Dortmund rettet sich in die Pause

1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 1 FC Ingolstadt 0

Selten schien der BVB eine Spielpause so nötig zu haben wie jetzt. Gegen den Tabellenvorletzten waren die Schwarz-Gelben im eigenen Stadion die schwächere Mannschaft, wobei den Schanzern zum Klassenerhalt ganz offensichtlich die Sicherheit im Abschluss fehlt. Die Gastgeber wirkten mental und körperlich müde, wofür man bedingt Verständnis haben kann.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war nicht schön, aber am Ende zählt trotz allem das Ergebnis. Meiner Ansicht nach kommt der Leistungssport davon nicht weg. Wer mit lauteren Mitteln glücklich gewinnt, darf sich freuen. Wir können über das elfmeterwürdige Foul von Roman Bürki sprechen, aber auf der anderen Seite spielte Ingolstadts Pascal Groß den Ball nach Castros Freistoß mit der Hand. Der Kicker notiert 10:14 Torschüsse aus Sicht des BVB; die Chancenanzahl dürfte schon ausgeglichener gewesen sein.

Wenn die Mannschaft nicht ganz auf der Höhe ist, wackelt die Dreierkette. Wenn die Außenspieler Schmelle und Durm zur Unterstützung fehlen, merkt man auf Dauer, dass Piszczu eben kein Innenverteidiger ist und Ginter einfach kein konstant hohes Niveau erreicht. Zudem schwächelte der zentral im Mittelfeld agierende Guerreiro. Es bleiben also Zweifel an der Abkehr von der guten alten Viererkette. Und die Frage, was gegen das Duo Sokratis/Bartra in der Innenverteidigung spricht. Wie wäre es außerdem mit einer Rückkehr von Guerreiro nach links hinten?

Schlecht gespielt, Chance genutzt. Das schließt natürlich an Punkt 1 an. Aber da ich nur die letzte halbe Stunde der Partie am Freitag sehen konnte, beschäftige ich mich lieber noch mit der Zukunft. Die tabellarische Gegenwart zeigt, dass der Kampf um Platz 2 wieder offen ist. RB Leipzig hat erneut gepatzt und diesmal ist der BVB auf drei Punkte herangekommen. Allerdings bleibt auch der Kampf um Platz 3 offen, denn Hoffenheim ist mitgezogen. Wenn die Borussia ein schlechtes Spiel und die Länderspiel-Pause benötigt, um für die ganzen Knaller-Spiele – Schalke! Bayern! Monaco! – wieder voll da zu sein: so be it!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter – Durm, Castro (83. Merino), Guerreiro (56. Weigl), Schmelzer – Pulisic (77. Schürrle), Kagawa – Aubameyang. Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Aubameyang

Später Punkt gegen Copy and Paste Ingolstadt

1. Bundesliga, 8. Spieltag / FC Ingolstadt 3 BVB 3

Da ist das Gefühl wieder: Borussia Dortmund macht vieles falsch, aber rettet einen Punkt in einem am Ende packenden Spiel. Wie gegen Hertha BSC. Doch wie vorletzten Freitag fühlt sich der Punkt nicht wirklich gut an.

Zusätzlich zu erwartbaren Veränderungen in der Startelf setzte Thomas Tuchel auf Roman Weidenfeller, Joo-Ho Park und Adrian Ramos. Zwei dieser drei Personalentscheidungen darf man nach der Partie wohl als falsch bezeichnen. Die Defensive sah gegen eine keinesfalls überirdische Offensive besonders schlecht aus. Bartra und Ginter vermitteln in der Innenverteidigung bei Weitem (noch?) nicht die Sicherheit der Kombination Hummels/Sokratis. Joo-Ho Parks Stellungsspiel ist teilweise schlichtweg katastrophal. Und all das und noch viel mehr kommt zusammen, wenn man sich zweimal den identischen Freistoß einschenken lässt.

Was der Borussia vor allem in der ersten Hälfte offensiv zu schaffen machte, war das aggressive Pressing der Gastgeber im Mittelfeld. Diese Taktik der BVB-Gegner – beherzt anlaufen, robust in die Zweikämpfe gehen, auf Fehler der Schwarz-Gelben und Konter lauern – kann aufgehen. Zumindest wenn sich unsere Abwehr so wacklig präsentiert wie heute. Doch gegen Ende schwinden den Gegnern wegen des lauf- und zweikampfintensiven Spiels häufig die Kräfte – der FCI lief gut drei Kilometer mehr als der BVB, bei nur 26 Prozent Ballbesitz.

Den Schwarz-Gelben fehlten heute in der ersten Halbzeit ein Ilkay Gündogan oder Henrikh Mkhitaryan in Bestform. Man hatte außerdem das Gefühl, dass die Motivation für die Partie beim Tabellenletzten etwas schwerer fiel als unter der Woche in Lissabon. In Ideenlosigkeit gegen eine kompakte Defensive kann man sich auch ergeben. Das wurde in den zweiten 45 Minuten nach einer vermutlich knackigen Halbzeitansprache von Thomas Tuchel besser. Bis auf zwei Minuten Tiefschlaf nach Aubameyangs Anschlusstreffer. Die Folge waren das 1:3 und eine weitere Großchance der Schanzer.

In der Schlussphase verdiente sich die Borussia fast noch mehr als einen Punkt. Der tolle Schuss des eingewechselten Passlack, Götze steht frei, Auba versuchts noch mal – es hätte schon früher zumindest 3:3 stehen können, nachdem Ramos bereits in der 69. Minute getroffen hatte. Gerade wir Schwarz-Gelben mögen ja Tore in der Nachspielzeit, manchmal kassieren wir sie auch. Diesmal traf Pulisic für den BVB im Nachschuss nach Piszczeks abgewehrtem Kopfball. Schon ziemlich lässig, so ’ne späte Bude, aber die Krönung wäre natürlich nur ein 4:3 gewesen. So aber ist die Borussia nur noch Sechster.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Ginter, Bartra, Park (46. Pulisic) – Weigl – Castro (59. Götze), Kagawa (73. Passlack), Dembélé – Aubameyang, Ramos. Gelbe Karte: Ramos. Tore: Aubameyang, Ramos, Pulisic

Erfolg in der Grauzone

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 2 FC Ingolstadt 0

Borussia Dortmund hatte seine liebe Mühe mit dem Liganeuling aus Ingolstadt. So war es beinahe zu erwarten gewesen, nachdem feststand, dass Ilkay Gündogan und Marco Reus, zwei der Matchwinner von letzter Woche, nicht dabei sein konnten. Zur Diskussion darf man auch stellen, ob nicht Gonzalo Castro anstelle von Ginter oder noch eher Kagawa für mehr Schwung gesorgt hätte. Shinji war in der Hinserie nur selten dadurch aufgefallen, das Spiel zu lenken. Gonzalo wäre der mutmaßlich adäquatere Ersatz für Marco gewesen. So hatte die zweitbeste Abwehr der Liga zunächst nur gelegentlich Probleme, verteidigte mutig nach vorne und verfolgte vor allem ein von Trainer Hasenhüttl ausgegebenes Ziel mustergültig: Mats Hummels zu beschäftigen.

Der BVB-Kapitän stand folgerichtig im Mittelpunkt zweier von drei Szenen, über die nach der Partie vor allem diskutiert (werden) wird. Nicht nur, dass sich dreimal die ‚kleinen‘ Gäste benachteiligt fühlten – auch die Debatte über den Videobeweis haben die Vorkommnisse wieder angeheizt. Selbst Thomas Tuchel plädierte im Anschluss dafür – allerdings nur, um Tore zu überprüfen. Denn die anderen beiden umstrittenen Szenen zeigen schon wieder die Grenzen und Gefahren einer Einführung auf. Man kann sie sich x-mal ansehen und wird nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Da war Hummels‘ Zweikampf im Strafraum gegen Leczano, als letzter Schwarz-Gelber. Eine knifflige Geschichte: Klar ist, dass Mats den neuen Ingolstädter Stürmer hält. Wie stark er ihn nach unten zieht, ist allerdings nicht zu erkennen. Schiedsrichter Winkmann hätte pfeifen können, dann aber neben Elfmeter auch Rot geben müssen. In der zweiten Hälfte dann das äußerst kuriose potenzielle Eigentor, das Roman Bürki erst ermöglicht, da er aus Angst vor einem strafbaren Rückpass die Hände weglässt. Hier können Guido Winkmann und sein Assistent mMn nicht anders entscheiden. Hummels wird am Bein getroffen und es ist schlichtweg unmöglich zu sagen, wie der Ball ohne die Berührung geflogen wäre. Ärgerlich aus Schiedsrichtersicht ist vor allem das gegebene Abseitstor. Aber wenn da jetzt von deutlichem Abseits gesprochen wird, obwohl Aubameyang höchstens mit einer Körperhälfte zu weit vorne war, dann haben sich die Maßstäbe in eine falsche Richtung verschoben.

Zurück zu den Defiziten der Borussia: Nicht nur Hummels, die gesamte zentrale Achse der Schwarz-Gelben hatte ihre Probleme. Weigl mit guten Szenen, aber auch gefährlichen Fehlpässen, Ginter meist unauffällig, genau wie Kagawa. Auf den offensiven Halbpositionen war Mkhitaryan gut abgedeckt und Ramos agierte unglücklich. Hätte der BVB technisch stärkere Alternativen auf den Außen(verteidiger)positionen, hätte er auch mehr Variabilität, um Ausfälle und defensivstarke Gegner zu kompensieren. In dieser Hinsicht machte der 17-jährige Christian Pulisic Hoffnung, der nach 68 Minuten für Adrian Ramos kam. Endlich mal Flanken von der Außenlinie, die fast schon präzise waren.

Komplett unverdient war der BVB-Sieg am Ende nicht, da die Schanzer – übrigens ein irgendwie blöder Spitzname – nach dem Rückstand keinen funktionierenden Plan B mehr hatten und die Kräfte nachließen. Und so sorgte Castro in der 86. Minute mit seiner tollen Hackenvorlage auf Aubameyang für die Entscheidung. Belassen wir es dabei, dem FCI für eine couragierte Leistung zu gratulieren. Im Normalfall werden ihnen die zwei Punkte am Saisonende nicht zum Klassenerhalt fehlen, denn die Mannschaft hat mehr drauf. Und liegt auch nicht auf einer Achse mit TSG oder gar RBL.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Ginter, Weigl (55. Leitner) – Ramos (68. Pulisic), Kagawa (55. Castro), Mkhitaryan – Aubameyang. Gelbe Karten: Weigl, Sokratis, Piszczek, Mkhitaryan. Tore: Aubameyang (2)

Vertraue niemandem bevor die Uhr zwölfmal geschlagen hat

Der letzte Tag der Transferperioden im europäischen Fußball ist gewöhnlich voll von überraschenden Wendungen. In diesem Jahr spielte auch Borussia Dortmund eine größere Rolle bei den Spekulationen – jedoch nur mögliche Abgänge betreffend. Hier nun die Chronik der letzten 24 Stunden und was dabei herausgekommen ist.

Gestern Abend berichtete AGW vom Interesse des FC Fulham an Lucas Barrios. Dieser Wechsel scheiterte vermutlich an der Ablöseforderung der Borussia. Zehn Millionen Euro waren die Londoner nicht bereit zu zahlen (die inzwischen Pawel Pogrebnyak vom VfB verpflichtet haben). Dementsprechend verlautete heute Morgen, Barrios‘ Berater habe gesagt, sein Klient bliebe bis Saisonende in Dortmund. Am Nachmittag kamen neue, weniger glaubwürdige, wenn auch nicht überraschende Gerüchte auf: Last-Minute-König Felix Magath habe Interesse an einer Verpflichtung des Torjägers. Zwar hätte der VWL Wolfsburg sicher die Mittel gehabt, auch mehr als zehn Millionen zu zahlen, doch die Neigung bei Michael Zorc und Jürgen Klopp, Barrios innerhalb der Liga wechseln zu lassen, dürfte gering gewesen sein.

Endgültig geklärt war die Geschichte, als gleich zwei Stürmerwechsel bekannt wurden. Damien Le Tallec wechselt nach einer letztendlich fruchtlosen Zeit in Dortmund in die zweite französische Liga zum Traditionsklub FC Nantes. Der junge Franzose wurde durch eine Schulterverletzung in seiner Entwicklung zurückgeworfen, bekam allerdings auch nie eine echte Chance in schwarz-gelb. Er war eine der Verpflichtungen, die man schon damals für nicht zwingend hielt und die sich nun als halbgar herausgestellt haben, da Damien immer zwischen erster und zweiter Mannschaft stand. Aber es kann ja nicht alles funktionieren.

Für mehr Aufsehen sorgte der zweite Wechsel. Mohamed Zidan kehrt zu seinem Ex-Verein FSV Mainz 05 zurück. Er unterschreibt dort bis Saisonende, mit Option auf zwei weitere Jahre. Dieser Transfer stand schon in den letzten Tagen im Raum – jedoch nur für den Fall, dass Barrios in Dortmund bliebe. Der Südamerikaner schien in dieser Konstellation der entscheidende Faktor zu sein. Über die Ablöse für Zidan, der noch bis Saisonende beim BVB unter Vertrag stand, wurde zunächst nichts bekannt.

‚Mo‘ Zidan hatte seine Momente in schwarz-gelb. Ich verweise immer gerne auf dieses Spiel oder auf dieses. Der Kreuzbandriss nahm ihm vermutlich die letzte Chance, sich auf lange Sicht in der Startelf zu etablieren. Es ist Mohamed hoch anzurechnen, dass er sich entgegen seines Rufs in Dortmund weitestgehend tadellos verhielt. In Mainz dürfte er ein Umfeld finden, das ihn ähnlich willkommen heißt und ihm ähnlich gut liegt wie das Dortmunder. Alles Gute und viel Erfolg bei euren neuen Vereinen, Mohamed und Damien!

Zidan und Le Tallec weg, Barrios bleibt. Nach jetzigem Stand nur bis zum Saisonende. Für die Rückserie hat die Borussia damit einen Topstürmer auf der Ersatzbank, der sich für zukünftige Vereine empfehlen will – eine gute Konstellation. Sollte wider Erwarten dennoch ein Stürmer-Engpass eintreten, hätte Jürgen Klopp immer noch die Möglichkeit, einen Spieler aus der zweiten Mannschaft, wie etwa Terence Boyd, einzusetzen. Flankiert von den anderen torgefährlichen Offensivspielern wie Kagawa, Großkreutz oder Götze – es gibt schlimmere Szenarien. Im Notfall wären auch Kagawa oder Perisic im Sturm denkbar.

Kleinere Wechsel gab es auch noch. Schon vor einigen Tagen wechselte Innenverteidiger Marc Hornschuh auf Leihbasis zum FC Ingolstadt. Bleiben die Bayern in der zweiten Liga, wird er auch nächste Saison dort spielen. Heute hat außerdem der FC Arsenal für rund 450.000 Euro den 19-jährigen Thomas Eisfeld verpflichtet. Der war offensiver Mittelfeldspieler im Nachwuchsbereich des BVB, sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen. Doch wohl kein zweiter Marco Reus?

(Quellen: Spox, Kicker, BBC Sport)