps Worten nicht geplant. Wer Marco Reus ersetzen wird, ist ein größeres Geheimnis – hier stehen Jonas Hofmann und Kevin Großkreutz zur Debatte. Am wahrscheinlichsten ist wohl die Hereinnahme von Kevin, da Rückkehrer Piszczek auf dessen Position hinten rechts ein gutes Spiel machte und die Atmosphäre ganz nach dem Geschmack des Dortmunder Jungen sein dürfte.

Und wie stehen die Chancen? Beide Teams konnten sich am Samstag massiv gegenüber den letzten Spielen steigern und dürfen also mit Selbstvertrauen in die Partie gehen. Für die Gastgeber dürfte der Erfolg versprechendste Weg ein konsequentes Bearbeiten der Dortmunder Mittelfeldzentrale mit Kehl, Sahin und Mkhitaryan sein, die sich aus diversen Gründen im bisherigen Saisonverlauf noch nicht dauerhaft konstant präsentieren konnten. Wenn diese drei allerdings ihr Potenzial voll abrufen können oder der BVB über die Flügel auf der Höhe ist, dürfte es für die Eintracht schwierig werden – umso mehr, wenn Schwegler und/oder Flum ausfallen.

Anpfiff ist morgen erst um 20.45 Uhr. Hoffentlich relevant: Übermorgen wird nach der Begegnung HSV v Bayern das Halbfinale im Rahmen der ARD-„Sportschau live“ ausgelost.

Pech auf dem Platz, Glück in der Trommel

Borussia Dortmund muss in der vierten Pokalrunde zum vierten Mal auswärts antreten, bekommt es dafür aber auch im Viertelfinale nicht mit einem ganz dicken Brocken zu tun. Die Frankfurter Eintracht stellt auf dem Papier dennoch die bisher schwerste Prüfung dar – das liegt innerhalb der Logik dieses Wettbewerbs. So kann man ein Auswärtsspiel in Frankfurt natürlich auch nicht als leichte Aufgabe bezeichnen, schon gar nicht in einem Alles-oder-nichts-Spiel.

Und trotzdem: Wenn schon auswärts, warum dann nicht bei der Eintracht? Es dürfte eine äußerst stimmungsvolle Angelegenheit werden, dafür werden die beiden Fanlager sorgen. Abgesehen vom Zweitligisten Kaiserslautern hätte man sich auswärts keinen der anderen Klubs lieber gewünscht. Es läuft derzeit nicht rund bei der SGE; nur die Tordifferenz trennt Armin Vehs Team vom Relegationsplatz. Wie der andere überraschend in den Europapokal eingezogene Verein, der SC Freiburg, scheinen die Hessen mit der Mehrfachbelastung Probleme zu haben. Wobei das immer nur die nahe liegendste und wahrscheinlich nicht allein gültige Erklärung ist. Natürlich wird Anfang Februar auch eine Rolle spielen, welches Personal den Trainern zur Verfügung steht – Nachverpflichtungen im Winter dürften bei beiden Klubs nicht ausgeschlossen sein.

Für den BVB-Gegner von Samstagabend gab es ein zweites Mal an diesem Wochenende Bescherung: Bayer Leverkusen darf zu Hause gegen den FCK antreten. Der HSV hat vor heimischer Kulisse das Vergnügen mit dem FC Bayern und im Duell der ambitionierten Traditionsvereine trifft die TSG Hoffenheim auf den VfL Wolfsburg.