Das Derby, das keiner wollte

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Eigentlich hat diese Begegnung alles, was ein saftiges Lokalderby ausmacht: Die Vereine Plymouth Argyle und Exeter City liegen nur rund 74 Kilometer auseinander. Und sie standen sich letzte Saison auch in der Liga gegenüber. Doch am Dienstag trafen die ‚Pilgrims‘ (Plymouth) und die ‚Grecians‘ in einem Wettbewerb aufeinander, den in England wohl keiner richtig ernst nimmt. Auch wenn die Beteiligten selbstverständlich pflichtbewusst sagen, man wolle gut abschneiden.

Die EFL Trophy, derzeit nach einem Sponsor Checkatrade Trophy benannt, ist ein Pokalwettbewerb mit einer regional (nach Nord/Süd) aufgeteilten Gruppenphase und darauffolgenden KO-Runden. Teilnehmer waren bisher alle Vereine aus League One und League Two, also der dritten und vierten Profiliga Englands. Doch nun wurden zusätzlich 16 U21-Mannschaften von Premier League- und Championship-Teams integriert – und die Trophy verlor in den Augen vieler endgültig ihre Ernsthaftigkeit.

Nach dem Liga-Alltag, dem FA- und dem League Cup (neuerdings: Curabao Cup) spielt die EFL Trophy ohnehin nur die vierte Geige. Kein Wunder, dass sich im Home Park von Plymouth am Dienstag nur rund 3800 Zuschauer einfanden – der Ligaschnitt von Argyle liegt bei rund 9000. Immerhin war es immer noch ein Derby und die stark rotierten Mannschaften wollten sich beweisen. Die zweimalige Führung von Exeter durch Stürmer Liam McAlinden und den von West Bromwich Albion geliehenen Jung-Offensiven Kyle Edwards konnte Plymouth zweimal recht flink kontern. Nach 90 Minuten gab es dann Elfmeterschießen, das Argyle 5:3 gewann. Dafür bekommt der Sieger zwei Punkte, der Verlierer einen.

Man darf jedoch davon ausgehen, dass sich die Grecians und ihr Trainer Paul Tisdale nicht lange grämen werden, dass die Trophy für sie bald zu Ende sein dürfte. Am Samstag wartet Carlisle. Das wird zwar kein Derby, aber saftig geht es da meistens zu.

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Vom Trauma zum Traumstart

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1:2 im Play-Off-Finale, danach noch den „Young Player of the Year“ und zuletzt den Finaltorschützen verloren – man könnte vermuten, dass der englische Viertligist Exeter City ein wenig länger für den Neuaufbau braucht. Ollie Watkins und David Wheeler, die beiden angesprochenen Spieler, gehörten zu den Säulen des Teams. Nun verdienen sie ihr Geld aber nicht mehr im Südwesten des Landes, sondern in der Metropole London, bei den Zweitligisten Brentford und Queens Park Rangers.

Der über einen Supporters Trust fangeführte Fußballklub aus Exeter ließ Spieler gehen und sich Zeit mit Neuverpflichtungen. Um es am „Transfer Deadline Day“ schließlich krachen zu lassen. Flügelspieler Wheeler ging, doch Trainer Paul Tisdale holte gleich vier Neue. Vom schottischen Erstligisten FC Aberdeen kam Angreifer Jayden Stockley für eine Rekordablösesumme. Um das ins Verhältnis zu setzen und obwohl die genaue Summe nicht bekanntgegeben wurde: Wir reden hier von sechsstelligen Beträgen.

Ein Spieler mit einigen Minuten Premier League-Erfahrung kam aus London von Crystal Palace: Hiram Boateng verstärkt das defensive Mittelfeld. Und ebenfalls aus der ersten Liga, von West Bromwich Albion, konnte Tisdale noch zwei Youngster auf Leihbasis loseisen: Rechtsverteidiger Kane Wilson und Offensivmann Kyle Edwards. Stockley ist mit 23 Jahren der Älteste des Quartetts. weiterlesen

Die Schönheit der Play-Offs

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Wenn BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sich zum englischen Fußball äußert, kommt selten etwas Gescheites dabei heraus. Auch diese Woche hat er wieder tief in die Populismus-Kiste gegriffen: Aufgrund der Ticketpreise sei die gesamte „working class“ – die es in England so genauso wenig noch gibt wie in Dortmund – aus den Stadien verschwunden. Auf den Tribünen säßen in England nur noch Investmentbanker. Wenn also jemand von „Schwatzke“ reden möchte, dann wegen solcher Äußerungen – die über den deutschen Fußball sind dagegen ziemlich differenziert.

Natürlich sind die Ticketpreise in der Premier League hoch – aber nicht überall gleich und für Auswärtsfans gibt es nun verbilligte Karten. Auch in den drei anderen Profiligen, der Football League, liegen die Preise tendenziell über denen in den entsprechenden deutschen Spielklassen. Aber wir reden dort von Preisen zwischen 20 und 30 Pfund. Und für den nur peripher an Fußball interessierten Investmentbanker zählt doch vor allem die Premier League. Obwohl sich unterhalb davon oft die wahren Dramen abspielen. Wie in dieser Woche …

Es war einmal in Exeter, einer Universitätsstadt von 127.000 Einwohnern, die ansonsten für ihre Kathedrale bekannt ist und im schönen Devon im Südwesten des Landes liegt. Der örtliche Fußballverein Exeter City ist gleich in mehrfacher Hinsicht besonders. Sein Spitzname „The Grecians“ – die (alten) Griechen – lässt sich nicht abschließend erklären. Seit 2003 gehört der Verein dem Supporters Trust – also seinen Fans. Nicht dass es danach nur aufwärts gegangen wäre. Doch seit 2006 hält City trotzdem an Trainer Paul Tisdale fest – einem unglaublich bodenständigen, aber auch kompetenten Mann, der nun die Früchte seiner Arbeit ernten könnte.

Die Saison 2016/17 in der viertklassigen League Two allein war für die Grecians schon eine Achterbahnfahrt sondergleichen: Im November stand der Klub am Tabellenende. Der Absturz aus dem Profifußball in die National League drohte. Doch zum Saisonende hatte sich Exeter tatsächlich auf Platz 5 und damit in die Play-Offs vorgearbeitet. Gegner war Carlisle United, das Team, das die Grecians in dieser Saison zweimal und sogar noch am letzten Spieltag geschlagen hatte. Das Hinspiel letztes Wochenende in Carlisle endete 3:3 – nachdem die Grecians bereits 3:1 geführt hatten.

Ein noch größerer Thriller war dann das Rückspiel am Donnerstag: Exeter lag erneut mit zwei Toren vorne. Erzielt hatte sie Ollie Watkins, ein Produkt der angesehenen Jugendakademie des Vereins – und in dieser Saison „Young Player of the Year“ der Football League (Ligen 2 bis 4). Doch Carlisle kam erneut zurück – der Ausgleich durch John O’Sullivan in der 90. Minute hätte die Verlängerung bedeutet. Hätte nicht Jack Stacey, Leihspieler vom FC Reading, sein erstes Tor für Exeter geschossen. In der fünften Minute der Nachspielzeit, mit einer Perle von Schuss. Ich war nicht da, aber auch 7450 Zuschauer im ausverkauften St James Park können wohl ordentlich Krach machen. Die Grecians fahren nach Wembley und treffen dort auf den FC Blackpool.

Ich weiß nicht, ob Aki Watzke schon einmal von Exeter City gehört hat. Aber der englische Fußball ist mehr als nur Chelsea, Arsenal und die Manchester-Klubs. Und bietet keinen Anlass für Pauschalurteile und billigen Populismus.