Darth Didi siegt in Dortmund

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1. Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 2 RB Leipzig 3

Borussia Dortmund verliert das Spiel, das man neben dem Derby unter keinen Umständen verlieren will. Die dunkle Macht triumphiert dank einer ersten Hälfte, in der sie die Schwarz-Gelben kaum zur Entfaltung kommen ließ und grobe Abwehrfehler eiskalt ausnutzte. Am Ende eines spektakulären Spiels hätte der BVB das Unentschieden verdient gehabt – so sind aber die grandiose Heimserie und die Fünf-Punkte-Führung Vergangenheit.

Drei Gedanken zum Spiel

Die Schwarz-Gelben haben in der Außenverteidigung einen veritablen Engpass. Ich gebe zu, noch vor dieser Partie habe ich das optimistischer gesehen. Schmelzer und Piszczek waren für mich – und da bin ich nicht der Einzige – nie das Nonplusultra auf ihren Positionen. Jeremy Toljans Verpflichtung habe ich daher begrüßt. Gestern spielte der 23-Jährige eine Hälfte hinten rechts und sah vor allem beim 1:2 ganz alt aus. Man muss es so deutlich sagen: Der Junge ist noch nicht so weit für ein solches Spiel – und auch noch nicht so weit wie Schmelle und Piszczu. Jetzt bleibt uns nur, die schnelle Rückkehr von Ersterem und vor allem von Raphael Guerreiro herbeizusehnen.

Doch es haperte auch auf anderen Positionen. Nicht nur Toljan musste zur Pause Pulisic Platz machen. Für Nuri Sahin kam zum Wiederanpfiff Julian Weigl. Unserem Dreier-Mittelfeld fehlte eindeutig die Bindung zur Viererkette. Es war wenig Spielaufbau zu sehen, dafür viele weite Abschläge von Bürki und lange Pässe der Abwehr. Sahin kam nicht zurecht, Mario Götze steigerte sich immerhin in der zweiten Hälfte, ‚Gonzo‘ Castro gefiel zunächst noch am ehesten. weiterlesen

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Rindfleischburger zum Frühstück

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1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 1 RB Leipzig 0

Ein Sieg für die Freunde des Fußballs – da schmecken die Brötchen und der koffeinhaltige Kaffee am Sonntagmorgen besonders gut. Borussia Dortmund fand gegen den Tabellenzweiten die richtige Taktik und die richtige Einstellung, ließ kaum Chancen zu und hatte es sich selbst zuzuschreiben, dass die beinahe letzte Spielsekunde beinahe noch schrecklich wurde.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war auch ein Sieg des Matchplans. Ein Sieg von Thomas Tuchel über seine Kritiker, die tatsächlich äußerst diffus in ihren Argumenten sind und vor allem das nachplappern, was die Bild-Zeitung kolportiert. Gestern hatte sich der Trainer die richtigen Gedanken vor dem Spiel gemacht und seine Spieler setzten sie um. Gegen bekanntlich sehr früh pressende Leipziger einen spielstarken Innenverteidiger wie Marc Bartra zu bringen, zahlte sich aus – auch wenn der Spanier nicht komplett ohne Fehl und Tadel blieb. In der Offensive setzte Tuchel überspitzt gesagt alles auf einen Flügel: Erik Durm und Ousmane Dembelé bildeten über rechts ein technisch starkes, handlungsschnelles Duo, das vor allem in zwei Situationen, darunter das 1:0, glänzend agierte.

Überhaupt: Dem fantastischen Dembelé gebührt in Normalverfassung ein Stammplatz. Mit Auba und ihm zwei äußerst schnelle Spieler gegen die Pressingmaschine Leipzig zu setzen, war ohnehin goldrichtig. Marco Reus erwischte dagegen einen, nun ja, unglücklichen Tag. Einsatz und Laufwege stimmten, doch der Abschluss kostete die Fans der Schwarz-Gelben einige Nerven. Drei Großchancen gegen RB zu vergeben wäre fast unverzeihlich gewesen. Dennoch: Für mich gehört Reus neben Aubameyang und Dembelé in die BVB-Offensive. Dass damit ein 55-Millionen-Duo auf der Bank Platz nehmen muss, haben andere zu verantworten. weiterlesen

BVB verwandelt späten Matchball

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DFB-Pokal, Viertelfinale / VfB Stuttgart 1 BVB 3

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Englische Witterungsverhältnisse und einen echten Pokalfight hat Borussia Dortmund gestern in Stuttgart überstanden. Dabei konnte der VfB die Partie lange, aus schwarz-gelber Sicht unnötig lange offen halten. Bis die Erlösung durch einen Konter über Aubameyang und Mkhitaryan gelang.

Dass den Stuttgartern ein vergleichbarer Treffer nicht gelang, darf sich die BVB-Defensive durchaus anrechnen. Die Angst vor der Konterstärke der Gastgeber war womöglich auch der Grund für Thomas Tuchel, mit Ginter und Durm und nicht etwa mit Gonzalo Castro zu beginnen. Warum der aber 90 Minuten auf der Bank sitzen blieb, ist eine schwerer zu beantwortende Frage.

Begonnen hatte alles mit dem angesichts Ticketpreisen von teils über 70 Euro nachvollziehbaren Fanboykott der Initiative „Kein Zwanni für nen Steher“. Knapp 20 Minuten blieben die Ultras draußen, während die umliegenden Blocks doch schon mit vielen BVB-Fans gefüllt waren. Kurz nach der Rückkehr der Stimmungsmacher fiel der Stuttgarter Ausgleich, nachdem Reus schon nach fünf Minuten zum 1:0 getroffen hatte. Dennoch kein Grund, gleich zum Tennis gehen zu wollen.

Der VfB blieb abgesehen von seinem Tor in der ersten Hälfte weitgehend ungefährlich, der BVB dominierte. Das schöne Tor von Auba, dessen Auftritt gegen Ingolstadt schnell vergessen war, fiel folgerichtig.

In Halbzeit 2 ging es zunächst so weiter und die Borussia hatte alle Chancen, das Spiel zu entscheiden. Doch Aubameyang scheiterte an Langerak, Gündogan, sonst sehr präsent, spielte nicht ab und einmal wurde der Ball im Strafraum fast schon slapstickhaft vertändelt. Unterdessen bekam der VfB mehr und mehr Zugriff auf das Spiel und hatte seine Chancen. Die durch schwaches Zielen und einen starken Bürki ohne zählbaren Erfolg blieben.

Lange sah es so aus, als würde die Borussia am Ende noch für ihre Fahrlässigkeit bestraft. Doch kurz vor Schluss war es der BVB, der mit zwei Mann alleine auf Torwart Langerak zukam. Und für erleichterte Freude in der Gästekurve sorgte.

Spitzenreiter ohne Feier

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1. Bundesliga, 2. Spieltag / BVB 2 Eintracht Braunschweig 1

Borussia Dortmund ist Spitzenreiter – doch der Auftritt der Schwarz-Gelben auf dem Feld und den Tribünen wirkte lange Zeit blutleer. Die Ultras verweigerten wegen einer Polizeiaktion vor der Partie den Support und den Spielern musste erst Trainer Klopp eine Infusion namens Jonas Hofmann geben, um den Erfolg zu erzwingen. Dennoch: Auf Platz 1 steht der BVB und hat derzeit keinen Grund, sich nach irgendjemand ängstlich umzuschauen.

Grund für den Stimmungsboykott der Ultras war eine Durchsuchung der Polizei vor dem Spiel, über deren Ziel und Ausmaß es derzeit noch keine eindeutigen Informationen gibt. Die Ruhr Nachrichten schreiben, dass alle drei Ultra-Gruppierungen vor dem Spiel von der Polizei eingekesselt und gefilzt worden seien. Außerdem sei den Gruppen laut The Unity-Sprecher Jan-Hendrik Gruszecki verboten worden, Trommeln mit ins Stadion zu nehmen. Die Polizei Dortmund wiederum hat eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der die Rede davon ist, dass 60 Mitglieder der Desperados angehalten und kontrolliert wurden, da sie in der Vergangenheit strafrechtlich relevante Banner gezeigt hätten. Vergleichbares wurde heute nicht festgestellt.

Was bleibt dem zu sagen, der nicht dabei war und das Spiel in der Kneipe gesehen hat? Ein Westfalenstadion, das am ersten Spieltag fest in der Hand der frisch aufgestiegenen Gästefans war, findet natürlich kein Schwarz-Gelber schön. Ob das wirklich auf das Spiel abgefärbt hat, ist Spekulation – den Anschein hatte es sicherlich. Bis die Polizei weitere belastbare Infos rausgibt, wirkt der Zeitpunkt der Durchsuchung willkürlich – umso mehr, da nichts gefunden wurde. Warum sollten ausgerechnet gegen Braunschweig neue Schmähplakate auftauchen? Andererseits haben die Desperados in der vergangenen Saison mehr als einmal negativ auf sich aufmerksam gemacht und wären wirklich nur sie betroffen, hielte sich das Mitleid wohl bei vielen in Grenzen.

Bleibt die Frage, ob der Stimmungsboykott am ersten Spieltag wirklich die richtige Protestform war. Gruszecki hat ihn als quasi alternativlos dargestellt, weil er am meisten Aufmerksamkeit erzeuge. Doch wird da wirklich die Verhältnismäßigkeit gewahrt angesichts von möglicherweise nur 60 Durchsuchungen? Kann man nicht doch mal über andere Protestaktionen, etwa in der Stadt, nachdenken? Ein endgültiges Urteil sollte man ohnehin erst bilden, wenn weitere Details bekannt sind.

Und das Spiel? Es war meistens nicht gerade ansehnlich. Im letzten Drittel fehlten den Schwarz-Gelben vor allem in der ersten Hälfte die Inspiration und die Genauigkeit. Manche Pässe waren gut gedacht, wurden aber schlecht ausgeführt oder vom Empfänger nicht antizipiert. Kevin Großkreutz hatte auf seiner neuen Position rechts hinten keinen guten Tag und Nuri Sahin ist von seiner früheren Form weit entfernt – Ausnahmen sind seine Standards. Henrikh Mkhitaryan kam von Anfang an zum Einsatz, konnte seine Rolle nach seiner Verletzung aber noch nicht wie gewünscht ausfüllen – das könnte allerdings schon am Freitag wieder anders aussehen. Und auch die Torschützen von letzter Woche, Aubameyang und Lewandowski, wirkten heute in ihren entscheidenden Szenen unglücklich oder scheiterten an Torwart Davari.

Es brauchte wie in den ersten beiden Pflichtspielen die nachlassende Aufmerksamkeit des Gegners und heute dazu die gut getimete Einwechslung von Jonas Hofmann, um den Weg an die Tabellenspitze freizumachen. Einen tollen Doppelpass mit dem sich im Laufe des Spiels erneut steigernden Hummels schloss Hofmann zum 1:0 ab und holte in der 86. Minute den berechtigten Elfmeter zum 2:0 durch Reus heraus. Der Anschlusstreffer der Braunschweiger passte allerdings doch zu dieser Partie, über die man eigentlich nicht so lange nachdenken will: Kratz köpfte nach einem Eckball Lewandowskis Kopf an, der den Ball ins Tor abfälschte. Überaus gefährlich waren die Gäste ansonsten nicht, trotz der einen oder anderen Strafraumszene.

Die besten Borussen neben dem eingewechselten Hofmann: Sokratis, für den Subotic auf die Bank rotierte, und Marcel Schmelzer, der in der entscheidenden Phase extrem viel Charakter und Engagement zeigte. Viele andere sollten sich bis zur Freitagabend-Partie gegen Bremen noch steigern. Was jedoch nicht nur im Bereich des Möglichen liegt, sondern sogar eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Bender, Sahin – Blaszczykowski (60. Reus), Mkhitaryan (90. +2 Duksch), Aubameyang (68. Hofmann) – Lewandowski. Tore: Hofmann, Reus (EM)

Jahresabschlussfeier

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Meisterschaft, Pokalsieg, Champions League-Achtelfinale – kann man das alles noch in andere Worte fassen, was Borussia Dortmund im ausklingenden Jahr 2012 gelungen ist? Man kann, aber sehr viel ist schon gesagt. Ich bin kein großer Freund von schriftlichen Jahresrückblicken, da fehlt mir die Unmittelbarkeit. In Bildern geht das besser, finde ich. Daher werde ich mich kurz fassen.

Der BVB hat das tollste Jahr seiner Vereinsgeschichte hinter sich – da werden mir viele zustimmen, auch wenn es kein objektives Kriterium gibt, um ein nationales Double mit dem Gewinn der Champions League oder des Weltpokals zu vergleichen. Wir haben viele schöne und einige unglaubliche Momente erlebt – ein paar waren sogar unglaublich schön. Als Highlights kommen eine Handvoll oder mehr Spiele in Frage: der Sieg gegen Real, die Partie in Amsterdam, der erneute Auswärtssieg in München. Für mich – und auch da werde ich nicht der Einzige sein – war es das Pokalfinale in Berlin. Zum ersten Mal das Double geholt, den Rekordmeister und sportlich größten Konkurrenten mit 5:2 auseinandergenommen – das war ganz groß. Und ist schwer zu toppen – wie schon der damalige Beitrag auf „Any Given Weekend“ nahelegte.

Das DFL-Sicherheitskonzept und die Fanproteste dagegen können die fantastische Jahresbilanz  kaum trüben. Vieles daran war ein Sturm im Wasserglas. Die Dogmatiker auf beiden Seiten hatten sich hochgeschaukelt – gegenseitig und untereinander. Unnötig war der Protest selbstverständlich nicht. Es war wichtig, ein Zeichen zu setzen. Im Gegensatz zu den enttäuschten Aktivisten auf Fanseite glaube ich nicht, dass sich Verband, Vereine und Politik in den nächsten Jahren erlauben können und werden, die Freiheiten der Stadionbesucher unzumutbar einzuschränken. Dabei handelt es sich natürlich um eine Definitionsfrage.

Ich schließe mich zum Schluss diversen Altkanzlern an: Wir Schwarz-Gelben können mit Zuversicht ins neue Jahr gehen! Auf zu neuen Abenteuern! Ich wünsche allen Freunden und Lesern von Any Given Weekend eine schöne Silvesterfeier und ein gutes neues Jahr!

Perfekter Geburtstag

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DFB-Pokal, Achtelfinale / BVB 5 Hannover 96 1

icon_spielberichtfinalDie Mannschaft hatte Bock auf das Spiel. So wie Jürgen Klopp, der das schon in der Pressekonferenz davor angekündigt hatte. Borussia Dortmund krönt das beste Jahr der Vereinsgeschichte am 103. Geburtstag des Klubs mit einem brillanten Pokalspiel gegen Hannover. Gestern Abend war noch mal all das zu sehen, was die Schwarz-Gelben in den letzten Jahren so stark gemacht hat.

Die Rückkehr von Kapitän Sebastian Kehl in die Startelf gab der Borussia die Struktur, die in den letzten Wochen trotz guter Leistungen etwas weniger ausgeprägt schien. Marcel Schmelzer wurde nicht rechtzeitig fit, aber problemlos durch Kevin Großkreutz ersetzt. Natürlich half der Mannschaft das frühe 1:0 durch den genialen Mario Götze, bei dem allerdings Robert Lewandowski zum Zeitpunkt der Vorlage von Großkreutz im Abseits lauerte. Es deutet allerdings kaum etwas darauf hin, dass die Partie ohne das Tor komplett anders verlaufen wäre.

Wer braucht noch ein Feuerwerk, wenn die Borussia so viele Glanzlichter setzt? Schon mit dem ersten Treffer hatten die Schwarz-Gelben auch einen großen Teil der Fans wieder an ihrer Seite – gestern kam nicht einmal der angekündigte gut zwölfminütige Protest gegen das DFL-Sicherheitskonzept zustande. In dieser stimmungsvollen Atmosphäre machten die Spieler in den ersten 45 Minuten alles richtig, unterbanden durch frühzeitiges Pressing jeden Gästeangriff und erspielten sich selber zahlreiche Chancen. Die Maßnahme, ‚Kuba‘ Blaszczykowski wieder auf seiner angestammten Position einzusetzen, zahlte sich voll aus: mit Lukasz Piszczek bildete Jakub eine starke polnische Seite und erzielte selbst das 2:0. Dabei konnte Torwart Zieler seinen ersten Schuss noch parieren, doch der Ball sprang an Kubas Schulter und von da doch ins Tor.

Auch der dritte Pole Robert Lewandowski hatte bereits in der ersten Hälfte mehrere dicke Möglichkeiten, sollte aber noch eine ganze Weile auf seinen Torerfolg warten müssen. Es war erneut Mario Götze, der den Pausenstand herstellte. Bei einem Freist0ß kurz vor der Strafraumgrenze spekulierte unsere Nummer 10 ein wenig und schoss ihn flach unter der Mauer durch ins linke Eck. Wären die Hannoveraner nicht hochgesprungen, wäre der Versuch kläglich geendet – aber zum Glück haben wir mit Mario jemand, der auch mal etwas ausprobiert. weiterlesen

Schweigen am Anfang, Schweigen am Ende

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1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 1 Fortuna Düsseldorf 1

Zwölf Minuten und zwölf Sekunden schwiegen fast alle Fans gestern zu Beginn der Partie Borussia Dortmund gegen Fortuna Düsseldorf. Es muss eine ausgesprochen ungewohnte Nicht-Atmosphäre geherrscht haben im Westfalenstadion – auch wenn die sich über Kneipenlautsprecher schwer übertragen lässt. Bekanntlich protestierten die Fans hinsichtlich der entscheidenden Sitzung des DFL-Ligaausschusses am 12.12. gegen das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ in seiner ursprünglichen Form. Nach Abpfiff herrschte Schweigen in der Kneipe, betretenes Schweigen, bis die Diskussionen losgingen, wieso um alles in der Welt man diese Begegnung nicht gewinnen konnte. Was gerade im Stadion los war, bekam man nur am Rande mit.

Es war eines jener Spiele, die den Unterschied ausmachen können. Sie müssen es nicht. Doch es blieb die frustrierende Erkenntnis, dass die Schwarz-Gelben etwas, für das man sie gerade gelobt hat, doch noch nicht richtig beherrschen: Eine Partie ohne übermäßigen Kraftaufwand kontrolliert runterzuspielen. Das war ohnehin noch nie die Idealvorstellung von Fußballfans, doch es nötigte einen gewissen Respekt ab, dass die Mannschaft das im vermeintlichen Stil einer Spitzenelf mehrmals hingekriegt hatte.

Gestern drückte die Borussia gegen extrem tief stehende Fortunen fast eine Hälfte lang erfolglos. Der letzte Pass fehlte ebenso häufig wie die Kreativität im Mittelfeld, ein paar Weitschuss-Versuche blieben harmlos. Noch viel harmloser war allerdings, was die Gäste nach vorne zu bieten hatten: so gut wie nichts. In schwarz-gelb verbreitete Jakub ‚Kuba‘ Blaszczykowski die meiste Gefahr – nur logisch, dass er den tollen Schlusspunkt einer mäßigen Halbzeit setzte. Kuba spielte Doppelpass mit Kevin Großkreutz, der ansonsten extrem glücklos agierte, und hämmerte den Ball dann von halbrechts ins lange Eck. weiterlesen

Moderner Vierkampf

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1. Bundesliga, 18. Spieltag / Hamburger SV 1 BVB 5

Zu den vielen neuen Qualitäten von Borussia Dortmund gehört, dass die Mannschaft nach längeren Spielpausen gut vorbereitet und auf den Punkt konzentriert zu Werke geht – und beeindruckende Ergebnisse erzielt. Selbst wenn ein australischer Ersatztorwart im Kasten steht und nicht Deutschlands Nummer Eins. Die Bundesliga ist dadurch so spannend wie lange nicht mehr Ende Januar. Das mag eine Momentaufnahme sein, aber dem modernen Fußball tut es gut, wenn der BVB, die Bayern und S04 Kopf an Kopf platziert sind. Und eine Überraschungsmannschaft wie Gladbach knapp dahinter.

Also, um es noch mal zu sagen: Da gewinnt der BVB mal eben 5:1 bei einem Verein, der unter seinem neuen Trainer noch nicht verloren hat. Nun kann man mit gewisser Berechtigung auf die zeitweise desolate Abwehrreihe der Gastgeber hinweisen. Beim 1:0 ließen sich die Hamburger komplett düpieren, waren unentschlossen, schienen noch über eine Abseitsfalle nachzudenken, als schon der entscheidende schöne Pass von Kagawa auf Großkreutz kam. Beim zweiten Tor setzte sich Lewandowski alleine gegen Westermann, Bruma und Aogo durch. Und das späte 5:0, erneut durch den polnischen Torjäger, war zwar von Schwarz-Gelb gut kombiniert, aber zur selben Zeit arg statisch verteidigt vom HSV. Was will man auch erwarten, wenn der Abwehrchef und Kapitän einer Mannschaft Heiko Westermann ist?

Auf der anderen Seite konnte der HSV phasenweise, vor allem in der ersten Halbzeit und dann noch mal, als alles gelaufen war, mitspielen. Er hätte nur häufiger so gefährlich werden müssen wie beim verunglückten Kopfball von Paolo Guerrero direkt vor dem Tor. Von links segelten einige Flanken in den BVB-Strafraum, Lukasz Piszczek hatte ein paar Probleme mit der Schnelligkeit von Nationalspieler Aogo. Doch die Abnehmer oder wahlweise die Präzision fehlten. Solange die schwarz-gelbe Viererkette die Orientierung behielt – also zu fast jedem Zeitpunkt – und solange es durch die Mitte ging, lief bei den Hamburgern auch offensiv wenig zusammen. Damit wären wir endgültig beim starken Auftritt der Borussia, denn im zentralen Mittelfeld sorgten Sven Bender und Sebastian Kehl für Ruhe und Ordnung. Sehr souverän fingen sie fast alle Angriffe ab, die nicht schon ihre Mitspieler durch frühes Pressing (TM) in der gegnerischen Hälfte unterbunden hatten. Und Geburtstagskind Marcel Schmelzer zeigte links hinten eine sehr engagierte, defensiv tadellose Leistung. weiterlesen

Der Rivale auf der Trainerbank

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Man stelle sich vor, Ralf Rangnick, Huub Stevens oder gar Peter Neururer würden Trainer von Borussia Dortmund. Schon Transfers von Fußballspielern zwischen Lokalrivalen sind eine schwierige Sache. Wenn jedoch der sportlich Verantwortliche eine fragwürdige Vergangenheit beim größten Konkurrenten hat, ist das noch mal ein anderes Kaliber. Es war also nicht völlig überraschend, dass die Ernennung von Danny Wilson zum neuen Trainer des soeben aus der zweiten englischen Liga abgestiegenen Traditionsvereins Sheffield United Ende Mai diesen Jahres zu Fanprotesten führte. Diese beschränkten sich nicht nur auf das Stadion oder das Internet – es gab sogar eine spontane Protestkundgebung vor der Spielstätte an der Bramall Lane, als der Name des neuen Trainers bekannt wurde.

Die Rivalität zwischen den beiden größten Vereinen der drittgrößten Stadt Englands ist trotz (oder auch wegen) des sportlichen Misserfolgs nach wie vor groß. Zumindest empfinden das die Fans so. Nachdem nun auch Sheffield United in die dritte Liga (League One) abgestiegen ist, wird es in dieser Saison wieder das ‚Steel City derby‘ geben. Und auf der Bank der ‚Blades‘ wird Wilson sitzen, der als Spieler und Trainer bei den ‚Owls‘ – Sheffield Wednesday – tätig war. Er ist bei United pikanterweise auch noch der Nachfolger von Micky Adams, der ein echter Blades-Fan ist, den Verein aber zum Abstieg aus der Championship geführt hat.

Betrachtet man Wilsons Vergangenheit beim Lokalrivalen, fällt die Bewertung seiner Zeit als Spieler und der als Trainer unterschiedlich aus. Für den Spieler Danny Wilson waren die frühen 1990er-Jahre bei den Owls der Karrierehöhepunkt. 1991 gewann der Verein mit ihm den Ligapokal, zwei Jahre später erreichte man erneut das Finale, genauso wie im noch deutlich wichtigeren FA-Cup. Dazu wurde Wednesday in der ersten Premier League-Saison Sechster. Die Rückkehr Wilsons nach einigen Jahren als Spieler und Trainer in Barnsley fiel dagegen eher ernüchternd aus. Nach einem ordentlichen zwölften Platz in der Premier League stieg der Club in Wilsons zweiter Saison als Verantwortlicher ab. Der Trainer war im März 2000 entlassen worden, als das Team bereits mit deutlichem Rückstand auf einem Abstiegsplatz lag. Im Januar hatten sogar Wednesday unterstützende Parlamentsabgeordnete den Rauswurf Wilsons gefordert.

Emotional gesehen könnte diese letzte Episode seiner Zeit in Hillsborough Wilson den Fans des großen Rivalen United näherbringen. Es wäre doch eine Genugtuung, mit dem auf diese Weise entlassenen Trainer des Konkurrenten selber erfolgreicher zu sein. Zudem ist Wilson nun schon seit über zehn Jahren kein Angestellter von Sheffield Wednesday mehr. Wer die englische Fußball-Zeitschrift „FourFourTwo“ kennt, dem ist sein Name vielleicht eher von seiner Zeit bei Swindon Town ein Begriff. Das Magazin war drei Jahre lang der Haupt-Trikotsponsor des damaligen Drittligisten und berichtete in einer Serie über die Geschehnisse rund um den Verein.

Man könnte den Teil der Blades-Fans, der sich massiv gegen Wilsons Verpflichtung aussprach, für etwas zu nachtragend halten. Manch ablehnende Argumentation war jedoch überzeugender vorgetragen und mit mehr Fakten unterfüttert: Das Blog „A United View on Football“ analysierte andere Stationen Wilsons und kontaktierte dazu Fans der betreffenden Vereine. In der Tat gab es in seiner Trainerlaufbahn Erfolge und Misserfolge und der Blogbeitrag stellt fest, dass Wilson bei anhaltendem Misserfolg nicht immer einen kühlen Kopf bewahrte.

Die große Mehrheit der Fans unterstützt jedoch inzwischen den Trainer, um dem Verein – also sich selber – nicht zu schaden. Und der Saisonauftakt hätte kaum besser laufen können. Das Aus in der zweiten Runde des Ligapokals beim Erstligisten FC Everton war zu verschmerzen. Am vergangenen Samstag fand der sechste Spieltag der League One statt und Sheffield United zeigte beim 4:0 über Bury seine beste Saisonleistung. 16 Punkte von 18 möglichen bedeuten zum jetzigen Zeitpunkt Rang 2, also einen direkten Aufstiegsplatz. Aufgrund der finanziell begrenzten Mittel haben einige Youngster aus der angesehenen Nachwuchsakademie von United den Durchbruch in die erste Mannschaft geschafft.

Die vor einigen Tagen zu Ende gegangene Transferperiode verlief allerdings suboptimal – wie erst gestern endgültig bekannt wurde. Zwar konnten die beliebten Leistungsträger und Eigengewächse Matthew Lowton (Abwehr), Nick Montgomery und Stephen Quinn (beide Mittelfeld) gehalten werden. Nach dem Abgang der Stürmer Daniel Bogdanovic und Jordan Slew (letzterer wechselte nach Blackburn in die Premier League) ist jedoch der Angriff im Verletzungsfall unterbesetzt. Trainer Wilson wollte dies mit der Leihe der beiden offensiv vielseitig einsetzbaren Mittelfeldspieler Kyle Hutton und John Fleck von den Glasgow Rangers kompensieren. Aus noch nicht ganz erfindlichen Gründen ist dieser Deal geplatzt. Irgendwelche Papiere waren noch nicht fertig, als sich das Transferfenster am letzten Mittwoch um 23 Uhr Ortszeit schloss. Die beiden Vereine gaben sich überzeugt, das Nötige veranlasst zu haben, allerdings könnten „technische Fehler“ bei United oder der Football League die Wechsel letztendlich verhindert haben. Das erinnert doch stark an das streikende Faxgerät des Kölner Sportdirektors Volker Finke.

Danny Wilson will die Mannschaft nun in der in Kürze beginnenden Transferphase für Ausleihgeschäfte weiter verstärken. Englische Vereine von der zweiten bis zur sechsten Liga können in der Zeit vom 8. September bis 25. November Spieler auf Leihbasis verpflichten – allerdings nicht aus Schottland (und den meisten anderen Ländern), da es diese Regelung dort nicht gibt. Sollte der kleine Transferlapsus ohne sportlich negative Folgen bleiben und der Erfolg anhalten, wird Wilson die Blades-Fans nach und nach von sich überzeugen können. Spätestens mit einem Derbysieg am 16. Oktober an der Bramall Lane.

1. Bundesliga, 30. Spieltag / FSV Mainz 05 1 BVB 0

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Schlechte Favoriten.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz (58. Valdez), Zidan (81. Rangelov), Kuba (69. Hajnal) – Barrios.

(Updated) Borussia Dortmund hat seit dem verlorenen UEFA-Cup-Finale 2002 die Angewohnheit, zu schwächeln, wenn es um etwas Wichtiges geht. Das ist eine historische Konstante und kein psychologischer Defekt, aber trotzdem augenscheinlich. Ein Erklärungsansatz für das Problem kommt nicht ohne die Vokabeln „Qualität“ und „Konstanz“ (letzteres ohnehin eines der Wörter der Bundesliga-Saison) aus. Leider scheint die Konstanz immer in entscheidenden Phasen zu fehlen.

Zu erwarten waren gestern am Bruchweg zwei Mannschafen mit ähnlicher Spielweise auf unterschiedlichem Qualitätsniveau. Am Ende verlor die Borussia, obwohl sie eher zu ihrem Spiel fand. Von Beginn an zeigte sich die Mannschaft aggressiv und spielte Pressing, um den Mainzern gleich die Spielfreude zu nehmen. Das gelang auch und sogar zehn Minuten ohne die Unterstützung der Fans. Die BVB-Fans schwiegen aus Protest gegen die Aussperrungen von Anhängern anderer Vereine (Köln, Hertha etc.). Die Mainzer schienen sich an dem Boykott nicht zu beteiligen. Ohnehin geben das Bruchwegstadion und seine Besucher ein zwiespältiges Bild ab, soweit man das am Fernseher erlauschen kann: Gute Laune mag dort herrschen – zu hören ist davon aber nicht viel.

Schwarz-Gelb dominierte das Spiel, kam aber nur zu wenigen Torgelegenheiten. Mainz stand unfreiwillig tief, war aber stabil in der Abwehr – hier sind die erfahrenen Innenverteidiger Svensson und Noveski hervorzuheben. So entwickelte sich die Partie zu einem frustrierenden Anrennen ohne viele Höhepunkte. Zur Mitte der ersten Hälfte hatte der BVB die Führung mehrmals auf dem Fuß bzw. Kopf. Owomoyelas Kopfball wurde aber kurz vor der Linie geklärt und wenig später parierte Torwart Müller mit einem starken Reflex einen Abstauber von Lucas Barrios – allerdings ging der Ball auch direkt auf den Mann. weiterlesen