Auf der Suche nach dem Spielglück

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Champions League, 2. Spieltag / BVB 1 Real Madrid 3

Die Borussia verliert auch ihr zweites Gruppenspiel mit 1:3. Nicht unverdient, wenn man die hochkarätigen Chancen zählt. Und doch hätte auch die Partie gegen den Titelverteidiger anders laufen können, hätten die Schwarz-Gelben nicht wieder Pech gehabt. Der Diskussion um die taktische Herangehensweise werden sie trotzdem nicht ganz entkommen können.

Drei Gedanken zum Spiel

Wie sagte es Nuri Sahin nach dem Spiel: „Man braucht auf dem Niveau auch ein bisschen Spielglück.“ Und tatsächlich ist die Leistung zwar das Wichtigste, doch es entscheiden eben manchmal Millimeter – und fehlbare Schiedsrichter. Kurz nach der Pause scheiterten Auba und Yarmolenko knapp am Ausgleich.

Meistdiskutiert war aber natürlich die Szene in der 14. Minute, als Sergio Ramos den Ball im Strafraum mit der Hand spielte. Zuvor hatte Keeper Navas pariert, von ihm sprang der Ball zum nahen Abwehrspieler. Journalisten, unbeteiligte Schiedsrichter und sogenannte Experten waren geteilter Meinung. Im Zweifelsfall geben diese Personenkreise jedoch eher dem Referee Recht. Dabei war im Fernsehen klar ersichtlich, dass Ramos nicht einfach nur den Arm zu hoch hatte, sondern ihn auch aktiv in Richtung Ball bewegte. Eine billige Ausrede ist Sahins Aussage daher nicht. Nur bleibt es eben beim Konjunktiv: Was wäre gewesen, wenn? weiterlesen

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Ergebnisorientiert und manchmal schön

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Champions League, 4. Spieltag / BVB 1 Olympiakos Piräus 0

Es war, wie in meinem Beitrag vor dem Stuttgart-Spiel festgestellt: Jürgen Klopp und die Mannschaft zogen vor der vierten Partie der CL-Gruppenphase die richtigen Schlüsse. Gegen Olympiakos zeigte sich einmal mehr, dass der Trainer diese Fähigkeit besitzt. Zur Belohnung gab es den Pflichtsieg, der dem BVB alle Chancen auf Platz 3 lässt und die winzige Chance auf ein Weiterkommen am Leben erhält.

Zeitweise war das gestern spielerische Hausmannskost. Abwehr und Mittelfeld scheuten sich nicht, hinterum zu spielen, wenn ein Pass nach vorne zu riskant erschien. Immer wieder zogen sie den rustikalen Ball ins Aus einer spielerischen Klärung brenzliger Situationen vor. Das war gut so, denn Olympiakos deutete auch im Westfalenstadion an, dass sie kein Zählkandidat im Wettbewerb bleiben wollen. Und die schwarz-gelbe Defensive stand trotz einfacherer Spielweise nicht in jeder Situation sicher. Selbst Roman Weidenfeller nicht. Der Torwart hielt bei einigen Szenen gut – einmal unterlief er jedoch bei einer Ecke den Ball und kurz vor der Pause lief er im Fünfmeterraum gegen den griechischen Innenverteidiger Papadopoulos, um dann Foulspiel des Gegenspielers zu reklamieren. Mats Hummels klärte die Situation mit der Hand, es hätte daher Elfmeter für Piräus geben können.

Weitere Unsicherheiten leisteten sich Neven Subotic und vor allem in der ersten Halbzeit Marcel Schmelzer. Der Linksverteidiger stand zu oft falsch, zu weit weg vom Mann und verlor einige Laufduelle. In der Form von gestern ist er für europäischen Spitzenfußball nicht tauglich. Wollen wir hoffen, dass er sich wie in der Bundesliga wieder fängt.

Es gab jedoch auch das Schöne in diesem Spiel. Nicht jeder hätte es von Kevin Großkreutz erwartet. Schon in der 3. Minute leistete er mit Kopf und Fuß tolle Vorarbeit zu einer Chance von Perisic. Vier Minuten später schloss Mario Götze nicht selber ab, sondern registrierte den im Rückraum freien Großkreutz und legte ihm den Ball für einen feinen, prallen Schuss aus fast 25 Metern auf, bei dem der in der Anfangsphase unsichere Olympiakos-Keeper keine Chance hatte.

Im Mittelfeld, neben Sebastian Kehl, feierte Moritz Leitner ein gelungenes Startelf-Debüt. Sven Bender hatte verletzt passen müssen und Klopp zog den 18-jährigen dem etwas älteren, formschwachen Gündogan vor. Die ganz große Lobeshymne will ich jedoch noch nicht anstimmen. Leitner stieß öfter prima in Lücken vor und spielte eine Reihe von gelungenen Pässen. Geniestreiche waren jedoch nicht dabei, seine beiden Torschüsse in der zweiten Hälfte stellten auch kein echtes Problem für den Gästetorwart dar. Generell fehlten zündende Ideen aus dem Mittelfeld, weil auch Mario Götze nach schwungvollem Beginn nachließ. Nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass auch er nach dem Stuttgart-Spiel angeschlagen war.

Die beste Szene der zweiten Hälfte hatte Robert Lewandowski. Einfach toll, wie er den zu kurzen Rückpass von Holebas vorausahnt und sich blitzschnell den Ball erkämpft. Dass er dann aus sehr spitzem Winkel nur den Pfosten trifft, ist verzeihbar. Perfekt wäre es gewesen, wenn er den Ball auf den nachkommenden Mitspieler zurückgelegt hätte. Insgesamt war es wieder ein engagierter Auftritt unseres Torjägers, der sehr oft gefoult wurde. Kagawa, der für Götze kam, brachte noch mal etwas Schwung in die Partie, aber letztlich spielte der BVB eine ergebnisorientierte Schlussphase, in der man nur noch vereinzelt vielversprechende Angriffe der Gäste zuließ.

Es war gut zu sehen, dass die Schwarz-Gelben auch eine solche Spielweise beherrschen. Gestern ging es nicht mehr um Schönheit, sondern nur noch um drei Punkte. Klar ist, dass es einer deutlichen Leistungssteigerung auf allen Positionen bedarf, um aus London etwas Zählbares mitzunehmen. Für das Erreichen des Achtelfinals würde ohnehin nur ein Sieg zählen. Das Unentschieden zwischen Arsenal und Marseille führt dazu, dass die Borussia nicht nur die letzten beiden Spiele gewinnen muss, sondern auch noch den direkten Vergleich gegen die Franzosen, bei dem es momentan 0:3 steht. Oder Olympiakos leistet gegen einen der beiden Gegner noch unerwartet Schützenhilfe. Realistisch ist etwas anderes – Platz 3. Damit darf man in dieser Saison noch zufrieden sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (7), Subotic (6), Hummels (7), Schmelzer (4) – Kehl (6), Leitner (7) – Perisic (6), Götze (6), Großkreutz (7) – Lewandowski (7). Gelbe Karte: Perisic. Tor: Großkreutz.

1. Bundesliga, 3. Spieltag / BVB 2 VFL Wolfsburg 0

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Freude und Vorfreude

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Kehl (71. Bender) – Großkreutz (85. Piszczek), Kagawa, Kuba (76. Götze) – Barrios. Tore: Sahin, Kagawa

Herrliches Wetter und erneut ein herrlicher Spieltag. Der BVB schlägt den vermeintlichen Titelaspiranten Wolfsburg mit überraschender Souveränität. Die einzige Änderung in der Aufstellung gegenüber dem guten Spiel in Stuttgart war die Hereinnahme von Kuba für Mario Götze.

Die erste große Chance hatten zwar die Gäste, als ein schlechter Rückpass von Subotic von Weidenfeller nicht richtig geklärt wurde und am Ende Dzeko in guter Position zum Schuss kam. Mehr vom Spiel hatten jedoch schon in der ersten Hälfte die Schwarz-Gelben, wie die Ballbesitz-Statistik deutlich zeigt. Zunächst allerdings musste sich die Mannschaft auf die Suche nach der Lücke begeben. Die Wolfsburger ließen wenig zu und da auch unsere Defensive keine weiteren Nachlässigkeiten beging, war es in der ersten halben Stunde zwar ein spannendes, aber auch ein chancenarmes Spiel.

Es hätte anders kommen können: Schon nach 17 Minuten wäre ein Elfmeter für den BVB fällig gewesen, als Barzagli den Ball im Strafraum eindeutig aktiv mit dem Ellbogen spielte. Der ansonsten gute Schiedsrichter Aytekin traf kurz vor der Pause noch eine weitere fragwürdige Entscheidung. Sebastian Kehl wollte im Duell mit Diego den Ball ins Toraus rollen lassen, der Millioneneinkauf von VW trat nach – eigentlich eine Tätlichkeit, die aber nur mit Gelb bestraft wurde.

Was später noch folgen sollte, deutete sich nach gut 35 Minuten an: Die Schwarz-Gelben kamen zu Chancen, nicht nur, aber meist nach Standards. Torwart Benaglio klärte einen guten Barrios-Kopfball über die Latte, wenig später köpfte der Torjäger knapp vorbei. Wolfsburg hätte die vergebenen Möglichkeiten bestrafen können, als Diego nach einer der wenigen guten Kombinationen der Gäste mit einem schönen Schuss die Latte traf. Verdient wäre das aber schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gewesen.

Die zweite Hälfte hat dann so richtig Spaß gemacht. Offensiver Fußball und ein dominanter Auftritt des BVB. Wie aus einem Traum von Jürgen Klopp entsprungen. Ausgerechnet unser aller Lieblingskommentator Fritz von Thurn und Taxis stellte die entscheidende Frage: Warum bloß lassen die ‚Wölfe‘ unserem Regisseur Nuri Sahin so viel Platz? Die Quittung gab es in der 50. Minute. Nuri trifft nach einem Pass von Kehl mit einem wunderschönen 25-Meter-Strahl, der selbst die Kritiker seiner häufigen Distanzschüsse (wie mich) verstummen lässt. Und das Ganze vor der Südtribüne. Party time.

Beeindruckend war, wie der BVB das Spiel anschließend unter Kontrolle behielt und weiter nach vorne drängte. Den Gästen fiel ganz wenig ein. Barrios wäre wenige Minuten später mit einem Drehschuss fast ein weiteres Bilderbuch-Tor gelungen, aber Benaglio, wohl der einzige Wolfsburger in Normalform, konnte parieren. Aber in der Folge klappte auch das Kombinieren sehr gut und in der 67. Minute stand plötzlich Shinji Kagawa nach einem gut getimeten Pass von Großkreutz frei. Und Shinji ist mit 21 schon verdammt cool, setzt den Ball souverän ins linke Eck. Was für ein großartiger Transfer!

Im Anschluss mussten die Schwarz-Gelben nicht mehr viel tun, die Gegenwehr von Wolfsburg hielt sich in Grenzen. Bezeichnend war, dass auch Patrick Owomoyela aus fast 30 Metern noch die Latte traf und Mats Hummels nach einem Solo über den halben Platz fast erfolgreich gewesen wäre. Sollte sich etwa bewahrheiten, dass das mit dem Erfolg zusammenkaufen nicht so einfach funktioniert wie mancher denkt, der ausschließlich an die Macht des Geldes im Fußball glaubt? Aber es sind ja noch 31 Spieltage…

Besonderes Lob geht heute wieder mal an die Kreativabteilung: Nuri Sahin ohne Worte, Shinji Kagawa ebenfalls stark. Sehr überzeugend waren auch die Auftritte von Kehl, Schmelzer und Hummels. Es bleibt nicht mehr viel zu sagen außer: so kann es weitergehen.

BL 19.Spieltag / Bayern München 3 BVB 1

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Wie programmiert.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Lee, Subotic, Santana, Owomoyela – Tinga (46. Sahin) – Kringe (83. Kehl), Boateng – Hajnal – Frei (74. Zidan), Valdez.

Nie mehr! Schluss. Mit Rauchen. Ich als allenfalls Gelegenheitsraucher ließ mich gestern in der Kneipe von einem Freund in der 85. Minute zu einer ‚Torzigarette‘ überreden. Das hat nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe.

Es hatte alles so schön angefangen, als Nelson Valdez nach etwas über einer Minute nach Bayern-Patzer und Hajnal-Zuspiel den Ball zum 1:0 ins Tor lupfte. Aber eine frühe Führung gegen die Bazis kann sogar kontraproduktiv sein – in München kommt es in der Regel auf die letzten fünf Minuten an. Vielleicht folgte der Spielablauf dem geheimen Drehbuch von Jürgen Klinsmann, der sein Team durch ein Gegentor heißmachen wollte – Demichelis‘ comedyhafter Ausrutscher spräche dafür… ;-)

Murmeltiertag in München. Abgesehen von der dort üblichen Niederlage spiegelte die Partie auch den Rückrundenstart des BVB wieder. Zum dritten Mal gingen die Schwarz-Gelben in Führung, zum dritten Mal waren sie die spielerisch unterlegene Mannschaft, zum dritten Mal hätten sie das Spiel trotzdem entscheiden können (oder, sagen wir bezogen auf das gestrige Spiel, etwas Zählbares mitnehmen), zum dritten Mal reichte es nicht zum Sieg. In der ersten Halbzeit spielten quasi nur die Bayern, die es aber trotz drückender Überlegenheit nur zu einem Tor brachten, was noch dazu eigentlich knapp Abseits war. Bedanken konnten wir uns für das Unentschieden zur Pause bei Roman Weidenfeller, der im Kasten brillierte wie zu besten Zeiten und mit großem Abstand über die gesamte Spielzeit bester Dortmunder war. Andererseits hätte es (vorübergehend?) auch 2:0 stehen können, da Lucio im Bayern-Strafraum mit der Hand zum Ball ging, der Pfiff von Jung-Schiedsrichter Kempter aber ausblieb.

In der Halbzeitpause gab es offensichtlich eine Standpauke von Jürgen Klopp und der BVB kam endlich wieder etwas besser ins Spiel. Meine Sorgen angesichts des verletzungsbedingten Wechsels Sahin für Tinga bewahrheiteten sich nicht. In einem nun offeneren Spiel kamen die Schwarz-Gelben trotz Bayern-Drucks wieder zu Chancen. Nur dass es bei uns an Spielern wie Kringe oder Zidan war, diese zu nutzen (was sie bekanntlich nicht taten), während die Bayern dafür Klose, Toni und Ribery haben. Trotzdem muss man erwähnen, dass der BVB einiges hätte besser machen sollen und können. Lange Bälle sind gegen ein Spitzenteam wahrscheinlich unvermeidlich, aber wenn sie nie ankommen, sollte man öfter auch mal was anderes versuchen. Und manche im Ansatz gute Aktion scheiterte am vielleicht der Hektik und Nervosität geschuldeten ungenauen Passspiel. weiterlesen