Sokratis wird mehr als der neue Santana

Heute trudeln also die ersten Vollzugsmeldungen ein: Borussia Dortmund hat seine angekündigte Transferoffensive gestartet, über die ich hier gestern noch spekuliert habe. Die beiden nun bekannt gegebenen Veränderungen im Kader sind keine Überraschungen mehr. Innenverteidiger Felipe Santana wechselt zum Lokalrivalen FC Schalke. Über die Ablösemodalitäten wurde Stillschweigen vereinbart“, doch es ist ein offenes Geheimnis, dass Santana eine Ausstiegsklausel für eine Million Euro hatte.

Über meine Empfindungen in diesem Fall habe ich mich im letzten Beitrag schon geäußert. Manche mögen es besonders bitter finden, dass der Held des Malaga-Spiels jetzt zu den Blauen geht. Ich denke, ‚Tele‘ hat mit seinem 3:2 etwas Bleibendes geschaffen, das ihn immer mit dem BVB verbinden wird. Etwas Vergleichbares muss ihm in Gelsenkirchen erst mal gelingen.

Auch der Ersatz für Santana war bereits bekannt: Sokratis Papastathopoulos kommt zum 1. Juli von Werder Bremen und konkurriert künftig mit Jakub ‚Kuba‘ Blaszczykowski um den schwierigsten Nachnamen. Er hat einen Fünfjahresvertrag unterschrieben; die Ablösesumme wird bei acht bis zehn Millionen Euro veranschlagt, möglicherweise mit erfolgsabhängig fälligen Nachschlägen. Das ist nicht gerade wenig für einen Abwehrspieler, doch Sokratis ist hinten flexibel einsetzbar und könnte in den ersten Monaten der kommenden Spielzeit Lukasz Piszczek ersetzen, der wegen seiner Hüftoperation ausfallen wird.

Mit seiner Variabilität passt der Grieche sehr gut ins Anforderungsprofil von Jürgen Klopp und Michael Zorc, die gerade auch die Defensive noch mal verstärken wollen. Es ist davon auszugehen, dass noch ein weiterer Neuzugang mit Linksverteidiger-Qualitäten kommt. Ob dieser dann eher eine Back-Up-Lösung oder ein ernsthafter Konkurrent für Marcel Schmelzer sein wird, muss sich zeigen. Herzlich Willkommen, Sokratis!

In spanischen Medien, auf die sich der „Kicker“ bezieht, fiel unterdessen ein neuer Name im Zusammenhang mit der Borussia. Der 19-jährige Außenstürmer Gerard Deulofeu vom FC Barcelona B könne leihweise nach Dortmund wechseln, wird kolportiert. In Spanien gilt er als eines der größten Talente. Stellt sich natürlich die Frage, inwieweit kurzfristige Lösungen Sinn machen. Deulofeu hat seinen Vertrag bei Barca gerade erst bis 2017 verlängert – es müsste in Deutschland also schon sehr gut für ihn laufen, um ihn von einem dauerhaften Wechsel zu überzeugen. Darüber hinaus soll die Ausstiegsklausel 35 Millionen Euro betragen. Es könnte sich also wieder mal um eine typische Spekulation der spanischen Sportseiten handeln.

Was als Nächstes geschehen könnte

Tag 2 nach dem verlorenen Champions League-Finale und dem Blick zurück folgt der in die Zukunft. Jürgen Klopp peilt trotz aller Enttäuschung bereits neue Ziele an. 2015 findet das Endspiel im Berliner Olympiastadion statt und spätestens dann soll ein neuer Anlauf in Richtung Europas Fußball-Krone erfolgen.

Man muss die Niederlage vom Samstag nicht dramatisieren, man braucht sie aber auch nicht schönzureden. Ob der BVB in den nächsten Jahren erneut die Chance haben wird, ganz am Ende um den Henkelpott mitzuspielen, ist ungewiss; Roman Weidenfellers Gedanken sind daher nachvollziehbar:

Man bekommt nicht jedes Jahr die Möglichkeit, dieses Endspiel zu bestreiten. Mir war nach dem Abpfiff bewusst, dass es vielleicht meine letzte Chance war, diesen Pott zu gewinnen.

Der springende Punkt ist: Die Borussia steht vor einem größeren personellen und möglicherweise taktischen Umbruch als in den letzten Sommern. Wie sich dieser auswirken wird, kann man nicht seriös vorhersagen.

Mario Götzes Abschied ist ein Einschnitt. Er war an guten Tagen der Mann für die genialen Momente, die das schwarz-gelbe Offensivspiel so schwer beherrschbar machten. Möglicherweise hätte sein Mitwirken in Wembley kombiniert mit dem intensiven Druck der Borussia zu einem anderen Spielausgang geführt. Sein Bekenntnis zum BVB nach seiner Vertragsverlängerung hätte sich Mario im nachhinein besser gespart, wenn er eigentlich Bayern-Fan ist. Ansonsten ist er einfach dem Geld und der größtmöglichen Erfolgswahrscheinlichkeit gefolgt – wie schon unzählige Fußballprofis vor ihm. Wir Fans müssen uns wohl mit dem Ende der romantischen Wohlfühl-Ära in Dortmund abfinden.

Dass diese Ära zu Ende gehen würde, war vorauszusehen, ja nahezu unweigerlich. Dass die Bayern bei ihrem Ende eine Rolle spielen würden, ebenso. Jetzt zeichnet sich ab, dass diese Rolle größer ausfallen wird als erwartet. Lewandowski-Berater Cezary Kucharski hat – erneut im polnischen Fernsehen – bestätigt, dass sich der polnische Stürmer und Beinahe-Torschützenkönig mit dem FCB einig sei. Kucharski geht davon aus, dass der Wechsel in diesem Sommer erfolgen wird – wenn sich die Borussia an ein angeblich Robert gegebenes Wort halte.

Auf Dortmunder Seite wurde dieses Thema bisher so dargestellt, dass man Lewandowski zugesagt habe, über einen Wechsel zu sprechen, wenn bis 15. Mai ein verbindliches Angebot eingehe, das den eigenen Erwartungen entspricht. Laut Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist das bis heute nicht geschehen. Watzke hat bisher außerdem immer nahegelegt, dass ein Transfer des Stürmers zu den Bayern vor Ablauf der Vertragslaufzeit nicht in Frage käme. Interessant wäre es nun zu erfahren, ob bei dem ‚Versprechen‘ an Lewandowski die Bayern als Interessenten ausdrücklich ausgeschlossen wurden. Obwohl der Rekordmeister derzeit auch Meister in Sachen Geheimdiplomatie ist, hat man leider das Gefühl, dass die BVB-Verantwortlichen ebenfalls nicht mehr komplett ehrlich gegenüber den eigenen Fans auftreten. Was ist aus der bewährten Alternative zur Irreführung geworden: einfach keinen Kommentar abgeben? Weiterlesen „Was als Nächstes geschehen könnte“

Doppel-Marco repariert Aussetzer

1. Bundesliga, 33. Spieltag / VfL Wolfsburg 3 BVB 3

Icon_spielbericht_newMit Nachdruck und der individuellen Klasse von Marco Reus hat Borussia Dortmund die eigenen Aussetzer aus einer schlimmen halben Stunde in der VW-Arena gerade noch so übertüncht und die zweite Saisonniederlage gegen den Autoclub verhindert. Es war abzusehen, dass die Schwarz-Gelben im Warm-Up zum Champions League-Finale am ehesten in dieser Partie schwächeln würden – auch wenn man gehofft hatte, es ließe sich vermeiden.

Der Vergleich mit dem FC Bayern zeigt, dass der Borussia in diesen Dingen noch ein wenig Routine fehlt. In diesen Wochen geht es ja nicht nur darum, sich würdig aus einer Bundesligasaison zu verabschieden, in der es kaum noch etwas Zusätzliches zu erreichen gibt. Ziel der Spieler ist es natürlich auch, körperlich unbeschadet nach Wembley zu kommen. Diese Diskrepanz zu überbrücken gelang den Münchenern gestern trotz eines zunächst ebenfalls mäßigen Spiels besser. Ein Grund dafür ist die höhere Qualität im Kader, die den Akteuren, die nicht regelmäßig spielen, keine Aussetzer erlaubt, wenn sie eine Chance bekommen. Der zweite Grund war natürlich die höhere Qualität im Kader des BVB-Gegners: Mit einem zweiten Sieg über den Meister hätten die Wölfe eine unbefriedigend verlaufene Spielzeit noch ein klein wenig versöhnlicher gestalten und ihre Minimalchance auf einen Europa League-Platz wahren können.

Zunächst war jedoch nicht zu ahnen, welch gruslige Vorstellung die Schwarz-Gelben abliefern würden. Zu Beginn des Spiels schenkten sich beide Seiten nichts und die Gäste wirkten zumindest im Mittelfeld präsent und engagiert. Schon in der 5. Minute lobbte Nuri Sahin einen Freistoß von Reus in den Strafraum und Sven Bender vollendete zu seinem ersten Tor seit 2011 – Robert Lewandowski war erst hinter der Linie ebenfalls noch am Ball. Leider gab dieser Treffer nur den Wölfen einen Schub und Vorbereiter Sahin erlebte für den Rest der Halbzeit einen kleinen Albtraum inklusive schwerer Fehler und verlorener Kreativität.

Natürlich musste König Fußball dafür sorgen, dass ausgerechnet Ivan Perisic seine beiden ersten VfL-Treffer gegen die Borussia erzielte. Schon bei seinem Ausgleich zum 1:1 sah die Deckung schlecht aus. Santana prallte zwar noch mit dem Neu-Wolfsburger zusammen, konnte das Tor jedoch nicht verhindern. Beim 2:1 war etwas Glück dabei, da Ivans Schuss aus etwa 17 Metern noch abgefälscht wurde, doch es war inzwischen ja auch der katastrophale Spielaufbau des BVB, der den Gastgebern die schnelle Wende ermöglichte. Beim 3:1 nach einer Ecke stand Naldo komplett blank. Es benötigte eine Portion Glück, dass es nach 45 Minuten nur 1:3 stand. Zur Halbzeit hätte man nicht nur Großkreutz und Bender herausnehmen können, wie es Jürgen Klopp tat. Neben Sahin wären auch Felipe Santana, Lukasz Piszczek oder Marco Reus Kandidaten gewesen. Weiterlesen „Doppel-Marco repariert Aussetzer“

Von Euphorie zu Stolz

1. Bundesliga, 29. Spieltag / Greuther Fürth 1 BVB 6

icon_spielberichtfinalDer ausgelassene Freudentaumel vom Dienstag wird nie in Vergessenheit geraten, doch die Zeit bleibt gerade im Fußball nicht stehen. So gastierte Borussia Dortmund am Samstagnachmittag schon wieder beim Tabellenletzten Greuther Fürth. Auf die Art und Weise, wie die Mannschaft diese Aufgabe erledigt hat, darf sie richtig stolz sein.

Jürgen Klopp hatte bereits mit seiner Aufstellung die Weichen gestellt, mit intelligenter Rotation statt einer kompletten Umwälzung der Offensive wie gegen Augsburg. Es wäre extrem harsch gewesen, Champions League-Held Felipe Santana aus dem Team zu nehmen – daher startete der neben Mats Hummels in der Innenverteidigung. Marcel Schmelzer bekam eine Pause zugunsten von Kevin Großkreutz. Sahin und Kehl ersetzten Reus und Bender; Ilkay Gündogan durfte sich erneut auf der ’10‘ versuchen.

Um es kurz zu machen: Alle Maßnahmen des Trainers hatten Erfolg. ‚Tele‘ hat mit Spielpraxis auch an Statur und Sicherheit in der Viererkette gewonnen. Mats Hummels erwies sich als das erwartet belebende Element im Spiel von hinten heraus und nach vorne. Kevin Großkreutz hatte die linke Seite sehr gut im Griff, wählte meistens die richtigen Laufwege und entlastete Mario Götze von allzu viel Defensivarbeit. Sahin und Kehl waren sehr präsent in der Zentrale. Gegen durchschnittliche oder in diesem Fall nicht ganz durchschnittliche Opponenten ist es fast egal, wer auf den 6er/8er-Positionen spielt – Hauptsache es sind ein Defensiver und ein Offensiver. Und mit Ilkay Gündogan hat man jemanden, der problemlos auch weiter vorne spielen kann.

Die Flexibilität der BVB-Spieler könnte auch in Zukunft eine der großen Stärken dieser Mannschaft sein. Die Leichtigkeit des gestrigen Sieges und die grandiose erste Halbzeit hatten aber auch viel mit der Verfassung und der Qualität des Gegners zu tun. Gut zehn Minuten sahen die Fürther wie Abstiegskämpfer aus, danach nur noch wie Absteiger – eher aus der zweiten als aus der ersten Liga. Nach dem 1:0 des exzellenten Mario Götze, der durch die Beine eines Abwehrspielers ins kurze Eck getroffen hatte, machte sich die Hoffnungslosigkeit der Tabellensituation auch im Spiel der Gastgeber bemerkbar. Wer gegen die Dortmunder Offensivkünstler so häufig einen Schritt zu spät kommt respektive zu weit weg vom Mann ist, bekommt eben eine Klatsche. Hinzu kamen leichte Ballverluste im Mittelfeld.

Die Borussia traf zweimal quasi im Doppelpack. Götzes Tor folgte nur drei Minuten später das 2:0 durch Gündogan, der im Fünfmeterraum nach Kubas Pass von links nur den Fuß hinhalten musste. Aus einer ähnlichen Position, allerdings mit mehr Anlauf, köpfte Kuba das 3:0 in der 29. Minute, wobei er noch von einem Fürther Fuß im Gesicht getroffen wurde. Wieder dauerte es nur wenige Minuten, ehe Gündogan zentral von der Strafraumgrenze ins rechte untere Eck schoss. Weiterlesen „Von Euphorie zu Stolz“

Besser als jeder Titel

Champions League, Viertelfinale / BVB 3 FC Malaga 2

icon_spielberichtfinalSchalen, Pokale, Titel jeder Art sind wunderbar, keine Frage. Aber kaum etwas kommt im Fußball emotional an das heran, was wir BVB-Fans am Dienstagabend erleben durften. Das war größer als fast alles zuvor. Da kann jetzt kommen was und wer will – diese Momente für die Ewigkeit werden zumindest von der Intensität her kaum zu steigern sein. Diese Momente unbeschreiblichen Glücks sind die tollste Belohnung, die dieser Sport zu bieten hat.

Wir werden uns alle daran erinnern: Wo wir waren, mit wem wir gefeiert haben, was im magischen Moment zu Bruch gegangen ist, welche Lieder wir gesungen haben. Gut, das ein oder andere Detail mag fehlen, aber es wird noch genügend Wahnsinn übrig bleiben.

Es gibt Leute, denen es jetzt nicht so gut geht: Malaga-Präsident Scheich Al Thani, der sich etwas geärgert hat, dass wir ihm sein Spielzeug kaputt gemacht haben. Und die größten Deppen überhaupt, die nach dem 1:2 das Stadion oder die Kneipen verlassen haben. Mitleid habe ich höchstens mit den Spielern und Fans von Malaga. Das Siegtor war natürlich Abseits – genauso wie das 1:2.

Noch ein paar Worte zum Spiel: Das war nicht besonders gut vom BVB, vor allem in der ersten Hälfte. Trotz Bestbesetzung mit Ausnahme von Mats Hummels, der auf der Bank saß und in der 86. Minute rechtzeitig zum Wahnsinn eingewechselt wurde. Wie erwartet agierten die Gäste defensiv und standen tief, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Sie verdichteten geschickt die Räume um die ballführenden BVB-Spieler – aus dieser Umklammerung konnten sich die Schwarz-Gelben zu selten durch Seitenwechsel oder präzise Pässe in die Spitze lösen. Oft gerieten letztere zu steil.

Der Ausgleich zum 1:1 war dafür wunderschön: Götzes Zuspiel leitete Reus volley mit der Hacke weiter zu Lewandowski, der noch Torwart Willy aussteigen ließ, bevor er vollendete. Das 1:2 schien alles zunichte zu machen. Selbst langjährige Fans, die schon so manches gesehen haben, hatten danach arge Zweifel. Dann staubte in der Nachspielzeit Reus zum 2:2 ab und der Rest ist Geschichte!

Mehr brauche ich nicht zu schreiben, denn es gibt einige andere Leute, die bereits sehr schöne Texte zu diesem unglaublichen Spiel verfasst haben: Kirsten war im Stadion und hat alles schön und unnachahmlich ins Internet gebracht, einen persönlichen Gefühlsbericht aus dem Stadion hat auch Ina bei Tor-Szenen geschrieben, und Stephan ‚Dembowski‘ Uersfeld beschreibt anhand des Spiels bei ESPN die Schönheit des Fußballs.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Santana, Schmelzer – Gündogan (86. Hummels), Bender (72. Sahin) – Blaszczykowski (72. Schieber), Götze, Reus – Lewandowski. Gelbe Karten: Schmelzer, Bender. Tore: Lewandowski, Reus, Santaanaaaaa

Entschieden halb voll

Champions League, Viertelfinale / FC Malaga 0 BVB 0

icon_spielberichtfinalWar das 0:0 aus „La Rosaleda“ nun ein sehr bitteres Ergebnis, wie Mario Götze meinte, ist es „okay“ (Sebastian Kehl), kann man damit „zufrieden sein“ (Roman Weidenfeller) oder war das Spiel sogar „sehr gut“ (Michael Zorc, Hans-Joachim Watzke)? Irgendwie stimmt das je nach Perspektive natürlich alles, doch sollte man zuallererst festhalten, dass die Borussia im CL-Viertelfinale auswärts ein Unentschieden geholt und dabei über weite Strecken sehr gut gespielt hat.

Dass Mario Götze den Spielverlauf ein wenig negativer bewertet als Roman Weidenfeller ist keine Überraschung. Schließlich fiel bei dem 20-jährigen besonders auf, was die Schwarz-Gelben in Andalusien hauptsächlich vermissen ließen: eine konsequente Chancenverwertung. Jürgen Klopp hat dafür eine noch passendere Umschreibung gefunden, die „Klarheit vor dem Tor“. Nicht nur die drei von Mario vergebenen großen Gelegenheiten illustrierten, was der Trainer meint – auch Torjäger Lewandowski muss in dem Zusammenhang genannt werden. Während sein verrutschter Schuss fast vom Elfmeterpunkt ebenso passieren kann wie die von Torwart Willy gut vereitelte zweite Götze-Chance, dürfte es sich lohnen, die anderen Großchancen per DVD mit der Mannschaft noch mal ausführlich zu analysieren. Der erste Schuss von Mario war schlicht zu schwach; in anderen Szenen fehlte am Schluss der Blick für den Mitspieler.

Dennoch war es beeindruckend, wie der BVB nach einigen Minuten ins Spiel kam und es über weite Strecken dominierte. Eine wacklige Phase in der ersten Hälfte schrieb Klopp in der Pressekonferenz nach der Partie der Tatsache zu, dass sich die Spieler durch die vergebenen Chancen aus der Ruhe bringen ließen. Es lag aber genauso an den im Mittelfeld sehr engagierten und ballsicheren Gastgebern, die ganz vorne jedoch weniger zustande brachten, als man von einer Heimmannschaft erwartet hätte. Schön zu sehen, wie gut die Defensive der Borussia fast immer stand. Auch Felipe Santana, auch der ‚Maskenmann‘ Marcel Schmelzer, der nur einmal bei einem schnellen Angriff der Spanier über den Flügel die Orientierung verlor.

Das Hinspiel hat gezeigt, dass es dem BVB auch gegen eine im Vorfeld als sehr kompakt und defensivstark beschriebene Mannschaft gelungen ist, eine Reihe von Gelegenheiten herauszuspielen – durch schnelle Kombinationen, das bekannte Rezept der Schwarz-Gelben. Natürlich kam es dabei auch gestern zu Fehlpässen, doch es war zu sehen, dass die Jungs bei voller Konzentration schwer aufzuhalten sind. Deswegen können wir dem Rückspiel im Westfalenstadion optimistisch entgegenblicken: Auch dort werden sich die Chancen ergeben. Und Lewy oder Marco Reus oder sogar Mario Götze werden wieder treffen.

Natürlich ist ein 0:0 im Europapokal auch ein „gefährliches Ergebnis“ (Sebastian Kehl). Doch wer die gestrige Leistung und vor allem die weitgehend sichere Viererkette und den wie immer international bärenstarken Torwart gesehen hat, kann guten Gewissens zuversichtlich sein. Dem FC Malaga werden in Dortmund zudem Innenverteidiger und Kapitän Weligton sowie Mittelfeldspieler Iturra gelbgesperrt fehlen. Dagegen könnten der Borussia Kuba und sogar Mats Hummels wieder zur Verfügung stehen. Was alles nicht heißen soll, dass das Rückspiel nicht mehr vollkommen offen wäre – doch das metaphorische Glas ist trotz fehlendem Auswärtstor mindestens halb voll.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Santana, Schmelzer – Gündogan, Kehl (80. Bender) – Reus (69. Schieber), Götze (90. +2 Kirch), Großkreutz – Lewandowski. Gelbe Karte: Großkreutz

Wir sind gekommen um zu feiern

Champions League, Achtelfinale / BVB 3 Shakhtar Donezk 0

Südtribüne kurz vor dem Einlaufen der Teams
Südtribüne kurz vor dem Einlaufen der Teams

Borussia Dortmund gehört in dieser Saison zur Top 8 Europas. An einem großartigen Europapokal-Abend schlagen die schwarz-gelben Jungs lange Zeit zu abwartend agierende Gäste mit 3:0. Und fast hätten wir glückliche Besucher auch noch das Tor des Jahres gesehen.

Es war ein herrlicher Vorfrühlingstag in Dortmund, der ein klein wenig zur ohnehin erwartungsfrohen Stimmung in der Fußball-Hauptstadt beitrug. Ein leckerer Burger vor dem Spiel, der Weg ins Westfalenstadion, zügige Einlasskontrollen – alles lief perfekt und das sollte sich in den 90 Minuten, um die es wirklich geht, überhaupt nicht ändern.

Der BVB machte das sehr abgeklärt gegen ein erstaunlich passives Shakhtar. Man spielte den eigenen Stil, aber geduldig. Dazu präziser im Passspiel als zuletzt – dadurch kamen die Gäste nur zu wenigen ihrer gefürchteten schnellen Angriffe. Eine gute halbe Stunde hielt immerhin deren Deckung stand. Eine Ecke sollte das ändern. Schön, dass Felipe Santana traf, dessen Zukunft noch ungeklärt ist. Der Innenverteidiger sprang einfach höher als seine Gegenspieler und köpfte das 1:0. Die ohnehin gute Stimmung im Westfalenstadion steigerte das natürlich noch um ein gutes Stück. Weiterlesen „Wir sind gekommen um zu feiern“

Gut rotiert und gut erholt

1. Bundesliga, 24. Spieltag / BVB 3 Hannover 96 1

icon_spielberichtfinalDie Borussia startet mit einem hochverdienten Heimsieg gegen Hannover in eine weitere entscheidende Saisonphase. Mit dem Einzug ins CL-Viertelfinale und der endgültigen Distanzierung eines Ligakonkurrenten, der gerne noch um Platz 3 mitspielen würde, wenn er noch mal eine Chance kriegt, könnten die Schwarz-Gelben innerhalb einer guten Woche bereits den entscheidenden Schritt hin zu einer gelungenen Saison machen. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen nahm Jürgen Klopp gegen 96 mehrere Änderungen vor und lag damit fast goldrichtig.

Lukasz Piszczek, Sven Bender und Mario Götze saßen zunächst alle auf der Bank. Angesichts der bestehenden Hüftprobleme von Piszczek, einer schwachen Leistung im Pokal von Bender und der enormen Wichtigkeit Götzes für die kommenden Partien durchaus nachvollziehbar. Kevin Großkreutz rückte nach hinten rechts und löste die ungewohnte Aufgabe mit Bravour. Zum einen spielte er seine Laufstärke voll aus und war immer wieder in gefährlichen Positionen vorne zu finden. Zum anderen haute er sich auch hinten voll rein und überzeugte mit präzisen Tacklings und Balleroberungen. Für Sven Bender kam Sebastian Kehl ins Team – dieser Wechsel ging bedingt auf: Der Kapitän machte seine Sache defensiv ordentlich, brachte jedoch im Aufbauspiel recht wenig zustande und spielte die mit Abstand meisten Fehlpässe aller Spieler (18 – was natürlich auch mit der Position des Spielers zusammenhängt).

Nicht nur einen guten Riecher, sondern auch ein feines Gespür bewies Klopp mit der Aufstellung von Julian Schieber als Stoßstürmer. Nachdem Robert Lewandowski kurzfristig die überraschende Spielberechtigung durch den DFB erhielt, war damit nicht zu rechnen. Doch der Trainer wollte dem im vorletzten Ligaspiel unglücklich vom Platz gestellten Schwaben offensichtlich seine Chance nicht verwehren. Das sollte sich auszahlen: Nach Vorlage des ganz starken Kuba konnte Schieber aus elf Metern zum 3:1-Endstand einschieben. Erster Ligatreffer in schwarz-gelb für die Nummer 23.

Für die anderen beiden BVB-Tore war die Nummer 1 im Sturm verantwortlich. Robert Lewandowski agierte allerdings hinter Julian Schieber im offensiven Mittelfeld – meistens wie ein 10er, manchmal eher als hängende Spitze. In dieser Position hat er früher bekanntlich hin und wieder mit Lucas Barrios zusammengespielt. Man sollte diese Option für die Zukunft nicht nur als reine Notlösung oder Ausnahme sehen – bei einem tendenziell mitspielenden Gegner wie Hannover können sich genügend Räume auch für zwei nominelle Stürmer auftun.

In den ersten gut 20 Minuten zeigte die Borussia, wie gut sie das Pokal-Aus verarbeitet und sich erholt hatte. Die ersatzgeschwächten Hannoveraner wurden ziemlich an die Wand gespielt und boten reichlich Lücken, die die Schwarz-Gelben voller Offensivdrang zu nutzen wussten. Lewandowski traf nach einer Hereingabe von Großkreutz in den Rückraum und mit einem Abstauber nach einem von Torwart Zieler abgewehrten Schuss, wiederum von unserem Aushilfsrechtsverteidiger. Die Drangphase des BVB wurde nur durch ein zu Recht nicht anerkanntes Abseits-Kontertor der Gäste unterbrochen. Weiterlesen „Gut rotiert und gut erholt“

Die Party geht weiter

Champions League, Achtelfinale / Shakhtar Donezk 2 BVB 2

icon_spielberichtfinalLeider fiel bereits vor der Champions League-Partie in der Donbass-Arena ein Schatten auf den sportlich schönen Fußball-Abend, als bekannt wurde, dass auf dem Flughafen der Stadt eine Chartermaschine abgestürzt war, es Tote und Verletzte gegeben hatte. Als der Ball nach einer Schweigeminute rollte, sahen die Fans – darunter rund 2.000 Schwarz-Gelbe – ein sehr unterhaltsames Spiel, in dem der BVB an seine in der Gruppenphase gezeigten Leistungen anknüpfen konnte. Die Mannschaft hat sich ganz offensichtlich sehr mit diesem Wettbewerb angefreundet und es macht Riesenspaß, ihr bei ihren Auftritten zuzuschauen.

Wenn man in der Ukraine bei einem internationalen Top-Club auf einem halben Kunstrasenplatz die bessere Mannschaft ist, die Partie lange Zeit bestimmt und 17:8 Torschüsse in der Bilanz stehen, dann hat man sehr viel richtig gemacht. Dass es ein paar wenige Fehler in der Defensivarbeit gab, die Donezk effektiv nutzte, muss man akzeptieren. Über weite Strecken machten Sebastian Kehl und der am Samstag auf ungewohnter Position noch so unglückliche Sven Bender die Mitte gut dicht. Und die zwei echten Außenverteidiger Schmelzer und Piszczek brachten die nötige Ausgeglichenheit in die Borussen-Defensive.

Klar, der Freistoß vor dem 0:1 war vermeidbar. Felipe Santana trat dem mit dem Rücken zum Tor stehenden Luiz Adriano unnötigerweise gegen die Wade. Der Freistoß von Srna aus gefährlicher Position, etwa 22 Meter vom Kasten entfernt, war recht zentral geschossen und vielleicht nicht unhaltbar – aber doch eher aus der Kategorie „kann man haben, muss man aber nicht“. Beim erneuten Rückstand in der zweiten Hälfte unterschätzte Hummels einen langen Ball und stimmte sich nicht richtig mit Schmelle ab. Doch es brauchte immer noch einen ziemlich genialen Seitfallzieher aus der Drehung vom frisch eingewechselten Douglas Costa, um Abwehr und Torwart Weidenfeller zu überwinden. Lewandowski verpasste wenig später bei einem ähnlichen Versuch auf der anderen Seite knapp einen Doppelpack.

Die Mannschaft zeigte gestern jedoch noch, dass sie immer in der Lage ist, nach Rückschlägen zurückzukommen – wenn alle Positionen adäquat besetzt sind. Das Happy End war perfekt, als in der 86. Minute Mats Hummels nach einer Schmelzer-Ecke das 2:2 köpfte – nach dem Fehler der beiden zuvor und Mats‘ Kopfball an die Latte in der ersten Halbzeit. Dokumentarfilmstar Howard Webb hat sich im übrigen für seine Spielleitung ein Lob verdient – die war nämlich, Klischee hin oder her, zurückhaltend-britisch gut.

Rein sportlich gesehen war das wieder großes Kino gestern. Die Ausgangsposition für das Rückspiel in drei Wochen ist gut, aber auf dem Niveau, auf dem der Wettbewerb inzwischen angekommen ist, nicht sicher. 90 spannende Minuten in Dortmund sind nicht ausgeschlossen. Die gute Nachricht am Donnerstag: Für das Ligaspiel am Samstagabend gegen die Eintracht sind bisher keine neuen Verletzten zu vermelden. Jürgen Klopp ließ offen, ob Neven Subotic in die Startelf zurückkehren wird – doch die letzten Auftritte von Santana sprechen eher dafür. Was den Sturm ohne Lewandowski angeht, wollte sich der Trainer noch nicht in die Karten schauen lassen, doch es gibt eigentlich keinen Grund, nun Schieber eine echte Chance zu verweigern. Ilkay Gündogan bleibt wohl mindestens bis zum Abschlusstraining Wackelkandidat. Party on!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Santana, Hummels, Schmelzer – Kehl, Bender – Blaszczykowski (80. Leitner), Götze, Reus (90. +1 Schieber) – Lewandowski. Tore: Lewandowski, Hummels

Knapper Sieg der Vorbilder

1. Bundesliga, 20. Spieltag / Bayer Leverkusen 2 BVB 3

icon_spielberichtfinalLetzte Woche, vor dem Topspiel am Sonntag, führten die „RuhrNachrichten“ ein Interview mit dem Leverkusener Trainer-Duo Lewandowski / Hyypiä. Darin skizzierte der aus Dortmund stammende Lewandowski, was die beiden seit ihrem Antritt nach Dortmunder Vorbild angestoßen haben: [wir mussten] das Umschaltverhalten extrem verbessern, sowohl nach Ballverlust häufiger vorwärts zu verteidigen als auch nach Ballgewinn zielstrebiger vor das gegnerische Tor zu kommen.“ Man habe dabei Fortschritte erzielt, auch wenn der BVB noch vorne sei.

Am Sonntag war genau das zu besichtigen. Leverkusen machte vieles richtig und ähnlich wie die Borussia, zeigte sich variabel, gefährlich über die Flügel und übte vor allem in der zweiten Hälfte viel Druck auf den Meister aus. Doch es fehlte den Gastgebern möglicherweise wirklich die Routine, um die Balleroberungen so effektiv zu nutzen wie die Schwarz-Gelben – hinzu kamen Schwächen im Abschluss.

Das machte der BVB besser. Effektiv war man ohne Zweifel: aus vier Chancen (laut „Kicker“) resultierten zwei Tore, wenn man den Elfmeter nicht mitzählt. Wie Robert Lewandowski in der dritten Minute die Situation blitzschnell erfasste und einen spekulativen Pass in die Spitze schickte, den Marco Reus mit einem Lupfer über Leno zu nutzen wusste – das war einfach toll. Der Dortmunder Stürmer hätte einige Minuten später vielleicht ein zweites Mal getroffen, vielleicht aber auch nicht. Doch Leno warf sich in Roberts Beine und verursachte dadurch den ersten Elfmeter für Schwarz-Gelb. Den Kuba routiniert verwandelte – hätte er beim zweiten Versuch auf den ausgeprägten Zwischenschritt verzichtet, wäre ihm vermutlich ein Doppelpack gelungen.

Doch zurück zu Lewandowski. Der war ja auch noch am dritten Treffer ‚beteiligt‘ – als Götze von Toprak im Strafraum umgerempelt wurde und der Ball frei war, schoss der Stürmer ihn rein. Das ist seine Aufgabe, aber Lewy macht eben noch so viel mehr. Zu meinem Geburtstag Mitte Juli würde ich mich über seine Vertragsverlängerung am meisten freuen. Weiterlesen „Knapper Sieg der Vorbilder“