Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will

Kloppo hat genug vom Pokal. Zumindest bleibt der Trainer des FC Liverpool bei seinem Standpunkt, das Wiederholungsspiel der 4. Runde des FA Cups zu Hause gegen Drittligist Shrewsbury Town auszulassen. Konkret würde das bedeuten, dass er selber sowie der gesamte Kader der ersten Mannschaft nicht da oder sogar in Urlaub sind. Antreten soll stattdessen die U23 der Reds, angeleitet von ihrem Trainer Neil Critchley.

Klopp beruft sich auf eine von der Premier League eingeführte gestaffelte Spielpause im Februar, die den Klubs aus dem Oberhaus etwas Freizeit verschaffen soll. Der englische Fußballverband FA sagt dagegen, alle Vereine hätten gewusst, was passiert, wenn man in der 4. Runde des Pokals in ein Wiederholungsspiel muss. Der Terminkalender der folgenden Wochen sei schon überladen.

Topspieler halfen nicht

Wie immer man dazu steht: Schade ist, dass die Diskussion davon ablenkt, was Liverpools Gegner Shrewsbury im Hinspiel geschafft hat. Ja, Klopp und die Reds traten im New Meadow freiwillig mit Spielern aus der zweiten Reihe an. Aber auch die späteren Einwechslungen von Alex Oxlade-Chamberlain, Mohamed Salah und Firmino verhalfen ihnen nicht zum Sieg. Der großflächig tätowierte Einwechselstürmer Jason Cummings hatte für die Riesenüberraschung gesorgt und aus einem 0:2 ein 2:2 für Shrewsbury gemacht. Weiterlesen „Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will“

BVB verstärkt volles Mittelfeld mit Mahmoud Dahoud

Das Derby-Warm-up wurde heute durch eine Vollzugsmeldung unterbrochen: Mahmoud Dahoud wechselt im Sommer von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Dabei hatte die Bild heute noch berichtet, der FC Liverpool sei ins Rennen um den 21-jährigen U21-Nationalspieler eingestiegen. Die Initiative zur Bekanntgabe des Transfers scheint von Gladbach und dessen Noch-Sportdirektor Max Eberl ausgegangen zu sein. Kein Wunder, bei dieser Gerüchtedichte.

Heiß begehrt war Dahoud wohl tatsächlich. Ohne Zweifel bekommt der BVB für nach Kicker-Informationen 12 Millionen Euro einen zentralen Mittelfeldspieler mit viel Potenzial. Die Summe soll einer bestehenden Ausstiegsklausel in Dahouds Vertrag mit Gladbach entsprechen. Der Neuzugang könnte in der kommenden Saison neben oder etwas vor Julian Weigl agieren. Ohne Zweifel hat Mahmoud aber auch noch Probleme mit der Konstanz. So war die Hinserie beim VfL eher durchwachsen – natürlich nicht nur bei ihm. 2017 läuft es wieder besser und so darf es ab Juli weitergehen.

Man kann den BVB-Verantwortlichen zu einem gelungenen Transfer gratulieren, der dank Klausel wirklich „value for money“ verspricht. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach der Transferpolitik allgemein. Ein weiterer Spieler fürs Mittelfeld, wo die Kaderdichte ohnehin sehr hoch ist – macht das Sinn? Das wird davon abhängen, ob es gelingt, den Kader an anderer Stelle zu reduzieren.

Im Netz werden nun schon wieder Streichlisten diskutiert. Dabei vergessen die Autoren gerne, dass es sich zum einen um Menschen mit Emotionen und eigenem Willen handelt, die teilweise viel für die Borussia geleistet haben. Zum anderen verkaufen sich Spieler von der Ersatzbank oder der Tribüne nicht so einfach wie gehypte Jungstars. Schon letztes Jahr gelang es Michael Zorc und Aki Watzke nicht, für alle ‚Überzähligen‘ Abnehmer zu finden. Meine persönliche Meinung: Zumindest Gonzalo Castro und Sven ‚Manni‘ Bender gehören in den Kader. Andere, auf die man vielleicht sportlich verzichten könnte, würden bei einem Abgang zum finanziellen Verlustgeschäft.

The Day After

Es fühlt sich immer noch sehr bescheiden an, was da gestern Abend passiert ist. Anti-Malaga eben. Deshalb hier noch ein paar – vielleicht therapeutische, jedenfalls subjektive – Gedanken und Lehren aus dem Krimi von Anfield.

  1. Gegen diesen Trainer in diesem Stadion und nach diesem Spiel zu verlieren fühlt sich besser an als in ähnlicher Weise – sagen wir – gegen den FC Bayern. Ein kleines bisschen besser zumindest.
  2. Weder die schwarz-gelben Jungs noch Thomas Tuchel vermochten es, der Partie neue Impulse zu geben, als sie ihre verhängnisvolle Dynamik bekam. Oder es waren falsche Impulse.
  3. So gut es in der Liga läuft: Wenn man Erfolge in Europa feiern will, muss endlich eine ehrliche Bestandsaufnahme der Fähigkeiten und Limitierungen der Defensivakteure her. Dabei bitte außen anfangen!
  4. Nach diesem K.O. sofort wiederaufzustehen, am Sonntag endlich mal den HSV wieder richtig wegzuputzen und natürlich am Mittwoch ins Pokalfinale einzuziehen – das würde allen, die jetzt zweifeln, beweisen, dass auch der Tuchel-BVB die richtige Mentalität hat.

Tuchels Gameplan hält nur 90 Minuten

Europa League, Viertelfinale / FC Liverpool 4 BVB 3

Ein furioser Start, ein faszinierender Europapokal-Abend, der Werbung für den Wettbewerb war – doch bei der Auslosung zum Halbfinale heute Mittag ist Borussia Dortmund nicht im Topf. Das Stehaufmännchen Nummer 1 bleibt Jürgen Klopp.

Lange sah es so aus, als ob die Schonung vieler Stammkräfte im Derby bei S04 Früchte getragen hätte. Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang spielten lange nahe ihrer Bestform. Doch so überzeugend der BVB zunächst angriff, defensiv sah es immer dann gefährlich aus, wenn die Reds zielstrebig und passsicher kombinierten. Lukasz Piszczek war stark nach vorne, aber defensiv nicht immer im Bild. Und Marcel Schmelzer? Hat der gestern eine Flanke verhindert? Er schien immer da zu sein, wo der Ball nicht war. In der Zentrale wurde es unterdessen immer gefährlich, wenn mehr als zwei Spieler zu decken waren.

In den ersten 20 Minuten war dieses Spiel eine Leistungsschau der BVB-Offensive, danach ein packender Europapokal-Fight. Doch den Borussen half es am Ende weder, sich einreden zu lassen, man habe das stärkere Team, noch dass man kräftemäßig am Limit sei. Nach solch einem Last-Minute-Desaster lässt sich natürlich nicht seriös sagen, wie sich eine geringere Rotation am Sonntag ausgewirkt hätte. Doch de facto steht man nun 7 Punkte hinter Bayern und nicht mehr in der Europa League.

Die Dramaturgie des Spiels verlief in der zweiten Hälfte zunächst denkbar ungünstig. Ein schnelles Gegentor hätte es nun wirklich nicht gebraucht. Doch der großartige Marco Reus schien alles klar gemacht zu haben – wäre nicht Klopps Liverpool Meister der Aufholjagd. Dass der BVB sich dem nicht mehr widersetzen konnte und noch drei Tore kassierte, ist schwer erklär- und verzeihbar. Auch der Doppelwechsel – Ramos und Gündogan für Reus und Castro – muss kritisch hinterfragt werden.

Es waren nicht die besten Tage von Thomas Tuchel, unbenommen dem, was er bereits mit den schwarz-gelben Jungs geleistet hat. Was bleibt, ist erst mal Leere. Und fast schon die Pflicht, am Mittwoch zu verhindern, dass Berlin nach Berlin fährt. So ist das Business.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl, Castro (82. Gündogan) – Mkhitaryan, Kagawa (77. Ginter), Reus (83. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karten: Hummels, Piszczek, Schmelzer. Tore: Mkhitaryan, Aubameyang, Reus

Klopp bleibt nicht in Dortmund

Europa League, Viertelfinale / BVB 1 FC Liverpool 1

Heute wird sich Jürgen Klopp in ein Flugzeug setzen und mit einem Unentschieden im Gepäck an die Merseyside zurückkehren. In einer Woche an der Anfield Road wird dann der sportliche Aspekt des Duells Dortmund gegen Liverpool wohl auch medial wieder mehr im Vordergrund stehen.

Das soll nicht heißen, dass es bei der Rückkehr des geliebten Erfolgstrainers nicht gekribbelt hat. Aber neben Dankbarkeit und Respekt spürte ich vor allem ein sportliches Kribbeln: Wie würde der BVB gegen den neuen Klub des ausgewiesenen Dortmund-Kenners aussehen? Wer am Ende die Oberhand behalten wird, ist nach dieser Partie noch offen. Aber leicht wird die Aufgabe für die Schwarz-Gelben nicht.

Es zeigte sich, dass ein hochmotiviertes Team mit Klopp’schem Pressing und Einzelkönnern wie Coutinho, Lallana oder Origi gegen die Borussia einiges ausrichten kann. Positiv war vor allem in der ersten Hälfte, dass der BVB darauf ruhig reagierte und es den Gastgebern so nach und nach gelang, doch ein deutliches Übergewicht zu schaffen.Was fehlte war die Präzision – oder die richtigen Entscheidungen in Strafraumnähe. Denn die Schwarz-Gelben hatten ein paar echte Chancen, aber vor allem viele Hätte-wäre-wenn-Szenen. Es scheint Spieler zu geben – etwa Erik Durm oder später Nuri Sahin – die unter Tuchel noch nicht so oft dabei waren und deshalb bei aller Auffälligkeit noch öfter falsche Entscheidungen bei Pässen und Schüssen treffen.
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Jetzt also doch: Klopp kommt nach Dortmund

Ist es das Spiel, das wir möglichst lange vermeiden oder doch alle sehen wollten? Schon im Viertelfinale der Europa League trifft Borussia Dortmund laut der von unserem Ex-Stürmer Alex Frei vorgenommenen Auslosung auf Ex-Trainer Jürgen Klopp und den FC Liverpool. Dabei müssen die Schwarz-Gelben zunächst zu Hause antreten.

Sicher sind beide Sichtweisen nachvollziehbar, aber ich neige doch dazu, mich auf die beiden Partien zu freuen. Es gibt derzeit keinen Grund, der Klopp-Ära nachzutrauern. Sein neuer Verein ist zwar der mit Abstand attraktivste, aber vielleicht gar nicht der stärkste Gegner. Die Abwehr etwa ist nicht nur bei Standards anfällig. Weder wird Klopp in Liverpool scheitern, wenn er die EL nicht gewinnt, noch wird der BVB von einer verkorksten Saison sprechen müssen, wenn man gegen die Reds ausscheidet.

Nein, es ist vor allem reizvoll zu sehen, wie Klopp mit einer starken Mannschaft gegen Tuchel mit einer starken Mannschaft abschneidet. Dass das Duell einen Riesen-Medienhype auslösen wird, kann man da in Kauf nehmen. Und eigentlich ist er sogar gerechtfertigt. Solche Begegnungen braucht die Europa League, um ihre Position gegenüber der Champions League zu verbessern. Nicht jedes Viertelfinalspiel in letzterer ist ähnlich attraktiv.

Zwei hochemotionale und voraussichtlich denkwürdige Spiele erwarten uns. Nichts zu bedauern.

Jürgen Klopp wird ein Roter

Dortmunds Trainer-Legende hat einen neuen Verein: Jürgen Klopp ist in Liverpool eingetroffen, um bei den „Reds“ einen Dreijahresvertrag zu unterschreiben. Seine Vorstellung steht morgen Vormittag an. Für den lukrativen und ohne Zweifel reizvollen Job in der Premier League unterbricht Kloppo also sein Sabbatical und wird ein Roter – und das nicht in der Bundesliga. Für seine nach wie vor große Fangemeinde unter den BVB-Anhängern ist das sicher leichter erträglich.

Ohnehin kann man das Engagement gut nachvollziehen: Ein sportlich ins Trudeln gekommener Traditionsklub mit ebenfalls großer Fangemeinde, der finanziell  durchaus Potenzial hat – das kann man sich als offener, selbstbewusster Trainer schon mal antun. Jürgen Klopp beherrscht die englische Sprache sehr ordentlich und ist ohne Zweifel in der Lage, Aufbruchstimmung zu erzeugen. Trotzdem wird es natürlich sehr spannend zu sehen sein, wie er mit den hohen Erwartungen, den Stars und den Medien zurechtkommt. Das kann klappen, muss aber nicht.

Besonders interessant und in der britischen Presse bereits thematisiert ist die Frage, welche Kompetenzen Klopp in der Transferpolitik bekommt. Beim FC Liverpool gibt es ein sechsköpfiges ‚Komitee‘, bestehend aus Scouts, Geschäftsführer, einem Eigentümervertreter, einem ‚Analysten‘ und – immerhin – dem Trainer. Dieses Gremium entscheidet über alle Transfers und stand zuletzt in der Kritik. Ob sich auch der neue Trainer hier der Mehrheitsmeinung unterwerfen muss, ist noch nicht bekannt.

Ein prominenter deutscher Trainer in England – das Thema wird uns in den nächsten Monaten und hoffentlich Jahren noch öfter beschäftigen. Ich werde nun zwar nicht zum Liverpool-Fan werden – meine Präferenzen lassen sich neuerdings ja hier im Blog ablesen – aber verfolgen werde ich den Werdegang von Jürgen Klopp in England ganz bestimmt. Viel Glück, Kloppo!

An der Anfield Road geht Dortmund nicht mit

Testspiel / FC Liverpool 4 BVB 0

Zum Ende der Saisonvorbereitung ist es für Bundesligisten Usus geworden, sich mit einem womöglich noch glamourösen Topgegner zu messen. Für Borussia Dortmund hat das in der Vergangenheit ergebnistechnisch manchmal funktioniert, manchmal nicht. Heute ist es mal wieder grandios daneben gegangen. Gegen einen FC Liverpool, der sich mit ein, zwei weiteren Verstärkungen in der Premier League durchaus einiges ausrechnen kann, sahen die Schwarz-Gelben beim 0:4 einfach schlecht aus.

Nach vorne fehlte im 4-1-4-1 der ersten Hälfte ebenso die Durchschlagskraft wie im späteren 4-4-2. Von Mkhitaryan und Ramos war ganz wenig zu sehen, vom bisher in der Vorbereitung überzeugenden Aubameyang auch nicht viel mehr. In der Zentrale mühte sich Milos Jojic, doch seine hin und wieder durchaus brauchbaren Pässe brachten letztendlich nichts ein, weil die Gastgeber an der Anfield Road ihren Gästen zeigten, wie eine richtig stabile Viererkette auszusehen hat.

Das, was in den letzten Testspielen noch sehr ordentlich ausgesehen und was ich gerade noch gelobt hatte – die BVB-Defensivabteilung – wurde vom englischen Topgegner teilweise richtig auseinander gespielt. Schnelle Seitenwechsel, kurze, knackige Pässe in die Schnittstellen – all das gelang den Reds und der Borussia nicht. Deutlich sichtbar wurde auch, was sich schon länger als roter Faden durch die Entwicklung der Schwarz-Gelben zieht: Das Flügelspiel stagniert offensiv wie defensiv; häufig sind wir da auch hinten zu offen, und das liegt wesentlich an den Außenverteidigern.

Heute Mittag funktionierte allerdings kaum etwas in der Viererkette, sobald die Reds Ernst machten. War das 0:1 durch Sturridge vor allem eine schöne Kombination der Gäste, fehlte beim 0:2 durch Lovren nach einem Eckball die Zuordnung – Langerak wurde in dieser Situation übrigens nicht gefoult. Das 0:3 verursachte Neuzugang Matthias Ginter gleich doppelt: Erst spielte er einen schlampigen Querpass, dann sah er gegen Coutinho schlecht aus. Das 0:4 war zwar vermutlich doppelt irregulär – zunächst Abseits und dann war scheinbar noch der Ball im Toraus – doch danach ließ sich Marcel Schmelzer zu leicht austanzen. Weiterlesen „An der Anfield Road geht Dortmund nicht mit“

Der Stand der frühen Dinge

Morgen ist die offizielle Saisoneröffnung von Borussia Dortmund. Der Verein veranstaltet dazu wieder einen Familientag – und eröffnet die neue Fan-Welt an der Nordwestecke des Westfalenstadions. Schön für die Menschen in und um Dortmund, für die übrigen Fans von peripherem Interesse. Schon am Sonntag steht dann allerdings das letzte Testspiel vor dem Pflichtspiel-Auftakt bevor, für das Kevin Großkreutz sogar früher aus dem Urlaub gekommen ist: Es geht zum FC Liverpool an die legendäre Anfield Road (Anpfiff 13.15 Uhr / live im WDR Fernsehen).

Der Klub von der Merseyside möchte sich in der kommenden Saison nach der knapp verpassten Meisterschaft endgültig unter den Topteams der Premier League etablieren. Wie die Bundesliga startet auch die höchste englische Spielklasse in einer guten Woche – für beide Mannschaften geht es also um einen echten Härtetest. Zeit also, die Lehren aus der bisherigen Vorbereitung des BVB zu ziehen.

Einfach ist das angesichts der nach und nach hereintröpfelnden Spieler nicht. Ohne alle im TV übertragenen Partien in voller Länge gesehen zu haben, noch schwerer. In den letzten beiden Partien gegen Verona und Wroclaw war die defensive Stabilität bereits recht hoch, die offensive Gefährlichkeit stimmte erst in Polen, wo denn auch zwei der neuen Stürmer, Ciro Immobile und Adrian Ramos, trafen.

Erste Eindrücke: Bei der Besetzung der Innenverteidigung wird Jürgen Klopp wie vermutet die Qual der Wahl haben. Neven Subotic befindet sich schon in ordentlicher Form, so dass sich Mats Hummels ganz in Ruhe die nötige Fitness für einen Einsatz holen kann. Im Sturm könnten zunächst ein wenig Rotation und gelegentliche taktische Veränderungen angebracht sein, denn vor allem Pierre-Emerick Aubameyang hat sich in der Vorbereitung in den Vordergrund gespielt – er war ja auch nicht in Brasilien.

Entscheidend in einer vermutlich nicht leichten Saison dürften Teamspirit und Teamwork sein. Medien und interessierte andere Parteien werden Gerüchte um die Zukunft von Marco Reus und auch Mats Hummels konstant am Köcheln halten. Dagegen müssen sich die Betroffenen, aber auch Mitspieler und Führung so immun wie möglich zeigen. Was nicht heißt, dass man nicht auch mal deutliche Worte benutzen sollte.

Abschied der großen Männer

Die Fußball-Szene erlebt dieser Tage einen beispiellosen Abschiedsreigen. Spieler und Trainer von höchster Reputation sagen „auf Wiedersehen“ und verdrängen für einige Tage Transfergerüchte und Champions League-Finale aus den Schlagzeilen. Besonders betroffen ist einer der weltweit bekanntesten Vereine, Manchester United. Trainer-Legende Sir Alex Ferguson gab letzte Woche seinen Rückzug zum Saisonende bekannt, der ’stille Star‘ Paul Scholes tritt in diesem Monat bereits zum zweiten Mal zurück und nun hat auch United’s ehemaliger Topseller David Beckham bekanntgegeben, seine Karriere bei PSG nicht fortzusetzen. Beim (wenn auch nicht sportlich) großen Konkurrenten FC Liverpool verabschiedet sich nach dieser Spielzeit ‚One-Club-Man‘ Jamie Carragher.

Und in Deutschland? Vieles spricht dafür, dass Bayern-Trainer Jupp Heynckes nach dem CL-Finale leise „servus“ sagt, ob mit oder ohne Titel, ob mehr oder weniger freiwillig. Seit gestern wissen wir, dass auch Thomas Schaaf geht. Zumindest weg aus Bremen. Und wenn man nur die Klubzugehörigkeit betrachtet, schlägt Schaaf sogar Sir Alex um Längen: 41 Jahre war er als Spieler und Trainer beim SV Werder – das sind 15 Jahre mehr als der Schotte in Manchester waltete. Natürlich war Ferguson von der Zahl und Art der Titel her erfolgreicher – und bekommt auch einen deutlich angemesseneren Abgang beschert.

Man kann selbstverständlich darüber diskutieren, ob in Bremen nach 14 Jahren Cheftrainer Schaaf die Zeit für einen Wechsel gekommen war. Man darf allerdings auch darauf hinweisen, dass der ruhige gebürtige Mannheimer nicht allein verantwortlich für die verfehlte Transferpolitik der letzten Jahre war – meiner Meinung nach der Hauptgrund für die miserable Saison 2012/13. Und aus welchem Grund musste der ‚Strategiegipfel‘, bei dem die Zukunft von Werder besprochen wurde, zwischen dem vorletzten und letzten Spieltag stattfinden, wenn es eine wahrscheinliche Option war, sich vom langjährigen Trainer zu trennen? So einvernehmlich dürfte es nicht zugegangen sein, wenn das Ergebnis ist, dass Schaaf beim letzten Saisonspiel nicht mehr auf der Bank sitzt.

Werder Bremen war ein Verein, den ich immer zu den Guten gezählt habe. Die Wahl des neuen Trikotsponsors war bereits mehr als unglücklich. Nun endet eine missratene Spielzeit auch noch mit einer Stillosigkeit.