Jung und jünger

1. Bundesliga, 8. Spieltag / Hertha BSC 2 BVB 5

BVB-Trainer Lucien Favre schickte gestern in Berlin keine besonders junge Startelf auf den Rasen des Olympiastadions: 27,6 Jahre war deren Durchschnittsalter. Nach der Partie fokussierte sich dennoch alles auf die Jugend. Der 20-jährige Stürmer Erling Haaland traf viermal und Sturmkollege Youssoufa Moukoko wurde zum jüngsten Bundesligaspieler aller Zeiten, als er wenige Minuten vor Schluss mit 16 Jahren und einem Tag eingewechselt wurde.

Goal Phenomenon

Ein Hattrick innerhalb einer Viertelstunde, vier Tore in 33 Minuten – es war ein Tag der Superlative für den Dortmunder Superstürmer, der auf dem besten Weg ist, alle großen schwarz-gelben Torjäger der jüngeren Vergangenheit in den Schatten zu stellen. Marcio Amoroso, Lucas Barrios, Pierre-Emerick Aubameyang und vielleicht sogar der damalige Robert Lewandowski verblassen gegenüber der gestrigen Leistung des Erling Haaland.

Der Norweger kann das auf diesem Niveau nicht jede Woche abrufen – siehe Bayern-Spiel. Aber der BVB wird sich spätestens im Sommer vor äußerst lukrativen Angeboten nicht retten können. Erlings Antritt, die Ballannahme und -verarbeitung sowie sein Torriecher waren schlicht sensationell in Berlin. Er kreiert Tore selber – wie das dritte, begünstigt durch den schludrigen Pass des Berliners Plattenhardt auf Alderrete – oder er ist einfach an der richtigen Stelle, wie bei Cans Querpass vor dem 1:1. Weiterlesen „Jung und jünger“

Blamage reloaded

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 0 TSG Hoffenheim 4

Zum Glück ist diese Saison vorbei. Das werden sich heute auch Fans anderer Vereine sagen. Nicht viele haben jedoch Grund, mit so richtig schlechter Laune in die Sommerpause zu gehen – außer bei den Absteigern und beim BVB. Mag sein, dass der sehr schale Beigeschmack abklingen wird, den uns die Schwarz-Gelben gegen Hoffenheim mitgaben. Aber es nervt schon arg, dass man aus dem Mainz-Spiel nichts gelernt hat. Und es ist gerade der Kontrast – das Wissen aus dem Leipzig-Spiel, dass sie es so viel besser können – der nervt.

Es gibt Apologeten, die dieses Saisonende nicht so hoch hängen wollen. Schließlich sei man ja Zweiter, mit Rekordtorzahl, die Saison sei wegen Corona und den fehlenden Zuschauern sowieso etwas Besonderes und auch so lang gewesen. Und es gehe ja nun wirklich um nichts mehr. Gut, man kann die Meinung vertreten, dass es egal ist, ob Hoffenheim oder Wolfsburg direkt die Europa League erreichen. Aber der Anspruch der Schwarz-Gelben muss höher sein – ergebnisorientiert in jedem Spiel, auch und gerade aus einer sportlichen Haltung heraus. Dass es anders geht, hat der FC Union gezeigt: Die spielten auch ohne Fans, haben auch von Hoffenheim einen mitgekriegt, aber heute gegen Düsseldorf noch mal alles gegeben. Weiterlesen „Blamage reloaded“

Eine Hälfte mit Herz

1. Bundesliga, 29. Spieltag / SC Paderborn 1 BVB 6

Einer eher inspirationslosen ersten Halbzeit, die aber laut Lucien Favre immerhin den Gegner müde machte, ließ Borussia Dortmund in Paderborn eine Galavorstellung mit sechs Treffern folgen. Fünf Tage zu spät einerseits – aber trotzdem ein Zeichen gegen die Zweifel.

Wieder ein Spiel der zwei Hälften

Einer der Hauptvorwürfe, den man Lucien Favres Borussia trotz Platz 2 machen könnte, ist der der mangelnden Konstanz über 90 Minuten. Ja, auch ein FC Bayern nimmt sich Auszeiten, aber die sind meistens weniger deutlich erkennbar und weniger gravierend als die der Schwarz-Gelben. Gestern hatte das lustlos wirkende Gekicke der ersten Hälfte gegen den limitierten Tabellenletzten keine negativen Konsequenzen. Und der Mannschaft den Willen absprechen – ein heutzutage schnell gemachter Vorwurf – möchte ich auch gar nicht. Irgendwie schafften es die Gastgeber aber, die Vorwärtsverteidigung des FC Bayern zumindest phasenweise so zu kopieren, dass den Schwarz-Gelben nicht viel mehr einfiel als gegen den Rekordmeister.

Sprung in Halbzeit 2 und nach einer ersten guten Szene der Paderborner schlug der BVB schnell zu. Innerhalb von gut drei Minuten stand es 2:0 durch Hazard und Sancho. Die Gäste hatten das unbedingte Durchspielen zugunsten von längeren Pässen und Läufen aufgegeben. Und vielleicht klappte das tatsächlich deswegen, weil dem SCP zunehmend die Konzentration fehlte, dessen Spieler weniger reaktionsschnell wirkten. Es half den Gastgebern auch nichts, dass Schiedsrichter Siebert Handelfmeter gab, als der Ball Emre Can an den weitgehend angelegten Arm sprang. Ein Witz zumindest im Vergleich mit der Boateng-Szene im Bayern-Spiel. Das Tor durch Ex-Borusse Hünemeier konterte Sancho nur zwei Minuten später. Weiterlesen „Eine Hälfte mit Herz“

Heißes Spiel und heiße Köpfe

1. Bundesliga, 4. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 1

Hat diese Begegnung ihrem Ruf doch mal wieder alle Ehre gemacht. Guter Fußball – wenn auch nicht immer von Schwarz-Gelb, heiß umkämpft bis zum Schluss, Umstrittenes auf und neben dem Platz. Am Ende darf sich Borussia Dortmund über einen in Unterzahl errungenen Punkt natürlich etwas mehr freuen.

Bemerkenswerte Personalentscheidungen traf diesmal Lucien Favre: Der bis zu dieser Woche kaum zum Zug gekommene Shinji Kagwa stand in der Startelf, Marius Wolf spielte eine Art Mittelstürmer. Darüber dass Mario Götze nicht im Kader stand mussten sich nur einige Medien wundern. Die Schwarz-Gelben legten gut los, waren direkt im Spiel und bauten Druck auf. Allerdings nur bis zum Strafraum, dahinter ging nicht mehr viel.

Einige vorhergesagte Dinge trafen ein: die fehlende Durchschlagskraft ohne gelernten Stürmer, defensiv die Probleme auf den Flügeln. Marcel Schmelzer hatte vom Engagement her einen ganz starken Auftritt, aber er wurde auch etliche Male überspielt. Ein, zwei brauchbare Flanken und der Steilpass vor dem Ausgleich waren seine Offensivbilanz. Sagen wir es so: Es gab schon schwächere Partien von ihm. Ob uns das auf Dauer reicht, muss Lucien Favre entscheiden, am besten ganz allein.

Fehlentscheidung ins Glück

Als etwa zur Hälfte der ersten Halbzeit die Hoffenheimer ihrerseits Druck aufbauen konnten, wurde es dann ganz spärlich mit den Dortmunder Bemühungen nach vorne. Der Rückstand war schon folgerichtig, aber auch zu verhindern. Es war ja nicht nur Diallo, der per Kopf suboptimal klärte. Schon eine Aktion vorher konnten sich Witsel und Schmelzer in der Nähe des Sechzehnmeterraums nicht entscheiden, zum Ball zu gehen und den aus der Gefahrenzone zu befördern. Überhaupt war es mindestens bis zum Platzverweis gegen Diallo das schwächste Spiel von Axel Witsel in schwarz-gelb. Weiterlesen „Heißes Spiel und heiße Köpfe“

Dortmund entspannt nur drei Tage

1. Bundesliga, 10. Spieltag / Hannover 96 4 BVB 2

In Hannover hat der BVB nicht immer gut ausgesehen, doch das gestrige Spiel fiel gegenüber den üblichen Auftritten dort ab. Der Noch-Tabellenführer ließ sich im Niedersachsenstadion defensiv ein ums andere Mal düpieren, ohne das diesmal offensiv wettmachen zu können. Dennoch hätte dieses Spiel anders laufen können – es war nicht so, dass die Gastgeber dominierten.

Peter Bosz muss handeln

Der Trainer und Sportdirektor Zorc versuchten nach der Partie, die von den Medien unvermeidlich wieder gestellte Systemfrage abzuwimmeln. Schlechte Zweikämpfe, fehlende Aggressivität und pomadiges Spiel seien für die Pleite verantwortlich gewesen. Man sollte diese Frage tatsächlich nicht oberflächlich diskutieren. Wir wissen schließlich nicht, was Bosz und sein Team den Spielern im Training und den Besprechungen mitgeben.

Tatsache ist aber, dass die Viererkette immer wieder, nicht nur in Hannover, ausgehebelt und mit einfachen Mitteln überspielt wird. Da genügen oft lange Bälle, wenn die Angreifer schnell genug sind. Viel zu oft stehen die Schwarz-Gelben dann Mann gegen Mann oder sind sogar in Unterzahl. Schnelligkeitsvorteile haben wir meistens auch nicht. Selbstverständlich ist an diesem Dilemma das von mir auch letztes Wochenende kritisierte Mittelfeld mit schuld. Der springende Punkt: Wenn die Spieler wiederholt nicht in der Lage waren, hinten besser abzusichern, muss sich Peter Bosz etwas einfallen lassen – ob er dafür grundlegend sein System ändern muss, ist eine ganz andere Frage. Weiterlesen „Dortmund entspannt nur drei Tage“

Auf der Suche nach dem Spielglück

Champions League, 2. Spieltag / BVB 1 Real Madrid 3

Die Borussia verliert auch ihr zweites Gruppenspiel mit 1:3. Nicht unverdient, wenn man die hochkarätigen Chancen zählt. Und doch hätte auch die Partie gegen den Titelverteidiger anders laufen können, hätten die Schwarz-Gelben nicht wieder Pech gehabt. Der Diskussion um die taktische Herangehensweise werden sie trotzdem nicht ganz entkommen können.

Drei Gedanken zum Spiel

Wie sagte es Nuri Sahin nach dem Spiel: „Man braucht auf dem Niveau auch ein bisschen Spielglück.“ Und tatsächlich ist die Leistung zwar das Wichtigste, doch es entscheiden eben manchmal Millimeter – und fehlbare Schiedsrichter. Kurz nach der Pause scheiterten Auba und Yarmolenko knapp am Ausgleich.

Meistdiskutiert war aber natürlich die Szene in der 14. Minute, als Sergio Ramos den Ball im Strafraum mit der Hand spielte. Zuvor hatte Keeper Navas pariert, von ihm sprang der Ball zum nahen Abwehrspieler. Journalisten, unbeteiligte Schiedsrichter und sogenannte Experten waren geteilter Meinung. Im Zweifelsfall geben diese Personenkreise jedoch eher dem Referee Recht. Dabei war im Fernsehen klar ersichtlich, dass Ramos nicht einfach nur den Arm zu hoch hatte, sondern ihn auch aktiv in Richtung Ball bewegte. Eine billige Ausrede ist Sahins Aussage daher nicht. Nur bleibt es eben beim Konjunktiv: Was wäre gewesen, wenn? Weiterlesen „Auf der Suche nach dem Spielglück“

Dortmund rettet sich in die Pause

1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 1 FC Ingolstadt 0

Selten schien der BVB eine Spielpause so nötig zu haben wie jetzt. Gegen den Tabellenvorletzten waren die Schwarz-Gelben im eigenen Stadion die schwächere Mannschaft, wobei den Schanzern zum Klassenerhalt ganz offensichtlich die Sicherheit im Abschluss fehlt. Die Gastgeber wirkten mental und körperlich müde, wofür man bedingt Verständnis haben kann.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war nicht schön, aber am Ende zählt trotz allem das Ergebnis. Meiner Ansicht nach kommt der Leistungssport davon nicht weg. Wer mit lauteren Mitteln glücklich gewinnt, darf sich freuen. Wir können über das elfmeterwürdige Foul von Roman Bürki sprechen, aber auf der anderen Seite spielte Ingolstadts Pascal Groß den Ball nach Castros Freistoß mit der Hand. Der Kicker notiert 10:14 Torschüsse aus Sicht des BVB; die Chancenanzahl dürfte schon ausgeglichener gewesen sein.

Wenn die Mannschaft nicht ganz auf der Höhe ist, wackelt die Dreierkette. Wenn die Außenspieler Schmelle und Durm zur Unterstützung fehlen, merkt man auf Dauer, dass Piszczu eben kein Innenverteidiger ist und Ginter einfach kein konstant hohes Niveau erreicht. Zudem schwächelte der zentral im Mittelfeld agierende Guerreiro. Es bleiben also Zweifel an der Abkehr von der guten alten Viererkette. Und die Frage, was gegen das Duo Sokratis/Bartra in der Innenverteidigung spricht. Wie wäre es außerdem mit einer Rückkehr von Guerreiro nach links hinten?

Schlecht gespielt, Chance genutzt. Das schließt natürlich an Punkt 1 an. Aber da ich nur die letzte halbe Stunde der Partie am Freitag sehen konnte, beschäftige ich mich lieber noch mit der Zukunft. Die tabellarische Gegenwart zeigt, dass der Kampf um Platz 2 wieder offen ist. RB Leipzig hat erneut gepatzt und diesmal ist der BVB auf drei Punkte herangekommen. Allerdings bleibt auch der Kampf um Platz 3 offen, denn Hoffenheim ist mitgezogen. Wenn die Borussia ein schlechtes Spiel und die Länderspiel-Pause benötigt, um für die ganzen Knaller-Spiele – Schalke! Bayern! Monaco! – wieder voll da zu sein: so be it!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter – Durm, Castro (83. Merino), Guerreiro (56. Weigl), Schmelzer – Pulisic (77. Schürrle), Kagawa – Aubameyang. Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Aubameyang

Große Punkte in großem Spiel

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 6 Bayer Leverkusen 2

Man kann ja gegen Leverkusen sagen was man will, aber die Spiele unserer Borussia gegen die Werkself sind immer auf die eine oder andere Weise unterhaltsam. An diesem Samstag sahen wir die womöglich beste Partie mit BVB-Beteiligung in dieser Saison. Was nicht nur am deutlichen Sieg lag, sondern auch daran, dass die Gäste zweimal zurückkamen und die Schwarz-Gelben so weiter anstachelten. Deshalb kann man ihnen zugestehen, dass der Sieg vielleicht ein Tor zu hoch ausfiel.

Drei Gedanken zum Spiel

Thomas Tuchel hat die derzeitige Idealformation gefunden. Ob die nun mit Dreierkette hinten auflaufen MUSS, sei mal dahingestellt. Wesentlich scheint eher, dass Guerreiro und Durm Marcel Schmelzer offensive Qualitäten voraushaben und mit denen mehr gegnerische Spieler binden. Während zentral Gonzalo Castro in guter Form eine Entlastung für Julian Weigl ist. Über die geniale Offensivreihe mit Reus, Dembelé und Auba müssen wir keine Worte verlieren. Kein Wunder, dass die Stimmung offensichtlich prächtig war wie vor der Südtribünen-Sperrung lange nicht. Der Wermutstropfen: Marco Reus musste mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden und fehlt ausgerechnet gegen Benfica. Erster Kandidat für seinen Platz – und ich hoffe Tuchel sieht das genauso: Christian Pulisic, nicht nur wegen seines Tores.

Reus‘ Verletzung ist das Stichwort: Nicht zum ersten Mal gegen den BVB agierte Leverkusen hart an der Grenze. Euphemistisch könnte man von „robustem Einsatz“ sprechen. Oder man sieht es als Mittel zum Zweck, die Dortmunder Feintechniker zu verunsichern. Um es klar zu sagen: Solche Mittel sind legitim, bis der Schiedsrichter pfeift. Doch der muss das dann auch tun. Und nicht wie Christian Dingert ein klar gelb-rot-würdiges Einsteigen von hinten durchgehen lassen, wie im Fall von Karim Bellarabi gegen Dembelé.

Sechs Tore gegen Abwehrchef Toprak. Bekanntlich wechselt der Leverkusener Innenverteidiger im Sommer zur Borussia. Werbung für sich war das gestern natürlich nicht. Zwar war Toprak bei den meisten BVB-Toren nicht der Hauptschuldige, doch gut organisiert wirkte die Gäste-Defensive nur gelegentlich. Gerade bei Standards zeigte sie sich erstaunlich anfällig. Nun ist auch das nicht in erster Linie Toprak schuld, doch als Ältester in der Viererkette konnte er zumindest keine Ruhe reinbringen. Blicken wir dagegen auf die momentane BVB-Abwehrreihe, hat Marc Bartra durch die jüngsten Erfolge an Sicherheit dazu gewonnen. Es mag noch eine Momentaufnahme sein, aber seine Pässe haben schon fast Hummels-Qualität.

Die nächste Saison wird in dieser Hinsicht spannend. Gesetzt den Fall, dass Sokratis bleibt – was wir wohl alle hoffen – darf sich auch Ömer Toprak seines Stammplatzes nicht sicher sein. Was ich nicht schlimm finde. Nur die Summen, die wir auf der Ersatzbank geparkt haben, die sind beachtlich.

Mit dem Sieg hat die Borussia nun diesmal eine Leipziger Vorlage genutzt und gleichzeitig einen potenziellen Konkurrenten endgültig abgehängt. Frankfurt und Köln dürften uns nicht mehr gefährlich werden; bleiben Hoffenheim und Hertha BSC. Und nun hoffen wir am Mittwoch erst mal auf ein weiteres großes Spiel.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Durm, Weigl, Castro, Guerreiro – Dembelé (73. Kagawa), Reus (46. Pulisic) – Aubameyang (81. Schürrle). Tore: Dembelé, Aubameyang (2), Pulisic, Schürrle (EM), Guerreiro

Nichts Neues in Sinsheim – aber spannend war’s

1. Bundesliga, 15. Spieltag / TSG Hoffenheim 2 BVB 2

Der BVB kommt nach teils selbst-, teils fremdverschuldeten Nackenschlägen zweimal zurück, spielt dabei 50 Minuten in Unterzahl. Die nötige Energieleistung führt dazu, dass die Gastgeber in Hälfte 2 mehr Ballbesitz haben. Kurz vor Schluss vergibt die TSG die Chance zum Sieg, der aber nicht gerecht gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

We were robbed. Man muss den 27-jährigen Schiedsrichter Benjamin Brand nicht gleich in eine Reihe mit Hartmut Strampe, Michael Weiner und Wolfgang Stark stellen. Doch in der Partie gegen die gewohnt unsauberen Hoffenheimer hat er die Borussia zweimal massiv benachteiligt. Vor dem 1:2 schubste Sandro Wagner Rückkehrer Sven Bender im entscheidenden Moment weg. Sonst wäre vermutlich ‚Manni‘ zum Kopfball gekommen – oder zumindest Wagner nicht so frei. Es war natürlich nur ein Allerweltsfoul im Strafraum – aber eines, das Stürmern immer abgepfiffen wird.

Noch eklatanter die zweite Fehlentscheidung: Von anderen fragwürdigen Zweikampfbewertungen fangen wir nicht an, aber diese hätte genau andersherum ausfallen müssen. Marco Reus ging, schon mit Gelb belastet, als defensiver Akteur in ein Laufduell mit Nadiem Amiri. Wie Fernsehbilder beweisen, zieht Amiri Reus am Trikot. Dadurch kommt Marco nach mehreren Sekunden aus dem Tritt und am Ende Amiri zu Fall. Ursache und Wirkung sind zumindest im Fernsehen unstrittig zu erkennen – doch weder Schiri Brand noch sein nicht weit entfernter Assistent sehen die Szene so. Es war auch ‚geschickt‘ gemacht vom Hoffenheimer, der von unten zieht, was womöglich schwieriger zu sehen war. Selbstredend gibt Amiri das Foul nicht zu.

Would the Real Roman please stand up! Im Bernabeu war er sensationell, doch in der Bundesliga zeigt sich, warum Roman Weidenfeller nicht mehr regelmäßig im BVB-Tor steht. Dass das nur fehlende Spielpraxis ist, glaube ich nicht. Natürlich, vor dem 0:1 hebt ein noch von einem Zusammenprall angeschlagener Matthias Ginter das Abseits auf und vor dem 1:2 ereignet sich besagtes Foul von Sandro Wagner. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Weidenfeller beim ersten Gegentreffer zwischen dem Tor und dem heraneilenden Uth strandet und beim zweiten den Ball fast schon durch die Hände rutschen lässt. Bei allen Verdiensten hat mMn eine Vertragsverlängerung mit Roman keine Priorität. Inzwischen scheint er große Gegner oder große Momente wie ein Elfmeterschießen für Höchstleistungen zu brauchen.

Punktgewinn dank Batman and Fantomous: Schön zu sehen, dass Superstars oder Bald-Superstars wie Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé keine Champions League für starke Auftritte brauchen. Auch sie haben schwächere Partien, doch die gestern gehörte nicht dazu. Wann hatten wir seit Tomas Rosicky einen derart dribbelstarken Spieler wie Ousmane? Es waren ja nicht nur die tollen Vorarbeiten für Mario Götzes erstes Liga-Saisontor und Aubas 16., womit Letzterer nun vier Treffer vor Modeste liegt. Für die Hoffenheimer Abwehrreihen war Ousmane phasenweise ein Phantom. Ich bekenne: Dembélé ist noch besser als ich es mir vorgestellt habe. Und natürlich war auch Aubas Heber toll gemacht.

Leider ist nun fraglich, ob wir das Duo beim letzten Spiel vor Weihnachten, am Dienstag gegen Augsburg, noch mal gemeinsam sehen werden. Schließlich wurde ‚Ous‘ nach mehreren Wirkungstreffern verletzt ausgewechselt. Trotzdem ist ein Heimsieg gegen Augsburg, die gerade Dirk Schuster entlassen haben, natürlich Pflicht, um nach oben nicht wieder abreißen zu lassen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Bender, Bartra – Pulisic (83. Ramos), Weigl, Götze, Schmelzer – Dembélé (69. Mor), Reus – Aubameyang (90. +2 Aubameyang). Gelbe Karte: Bartra. Gelb-Rote Karte: Reus. Tore: Götze, Aubameyang

Dortmund verpasst Chance beim Spiel der raren Chancen

1. Bundesliga, 14. Spieltag / 1. FC Köln 1 BVB 1

Wie in Madrid, so in Köln: Marco Reus rettet der Borussia in den letzten Spielminuten ein Unentschieden. Trotzdem fühlt es sich natürlich ganz anders an. Die Schwarz-Gelben haben lange Zeit höchstens das Niveau aus dem Frankfurt-Spiel, doch der Effzeh verwertet seine wenigen Chancen eben nicht und macht doch noch einen entscheidenden Fehler.

Drei Gedanken zum Spiel

Kann man das schon Auswärtsschwäche nennen? In dieser Saison hat die Borussia in der Liga auf fremden Plätzen acht Punkte aus sieben Partien geholt. Das ist zwar immerhin Platz 6 in der Auswärtstabelle, aber eindeutig der Grund, dass man insgesamt nicht besser dasteht. Oft müssen die Schwarz-Gelben auch auswärts das Spiel machen, während sich der Gegner zurückzieht und aggressiv drauf geht. Im fremden Stadion fehlen dann leider häufig die sich gegenseitig bedingenden Eigenschaften mentale Klarheit und technische Präzision. Ob das etwas mit dem erneuten Erfolgserlebnis in der Champions League zu tun hatte, ist spekulativ.

Die alte Sport-Weisheit „Defence wins championships“ bekam heute wieder mal Nahrung. Natürlich gewinnt und verliert man mit elf Mann, aber was waren die spielentscheidenden Momente? Beim Freistoß zum Kölner 1:0 wurde Rudnevs schlicht nicht richtig gedeckt, wofür in erster Linie Erik Durm verantwortlich war. Auffallend war auch die Dortmunder Harmlosigkeit bei Standardsituationen. Die ist aber zu einem guten Teil durch das starke Kopfballspiel der Gastgeber zu erklären. Weswegen die vom BVB von Zeit zu Zeit eingestreuten hohen Bälle ebenfalls wirkungslos blieben und offensichtlich das falsche Rezept waren. Einmal klärte jedoch ungestraft eine Kölner Hand. Als die Uhr Richtung 90 Minuten tickte, ließen sich dann zwei Kölner an der Außenlinie von Dembélé düpieren; über Ramos kam der Ball zu Reus – 1:1.

Überhaupt: Marco Reus. Wie entscheidend ist der schon wieder für das Dortmunder Spiel? Auch wenn er heute nicht überragend spielte, war er wie schon im Madrid zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In den Partien seit seiner Rückkehr war er die Konstante in einer eher wechselhaften Offensive. Außerdem ist Marco der Spieler, der am besten alle Positionen im offensiven Mittelfeld ausfüllen kann. Wie schön, dass sich der Dortmunder noch mal für Dortmund entschieden hat und keine Anstalten macht, Abwanderungsgedanken zu entwickeln.

Zwar ist nach diesem Spieltag der Abstand zu Platz 3 weiterhin gering, doch natürlich haben die Schwarz-Gelben eine Chance vertan, weiter nach ganz oben aufzuschließen. Mit dem Ergebnis bei in dieser Saison starken Kölnern könnte man prinzipiell leben, wären die Gastgeber nicht so ersatzgeschwächt und die eigene Leistung nicht so dürftig gewesen. Bleibt als einziges Highlight das erneute späte Tor. Auftrag: Es in Sinsheim mit Flutlicht-Atmosphäre besser machen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (27. Bartra), Sokratis (75. Ramos), Ginter – Durm, Schmelzer – Weigl, Castro (53. Rode) – Dembélé, Reus – Aubameyang. Gelbe Karten: Schmelzer, Dembélé, Sokratis. Tor: Reus