Hauch der Vergangenheit

Borussia Dortmund steht also – manche werden davon gehört haben – im Pokalfinale und ich konnte das Spiel nur mit den Ohren verfolgen. Zwar bringt auch ein heulender Nobby Dickel Emotionen rüber, aber es war nach diesen 120+ Minuten doch bitterer, nicht ‚dabei‘ gewesen zu sein als ich gedacht hatte. Die Bayern wurden von der jüngeren Vergangenheit eingeholt, bekamen einen Elfmeter verwehrt und dem BVB wurde korrekterweise ein Tor zugesprochen, das ihm vor einem Jahr noch vorenthalten worden war.

Mit dem vergleichsweise nüchternen Blick des Ausgeschlossenen kamen Erinnerungen an 2008 hoch: eine enttäuschende Bundesligasaison der Schwarz-Gelben bedeutete trotz Pokalfinaleinzug das Ende für den Trainer und ein dynamischer Nachfolger wurde bekannt gegeben. Die gewaltigen Unterschiede muss ich nicht aufzählen, doch auch diesmal macht sich vor dem Pokalfinale – das hoffentlich erfolgreicher als damals endet – Umbruchstimmung breit. Für manche steht auch der Abschiedsschmerz im Vordergrund oder sogar Endzeitstimmung. Auf jeden Fall endet eine Ära, die weit schöner war als jene vor 2008.

Eine Ära hat Ilkay Gündogan, dessen Abschied ebenfalls während meiner Abwesenheit bekannt gegeben wurde, nicht geprägt. Er geht spätestens 2016, aber eigentlich möchten alle Beteiligten, dass es bereits in den kommenden Monaten so weit ist. Da das auch die potenziellen Interessenten wissen, kann die Borussia wohl keine Wahnsinnssummen erwarten. Zu hoffen bleibt wohl nur, dass es mehrere Bewerber um seine Gunst gibt. Ob es eingedenk Ilkays Verletzungshistorie auch die richtigen, solventen Klubs sein werden?

Gündogan hat dem BVB nie in besonderer Weise seine Treue versichert. Er wurde während seiner Verletzung vom Verein, nach allem was wir wissen, gut unterstützt, aber das darf man auch erwarten. Wenn er die Borussia jetzt verlässt, wird ihm wohl niemand auf immer und ewig böse sein. Ilkay hat es aber auch nicht geschafft, sich langfristig ins Gedächtnis der BVB-Fans zu spielen. Und sportlich wird man ihn nach den Eindrücken der letzten Monate ersetzen können.

BVB wird zur kleinen Borussia

1. Bundesliga, 28. Spieltag / Mönchengladbach 3 BVB 1

Die letzten beiden Ligapartien haben den Status Quo 2015 bei Schwarz-Gelb demonstriert: Der BVB ist nicht wirklich so schwach wie es in der Hinserie den Anschein hatte, doch in dieser Saison ein großes Stück von der Spitze entfernt. Mehr als ein Hineinrutschen in die Europa League, auf die eine oder andere Weise, wäre schlicht nicht verdient. Und die Borussia vom Niederrhein hat uns spielerisch derzeit einiges voraus. Warum Favres Team nicht im Pokal-Halbfinale steht, können sich die Gladbacher nur selbst beantworten.

Es gibt nicht wirklich eine Entschuldigung dafür, dass es zum dritten Mal in dieser Spielzeit schon in der ersten Minute hinten klingelte. Wendts Treffer wäre mehrfach zu verhindern gewesen, unter anderem, wenn Hummels nicht ausgerutscht wäre. Mit dem 1:0 hatten die Gastgeber ideale Voraussetzungen, um auf ihre Schnelligkeit in Kontersituationen zu vertrauen.

Natürlich war es ein Nachteil, dass die Schwarz-Gelben auf Marco Reus und den im Pokal überzeugenden Erik Durm verzichten mussten. Die Bilanz mit und ohne Reus ist eindeutig. Zwar schaffte der BVB nach dem frühen Gegentor ein eindeutiges Übergewicht, hatte viel Ballbesitz, aber es fehlten zwingende Gelegenheiten. Weitschüsse können manchmal ein probates Mittel sein – siehe Kehls Dropkick am Dienstag – aber häufiger sind sie auf Bundesliga-Niveau Ausdruck von Ideenlosigkeit oder gar Verzweiflung. Die vermeintlich Kreativen wie Gündogan oder Kagawa brachten wenig zustande; Mkhitaryan wirkte zumindest energischer.

Ein Problem, zu dem sich Jürgen Klopp zuletzt bekannt hat und das er gestern durch offensive Auswechslungen zu beheben versuchte, ist die mangelhafte Besetzung des gegnerischen Strafraums. Zu oft steht tatsächlich nur Aubameyang als Anspielstation ganz vorne zur Verfügung. Andere Akteure rücken zu langsam nach. Selbst wenn Marcel Schmelzer einmal eine gute Flanke in oder an den Sechzehnmeterraum bringt, kann diese dann nicht verwertet werden – nur einmal hätte es fast geklappt. Auch Gladbach bot gestern zeitweise viel Platz über die Flügel an, den der BVB zu selten zu nutzen verstand. Ich hätte gerne Dudziak länger und Durm überhaupt gesehen – letzteres war bekanntlich nicht möglich.

Die Art und Weise, wie Herrmann das 2:0 machte, zeigte Souveränität und Klasse – nicht nur beim Mittelfeldspieler selbst. Auch in dieser Szene kamen drei, vier Schwarz-Gelbe zu spät; am Ende schien es so, als würde Neven Subotic etwas zu früh aufgeben. Natürlich lag dieser Torerfolg vor allem daran, dass Herrmann ein Klassespieler ist – doch solche Spielzüge sieht man beim BVB in dieser Saison zu selten. An Herrmanns – und Reus‘ – Qualität kommen andere Dortmunder derzeit nicht ran.

Das dritte Gegentor, mal wieder nach einem Standard, war eine Mischung aus Pech und Unvermögen und brachte die Entscheidung. Viel mehr als den einen eigenen Treffer durch Gündogan – nach Vorlage von Dudziak – hatten die Schwarz-Gelben nicht verdient. Trotz Bemühen und 54 Prozent Ballbesitz. Mit nur ein, zwei entscheidenden Ausfällen – auch den bisher allenfalls in der Rückserie überzeugenden Nuri Sahin wünscht man sich sehnlichst zurück – geht die mannschaftliche Reife verloren. Zugegeben, ein wolkiger Begriff. Doch gegen gefestigte Teams mit Qualität macht so etwas den Unterschied aus: Gladbach machte gerade auch im Umschaltspiel weniger Fehler.

Es bleibt dennoch die Hoffnung auf die letzten sechs Begegnungen. Denn die Konkurrenz auf den Plätzen 5 bis 9 punktet auch nicht gerade regelmäßig und als nächstes stehen zwei Heimspiele an.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (70. Schmelzer) – Kehl, Gündogan – Blaszczykowski, Kagawa (63. Ramos), Mkhitaryan – Aubameyang (77. Immobile). Tor: Gündogan

Endstation im falschen Wettbewerb

Champions League, Achtelfinale / BVB 0 Juventus Turin 3

Borussia Dortmund ist raus aus der Champions League. Das ist angesichts des Ergebnisses bitter, aber insgesamt folgerichtig. Wer gedacht hatte, der unerklärliche Spagat zwischen Liga und Europa würde sich bis Berlin fortsetzen, hat wohl zu viel in die Sonne geschaut und die Finsternis nicht kommen sehen. Schaut man zurück auf die souveräne Gruppenphase des BVB, erkennt man, dass die Gegner entweder nicht die Qualität oder nicht den Gameplan für einen Sieg gegen die Schwarz-Gelben hatten. Im Viertelfinale ist nun auch Arsenal nicht vertreten.

Gegen Juventus war die Borussia nicht nur nicht clever, sondern auch nicht stark genug. Natürlich spielte der frühe Rückstand den Gästen im Westfalenstadion extrem in die Karten, doch wer danach so wenig Torgefahr erzeugt, hat das Viertelfinale natürlich nicht verdient. Juve zog im Anschluss eine beeindruckende Raumdeckung in der eigenen Hälfte auf und hatte insgesamt die besseren Chancen. Die Gäste waren effektiv und in entscheidenden Momenten zu spielstark für die Borussia – bei aller berechtigten Kritik an der Härte eines Arturo Vidal.

Man kann darüber diskutieren, ob die auf den ersten Blick konservativ-defensive Lösung mit Sokratis rechts hinten die richtige Entscheidung von Jürgen Klopp war. Man muss den Blick auf die schwachen Darbietungen der Schwarz-Gelben im Aufbauspiel richten. Ilkay Gündogan kam nicht annähernd an sein Potenzial heran. Tevez beim frühen 0:1 frei zum Schuss kommen zu lassen war ein Fehler an anderer Stelle.

Dass die Champions League für den BVB der Saison 2014/15 vorbei ist, braucht uns nicht übermäßig zu ärgern. Dieser Wettbewerb war spätestens nach der Winterpause nicht mehr der unsere. Die Borussia hätte noch etwas Geld verdienen können; gewonnen hätte sie die CL sicher nicht. Das deutliche 0:3 gegen Juve hat erneut gezeigt, dass sich das Triumvirat Klopp/Zorc/Watzke  zur nächsten Saison Gedanken machen muss. Dass wieder erst der 32-jährige Kirch kommen musste, um von hinten über außen Druck zu erzeugen, kann kein Dauerzustand bleiben. Hinter den Rückkehrern Kagawa und Sahin bleiben Fragezeichen stehen. Denn die  mediale Beförderung Nuris zum Schlüsselspieler war möglicherweise etwas verfrüht und Shinjis Hoch ist erst mal vorbei. Auch die Situation im Sturm bleibt unter Beobachtung.

Das Aus gegen Juve ist also schade, aber ok. In der Bundesliga und im Pokal hat der BVB noch Aufgaben zu erledigen, die ihm zuzutrauen sind.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (46. Kirch) – Bender (64. Ramos), Gündogan – Kampl, Mkhitaryan (64. Blaszczykowski), Reus – Aubameyang. Gelbe Karte: Reus

Aufwärtstrend, doch keine Euphorie

1. Bundesliga, 22. Spieltag / VfB Stuttgart 2 BVB 3

DSC_0115 Ausverkauftes Stadion, Freitagabend-Flutlichtspiel, ein Auswärtssieg mit erneut drei erzielten Toren – kann man mehr verlangen? Borussia Dortmund katapultiert sich vorerst auf Platz 10 der Bundesliga, doch die kommenden Aufgaben und einige Unzulänglichkeiten lassen alle auf dem Boden bleiben.

Für den VfB Stuttgart wird es ganz eng, nimmt man die gestrige Leistung zum Maßstab. Selten, eigentlich fast ausschließlich durch Standards wurden die Gastgeber dem BVB-Tor gefährlich – und das obwohl Mats Hummels erneut nicht in der Dortmunder Startelf stand. Die Schwarz-Gelben hatten die Partie weitestgehend unter Kontrolle und hätten sie viel früher entscheiden können. Mit Aubameyang im Sturmzentrum, einem wieder aufblühenden Marco Reus, einem Selbstvertrauen tankenden Shinji Kagawa und den erfreulich konstanten Sahin und Gündogan ist mehr als das Rückgrat einer ansehnlichen Offensive beisammen. Kagawa bereitete zwei Treffer vor; sehenswert vor allem das 2:1, wo er mit der Hacke zu Gündogan weitergab. Den Gegentreffer nach einem von unserer Position aus nicht so deutlichen Elfmeter steckten die Borussen gut weg.

In der zweiten Halbzeit war die Idee wohl zeitweise, ein ruhiges, abwartendes Ballbesitzspiel aufzuziehen, um den VfB zu locken und zu Fehlern zu zwingen. Wiederholt machte etwa Nuri Sahin beruhigende Handbewegungen. Es hätte gegen die ganz schwachen Stuttgarter eine verständliche Taktik sein können, wenn man eigene Ballverluste vermieden und die sich bietenden Chancen genutzt hätte. Lange Zeit geschah das nicht – speziell Henrikh Mkhitaryan, zur Pause für Kampl eingewechselt, tat sich dadurch hervor, in jeder seiner drei auffälligen Szenen die falsche Entscheidung zu treffen. Weiterlesen „Aufwärtstrend, doch keine Euphorie“

Elf Spieler für ein Halleluja

Nachdem Borussia Dortmund sich am Samstag in Leverkusen je nach Sichtweise ohne Gegentor oder spielerisch bescheiden aus der Affäre gezogen hat, ist für die kommende Partie am Mittwoch der Auftrag klar: Nun muss die Erlösung her. Zu schwach waren die Auftritte fernab des Westfalenstadions und zu groß die Zuversicht nach einer langen Winterpause, als dass man nun weniger als einen Heimsieg verlangen könnte.

Das Problem heißt Augsburg. Niemand kann bestreiten, dass der dortige FC seit dem Aufstieg absolut herausragende Arbeit geleistet hat. Und vor allem in der Hinserie dieser Saison einiges besser gemacht haben muss als der BVB, obwohl die Gäste natürlich nicht mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatten. Doch die Fuggerstädter hatten immerhin Abgänge vom Kaliber eines Andre Hahn zu verkraften; dafür haben sie sich unter anderem mit dem Ex-Borussen Markus Feulner verstärkt. Da dessen Mittelfeld-Kollege Alexander Esswein mit einer Muskelverletzung am Mittwoch fehlen wird, könnte auch der jüngst von Dortmund nach Augsburg zurück transferierte Ji Dong-Won seinem alten Team gegenüberstehen.

Der FCA steht nach einem 3:1 am Sonntag im heimatlichen Schneetreiben gegen die TSG Hoffenheim unglaublicherweise auf einem Punkteniveau mit dem direkten Champions League-Platz 3. Vom FC Bayern wurde zuletzt noch Pierre-Emile Hojberg ausgeliehen, der gestern bereits einen Scorerpunkt verbuchen konnte. Ergo: Die Augsburger haben sich rein durch ihre eigene Arbeit den Status einer neuen Kraft in der Liga gesichert. Ob die in drei Jahren noch genauso stark sein wird, ist ungewiss – aber die Möglichkeit besteht.

Um das jetzt so wichtige Momentum zu behalten, muss der BVB nun gegen diesen FCA gewinnen. Es gibt leichtere Aufgaben, aber auch einen Lösungsweg, den Trainer und Spieler von ihrem Potenzial her finden können. Gut 900 Gästefans kündigte Pressesprecher Sascha Fligge bei der Pressekonferenz zum Spiel an – die Lautstärke-Wertung dürfte also schon mal Schwarz-Gelb gewinnen, denn das Westfalenstadion ist ausverkauft. Klopp wiederum gab zu Protokoll, dass die Herangehensweise wie bei jedem Gegner eine andere sein werde als zuvor. Ein Rumprobieren werde es aber auch nicht geben, sondern „klare Aktionen“.

Es steht zu erwarten, dass die Augsburger deutlich defensiver postiert sein werden als gestern. Ohne spielerische Mittel wird es also nicht gehen. Der BVB muss die Umstellung meistern und das machen, was die Engländer so schön einfach als „get the ball down and play“ umschreiben. Da es heute keine schwarz-gelben Schlusskaufaktivitäten gegeben hat, stehen dafür ähnliche Namen wie zuletzt zur Verfügung. Aubameyang und Kagawa sind beide körperlich fit und könnten auflaufen, wenn Klopp will. Einen von diesen beiden würde ich deutlich präferieren.

Im zentralen Mittelfeld scheinen Sebastian Kehl und Sven Bender auf einem guten Weg zu sein, aber erst nächste Woche wieder für den Kader in Frage zu kommen. Bei Ilkay Gündogan stehen die Chancen für Mittwoch recht gut, während bei Kuba die Zweifel ein wenig und bei Piszczek noch etwas größer sind. Erik Durm könnte nach der Rückkehr ins Mannschaftstraining ebenfalls wieder zur Verfügung stehen. Meine elf Mann für die heikle Mission wären:

Weidenfeller – Durm, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Sahin – Aubameyang, Reus, Kampl – Immobile.

Die Zeit der Vermutungen ist vorbei

Mats Hummels hat sie vor wenigen Tagen auf den Punkt gebracht, die „Krux an der Vorbereitung“ für eine Fußball-Saison:

Man kann eine Vermutung haben, wie man drauf ist, aber man kann es nie sicher sagen. Das werden wir sehen.

Noch nie in der Klopp-Ära waren die Auswirkungen einer Winterpause spannender und wichtiger für Borussia Dortmund als 2015. Haben die Schwarz-Gelben die vergleichsweise lange Zeit genutzt, um wieder zu alter Stärke zu finden? Weder die Testspiele noch die personelle Situation sahen so rosig aus, dass man die Frage klar und deutlich mit Ja beantworten könnte. Doch Vorbereitung ist eben genau das – und genau deshalb wissen wir nur, dass wir nichts wissen.

Erste Aufklärung erfolgt am Samstagabend bei Bayer Leverkusen – im Topspiel, auch wenn es die Tabellensituation nicht hergibt. Die positivste Statistik zu dieser Partie ist noch die, dass der BVB unter Jürgen Klopp im Pillen-Stadion noch nie verloren hat. Allerdings stand der Verein unter dem jetzigen Trainer selbstverständlich auch noch nie im Winter auf Platz 17.

Einer, der den Schwarz-Gelben in den letzten Jahren wiederholt zu schaffen gemacht hat, wird übermorgen fehlen: Heung-Min Son weilt mit Südkorea noch beim Asien-Cup und trifft dort im Finale auf Australien – mit Leverkusens Robbie Kruse und Dortmunds Torhüter Mitch Langerak. Letzterer wird dabei wohl auf der Bank sitzen. Die Gastgeber der Bundesliga-Begegnung müssen außerdem auf den vielversprechenden Außenverteidiger Tin Jedvaj verzichten. Son dürfte durch Josip Drmic ersetzt werden; für Jedvaj ist unter anderem Roberto Hilbert denkbar.

Jürgen Klopp wird sich sicher kurzfristig entscheiden. Pierre-Emerick Aubameyang und Shinji Kagawa sind von ihren Kontinentalturnieren zurück. In entsprechender Verfassung dürfte Auba sicher ein Startelf-Kandidat sein. Im offensiven Mittelfeld ist die Auswahl groß, obwohl noch nicht sicher ist, ob Ilkay Gündogan rechtzeitig fit wird. Der war jedoch ohnehin eher auf seiner angestammten ‚8‘ eingeplant. Ob ggf. neben ihm Sahin oder Ginter zum Einsatz kommt, bleibt eine der spannendsten Fragen. Eine Rückkehr von Sven Bender ist unwahrscheinlich, die von Kehl und Durm ausgeschlossen.

Tabelle, Tagesform, Reus, Kampl, Calhanoglu, Leno, Weidenfeller, Schiedsrichter – nicht mal welcher dieser Faktoren am Samstag eine entscheidende Rolle in Leverkusen spielen wird ist absehbar. Roger Schmidt hat sein Team in Kalifornien auf die Rückserie vorbereitet; auch er ist mit dem dort Geschafften zufrieden und zuversichtlich für die nächsten Monate. Einigen wir uns auf: Die Gastgeber sind Favorit, aber alles ist offen?

Sind wir gut drauf?

Dortmund nach Utrecht und Düsseldorf – und wir sind, wie meistens nach Testspielen, nicht wirklich schlauer. Unter der Woche zeigten die Schwarz-Gelben in den Niederlanden eine ansprechende Leistung und Neuzugang Kevin Kampl traf zum ersten Mal. Der kurzfristig angebotene Livestream wurde einem allerdings durch die penetrant nervige Opel-Werbung von Kommentator Nobby Dickel verleidet.

Doch es machte mehr Spaß zuzuschauen als am Samstag. Denn gegen den Tabellensechsten der zweiten Bundesliga waren Muster zu erkennen, die deutlich an die BVB-Auftritte der Hinserie erinnerten. Probleme beim Erarbeiten von Chancen gegen eine kompakte, tief stehende Abwehr. Probleme, bei schnellen Gegenstößen der Fortuna selbst hinten nah genug am Mann zu bleiben. Und – zumindest während der Begegnung – ein neues Verletzungsproblem: Ilkay Gündogan wurde bereits nach 28 Minuten ausgewechselt und hielt sich beim Gang in die Kabine den Oberschenkel.

Jürgen Klopp hatte nach den Ausfällen von Kehl und Bender auf ein offensives zentrales Mittelfeld mit Ilkay und Nuri Sahin gesetzt. Ob diese Besetzung nun wieder gesprengt ist, bleibt abzuwarten. Nach derzeitigem Stand war der Wechsel in Düsseldorf eher eine Vorsichtsmaßnahme; Gündogan könnte kommenden Samstag in Leverkusen durchaus zur Verfügung stehen. Ob Klopp gegebenenfalls diese Variante wählen wird? Eigentlich ist das auswärts gegen ein spielstarkes Team kaum vorstellbar – wobei Ilkay für das Offensivspiel, die öffnenden Pässe nach der gestrigen Partie unverzichtbar erscheint. Das vielversprechende Duo Reus/Kampl benötigt beim Spielaufbau seine Unterstützung.

Bei allen Fragezeichen hinter Matthias Ginter gibt es nächste Woche keinen Grund, ihm Nuri Sahin vorzuziehen. Denn eine zusätzliche Absicherung für die immer noch nicht sattelfeste Defensive scheint fast genauso unverzichtbar wie Ilkays Einsatz. Die Probleme in der Außenverteidigung waren auch gestern zu sehen und Mats Hummels war ebenfalls wieder mit einem unnötigen Fehlpass dabei. Nun sprach Jürgen Klopp nach der Partie von mangelnder Frische wegen des intensiven Trainings – diese Theorie gilt es am Samstag zu bestätigen.

Im offensiven Mittelfeld sollte der Trainer dafür dann die Qual der Wahl haben. Henrikh Mkhitaryan wurde nach seiner Verletzung gestern eingewechselt, Shinji Kagawa ist mit Japan aus dem Asien-Cup ausgeschieden und ‚Kuba‘ Blaszczykowski holte in Düsseldorf einen 50:50-Elfmeter heraus und verwandelte ihn zum Ausgleich. Großkreutz und Jojic sind weitere mögliche Ergänzungen für die sicher gesetzten Reus und Kampl.

Im Moment ist die Spannung ebenso groß wie die Vorfreude auf die Rückserie. Ob sich die Borussia nach den jüngsten Eindrücken allerdings wirklich zeitnah aus der Abstiegszone verabschieden wird, halte ich für keineswegs ausgemacht – da wirkt die Vorsicht eines Aki Watzke schon realistisch.

Jetzt hilft nur noch der Voodoo-Priester

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 0 Hannover 96 1

Vielleicht hätte Borussia Dortmund beim kürzlichen Austausch des Rasens gleich mal überprüfen sollen, ob nicht Karl-Heinz Rummenigge die Asche früherer Bayern-Legenden im Westfalenstadion vergraben hat. Denn es ist wie verhext: Trotz einer klaren Leistungssteigerung gegenüber dem letzten Ligaspiel in Köln stehen die Schwarz-Gelben auch an diesem Wochenende mit leeren Händen da. Trotz einem Übergewicht bei allen wichtigen Statistiken im Spiel gegen Hannover reichte den Gästen ein direkter Freistoß von Hiroshi Kiyotake zum Sieg.

Tatsächlich sah die Partie nach leichten Anfangsschwierigkeiten bis zum Gegentor nach einer guten Stunde sehr ordentlich vom BVB aus. Keine Anzeichen von Nervosität mehr und trotz der üblichen gegnerischen Verdichtung des Mittelfelds und vor dem Strafraum eine größere Anzahl von Chancen durch Reus, Aubameyang, Mkhitaryan und Ramos. Doch die gingen knapp daneben, drüber oder wurden von 96-Keeper Ron-Robert Zieler teilweise prachtvoll pariert.

Der Freistoß von Kiyotake kann so passieren – weder Gündogan noch Weidenfeller ist da mehr als eine kleine Portion Mitschuld zuzusprechen. Bedenklich war, dass die Borussia im Anschluss doch noch wie in den letzten Ligaspielen den Faden verlor und bis auf die Schlussphase zu wenig kreierte, um die nächste Heimniederlage abzuwenden. Atmosphärische Störungen in der Mannschaft sind bei einer solchen Negativserie dagegen kaum komplett zu vermeiden – größere Probleme aus diesen Gründen aber schon.

Über die Aufstellung muss man nach dem gestrigen Spiel auch nicht diskutieren. Schließlich funktionierte die offensive Ausrichtung mit zwei gelernten Stürmern und Durm links hinten nicht schlecht. Und auch das Fehlen von Shinji Kagawa machte sich nicht negativ bemerkbar.

Es half alles nichts – auch nicht das leicht peinliche Ausweichen auf die Champions League-Trikots. Von den nächsten beiden Spielen ist nun tatsächlich das gegen St. Pauli das wichtigere. Ein Ausscheiden aus dem Pokal wäre höchstwahrscheinlich bereits das Ende aller Titelträume und in dieser Situation ein noch größerer Tiefschlag als eine Auswärtsniederlage in München. Ob Jürgen Klopp es mit dem Aberglauben nun auf die Spitze treibt?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Durm (77. Sokratis) – Mkhitaryan, Bender, Gündogan (66. Kagawa) – Aubameyang, Ramos (77. Immobile), Reus. Gelbe Karten: Mkhitaryan, Gündogan, Reus

Der seltsame Fall des zweiten Gesichts

Champions League, 3. Spieltag / Galatasaray 0 BVB 4

Borussia Dortmund cruiset durch die Champions League und ist bereits so gut wie qualifiziert fürs Achtelfinale. Der bemerkenswerte und weitgehend unerklärliche Kontrast zur Situation in der Bundesliga setzt sich fort. In der Königsklasse ist der BVB neben dem aus Russland gesponserten AS Monaco der einzige Klub ohne Gegentor nach der Hälfte der Gruppenphase. Allerdings hat das Team aus dem Fürstentum selbst erst ein einziges Tor erzielt – die Schwarz-Gelben dagegen neun.

Ich habe nicht die Absicht, die Diskrepanz zur nationalen Liga erklären zu wollen. Es wäre weitgehend spekulativ; ich würde wie alle anderen im Nebel stochern. Immerhin war zu erkennen, was der BVB gegenüber der erneuten Pleite in Köln verändern wollte: Die defensive Stabilität stand im Vordergrund. Sokratis als Linksverteidiger, Kehl und Bender im defensiven Mittelfeld, Aubameyang als einziger gelernter Stürmer in der Startelf – Jürgen Klopp wusste, worauf es ankam.

Dass bereits nach gut sechs Minuten die Führung fiel, spielte der Borussia wie gegen Anderlecht in die Karten. Man hatte es in Istanbul mit einem Gegner zu tun, der sicher nicht in den späteren Runden des Wettbewerbs auftauchen wird. Jürgen Klopps Team machte aber auch einiges richtig: Gegen Galatasaray reichte ein einfaches, direktes Spiel aus, um zum Erfolg zu kommen. Da wurden auch mal Bälle einfach nach vorne oder ins Seitenaus geschlagen, wenn es opportun erschien. Das große Plus des BVB war das Positionsspiel in der Defensive: Im Gegensatz zu den Gastgebern ließ man sich da nur einige wenige Male kalt erwischen.

Auch vorne reichten verhältnismäßig einfache Mittel. Eingeleitet durch die sehr gut aufgelegten Henrikh Mkhitaryan und später Ilkay Gündogan knackten die Schwarz-Gelben zweimal über außen die Gala-Abwehr. Ein Pass von Reus und eine Flanke von Piszczek konnte Aubameyang zentral verwerten. Marco Reus zeigte sich auf internationaler Bühne wieder prächtig aufgelegt und schoss dann mal eben so aus knapp 25 Meter ein Traumtor zum 3:0. Typisch auch das spätere 4:0: Ganz kurz nach seiner Einwechslung zeigte Adrian Ramos wieder sein CL-Gesicht und traf nach Gündogans Pass. Bis auf eine Phase von gut zehn Minuten nach Wiederanpfiff wirkte Galatasaray aber auch nie so, als ob sie wirklich ernsthaft ins Spiel zurückfinden könnten. Dementsprechend leer wurde es gegen Ende im Stadion.

Hiobsbotschaften für Schwarz-Gelb gab es dennoch: Sven Bender musste mit einer Armverletzung ausgetauscht werden, auch Shinji Kagawa verließ nach 82 Minuten humpelnd den Platz. Pierre-Emerick Aubameyang schien zwischendurch auf der Kippe zu stehen, beendete das Spiel aber ohne sichtbare Probleme. Die Personallage wird also auch vor der nächsten Wendemöglichkeit in der Bundesliga gegen Hannover wieder Thema sein. Trotz allem kann, wer dieses Spiel gesehen hat nicht glauben, dass ein Sieg gegen die 96er in weiter Ferne liegt. Muss ja mal klappen jetzt.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels (69. Gündogan), Sokratis – Bender (55. Ginter), Kehl – Mkhitaryan, Kagawa (82. Ramos), Reus – Aubameyang. Tore: Aubameyang (2), Reus, Ramos

Dortmund steckt fest

1. Bundesliga, 8. Spieltag / 1. FC Köln 2 BVB 1

Warum sollte uns das nicht passieren – ein echter Rückschlag, nachdem es jahrelang bergauf gegangen ist? Nahezu alle Teams außer dem FC Bayern haben so etwas schon mitgemacht, allen voran unsere Reviernachbarn aus Gelsenkirchen. Ich habe nie geglaubt, dass dieser Rückschritt nicht kommen und der BVB Seit‘ an Seit‘ mit dem Rekordmeister an der Tabellenspitze einsam seine Kreise ziehen würde. Erneute Verletzungsmisere, die WM, der Verlust eines weiteren Schlüsselspielers – da kann man schon mal hinter Vereine wie Mönchengladbach, Wolfsburg oder sogar die Blauen zurückfallen.

Was nicht mehr normal ist: Nach acht Spieltagen steht die Borussia sogar zwei bzw. fünf Punkte hinter den Aufsteigern Köln und Paderborn. Für Letztere haben heute die Ex-Dortmunder Marvin Duksch und Uwe Hünemeier beim 3:1 gegen Frankfurt getroffen. Im direkten Duell mit den Ersteren hat der BVB zwar deutlich mehr Torschüsse und Ballbesitz zu verzeichnen, aber das Muster der letzten Wochen bleibt bestehen: Den Schwarz-Gelben fehlt die Effektivität nach vorne und hinten leistet man sich zwei bis drei entscheidende Fehler pro Spiel. Ob es nur an Details liegt, etwa dem kurzfristigen Ausfall von Erik Durm, wegen dem Kevin Großkreutz nicht so weit vorne wie gewohnt spielen konnte? Eher nicht. Es dürfte eine Mischung aus fehlender Eingespieltheit der Akteure und zunehmender Verunsicherung sein.

Entscheidend für den Kölner Erfolg war, dass die Gastgeber rechtzeitig zum momentanen Erfolgsrezept gegen Schwarz-Gelb fanden. Während der FC die Borussia in der ersten Viertelstunde noch zu frei agieren ließ, verschoben die Kölner danach besser von hinten raus, standen nicht mehr so tief und stellten das Mittelfeld gut zu. Die Konsequenz: Ballverluste und Fehlpässe des noch nicht eingespielten Mittelfelds, aber auch durch Mats Hummels, der ein besonders schwaches Spiel zeigte, allerdings auch eine lächerliche Gelbe Karte kassierte. Beim 0:1 konnte Rückkehrer Ilkay Gündogan einen Abschlag von Weidenfeller nicht unter Kontrolle bringen. Daraufhin sprintete Hummels ohne Not und Erfolg zum Ort des Geschehens und ließ so eine Zwei-gegen-zwei-Situation hinten entstehen, die letztlich Kölns Vogt nutzen konnte.

Nach dem schönen 1:1, das mit dem Zusammenspiel von Reus und Immobile ein Vorgeschmack auf das hätte sein können, was sich die meisten Borussen-Fans von ihrem Verein nach der Länderspiel-Pause eigentlich erwarten, gab es eine kurze Drangphase. Es waren aber zu unpräzise und letztlich keine brandgefährlichen Schüsse, die etwa Reus und Mkhitaryan noch abgaben. Damit die Kölner die Partie mit drei Punkten beenden konnten, war allerdings noch ein dicker Patzer von Roman Weidenfeller nötig. Nun haben wir in der Hinsicht eigentlich die komplette Hintermannschaft durch, und nicht nur die.

Also doch Krise? Temporär sicher, aber wie schwer die derzeitige Flaute wiegen wird, zeigt sich erst im Frühjahr. Wenn für die Schwarz-Gelben dann die Aufholjagd zu lang sein sollte und die internationalen Plätze nicht erreicht würden, könnten sich weitere Leistungsträger verabschieden. Erst dann muss man sich langfristig Sorgen machen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Großkreutz – Gündogan (90. Subotic), Kehl – Mkhitaryan (68. Aubameyang), Kagawa, Reus – Immobile (75. Ramos). Gelbe Karten: Mkhitaryan, Hummels, Sokratis. Tor: Immobile