Weiter geht’s: Toljan da, Passlack weg

Keine Atempause auf dem Transfermarkt: Schon seit einigen Tagen wurde über eine Art Tauschgeschäft mit der TSG Hoffenheim spekuliert, das Jeremy Toljan und Felix Passlack betreffen sollte. Kurzzeitig schien der Deal wegen des geplatzten Verkaufs von Erik Durm an den VfB Stuttgart in Frage zu stehen. Gestern verdichteten sich wie berichtet die Erkenntnisse, dass er doch bevorsteht. Heute Vormittag war es so weit.

Der BVB holt also den U21-Europameister und beidseitigen Außenverteidiger Jeremy Toljan (23) aus Sinsheim. Er erhält einen Fünfjahresvertrag. Im Gegenzug wird der U19-Nationalspieler und beidseitige Außenverteidiger Felix Passlack ohne Kaufoption für zwei Jahre an die TSG verliehen. Die Borussia lässt sich Toljan laut Kicker sieben Millionen Euro plus Boni kosten.

Das macht nur Sinn, wenn Michael Zorc, Aki Watzke und Peter Bosz Jeremy Toljan nicht nur für den derzeit besseren Außenverteidiger halten, sondern der Trainer auch vor hat, ihn einzusetzen. Denn Toljans Vertrag wäre nächsten Sommer ausgelaufen; er hätte dann ablösefrei zum BVB wechseln können. Das heißt im Idealfall: Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek haben sich ab sofort echter Konkurrenz zu stellen. Dan-Axel Zagadou hat auch schon gezeigt, dass er die Position ordentlich spielen kann.

Ob sich Toljan dauerhaft gegen einen der beiden Platzhirsche durchsetzen kann, ist eine andere Frage. In knapp vier Jahren seit seinem Bundesligadebüt für die TSG kam er dort auf 56 Einsätze. In der aktuellen Saison hat er allerdings die kompletten 180 Minuten absolviert. Was man mit großer Wahrscheinlichkeit sagen kann: Jeremy Toljan hat noch mehr Entwicklungspotenzial als Schmelle und Piszczu. Die wohl größte Baustelle der Borussia scheint endlich ernsthaft angepackt zu werden.

Felix Passlack könnte nach zwei Jahren zum BVB zurückkehren. Dafür steht ein Anderer, der wirklich ein schwarz-gelbes Herz hat, vor einem Wechsel zum prominenten Regionalligisten 1860 München. Torwart Hendrik Bonmann sagte Schwatzgelb.de: „Mein größter Traum ist und bleibt Borussia Dortmund.“ Doch schon zum Zeitpunkt des Interviews im April war klar, dass es Bonmann in der ersten Mannschaft wie in der U23 trotz guter Leistungen schwer haben würde. Die Ersatzbank im Westfalenstadion ist schließlich ein weiteres Jahr mit Roman Weidenfeller besetzt. Und im Kader der U23 gehen die Plätze für ältere Spieler aus. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Rückkehr als Nummer Eins oder Zwei.

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Kurz vor Saisonstart: endlich gute Nachrichten?

Borussia Dortmund erlebt den unruhigsten Sommer seit Jahren: Nach dem vollzogenen und mMn geglückten Trainerwechsel erfasst den Verein der Schneeballeffekt des Neymar-Transfers. Nach diesem Sündenfall gibt es bei den Akteuren der Spitzenklubs offenbar endgültig keine Hemmungen mehr. Doch verteilen wir die Schuld gerecht: Niemand kann Ousmane Dembelé befehlen, dem BVB-Training fernzubleiben. Dafür ist im Endeffekt schon der Spieler verantwortlich – genau wie Pierre-Emerick Aubameyang für zweifelhafte Äußerungen zu einer italienischen Modemetropole.

Letztlich wollten auch wir Fans es nicht so genau wissen. Wir haben uns alle ein wenig in Ousmane verliebt und Bedenken beiseite gewischt, die man hätte haben können – schließlich hat der Wunderknabe die gleiche Show schon mal in Frankreich abgezogen. Doch wir wollten seiner Darstellung der Dinge Glauben schenken und ihm vertrauen. Inzwischen haben sich auch BVB-Spieler wie Sokratis und Gonzalo Castro kritisch zu Dembelés Verhalten geäußert – was soll man auch sonst sagen? Eine Wiedereingliederung scheint derzeit schwer vorstellbar und doch darf der Verein nicht klein beigeben. Aus Prinzip, auch wenn andere solche Werte schon lange über Bord geworfen haben.

Angesichts der Richtung, in die sich der Profifußball entwickelt, kann man fast nur noch verzweifeln oder sich in Ironie flüchten. Ich respektiere die Leute, die Letzteres teilweise virtuos beherrschen und die Geschehnisse mit trockenem Humor kommentieren. Mir fehlt dazu beim Thema Fußball das Talent. Die einzige Lösung liegt auf dem Platz: Zum Glück geht es morgen wieder los. Weiterlesen →

Die goldene Generation: BVB ist Deutscher Meister

Geht doch: Borussia Dortmund schlägt den FC Bayern im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Im Westfalenstadion, vor Rekordkulisse – 33.450 Zuschauer, darunter sogar einige Bayern-Fans, sahen das Finale der A-Junioren. Die beiden Teams schenkten sich nichts, doch während es in der ersten Halbzeit noch ausgeglichen zuging, verdiente sich der BVB schon gegen Ende der regulären Spielzeit den späteren Sieg. In der Verlängerung waren keine spielerischen Leckerbissen mehr zu vermelden, auch wenn Bayerns Awoudja ein Abseitstor köpfte und Dortmunds Bulut kurz vor Schluss knapp verzog.

Dann also Elfmeterschießen. Auf die Südtribüne, entschied das Los. Schon beim zweiten Schuss zeigte Bayerns Matthias Stingl eine Hommage an Philipp Lahm, rutschte weg und zielte drüber. Doch auch Alexander Schulte traf nicht. Und so mussten acht Schützen von jedem Team antreten, ehe Timothy Tillmanns Schuss in die Mitte von BVB-Keeper Bansen mit den Füßen abgewehrt wurde. Und dann traf Innenverteidiger Amos Pieper…

Es ist also eine Tatsache, dass Borussia Dortmund bei den A-Junioren derzeit das Maß aller Dinge darstellt. Insgesamt ist der Jugendbereich sehr gut aufgestellt. Ob das jetzt an Lars Ricken oder den vielen guten Trainern liegt, ist egal. Es war allerdings ein bestimmter Jahrgang, die Klasse von 1998 um Felix Passlack und Dzenis Burnic, der alle anderen überragte und vier Meisterschaften in Folge einfuhr. Jetzt geht es darum, den Erfolg mit anderen Spielern und Altersstufen so gut es geht zu bestätigen. Und natürlich darauf zu hoffen, dass die Durchlässigkeit zu den Profis sich nach Möglichkeit noch vergrößert.

Kampl kann’s, Watzke auch

Borussia Dortmund hat gestern im Trainingslager im spanischen La Manga sein erstes Testspiel des Jahres 2015 absolviert und den Schweizer Erstligisten FC Sion, bemerkenswerterweise ebenso Vorletzter wie die Schwarz-Gelben, mit 1:0 bezwungen. Es war sicher kein Fingerzeig für die Bundesliga, aber immerhin der erste Auftritt von Neuzugang Kevin Kampl. Für den „Kicker“ war er „auffälligster Mann in Schwarz-Gelb“, wirkte „sehr lebendig und agil“.

Reus und Sokratis wurden noch geschont, sind aber schon wieder voll im Mannschaftstraining. Torschütze war ein Innenverteidiger aus der U23: Jon Gorenc-Stankovic traf nach einer Schmelzer-Ecke. Auch der 16-jährige Flügelspieler Felix Passlack überzeugte Jürgen Klopp und durfte als einer der Wenigen durchspielen. Ein größerer Härtetest für alle Akteure steht am Samstag an: Um 16.30 Uhr geht es gegen den rumänischen Spitzenklub Steaua Bukarest.

Inzwischen ist auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim ‚Aki‘ Watzke im Trainingslager eingetroffen und zeigte sich heute ganz leger als Gesprächspartner bei der Pressekonferenz. Wie nahezu immer, wenn es um den eigenen Verein geht, waren seine Analyse und seine Antworten sachlich, auf den Punkt. Weder Träumereien noch Panik waren zu spüren. Zu Recht wies Watzke darauf hin, dass die Vereinsführung nie von ihrer vorsichtigen Zielsetzung abgewichen ist – eine Vorsicht, die sich jetzt als mehr als realitätsnah herausgestellt hat.

Weitere Transfers sind nach den Worten des Geschäftsführers im Januar wenig wahrscheinlich, aber nicht komplett ausgeschlossen. Einen Panikkauf aufgrund der Tatsache, dass Sven Bender ein bis drei Partien verpassen könnte, wird es kaum geben. Und auch aus der Diskussion um die möglichen Abgänge von Marco Reus und Ilkay Gündogan im Sommer nahm Watzke das Feuer raus. Ein öffentliches Ultimatum wird es von Vereinsseite nicht geben.

Und so bleibt der Eindruck, dass die handelnden Personen zwar den Verlauf der Hinserie nicht komplett aufklären konnten, aber durchaus wissen was sie tun.