Klare Sicht nach dem Spektakel von Augsburg

1. Bundesliga, 18. Spieltag / FC Augsburg 3 BVB 5

So macht man tatsächlich Werbung für die Rückserie: Borussia Dortmund dreht zum Auftakt einen 1:3-Rückstand in Augsburg und der junge, neue Stürmer Erling Haaland hat daran einen gewaltigen Anteil. Noch klarer als bisher zeigte sich aber auch, was beim BVB zuletzt falsch gelaufen ist und teilweise noch falsch läuft.

Bevor die großartige Show des Norwegers begann, sahen wir in der ersten Hälfte muntere Augsburger, die in dieser Form sicher nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben werden. Die Schwarz-Gelben hielten durchaus dagegen, aber es haperte, wie in den vorherigen Spielen, am letzten Pass und wenn der kam, am Torabschluss. Marco Reus war in der Hinsicht sicher der Aufreger der Partie – seine drei ungenutzten Großchancen hätten uns in der Hinserie sicher drei Punkte gekostet.

Endlich eine 09

Aber: Die Borussia hat nun wieder einen echten Stürmer. Was das wert ist und wie wir einen solchen vermisst haben, konnte man ab Minute 56 sehen. Vielleicht hätte Paco Alcacer den Schwarz-Gelben in der Hinserie auch etwas mehr helfen können, wenn Favre ihn gelassen hätte. Nun ist mit Haaland aber einer da, von dem das wirklich zu erwarten ist und der so bald wie möglich von Beginn an spielen sollte. Wir können uns auf das Zusammenspiel von Jadon Sancho und Erling wirklich freuen – und mit Marco und Thorgan geht da bestimmt auch noch was. Verlässt Paco den BVB noch, müssten Michael Zorc, Lucien Favre und Aki Watzke aber eigentlich über einen weiteren Neuner für die zweite Reihe nachdenken. Weiterlesen „Klare Sicht nach dem Spektakel von Augsburg“

Der Spielplan mit dem dicken Ende ist da

Gefühlsmäßig beginnt eine neue Saison ja, wenn der Spielplan veröffentlicht wird. Es darf wieder über mehr als nur Transfers diskutiert werden. Auch der heute bekanntgegebene Spielplan für 2019/20 dürfte bei den meisten Vereinen gemischte Reaktionen hervorrufen. BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat sich schon kritisch geäußert: Dortmund muss nach allen sechs Vorrundenpartien in der Champions League auswärts ran. Der FC Bayern hat dagegen sechs Heimspiele. In der vergangenen Spielzeit war das Verhältnis allerdings fast umgekehrt. Man fragt sich trotzdem: Ist das nicht besser zu lösen?

Interessanter sind jedoch die Gegner in der Liga. Hier das Auftaktprogramm der Schwarz-Gelben:

Augsburg (H), 1. FC Köln (A), Union Berlin (A), Leverkusen (H), Frankfurt (A)

Die ersten drei Spiele scheinen machbar, allerdings muss man bei den beiden Aufsteigern hintereinander auswärts ran. Leverkusen zu Hause und die Eintracht auswärts sind dann schon echte Brocken. Insgesamt ein durchschnittlich schwerer Auftakt. Die Topspiele, also das Derby und die Bayern, sind wie meistens in den letzten Jahren mittendrin platziert worden. Vermeintlicher Vorteil für den BVB: Die beiden Heimpartien dieser Paarungen stehen in der Rückserie an.

Richtig dick kommt es dann an den letzten beiden Spieltagen: Am 33. muss die Borussia nach Leipzig, die letzte Partie ist ein Heimspiel gegen Hoffenheim. Da haben wir schon mal schlechte Erfahrungen mit gemacht. Wobei natürlich abzuwarten bleibt, welches Niveau die TSG in dieser Saison erreicht.

Ein spontaner Gedanke beim Blick auf den Spielplan: Gut, dass wir Mats Hummels haben! Ob er die hohen Erwartungen an seine Führungsqualitäten erfüllen kann, bleibt abzuwarten.

Borussia, was ist nur los mit dir?

Eine Woche, nachdem man wieder Hoffnung schöpfte, eine Woche nach dem knappen Sieg über Leverkusen, scheint der BVB wieder zurück in der Abwärtsspirale zu sein. Nach dem 5:1 der Bayern in Mönchengladbach scheint der Rest der Saison vorgezeichnet. Es bleibt nur die Frage, ob die Schwarz-Gelben die Tabellenführung am nächsten oder übernächsten Spieltag (zuhause gegen den VfB, danach in Berlin) abgeben. Zu eindeutig ist der Trend. Oder?

Die Augsburg-Pleite habe ich nicht gesehen, aber nach einhelliger Meinung der Zuschauer war sie zum guten Teil selbstverschuldet. Kann Lucien Favre, können die Borussen da noch mal gegensteuern und wenigstens die Konzentration wieder auf ein notwendiges Level bringen? Das ist gewiss nicht unmöglich, im Fußball ist schon einiges passiert und der BVB kann als Noch-Tabellenführer auch noch Meister werden.

Mein Problem ist jedoch grundlegender. Deshalb müsste die Ausgangsfrage eigentlich lauten: Borussia, was ist nur los mit uns? Mir fehlt etwas schwer zu Definierendes an ‚meinem‘ Team: Mannschaftsgeist oder Herz, etwas was die Zusammenstellung des Kaders weniger beliebig wirken lässt. Die Strategie, internationale Top-Talente früh an den Verein zu binden, reicht mir nicht aus. Wenn man ehrlich ist, fallen da auch ‚unsere Jungs‘ Jacob Bruun Larsen und Christian Pulisic drunter, die direkt in die älteren Junioren-Jahrgänge einstiegen. Die Theorie, dass eine gewisse Beliebigkeit in Personalfragen auch zu größeren Schwankungen auf dem Spielfeld führt, ist natürlich nicht belegbar. Aber in dieser Saison macht es den Eindruck.

Das Hauptproblem liegt für mich aber noch mal woanders. Der Elite-Klub Champions League mit den jetzt schon immer gleichen Namen, obszöne Summen für Spieler, Vereine wie PSG oder Manchester City, die laut Berichten nicht mal die überschaubaren Regeln einhalten, zu denen sich die UEFA durchgerungen hat. In Deutschland RB und alles, was daran falsch ist, von den jüngsten Transfer-Rochaden mit dem Schwesterklub bis zurück zur Gründung.

Und natürlich: die Vorhersagbarkeit der deutschen Bundesliga. Da scheine ich nun nach vielen Jahren durch dick und dünn doch tatsächlich noch zum Erfolgsfan zu werden. Sollte der BVB das 2018/19 alles noch aus der Hand geben, sollten es die Bayern wieder schaffen, dann ist eben auch erst mal die Hoffnung zerstört, dass sich an den Verhältnissen in absehbarer Zeit noch etwas ändert. Nachdem ich die Champions League ohnehin schon nicht mehr besonders glanzvoll finde, würde auch die Bundesliga an Attraktivität verlieren.

Einmal Borussia, immer Borussia? Ja, aber. Natürlich ist es jetzt keine Alternative, Freiburg-Fan zu werden, obwohl ich das wahnsinnig gut finde, was die da machen. Natürlich bleibt die Borussia mein Verein, egal was passiert. Aber sie könnte noch öfter in den Hintergrund rücken. Wenn Babelsberg 03 in der Regionalliga Nordost spielt oder ich mir per IFollow Partien meiner Lieblingsklubs aus der dritten und vierten englischen Liga im Livestream anschaue. Also schwarz-gelbe Jungs, versucht’s doch noch mal mit der Meisterschaft!

Tristesse noir-jaune

54.300 Zuschauer waren am Montag im Westfalenstadion – so die offizielle Zahl. Das heißt, rund 27.000 Plätze blieben leer. Es war ein starkes Zeichen nicht nur gegen die Montagsspiele an sich, sondern auch gegen eine Entwicklung, zu der man sich verhalten muss. Natürlich gibt es die Leute, die den Ultrakommerz für den Gang der Dinge halten, einen Weg ohne Umkehrmöglichkeit. Die sich damit arrangieren. Und natürlich waren nicht alle gegen Augsburg Fehlenden wirklich Protestler. Es gibt Menschen, die es am Montag tatsächlich nicht ins Stadion schafften. Etwa viele Fans aus Augsburg. Manchem wird es zu kalt gewesen sein.

Andere wiederum dürften sich gefragt haben, was sie im Stadion erwartet. Um zur Ansicht zu gelangen: Nicht genug, um den Boykott zu boykottieren. Ich selbst hatte keine Lust, an einem Montagabend in die ferne Kneipe zu gehen, um Eurosport zu gucken. Gerade als Blogger macht es nicht wirklich Spaß, ein BVB-Spiel zu verpassen, aber es gibt Schlimmeres.

Elf Beamte sollt ihr nicht sein

Und was muss man sagen: Ein offensichtlich tristes Spiel in trister Stimmung gab uns Nichtschauern recht. Selbst Peter Stöger äußerte sich nach der Partie für seine Verhältnisse sehr unzufrieden, ganz zu schweigen von Michael Zorc. Die Schwarz-Gelben wollten den frühen Vorsprung verwalten, von „Beamtenfußball“ war die Rede. Die Gäste hatten am Ende mehr Torschüsse zu verzeichnen als die Borussia.

Michael Zorc dürfte derzeit so angefressen sein, weil er mehr und mehr realisiert, dass es tiefgreifender Änderungen an der Zusammensetzung und Einstellung des Kaders bedarf, um den BVB wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Und würde Aki Watzke seine Andeutungen bezüglich Vertragsgesprächen mit Stöger nach dieser scheinbar blutleeren Vorstellung so wiederholen? Dessen ‚tolle‘ Bilanz relativiert sich doch angesichts der Tatsache, dass zumindest in der Bundesliga Peter Bosz in der Hinserie noch erfolgreicher war – gegen dieselben Gegner.

Was zählt ist das, was jetzt kommt. Unter anderem Leipzig, Bayern und das Derby. Und natürlich RB Salzburg. Allzu optimistisch kann man da angesichts der letzten Auftritte nicht sein. Obwohl gegen die Großen wohl zumindest die Einstellung stimmen wird. Sollte das jetzt alles super laufen, spricht nichts gegen eine Verlängerung mit Stöger. Aber der sieht das selbst schon ganz richtig: Es gibt keinen Grund, in dieser hektischen, schwierigen Phase zu verhandeln.

Schwaches Spiel, starkes Ergebnis

1. Bundesliga, 7. Spieltag / FC Augsburg 1 BVB 2

IMAG0231-Breite360Es sei das „schlechteste Spiel“ gewesen, seit er in Dortmund Trainer ist, sagte Peter Bosz gestern in Augsburg. Das kann man so sehen, ohne der Mannschaft einen großen Vorwurf zu machen. Die Schwarz-Gelben gestalteten die erste Hälfte dominant, waren aber nicht effektiv genug – trotz zweier toller Tore. Über die zweite Halbzeit gibt es dann wirklich nichts Positives mehr zu berichten.

Drei Gedanken zum Spiel

Die wohl meistgestellte Frage nach der Partie: Was war bloß mit Pierre-Emerick Aubameyang los? Zunächst wirkte der Torjäger kaum ins Spiel eingebunden. Nach 32 Minuten lief er alleine auf Augsburgs Torwart Hitz zu, hatte alle Zeit der Welt, den Ball an ihm vorbeizuschieben und scheiterte schließlich beim Versuch, den Keeper zu umkurven. Noch sträflicher war natürlich der Elfmeter in der 79. Minute, als Auba nach einer mannschaftlich schwachen zweiten Halbzeit beim Stand von nur 2:1 den Ball in die Mitte lupfen wollte – und Marwin Hitz damit vor keinerlei Probleme stellte.

War das nun ein komplett gebrauchter Tag unserer Nummer 17 oder sogar ein Null-Bock-Auftritt? Wer die bisherige BVB-Saison verfolgt hat, weiß: Für Letzteres spricht wenig. Auba hat sich bisher nichts zu Schulden kommen lassen. Das sollten einen Tag danach auch die anerkennen, die während der Partie vielleicht „geh doch nach Madrid“ gerufen haben. Mea culpa. Weiterlesen „Schwaches Spiel, starkes Ergebnis“

Dortmund sorgt für Finale daheim

1. Bundesliga, 33. Spieltag / FC Augsburg 1 BVB 1

Im Schatten von Pokalfinale und jeder Menge Spekulationen um den Trainer verpasst die dominante Borussia in Augsburg die Vorentscheidung im Kampf um Platz 3 sowie eine Chance auf Platz 2.

Drei Gedanken zum Spiel

Wie ordnet man diese Leistung ein: große Dominanz, wenig Durchschlagskraft? Der BVB bemühte sich ja, suchte die Lücke, hatte sage und schreibe 77 Prozent Ballbesitz. Die Gastgeber setzten auf das in dieser Saison zumindest gelegentlich bewährte Rezept, tief zu stehen und auf Konter zu warten. Und wenn die schwarz-gelbe Defensive so sehr dazu einlädt wie in der 29. Minute, dann hat FCA-Trainer Manuel Baum alles richtig gemacht. Ein simpler Abschlag von Keeper Luthe traf die Dreierkette unvorbereitet und Augsburgs Max war durch. Was von schwarz-gelber Seite folgte, war trotz des schnellen Ausgleichs zu oft Stückwerk. Unter den 15 Torschüssen waren zwar einige, die einen Auswärtssieg gerechtfertigt hätten, doch angesichts aller anderen Statistiken hätten es mehr sein müssen.

Fehlte etwa die Entschlossenheit? Man spürte jedenfalls nicht über 90 Minuten diese große Intensität, die das BVB-Spiel in den besten Zeiten auszeichnet. Der Subtext dazu: Beeinflusst die Mediendebatte zur Unzeit die Spieler? Ich bin bei solchen Deutungen immer sehr vorsichtig, genauso wie bei der Bedeutung von Watzkes Antwort auf eine Journalistenfrage. Augsburg verteidigte gut, der Borussia fehlte nicht zum ersten Mal in solchen Situationen die Inspiration. Einer, der fast schon untypisch entschlossen wirkte und im Mittelfeld in viele Zweikämpfe ging, war Pierre-Emerick Aubameyang. Der will die Kanone, das merkte man ihm an. Und da der Service aus dem Mittelfeld zu wünschen übrig ließ, kümmerte er sich gelegentlich selber darum.

Eine Rolle spielte auch die Verletzung von Julian Weigl. An guten Tagen ist er der Mann für die öffnenden Pässe. In den 20 Minuten seines Mitwirkens gestern war davon noch nicht so viel zu sehen. Aber was wäre gewesen, wenn? Der BVB wurde in der Folge vor allem über die Flügel gefährlich, der Weg durch die Mitte war meistens Sackgasse. Nach dem Spiel wurde bekannt: Julian hat sich einen Bruch des Sprunggelenks zugezogen und fällt monatelang, vermutlich bis in die neue Saison hinein, aus. Gute Besserung von dieser Stelle!

Am Ende ist entscheidend: Der BVB hat es zu Hause gegen Bremen selbst in der Hand, Platz 3 zu sichern. Ein Sieg reicht, wenn Hoffenheim kein Freak-Resultat gelingt. Doch es ist jammerschade, dass wir uns das von den Bayern bewundernswert gedrehte Spiel in Leipzig nicht mehr zunutze machen können. Auch gestern wäre mehr drin gewesen. Dennoch: Eine Trainerdiskussion gibt es hier erst, wenn etwas entschieden oder die Saison vorbei ist

Die Aufstellung: Bürki – Ginter (89. Rode), Sokratis, Schmelzer – Piszczek, Weigl (23. Durm), Guerreiro (80. Pulisic) – Dembelé, Kagawa – Aubameyang, Reus. Gelbe Karte: Ginter. Tor: Aubameyang

Es ist doch nur Fußball, aber trotzdem

1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 1 FC Augsburg 1

Wieder gerät die Borussia in Rückstand, wieder muss sie sich in ein Spiel zurückkämpfen. Dank defensiver wie offensiver Unzulänglichkeiten reicht es ein Tag nach dem Vereinsgeburtstag nur zu einem Unentschieden gegen Augsburg.

Drei Gedanken zum Spiel

Was ist falsch an der guten alten Viererkette? Die Idee der von Thomas Tuchel zuletzt häufig aufgebotenen Dreierkette ist klar: Im Mittelfeld soll gerade gegen tief stehende Gegner ein Übergewicht geschaffen werden. Doch was nutzt es wenn man immer in Rückstand gerät? Gerade in einer nicht eingespielten Abwehr ist es hilfreich, die Außenverteidiger immer an seiner Seite zu haben. Ohne Sokratis ist die Dreierkette ein Experiment am offenen Herzen.

Die Sache mit dem Schiedsrichter. Eine zweischneidige Geschichte. Einerseits wurde der BVB in den letzten beiden Partien eindeutig benachteiligt. Gestern hätte Guido Winkmann zwei Elfmeter für Schwarz-Gelb geben können, einen davon müssen. Doch vielleicht hat die exzessive Debatte, die von den Medien an den Verein herangetragen und dort aufgegriffen wurde, geschadet. Wenn man an so etwas wie unterbewussten Trotz bei den Unparteiischen glaubt. Nicht hilfreich waren gestern auch die unbegründeten Proteste von Schmelle und Mario Götze vor dem Gegentreffer, mitten im Augsburger Angriff. Ob sie das Tor begünstigt haben, ist noch mal eine andere Frage.

Performer, Teilzeit-Performer und Nicht-Performer. Die Borussia spielt derzeit zu selten geschlossen auf höchstem Niveau. Greifen wir mal ein paar Akteure raus: Mario Götze lässt zu selten seine frühere Spritzigkeit aufblitzen. Shinji Kagawa war gestern am Tor beteiligt, aber sonst an nicht viel. Selbst Ousmane Dembélé blühte erst in der zweiten Hälfte aus. Und Schürrle entwickelt sich langsam zu einem Unglücksvogel, wie es Jürgen Klopp vielleicht ausdrücken würde. Nach seinem Tor im Heimspiel gegen Madrid gelingt ihm kaum noch was. Auch kein Schuss aufs Tor aus aussichtsreichster Position.

Nun ist Weihnachten. Vorher könnte einer der beiden Spitzenklubs auf zwölf Punkte davonziehen. Die Meisterschaft ist passé. Die Hoffnung: keine Verletzten in der Winterpause. Und immerhin gab es doch ein Weihnachtsgeschenk: Julian Weigl hat bis 2021 verlängert.

Ja, wir können absteigen

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 0 FC Augsburg 1

Es wird Zeit, sich mit diesem Gedanken vertraut zu machen: Leider ist es nicht so unwahrscheinlich, dass Borussia Dortmund nach 39 Jahren in der höchsten deutschen Fußballliga wieder mal absteigt. Zumindest nicht so unwahrscheinlich, wie die allermeisten Fans – und nicht nur schwarz-gelbe – bisher gedacht haben. Das ist der heutige Stand. Denn wenn man Winterpause-übergreifend die letzten Wochen betrachtet, gibt es nur zwei Klubs, die ähnlich schwach aufgetreten sind: Hertha BSC und Paderborn (auch wenn der VfB nur wenig besser war).

In der Verfassung vom gestrigen Spiel kann der BVB gegen alle anderen Teams verlieren, sogar gegen die genannten. Bis zum Gegentor lief die Partie leidlich ordentlich, die Borussia ließ wie gegen Leverkusen wenig zu, auch wenn sie sich wieder einige Fehlpässe zu viel erlaubte. Die Außenverteidiger – und diese Wiederholung macht mürbe – waren offensiv nahezu wirkungslos. Aushilfe Kevin Großkreutz machte ein besonders schwaches Spiel und leitete mit einem Fehlpass auch das Gegentor ein. Trotzdem ist sein Ausfall mit einem Muskelbündelriss eine weitere Schwächung. Schmelzer schlug eine gelungene Flanke, dafür sah er beim 0:1 am Ende der Fehlerkette zusammen mit Nuri Sahin auch besonders dumm aus. Leider kamen auch Pässe und Flanken der offensiveren Kampl und Aubameyang nicht gut, waren häufig zu lang – bei Letzterem nichts neues.

Dennoch, die Rückkehr des schnellen Auba ist einer der wenigen Lichtblicke für die Borussia. Sein Lauf führte zu Jankers Platzverweis. Er hat auch schon bewiesen, dass er treffen kann. Es wäre mal einen Versuch wert, ihn neben Immobile in einem Zweier-Sturm einzusetzen. Dass der Italiener mit seinem Kopfball aus kurzer Distanz Torwart Manninger traf, ist verzeihbar. Es war eine Aktion aus vollem Lauf – immerhin kam er zum Abschluss.

Doch insgesamt blieb am Mittwoch der Eindruck, dass die Schwarz-Gelben derzeit zu viele Schwachstellen haben – Spieler, die ihr Potenzial nicht ausschöpfen und solche, die falsch eingeschätzt wurden und werden. Auch das Kollektiv gibt zu denken: Wie die Mannschaft nach dem Gegentor und erst recht nach dem Platzverweis gespielt hat, war schwer erträglich. Auch wenn es natürlich in der letzten Viertelstunde durch Augsburgs extreme Mauertaktik nicht einfach war.

Der Abstieg ist also eine reale Gefahr. Und doch gibt es noch genügend Chancen, ihn zu verhindern. Nur zwei Punkte ist Platz 15 entfernt, auf dem der nächste Gegner SC Freiburg steht. Und der VfB spielt gegen den FC Bayern. Da es derzeit spielerisch aber an fast allem hapert, ist dieser Trost kein echter. Vielleicht fehlt dem Team auch ein wenig das Gefühl des K.O.-Systems. Letztendlich bleibt dieser Erklärungsversuch wie die meisten anderen hilflos.

Jürgen Klopp und das Team müssen dennoch weiterarbeiten, mit den Spielern, die derzeit zur Verfügung stehen. Die Personaldebatten heben wir uns also noch ein Weilchen auf. Resigniert habe er nicht, versicherte der Trainer in der Pressekonferenz vor dem Freiburg-Spiel. Großkreutz steht sechs Wochen nicht zur Verfügung, ob Piszczek oder Durm rechtzeitig fit werden, um ihn zu ersetzen, steht noch nicht fest. Bei den Gastgebern, die von den Bürgern der Stadt Freiburg gerade das Ok für ein neues Stadion gekriegt haben, fällt unter anderem Offensivmann Admir Mehmedi aus – allerdings wussten die beiden Neuen vorne drin, Petersen und Möller Daehli, bisher durchaus zu gefallen. Für einen Auswärtssieg muss beim BVB noch einiges besser werden.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz (60. Subotic), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Sahin, Gündogan – Aubameyang, Reus (72. Kagawa), Kampl (72. Mkhitaryan) – Immobile

Elf Spieler für ein Halleluja

Nachdem Borussia Dortmund sich am Samstag in Leverkusen je nach Sichtweise ohne Gegentor oder spielerisch bescheiden aus der Affäre gezogen hat, ist für die kommende Partie am Mittwoch der Auftrag klar: Nun muss die Erlösung her. Zu schwach waren die Auftritte fernab des Westfalenstadions und zu groß die Zuversicht nach einer langen Winterpause, als dass man nun weniger als einen Heimsieg verlangen könnte.

Das Problem heißt Augsburg. Niemand kann bestreiten, dass der dortige FC seit dem Aufstieg absolut herausragende Arbeit geleistet hat. Und vor allem in der Hinserie dieser Saison einiges besser gemacht haben muss als der BVB, obwohl die Gäste natürlich nicht mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatten. Doch die Fuggerstädter hatten immerhin Abgänge vom Kaliber eines Andre Hahn zu verkraften; dafür haben sie sich unter anderem mit dem Ex-Borussen Markus Feulner verstärkt. Da dessen Mittelfeld-Kollege Alexander Esswein mit einer Muskelverletzung am Mittwoch fehlen wird, könnte auch der jüngst von Dortmund nach Augsburg zurück transferierte Ji Dong-Won seinem alten Team gegenüberstehen.

Der FCA steht nach einem 3:1 am Sonntag im heimatlichen Schneetreiben gegen die TSG Hoffenheim unglaublicherweise auf einem Punkteniveau mit dem direkten Champions League-Platz 3. Vom FC Bayern wurde zuletzt noch Pierre-Emile Hojberg ausgeliehen, der gestern bereits einen Scorerpunkt verbuchen konnte. Ergo: Die Augsburger haben sich rein durch ihre eigene Arbeit den Status einer neuen Kraft in der Liga gesichert. Ob die in drei Jahren noch genauso stark sein wird, ist ungewiss – aber die Möglichkeit besteht.

Um das jetzt so wichtige Momentum zu behalten, muss der BVB nun gegen diesen FCA gewinnen. Es gibt leichtere Aufgaben, aber auch einen Lösungsweg, den Trainer und Spieler von ihrem Potenzial her finden können. Gut 900 Gästefans kündigte Pressesprecher Sascha Fligge bei der Pressekonferenz zum Spiel an – die Lautstärke-Wertung dürfte also schon mal Schwarz-Gelb gewinnen, denn das Westfalenstadion ist ausverkauft. Klopp wiederum gab zu Protokoll, dass die Herangehensweise wie bei jedem Gegner eine andere sein werde als zuvor. Ein Rumprobieren werde es aber auch nicht geben, sondern „klare Aktionen“.

Es steht zu erwarten, dass die Augsburger deutlich defensiver postiert sein werden als gestern. Ohne spielerische Mittel wird es also nicht gehen. Der BVB muss die Umstellung meistern und das machen, was die Engländer so schön einfach als „get the ball down and play“ umschreiben. Da es heute keine schwarz-gelben Schlusskaufaktivitäten gegeben hat, stehen dafür ähnliche Namen wie zuletzt zur Verfügung. Aubameyang und Kagawa sind beide körperlich fit und könnten auflaufen, wenn Klopp will. Einen von diesen beiden würde ich deutlich präferieren.

Im zentralen Mittelfeld scheinen Sebastian Kehl und Sven Bender auf einem guten Weg zu sein, aber erst nächste Woche wieder für den Kader in Frage zu kommen. Bei Ilkay Gündogan stehen die Chancen für Mittwoch recht gut, während bei Kuba die Zweifel ein wenig und bei Piszczek noch etwas größer sind. Erik Durm könnte nach der Rückkehr ins Mannschaftstraining ebenfalls wieder zur Verfügung stehen. Meine elf Mann für die heikle Mission wären:

Weidenfeller – Durm, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Sahin – Aubameyang, Reus, Kampl – Immobile.

Der Mann, der niemals spielte

Kurz nach dem Ende der Bundesliga-Hinrunde hat Borussia Dortmund bereits erste Transfer-Aktivitäten vollzogen. Der Südkoreaner Dong-Won Ji, erst seit Juli im Verein, wechselt zum 1. Januar zu seinem dritten Aufenthalt nach Augsburg – diesmal permanent. Beim Champions League-Aspiranten FCA unterschreibt er einen Vertrag bis 2018.

Beim BVB war der Stürmer, der zentral und außen einsetzbar ist, nur auf fünf Einsätze in der U23 gekommen. Ji war lange Zeit verletzt und das was Jürgen Klopp in der übrigen Zeit sah, scheint ihm nicht so zugesagt zu haben, dass er den Spieler als Alternative für die erste Mannschaft in Erwägung gezogen hätte. Fälle wie ihn gibt es bei fast allen Klubs und doch hinterlässt es einen kleinen Nachgeschmack, wenn jemand derart chancenlos bleibt. Entweder Ji war ein unnötiger Transfer oder er hat nicht die Gelegenheit bekommen, sein Leistungsvermögen zu zeigen. Den Fehler jetzt rückgängig zu machen, muss dennoch kein neuer Fehler sein.

Jis Abschied ist ein erster Fingerzeig, dass die Schwarz-Gelben auch in die andere Richtung auf dem Transfermarkt tätig werden könnten. Sicher nur maßvoll – alles andere macht angesichts der Kadergröße auch keinen Sinn. Ein bis zwei Neue sind aber vorstellbar, um noch mal Impulse zu setzen und andere Qualitäten zu bekommen. Welche Verpflichtungen tatsächlich Sinn ergeben, wird zu Recht intensiv diskutiert werden. Ich bin gespannt auf die ersten seriösen Namensnennungen.