Erste Entscheidung im langen, heißen Transfersommer

Selbst wenn es alles andere als eine Überraschung ist: Immerhin ist der Fall Ilkay Gündogan nun endgültig geklärt. Der Nationalspieler wechselt für rund 25 Millionen Euro zu Manchester City. Bonuszahlungen können die Summe angeblich noch erhöhen. Damit endet für Borussia Dortmund eine lange Verletzungs- und Transfer-Saga, derer man durchaus überdrüssig werden konnte. Gündogans spielerische Fähigkeiten bleiben unbestritten. Sollte er in Manchester unter Pep Guardiola mehr Glück mit seinem Körper haben, könnte sich die Verpflichtung als schlau herausstellen. Doch für die Borussia erscheint er weder unersetzlich noch kann man ihn sich mit seinen ständigen Abwanderungsgedanken als echten Führungsspieler vorstellen.

Geschätzte 60 Millionen hat der BVB nun mit Hummels und Ilkay eingenommen. Kein Wunder, dass es in der Gerüchteküche brodelt. Die am häufigsten genannten Namen sind Linksverteidiger Raphael Guerreiro, Stürmer Emre Mor und seit heute Barcas dritter Innenverteidiger Marc Bartra. Ömer Toprak soll aufgrund der geforderten Ablöse unwahrscheinlicher geworden sein.

Die Substanz der Spekulationen ist wie immer schwer einzuschätzen, wenn inzwischen selbst der „Kicker“ schreibt, dass die Schwarz-Gelben alle diese Spieler haben wollen. Halten wir uns deshalb an den einzigen Namen, von dem das Sportmagazin wissen will, dass ein Transfer unmittelbar bevorsteht. Sebastian Rode soll für rund 14 Millionen Euro vom FC Bayern kommen, wo er zuletzt meistens den Platz auf der Ersatzbank einnahm. Damit relativiert sich die hohe Ablöse, die für Mats Hummels erzielt wurde, wieder etwas. Wer weiß, ob BVB und FCB nicht doch über eine ‚Verrechnung‘ der beiden Personalien gesprochen, dies aber nicht kommuniziert haben.

Wie dem auch sei, in München halten sie einiges von Rode – auch wenn er zuletzt trotzdem kaum gespielt hat. Er soll dieser „aggressive leader“ sein, den sie an der Säbener Straße immer beschwören. Doch da gibt es ja nun noch Vidal. Für Borussia Dortmund könnte die Verpflichtung eines neuen, jüngeren Sebastian Sinn machen, wenn man an die These glaubt, dass ein solcher Spielertyp etwa in Liverpool oder im Pokalfinale gefehlt hat. Allerdings sollte man keine technischen Kabinettstückchen von Rode erwarten – und darf die Frage stellen, ob auf seiner Position nicht eine ausreichende Kaderdichte herrscht. Weigl, Sahin, Bender, Ginter und Merino kommen alle für die ‚6‘ in Frage – Baustellen gibt es eher außen.

London kann mit Europa nichts anfangen

Europa League, Achtelfinale / BVB 3 Tottenham Hotspur 0

Borussia Dortmund steht nach einem weiteren großen Europapokal-Auftritt mit dem sprichwörtlichen einen Bein im Viertelfinale. Die extrem souveräne Vorstellung begeisterte, doch die Partie hätte eigentlich noch deutlicher  ausgehen müssen – was die Einstellung der Gäste in Frage stellt.

Mit sieben neuen Gesichtern gegenüber dem Nord-Londoner Derby schickte Mauricio Pochettino die Spurs aufs Feld – unter anderem fehlten Dembele, Lamela und Kane. Es bewahrheitete sich tatsächlich, was ich schon nach der Auslosung für möglich gehalten hatte: Die Meisterschaft scheint Tottenham allemal wichtiger zu sein als der zweitbeste europäische Wettbewerb. Ein wenig kann man es nachvollziehen. Was würde wohl geschrieben, wenn die Spurs nach vielen Jahren wieder ganz dicht am nationalen Titel dran sind, aber am Ende ausgerechnet hinter Leicester Zweiter werden? Dennoch: Auch europäisch hätten die Londoner einiges aufzuholen. Warum es nicht klappte, erklärt ein großer englischer Fußball-Experte:

Tottenham beraubte sich seiner Stärken. Die Offensive brachte zweieinhalb Chancen in rund 95 Minuten zustande. Die Abwehr bügelte zwar einiges aus, doch zu oft aus Gästesicht gelangen der Borussia präzise Pässe hinter die Abwehr, indem ein handlungsschneller Schwarz-Gelber die Verteidiger außen überlief und den Ball aufnahm. Von Pressing und früher Balleroberung der Spurs hatten wir zuvor gehört – davon war kaum etwas zu sehen. Vielleicht war das das Einzige am Spiel, was Mauricio Pochettino so einkalkuliert hatte. Vielleicht war der Plan, wie so oft gegen den BVB, hinten sicher zu stehen und zu kontern. Er ging ganz und gar nicht auf. Weiterlesen „London kann mit Europa nichts anfangen“

Die Traumstarter sind wieder da

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Borussia Mönchengladbach 1 BVB 3

Was will man mehr? Borussia Dortmund hat die Eindrücke aus den Testspielen bestätigt und zum Rückrundenauftakt auch das Spiel im Borussia-Park gegen Gladbach souverän gewonnen. Thomas Tuchel und sein Team scheinen die freie Zeit genutzt zu haben. Ein Fortschritt gegenüber den vollgestopften Wochen vor Weihnachten ist deutlich erkennbar.

Dabei hatte Tuchel noch gar nicht seine Bestbesetzung zur Verfügung. Für Nuri Sahin kam die Partie ohnehin zu früh, aber auch Marcel Schmelzer stand nicht im Kader. Für ihn kam erneut Joo-Ho Park zum Einsatz. Nach einer ordentlichen ersten Hälfte war der Linksverteidiger dann nicht unschuldig am Gladbacher Anschlusstreffer und wird über den Status des Ersatzmannes wohl nicht hinauskommen.

Abgesehen davon bewies das Team aber absolut Rückrundenreife. Auch wenn Gladbach nach einem Eckball die erste Chance per Lattenkopfball markieren konnte, wirkte der BVB schon vor der Führung wie die Heimmannschaft. Vor allem die Präsenz im Mittelfeld, die vielen gewonnenen Zweikämpfe und Balleroberungen waren beeindruckend. Und das betraf ja nicht nur die klassischen Mittelfeldspieler. Besonders stark agierte der Käpt’n: Mats Hummels brillierte sowohl in letzter Reihe wie auch in vorgezogener Position und selbst einen Sturmlauf ließ er sich nicht nehmen.

Wichtig war gestern vor allem, dass alle ähnlich wach waren wie Mats. Das sah man beim 1:0: Präziser Abschlag von Bürki, der superstarke Gündogan leitet weiter auf Reus rechts außen und der schließt ins lange Eck ab. So schnell kann es gehen, wenn alle mitmachen. Tuchel und allen voran die Spieler können auch Klopp. Exemplarisch für das schwarz-gelbe Spiel war auch der zweite Treffer, den Hummels mit einem, ja, bockstarken Tackling einleitete, ehe es wieder über Gündogan und Reus lief und schließlich Miki vor dem Tor cool blieb.

Die Schwächen über die linke Seite versuchte Thomas Tuchel später mit der Hereinnahme des genesenen Erik Durm zu kompensieren; Mkhitaryan wechselte auf rechts. Sonst gab es tatsächlich wenig zu kritisieren, denn eine Mannschaft wie Gladbach schießt man eben nicht aus deren eigenem Stadion. Die Gastgeber bekamen nach dem Anschluss kurzfristig Oberwasser, aber die Mentalität eines griechischen Helden sorgte für die Entscheidung. Nach Hummels war es nun Sokratis, der den Ball eroberte und einfach mal nach vorne durchlief, um dann in den Laufweg von Miki zu legen. Flanke in den Rückraum und Ilkay hatte endlich mal Glück im Abschluss. Mehr als Aubameyang, dem das gestern fehlte.

Die schwarz-gelbe Borussia scheint gerüstet – selbst wenn Yunus Malli oder ein anderer nicht kommen sollten. Das Einzige, was einem nach diesem Auftakt zu denken gibt: Die Interessenten für Ilkay, Miki und – trotz null Toren – Aubama werden nicht weniger. Und ohne diese drei möchte man sich den BVB derzeit doch nicht vorstellen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Park – Weigl – Gündogan, Castro (70. Ginter) – Reus (70. Durm), Mkhitaryan – Aubameyang (76. Ramos). Gelbe Karte: Weigl. Tore: Reus, Mkhitaryan, Gündogan

The Believers

1. Bundesliga, 15. Spieltag / VfL Wolfsburg 1 BVB 2

Es geht immer weiter – und wer nicht glaubt, verliert. Am Ende eines größtenteils würdigen Spitzenspiels mit zwei ungleichen Halbzeiten wollte sich Borussia Dortmund nicht mit einem Punkt beim Tabellendritten abfinden und machte auch in der 93. Minute noch Druck. Elfmeterverursacher Lukasz Piszczek war ebenso am entscheidenden Angriff beteiligt wie Superassistent Henrikh Mkhitaryan. Und ausgerechnet Shinji Kagawa schob dann zum Last-Minute-Sieg ein. Großartig und schon wieder viel zu lange her – da kann man schon mal ein halbes Kahn-Zitat bringen.

Der Siegtorschütze Shinji Kagawa war zuvor nicht unbeteiligt an der deutlich passiveren, wenig effektiven zweiten Hälfte der Borussia gewesen. In der 55. Minute kam der Japaner für den angeschlagenen Ilkay Gündogan, der die Partie in Halbzeit 1 mit gesteuert hatte. Die Schwarz-Gelben hatten sehr dominant begonnen, kaum etwas vom Pokalsieger und Vizemeister zugelassen. Umso verwunderlicher, da die gesetzten Innenverteidiger Mats Hummels und Sokratis mit Magen-Darm-Infekt ausgefallen waren. Doch zunächst machten es die Vertreter und vor allem das Mittelfeld-Duo Ginter und Gündogan richtig gut.

Nachdem es schon in der Anfangsviertelstunde mehrmals brandgefährlich für die Gastgeber geworden war. dauerte es noch bis zur 32. Minute, ehe Mkhitaryan und Marco Reus einen Fehler von Guilavogui ausnutzten. Schön, Marco wieder treffen zu sehen. Was danach bis zur Pause geschah, lässt sich durchaus noch mit „aus einer Position der Stärke den Gegner kommen lassen“ beschreiben, auch wenn Wolfsburg nun die ersten Abschlüsse verzeichnen konnte.

Erst in den zweiten 45 Minuten gab der BVB die Spielkontrolle aus der Hand. Was gegen ein Topteam durchaus mal passieren kann. Hätten die Schwarz-Gelben allerdings vorher die Chancen genutzt, wäre es ebenso entspannter geworden, wie wenn die Entlastungsangriffe in Halbzeit 2 konzentriert zu Ende gespielt worden wären. Es war also mindestens so sehr die fehlerhafte Offensive, die für die gekippte Spielkontrolle verantwortlich war – nicht nur die kleinen Unsicherheiten bei Bürki, Subotic und Co.

Und auch Schiedsrichter Stieler, laut „Kicker“-Noten einer der besten, tat das seinige dazu, als er Maximilian Arnold nach einem Griff in Benders Gesicht nicht die fällige gelb-rote Karte zeigte, dafür aber in der Nachspielzeit auf den Punkt, nachdem Piszczek Schürrle an die Schulter gefasst hatte. Rodriguez verwandelte sicher und man hätte von einem glücklichen, aber nicht unverdienten Punkt für die Gastgeber sprechen müssen. Doch Tuchels BVB glaubte weiter, spielte weiter und bescherte uns mal wieder einen dieser Momente, für die man ganz besonders ins Stadion oder die Kneipe geht. Und das ohne dass jemand eine Eckfahne ausreißen musste.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Subotic, Bender, Schmelzer – Ginter, Gündogan (55. Kagawa) – Mkhitaryan, Castro (82. Park), Reus – Aubameyang (82. Hofmann). Gelbe Karten: Reus, Piszczek. Tore: Reus, Kagawa

Romantik und das Ende der Flitterwochen

1. Spieltag, 7. Spieltag / BVB 2 Darmstadt 98 2

Auf der einen Seite ist es Fußball-Romantik pur: Da schafft ein Traditionsverein wie Darmstadt 98 den Durchmarsch von Liga 3 in die höchste Spielklasse und punktet in den Ruhrpott-Hochburgen Gelsenkirchen und Dortmund, gewinnt gar in Leverkusen. Dass die ‚Lilien‘ das nicht nur mit Zweitliga-Personal, sondern auch mit ein paar aussortierten Bundesliga-Kickern geschafft haben, schmälert nicht das Erreichte. Ich will auch gar nicht die Litanei anfangen, dass der heutige BVB-Gegner am Ende sowieso im Abstiegskampf landet. Sie leben den Traum und das ist auch gut so.

Für Borussia Dortmund bedeutet der extrem ärgerliche Punktverlust allerdings ein unsanftes Erwachen direkt vor dem Spitzenspiel beim FC Bayern. Der Saisonstart der Schwarz-Gelben war natürlich viel besser als zu erwarten. Dennoch: Das 2:2 zu Hause gegen Darmstadt hatte viele Merkmale von Partien aus der letzten Saison.

Extrem defensive Gäste lauerten – wie allen vorher bewusst war – nur auf Konter und nutzten den ersten schnellen Gegenstoß, der ihnen gestattet wurde, zur Führung. Ilkay Gündogan spielte in der Situation zwar kurz vor dem gegnerischen Sechzehnmeterraum einen Fehlpass, doch taugt dieser höchstens als Ausgangspunkt einer Erklärung, wie dieses Gegentor fallen konnte. Denn es darf in solch einer Situation schlichweg nicht passieren, dass man als hoch überlegener Heimverein plötzlich hinten zentral drei gegen drei steht.

Die Flitterwochen, in denen selbst Problempositionen plötzlich adäquat besetzt schienen, sind nun vorbei. Vor dem 0:1 durch Heller führte Matthias Ginter erfolglos einen Zweikampf an der Mittellinie und entblößte seine Seite; Linksverteidiger Schmelzer konnte zentral nicht aushelfen. Auch der dämliche späte Ausgleich nach einem Freistoß geschah in Ginters Nähe. Der junge Ex-Freiburger war beileibe nicht der einzige Beteiligte und bereitete zudem den Dortmunder Ausgleich sehenswert vor. Trotzdem zeigt sich nun, dass sich Thomas Tuchel über die Außenverteidiger-Positionen weiter Gedanken machen muss.

Das Unentschieden war für die Gäste sehr glücklich. Selbst nach der Führung, nach Vorbereitung des agilen Januzaj erneut von Aubameyang erzielt, kam nach vorne kaum etwas von den Lilien. Selbstverständlich hätte die Borussia aus der Überlegenheit Kapital schlagen können, auch wenn die Darmstädter gut standen und sehr viele Szenen klären konnten. Leider fielen neben Aubameyang und dem in der zweiten Hälfte aufdrehenden Gündogan Kagawa und Reus ab. Januzaj hätte womöglich früher helfen können und auch Castro dem BVB-Spiel gut getan.

Erneut konnte Kapitän Mats Hummels nach dem Schlusspfiff seinen Unmut nicht verhehlen und erneut muss man ihm Recht geben:

Wir haben zuletzt zwei extrem unnötige Punktverluste hinnehmen müssen. Vor allem heute… Man kann es nicht in Worte fassen. Wir müssen einfach nur ordentlich verteidigen. Die Darmstädter waren tot, die haben nicht mehr an sich geglaubt und dann haben wir ihnen so eine Situation gegeben.

Nun stehen nach dieser Enttäuschung eine anstrengende Europa League-Aufgabe in Thessaloniki bei PAOK und ein kleiner Sonntagsausflug nach München an. Am Sonntagabend kann dann alles schon wieder ganz anders aussehen – so oder so.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl – Reus (59. Januzaj), Gündogan, Kagawa (90. +1 Ramos), Mkhitaryan – Aubameyang. Tore: Aubameyang (2)

Borussia Dortmund International

Europa League, Play-Offs / BVB 7 Odds BK Skien 2

Der BVB hat die Gruppenphase der Europa League erreicht. Nicht überraschend, aber doch überraschend spektakulär. Schließlich haben wir lange auf sieben eigene Treffer in einer Partie warten müssen. Dass die Borussia zunächst wieder in Rückstand geriet, wenn auch erst nach 19 Minuten, war im Nachhinein natürlich noch unwichtiger als im Hinspiel. Trotzdem darf man die Anfälligkeit bei Ecken nicht vernachlässigen. Also doch noch Arbeit für unseren Wondertuchel.

Es ist wirklich nur ein halber Spaß. Denn so wie es sich derzeit darstellt – ja, natürlich erst mal ist es eine Momentaufnahme, aber der Moment wird immer länger – ist da schon sehr viel richtig gemacht worden. Da kommt ein 19-Jähriger von 1860 und wird zum souveränen 6er. Da spielen ein Henrikh Mkhitaryan und, etwas weniger spektakulär, ein Shinji Kagawa befreit auf und schießen Tore. Da wird ein Matthias Ginter vielleicht zum soliden Rechtsverteidiger. Ein Ilkay Gündogan zaubert plötzlich, trotz anfänglichem Gegenwind von den Rängen. Und, mit das Überraschendste: Marcel Schmelzer wird offensiv immer stärker, passt und flankt und dribbelt sogar. Nicht immer gleich effektiv, aber mit unverkennbarem Aufwärtstrend.

Wer kann das alles noch erklären? Und wo soll das noch enden? In Thomas Tuchels Fußballwelt der Wunder?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Sokratis (64. Piszczek), Hummels, Schmelzer – Weigl – Hofmann, Gündogan (66. Bender), Kagawa, Mkhitaryan (64. Aubameyang) – Reus. Tore: Mkhitaryan, Reus (3), Kagawa (2), Gündogan

Pop-up Ilkay

In Berlin sind sie gerade ziemlich angesagt: Geschäfte, die sich für einen temporären Zeitraum an einem Ort niederlassen, um dort manchmal durchaus besondere Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Die Betreiber der Pop-Up Stores entscheiden sich in der Regel für diese Lösung, weil sie keine besseren Räumlichkeiten finden oder nicht vorhaben, sich langfristig zu binden.

Ganz ähnlich liegt der Fall Ilkay Gündogan – und die Überschrift ist gar nicht mal despektierlich gemeint. Zum Ausprobieren sind diese temporären Shops sowohl für Käufer wie für Verkäufer ja ideal. Ebenso könnte sich die Vertragsverlängerung des 24-jährigen Nationalspielers für den BVB entwickeln. Zwar hat Ilkay nur für ein weiteres Jahr, also bis Juni 2017, unterschrieben. Damit sind auch seine Aussagen über Thomas Tuchels überzeugendes Konzept weitgehend obsolet. Gündogan hat natürlich vor, bald zu einem vermeintlich größeren Verein zu wechseln. Doch die Borussia kann ihn nun nach einer im Idealfall besseren Spielzeit womöglich teurer verkaufen und bekommt mindestens so viel geboten wie vom Neu-Schalker Geis.

Dass die Sache besonders für Ilkay und von seinem Camp aus unglücklich gelaufen ist, steht außer Frage. Wie groß der sportliche Verlust bei einem Weggang gewesen wäre, darüber kann man sich trefflich streiten. Den genialen Spieler, für den manche Gündogan halten, habe ich auch vor der abgelaufenen Saison nur sporadisch gesehen. Klar, da ist schon richtig viel Qualität vorhanden, aber ist er ein echter Gamechanger?

Man sollte die Personalie also mit der gebotenen Gelassenheit betrachten. Es gibt ja noch andere Neuigkeiten: Milos Jojic steht laut Kicker unmittelbar vor einem Wechsel zum 1. FC Köln – für eine Ablöse von rund drei Millionen Euro. Zwar ist auch ihm mehr zuzutrauen als in der missratenen letzten Spielzeit, aber die Borussia muss schlicht und einfach ihren Kader verkleinern. Es dürfte also für beide Seiten die derzeit beste Lösung sein.

Des Weiteren hat der BVB drei junge, nach vorne orientierte Spieler verpflichtet – zunächst einmal für die in die Regionalliga West abgestiegene U23. Vom Oberligisten Westfalia Rhynern kommt Philipp Hanke (22 Jahre), aus der Jugend von Real Madrid Agoney Gonzalez Perez (20) und von NK Domzale aus Slowenien Alen Ozbolt (19). Natürlich dürften besonders die internationalen Verpflichtungen auch im Hinblick auf eine spätere Beförderung getätigt worden sein.

Und dann war heute noch der offizielle Saisonauftakt an der Strobelallee, nachdem Tuchels schwarz-gelbe Jungs schon am Freitag ihr erstes Testspiel beim Siebtligisten VfL Rhede mit 5:0 gewonnen hatten. Es geht wieder los … und es wird noch einiges passieren.

Wir Ahnungslosen

Vor einem Jahr wussten wir Bescheid: Im schwarz-gelben Fußball-Universum war Ende Juni trotz Weltmeisterschaft in Brasilien lediglich unklar, ob Matthias Ginter als Ergänzung für die Defensive zu Borussia Dortmund wechseln würde. 2015 sieht es eine knappe Woche vor Trainingsauftakt ganz anders aus. In allen Mannschaftsteilen stellen sich Fragen: Wer den Verein verlässt, wer bleibt, oder zumindest, wer künftig zur Startelf zählt und wer am Rand steht.

Selbstverständlich ist diese Ungewissheit bis zu einem gewissen Maß unvermeidbar. Schließlich hat die Borussia einen neuen Trainer – das sind wir eben nur nicht mehr gewöhnt. Völlig klar, dass Thomas Tuchel zunächst seine Spieler kennenlernen muss. Und zwar persönlich und im Training, nicht nur am Telefon. Doch bei so vielen Fragezeichen wächst auch die Sorge, dass manche Personalie nicht zufriedenstellend geklärt werden könnte. Wagen wir noch mal den Überblick.

Tor. Roman Bürki ist gekommen, Mitch Langerak wird aller Voraussicht nach bleiben und sich mit ihm einen Zweikampf um die Nummer 1 liefern. Für Roman Weidenfeller soll es Interessenten geben und die Tendenz geht dahin, dass sich der langjährige Dortmunder Keeper auf einen Wechsel einlässt. Hendrik Bonmann wird nach Zlatan Alomerovics Abgang die neue Nummer Drei. Weiterlesen „Wir Ahnungslosen“

Schwarz-Gelbe Personalfragen

Bereits in gut zwei Wochen beginnt die Saisonvorbereitung von Borussia Dortmund – geschuldet ist das bekanntlich der Europa League-Qualifikation. Je schneller ein Trainer, zumal ein neuer, seinen Kader beisammen hat, desto besser. Doch in diesem Sommer müssen Thomas Tuchel und Michael Zorc womöglich noch etwas Geduld haben. Schauen wir uns die derzeit diskutierten Personalien beim BVB einmal an:

Julian Weigl. Die Verpflichtung, die eigentlich schon länger durch war, wurde Anfang der Woche nun offiziell bestätigt. Nun haben wir also einen jungen Mittelfeld- und Juniorennationalspieler verpflichtet, der von 1860 München kommt und seine Idealposition im offensiven Mittelfeld sieht. Er gilt als dribbelstark, aber körperlich noch nicht robust genug. Auch erste Eskapaden sind schon zu vermelden. Hört sich alles nach Moritz Leitner an? Stimmt, nur dass Weigl mit – je nach Angabe – 1,86 oder 1,87 Meter deutlich größer ist. Leitner hat es in Dortmund und nun auch in Stuttgart nicht gepackt und sollte nach Möglichkeit abgegeben werden. Hoffen wir, dass Weigl einen anderen Weg geht.

Roman Bürki. Glaubt man der „Badischen Zeitung“, einem seriösen Blatt aus dem Südwesten, ist der Wechsel der Nummer 1 aus Freiburg zum BVB fix – nur dass das die Schwarz-Gelben noch Roman Weidenfeller beibringen müssen. Dass man jemand wie Bürki aus seinem Vertrag bei einem Absteiger herauskauft, kann man weder der Borussia noch dem Keeper vorwerfen. Er hat alles für den Sportclub gegeben und würde woandershin gehen, wenn Dortmund nicht zuschlagen würde. Als Ablöse sind 4,5 Millionen im Gespräch – sicher ein akzeptabler Preis. Wichtig ist jedoch, dass Mitch Langerak nach seiner langen Wartezeit eine faire Chance bekommt, die Nummer 1 zu werden.

Ilkay Gündogan. Es wurde viel geschrieben. Wo Ilkay hingehen könnte und wo er nicht hingeht. So richtig interessant ist das eigentlich nicht mehr, solange er nicht ausgerechnet zum FC Bayern geht. Tendenziell wäre ein Abschied in der Sommerpause wünschenswert, aber nicht zu jedem Spottpreis.

Außenverteidiger X: Mein Dauer-, aber kein Lieblingsthema. Um wieder eine komplette Spitzenmannschaft zu werden, braucht der BVB hier eine Alternative zu den Spielern, die in den letzten Jahren aufgelaufen sind. Wenn diese Jeremy Dudziak sein sollte – super. Doch die Zeit für Experimente und Halbgares auf dieser Position ist nun vorbei und man kann nur hoffen, dass das die Verantwortlichen endlich einsehen. Denken wir zurück an Chris Löwe, der vor vier Jahren von unserem nächsten Pokalgegner Chemnitzer FC als Schmelzer-Alternative geholt wurde und inzwischen in Kaiserslautern spielt. Es wird Zeit für ein neues Gesicht mit einer echten Chance.

Auf Augenhöhe mit den Wölfen

1. Bundesliga, 33. Spieltag / VfL Wolfsburg 2 BVB 1

Borussia Dortmund hat die Generalprobe für das Pokalfinale, die niemand wirklich gebraucht hat, verloren. Angst vor dem Tabellenzweiten, zumal in einem vorwiegend schwarz-gelben Berlin, muss man aber nicht haben. Das sind die Lehren aus dem für die europäischen Hoffnungen des BVB sehr glimpflich verlaufenen 33. Spieltag. Beim Ligafinale hat man zu Hause gegen Bremen noch alles selbst in der Hand. Verloren gegangen ist nur die Möglichkeit, die Saison vor dem Dauerrivalen aus Gelsenkirchen zu beenden. Aber wer wollte gerade mit denen tauschen?

Die knifflige Auswärtspartie in der selbst ernannten Autostadt begann denkbar schlecht: zum vierten Mal in dieser Spielzeit kassierte die Borussia in der ersten Spielminute einen Gegentreffer. Ausschlaggebend war ein Fehlpass von Ilkay Gündogan, den man trotz zwei, drei ordentlicher Aktionen gestern angesichts der Leistungen in 2014/15 nicht sonderlich vermissen wird. Schnelle Gegenzüge sollte man den Wolfsburgern bekanntlich nicht zu oft gestatten – Caligiuri und de Bruyne ließen die BVB-Defensive im Anschluss alt aussehen.

Anschließend war es ein sehr gutes Bundesligaspiel, wie es – mit anderem Ausgang – auch gerne in Berlin aussehen dürfte. Chancen auf beiden Seiten und der schnelle Ausgleich per Elfmeter, nachdem Kampl von Torwart Benaglio von den Beinen geholt worden war. Eine rote Karte musste in dieser Szene nicht zwingend sein – dafür sollte der BVB noch zweimal benachteiligt werden. Zwar hatten die Gastgeber durch den erstaunlich verschwenderischen Bas Dost in der ersten Hälfte die besseren Gelegenheiten, doch kurz vor der Pause hätte es nach Foul von Klose an Mkhitaryan erneut Strafstoß geben müssen. Und beim 1:2 durch Naldo, erneut kurz nach (Wieder-)Anpfiff, standen zwei Wolfsburger im strafbaren passiven Abseits. Auf der anderen Seite hätte Schiedsrichter Fritz das Handspiel von Durm im Zweikampf gegen de Bruyne ahnden können.

Alles in allem war es zwar eine Auswärtsniederlage, die man akzeptieren konnte, doch auf die Fehleinschätzungen des Referees und seiner Assistenten können wir im Finale gut verzichten. Zu lernen war für die Borussia, wie schon öfter in dieser Saison, dass die Außenverteidigung gegen Topteams Probleme hat. Sowohl Durm als auch Schmelzer zeigten defensiv Schwächen, wobei Letzterer nach vorne sogar besser aussah als sonst. Das MUSS ein Mann mit frischem Blick wie Thomas Tuchel doch sehen. Immerhin fuchste sich Subotic nach durchwachsenem Beginn in die Partie – er musste den kurzfristig ausgefallenen Hummels ersetzen.

Mkhitaryan und Aubameyang wussten trotz ausgelassener Chancen zu überzeugen, auch Kampls Einsatz und der gewonnene Elfmeter lassen hoffen. Für Shinji Kagawa und Ilkay Gündogan könnte es dagegen in der nächsten Saison mit Stammplätzen – wo auch immer – schwer werden.

Fürs Endspiel – gegen Bremen und in Berlin – besteht auch deshalb berechtigte Hoffnung, weil Marco Reus nach seiner Einwechslung belebend wirkte und bis nächste Woche noch weiter sein wird. Und auch Mats Hummels sah auf der Bank nicht schwerer verletzt aus. Es werden spannende zwei Wochen – für die Borussia und am Samstag auch für den Rest der Liga.

Die Aufstellung: Langerak – Durm, Subotic, Sokrates, Schmelzer (76. Piszczek) – Gündogan, Kehl – Mkhitaryan, Kagawa (70. Reus), Kampl (70. Immobile) – Aubameyang. Gelbe Karten: Subotic, Gündogan. Tor: Aubameyang (EM)