Wie der BVB beim Nachbarn nicht gewann

1.Bundesliga, 15. Spieltag / VfL Bochum 1 BVB 1

Unentschieden im „kleinen Derby“ (dass manche Dogmatiker sagen, es gäbe nur ein Derby, ist mir herzlich egal – von der Distanz und der Stimmung her war es gestern jedenfalls eins) – historisch gesehen ist das kein ungewöhnliches Ergebnis: Bei 22 von 68 Partien zwischen den beiden Revierklubs gab es keinen Sieger. Am Samstagnachmittag um halb sechs dürften sich jedoch zumindest alle Schwarz-Gelben gefragt haben, wie es dazu kommen konnte.

Nicht, dass das 1:1 wahnsinnig schwer zu erklären wäre – einigermaßen unglaublich war es trotzdem. Zunächst mal: größten Respekt für die gelungene Bundesliga-Rückkehr des VfL. Ich hätte nichts dagegen, wenn das kleine noch eine Weile das einzige Derby des BVB bliebe. Die Stimmung war dem Fernseher nach zu urteilen – und unter den gegebenen Bedingungen – grandios. Doch die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Es war über weite Strecken ein Spiel auf ein Tor. Am deutlichsten wird das für alle, die das Spiel nicht gesehen haben, an einer Statistik: Expected Goals aus dem Spiel heraus – 0,05 zu 2,34. Auf seinen xG-Wert von 1,06 kommt der VfL nur dank des Elfmeters (0,79) und einiger weniger Standards (0,22).

Eindeutige Zahlen, eindeutiger Elfer

Die Borussia machte gestern vieles richtig. Besonders wenn man die Gastgeber richtig früh anlief, gerieten diese in Schwierigkeiten – und auch die Zahl ihrer Ballverluste im Mittelfeld war beträchtlich. Laut der Fotmob App spielte der VfL 67 erfolgreiche Pässe in der gegnerischen Hälfte, der BVB 244. Die Schwarz-Gelben hatten eine Reihe hochkarätiger Chancen – Bellingham, natürlich Haaland, Reus, Schulz. Diese wurden teilweise erstklassig verteidigt – von Bochums Keeper Riemann, aber mehrere Male auch in höchster Not auf der Linie oder im Fünf-Meter-Raum von Abwehrspielern. Natürlich hätten die Gäste einige der Abschlüsse aber auch noch besser platzieren können. Und es hätte noch mehr Torgelegenheiten geben können, wenn etwa die Flanken des sonst sehr ordentlichen Nico Schulz an den Mann gekommen wären oder durch die Mitte die Entscheidungsfindung vor dem letzten Pass noch besser gewesen wäre.

Weiterlesen „Wie der BVB beim Nachbarn nicht gewann“

Dortmund und der Spielverderber

1.Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 2 Bayern München 3

Da sieht man mal wieder ein über weite Strecken wirklich atemberaubendes Topspiel und dann wird es durch einen umstrittenen Handelfmeter entschieden. Das ist unabhängig von der Bewertung der Schiedsrichter-Entscheidung einfach nur traurig. Natürlich ist diese Sichtweise schwarz-gelb gefärbt, aber sicher hätten sich auch viele neutrale Fußballfans einen anderen Ausgang dieser Partie gewünscht. Nun wird es kommen wie immer: Bayern wird mit 12 Punkten Vorsprung Meister. Das mag die Fans vieler Bundesligavereine gar nicht so sehr stören – für die, die von der Spitze träumen oder sich einfach nur ein spannenderes Rennen wünschen, ist es einfach frustrierend.

Klar, man könnte das Spiel jetzt noch im Detail analysieren. Da muss man allerdings Lust zu haben. Es war bis zum Elfmeter in der 78. Minute eine tolle Partie, aus welcher der BVB mit erhobenen Köpfen rausgehen kann. Lassen wir mal Mats Hummels außen vor, der eben einen rabenschwarzen Tag hatte, obwohl ihn nur beim ersten Bayern-Tor klar die Schuld traf. Traumtore von Julian Brandt, dem es nach seinem Zusammenprall den Umständen entsprechend gut zu gehen scheint, und Erling Haaland. Klar, mehr als ein Unentschieden hatte sich der BVB spielerisch nicht verdient – aber es wäre eben eines der besten Unentschieden seit Langem gewesen.

Weiterlesen „Dortmund und der Spielverderber“

Vorahnung bestätigt: BVB scheitert in Lissabon

Champions League, 5. Spieltag / Sporting 3 BVB 1

Es war kein gutes Omen: Raphael Guerreiro verletzte sich vor der Partie in Lissabon beim Aufwärmen und wurde in der Startelf durch Nico Schulz ersetzt. Ein Leistungsträger raus, ein gerade genesener Ersatzspieler rein: Ich war bestimmt nicht der einzige Fan, dem nach dieser Nachricht Böses schwante. Die Balance, die mit Guerreiro zwischen den Teams bestanden hätte, kippte in Richtung Sporting – es war ein Ausfall zu viel für die Schwarz-Gelben.

Es dauerte eine halbe Stunde, bis die Gastgeber aus genau der angesprochenen Personalie Kapital schlagen konnten. Zuvor hatte es die Borussia gar nicht schlecht gemacht und die Partie weitgehend kontrolliert ohne zwingend zu werden. Doch dann reichte ein langer Ball, den Schulz oder Pongracic hätten klären müssen, um das 1:0 einzuleiten. Schulz ging halbherzig hin und verlängerte nur, Pongracic konnte Goncalves nicht mehr aufhalten. Der Treffer veränderte natürlich die Statik dieses entscheidenden Spiels: Sporting konnte es noch ruhiger und defensiver angehen lassen.

Vorne und hinten zu wenig

Nicht, dass sich die Grün-Weißen ausschließlich damit begnügten – schließlich bedeutete ein Sieg mit zwei Toren die sichere Qualifikation fürs Achtelfinale. Der zweite Treffer neun Minuten später lag in der in dieser Szene einfach schlechten Raumdeckung begründet, an der eine Reihe von BVB-Spielern beteiligt war. Zu viele von ihnen orientierten sich am Ball, niemand deckte den Rückraum, wo wiederum Goncalves kurz vor der Strafraumgrenze lauerte. Satter Schuss, 2:0.

Weiterlesen „Vorahnung bestätigt: BVB scheitert in Lissabon“

Ein Haaland = zwei Tore + drei Punkte

1.Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 3 FSV Mainz 05 1

Man konnte sich schon wundern, warum der gerade von einer Verletzung genesene Erling Haaland in der Partie gegen Mainz nicht ausgewechselt wurde. Bis er dann mal wieder in der Nachspielzeit zur Entscheidung traf – und sich offensichtlich gut dabei fühlte. Es war sein zweiter Treffer in einer Begegnung, die der BVB verdient gewann. Doch ob das ohne die Präsenz des Norwegers gegen größtenteils diszipliniert verteidigende Gäste auch gelungen wäre?

Der Start war zweifellos optimal und das auch ohne Zutun von Haaland: Meunier hatte nach drei Minuten geflankt, die Mainzer konnten den Ball nicht klären, der zu Marco Reus sprang. Und der Kapitän zog sehenswert ab zum 1:0. Angesichts des folgenden Dortmunder Dauerdrucks hätte man eine klare Angelegenheit erwarten können – doch Mainz ist nicht das Mainz der Vorsaison. Trotz erdrückendem Übergewicht beim Ballbesitz gelang es dem BVB nach der wirklich starken Anfangsphase kaum noch, gefährlich in den Strafraum vorzudringen. Die Gäste standen zwar sehr defensiv, attackierten aber rechtzeitig in der Mitte ihrer eigenen Hälfte. Den Querpässen der Schwarz-Gelben in dieser Zone des Spielfelds folgte selten ein kreativer Pass in die Spitze. Hier machte sich womöglich das Fehlen von Rafa Guerreiro und Mo Dahoud bemerkbar.

Weiterlesen „Ein Haaland = zwei Tore + drei Punkte“

Dortmund gewinnt Sieben-Tore-Thriller

1.Bundesliga, 4. Spieltag / Bayer Leverkusen 3 BVB 4

Spiele gegen Leverkusen… inzwischen kann man da ja fast schon mit einem Spektakel rechnen. Aber die Partie gestern hatte wirklich alles, was ein Fußballspiel ausmacht und wird in bester Erinnerung bleiben. Klar waren da auch ein paar Fehler und Fehlpässe bei – das schadete aber dem extrem hohen Unterhaltungswert keineswegs. Der BVB kam dreimal nach Rückstand zurück und traf per Elfmeter zum Sieg – mehr kann man nicht verlangen.

Marco Rose hatte Neuzugang Marin Pongracic direkt in die Startelf beordert. Alles in allem machte der Kroate seine Sache gut. Beim frühen 1:0 der Gastgeber offenbarten sich aber noch Abstimmungsprobleme zwischen ihm und Abwehr-Kollege Manuel Akanji, so dass Florian Wirtz zwischen den beiden durchdribbeln konnte. Die Schwarz-Gelben zeigten sich aber zu keiner Zeit des Spiels geschockt, sondern versuchten immer direkt zu antworten. Es ging hin und her, es gab kaum Verschnaufpausen, es war eine Begegnung, die immer – oder zumindest bis in die Schlussphase – im Fluss war.

Tore und Fehler

Auf die Tore lohnt es sich, kurz einzeln einzugehen: Das 1:1 durch Haalands Kopfball wurde von Thomas Meunier mit einer Flanke vorbereitet. Der Belgier war offensiv auffällig, defensiv hat er noch Verbesserungsbedarf. Trotzdem war es eine seiner besten Partien in schwarz-gelb, was natürlich auch am bisherigen Niveau liegt. Leverkusens 2:1 war stark nach vorne gespielt; der BVB-Fehler lag hier bei Julian Brandt, der in der Nähe des gegnerischen Strafraums den Ball verlor. Doch auch der Rückstand kurz vor der Pause schockte die Borussia nicht: Schon wenige Minuten nach der Pause konnte Brandt an alter Wirkungsstätte seinen Fehler mit einem Klasse-Abschluss wieder ausbügeln.

Beim 3:2 durch Diaby im Anschluss an eine Ecke war es der sonst wieder starke Jude Bellingham, der Diaby den auf die linke Dortmunder Seite geklärten Ball nicht streitig machen konnte. Es folgte aber auch ein gezielter Schuss. Doch der BVB kam erneut zurück und mehr als das: Ein zauberhafter direkter Freistoß von Raphael Guerreiro traf das Ziel ebenso wie Erling Haaland vom Elfmeterpunkt. Die Entscheidung zum Strafstoß war allemal eindeutiger als das, was die Leverkusener auf der anderen Seite reklamierten. Ja, Koussounou schirmte zunächst gegen Marco Reus nur den Ball ab, machte dann aber eine eindeutige und unnötige Schlagbewegung, die den BVB-Kapitän im Gesicht traf – was durch Marcos Blut hinreichend belegt sein dürfte.

BVB siegt statistisch korrekt

Im Anschluss an die erstmalige Dortmunder Führung in der 77. Minute hätte ich von den Gastgebern noch etwas mehr erwartet, aber es sprang nur noch eine echte Chance durch Alario raus. Da war dann wohl der Tank nicht mehr voll genug. Egal, für uns Schwarz-Gelbe sowieso, es war dennoch ein Fest. Und der Sieg statistisch nicht unverdient, vor allem, was die Qualität der Chancen angeht: Die Gastgeber kamen auf 0,86 Expected Goals, der BVB auf 2,33 (davon 0,79 durch den Elfmeter) – hier waren die Schwarz-Gelben in der ersten Hälfte deutlich überlegen. Laut der FotMob App hatten die Gäste insgesamt vier Großchancen, Leverkusen eine.

Spannung und Spektakel für drei Spiele in einem – ob da der Champions League-Auftakt bei Besiktas am Mittwoch, 18.45 Uhr, mithalten kann?

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Pongracic (84. Hummels), Akanji, Guerreiro – Witsel (66. Malen) – Bellingham (89. Wolf), Dahoud – Brandt – Haaland, Reus. Gelbe Karten: Meunier, Haaland, Wolf. Tore: Haaland (2, davon 1 EM), Brandt, Guerreiro

Nur mal eben die Saison gerettet

1. Bundesliga, 33. Spieltag / FSV Mainz 05 1 BVB 3

Innerhalb von vier Tagen hat Borussia Dortmund zwei seiner Saisonziele erreicht. Der Pokalsieg und das Erreichen der Champions League hatten natürlich einen Vorlauf. Doch die Story der vergangenen BVB-Woche ist einfach zu schön, um sie nicht auch komprimiert zu erzählen. Schließlich sah es lange Zeit nicht danach aus, als könnten die Schwarz-Gelben eine arg durchwachsene Saison noch zu einem Happy-End führen. Gegen schon gerettete Mainzer reichte dazu eine professionelle Vorstellung.

Frische Pokalsieger gegen frische Nicht-Absteiger

Viel änderte Edin Terzic nicht gegenüber dem Pokalfinale drei Tage zuvor: Der gefeierte Lukasz Piszczek wurde wegen einer Muskelverhärtung von Thomas Meunier ersetzt, Emre Can wohl aus taktischen Gründen durch Reyna. Die Mainzer tauschten fünfmal und ihrem Spiel war insgesamt eher anzumerken, dass es um nicht mehr so viel ging. Sie kamen zwar nach einigen Minuten starken BVB-Drucks halbwegs ins Spiel, allerdings ohne selbst ernsthaft gefährlich zu werden. Es gelang den Gastgebern aber immerhin, den Schwarz-Gelben den Weg zum Tor zu verstellen. Dennoch wirkte das Spiel der Gäste halbwegs flüssig, so dass man durchaus die Hoffnung haben konnte, dass sich Geduld an diesem Tag auszahlt.

Das tat sie noch in der ersten Halbzeit gleich zweimal: Ein bisschen Pech und Unvermögen in der Mainzer Abwehr, Jadon Sancho als Vorlagengeber Nr. 1 – schon war die Champions League zum Greifen nah. Dabei hatte der erste Torschütze Raphael Guerrerio trotz seines absolut sehenswerten Treffers noch nicht mal einen besonders guten Tag erwischt, auch wenn er sich im zweiten Durchgang etwas steigerte. Marco Reus bestätigte mit dem 0:2 nochmal, dass er momentan immer zur rechten Zeit am richtigen Ort ist.

Die großen Versöhnungen

In die wegen eines Unwetters verspäteten zweiten Halbzeit starteten die 05er mit neuem Personal und viel mehr Elan. Der mündete in einigen Torchancen, die zum Teil durch Roman Bürki vereitelt wurden. Für den ehemaligen Stammkeeper deutet sich ein versöhnliches Saisonende an. Dann war wieder der BVB an der Reihe, ehe die Partie auszutrudeln drohte. Doch wir waren ja gerade bei versöhnlichen Enden: Kein Wunder also, dass auch noch der eingewechselte Julian Brandt traf – nach starker Vorarbeit von Erling Haaland. Und selbst Thomas Meunier machte eine ordentliche Partie. Der Handelfmeter für die Mainzer in der Nachspielzeit war zum Glück nur noch Ergebniskosmetik.

Knapp zwei Drittel Ballbesitz für die Borussia, allerdings ’nur‘ 13:11 Torschüsse und sogar einen zielgenauen weniger als die Gastgeber (4:5) – letztere recht positive Statistik verdankten die Mainzer allerdings nur ihrer starken Viertelstunde in Halbzeit 2. Und auch die recht ausgeglichenen Expected Goals (1,64:1,52 pro BVB) relativieren sich, wenn man den unglücklichen Handelfmeter herausrechnet (xG 0,79). Bemerkenswert und ein wenig bezeichnend: Schiedsrichter Harm Osmers verteilte keinerlei Karten an eins der beiden Teams.

Nun ist der BVB also qualifiziert für die Champions League. Am letzten Spieltag geht es im Fernduell mit dem VfL Wolfsburg noch um Platz 3. Ein rundum positives Saisonende also, das nur durch eine richtig peinliche Niederlage gegen Leverkusen noch getrübt werden könnte. So etwas wäre tatsächlich nicht s*****egal, sondern hätte auch etwas mit Charakter zu tun – man denke an das unschöne Finale der letzten Saison. Doch von so etwas brauchen wir heute nicht auszugehen – warten wir es entspannt ab!

Die Mannschaft: Bürki – Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro (84. Schulz) – Bellingham (87. Delaney), Dahoud – Reyna (76. Brandt), Reus (84. Hazard), Sancho (84. Reinier) – Haaland. Tore: Sancho, Reus, Brandt

So macht Europapokal Spaß

Champions League, Achtelfinale / BVB 2 FC Sevilla 2

Ich bin kein großer Freund der Champions League (mehr) – in einigen Texten dieses Blogs ist das schon durchgeklungen. Spiele wie gestern machen aber auch mir noch Spaß. Objektiv wie subjektiv gesehen hatte die Partie gegen Sevilla vieles, was zu einem Europapokal-Abend dazugehört: den K.O.-Modus, einen unbequemen, tendenziell unsympathischen Gegner, Kontroversen, einen Helden im eigenen Team, Spannung bis zum Schluss und den Erfolg für Schwarz-Gelb.

Hinten drin, aber mit viel Disziplin

Eine gute halbe Stunde sah die Partie ähnlich aus wie jene am Wochenende in München über weite Strecken: Durch frühes Attackieren setzten die Gäste die Schwarz-Gelben unter Druck und drängten sie weit in die eigene Hälfte zurück. Der BVB stand sehr tief und rückte selbst bei Ballgewinnen nicht konsequent genug raus, so dass es oft gar keine andere Option gab, als den Ball in der Nähe des eigenen Strafraums quer zu spielen oder wegzuschlagen. Das ließ nicht nur den Blutdruck der Fans steigen, sondern führte auch zu Ballverlusten. Positiv für die Borussia war, dass Sevilla nicht so präzise spielte wie die Bayern und vor allem die Dortmunder Innenverteidiger Hummels und Can vieles per Kopf ausbügelten. Die letzte Reihe hielt dem Druck stand.

So war es ein unverhofftes Glücksgefühl, als der BVB mit seinem zweiten nennenswerten Angriff mach 35 Minuten in Führung ging: ein schneller Konter nach Ballgewinn durch Delaney, an dessen Ende Marco Reus eine seiner seltener gewordenen Klasse-Vorlagen auspackte und Erling Haaland zur Stelle war. Der Norweger war kein unwahrscheinlicher Held, aber es ist nun mal erneut zu einem guten Teil ihm zu verdanken, dass die Schwarz-Gelben in der Champions League einen Erfolg feierten. Von seinem vermeintlichen bis zum gültigen 2:0 brauchte Haaland sechs Minuten – eine Story, wie sie nur der VAR schreiben kann.

VARrückte sechs Minuten

Zunächst überprüfte Schiedsrichter Cüneyt Cakir das Tor, das Erling mit einem Schuss im Strafraum erzielt hatte. Zuvor soll er Diego Carlos gefoult haben – allerdings stießen die beiden eher zusammen. Der BVB bekam das Tor dennoch aberkannt, dafür einen Elfmeter zugesprochen – für einen Zupfer an Haalands Trikot, der zeitlich weiter zurücklag. Den Elfmeter, den der Norweger selber schoss, parierte Torwart Bono. Die Partie lief weiter, bis Schiedsrichter Cakir schließlich auf Wiederholung des Strafstoßes entschied: Bono hatte zu früh die Torlinie nach vorne verlassen. Haaland schritt erneut zur Tat und traf genau ins rechte Eck, obwohl der Keeper auf die richtige Seite sprang. Die sechs Minuten bis dahin sorgten für Gesprächsstoff und trugen zur Geschichte des Spiels bei. Andererseits: Sollte dies nicht eher dem Sport vorbehalten bleiben? Von Spielfluss konnte während dieser Zeitspanne jedenfalls keine Rede sein.

Der Elfmeter für Sevilla in der 69. Minute war vertretbar. Dortmund hätte das Spiel ein-, zweimal entscheiden können, geriet erst gegen Ende noch mal richtig unter Druck. Und die Nachspielzeit hatte es in sich. Glücklicherweise war nach dem 2:2 nicht mehr lange zu spielen. Marwin Hitz hatte in der Schlussphase jedenfalls noch ein paar Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Neben ihm, Haaland und den Innenverteidigern muss man auch Thomas Delaney und vor allem in der zweiten Hälfte Jude Bellingham als Garanten für den Sieg nennen. Europapokal as it should be – und Dortmund steht im Viertelfinale.

Die Aufstellung: Hitz – Morey, Can, Hummels, Schulz – Delaney – Bellingham, Dahoud – Reus, Haaland, Hazard. Gelbe Karten: Morey, Haaland, Can. Tore: Haaland (2, davon 1 EM)

Es ist sooo Dortmund!

1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 1 FSV Mainz 05 1

Nur ein weiterer frustrierender Samstag: Borussia Dortmund gestaltete ihn in aus den letzten Jahren gewohnter Art. Einer großen Leistung in Leipzig ließen die Schwarz-Gelben ein 1:1 gegen den Tabellenletzten Mainz folgen. Immerhin war die Leistung nicht so schlecht wie beim Grottenkick letzten Juni.

Chancen genug, leider vergeben

Eine Sache, über die man unter Edin Terzic kaum noch meckern kann, ist die Aufstellung. Seine Umstellungen schienen durchweg Sinn zu machen: Dan-Axel Zagadou bekam in der Innenverteidigung mal wieder eine Chance von Beginn an. Leider ging es dann verletzungsbedingt nicht über 90 Minuten. Emre Can und der gegenüber Delaney kreativere Jude Bellingham machten im zentralen Mittelfeld ebenso Sinn wie die Hereinnahme von Julian Brandt, der sich gegen einen vermeintlich schlagbaren Gegner hätte Selbstvertrauen erspielen können.

Das Positive: In der ersten Halbzeit kreierten die Schwarz-Gelben einige echte Chancen, obwohl die Mainzer sehr defensiv und kompakt standen. Gegen Brandt und Reus parierte 05-Keeper Zentner, Bellingham traf den Pfosten. Die Borussia hielt zunächst an der Maxime fest, auch mal etwas nach vorne zu probieren, wenn der Erfolg nicht garantiert war. Das ist in jedem Fall besser anzusehen als die ständigen Rückpässe und das Quergeschiebe, in das man später phasenweise zurückfiel. Allerdings schaffte es sogar der Tabellenletzte in ein paar Szenen schnell in die Nähe des BVB-Tors – die Kehrseite der ’neuen‘ Spielweise. Weiterlesen „Es ist sooo Dortmund!“

Auswärtssieg: Terzic dreht an Knöpfen

1. Bundesliga, 12. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 2

1:2 in Bremen – mehr hat niemand erwartet, mehr hat Borussia Dortmund nicht geliefert. Aber das Notwendige war gestern in jedem Fall ein Erfolg und die Schwarz-Gelben brauchten dazu kein Glück. In der kurzen Zeit seit seiner Ernennung konnte Edin Terzic offenbar Manches ändern, auch wenn sich das noch nicht über 90 Minuten auswirkte.

Keine schwarz-gelbe Revolution

Dortmund begann mit einer Viererkette, in meinen Augen die stabilere Option für die schwarz-gelbe Deckung, und mit Youssoufa Moukoko im Sturm. Der 16-Jährige war agil, blieb bei seinem einzigen Torabschluss links aus kurzer Entfernung jedoch glücklos. Aber er war da und das machte etwas mit dem Angriffsverhalten der Borussia. Den Ball direkter und schneller nach vorne zu befördern funktioniert besser mit einer Anspielstation, die sich am Strafraum orientiert und damit Lücken beim Gegner in anderen Räumen schafft. Ja, das klappte nur phasenweise, aber es war ermutigend. Und wenn Erling Haaland erst zurückkehrt…

In anderen Phasen der Partie sah man noch viel horizontales Ballgeschiebe, wie wir es aus den letzten Monaten kennen. Und Dortmund war auch nicht resistent gegen schnelle Gegenstöße der Bremer. Witsel als alleiniger Sechser ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber die Defensive stand schon deutlich besser als gegen Stuttgart. Sechs Torschüsse der Bremer (BVB: 15), darunter keine echte Großchance. Das Tor der Gastgeber resultierte aus einem Ballverlust von Manuel Akanji im Mittelfeld, einem guten Bremer Angriff und einem Klasseschuss von Kevin Möhwald, der laut Sky einen xG-Wert von 5% hatte. Weiterlesen „Auswärtssieg: Terzic dreht an Knöpfen“

Jung und jünger

1. Bundesliga, 8. Spieltag / Hertha BSC 2 BVB 5

BVB-Trainer Lucien Favre schickte gestern in Berlin keine besonders junge Startelf auf den Rasen des Olympiastadions: 27,6 Jahre war deren Durchschnittsalter. Nach der Partie fokussierte sich dennoch alles auf die Jugend. Der 20-jährige Stürmer Erling Haaland traf viermal und Sturmkollege Youssoufa Moukoko wurde zum jüngsten Bundesligaspieler aller Zeiten, als er wenige Minuten vor Schluss mit 16 Jahren und einem Tag eingewechselt wurde.

Goal Phenomenon

Ein Hattrick innerhalb einer Viertelstunde, vier Tore in 33 Minuten – es war ein Tag der Superlative für den Dortmunder Superstürmer, der auf dem besten Weg ist, alle großen schwarz-gelben Torjäger der jüngeren Vergangenheit in den Schatten zu stellen. Marcio Amoroso, Lucas Barrios, Pierre-Emerick Aubameyang und vielleicht sogar der damalige Robert Lewandowski verblassen gegenüber der gestrigen Leistung des Erling Haaland.

Der Norweger kann das auf diesem Niveau nicht jede Woche abrufen – siehe Bayern-Spiel. Aber der BVB wird sich spätestens im Sommer vor äußerst lukrativen Angeboten nicht retten können. Erlings Antritt, die Ballannahme und -verarbeitung sowie sein Torriecher waren schlicht sensationell in Berlin. Er kreiert Tore selber – wie das dritte, begünstigt durch den schludrigen Pass des Berliners Plattenhardt auf Alderrete – oder er ist einfach an der richtigen Stelle, wie bei Cans Querpass vor dem 1:1. Weiterlesen „Jung und jünger“