Das Leben nach Eriksson

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Sven-Göran Eriksson, ehemaliger Trainer der englischen Nationalmannschaft, ist unter der Woche beim chinesischen Zweitligisten Shenzhen FC entlassen worden. Per Gedicht. Der Klub veröffentlichte eine Ode in Reimen an seinen früheren Coach Wang Baoshan, der nun wieder von Eriksson übernehmen wird.

Es war nicht das einzige bizarre Kapitel in der Karriere des 69-jährigen Schweden. 2009 übernahm er den Posten des Sportdirektors beim englischen Viertligisten Notts County, dem 1862 gegründeten ältesten Profiklub der Welt. Natürlich hatte es Eriksson nicht allein die Tradition angetan. Die ‚Magpies‘, nicht zu verwechseln mit Newcastle United, die den selben Spitznamen tragen, waren gerade von einem vermeintlich finanzstarken Konsortium namens Munto Finance übernommen worden. Damals wurde verbreitet, dass wohlhabende Familien aus dem Mittleren Osten, ja sogar das katarische Königshaus über das hinter Munto stehende Unternehmen Qadback Investments zu den Investoren gehörten. Mit Hilfe der großen Geldspritze sollte der Traditionsverein den schnellsten Weg nach oben antreten.

Große Namen an der Meadow Lane

Tatsächlich wurde mächtig eingekauft. Neben diversen bei uns weniger bekannten Spielern wechselten ein junger Torwart namens Kasper Schmeichel und der 34-jährige Sol Campbell nach Nottingham. Letzterer bekam gleich einen Fünfjahresvertrag. Während sich der Kader von County füllte, blieben die vermeintlichen reichen Gönner im Hintergrund. Eine Untersuchung von Unregelmäßigkeiten bei der Übernahme des Vereins brachte schließlich die bittere Wahrheit ans Licht: Hinter Munto und Qadback steckten keine wohlhabenden Scheichs, sondern ein Netzwerk von Betrügern. Sie hatten den Magpies zwar eine Reihe von fähigen Spielern besorgt, die trotz dem Chaos hinter den Kulissen den Aufstieg in die League One schafften. Doch sie hatten auch innerhalb weniger Monate rund 10 Millionen Euro Schulden angehäuft. weiterlesen

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Maximilian Philipp quetscht sich ins offensive Mittelfeld

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Borussia Dortmund hat sich die Dienste eines 23-jährigen deutschen U21-Nationalspielers gesichert: Maximilian Philipp kommt vom SC Freiburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Seine Qualitäten?

Er ist im offensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbar, abschlussstark und hat eine glänzende Perspektive.

Das ist der O-Ton von Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer. So weit, so gut. Für sich genommen ist das eine Top-Verpflichtung. Der Berliner Philipp reifte in seiner Zeit in Freiburg zum gestandenen Profi, dem jetzt der nächste Schritt zuzutrauen ist.

Reden wir über das, worüber Zorc und der Verein nicht sprechen. Zunächst die Ablöse: Laut Kicker beträgt sie 20 Millionen Euro, wobei unklar bleibt, ob das ein Sockelbetrag ist oder die maximal zu erzielende Summe nach erfolgsabhängigen Aufschlägen. Für den SC Freiburg ist es in jedem Fall der Rekordtransfer, der die nicht in Abrede zu stellende Schwächung des Teams hoffentlich abmildern kann. Maximilian Philipp hält das für ihn gezahlte Geld sogar für übertrieben. Für den BVB ist es ein beträchtlicher Betrag, den sich der Klub aber natürlich leisten kann, zumal ja leider bald noch ein großer Abgang anstehen dürfte.

Schwieriger wird die Geschichte, wenn man bedenkt, dass die Borussia letztlich 20 Millionen in einen Stand-in für Marco Reus investiert. Natürlich muss man für alle Eventualitäten planen; auch dafür, dass Marco in der kommenden Saison möglicherweise erst spät eingreifen kann. Aber stehen für die drei Positionen im offensiven Mittelfeld nicht jetzt schon mehr als genug Alternativen im Kader? Das sollte man zumindest meinen, wenn man das Talent oder die gezahlten Ablösesummen dieser Spieler betrachtet: Ousmane Dembelé, Christian Pulisic, Marco und Shinji, Emre Mor, André Schürrle und Mario Götze. Sieben Mann ohne Philipp und ohne Nachwuchskräfte, die vielleicht auch mal einen Einsatz verdient hätten.

Mir fehlt da ein wenig Problembewusstsein. Beim Verein und auch bei manchen Fans. Neuverpflichtungen werden bejubelt, aber es wird kaum darüber nachgedacht, ob wir noch einen ausgewogenen Kader haben. Oft ist es deutlich schwerer, Spieler loszuwerden als sie zu verpflichten. Die Konsequenz aus dem an sich zu begrüßenden Philipp-Transfer müsste sein, dass jene Akteure, die enttäuscht haben, gehen. Etwa André Schürrle oder Emre Mor, den man im Idealfall verleihen würde. Doch vor allem bei Ersterem dürfte ein Abgang kompliziert werden.

Wie es bisher aussieht, werden auch in diesem Jahr manche Bereiche (Mittelfeld, Innenverteidigung) übervoll besetzt, andere stiefmütterlich behandelt. Ein BVB-Verantwortlicher, es könnte Michael Zorc, aber auch Jürgen Klopp gewesen sein, äußerte einmal, dass man speziell in der Außenverteidigung dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben wolle. Das hat nur bedingt geklappt. De facto ist es einfach so, dass dort eine der größten Schwachstellen der Schwarz-Gelben liegt. Marcel Schmelzer etwa ist ein solider Spieler, aber das Standing, das er im Verein und bei einem Teil der Fans genießt, korrespondiert eher mit seiner Vereinstreue als mit seinen Leistungen. Er ist nicht schlecht, aber es ginge eben besser. Das Mindeste wäre ein ernstzunehmender Konkurrent. Denn der Offensivstil, den Peter Bosz spielen möchte, verlangt einfach nach starken Außenverteidigern.

The beautiful game: BVB gewinnt wieder Endspiel gegen Bremen

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1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 4 Werder Bremen 3

Vor 15 Jahren holte sich Borussia Dortmund am letzten Spieltag gegen Werder Bremen nach Rückstand noch die deutsche Meisterschaft. Gestern ging es ’nur‘ um die Champions League-Teilnahme, doch die Partie überbot die von 2002 noch an Spektakel. Das lag am unbedingten Willen, an der Offensivstärke und an gravierenden defensiven Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten.

Drei Gedanken zum Spiel

Fangen wir mit dem Negativen an: Die Abwehr hat kein Spitzenniveau. Natürlich traf man auf Bremer Seite in Max Kruse auch auf jemanden, der zurzeit auf Topniveau spielt. Doch die eklatante Anfälligkeit bei Kontern – natürlich Mittel der Wahl von Werder – darf so nicht sein. Da mangelte es am Positionsspiel und in der Folge an der Fähigkeit, eine Abseitsfalle zu stellen. Natürlich findet man in fast jedem Spiel auch Entschuldigungen. So fiel Marcel Schmelzer kurzfristig aus und wurde durch den gefeierten Rückkehrer Marc Bartra ersetzt. Der musste gleich Dreierkette spielen, fand sich aber immerhin nach und nach besser zurecht. Anstelle von Julian Weigl spielte wie erwartet Nuri Sahin, konnte aber nicht vollständig überzeugen.

Mehr und mehr gelangt man also zur Erkenntnis: Ja, die Viererkette hat personelle Verstärkung nötig. Aber nicht nur in der Innenverteidigung. Und vielleicht muss man taktisch auch etwas vorsichtiger agieren. weiterlesen

Dortmund sorgt für Finale daheim

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1. Bundesliga, 33. Spieltag / FC Augsburg 1 BVB 1

Im Schatten von Pokalfinale und jeder Menge Spekulationen um den Trainer verpasst die dominante Borussia in Augsburg die Vorentscheidung im Kampf um Platz 3 sowie eine Chance auf Platz 2.

Drei Gedanken zum Spiel

Wie ordnet man diese Leistung ein: große Dominanz, wenig Durchschlagskraft? Der BVB bemühte sich ja, suchte die Lücke, hatte sage und schreibe 77 Prozent Ballbesitz. Die Gastgeber setzten auf das in dieser Saison zumindest gelegentlich bewährte Rezept, tief zu stehen und auf Konter zu warten. Und wenn die schwarz-gelbe Defensive so sehr dazu einlädt wie in der 29. Minute, dann hat FCA-Trainer Manuel Baum alles richtig gemacht. Ein simpler Abschlag von Keeper Luthe traf die Dreierkette unvorbereitet und Augsburgs Max war durch. Was von schwarz-gelber Seite folgte, war trotz des schnellen Ausgleichs zu oft Stückwerk. Unter den 15 Torschüssen waren zwar einige, die einen Auswärtssieg gerechtfertigt hätten, doch angesichts aller anderen Statistiken hätten es mehr sein müssen.

Fehlte etwa die Entschlossenheit? Man spürte jedenfalls nicht über 90 Minuten diese große Intensität, die das BVB-Spiel in den besten Zeiten auszeichnet. Der Subtext dazu: Beeinflusst die Mediendebatte zur Unzeit die Spieler? Ich bin bei solchen Deutungen immer sehr vorsichtig, genauso wie bei der Bedeutung von Watzkes Antwort auf eine Journalistenfrage. Augsburg verteidigte gut, der Borussia fehlte nicht zum ersten Mal in solchen Situationen die Inspiration. Einer, der fast schon untypisch entschlossen wirkte und im Mittelfeld in viele Zweikämpfe ging, war Pierre-Emerick Aubameyang. Der will die Kanone, das merkte man ihm an. Und da der Service aus dem Mittelfeld zu wünschen übrig ließ, kümmerte er sich gelegentlich selber darum.

Eine Rolle spielte auch die Verletzung von Julian Weigl. An guten Tagen ist er der Mann für die öffnenden Pässe. In den 20 Minuten seines Mitwirkens gestern war davon noch nicht so viel zu sehen. Aber was wäre gewesen, wenn? Der BVB wurde in der Folge vor allem über die Flügel gefährlich, der Weg durch die Mitte war meistens Sackgasse. Nach dem Spiel wurde bekannt: Julian hat sich einen Bruch des Sprunggelenks zugezogen und fällt monatelang, vermutlich bis in die neue Saison hinein, aus. Gute Besserung von dieser Stelle!

Am Ende ist entscheidend: Der BVB hat es zu Hause gegen Bremen selbst in der Hand, Platz 3 zu sichern. Ein Sieg reicht, wenn Hoffenheim kein Freak-Resultat gelingt. Doch es ist jammerschade, dass wir uns das von den Bayern bewundernswert gedrehte Spiel in Leipzig nicht mehr zunutze machen können. Auch gestern wäre mehr drin gewesen. Dennoch: Eine Trainerdiskussion gibt es hier erst, wenn etwas entschieden oder die Saison vorbei ist

Die Aufstellung: Bürki – Ginter (89. Rode), Sokratis, Schmelzer – Piszczek, Weigl (23. Durm), Guerreiro (80. Pulisic) – Dembelé, Kagawa – Aubameyang, Reus. Gelbe Karte: Ginter. Tor: Aubameyang

Leipzig lässt die Maske fallen

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Lange genug hat man Kritik erduldet und Bescheidenheit geheuchelt. Nun geht RB Leipzig-Vorstandschef Oliver Mintzlaff in die Offensive, natürlich bei Bild. Die Kritiker des Brausevereins sind von gestern oder „vermummte 18- bis 25-jährige, die sich nicht benehmen können“. Ansonsten ist der Tenor: Wir sind die Guten, weil wir erfolgreich sind. Mit Mintzlaffs Worten:

Wir haben was Historisches erreicht. Und Klischees wie Geld, Tradition und Abneigung gehören der Vergangenheit an. Dass hat auch der Letzte kapiert, wenn er es denn gedanklich zulässt.

Die Zusammenfassung des Grauens gibt es unter anderem bei Spox.com.

Selters-Frühstück nach dem Pokalrausch

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1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 0 1. FC Köln 0

Das Umstellen von großen Dienstags- und Mittwochsspielen auf den Ligaalltag fällt den Schwarz-Gelben weiterhin schwer. Eins von beiden läuft in der Regel suboptimal. Am Samstag war’s eigentlich ein anständiger Auftritt gegen den Effzeh, nur ein Tor fehlte.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Köln zog sich weit zurück, sobald der BVB richtig Druck aufbaute. Mitte der ersten Hälfte sahen die Gäste kurzzeitig gefährlich aus, aber die Schwarz-Gelben überstanden diese Phase schadlos. Die zweite Hälfte war ein einziges Anrennen; mal mehr, mal weniger intensiv. Doch die Kölner machten es defensiv immerhin so gut, dass zwar 23 Torschüsse, aber weit weniger echte Chancen heraussprangen.

Man kann das natürlich so machen in Dortmund, absolut legitim. Drei Punkte darf man allerdings nicht erwarten und dementsprechend zufrieden zeigte sich FC-Trainer Peter Stöger mit dem Unentschieden. Noch in der Nachspielzeit musste Keeper Timo Horn den Punkt allerdings gegen Guerreiro retten, anschließend war ausgerechnet Neven Subotic zur Stelle, um den Abpraller vor Dembelé zu klären.

Es war die einzige erwähnenswerte Geschichte rund um eine Partie, die schnell in Vergessenheit geraten wird: Neven wurde nach Schlusspfiff von der Südtribüne gefeiert. Auch wenn er angesichts der Personallage wohl kaum zurückkehren wird: Es war eine schöne Aktion, die einen unweigerlich wieder an die schönen Momente mit Neven erinnert.

Ändert aber nichts daran, dass der Punktverlust je nach Spielausgang in Sinsheim noch mal weh tun könnte.

Die Aufstellung: Bürki – Durm, Sokratis (74. Piszczek), Ginter, Schmelzer – Weigl, Castro – Pulisic, Kagawa (66. Guerreiro), Reus (66. Dembelé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Durm, Castro.

Vertragsverlängerungchen: Nuri Sahin bleibt bis 2019

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Gerade noch hat ihn wieder mal das Verletzungspech ereilt: In Mönchengladbach zog sich BVB-Mittelfeldspieler Nuri Sahin einen Außenbandteilriss zu und wird frühestens im letzten Saisonspiel oder im Pokalfinale wieder auflaufen können. Doch was unser Eigengewächs in seinen wenigen Einsätzen der letzten Wochen gezeigt hat, scheint den Vereinsverantwortlichen gereicht zu haben: Nuri Sahin und die Borussia verlängern ihre Zusammenarbeit bis Juni 2019. Sportdirektor Michael Zorc sagte dazu unter anderem folgendes:

Auch wenn Nuri in den vergangenen beiden Jahren Pech mit Verletzungen hatte, hat er doch immer wieder gezeigt, dass er zurückkommen und einen sehr wichtigen Part in unserer jungen Mannschaft ausfüllen kann.

Natürlich weiß Nuri, dass jetzt ein ungünstiger Zeitpunkt für einen Wechsel wäre. Aber natürlich hat man auch auf Vereinsseite seine Verletzungsanfälligkeit ins Kalkül gezogen. Insofern macht eine Vertragsverlängerung um (nur) zwei Jahre für beide Seiten Sinn: Nuri ist heute 28 – Kinder, wie die Zeit vergeht. Mit 30 könnte er noch mal zu einem halbwegs ambitionierten Klub wechseln, wenn es nötig werden sollte. Der BVB sichert sich eine Integrations- und Identifikationsfigur, was bei einer jungen und veränderten Mannschaft schon mal per se Sinn macht.

Ob es sich für den Verein direkt sportlich auszahlt, ist noch mal eine andere Frage. Ich war damals skeptisch, als Nuri und Shinji Kagawa aus England zurückgeholt wurden. Bis zur aktuellen Rückserie dürften die meisten Beobachter diese Skepsis geteilt haben. Seither haben beide wieder eine Reihe guter Auftritte gezeigt – Shinji noch ein paar mehr als Nuri. Ob der Aufschwung von Dauer ist, lässt sich kaum vorhersagen. Noch haben sie ihr Spitzenniveau nicht erreicht und die Messlatte liegt hoch. Verletzungen helfen in aller Regel nicht.

Sagen wir es so: Wäre mit der Vertragsverlängerung eine deutliche Gehaltserhöhung verbunden, würde der Deal für den BVB keinen Sinn machen. Zu ähnlichen oder leistungsbezogeneren Bezügen dagegen schon. Und noch mehr dann, wenn Tuchel, Zorc und Watzke die Überbesetzung des Mittelfelds beheben und den Kader auf anderen Positionen stärken. Gerade in Zeiten wie diesen darf man sich außerdem auch mal ganz sentimental freuen, wenn uns ein langjähriger Schwarz-Gelber erhalten bleibt.

Perversion des Finanzmarkts ist schuld am BVB-Attentat

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Es war nach jetzigem Stand ein einzelner Mensch, der sich entschieden hat, Fußballspieler zu töten, um damit Geld zu verdienen – die Idee eines kranken und vor allem extrem bösartigen Hirns. Doch die Voraussetzung für das Entstehen dieser Idee war, dass es eine Möglichkeit gibt, mit fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen. Mit der Art von Optionsscheinen, die der mutmaßliche Attentäter Sergej W. erwarb, hätte er umso mehr gewonnen, umso tiefer der Kurs der BVB-Aktie gefallen wäre. Es ist abgrundtief zynisch, aber je mehr Spieler gestorben wären, desto gewinnbringender für den 28-Jährigen.

Keine Frage, ermöglicht wurde dieser Plan auch dadurch, dass Aktien von Borussia Dortmund überhaupt an der Börse gehandelt werden. Doch der springende Punkt ist: Warum gibt es überhaupt die Option, auf fallende Aktienkurse zu setzen? Warum sollte jemand davon profitieren, wenn es einem Unternehmen schlechter geht? Die FAZ erklärt, dass die Idee hinter diesen Finanzprodukten ursprünglich war, das eigene Aktiendepot für schwierige Zeiten abzusichern und Verluste auszugleichen. Doch schon vor zehn Jahren während der Finanzkrise zeigte sich, dass solche und ähnliche Produkte vor allem für Zocker interessant waren. Das Spiel- und Wettelement ist den Optionsscheinen immanent – und leider auch die Möglichkeit, Wettmanipulation zu begehen.

Wird sich durch diesen besonders krassen Fall des Missbrauchs etwas am weltweiten Finanzsystem ändern? Wohl kaum. Vielleicht denken zumindest diejenigen unter den Fußballfans noch mal nach, die glauben, deutsche Vereine sollten bei allem, was Geld bringt, mitmachen. Mehr als ein frommer Wunsch?

Kein Wunder

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Champions League, Viertelfinale / AS Monaco 3 BVB 1

Mehr als leise Hoffnung nach dem schnellen Anschlusstreffer zu Beginn der zweiten Hälfte kam nicht auf: Die Borussia scheidet deutlich aus der Champions League aus. Erneut erwischten die Schwarz-Gelben einen schwachen Start, lagen schnell 0:2 hinten. Die taktischen und personellen Korrekturen von Thomas Tuchel kamen zu spät. Und schon ab der 60. Minute hatte man das Gefühl, dass ein dritter Treffer der starken Gastgeber wahrscheinlicher war als ein zweiter des BVB.

Drei Gedanken zum Spiel

Die Frage nach dem Warum wird uns noch mindestens bis zum Saisonende verfolgen. Ein Spiel der Borussia unbeschwert zu analysieren ist durch den Bombenanschlag unmöglich geworden. Was die betroffenen Spieler erlebt haben, hängt nach – so ließen es alle, die sich geäußert haben, durchklingen. Doch inwiefern beeinflusst es eine Partie? Es ist unmöglich zu sagen, es bleiben nur Mutmaßungen. Hätte Lukasz Piszczek in einer bombenfreien Realität zwei derartige Fehlpässe in zwei CL-Partien fabriziert? Hätte Roman Bürki mehr tun können als bei Mendys Schuss nur die Fäuste hochzureißen – wenn die Mannschaft nicht vor der Abfahrt ins Stadion im Bus eine gute Viertelstunde von der Polizei aufgehalten worden wäre? Was steckte hinter der schnell korrigierten Nichtberücksichtigung von Ousmane Dembelé?

Auch Thomas Tuchel saß letzte und diese Woche im Mannschaftsbus. Das kann wohl eher nicht die fragwürdige Taktik erklären. Tuchel wollte nach der Partie nichts auf die Dreierkette kommen lassen, doch regelmäßige Leser von Any Given Weekend wissen, dass ich mit ihr nicht warm werde. Gestern zeigte sich exemplarisch, warum. Die Stellenbeschreibung für die Dreierkette müsste in etwa so lauten: „Gesucht werden Abwehrspieler, die Erfahrungen in der Innenverteidigung vorweisen können und sich dort zu Hause fühlen. Gefordert sind Schnelligkeit und Flexibilität. Bewerber müssen sich umgehend auf neue Situationen einstellen können.“ weiterlesen

Wohin Red Bull expandieren möchte

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Bisher hatte man geglaubt, die Fußballabteilung des österreichischen Brausekonzerns schaue sich besonders die englische Landkarte intensiv an – auf der Suche nach einem Verein, den sie mit viel Geld, neuen Farben und gebrandetem Rasenballsport beglücken kann. Doch möglicherweise gibt es im Mutterland des Fußballs zu viel Konkurrenz oder Tradition. Denn nun wurde bekannt, dass sich Red Bull auch in den Niederlanden umsehen könnte. Nicht bei der Nationalmannschaft, die es vielleicht nötig hätte, sondern im Vereinswesen. Es soll unter anderem Gespräche mit AZ Alkmaar und Twente Enschede gegeben haben.

Der Holland-Chef von Red Bull, Jan Smilde, geht mit dem Vorhaben recht offen um: „Our philosophy is to have ownership of everything: the club, the name and the stadium“, sagte er dem Radiosender BNR. Der Konzern möchte also Besitzer und Bestimmer sein – ist das nicht genau das, was künftig in Salzburg nicht mehr gelten soll? Stichwort Champions League…

Allerdings scheint der niederländische Fußballverband KNVB prinzipienfester zu sein als der deutsche – und klarere Regeln zu haben. Zumindest wenn man den Worten von Sprecher Koen Adriaanse vertrauen will:

The Dutch rules are clear: It is not possible for a party like Red Bull to become shareholder of a Dutch professional football organization if Red Bull is also directly or indirectly tied as shareholder, director or commissioner to another professional football club which is a member of UEFA.

Wenn ein Unternehmen oder Investor bereits an einem anderen Verein im Bereich der UEFA direkt oder indirekt beteiligt ist, kann es/er in den Niederlanden keine Anteile an einem Fußballklub kaufen. Genau so müsste es auch in Deutschland sein. Wobei natürlich noch abzuwarten bleibt, ob der Brausekonzern nicht auch bei unseren Nachbarn ein Schlupfloch findet. Eine offizielle Bestätigung für die Holland-Pläne, etwa von RB-Welt-Fußballchef Oliver Mintzlaff, gibt es allerdings nicht.