Zweiter Abschied von Sahin, erstes 0:0 in Hannover

Kurz vor Schließung des Transferfensters hat Borussia Dortmund noch einen Spieler abgegeben. Nur einen, was die Kadergröße auf immer noch stolze 29 Mann verringert. Weitere Abgänge sind ohne Vertragsauflösung nur noch ein paar Tage in Länder wie Tschechien, die Slowakei, Bulgarien oder ganz exotische Ziele wie Kongo und Curacao möglich. Halten wir also fest, dass es die BVB-Verantwortlichen erneut nicht geschafft haben, eine vernünftige Kadergröße zu erreichen.

Gegangen ist Nuri Sahin. Ausgerechnet Nuri Sahin, der Mann aus der eigenen Jugend und Held vieler Geschichten. Er wechselte zu Werder Bremen, für eine eher nominelle Ablöse von angeblich rund einer Million Euro, und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Von vielen traditionsbewussten BVB-Fans wird er vermisst werden. Es gab emotionale Abschiedsworte von beiden Seiten, von Nuri wie von Susi Zorc und Aki Watzke. Die Sätze sind passend und glaubwürdig.

Trotzdem sehe ich es etwas weniger sentimental. Nuri Sahin hat sich schon einmal von Schwarz-Gelb verabschiedet, um sein Glück bei Real Madrid zu versuchen. Hätte das funktioniert, wäre er heute wohl noch nicht zurück. Vielleicht wäre er mit 32 zum Karriereausklang mal zurückgekehrt. Es kommt hinzu, dass Nuri nie für längere Phasen an seine alte Stärke vor dem Wechsel anknüpfen konnte. Für mich ist der erneute Weggang also sportlich und emotional verkraftbar. Jemand wie Marco Reus verkörpert heute für mich glaubwürdiger einen ‚echten schwarz-gelben Jungen‘. Und natürlich hoffe ich, dass aus unserer Jugendakademie mal wieder jemand zu den Profis durchkommt.

Dann war da noch ein Freitagabendspiel, dessen bemerkenswertester Fakt der war, dass es erstmals in Hannover ein torloses Unentschieden für den BVB gab. Auch, aber nicht nur wegen der Übertragungssituation schaue ich mir die Freitagsspiele nur noch selten an. Die Sky-Zusammenfassung und die Presseberichte ergeben das Bild, das die schwarz-gelbe Defensive viel richtig machte und/oder kaum gefährdet war. In der Offensive standen zwei Alu-Treffer zu Buche und sonst wenig Brauchbares. Mehr Fürth als Leipzig also. Es scheint so, als ob noch viel Arbeit und Paco Alcacer nötig sind, um die Borussia richtig in Fahrt zu bringen.

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Das andere Gesicht

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 1 Hannover 96 0

Es geht also doch: Rechtzeitig vor den Partien gegen die namhaftesten und formstärksten Konkurrenten in der Bundesliga hat Borussia Dortmund mal wieder ein überzeugendes Spiel abgeliefert. Gesehen habe ich davon dank des neuen Fernsehvertrags nur die Zusammenfassung auf „Sky“. Aber eine Statistik lügt wohl nicht: Mit 27 Torschüssen stellten die Schwarz-Gelben für sich eine neue Saisonbestmarke auf.

Dass die Gastgeber so viel mehr Torgefahr ausstrahlten als am Donnerstag in Salzburg, dürfte auch daran liegen, dass es 96 scheinbar kaum gelang, ein ähnlich aggressives Pressing aufzuziehen wie die Österreicher. Von außen betrachtet sieht es natürlich außerdem so aus, als ob die Borussen mit einer ganz anderen Einstellung auftraten als beim Brauseklub. Doch mit „Laissez-faire“ und „Nicht-kämpfen-wollen“ hatte die Leistung vom Europa League-Spiel wohl nichts zu tun – eher mit einer Negativspirale, in der sich die Spieler wiederfanden.

In der Liga dagegen hat Peter Stöger die schwarz-gelben Jungs stabilisiert, wie zuletzt gegen Frankfurt zu sehen war. Und vielleicht war das heute auch eine Reaktion auf die harte Kritik, die es nach Salzburg von allen Seiten gab. Allerdings hätte der BVB mehr Tore schießen müssen – wirklich souverän ist so eine Chancenverwertung natürlich nicht. Zumal das wegen Abseits nicht gegebene Tor der Gäste auch gleiche Höhe gewesen sein könnte.

Das Tor, das zählte, war allerdings mindestens drei Punkte wert. Eine Ecke, die Michy Batshuayi direkt mit der Hacke ins Tor lenkte – etwas Vergleichbares haben wir im Westfalenstadion schon lange nicht mehr gesehen. Ein Treffer, der auch in den Saisonrückblicken zu sehen sein dürfte.

Nach der Länderspielpause geht es dann zum Topspiel nach München. Wo sich die Bayern wohl wieder deutlich mehr Mühe geben werden als heute Abend in Leipzig.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak (46. Sokratis), Schmelzer – Castro (64. Weigl), Dahoud – Pulisic (70. Philipp), Götze, Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Akanji, Sokratis. Tor: Batshuayi

Dortmund entspannt nur drei Tage

1. Bundesliga, 10. Spieltag / Hannover 96 4 BVB 2

In Hannover hat der BVB nicht immer gut ausgesehen, doch das gestrige Spiel fiel gegenüber den üblichen Auftritten dort ab. Der Noch-Tabellenführer ließ sich im Niedersachsenstadion defensiv ein ums andere Mal düpieren, ohne das diesmal offensiv wettmachen zu können. Dennoch hätte dieses Spiel anders laufen können – es war nicht so, dass die Gastgeber dominierten.

Peter Bosz muss handeln

Der Trainer und Sportdirektor Zorc versuchten nach der Partie, die von den Medien unvermeidlich wieder gestellte Systemfrage abzuwimmeln. Schlechte Zweikämpfe, fehlende Aggressivität und pomadiges Spiel seien für die Pleite verantwortlich gewesen. Man sollte diese Frage tatsächlich nicht oberflächlich diskutieren. Wir wissen schließlich nicht, was Bosz und sein Team den Spielern im Training und den Besprechungen mitgeben.

Tatsache ist aber, dass die Viererkette immer wieder, nicht nur in Hannover, ausgehebelt und mit einfachen Mitteln überspielt wird. Da genügen oft lange Bälle, wenn die Angreifer schnell genug sind. Viel zu oft stehen die Schwarz-Gelben dann Mann gegen Mann oder sind sogar in Unterzahl. Schnelligkeitsvorteile haben wir meistens auch nicht. Selbstverständlich ist an diesem Dilemma das von mir auch letztes Wochenende kritisierte Mittelfeld mit schuld. Der springende Punkt: Wenn die Spieler wiederholt nicht in der Lage waren, hinten besser abzusichern, muss sich Peter Bosz etwas einfallen lassen – ob er dafür grundlegend sein System ändern muss, ist eine ganz andere Frage. Weiterlesen „Dortmund entspannt nur drei Tage“

Schwarz-gelbe Fastenkost, ein Glanzpunkt

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 1 Hannover 96 0

Nein, ein erwärmendes Erlebnis war dieser knappe Heimsieg nicht. Vier Tage nach dem erneuten Einzug ins Pokalhalbfinale servierte die Borussia eher unterkühlten Fußball, der nicht allzu anstrengend aussah, aber letztlich zu den gewünschten drei Punkten führte.

Viel Grund zu meckern gibt es daran nicht, denn was dem BVB heute fehlte, war erstens offensichtlich, zweitens  altbekannt und drittens nicht das Engagement. Natürlich lag es auch an der Taktik des Tabellenletzten, dem Thomas Schaaf ein 4-1-4-1 verordnet hatte. Dieser breite Mittelfeldriegel erwartete die Schwarz-Gelben bei Dortmunder Ballbesitz meterweit in der eigenen Hälfte. Über weite Strecken funktionierte das für Hannover besser als man es gemeinhin von einem Tabellenletzten erwarten kann. Das Zentrum war halbwegs dicht und den Rest erledigte Torwart Ron-Robert Zieler.

Kommen wir zur Frage, warum es dem Tabellenzweiten nicht öfter gelang, die Mauer zu durchbrechen. Denn häufiger als sonst waren die Torschüsse und halbwegs gefährlichen Szenen der Borussia Fernschüsse und Freistöße. Natürlich fehlte Pierre-Emerick Aubameyang, der leicht angeschlagen im weißen Puschelmantel auf der Tribüne Platz nahm. Nicht nur, dass er Tore schießen kann. Die Gegner sind sich dessen bewusst und fürchten auch seine Schnelligkeit, weswegen Auba immer ordentlich Abwehrkraft bindet. Genau das machen zweitens unsere Außenverteidiger zu selten. Machen wir es mal wieder am heutigen Auftritt von Marcel Schmelzer fest: Sein Engagement ist bewundernswert und wenn er großen Freiraum hat, kann er sogar gefährlich werden. Doch technisch, insbesondere beim Dribbling, jagt er keinem Abwehrspieler Angst ein. Weswegen es häufig reicht, das Zentrum dicht zu machen.

Es gab die eine Ausnahme, den einen Glanzpunkt, als nach einem Hannoveraner Angriff über Schmelle, Gündogan und Reus ein schneller Konter eingeleitet wurde. Dann zischte Mkhitaryan mit dem Ball ab und Schmelzer zog links an der Abwehrkette vorbei. Der vielleicht dadurch ausgelöste Moment der Unentschlossenheit bei 96 reichte Miki, um in die richtige Position für seinen fulminanten Schuss zu kommen. Es war, wie Sky-Kommentator Lindemann wusste, der erste BVB-Saisontreffer von außerhalb des Sechzehnmeterraums. Ein bemerkenswerter Fakt, denn es ist ja nicht so, dass sowas nicht gelegentlich versucht würde. Auch heute gab es Distanzschüsse, die Zieler vor keine größeren Probleme stellten. Es gab zwei gezielte Reus-Freistöße, von denen einer an die Latte ging. Und es gab Angriffe, die am letzten Pass scheiterten.

Um es klar zu sagen: Der Sieg war mehr als verdient. Hannover gelang nach vorne noch deutlich weniger und sie versuchten es selbst nach dem Rückstand zu selten. Ein paar vielversprechende Spielzüge, die rechtzeitig gestört wurden, nur eine richtig gute Torchance durch den Hoffmann-Kopfball – das ist zu wenig, um 2015/16 aus dem Westfalenstadion etwas mitzunehmen. Der BVB hätte das Spiel auch durch die Mitte früher entscheiden können, wenn die Mannschaft im offensiven Mittelfeld Normalform gezeigt hätte. Doch Kagawa war weit davon entfernt und Castro rechtfertigte meine Hoffnungen in ihn auch nicht ganz – ein gewisses Gefälle hinter Reus, Gündogan, Miki und Auba ist zu erkennen. Auch der erneut starke Hummels konnte da von hinten nicht ausreichend helfen.

Doch das Schöne ist: Es gibt noch keinen Grund zu vermuten, dass das alles im nächsten Spiel genauso aussehen wird. Bring on Porto!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Ginter (75. Weigl) – Gündogan, Castro (64. Pulisic) – Mkhitaryan (75. Durm), Kagawa – Reus. Gelbe Karte: Kagawa. Tor: Mkhitaryan

Die fantastische 4

1. Bundesliga, 4. Spieltag / Hannover 96 2 BVB 4

Hannover – nicht immer ein glückliches Pflaster für Borussia Dortmund, aber häufig ein Ort für torreiche Spiele. Beim letzten Mal waren es drei, heute sogar vier schwarz-gelbe Treffer. Und noch besser: Letzteres hat der BVB nun schon zum dritten Mal im vierten Saisonspiel vollbracht. Der Traumstart ist perfekt, denn wer hätte gedacht, dass es mit Thomas Tuchel soo reibungslos läuft?

Ich konnte die Partie heute nur in der Zusammenfassung sehen, aber das eine oder andere wurde trotzdem klar. Es geht derzeit zur Not sogar ohne Reus – weil Mkhitaryan und Aubameyang ihre grandiose Form beibehalten, weil sich Shinji Kagawa in ihrem Schatten inzwischen ebenfalls ganz wohlfühlt. Über Ilkay Gündogan wurde ja schon genug gesagt zuletzt. Schön auch, dass Matthias Ginter eine faire Chance von Tuchel bekommen hat und diese rechts hinten nutzt.

Mats Hummels hatte heute etwas Glück, als der Elfmeterpfiff gegen ihn nach einer Berührung von Pribs Bein ausblieb und machte beim zweiten Gegentreffer keine gute Figur. Aber wer vorne immer vier Tore schießt, kann ein paar individuelle Fehler verkraften.

Die Hummels-Szene war eher Elfmeter, aber kein klarer; Shinji Kagawa schien bei der Flanke, die zum zweiten Elfmeter für Dortmund führte, im Abseits zu stehen. Wer jetzt von Bevorzugung redet, muss sich aber nur mal die Szene aus der Arroganz-Arena anschauen: Da hebt ein Linienrichter kurz vor Schluss die Fahne, weil Douglas Costa in Markus Feulner hineinläuft – und gibt Elfmeter. Die Szenen aus Hannover können in jedem Spiel vorkommen – den Strafstoß für Costa kriegen in der Bundesliga nur die Bayern.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl (66. Castro) – Hofmann (60. Januzaj), Gündogan, Kagawa (90. Bender), Mkhitaryan – Aubameyang. Gelbe Karte: Hummels. Tore: Aubameyang (2 EM), Mkhitaryan, Felipe (ET)

Dortmund nutzt Überzahl

1. Bundesliga, 26. Spieltag / Hannover 96 2 BVB 3

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Eine nüchterne Überschrift für ein Spiel, das im Stadion durchaus Spaß gemacht hat – doch am Ende war es natürlich ein mühsamer Sieg, bei dem der BVB seine Überzahl zunächst brillant ausnutzte, um am Ende doch noch zittern zu müssen.

Während die Schwarz-Gelben im inzwischen HDI-Arena benannten Stadion stimmlich dank Stimmungsboykott der Gastgeber jederzeit die Oberhand hatten, gelang das auf dem Spielfeld nur streckenweise: Im ersten Viertel des Spiels und nach dem Platzverweis des Ex-Borussen Bittencourt gut 20 Minuten lang. Immerhin gelangen in diesen Phasen drei Tore, darunter das besonders schöne 3:1, das Kagawa mit einem tollen Pass per Außenrist für Aubameyang vorbereitete. Sieht man es positiv, waren im BVB-Spiel wieder jene Elemente zu sehen, die in den letzten Wochen fehlten: flüssig herausgespielte Torgelegenheiten, effektiver Kombinationsfußball.

Hätten Sokratis aus kurzer Distanz nach einer Flanke oder Reus allein vor Zieler den Ball ebenfalls im Tor versenkt, wäre die Partie nach 80 Minuten gelaufen gewesen. Da das nicht gelang, wurden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass die Dortmunder Defensive immer noch nicht die Stabilität vergangener Jahre erreicht hat. Dabei waren die beiden Gegentreffer noch insofern verzeihlich, dass sie von 96 wirklich gut gemacht waren: ein gut kombinierter Angriff (nach Ballverlust von Kuba) und ein schöner Schuss von Stindl. In anderen Szenen wirkte das Positionsspiel der BVB-Abwehr noch unsicherer – doch die Gastgeber vergaben oder Roman Weidenfeller und Mats Hummels waren noch zur Stelle.

Was am Ende zählt: Der Borussia gelangen ein Auswärtssieg bei einem spielerisch passablen Gegner und drei Tore. Mit ‚Kuba‘ Blaszczykowski (trotz seines Fehlers), dem verbesserten Kagawa und dem Debüt von Jeremy Dudziak als Linksverteidiger überzeugten drei personelle Alternativen. Jetzt ist Pause und dann kommen die nicht unbesiegbaren Bayern.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Kirch (58. Dudziak), Subotic, Hummels, Sokratis – Kehl, Gündogan (72. Bender) – Blaszczykowski, Kagawa, Reus (90. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Aubameyang (2), Kagawa

Jetzt hilft nur noch der Voodoo-Priester

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 0 Hannover 96 1

Vielleicht hätte Borussia Dortmund beim kürzlichen Austausch des Rasens gleich mal überprüfen sollen, ob nicht Karl-Heinz Rummenigge die Asche früherer Bayern-Legenden im Westfalenstadion vergraben hat. Denn es ist wie verhext: Trotz einer klaren Leistungssteigerung gegenüber dem letzten Ligaspiel in Köln stehen die Schwarz-Gelben auch an diesem Wochenende mit leeren Händen da. Trotz einem Übergewicht bei allen wichtigen Statistiken im Spiel gegen Hannover reichte den Gästen ein direkter Freistoß von Hiroshi Kiyotake zum Sieg.

Tatsächlich sah die Partie nach leichten Anfangsschwierigkeiten bis zum Gegentor nach einer guten Stunde sehr ordentlich vom BVB aus. Keine Anzeichen von Nervosität mehr und trotz der üblichen gegnerischen Verdichtung des Mittelfelds und vor dem Strafraum eine größere Anzahl von Chancen durch Reus, Aubameyang, Mkhitaryan und Ramos. Doch die gingen knapp daneben, drüber oder wurden von 96-Keeper Ron-Robert Zieler teilweise prachtvoll pariert.

Der Freistoß von Kiyotake kann so passieren – weder Gündogan noch Weidenfeller ist da mehr als eine kleine Portion Mitschuld zuzusprechen. Bedenklich war, dass die Borussia im Anschluss doch noch wie in den letzten Ligaspielen den Faden verlor und bis auf die Schlussphase zu wenig kreierte, um die nächste Heimniederlage abzuwenden. Atmosphärische Störungen in der Mannschaft sind bei einer solchen Negativserie dagegen kaum komplett zu vermeiden – größere Probleme aus diesen Gründen aber schon.

Über die Aufstellung muss man nach dem gestrigen Spiel auch nicht diskutieren. Schließlich funktionierte die offensive Ausrichtung mit zwei gelernten Stürmern und Durm links hinten nicht schlecht. Und auch das Fehlen von Shinji Kagawa machte sich nicht negativ bemerkbar.

Es half alles nichts – auch nicht das leicht peinliche Ausweichen auf die Champions League-Trikots. Von den nächsten beiden Spielen ist nun tatsächlich das gegen St. Pauli das wichtigere. Ein Ausscheiden aus dem Pokal wäre höchstwahrscheinlich bereits das Ende aller Titelträume und in dieser Situation ein noch größerer Tiefschlag als eine Auswärtsniederlage in München. Ob Jürgen Klopp es mit dem Aberglauben nun auf die Spitze treibt?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Durm (77. Sokratis) – Mkhitaryan, Bender, Gündogan (66. Kagawa) – Aubameyang, Ramos (77. Immobile), Reus. Gelbe Karten: Mkhitaryan, Gündogan, Reus

Rückkaufrecht und Leihgeschäft

Während sich viele Sportmedien im Sommerloch und im Gefolge der Stimmungsmacher mit den vier Buchstaben trotz Substanzmangels bereitwillig auf den Fall Lewandowski stürzen, hat Borussia Dortmund mehrere andere Transfers abgewickelt. Die jungen Spieler Julian Koch, Moritz Leitner und Leonardo Bittencourt werden den Verein verlassen – zumindest vorerst. Kochs Wechsel zum FSV Mainz ist schon seit einigen Tagen bekannt. Der verletzungsgeplagte Rechtsverteidiger / Mittelfeldspieler wünscht sich verständlicherweise, regelmäßig Fußball spielen zu können – angesichts der Sokratis-Verpflichtung hätte er darauf in Dortmund weiterhin wenig Chancen gehabt.

In den letzten ein, zwei Tagen scheint ein weiterer Wechsel finalisiert worden zu sein, der bereits seit Wochen im Raum und kurz vor der Vollendung stand: Leonardo Bittencourt spielt ab Juli für Hannover 96, wo er einen Vierjahresvertrag unterschrieben haben soll. Die Ablösesumme soll rund zwei Millionen Euro betragen – etwas weniger, als der BVB im letzten Sommer an Cottbus gezahlt hat. Was die Fälle Koch und Bittencourt verbindet: Die Borussia hat anscheinend für beide Spieler ein Rückkaufrecht vereinbart. Für Bittencourt würde angeblich eine Summe von etwa sechs Millionen Euro fällig.

Eine solche Vereinbarung erinnert an die Ausstiegsklauseln, die die Schwarz-Gelben zu Lasten des Vereins nicht mehr akzeptieren wollen. Für den BVB ist es eine Win-Win-Situation, schließlich steht die Klausel bei Koch und Bittencourt exklusiv unserem Verein zu. Sollte sich einer der beiden sensationell entwickeln, könnte man ihn zurückholen – unklar ist allerdings, ob die Spieler zustimmen müssten. Gerade im Fall von Bittencourt macht das Vorgehen Sinn, denn der offensive Mittelfeldspieler war erst ein Jahr in Dortmund und hatte bei seinen gelegentlichen Einsätzen durchaus ansehnliche Szenen dabei.

Deutlich leichteren Herzens habe ich den Wechsel von Moritz Leitner zum VfB Stuttgart vernommen. Der 20-jährige Mittelfeldspieler wird für zwei Jahre ohne Kaufoption an die Schwaben ausgeliehen. Im Zuge des Deals wurde Leitners Vertrag in Dortmund bis 2017 verlängert. VfB-Sportdirektor Fredi Bobic freut sich mächtig:

Er ist jung, technisch hoch veranlagt und verfügt über ein sehr gutes Spielverständnis. Und nicht zuletzt ist er auf mehreren Positionen einsetzbar. Damit bringt er alle Fähigkeiten mit, um eine tragende Rolle in unserem Spiel einzunehmen.

Ob er das am Neckar wirklich schafft? Bei der Borussia hat Leitner bei deutlich mehr Spielzeit als Bittencourt weniger überzeugt. Für eine tragende Rolle fehlt ihm (noch?) die Präsenz; viel zu häufig spielte er anonym, war kaum eingebunden und obendrein nicht gerade zweikampfstark.

Was zwei Jahre in Stuttgart bewirken können, hat Philipp Lahm gezeigt. Auf einer anderen Position, doch mit ähnlicher Statur wie Leitner. Letztlich kann sich der BVB auch in diesem Fall bequem zurücklehnen und die Entwicklung beobachten – selbst wenn etwas mehr Skepsis angebracht scheint als bei Bittencourt.

Im Erfolgsfall könnten die drei neuen Vereine der Abgänger am Ende das Nachsehen haben – wie der BVB im Fall Götze. Doch sicher spekulieren Christian Heidel, Christoph Dufner und Fredi Bobic darauf, dass für die Spieler auch in zwei Jahren kein Platz in einer hoffentlich weiter stark besetzten und in der Champions League vertretenen Dortmunder Mannschaft sein wird. Für die Borussenfans stellt sich nun die spannende Frage, wie viele Mittelfeldspieler neben dem Götze-Ersatzmann noch kommen werden. Viel Bedarf besteht eigentlich nicht, da zu hoffen ist, dass auch Jonas Hofmann die ein oder andere Chance bekommen wird. Substanzielle Geldsummen sollte man daher, falls nötig, eher in einen konkurrenzfähigen Links-/Außenverteidiger stecken.

Gut rotiert und gut erholt

1. Bundesliga, 24. Spieltag / BVB 3 Hannover 96 1

icon_spielberichtfinalDie Borussia startet mit einem hochverdienten Heimsieg gegen Hannover in eine weitere entscheidende Saisonphase. Mit dem Einzug ins CL-Viertelfinale und der endgültigen Distanzierung eines Ligakonkurrenten, der gerne noch um Platz 3 mitspielen würde, wenn er noch mal eine Chance kriegt, könnten die Schwarz-Gelben innerhalb einer guten Woche bereits den entscheidenden Schritt hin zu einer gelungenen Saison machen. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen nahm Jürgen Klopp gegen 96 mehrere Änderungen vor und lag damit fast goldrichtig.

Lukasz Piszczek, Sven Bender und Mario Götze saßen zunächst alle auf der Bank. Angesichts der bestehenden Hüftprobleme von Piszczek, einer schwachen Leistung im Pokal von Bender und der enormen Wichtigkeit Götzes für die kommenden Partien durchaus nachvollziehbar. Kevin Großkreutz rückte nach hinten rechts und löste die ungewohnte Aufgabe mit Bravour. Zum einen spielte er seine Laufstärke voll aus und war immer wieder in gefährlichen Positionen vorne zu finden. Zum anderen haute er sich auch hinten voll rein und überzeugte mit präzisen Tacklings und Balleroberungen. Für Sven Bender kam Sebastian Kehl ins Team – dieser Wechsel ging bedingt auf: Der Kapitän machte seine Sache defensiv ordentlich, brachte jedoch im Aufbauspiel recht wenig zustande und spielte die mit Abstand meisten Fehlpässe aller Spieler (18 – was natürlich auch mit der Position des Spielers zusammenhängt).

Nicht nur einen guten Riecher, sondern auch ein feines Gespür bewies Klopp mit der Aufstellung von Julian Schieber als Stoßstürmer. Nachdem Robert Lewandowski kurzfristig die überraschende Spielberechtigung durch den DFB erhielt, war damit nicht zu rechnen. Doch der Trainer wollte dem im vorletzten Ligaspiel unglücklich vom Platz gestellten Schwaben offensichtlich seine Chance nicht verwehren. Das sollte sich auszahlen: Nach Vorlage des ganz starken Kuba konnte Schieber aus elf Metern zum 3:1-Endstand einschieben. Erster Ligatreffer in schwarz-gelb für die Nummer 23.

Für die anderen beiden BVB-Tore war die Nummer 1 im Sturm verantwortlich. Robert Lewandowski agierte allerdings hinter Julian Schieber im offensiven Mittelfeld – meistens wie ein 10er, manchmal eher als hängende Spitze. In dieser Position hat er früher bekanntlich hin und wieder mit Lucas Barrios zusammengespielt. Man sollte diese Option für die Zukunft nicht nur als reine Notlösung oder Ausnahme sehen – bei einem tendenziell mitspielenden Gegner wie Hannover können sich genügend Räume auch für zwei nominelle Stürmer auftun.

In den ersten gut 20 Minuten zeigte die Borussia, wie gut sie das Pokal-Aus verarbeitet und sich erholt hatte. Die ersatzgeschwächten Hannoveraner wurden ziemlich an die Wand gespielt und boten reichlich Lücken, die die Schwarz-Gelben voller Offensivdrang zu nutzen wussten. Lewandowski traf nach einer Hereingabe von Großkreutz in den Rückraum und mit einem Abstauber nach einem von Torwart Zieler abgewehrten Schuss, wiederum von unserem Aushilfsrechtsverteidiger. Die Drangphase des BVB wurde nur durch ein zu Recht nicht anerkanntes Abseits-Kontertor der Gäste unterbrochen. Weiterlesen „Gut rotiert und gut erholt“

Lewandowski spielt für den BVB… auch morgen

Robert Lewandowski darf wieder ran. Schon morgen kann der BVB-Torjäger im Bundesliga-Spiel gegen Hannover 96 wieder eingesetzt werden, nachdem das DFB-Bundesgericht seine Sperre wegen rohen Spiels auf zwei Partien verkürzt hat. Vermutlich wurden von der höheren Instanz die Einlassungen von Roberts damaligem ‚Opfer‘ Skjelbred vom HSV höher gewichtet, der das Foul nur für gelbwürdig gehalten hatte. Der Vorsitzende Richter Götz Eilers folgte auch der Dortmunder Argumentation, der betreffende Zweikampf sei von „abnehmender Intensität“ und nicht unsportlich gewesen.

Die Entscheidung kommt recht überraschend. Auch Jürgen Klopp bezweifelte in der gestrigen PK zum Hannover-Spiel noch, dass die Sperre verringert werden würde. Manchmal bringt so ein Protest also doch etwas. Für die Borussia kommt das Urteil in jedem Fall gelegen. Man sollte sich nicht vom Medienzirkus um den Stürmer und einzelnen kritischen Fanstimmen verrückt machen lassen: Robert hat in dieser Saison wettbewerbsübergreifend 20 Tore für den BVB erzielt und sich selber nichts zuschulden kommen lassen. Was in der Zukunft passieren wird, wissen wir noch nicht en detail.

Die Schwarz-Gelben werden gegen Hannover also mit größter Wahrscheinlichkeit auf Lewandowski setzen. Erst kurzfristig entscheidet sich der Einsatz des infektgeplagten Mats Hummels. Hannover hat allerdings größere Sorgen: Neben Szabolcs Huszti, Lars Stindl, Steven Cherundolo und einigen anderen fehlt vor allem der zuletzt formstarke und auch gegen den BVB treffsichere Stürmer Mame Diouf wegen Schmerzen im Sprunggelenk. Und was die 96-Homepage nicht thematisiert: Auch die Luft auf der sportlichen Führungsebene soll derzeit nicht gerade schlank sein.