Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?

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Borussia Dortmund erlebt den unruhigsten Sommer seit Jahren: Nach dem vollzogenen und mMn geglückten Trainerwechsel erfasst den Verein der Schneeballeffekt des Neymar-Transfers. Nach diesem Sündenfall gibt es bei den Akteuren der Spitzenklubs offenbar endgültig keine Hemmungen mehr. Doch verteilen wir die Schuld gerecht: Niemand kann Ousmane Dembelé befehlen, dem BVB-Training fernzubleiben. Dafür ist im Endeffekt schon der Spieler verantwortlich – genau wie Pierre-Emerick Aubameyang für zweifelhafte Äußerungen zu einer italienischen Modemetropole.

Letztlich wollten auch wir Fans es nicht so genau wissen. Wir haben uns alle ein wenig in Ousmane verliebt und Bedenken beiseite gewischt, die man hätte haben können – schließlich hat der Wunderknabe die gleiche Show schon mal in Frankreich abgezogen. Doch wir wollten seiner Darstellung der Dinge Glauben schenken und ihm vertrauen. Inzwischen haben sich auch BVB-Spieler wie Sokratis und Gonzalo Castro kritisch zu Dembelés Verhalten geäußert – was soll man auch sonst sagen? Eine Wiedereingliederung scheint derzeit schwer vorstellbar und doch darf der Verein nicht klein beigeben. Aus Prinzip, auch wenn andere solche Werte schon lange über Bord geworfen haben.

Angesichts der Richtung, in die sich der Profifußball entwickelt, kann man fast nur noch verzweifeln oder sich in Ironie flüchten. Ich respektiere die Leute, die Letzteres teilweise virtuos beherrschen und die Geschehnisse mit trockenem Humor kommentieren. Mir fehlt dazu beim Thema Fußball das Talent. Die einzige Lösung liegt auf dem Platz: Zum Glück geht es morgen wieder los. weiterlesen

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Countdown zum Derby: Noch 1 Tag

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Michael Zorc, Julian Weigl und Roman Bürki haben uns erklärt, wie wichtig ihnen das Derby ist. Nun müssen wir das nur noch morgen auf dem Platz sehen. Viele Gründe daran zu zweifeln gibt es nicht: Direkt nach der Länderspielpause scheint mir ein guter Zeitpunkt für das Spiel der Spiele zu sein. Auch wenn der eine oder andere viel unterwegs war.

Die Pressekonferenzen der Trainer haben noch die eine oder andere neue Info erbracht. Thomas Tuchel verriet heute, dass André Schürrle und Erik Durm verletzungsbedingt ausfallen. Schürrle hat sich bei seinem erfolgreichen Auftritt in Baku wehgetan, Erik im Training. Kein Grund zur Besorgnis, nur in mindestens einem Fall schade fürs Derby. Tuchel äußerte zudem, dass Shinji Kagawa frischer als Christian Pulisic vom Nationalteam zurückgekommen ist. Hinweis oder Täuschungsmanöver?

Generell hat man den Eindruck, dass der BVB-Trainer genau weiß, auf was es morgen ankommt. Doch den hatte man meistens vor den Spielen. Trotzdem schön, wie Thomas Tuchel die Derbyatmosphäre auf den Punkt bringt:

Die Entscheidungen sind noch einen Tick wichtiger. Jeder weiß, dass jeder Fehler entscheidend sein kann und man ihn erst in einem Jahr wieder korrigieren kann.

Gestern hatte auch Schalkes Markus Weinzierl noch nicht alle Karten aufgedeckt: Sead Kolasinac und Eric Maxim Choupo-Moting waren ebenfalls angeschlagen von ihren Länderspielen zurückgekehrt und der Trainer konnte noch nicht sagen, ob es bis morgen reicht. Der lange verletzte Spanier Coke wäre „nur im Notfall“ eine Option.

Mancherorts wurde in den letzten Tagen über das steigende oder ausbleibende Derbyfieber diskutiert. Ich bin zwar mit einigem, was den sogenannten „modernen Fußball“ ausmacht, nicht einverstanden. Aber trotzdem oder gerade deswegen und nach der Länderspielpause noch mehr freue ich mich auf dieses Derby. Und habe kein schlechtes Gefühl!

Überraschungsteam überraschend unterlegen

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1. Bundesliga, 22. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 3

Das hatte man sich deutlich schwieriger vorgestellt: Ein sehr spielfreudiger BVB ließ dem bisher so überzeugenden Aufsteiger SC Freiburg keine Chance und musste sich nur vorwerfen lassen, die Partie nicht früher entschieden zu haben. Trotz bester Gelegenheiten gelangen erst nach der Pause Tore aus dem Spiel heraus.

Drei Gedanken zum Spiel

Diese Pause tat gut. Was immer man auch über die Anforderungen an einen hochbezahlten Profisportler denkt: Der ständige Drei-Tages-Rythmus von Spiel zu Spiel fordert irgendwann seinen Tribut. Den schwarz-gelben Jungs hatte die einwöchige Pause sichtlich geholfen. Nicht nur, da taktisch gearbeitet werden konnte. Drei Spieler fielen im Wochenvergleich besonders positiv auf: Ein gesunder und fitter Raphael Guerreiro bringt Flexibilität und internationale Klasse ins Spiel der Borussia. Zum einen, weil er mit Übersicht und Präzision Standards treten kann – wie beim 1:0 zu bewundern. Zum anderen, weil er für Dynamik bis ins letzte Drittel sorgt und damit Marco Reus und Ousmane Dembelé entlastet.

Sokratis war zuletzt ungewohnt erratisch aufgetreten und hatte zudem einiges auf die Socken gekriegt. Letzteres war auch gestern der Fall, doch in der Defensivarbeit machte „Papa“ als Zentrum einer hoch stehenden Dreierkette eine gute Figur. Ebenso wie nach Guerreiros Freistoß vorne, als er per schön ins lange Eck platziertem Kopfball sein erstes Saisontor erzielte. Hilfreich für die Dreierkette war der starke Tag von Julian Weigl, der allerdings von den Freiburgern auch nicht vehement angelaufen wurde. So durchkreuzte er nicht nur manche Angriffsbemühung der Gastgeber, sondern spielte wieder seine anerkannt präzisen Pässe. weiterlesen

Abstiegskämpfer schlagen Vizemeister

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1. Bundesliga, 33. Spieltag / Eintracht Frankfurt 1 BVB 0

Keine Rekordpunktzahl, Bayern Meister – kurz vor Ende einer starken Spielzeit musste Borussia Dortmund doch noch mal einen Dämpfer hinnehmen. Letztlich war es ein verschmerzbarer und vor allem ärgerlich, weil unnötig.

Man hätte sich denken und darauf einstellen können, dass die Eintracht im letzten Heimspiel vor ihrem bekannterweise emotionalen Publikum noch mal alles raushauen würde, um den Abstieg zu verhindern. Genau das taten die Gastgeber und schafften es tatsächlich, den Vizemeister mit Dauerdruck und intensivem Anlaufen zu beeindrucken. Von einem souveränen Spitzenteam waren die Schwarz-Gelben in der Anfangsphase weit entfernt. Der starke Start der Eintracht kulminierte im 1:0 durch Aigner nach einer kurz ausgeführten Ecke. Erik Durm, der Piszczek vertrat, hatte ihm den entscheidenden Platz gelassen.

Der Rest des Spiels ist schnell auf den Punkt gebracht: Einbahnstraße in Richtung Frankfurter Tor. Angesichts von am Ende 84 Prozent Ballbesitz zu wenige Chancen für den BVB, die aber dennoch mindestens für einen Punkt hätten reichen müssen. Die SGE igelte sich ein, zog ihre erste Verteidigungslinie immer weiter zurück und vermochte es so tatsächlich, die Mitte halbwegs dicht zu halten. weiterlesen

Klopp bleibt nicht in Dortmund

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Europa League, Viertelfinale / BVB 1 FC Liverpool 1

Heute wird sich Jürgen Klopp in ein Flugzeug setzen und mit einem Unentschieden im Gepäck an die Merseyside zurückkehren. In einer Woche an der Anfield Road wird dann der sportliche Aspekt des Duells Dortmund gegen Liverpool wohl auch medial wieder mehr im Vordergrund stehen.

Das soll nicht heißen, dass es bei der Rückkehr des geliebten Erfolgstrainers nicht gekribbelt hat. Aber neben Dankbarkeit und Respekt spürte ich vor allem ein sportliches Kribbeln: Wie würde der BVB gegen den neuen Klub des ausgewiesenen Dortmund-Kenners aussehen? Wer am Ende die Oberhand behalten wird, ist nach dieser Partie noch offen. Aber leicht wird die Aufgabe für die Schwarz-Gelben nicht.

Es zeigte sich, dass ein hochmotiviertes Team mit Klopp’schem Pressing und Einzelkönnern wie Coutinho, Lallana oder Origi gegen die Borussia einiges ausrichten kann. Positiv war vor allem in der ersten Hälfte, dass der BVB darauf ruhig reagierte und es den Gastgebern so nach und nach gelang, doch ein deutliches Übergewicht zu schaffen.Was fehlte war die Präzision – oder die richtigen Entscheidungen in Strafraumnähe. Denn die Schwarz-Gelben hatten ein paar echte Chancen, aber vor allem viele Hätte-wäre-wenn-Szenen. Es scheint Spieler zu geben – etwa Erik Durm oder später Nuri Sahin – die unter Tuchel noch nicht so oft dabei waren und deshalb bei aller Auffälligkeit noch öfter falsche Entscheidungen bei Pässen und Schüssen treffen.
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Borussia Dortmund und das unerwartete Topspiel

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1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 3 Werder Bremen 2

Der SV Werder – tendenziell sympathischer gestrauchelter Spitzenverein, der sich gerade in einer Umbau- und Findungsphase befindet. Und auch in dieser Saison wieder gegen den Abstieg spielt. Daher hatten sicher nicht viele Dortmunder damit gerechnet, dass die Partie gegen die Weser-Kicker am Samstagabend wieder so umkämpft werden würde, wie sie traditionell ist.

Gegen gut gestaffelte und zunächst erstaunlich offensiv verteidigende Gäste taten sich die Schwarz-Gelben schwer. Wenige Chancen, mehr Ballverluste als gewohnt – das Gute an der Borussia 2015/16 ist, dass sie trotzdem unbeirrt weitermacht. Diese Geduld nötigt Respekt ab und ich persönlich kann mich mit der Spielweise unter Tuchel gut anfreunden. Der lange Pass wird nur gespielt, wenn er Sinn macht – selbst wenn eine Situation in der Nähe des eigenen Sechzehnmeterraums auf den Betrachter brenzlig wirkt.

Dass man sich gegen Bremen schwer tat, dürfte auch mit der Rotation zu tun gehabt haben. In der Innenverteidigung spielten Ginter und Bender; Sokratis war krank, Hummels wurde geschont. Man merkte dem BVB an, dass ihm die schwer berechenbaren Vorstöße des Kapitäns fehlten, der deshalb auch immer ein, zwei Gegenspieler bindet. Ebenso seine Übersicht in der Viererkette, die gestern fast eine Dreierkette war, da Marcel Schmelzer sehr offensiv spielte.

Klar, die Borussia hätte früher führen können. Der sehr aktive Erik Durm machte vor dem Tor keine glückliche Figur; hätte in einer Szene zu Reus abspielen MÜSSEN. Möglich, dass die EM-Fahrkarte noch im Hinterkopf mitspielte. Das schöne Tor über Reus, Miki und im Abschluss Aubameyang einige Minuten nach der Pause schien das Spiel dann zunächst in die gewünschte Bahn zu lenken. Bremen stand bei gegnerischem Ballbesitz nun deutlich tiefer und konnte kaum noch für Entlastung sorgen. Doch das unglückliche Eigentor von Castro in der Folge einer Ecke sorgte für die überraschende Wende. Beim 1:2 sechs Minuten später wurden die entblößten Flügel zum Problem – sie sind nicht das Territorium von Sven Bender.

Aber wer gut wechselt, darf auch rotieren. Thomas Tuchel brachte Ramos für Schmelzer und Pulisic für Reus, nachdem schon vor dem Rückstand Kagawa für Durm gekommen war. Alle drei Wechsel zahlten sich aus, auch wenn Pulisic ’nur‘ für Schwung sorgte. Dieser Kader hat inzwischen ein sehr positives Selbstverständnis, eine Niederlage wird schlichtweg nicht akzeptiert.

Wieder mal wurde also eine spannende Partie im Westfalenstadion gedreht. Selbst wenn es aufregender war als erwartet – die Freude auf die kommenden drei Spiele wird dadurch nur noch größer. Ach ja, und im Herbst spielen wir wieder Champions League.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Ginter, Bender, Schmelzer (80. Ramos) – Weigl – Durm (74. Kagawa), Mkhitaryan, Castro, Reus (80. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Castro. Tore: Aubameyang, Kagawa, Ramos

Die Geduldigen

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1. Bundesliga, 24. Spieltag / SV Darmstadt 98 0 BVB 2

Die Partien von Borussia Dortmund sind 2016 Geduldsspiele – für die Fans, für die Spieler. Doch wer wollte die Ergebnisse dieses Jahres gegen 90 Minuten Kabinettstückchen eintauschen – und hätten wir auch nur drei Punkte weniger? Denn die Spieler haben die Geduld, sich auf ein zähes Ringen gegen defensive Gegner einzulassen. Warum sollten die Fans sie dann nicht auch haben?

Man sollte ja als Favorit nicht allzu sehr über die Spielfläche meckern. Aber dem Augenschein nach hat mein Heimatverein, der stets klamme SV Babelsberg 03, in der Regionalliga Nordost einen besseren Platz als die Darmstädter. Lass die Gastgeber noch hinten drin stehen und mit hohen Bällen operieren und du bewegst dich auf schwierigem Terrain. Hinzu kam gestern, dass Thomas Tuchel beinahe eine Vollrotation vornahm – nur im Fall Roman Bürki war der Wechsel krankheitsbedingt. Doch so oft man bei diesen Umstellungen seine Zweifel hat, am Ende steht Tuchel fast immer mit drei Punkten da.

Wer gestern Gonzalo Castro erlebte – dem nicht alles gelang, der aber beide Tore vorbereitete – fragt sich höchstens, warum er nicht früher in die Mannschaft rotierte. Das wäre aber tatsächlich die einzige Antwort, die Tuchel mal geben könnte. Der Trainer ließ Reus und Piszczek gleich ganz zu Hause – um ihre Belastung zu dosieren. Dafür spielten Ramos und Ginter. Obendrein kam Felix Passlack zu seinem – um ehrlich zu sein unspektakulären – Pflichtspieldebüt. Adrian Ramos machte mehr Freude: Auch er wirkte zunächst gewohnt staksig und ohne Fortune. Doch wie er nach hinten arbeitete und auf seine Chance wartete, war aller Ehren wert. Beim Führungstreffer kam ihm sein langes Bein dann ganz gelegen.

Auch wenn Darmstadt in der zweiten Hälfte noch mindestens eine dicke Chance hatte, ist die Führung gegen ein Team mit einer solchen Taktik die halbe Miete. Der BVB hätte nachlegen und höher gewinnen können, Pierre-Emerick Aubameyang sich definitiv wieder an die Spitze der Torschützenliste setzen müssen – sein Tag war es gewiss nicht. Dafür der von Mats Hummels: Ein extrem souveräner Auftritt vom Kapitän, der mit einem Soloantritt den Dosenöffner für das 1:0 gab. Sein angebliches Foulspiel im Strafraum erfolgte offensichtlich nach Vrancics Abschluss. Der Darmstädter hätte den Ball so oder so niemals mehr erreichen können.

Die zweite Hälfte der Partie am Böllenfalltor war jedenfalls deutlich interessanter als die erste. Dortmund geriet nie ernsthaft in Gefahr, als Darmstadt aufmachen musste – man hatte nach dem 2:0 durch Durm nie das Gefühl, dass der BVB nicht mehr hätte nachlegen können, wenn es nötig geworden wäre. Kurz nach Abpfiff wurde dann zur Gewissheit: Die von mir hochgeschätzten Mainzer haben tatsächlich in München den FC Bayern geschlagen – durch ein spätes Siegtor. Eine ideale Dramaturgie vor dem Topspiel am Samstag. Allein für die Spannung sei den 05ern schon mal gedankt!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Subotic, Hummels, Durm – Gündogan (83. Leitner), Weigl – Passlack (70. Mkhitaryan), Castro, Ramos – Aubameyang. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Ramos, Durm

Vizekusen macht Pause

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1. Bundesliga, 22. Spieltag / Bayer Leverkusen 0 BVB 1

Der Auswärtssieg in Leverkusen wird noch für Gesprächsstoff sorgen, doch für Borussia Dortmund ist eigentlich nur eins interessant: Mit nunmehr 15 Punkten Vorsprung ist die Vizemeisterschaft für die Schwarz-Gelben kaum noch zu verspielen. Die Hoffnungen der Gastgeber auf ihren ehemals angestammten Titel dürften sich auch in diesem Jahr nicht erfüllen.

Spiele gegen Bayer Leverkusen waren schon häufiger umkämpft und hitzig – heute stellte da keine Ausnahme dar. Thomas Tuchel ging es mit einem recht defensiv ausgerichteten Mittelfeld an: Etwas überraschend spielte unsere Nummer 6, Sven ‚Manni‘ Bender, wieder auf der ‚6‘; Matthias Ginter etwas davor im zentralen Mittelfeld. Dafür formierte sich bei eigenem Ballbesitz hinten zeitweise nur eine Dreierkette; Erik Durm rückte dann links weit nach vorne, ähnlich wie Schmelle gegen Porto.

Gewinnst du in Leverkusen, kann das nicht ganz falsch gewesen sein. Ich bin allerdings nach wie vor kein großer Leitner-Fan. Moritz in der Startelf und Castro nicht im Kader – das würde ich von Tuchel gerne mal erklärt haben. Um fair zu sein: Leitner war engagiert, spielte den ein oder anderen guten Pass. Aber ihm fehlen Physis, Präsenz und Übersicht, die etwa Ilkay Gündogan und Nuri Sahin – wenn auch jeweils in unterschiedlichem Maße – auszeichnen. Im Mittelfeld vermisste die Borussia einen, der die Bälle erst mal festmacht und dann effektiv weiterleitet. weiterlesen

BVB auf dem Weg nach Europa

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1. Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 2 Hertha BSC 0

Borussia Dortmund hat sich im vorletzten Heimspiel der Saison eine gute Ausgangsposition geschaffen, um auch ohne den von allen ersehnten Pokalsieg in der kommenden Spielzeit im Europapokal vertreten zu sein. Hilfreich war dabei, dass die Formkurve der Hertha nach unten zeigt und etwa ein Spieler wie Ben-Hatira ersetzt werden musste. Denn mehr als zwei bis drei Chancen hatten die Gäste nicht in der Partie, obwohl sie es bis zum Schluss versuchten.

Bei den Schwarz-Gelben musste Jürgen Klopp Kuba ersetzen. Kevin Kampl kam für ihn in die Startelf und legte einen eher farblosen Auftritt hin. Derzeit besser in Form: Henrikh Mkhitaryan, der beide Treffer vorbereitete, viel zum Spiel beitrug und bei seiner besten Einzelaktion auch nur knapp das Tor verfehlte. Sollte Thomas Tuchel wirklich seinen Verbleib gefordert haben, sieht man nun warum.

Bei den Berlinern fehlte selbst bei gegnerischen Standards die defensive Stabilität und offensiv wussten gestern weder Kalou noch Wagner im Sturmzentrum zu überzeugen. Der BVB profitierte davon, ohne dass jeder eigene Spieler glänzen musste. Die Abwehr stand erneut beeindruckend sicher und die Gründe, Mitch Langerak wieder aus dem Tor zu nehmen, schwinden mehr und mehr. Erik Durm konnte gestern endlich einmal zählbar nachweisen, was ihn im Vergleich zu Marcel Schmelzer auszeichnet.

Das Ergebnis hätte höher gestaltet werden können, doch da auf den anderen Plätzen fast alle Resultate für die Borussia ausfielen, wird da sicher niemand kleinlich drauf schauen. Natürlich kann die Lage auf dem ersten Weg nach Europa nach dem Auswärtsspiel in Wolfsburg schon wieder ganz anders aussehen. Es bleibt spannend – um Platz 5 bis 7 wie ganz unten.

Die Aufstellung: Langerak – Durm, Subotic, Hummels, Schmelzer (71. Piszczek) – Kehl, Gündogan – Mkhitaryan, Kagawa (84. Bender), Kampl – Aubameyang (66. Immobile). Gelbe Karten: Kehl, Subotic. Tore: Subotic, Durm

Müde aber zufrieden

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DFB-Pokal, Viertelfinale / BVB 3 TSG Hoffenheim 2 (n.V.)

Spiele von Borussia Dortmund sind derzeit anstrengend. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit „langweilig“ oder „schlecht“. Am Samstag war das stets emotionale Duell gegen den FC Bayern verbunden mit Frust über die Unfähigkeit der Schwarz-Gelben, gegen mauernde Gäste mehr als zwei, drei Chancen herauszuspielen – und natürlich mit Ärger über Schiedsrichter Knut Kircher, der vom „Kicker“ am Dienstag vor allem wegen der Fehlentscheidungen gegen den BVB die Note 5 bekam.

Gestern bescherte uns die Borussia nun einen langen Pokalabend gegen einen ungeliebten Kontrahenten. Mit viel Kampf, einigem Krampf und spätem Glück. Auch das schlauchte etwas. Nach dem 1:2 in Folge des kapitalen Patzers von Neven Subotic ertappte ich mich wieder beim Gedanken an eine der ärgerlichsten Niederlagen der letzten Jahre, die Partie gegen denselben Gegner am letzten Spieltag 2013. Was hätten die schwarz-gelben Jungs uns alles ersparen können. Doch zum Glück zeigte der BVB doch noch seine in den letzten Jahren erworbenen Pokal-Qualitäten.

Gut möglich, dass der Umschwung mit dem Support durch das ausverkaufte Stadion zu tun hatte, das absolut keine Lust auf eine weitere entscheidende Niederlage gegen die TSG verspürte. In der ersten Hälfte hatten die Borussen enttäuschend wenig echte Torgefahr gegen eine keinesfalls sattelfeste Gäste-Defensive verbreitet. Ohne Marco Reus und Mats Hummels, die mit Schmerzen, aber ohne schlimme Verletzungen ausfielen, fehlten wichtige Impulsgeber. Henrikh Mkhitaryan hatte gute Ideen, die er aber schwach umsetzte. Shinji Kagawa war zu selten zu sehen, dann allerdings effektiver als der Armenier. weiterlesen