Alles ruhig in Dortmund

Teure Sportwagen fahren vor der Geschäftsstelle vor, im Blitzlichtgewitter der Fotografen steigen junge Männer aus, um bald darauf im Stadion den Vereinsschal zu schwenken – all das haben wir am Transfer Deadline Day in Dortmund nicht erlebt. Mal wieder nicht. Stattdessen sagte Tobias Raschl leise ‚Ich bin dann mal weg‘ – oder Ähnliches. Der 21-jährige Mittelfeldspieler wechselt zur extrem abstiegsgefährdeten Spielvereinigung Greuther Fürth. Raschl kam aus dem eigenen Nachwuchs und konnte sich nicht über längere Zeit im Spieltagskader von Marco Rose festsetzen. Schade. Jede/r muss wohl für sich selbst entscheiden, ob es für Raschl „einfach nicht gereicht hat“ oder er „zu wenig Spielpraxis“ bekam – Verletzungen bremsten ihn jedenfalls zusätzlich aus.

Schon am Wochenende wurde bekanntgegeben, dass Ansgar Knauff für eineinhalb Jahre an Eintracht Frankfurt ausgeliehen wird. Von ihm haben wir schon etwas mehr gesehen und die Leihe könnte sich als sinnvoll erweisen. Knauff hat auf jeden Fall das Tempo für einen Flügelspieler, muss aber in Zweikampf und Passspiel noch zulegen.

Spannung nur um Bürki

Die einzige weitere Personalie, über die bis gestern Abend ernsthaft diskutiert wurde: Roman Bürki. Der Schweizer ist bekanntlich nur noch die Nummer 3 im BVB-Tor, aber mögliche oder zumindest kolportierte Wechsel zu Galatasaray oder dem FC Lorient ließen sich nicht realisieren. In die Türkei, in sein Heimatland, nach Russland oder ab 10. Februar in die USA könnte Bürki jetzt u.a. noch wechseln. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür wohl nicht, ganz ausschließen würde ich es jedoch auch nicht.

Für den Großteil der Fans sind Abgänge aus der zweiten Reihe langweiliger als Neuzugänge. Und natürlich werden jetzt wieder Stimmen laut, die das Ausbleiben von Letzteren den Vereinsverantwortlichen ankreiden. Wenn, dann sind die Fehler jedoch in der Vergangenheit zu suchen. Solange einige Gutverdiener im Kader, die selten zum Einsatz kommen, sich nicht verändern wollen – und das ist ihr gutes Recht – kann der BVB in der derzeitigen Lage wenig machen.

Atemlos in Fürth

DFB-Pokal, 1. Runde / Greuther Fürth 1 BVB 2 (n.V.)

Und schon wieder Drama: Beim letzten Aufeinandertreffen mit der Spielvereinigung aus Fürth hatte der BVB in der Verlängerung gegen den Ersatztorwart der Franken den Einzug ins Pokalfinale klar gemacht. Gestern trafen die Schwarz-Gelben zweimal in der Nachspielzeit, davon einmal in der Verlängerung, und übertrafen somit noch das Drama vom letzten Mal.

Damals folgte eine magische Nacht in Berlin. Der Weg dorthin ist 2018 ungleich länger und schwieriger. Im ersten Pflichtspiel unter Lucien Favre offenbarten die Schwarz-Gelben noch einige Schwächen, die baldmöglichst abzustellen sind. Hier sind ganz kompakt meine Tops und Flops des Spiels.

Von heute auf morgen wird die Borussia auch unter Favre ihre Probleme gegen tief stehende Teams nicht los. Und die Fürther verteidigten sehr tief, oft komplett in der eigenen Hälfte. Trotz einiger Hochkaräter fehlten dem BVB noch zu oft die Ideen, wie man die Defensive der Gastgeber auseinanderspielen könnte.

Damit hängt eine nicht unerhebliche Personalie zusammen: Mahmoud Dahoud. Der Mittelfeldspieler hatte durchaus einige ansehnliche Aktionen. Sie endeten aber alle schrecklich uneffektiv. Zu hastig wirkte der mit seinem Gladbacher Trainer Wiedervereinte, traf zu oft falsche Entscheidungen und war auch beim Gegentreffer nicht auf der Höhe, wo er zur Abwechslung mal zu langsam reagierte. Bleibt zu hoffen, dass es hier kein Spezitum zwischen Trainer und Spieler gibt. Mo ist sicher ein Netter, aber nach gestern sollte so bald wie möglich Witsel neben Delaney spielen, von Anfang an.

Marco Reus erzielte in den letzten Momenten der Partie den Siegtreffer, nach toller Vorarbeit von Jadon Sancho. Doch zuvor hatte es schon über längere Phasen so gewirkt, als ob den Schwarz-Gelben ein Stoßstürmer fehle. Reus über außen oder als 10 macht für mich immer noch mehr Sinn. Philipp sehe ich trotz fehlenden Glücks gestern eher in der Mitte.

+++— Gut gestanden hat gestern die Abwehr. Eigentlich. Diallo und Akanji als gute Innenverteidiger, die auch kicken können, das passt so schon. Wie so oft nicht ganz zufriedenstellend war es außen. Marcel Schmelzer stand häufig sehr zentral und überließ anderen die Absicherung des Flügels. Wenn das eine Vorgabe des Trainers war, was ich so bezweifle, brachte es keine Souveränität auf die Flügel.

+++ Natürlich muss man die Einstellung loben. Es gab auch andere Bundesligisten, die in dieser ersten Runde hart ums Weiterkommen kämpfen mussten, nicht zuletzt den amtierenden Meister. Es gab auch ein paar, die gescheitert sind. Aber keiner brauchte oder hatte die Nerven, einmal 30 Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit das Aus zu verhindern und dann kurz vor Ende der Verlängerung alles klar zu machen. Als die Beine schon sehr schwer und die Pause vor dem Elfmeterschießen schon ganz nah war.

Jetzt also: Leipzig. Ein Härtetest zum Bundesliga-Start, wenn es denn einen gibt. Auch die Brausesäufer wirkten im Pokal bei Viktoria Köln nicht souverän. Alles offen, alles drin also.

Die Borussia vor dem Start

Lange Zeit wurde dieser heiße Sommer in Sachen Fußball von den Nachwehen der WM bestimmt. Inzwischen wird wieder über anderes gesprochen. Spätestens ab Montagabend auch wieder über den BVB – hoffentlich aus den richtigen Gründen.

In der laufenden 1. Runde des DFB-Pokals hat es schließlich schon mehrere Überraschungen gegeben. Titelverteidiger Frankfurt scheiterte beim Viertligisten Ulm, der VfB beim Drittligisten Hansa Rostock. Der FC Bayern erzielte beim Regionalligisten Drochtersen nur ein Tor. Und Borussia Dortmund muss morgen Abend beim nominell schwerstmöglichen Gegner, dem Zweitligafünfzehnten der Vorsaison, antreten. Nach zwei Spieltagen der aktuellen Saison steht Greuther Fürth sogar mit vier Punkten auf dem dritten Tabellenplatz.

Ehrlicherweise muss man als Schwarz-Gelber ohnehin zugeben, dass man vor der Saison 2018/19 noch so gar nicht sagen kann, wohin die Reise geht. Ein neuer Trainer, eine Reihe von neuen Spielern, ein großer Kader, noch kein Mittelstürmer – das sind alles schwer einzuschätzende Faktoren. Der BVB ist die sprichwörtliche Gleichung mit vielen Unbekannten. Wie weit ist beispielsweise die Abwehr? Glaubt man jüngsten Berichten, hat sich Lucien Favre für eine junge, frische Innenverteidigung aus Abdou Diallo und Manuel Akanji entschieden. Außen sollen dagegen die BVB-Veteranen Schmelzer und der neue Vize-Kapitän Lukasz Piszczek die Seiten dicht machen – was in der letzten Spielzeit nur gelegentlich funktioniert hat. Im Tor bleibt Roman Bürki, der nicht über jeden Zweifel erhaben ist, aber natürlich in der letzten Saison von manchen viel zu heftig kritisiert wurde.

Weniger Fragezeichen bleiben bei der Qualität des zentralen Mittelfelds. Thomas Delaney und Axel Witsel sind allem Anschein nach Transfers, die der Borussia direkt weiterhelfen können. Die ‚Unbekannten‘ sind hier eher diejenigen, die nicht spielen oder im Kader stehen werden. Bei der Stürmerfrage gibt sich der BVB entspannt. Natürlich wird hinter den Kulissen geschaut was machbar ist. Sollte noch jemand für ganz vorne kommen, könnte das die Einsatzzeit von beispielsweise Maximilian Philipp stark einschränken – was schade wäre. Doch braucht man nicht doch eine stärkere Nummer 9 als Alexander Isak? Das bleibt vorerst unbekannt. Auch das Pokalspiel wird hierbei noch keinen Aufschluss geben.

Fraglich bei den Gastgebern ist für morgen Kapitän Marco Caligiuri, ein nicht unbekannter, erfahrener Abwehrmann. Sein Fehlen könnte die Aufgabe im ausverkauften Sportpark Ronhof etwas erleichtern. Schauen wir mal, wie lang die Borussen brauchen, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Von Euphorie zu Stolz

1. Bundesliga, 29. Spieltag / Greuther Fürth 1 BVB 6

icon_spielberichtfinalDer ausgelassene Freudentaumel vom Dienstag wird nie in Vergessenheit geraten, doch die Zeit bleibt gerade im Fußball nicht stehen. So gastierte Borussia Dortmund am Samstagnachmittag schon wieder beim Tabellenletzten Greuther Fürth. Auf die Art und Weise, wie die Mannschaft diese Aufgabe erledigt hat, darf sie richtig stolz sein.

Jürgen Klopp hatte bereits mit seiner Aufstellung die Weichen gestellt, mit intelligenter Rotation statt einer kompletten Umwälzung der Offensive wie gegen Augsburg. Es wäre extrem harsch gewesen, Champions League-Held Felipe Santana aus dem Team zu nehmen – daher startete der neben Mats Hummels in der Innenverteidigung. Marcel Schmelzer bekam eine Pause zugunsten von Kevin Großkreutz. Sahin und Kehl ersetzten Reus und Bender; Ilkay Gündogan durfte sich erneut auf der ’10‘ versuchen.

Um es kurz zu machen: Alle Maßnahmen des Trainers hatten Erfolg. ‚Tele‘ hat mit Spielpraxis auch an Statur und Sicherheit in der Viererkette gewonnen. Mats Hummels erwies sich als das erwartet belebende Element im Spiel von hinten heraus und nach vorne. Kevin Großkreutz hatte die linke Seite sehr gut im Griff, wählte meistens die richtigen Laufwege und entlastete Mario Götze von allzu viel Defensivarbeit. Sahin und Kehl waren sehr präsent in der Zentrale. Gegen durchschnittliche oder in diesem Fall nicht ganz durchschnittliche Opponenten ist es fast egal, wer auf den 6er/8er-Positionen spielt – Hauptsache es sind ein Defensiver und ein Offensiver. Und mit Ilkay Gündogan hat man jemanden, der problemlos auch weiter vorne spielen kann.

Die Flexibilität der BVB-Spieler könnte auch in Zukunft eine der großen Stärken dieser Mannschaft sein. Die Leichtigkeit des gestrigen Sieges und die grandiose erste Halbzeit hatten aber auch viel mit der Verfassung und der Qualität des Gegners zu tun. Gut zehn Minuten sahen die Fürther wie Abstiegskämpfer aus, danach nur noch wie Absteiger – eher aus der zweiten als aus der ersten Liga. Nach dem 1:0 des exzellenten Mario Götze, der durch die Beine eines Abwehrspielers ins kurze Eck getroffen hatte, machte sich die Hoffnungslosigkeit der Tabellensituation auch im Spiel der Gastgeber bemerkbar. Wer gegen die Dortmunder Offensivkünstler so häufig einen Schritt zu spät kommt respektive zu weit weg vom Mann ist, bekommt eben eine Klatsche. Hinzu kamen leichte Ballverluste im Mittelfeld.

Die Borussia traf zweimal quasi im Doppelpack. Götzes Tor folgte nur drei Minuten später das 2:0 durch Gündogan, der im Fünfmeterraum nach Kubas Pass von links nur den Fuß hinhalten musste. Aus einer ähnlichen Position, allerdings mit mehr Anlauf, köpfte Kuba das 3:0 in der 29. Minute, wobei er noch von einem Fürther Fuß im Gesicht getroffen wurde. Wieder dauerte es nur wenige Minuten, ehe Gündogan zentral von der Strafraumgrenze ins rechte untere Eck schoss. Weiterlesen „Von Euphorie zu Stolz“

Dortmund gegen Fürth und Madrid

Das ist neu für diese Mannschaft: Einen Tag nachdem sie erfahren hat, dass ihr unglaubliches Comeback gegen Malaga mit einem erneuten Duell gegen Real Madrid belohnt wird, muss sie in der Trolli Arena antreten, beim Liga-Letzten und designierten Absteiger Greuther Fürth. Der bisher kein einziges Heimspiel gewinnen konnte. Größer kann die Diskrepanz zwischen Dienstag, Freitag und Samstag kaum sein – ebenso wie die Gefahr, dass morgen doch ein wenig die Konzentration fehlt.

Der Verein, der nach den vollzogenen bzw. angekündigten Abgängen von Mike Büskens und Gerald Asamoah nicht mal mehr zum Feindbild taugt, hat immerhin den ehemaligen Arbeitgeber der beiden Genannten geschlagen. Der BVB würde trotz aller nach wie vor vorhandenen Euphorie gut daran tun, auch diesen Gegner sehr ernst zu nehmen. Dafür spricht, dass außer Marco Reus bisher niemand für das Spiel abgesagt hat oder ausgeschlossen wurde.

Und Real Madrid? Der BVB ist ohnehin und besonders nach der am Dienstag über weite Strecken gezeigten Leistung Außenseiter. Trotzdem ist der schon bekannte Gegner besser für uns als Barca. Für die Bayern hätte vor allem das Gesicht von Uli Hoeneß nach einer Pleite seiner Rekordjungs im CL-Halbfinale gegen den BVB gesprochen. Doch letztendlich war und ist mir der Gegner nach diesem Dienstag noch egal.

Dortmund läuft Slalom gegen Fürth

1. Bundesliga, 12. Spieltag / BVB 3 Greuther Fürth 1

Da war viel Qualität zu sehen: Borussia Dortmund schlägt Fürth dank der technischen Fertigkeiten von Mario Götze, Jakub Blaszczykowski, Robert Lewandowski und anderen mit 3:1. Der Sieg fiel eher ein bis zwei Tore zu niedrig aus – mit genaueren Offensiv-Abspielen und noch größerer Aufmerksamkeit in der Abwehr hätte es noch deutlicher werden können.

Die beste Nachricht aus Dortmunder Sicht: Das schwarz-gelbe Traum-Mittelfeld ist wieder komplett verfügbar und selbst wenn Marco Reus geschont und nur eingewechselt wurde, konnte man schon erkennen, was in dieser Konstellation möglich ist. Was von diesem dominant herausgespielten Sieg in Erinnerung bleiben wird, sind vor allem die Slalomläufe von Mario Götze und ‚Kuba‘ Blaszczykowski. Beim schnellen 1:0 des BVB pflügte sich Mario über links durch die Fürther Abwehrreihen, ehe er den Ball Lewandowski in die Füße schob. Die Terminologie mag sich etwas agrikulturell für einen feinen Techniker anhören, doch zu dieser Torvorbereitung gehörte auch eine große Portion Durchsetzungsvermögen, die Götze mehr und mehr ausbildet. Nach seiner längerwierigen Verletzung ist er nun wieder nah an der Topform, müsste nur noch hier und da während der Spiele mannschaftsdienlichere Entscheidungen treffen.

Sehr erfreulich war das ungemein positive Auftreten von Kuba, der genau die Dringlichkeit in seinen Aktionen hatte, die der BVB-Offensive zuletzt gelegentlich fehlte. Der Pole holte den Elfmeter zum 2:1 heraus, als ihm von Nehrig gegen das Standbein getreten wurde, und bereitete das wunderschöne 3:1 durch Götze mit einem guten Pass vor. Ein eigener Torerfolg war ihm gestern noch nicht vergönnt – nach einem Dribbling, das denen von Götze ähnelte, zielte er bei seiner besten Chance auf den kurzen Winkel, doch Torwart Grün reagierte schnell und konnte parieren. Dennoch ist bei mir die Vorfreude groß, Kuba wieder zusammen mit Piszczek über rechts wirbeln zu sehen.

Getreu dem Motto „fördern und fordern“ hatte Jürgen Klopp gegen Fürth Ivan Perisic trotz seiner am Trainer geäußerten Kritik in die Startelf rotiert. Gleichzeitig muss der Mittelfeldspieler eine Geldstrafe zahlen – die erste, die es unter Jürgen Klopp überhaupt gibt. Leider konnte Ivan die Chance nicht nutzen, sich für die kommenden Partien aufzudrängen. Außer einem guten Freistoß in den ersten Minuten fiel er eher durch Übermotivation und einige Ballverluste auf.

Erfreulicher war, dass sich auch die Mittelfeldzentrale in Topform befindet. Bender und Gündogan machen das mindestens genauso gut zusammen wie Kehl mit einem von beiden. Auch auf dieser Position wird es Jürgen Klopp nicht leicht gemacht, sich zu entscheiden. Gerade in der von Schwarz-Gelb deutlich dominierten, wenn auch insgesamt weniger ansehnlichen zweiten Halbzeit waren ‚Manni‘ und Ilkay immer zur Stelle und ließen die Fürther nicht mehr zur Entfaltung kommen. Frühes Pressing wurde auch von den Mannschaftskollegen über weite Strecken praktiziert.

Man kann verstehen, dass Jürgen Klopp mit den zweiten 45 Minuten zufrieden war, obwohl die Borussia nach vorne nur noch vereinzelt gefährlich wurde:

In der zweiten Halbzeit hatten wir deutlich mehr Ballbesitz. Da hat die Mannschaft einen Schritt nach vorne gemacht, das Ganze reif aussehen zu lassen. Wir haben nichts mehr zugelassen.

Manche Gegner stellen sich inzwischen besser auf den BVB ein. Doch auch der lernt dazu. Und sei es auch nur, ein Spiel souverän runterzuspielen. Diese Fähigkeit könnte sich schon am Mittwoch auszahlen, wenn es darum geht, sich in Amsterdam mindestens einen Punkt fürs Erreichen des Champions League-Achtelfinales zu sichern. Vieles andere können die Schwarz-Gelben ja schon.

Gestern und am letzten Wochenende war Pflicht. Es ist nicht selbstverständlich, diese beiden Aufgaben jeweils mit 3:1 zu meistern. Auch wenn an den Auftritten nicht alles brillant war. Die Kür kommt am Mittwoch, obwohl angesichts des Tabellenstands alle ein Weiterkommen in der Champions League erwarten. Sagen wir es mal so: Bei der derzeitigen Personallage beim BVB ist vieles möglich. Und die Vorfreude entsprechend groß!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan (73. Großkreutz), Bender – Blaszczykowski (83. Leitner), Götze (66. Reus), Perisic – Lewandowski. Gelbe Karten: Perisic, Lewandowski. Tore: Lewandowski (2), Götze

Die Sache spitzt sich zu

DFB-Pokal, Halbfinale / Greuther Fürth 0 BVB 1 (n.V.)

Dortmund und Bayern im Pokalfinale, Dortmund und Bayern mit der besten Ausgangsposition in der Meisterschaft. Es scheint im deutschen Fußball nun doch auf einen Zweikampf zuzulaufen. Dass beide Finalteilnehmer sich in ihren Halbfinals schwer taten, war erwartbar. Den Schwarz-Gelben bescherte der Dienstagabend einen jener Fußballmomente, die für immer im Gedächtnis bleiben und der aufgrund der Umstände in alle zukünftigen Vereinschroniken aufgenommen werden dürfte.

Vielen wird es so gegangen sein wie dem Torschützen Ilkay Gündogan, der nach dem Spiel sagte: „Ich kann mich nur daran erinnern, dass Kevin den Ball hatte, dass er ihn ablegt und ich ihn annehme“. Vielen fehlen ein paar Sekunden. In manchen Kneipen fiel kurz nach dem Tor der Beamer aus. Diese 120. Spielminute war die Essenz des Fußballs.

Das Spiel liegt nun schon fast zwei Tage zurück und das Geschehen auf dem Feld ist von anderen Schlagzeilen und dem zweiten Halbfinale verdrängt worden. Die Borussia hatte die besseren Chancen, von denen sie wieder mehr als nötig vergab. Die Borussia spielte auch 45-60 Minuten den besseren Fußball, doch es war zu jeder Zeit bewundernswert, wie sich die Fürther in der Partie hielten. Später häuften sich die Fehlpässe bei den Schwarz-Gelben, ob aus Hektik oder Frustration, doch die Mannschaft hatte erneut die Qualität, eine schwache Phase im Spiel zu überwinden.

Das Tor in allerletzter Sekunde fiel auch wegen dieser Mentalität des nie-Aufgebens – weniger aufgrund des Fürther Torwartwechsels. Dass der Pfostenschuss vom Torwart abprallte, das hätte Grün genauso passieren können.

Dann war da noch das Nachspiel, das man nicht verschweigen kann. Nur echte Fußballer und echte Fußballfans können sich die Emotionen vorstellen, die ein derart spätes Tor im Pokalhalbfinale auslöst. Grundsätzlich sollte man nicht alles auf die Goldwaage legen, was kurz danach gesagt wird. Nun steht – mal wieder – der Vorwurf im Raum, Gerald Asamoah sei von einem Dortmunder rassistisch beleidigt worden. Was nicht so einfach mit Emotionalität wegzudiskutieren wäre. Die Vorwürfe wurden vom Fürther Mavraj erhoben; Asamoah äußerte sich zwar despektierlich über Großkreutz, sagte jedoch nicht, was Kevin gesagt hat.

Kevin Großkreutz nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau, doch er ist sicher kein Rassist. Im Sommer fährt er schon mal zu Dede nach Brasilien. Kevin ist ein BVB-Fan im BVB-Trikot, der seine Emotionen nicht immer unter Kontrolle hat. Seine Grußadressen an Asamoah und Büskens waren zwar nicht stilvoll, aber welcher Fan, der nach der Einwechslung von Asamoah gepöbelt hat – nicht rassistisch, selbstverständlich – kann ihn dafür verurteilen? Nach diesem Spiel? Hat Asamoah Mitleid verdient, weil es nur noch für die zweite Liga reicht? Weil er zwanzig Meter zu Schiedsrichter Meyer laufen musste, um sich über einen vermeintlichen Trikotzupfer zu beschweren? Nein, Asamoah hat genug dafür getan, dass man ihn in der Fußball-Hauptstadt des Ruhrgebiets nicht sonderlich leiden kann.

Jeder kann selber entscheiden, ob er lieber Kevin oder einem enttäuschten Verlierer glauben mag. Nach momentanem Stand wird es kein DFB-Verfahren gegen den Dortmunder geben, da es keine Beweise gibt.

Nun gibt es einen Moment Entspannung, bis die Zuspitzung weitergeht. In der Bundesliga müssen oder dürfen die Bayern am Samstag gegen Hannover vorlegen, der BVB tritt am Sonntag beim Effzeh an. Und die Planungen fürs Pokalfinale haben bereits begonnen: die Borussia wird alle dem Verein zugeteilten Karten für Berlin und jene für das letzte Saisonspiel gegen Freiburg verlosen – abzüglich der Tickets für die Fanclubs. Vereinsmitglieder haben eine doppelte Chance. Es wird hoffentlich das einzige Mal sein, dass wir Glück benötigen.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (6), Subotic (9), Hummels (6), Schmelzer (7) – Bender (6) (82. Gündogan (7)), Kehl (7) – Kuba (6), Kagawa (6) (70. Barrios (4)), Großkreutz (8) – Lewandowski (6) (106. Perisic). Gelbe Karten: Lewandowski, Subotic, Barrios. Tor: Gündogan

Dortmund konzentriert sich auf Punktedifferenz

1. Bundesliga, 26. Spieltag / BVB 1 Werder Bremen 0

Das war kein Spiel für schwache Nerven. Doch drei Punkte sind drei Punkte. Und der Verfolger lässt nach: Bayern muss sich in Berlin mit sechs Toren zufriedengeben. Als nicht-bloggender Fan könnte ich mich nach einem anstrengenden Nachmittag mit diesen einfachen Gedanken begnügen, doch die Chronistenpflicht ruft und die erfülle ich gerne.

Es war ein Rekordspiel für den BVB. Die Schwarz-Gelben blieben zum zwanzigsten Mal in Folge in der Liga ungeschlagen. Vereinsrekord. Doch die Spannung bis zum Schluss war schon lange nicht mehr so unnötig wie heute. Werder sah in der ersten Hälfte überhaupt kein Land. Die Gäste stellten bedingt durch die Ausfälle erneut eine extrem junge Mannschaft auf, die jedoch aufgrund des aggressiven Dortmunder Pressings und eigener Fehlpässe kaum ins Spiel fand und sich daher weit zurückzog. Und es dauerte nur acht Minuten, bis sich der Druck am Ende eines mustergültigen Angriffs auszahlte. Weidenfeller hatte nach einer Bremer Ecke schnell abgeworfen, Lewandowski zum erneut überzeugenden Kuba gepasst. Der gab weiter zu Großkreutz, der wiederum flankte an den langen Pfosten zu Gündogan, der legte quer auf Kagawa, der traf mit dem Kopf.

Nach dem souveränen Auftakt deutete alles auf einen Dortmunder Spaziergang hin. Die Gäste fanden weiterhin kein Mittel gegen den Meister, nur Mehmet Ekici und Torwart Mielitz wirkten den Schwarz-Gelben gewachsen. Zur Halbzeit hätte die Führung bereits höher sein müssen. Mielitz lenkte einen Schuss von Kagawa an den Pfosten, Kehl traf nach der einzigen gelungenen Offensivaktion von Schmelzer mit einem Kopfball die Latte. Kuba, Lewandowski und Gündogan scheiterten ebenfalls mit ihren Versuchen. Trotz des knappen 1:0 schien es zur Pause weiterhin nur eine Frage der Zeit bis zum zweiten Dortmunder Tor zu sein. Weiterlesen „Dortmund konzentriert sich auf Punktedifferenz“

Dortmund und die letzten Schalker

Borussia Dortmund bleibt das Losglück hold – mit der kleinen Einschränkung, dass Frauen-Nationalspielerin Kim Kulig am Samstagabend bei der Pokal-Auslosung ein Auswärtsspiel zog. Die Schwarz-Gelben treffen im Halbfinale auf den verbliebenen Zweitligisten Greuther Fürth, in einem Stadion, das offiziell „Trolli Arena“ heißt. Das Spiel wird ein Treffen mit alten Bekannten: die Ex-BVB-Spieler Sebastian Tyrala und Christopher Nöthe verdienen ihr Geld inzwischen in Franken. Darüber hinaus gibt es ein Wiedersehen mit zwei speziellen Freunden unserer Borussia, Mike Büskens und Gerald Asamoah. Alleine diese Konstellation wird schon für genügend Pfeffer sorgen.

Natürlich ist der Deutsche Meister klarer Favorit für die Fahrt nach Berlin, und viele Fans – ich schließe mich da gar nicht aus – machen sich schon Gedanken, wie sie an Finaltickets kommen. Doch bei diesem Spiel wird das Fürther Stadion, das ohnehin nur gut 15.000 Zuschauer fasst, endlich mal ausverkauft und stimmungsvoll sein. Obwohl die Borussia die beste Auswärtsmannschaft im deutschen Profifußball ist, wäre ein Heimspiel zumindest berechenbarer. Und obwohl die Fürther die ‚Unaufsteigbaren‘ und die ewigen Fünften sind, werden sie dem BVB im März einiges abverlangen.

Die schwarz-gelbe Topmeldung des heutigen Tages: Das BVB-Triumvirat bleibt bis 2016 zusammen. Nach Michael ‚Susi‘ Zorc und Jürgen Klopp hat auch Geschäftsführer Hans-Joachim ‚Aki‘ Watzke seinen Vertrag verlängert. Wenn man über gelegentliche leichte Anflüge von Populismus hinwegsieht, macht der 52-jährige Unternehmer seit Jahren hervorragende Arbeit für den Verein – von der Konsolidierung eines finanziell maroden Clubs hin zum sanften Wachstum der Jetztzeit. Zuletzt war Watzke am Abschluss langfristiger lukrativer Verträge mit Sponsor Evonik und dem neuen Ausrüster Puma beteiligt. Die Fans können sich auf die nächsten vier BVB-Jahre freuen.