Borussia hat Vorsprung und Alcacer

Borussia Dortmund im Gute-Laune-Modus: Zur Mitgliederversammlung beschenkten uns die Verantwortlichen mit der festem Verpflichtung von Paco Alcacer; am Samstag zogen die Schwarz-Gelben gegenüber Leipzig und Bayern auf acht bzw. neun Punkte davon. Wie gut kann diese Saison also werden?

Hans-Joachim Watzke ist zwar bekanntlich eher pessimistisch veranlagt, was seine Borussia angeht, aber trotzdem hat seine Mahnung an die Spieler Berechtigung,„scharfgestellt“ zu bleiben. Es ist erst November, beim FCB dürfte in absehbarer Zeit ein neuer Mann auf der Bank sitzen und die andere Borussia bleibt dran, dreht dabei sogar Spiele wie heute gegen Hannover. Es sind eben nicht nur die Bayern und für eben jene sind neun Punkte an 22 Spieltagen natürlich aufholbar. Nachlässigkeiten wären also tatsächlich der „Anfang vom Ende“, wie Watzke sagt.

Wichtig ist auch, sich nicht ablenken zu lassen. Wenn für Aki Watzke die Bundesliga das Non-plus-ultra ist, wie zuletzt beteuert, dann muss dieser Wettbewerb im Zweifelsfall auch im Zentrum der Konzentration stehen. Ja, in dieser Saison ist da etwas möglich. Deswegen interessiert mich die Super, äh Champions League da höchstens als eine gute Trainingsveranstaltung.

Ich habe das Mainz-Spiel nicht sehen können, aber manchmal reicht auch ein Ticker, um zu wissen: Der unglaubliche Paco hat es wieder getan. Zwei Minuten im Spiel und schon wieder getroffen. Die Frage bleibt, wie die ganzen Partien ausgingen, wenn Favre ihn und gewisse andere Spieler von Anfang an bringen würde. Paco jetzt zu verpflichten ist zwar einerseits ein Feel-Good-Bonbon für die Mitgliederversammlung gewesen, aber eben auch ein No-Brainer. Einen so treffsicheren Stürmer zu diesen Konditionen vom FC Barcelona zu kriegen ist einfach verdammt gutes Verhandlungsgeschick von Zorc und Watzke. Auch wenn Alcacer noch nicht so lange hier ist, auch wenn er relativ verletzungsanfällig erscheint.

Die Super League oder das Ende des Fußballs wie wir ihn kennen

Die Dementis kamen prompt: Hans-Joachim Watzke hatte dem Spiegel schon rechtzeitig vor Erscheinen von dessen Enthüllungen zur heimlich geplanten European Super League gesagt, der BVB würde unter seiner Führung nicht aus der Bundesliga aussteigen. Karl-Heinz Rummenigge, dessen Vorgehen vor allem im Jahr 2016 im Artikel des Nachrichtenmagazins als doppelzüngig dargestellt wird, erklärte nun ebenfalls, der FC Bayern stehe unter ihm als Vorstandsvorsitzendem zur Bundesliga wie zu den mit UEFA und ECA (European Club Association) vereinbarten Wettbewerben.

Die Stellungnahmen lassen keine Eindeutigkeit vermissen. Hinter sie kann man nicht so schnell zurück. Es wird also auch weiterhin eine Bundesliga mit dem FCB und dem BVB geben. Doch ist eine europäische Super League seit 2016 wirklich vom Tisch? Damals bauten einige der Topklubs eine glaubhafte Drohkulisse auf, von der KHR als damaliger ECA-Vorsitzender zumindest gewusst haben muss. In der Folge wurden die finanziellen Aspekte der Champions League und die Startrechte noch mehr im Sinne der großen Vereine und Ligen geregelt. Seit dieser „Reform“ erscheint es erst mal glaubhaft, wenn Vertreter von Großklubs behaupten, eine Super League sei kein Thema oder ganz weit weg.

Nun hat der Spiegel jedoch über seine Informanten von der Football Leaks-Plattform eine E-Mail bekommen, die an Real Madrid gerichtet war. Sie datiert vom Oktober 2018 und beinhaltet einen genauen Plan für eine European Super League mit 16 Vereinen ab 2021. Diese „bindende Absichtserklärung“ soll laut Datum noch im November unterzeichnet werden. Laut dem Plan würden in diesem Wettbewerb elf europäische Topklubs, darunter Bayern München, ein auf 20 Jahre garantiertes Startrecht bekommen. Fünf weitere Vereine, darunter Borussia Dortmund, wären zunächst Gäste, die auch wieder absteigen könnten. Weiterlesen „Die Super League oder das Ende des Fußballs wie wir ihn kennen“

Favres Start und Susis Geschäfte

Borussia Dortmund trainiert wieder und es fallen weitere Entscheidungen: Gestern wurde ein weiterer Transfer bekanntgegeben, über den seit gut einer Woche spekuliert würde. Der marokkanische Außenverteidiger Achraf Hakimi, vor Kurzem noch bei der WM im Einsatz, wechselt von Real Madrid zum BVB. Allerdings wird der 19-Jährige nur ausgeliehen, wenn auch für zwei Jahre.

Kommt da also der neue Philipp Lahm zur Borussia? Positiv ist selbstverständlich, dass auf seiner Position etwas getan wurde. Die Außenverteidigung gehört schließlich seit Jahren zu den schwarz-gelben Baustellen. Außerdem ist unsicher ob Raphael Guerreiro in Dortmund bleibt. Hakimi spielt hauptsächlich rechts hinten, kann aber auch links. Für Real kam er letzte Saison immerhin 17-mal zum Einsatz. Ein Transfer mit Potenzial ist das also zweifellos – nur nicht mit dem des Profits. Für den BVB wird er sich Stand jetzt höchstens spielerisch auszahlen. Wäre aber nicht das Schlechteste, wenn wir bald wieder eine überzeugende Außenverteidigung hätten. Mal schauen.

Dass das Geschäft überhaupt zustande kam, soll auch dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Aki Watzke und Real-Präsident Florentino Perez zu verdanken sein. Andere europäische Vereine waren wohl ebenfalls an Hakimi interessiert.

Yarmolenko in die Premier League

Der Kader ist gestern jedoch nicht noch größer geworden, denn es gibt auch einen Abgang zu vermelden. Andriy Yarmolenko, als Dembelé-Ersatz geholt und stark gestartet, verlässt Dortmund in Richtung London. Der Außenstürmer geht zu West Ham United, die derzeit auf großer Einkaufstour sind. Der Kicker berichtet von einer Ablöse um die 20 Millionen Euro, was einen Verlust von rund fünf Millionen bedeuten würde. Der sportliche Verlust scheint überschaubar, aber diese Einschätzung wird sicher auch durch Verletzungspech und die bescheidene Mannschaftsleistung beeinflusst. Bleibt zu hoffen dass Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nächsten Sommer zufriedener auf ihre Transfers zurückblicken können.

Der, der in dieser Frage eine große Rolle spielen wird, hatte nun seine ersten Auftritte in Dortmund. Lucien Favre auf der Pressekonferenz und dem Trainingsplatz. Auf letzterem fühlte er sich sichtlich wohler. Am flüssigsten sprach Favre vor den Journalisten, als es um seine präferierte Taktik ging. Mit Pressesprecher Sascha Fligge ist der Trainer per Sie. Was alles vollkommen OK ist, wenn hinter verschlossenen Türen vertrauensvoll kommuniziert wird. Die Hoffnung ist da und nicht gering, aber es bleibt spannend.

Gut dass er kommt – ihr könnt ihn Motzki nennen!

Wer nach den Partien gegen den FC Schalke und Salzburg auch das dritte Desaster der schwarz-gelben Borussia in dieser Saison verfolgt hat, zweifelt nicht mehr daran: Es muss sich etwas ändern. Auf mehreren Ebenen. Ich habe die Partie in München nur am Rande mitbekommen. Darüber bin ich heute nicht traurig. Über den aktuellen Zustand des BVB aber natürlich schon ein wenig.

Nun hat Michael Zorc gestern im ZDF bestätigt, dass sich der Verein mit Matthias Sammer auf ein Engagement als „externer Berater“ geeinigt hat. Mit Sebastian Kehl sei man auf einem guten Weg – der Ex-Kapitän soll die Lizenzspieler-Abteilung leiten. Ein Posten, den es so bisher nicht gab. Letztlich darf man sich ihn als ein Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Sportdirektor einerseits sowie Mannschaft andererseits vorstellen. Dabei dürfte es viel um atmosphärische Dinge gehen.

Spannender erscheint die Rolle von Sammer, selbst wenn dieser nicht formell in die Vereinsstrukturen eingebunden wird. Unser ehemaliger Meistertrainer soll sich turnusmäßig mit den BVB-Entscheidern treffen und vermutlich sowohl strategische als auch ganz konkrete, etwa personelle Dinge diskutieren. Nachdem sich die Beziehung zu Sammer während dessen Bayern-Zeit stark abgekühlt hatte, ist man sich inzwischen wieder nähergekommen. Und angeblich hat der Sachse durchaus noch etwas für die Borussia übrig.

Aus dem Fernsehen geholt

Nun gibt es natürlich wieder Kritiker, die die beiden Personalien als erneute „Rückholaktion“ oder als Verzweiflungstat von zwei Versagern darstellen, die nur einmal einen Glücksgriff mit Jürgen Klopp tätigten. Die üblichen Online-Reflexe von außen eben. Ja, es handelt sich um zwei Ex-BVB-Angestellte und aktuelle TV-Experten. Aber natürlich ist Sebastian Kehl jemand, der weiß, wie eine Mannschaft tickt. Und natürlich kann man mal mit Matthias Sammer darüber diskutieren, wie man einem Team die richtige mentale Einstellung beibringt. Welche Leute du dafür brauchst. Es entscheidet ja immer noch die Geschäftsführung, man muss nicht immer einer Meinung sein.

Stellt sich die Frage, wie viel Substanz hinter der Eiferei von Sammer steckt, die man durchaus unsympathisch finden kann. Wegen seiner gelobten Tätigkeit als Eurosport-Experte wird Watzke ihn wohl nicht geholt haben. Ich kann zu der mangels Abo ohnehin nichts sagen. Matthias Sammer vertritt jedoch Werte, die man zwar nicht überbetonen sollte, die aber zweifellos für den BVB der Saison 2017/18 und den der kommenden Spielzeit wichtig bis entscheidend sind. Und man traut dem gebürtigen Dresdner auch einen Plan zu, wie die Schwarz-Gelben diese wieder verinnerlichen.

Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe von außen zu holen? So eine Einstellung ist inzwischen zum Glück unmodern geworden. Ohne Zweifel gab es Versäumnisse von Aki Watzke und Michael Zorc in der Transferpolitik – die ich im letzten Artikel hier ja schon benannt habe. Aber die ganzen Kritiker in den Online-Kommentaren vergessen eine Tatsache oder lassen sie absichtlich weg: Der Busanschlag im letzten Jahr war etwas, das noch keine andere deutsche Profimannschaft so erleiden musste. Das betrifft zunächst die Menschen, die wirklich im Bus saßen. Aber natürlich war die Tat auch ein Schock, ein Einschnitt für Watzke und die anderen Verantwortlichen. Und hat auch für sie vieles erschwert.

Man kann mit den Ereignissen von 2017 nicht alles entschuldigen – aber den Spielern oder auch Watzke und Zorc jetzt Versagen vorzuwerfen, ist einfach unwahrscheinlich kurzsichtig und unsensibel.

Machen Zorc und Watzke den BVB fit für die Zukunft?

Es war nur noch eine Formalie: Kaum jemand dürfte überrascht sein, dass Michael Zorc bei Borussia Dortmund verlängert hat. Bis 2021 soll „Susi“ nun laut Vertrag Sportdirektor der Schwarz-Gelben bleiben – das neue Arbeitspapier von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke läuft ein Jahr länger.

So wenig überraschend diese Entscheidung von beiden Seiten war: Kritik an der Arbeit der zwei BVB-Verantwortlichen hatte es zuletzt schon gegeben. Hart und oft unsachlich in den Leserkommentaren diverser Sportmedien, in aller Regel von Menschen, die es nicht mit der Borussia halten. Aber auch in Fankreisen, auch in diesem Blog, waren Fragen gestellt worden. Vor allem nach der Qualität der Transferpolitik. Zorc und Watzke schienen ihr Augenmerk zu sehr auf die Offensive zu richten, auf junge, im Idealfall entwicklungsfähige Spieler, die einmal Stars werden sollten.

Im zentralen Mittelfeld glaubte man sich zu lange gut aufgestellt, setzte auf die glorreiche Vergangenheit (Nuri Sahin) oder zu schnell gehypte Akteure wie Dahoud und Weigl. Was die Abwehr anbetrifft, fällt nur die eklatante Überbewertung der vorhandenen Außenverteidiger negativ ins Gewicht. Dass die Hummels-Nachfolge ein schwieriges Thema werden würde, ist Michael Zorc nicht vorzuwerfen. Mit Marc Bartra holte man jemand, der in die Rolle hätte hineinwachsen können – wie einst Hummels selbst. Was dann passierte, wissen wir alle. Weiterlesen „Machen Zorc und Watzke den BVB fit für die Zukunft?“

Tristesse noir-jaune

54.300 Zuschauer waren am Montag im Westfalenstadion – so die offizielle Zahl. Das heißt, rund 27.000 Plätze blieben leer. Es war ein starkes Zeichen nicht nur gegen die Montagsspiele an sich, sondern auch gegen eine Entwicklung, zu der man sich verhalten muss. Natürlich gibt es die Leute, die den Ultrakommerz für den Gang der Dinge halten, einen Weg ohne Umkehrmöglichkeit. Die sich damit arrangieren. Und natürlich waren nicht alle gegen Augsburg Fehlenden wirklich Protestler. Es gibt Menschen, die es am Montag tatsächlich nicht ins Stadion schafften. Etwa viele Fans aus Augsburg. Manchem wird es zu kalt gewesen sein.

Andere wiederum dürften sich gefragt haben, was sie im Stadion erwartet. Um zur Ansicht zu gelangen: Nicht genug, um den Boykott zu boykottieren. Ich selbst hatte keine Lust, an einem Montagabend in die ferne Kneipe zu gehen, um Eurosport zu gucken. Gerade als Blogger macht es nicht wirklich Spaß, ein BVB-Spiel zu verpassen, aber es gibt Schlimmeres.

Elf Beamte sollt ihr nicht sein

Und was muss man sagen: Ein offensichtlich tristes Spiel in trister Stimmung gab uns Nichtschauern recht. Selbst Peter Stöger äußerte sich nach der Partie für seine Verhältnisse sehr unzufrieden, ganz zu schweigen von Michael Zorc. Die Schwarz-Gelben wollten den frühen Vorsprung verwalten, von „Beamtenfußball“ war die Rede. Die Gäste hatten am Ende mehr Torschüsse zu verzeichnen als die Borussia.

Michael Zorc dürfte derzeit so angefressen sein, weil er mehr und mehr realisiert, dass es tiefgreifender Änderungen an der Zusammensetzung und Einstellung des Kaders bedarf, um den BVB wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Und würde Aki Watzke seine Andeutungen bezüglich Vertragsgesprächen mit Stöger nach dieser scheinbar blutleeren Vorstellung so wiederholen? Dessen ‚tolle‘ Bilanz relativiert sich doch angesichts der Tatsache, dass zumindest in der Bundesliga Peter Bosz in der Hinserie noch erfolgreicher war – gegen dieselben Gegner.

Was zählt ist das, was jetzt kommt. Unter anderem Leipzig, Bayern und das Derby. Und natürlich RB Salzburg. Allzu optimistisch kann man da angesichts der letzten Auftritte nicht sein. Obwohl gegen die Großen wohl zumindest die Einstellung stimmen wird. Sollte das jetzt alles super laufen, spricht nichts gegen eine Verlängerung mit Stöger. Aber der sieht das selbst schon ganz richtig: Es gibt keinen Grund, in dieser hektischen, schwierigen Phase zu verhandeln.

Watzke und was sonst noch gut ist

Sie bleiben alle: Hans-Joachim Watzke und Thomas Treß haben ihre Verträge als Geschäftsführer von Borussia Dortmund bis Ende 2022 verlängert. Carsten Cramer steigt zum Geschäftsführer auf und bleibt ebenfalls bis Ende 2022. Alle drei haben in ihren Verantwortungsbereichen gute Arbeit geleistet, auch wenn das die Hater bei Aki Watzke anzweifeln und dieser natürlich die Schlagzeilen bestimmen wird.

Auch ich werde mich in diesem Beitrag allein schon aus Zeitgründen auf den Vorsitzenden der Geschäftsführung beschränken. Dieser hat – an der Seite von anderen – den Verein aus tiefen Tälern geführt und er hat den besten Trainer verpflichtet, den der BVB je hatte. Mit ihm hat Aki so vertrauensvoll zusammengearbeitet, dass Jürgen Klopp sieben Jahre geblieben ist.

Nun ist in den letzten drei Jahren nicht alles optimal gelaufen und auch Geschäftsführer und Sportdirektor haben Fehler gemacht. Seine Fehleinschätzung in der Dreier-Transferfrage 2016 hat Watzke kürzlich bei Sky noch mal eingestanden. Aber in dieser wie in einigen anderen Fragen gilt: Erfolg ist nicht immer planbar, speziell im Sport. Bestimmte Dinge funktionieren nicht und niemand konnte es ernsthaft vorherahnen.

Fehler in der Transferpolitik

Derzeit macht es tatsächlich nicht immer Spaß, Borussia Dortmund zu gucken. Derzeit macht es aber auch generell nicht mehr so viel Spaß, Profifußball zu gucken. Vieles, was man auch beim BVB bemängeln kann, ist Ausdruck der Zustände an der Spitze dieses Sports. Der Verein ist schlicht gezwungen, bei vielem mitzumachen, wenn man oben mitspielen will. Was auch ich ausdrücklich bemängeln würde, ist die Transferpolitik der letzten zwei bis drei Jahre. Aber nicht wegen Abgängen, die nicht zu verhindern waren. Sondern wegen zu großer, unausgewogener Kader. Wegen zu viel Nostalgie in manchen Personalfragen. Und zu viel Experiment in anderen.

Hans-Joachim Watzke hat die Probleme in diesem Bereich zum Teil erkannt. Auch er möchte wieder einen „Typen“ fürs Mittelfeld haben. Das klingt platt, ist aber richtig. Und in dieser wie in anderen Fragen sollte man einem Mann, der so lange Gutes für den Verein geleistet hat, Wandlungsfähigkeit zugestehen und Vertrauen schenken. Nicht blind, sondern kritisch. Über manche Aussage in seiner Amtszeit konnte man sich richtig ärgern. Aber auch in dieser Hinsicht ist Aki etwas weiser geworden.

Haters gonna hate. Alle anderen sollten sich fragen, ob es wirklich so viele gibt, die es besser könnten. Und wenn man dann folgende Meldung liest, freut man sich auch wieder ein bisschen über seinen BVB und dessen Führung.

Und die Defensive gewinnt Meisterschaften

Hans-Joachim Watzke ist an allem schuld: Das ist die Erklärung einer nicht unerheblichen Zahl von Kommentatoren für die derzeitige und bis vor zwei Wochen noch schwierigere Situation der Schwarz-Gelben. Zumindest kann man im Internet und  in sozialen Netzwerken diesen Eindruck gewinnen. Die wirken ja bekanntlich als Meinungsverstärker und ‚Polemisatoren‘. Wie viele der entsprechenden Beiträge von BVB-Fans stammen, ist noch mal eine andere Frage.

Was in ihnen als Begründung angeführt wird, ist häufig haarsträubend oberflächlich. Thomas Tuchel war erfolgreich, deshalb hätte man ihn nicht entlassen dürfen, sondern Aki hätte mal sein Ego zurückstellen sollen. Und überhaupt fing doch alles damit an, dass der Geschäftsführer den damaligen Trainer belog, als er ihm und der Öffentlichkeit sagte, Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan würden nicht in einem Sommer verkauft.

Beide Vorwürfe verkennen, wie das Fußball-Business heute funktioniert. Einerseits arbeiten in ihm immer noch Menschen. Wenn es zwischen denen nicht stimmt, dann wird es schwierig. Wie irreparabel das Verhältnis zwischen Thomas Tuchel und eben nicht nur Aki Watzke beschädigt war, können nur absolute Insider beurteilen. Genauso wie die Schuldfrage. Der ehemalige Chefscout Sven Mislintat hat sich hierzu recht eindeutig geäußert, die anderen Beteiligten haben sich offensichtlich zum Schweigen verpflichtet.

Die Macht der Spieler

Der zweite Aspekt: Es gibt nur eine Handvoll von Vereinen, die gegen die Launen ihrer Spieler immun sind. Denen der einzelne Spieler, und sei er noch so gut, letztlich egal sein kann. Die sagen können: Wir lassen dich gehen oder streiken oder auf der Tribüne sitzen und es macht uns nichts aus. Weil wir auf jeden Fall gleichwertigen Ersatz finden. Borussia Dortmund gehört nicht zu diesen Vereinen. Hans-Joachim Watzke weiß das sicher, hat aber womöglich die Ausstrahlung und Macht des eigenen Klubs ein wenig überschätzt – damals, als die drei Leistungsträger gingen. Eine Fehleinschätzung, aber keine unverzeihliche. Weiterlesen „Und die Defensive gewinnt Meisterschaften“

Hurra, der Holländer ist da: Peter Bosz wird BVB-Trainer

(Updated) Heute Nachmittag wurde der neue BVB-Trainer vorgestellt: Peter Bosz, bisher Ajax Amsterdam. Der 53-jährige Niederländer hat einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Bosz spielte für kurze Zeit mal bei Hansa Rostock, dürfte aber den meisten deutschen Fußballfans erst in der abgelaufenen Saison als Ajax-Trainer ein Begriff geworden sein – wenn überhaupt. Ein aus hiesiger Sicht unbeschriebenes Blatt also – ich finde das gut.

Die Medien werden das Blatt jedoch bald füllen. Es wird bereits berichtet, dass Peter Bosz im Streit von Ajax geschieden ist. Nicht wegen des BVB-Angebots, sondern weil es unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich Taktik und Training gegeben haben soll. In Amsterdam gibt es scheinbar unterhalb der Führungsebene noch eine Reihe von Experten, die da mitreden. Dennoch glaube ich, dass dieses Hintergrundrauschen für Borussia Dortmund nicht relevant sein wird: Sicher wurden im Nachgang der Dissonanzen mit Tuchel die Kompetenzen klar geregelt. Außerdem vertritt Bosz eine Philosophie, die offensichtlich gut zum BVB passt: Er setzt auf Offensive und junge Spieler.

Die Verpflichtung beinhaltet ein gewisses Risiko und eine Ablöse fließt auch. Doch zumindest Ersteres wäre mit keinem greifbaren Trainer anders gewesen. Ich bin froh, dass wir keinen aktuellen Bundesligatrainer abgeworben haben und freue mich auf eine spannende Saison. Über Jürgen Klopp habe ich mich bei seiner Verpflichtung riesig gefreut, Thomas Tuchel habe ich sportlich für eine gute Wahl gehalten. Die Zweifel bestanden in anderer Hinsicht: „Das Einzige, was er beweisen muss, ist seine Loyalität.“ Dass Favre nicht kommt, ist absolut in Ordnung. Ich hoffe, dass ich auch bei Peter Bosz richtig liege: Er scheint ein positiver Trainer zu sein, der frischen Wind bringt. Seine Trainer-Vita mit Auf- und Abstieg, mit Europa League-Finale, sehe ich aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten bei seinen Vereinen ebenfalls positiv.

Der erste Eindruck von der PK heute Nachmittag: erneut überaus positiv. Bosz spricht nicht nur fließend Deutsch, er bewies auch Sinn für Humor. Er war höflich, bescheiden, freundlich. Gut, diese drei Eigenschaften zeigte auch Thomas Tuchel bei seiner Vorstellung. Bei Peter Bosz wirken sie aber absolut authentisch. Vielleicht neigt man als Fan ein wenig zur Einbildung, aber die Stimmung zwischen Bosz, Aki Watzke und Susi Zorc schien sehr entspannt bis gelöst. Oder sagen wir einfach: Vom Feeling her ist das ein ziemlich gutes Gefühl.

Es entstand auch der Eindruck, dass Verein und Trainer vom Ansatz her sehr gut zusammenpassen. Bosz lässt gerne offensiv spielen, das hob auch Michael Zorc nochmals hervor. Beim BVB hat er dazu absolut die Möglichkeiten. Um nicht falsch verstanden zu werden: Kein Experte, kein Journalist und kein Fan kann seriös voraussagen, wie die Umstellung klappt. Borussia Dortmund ist einfach ein anderer Verein mit anderen Eigenschaften als Ajax, Maccabi Tel Aviv oder Vitesse. Aber das Handwerk beherrscht Peter Bosz und die menschliche Ebene scheinbar auch. Ich freue mich darauf, wenn es wieder los geht! Personell wird sich bis dahin ohnehin noch einiges tun.

An diesen Tag werden wir noch denken: Tuchel weg

Borussia Dortmund und sein bisheriger Trainer haben heute Mittag bestätigt, dass die Zusammenarbeit sofort und somit ein Jahr vor Vertragsablauf beendet wird. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, soll der griechische Philosoph Sokrates gesagt haben. Diese Erkenntnis täte im Fall Tuchel auch vielen Sportjournalisten und manchem Fan gut. Der Verein hat nämlich nicht vor, an diesem Wissensstand der Öffentlichkeit etwas zu ändern, wie in der oben verlinkten Mitteilung deutlich wird. Hans-Joachim Watzke hat sich etwas später in einem offenen Brief an Mitglieder und Fans des BVB gewandt. Der zentrale Satz:

Wir haben in der gegenwärtigen personellen Konstellation leider keine Grundlage mehr für eine auf Vertrauen ausgelegte und perspektivisch erfolgreiche Zusammenarbeit gesehen.

Was aus der offiziellen Stellungnahme des Klubs deutlich wird oder werden soll: Die Entfremdung war ein längerer Prozess, der schon vor dem Bombenanschlag begann. Die Entlassung wird angeblich „von allen Klubgremien“ getragen. Ihre Ursache war nicht nur eine Meinungsverschiedenheit zwischen Tuchel und Watzke. Und den Entscheidern ging es um das Wohl des Vereins, „den viel mehr als nur der sportliche Erfolg ausmacht“.

Damit will man den Vorwürfen entgegentreten, die jetzt unweigerlich kommen: Dass man den vom Punkteschnitt erfolgreichsten BVB-Trainer entlässt, der soeben den ersten Titel seit fünf Jahren geholt hat. Glaubhaft an der Verlautbarung ist sicher, dass es nicht nur eine Privatfehde zwischen zwei Alphatieren war, die zu der Entscheidung geführt hat. Davon konnte man spätestens nach den Äußerungen von Marcel Schmelzer am Samstag ausgehen. Diese hätte der BVB-Kapitän nicht getätigt, wenn er nur einmalig mit einer Personalentscheidung des Trainers unzufrieden gewesen wäre. Weiterlesen „An diesen Tag werden wir noch denken: Tuchel weg“