Doppel-Marco repariert Aussetzer

1. Bundesliga, 33. Spieltag / VfL Wolfsburg 3 BVB 3

Icon_spielbericht_newMit Nachdruck und der individuellen Klasse von Marco Reus hat Borussia Dortmund die eigenen Aussetzer aus einer schlimmen halben Stunde in der VW-Arena gerade noch so übertüncht und die zweite Saisonniederlage gegen den Autoclub verhindert. Es war abzusehen, dass die Schwarz-Gelben im Warm-Up zum Champions League-Finale am ehesten in dieser Partie schwächeln würden – auch wenn man gehofft hatte, es ließe sich vermeiden.

Der Vergleich mit dem FC Bayern zeigt, dass der Borussia in diesen Dingen noch ein wenig Routine fehlt. In diesen Wochen geht es ja nicht nur darum, sich würdig aus einer Bundesligasaison zu verabschieden, in der es kaum noch etwas Zusätzliches zu erreichen gibt. Ziel der Spieler ist es natürlich auch, körperlich unbeschadet nach Wembley zu kommen. Diese Diskrepanz zu überbrücken gelang den Münchenern gestern trotz eines zunächst ebenfalls mäßigen Spiels besser. Ein Grund dafür ist die höhere Qualität im Kader, die den Akteuren, die nicht regelmäßig spielen, keine Aussetzer erlaubt, wenn sie eine Chance bekommen. Der zweite Grund war natürlich die höhere Qualität im Kader des BVB-Gegners: Mit einem zweiten Sieg über den Meister hätten die Wölfe eine unbefriedigend verlaufene Spielzeit noch ein klein wenig versöhnlicher gestalten und ihre Minimalchance auf einen Europa League-Platz wahren können.

Zunächst war jedoch nicht zu ahnen, welch gruslige Vorstellung die Schwarz-Gelben abliefern würden. Zu Beginn des Spiels schenkten sich beide Seiten nichts und die Gäste wirkten zumindest im Mittelfeld präsent und engagiert. Schon in der 5. Minute lobbte Nuri Sahin einen Freistoß von Reus in den Strafraum und Sven Bender vollendete zu seinem ersten Tor seit 2011 – Robert Lewandowski war erst hinter der Linie ebenfalls noch am Ball. Leider gab dieser Treffer nur den Wölfen einen Schub und Vorbereiter Sahin erlebte für den Rest der Halbzeit einen kleinen Albtraum inklusive schwerer Fehler und verlorener Kreativität.

Natürlich musste König Fußball dafür sorgen, dass ausgerechnet Ivan Perisic seine beiden ersten VfL-Treffer gegen die Borussia erzielte. Schon bei seinem Ausgleich zum 1:1 sah die Deckung schlecht aus. Santana prallte zwar noch mit dem Neu-Wolfsburger zusammen, konnte das Tor jedoch nicht verhindern. Beim 2:1 war etwas Glück dabei, da Ivans Schuss aus etwa 17 Metern noch abgefälscht wurde, doch es war inzwischen ja auch der katastrophale Spielaufbau des BVB, der den Gastgebern die schnelle Wende ermöglichte. Beim 3:1 nach einer Ecke stand Naldo komplett blank. Es benötigte eine Portion Glück, dass es nach 45 Minuten nur 1:3 stand. Zur Halbzeit hätte man nicht nur Großkreutz und Bender herausnehmen können, wie es Jürgen Klopp tat. Neben Sahin wären auch Felipe Santana, Lukasz Piszczek oder Marco Reus Kandidaten gewesen. Weiterlesen „Doppel-Marco repariert Aussetzer“

Perisic verabschiedet sich nach Wolfsburg

In den letzten zwei Wochen hatte es sich bereits abgezeichnet, nun ist der Wechsel perfekt: Ivan Perisic läuft künftig für den VW-Klub Wolfsburg auf. Der 23-jährige Mittelfeldspieler verlässt Borussia Dortmund nach eineinhalb Jahren, in denen er es nicht schaffte, sich im Stamm der Mannschaft zu etablieren. Der Transfer erfolgt auf ausdrücklichen Wunsch von Ivan (und seinem Berater) – der BVB kann sich allerdings mit einer ordentlichen Ablösesumme trösten. Die Schätzungen liegen bei sieben bis gut acht Millionen Euro, verpflichtet wurde der Kroate für rund 5,5 Millionen.

Im Spätherbst hatte sich Perisic öffentlich über die geringen Einsatzzeiten beklagt, was Jürgen Klopp nicht erfreute. Letztendlich ist der Vorgang ein Fall, wie er im Profifußball immer wieder vorkommt und bei dem man beide Seiten verstehen kann. Ivan kam als belgischer Torschützenkönig nach Dortmund und erwartete sich dort den nächsten Karriereschritt. Der Durchbruch zum Stammspieler gelang ihm jedoch nicht und seit der Verpflichtung von Marco Reus sind die Chancen darauf weiter gesunken.

Technisch hat der bevorzugt links eingesetzte Perisic viel drauf. Es gab einige Spiele, in denen er über seine Seite für Wirbel sorgte, mit guten Flanken überzeugte oder sich sogar selber durchsetzte, nach innen zog und den Torabschluss suchte. Ein Highlight, das in Erinnerung bleiben wird, war sein Distanzschuss zum 1:1 gegen Arsenal in der ansonsten bescheidenen schwarz-gelben CL-Kampagne 2011. Das Problem, das Jürgen Klopp mit Ivan hatte (oder umgekehrt), war dessen fehlende Übersicht im Defensivverhalten. Gegenpressing und Zweikampfstärke waren beim Kroaten verbesserungswürdig, sind aber Fähigkeiten, die der BVB-Trainer von allen seinen Spielern erwartet.

Angesichts aller Umstände ist die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt eine akzeptable Lösung auch für den Verein. Geld für einen Ersatz wäre vorhanden – bleibt die Frage, ob er nötig ist. Insgesamt gesehen ist das Mittelfeld der Borussia quantitativ am stärksten besetzt. Entscheidend dürfte sein, ob das Trainerteam neben Marco Reus und Kevin Großkreutz weiteren Spielern zutraut, die linke Seite kompetent zu besetzen – und zwar so kompetent, dass es für alle drei Wettbewerbe reicht, in denen der BVB noch vertreten ist. Leonardo Bittencourt, Moritz Leitner und Mustafa Amini sind die Back-ups, die zur Verfügung stehen. Bittencourt und Leitner gelten als beidfüßig, doch nur ersterem wäre eine Rolle auf dem Flügel wirklich zuzutrauen.

Bisher hat allerdings keiner der drei unter Wettkampfbedingungen auf der linken Seite gespielt – gut möglich, dass sich Michael Zorc und Jürgen Klopp dazu entscheiden, noch einen talentierten jungen Mann zu holen, der aber weniger etabliert und daher geduldiger ist als Perisic.

Bei seiner Vorstellung in Wolfsburg hatte der mit seiner Zeit in Dortmund bereits seinen Frieden gemacht: „Dortmund hatte großartige Ergebnisse zuletzt. Da kannst du gegen ihn (Klopp) nichts sagen“. Alles Gute für die Zukunft, Ivan, selbst beim VfL Wolfsburg!

Die Abwehr der Zukunft

Borussia Dortmund verstärkt sich ab 1. Januar mit einem jungen Abwehrtalent: Der 17-jährige Junioren-Nationalspieler Marian Sarr kommt vom Liga-Konkurrenten Bayer Leverkusen. Nach den Worten von Sportdirektor Michael Zorc ist Sarr ein fußballerisch starker Innenverteidiger, der beim BVB zunächst im Nachwuchs heranreifen soll. Über die Höhe der Ablösesumme wurde bisher nichts bekannt.

Das Interessante an dem Wechsel ist zum einen dessen perspektivische Ausrichtung. Zorcs Aussage legt nahe, dass man Marian Sarr den Sprung in die Bundesliga zutraut. Wenn alles perfekt läuft, könnte dieser einmal Mats Hummels oder Neven Subotic ersetzen, sollten unsere Stamm-Innenverteidiger sich irgendwann doch für einen anderen Klub entscheiden. Eben ist dieser Weg allerdings nicht und Konkurrenz gibt es genug. Auf ein Aufrücken in die erste Elf hoffen auch Junioren-Nationalspieler Koray Günter, Marc Hornschuh und der an Fürth ausgeliehene Lasse Sobiech. Während Günter sicher noch alle Möglichkeiten hat, wird die Zeit sich zu empfehlen für die anderen beiden knapp.

Was den Transfer noch von einem gewöhnlichen Vorgang im Nachwuchsbereich unterscheidet: Bei Sarr geht es um einen Spieler, der sich bei einem direkten Konkurrenten einen Stammplatz in der zweiten Mannschaft erkämpft hatte. Zuletzt wurde der 17-jährige allerdings nicht mehr eingesetzt. Leverkusen begründet dies mit nachlassenden Leistungen aufgrund der Vertragsgespräche mit anderen Vereinen. Beim Werksklub zeigt man sich auch ansonsten pikiert„Es ist sehr bedauerlich und hat auch viel Frust ausgelöst“, sagt beispielsweise der nie um einen Wortbeitrag verlegene Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Die Schuld sehen die Leverkusener Verantwortlichen jedoch mehr bei Spielerberatern und Verbänden allgemein. Die Borussia direkt anzugreifen wäre angesichts des vergleichbaren eigenen Vorgehens in anderen Fällen auch reichlich verlogen.

Wenige Tage bevor sich fast in ganz Europa das Transferfenster öffnet, bleibt auch der BVB nicht verschont von Spekulationen. Und so weit hergeholt wirkt es ja nicht, wenn die „Ruhr Nachrichten“ berichten, dass Mittelfeldspieler Ivan Perisic mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht wird und von seinem Berater dort selbst angeboten worden sein soll. Ivan kommt weiterhin nicht auf die Zahl an Einsätzen, die sich er und sein Berater vorstellen. Dennoch würde man sich aus schwarz-gelber Sicht einen Wechsel eher am Saisonende wünschen, stellt sich doch bei einer sofortigen Trennung die Frage, ob man den Kroaten ersetzen müsste. Sollten Klaus Allofs und die VW-Verantwortlichen jedoch bereit sein, tatsächlich sieben Millionen Euro für Perisic zu investieren – woran Zweifel erlaubt sind – könnten sich sicher viele mit dem Gedanken anfreunden. Selbst wenn man das Gefühl hätte, dass bei ihm noch einiges an Potenzial schlummert.

Schweigen am Anfang, Schweigen am Ende

1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 1 Fortuna Düsseldorf 1

Zwölf Minuten und zwölf Sekunden schwiegen fast alle Fans gestern zu Beginn der Partie Borussia Dortmund gegen Fortuna Düsseldorf. Es muss eine ausgesprochen ungewohnte Nicht-Atmosphäre geherrscht haben im Westfalenstadion – auch wenn die sich über Kneipenlautsprecher schwer übertragen lässt. Bekanntlich protestierten die Fans hinsichtlich der entscheidenden Sitzung des DFL-Ligaausschusses am 12.12. gegen das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ in seiner ursprünglichen Form. Nach Abpfiff herrschte Schweigen in der Kneipe, betretenes Schweigen, bis die Diskussionen losgingen, wieso um alles in der Welt man diese Begegnung nicht gewinnen konnte. Was gerade im Stadion los war, bekam man nur am Rande mit.

Es war eines jener Spiele, die den Unterschied ausmachen können. Sie müssen es nicht. Doch es blieb die frustrierende Erkenntnis, dass die Schwarz-Gelben etwas, für das man sie gerade gelobt hat, doch noch nicht richtig beherrschen: Eine Partie ohne übermäßigen Kraftaufwand kontrolliert runterzuspielen. Das war ohnehin noch nie die Idealvorstellung von Fußballfans, doch es nötigte einen gewissen Respekt ab, dass die Mannschaft das im vermeintlichen Stil einer Spitzenelf mehrmals hingekriegt hatte.

Gestern drückte die Borussia gegen extrem tief stehende Fortunen fast eine Hälfte lang erfolglos. Der letzte Pass fehlte ebenso häufig wie die Kreativität im Mittelfeld, ein paar Weitschuss-Versuche blieben harmlos. Noch viel harmloser war allerdings, was die Gäste nach vorne zu bieten hatten: so gut wie nichts. In schwarz-gelb verbreitete Jakub ‚Kuba‘ Blaszczykowski die meiste Gefahr – nur logisch, dass er den tollen Schlusspunkt einer mäßigen Halbzeit setzte. Kuba spielte Doppelpass mit Kevin Großkreutz, der ansonsten extrem glücklos agierte, und hämmerte den Ball dann von halbrechts ins lange Eck. Weiterlesen „Schweigen am Anfang, Schweigen am Ende“

Dortmund läuft Slalom gegen Fürth

1. Bundesliga, 12. Spieltag / BVB 3 Greuther Fürth 1

Da war viel Qualität zu sehen: Borussia Dortmund schlägt Fürth dank der technischen Fertigkeiten von Mario Götze, Jakub Blaszczykowski, Robert Lewandowski und anderen mit 3:1. Der Sieg fiel eher ein bis zwei Tore zu niedrig aus – mit genaueren Offensiv-Abspielen und noch größerer Aufmerksamkeit in der Abwehr hätte es noch deutlicher werden können.

Die beste Nachricht aus Dortmunder Sicht: Das schwarz-gelbe Traum-Mittelfeld ist wieder komplett verfügbar und selbst wenn Marco Reus geschont und nur eingewechselt wurde, konnte man schon erkennen, was in dieser Konstellation möglich ist. Was von diesem dominant herausgespielten Sieg in Erinnerung bleiben wird, sind vor allem die Slalomläufe von Mario Götze und ‚Kuba‘ Blaszczykowski. Beim schnellen 1:0 des BVB pflügte sich Mario über links durch die Fürther Abwehrreihen, ehe er den Ball Lewandowski in die Füße schob. Die Terminologie mag sich etwas agrikulturell für einen feinen Techniker anhören, doch zu dieser Torvorbereitung gehörte auch eine große Portion Durchsetzungsvermögen, die Götze mehr und mehr ausbildet. Nach seiner längerwierigen Verletzung ist er nun wieder nah an der Topform, müsste nur noch hier und da während der Spiele mannschaftsdienlichere Entscheidungen treffen.

Sehr erfreulich war das ungemein positive Auftreten von Kuba, der genau die Dringlichkeit in seinen Aktionen hatte, die der BVB-Offensive zuletzt gelegentlich fehlte. Der Pole holte den Elfmeter zum 2:1 heraus, als ihm von Nehrig gegen das Standbein getreten wurde, und bereitete das wunderschöne 3:1 durch Götze mit einem guten Pass vor. Ein eigener Torerfolg war ihm gestern noch nicht vergönnt – nach einem Dribbling, das denen von Götze ähnelte, zielte er bei seiner besten Chance auf den kurzen Winkel, doch Torwart Grün reagierte schnell und konnte parieren. Dennoch ist bei mir die Vorfreude groß, Kuba wieder zusammen mit Piszczek über rechts wirbeln zu sehen.

Getreu dem Motto „fördern und fordern“ hatte Jürgen Klopp gegen Fürth Ivan Perisic trotz seiner am Trainer geäußerten Kritik in die Startelf rotiert. Gleichzeitig muss der Mittelfeldspieler eine Geldstrafe zahlen – die erste, die es unter Jürgen Klopp überhaupt gibt. Leider konnte Ivan die Chance nicht nutzen, sich für die kommenden Partien aufzudrängen. Außer einem guten Freistoß in den ersten Minuten fiel er eher durch Übermotivation und einige Ballverluste auf.

Erfreulicher war, dass sich auch die Mittelfeldzentrale in Topform befindet. Bender und Gündogan machen das mindestens genauso gut zusammen wie Kehl mit einem von beiden. Auch auf dieser Position wird es Jürgen Klopp nicht leicht gemacht, sich zu entscheiden. Gerade in der von Schwarz-Gelb deutlich dominierten, wenn auch insgesamt weniger ansehnlichen zweiten Halbzeit waren ‚Manni‘ und Ilkay immer zur Stelle und ließen die Fürther nicht mehr zur Entfaltung kommen. Frühes Pressing wurde auch von den Mannschaftskollegen über weite Strecken praktiziert.

Man kann verstehen, dass Jürgen Klopp mit den zweiten 45 Minuten zufrieden war, obwohl die Borussia nach vorne nur noch vereinzelt gefährlich wurde:

In der zweiten Halbzeit hatten wir deutlich mehr Ballbesitz. Da hat die Mannschaft einen Schritt nach vorne gemacht, das Ganze reif aussehen zu lassen. Wir haben nichts mehr zugelassen.

Manche Gegner stellen sich inzwischen besser auf den BVB ein. Doch auch der lernt dazu. Und sei es auch nur, ein Spiel souverän runterzuspielen. Diese Fähigkeit könnte sich schon am Mittwoch auszahlen, wenn es darum geht, sich in Amsterdam mindestens einen Punkt fürs Erreichen des Champions League-Achtelfinales zu sichern. Vieles andere können die Schwarz-Gelben ja schon.

Gestern und am letzten Wochenende war Pflicht. Es ist nicht selbstverständlich, diese beiden Aufgaben jeweils mit 3:1 zu meistern. Auch wenn an den Auftritten nicht alles brillant war. Die Kür kommt am Mittwoch, obwohl angesichts des Tabellenstands alle ein Weiterkommen in der Champions League erwarten. Sagen wir es mal so: Bei der derzeitigen Personallage beim BVB ist vieles möglich. Und die Vorfreude entsprechend groß!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan (73. Großkreutz), Bender – Blaszczykowski (83. Leitner), Götze (66. Reus), Perisic – Lewandowski. Gelbe Karten: Perisic, Lewandowski. Tore: Lewandowski (2), Götze

Schon wieder HSV

1. Bundesliga, 4. Spieltag / Hamburger SV 3 BVB 2

Vor gut einem Jahr verlor Borussia Dortmund zum letzten Mal in der Fußball-Bundesliga, damals mit 1:2 beim HSV. Nun ist es wieder passiert. 2:3, erneut beim HSV, allerdings bei dem aus Hamburg. 2011 wurde dem durchwachsen gestarteten BVB im Anschluss eine Krise eingeredet, die sich, wie wir alle wissen, nicht bestätigte. In diesem Jahr kam die Niederlage deutlich überraschender – schließlich hatte der Gegner bisher 0 Punkte auf dem Konto und lag auf Platz 17.

Ausnahmsweise will ich mich heute mehrmals selbst zitieren. Meinen Vorbericht. Mit der Niederlage habe ich nicht gerechnet, das vorweg. Das Hamburger Stadion habe seinen Schrecken für die Borussia verloren, behauptete ich. Vielleicht war genau das ein Grund für die Lässigkeit, mit der ein paar Spieler in entscheidenden Situationen zu Werke gingen. Jedenfalls ist man die gestern gezeigte Anzahl von Alibi-Aktionen und leichten Fehlpässen von den Schwarz-Gelben nicht gewohnt. Und leider hatten sie auch nicht die Warnung vor dem Zusammenspiel von Rafael van der Vaart und Heung-Min Son verinnerlicht, die sicher nicht nur ich ausgesprochen habe.

Die Gründe für die Niederlage, an die man sich erst mal wieder gewöhnen muss, waren jedenfalls weitestgehend hausgemacht. Das ist kein fehlender Respekt für die Gastgeber – die spielten das angesichts der Ausgangslage gut runter. Wirklich gefährlich wirkte aber fast ausschließlich das, was die schon erwähnten van der Vaart und Son produzierten. Und in der letzten halben Stunde hätte der HSV noch locker zwei oder drei Punkte verlieren können.

Schon bei der gestrigen Aufstellung des BVB darf man ein Fragezeichen setzen. Die Herausnahme von Kuba zugunsten von Ivan Perisic kann man aufgrund der bisher regelmäßigen Einsätze des polnischen und der zwei Tore des kroatischen Nationalspielers rechtfertigen – auch wenn der hart arbeitende und zielstrebige Kuba dem Dortmunder Angriffsspiel in der ersten Hälfte sicher nicht geschadet hätte. Deutlich weniger einleuchtend war die Startelf-Saisonpremiere von Moritz Leitner, der für die zentrale Position neben Kehl einfach (noch) nicht die nötige Zweikampfstärke mitbringt. Hier wäre der Saison-Einstand von Sven Bender vermutlich die bessere Wahl gewesen – es sei denn, es gab Fitness-Gründe, die dagegen sprachen. Weiterlesen „Schon wieder HSV“

Stark gegen schwach

1. Bundesliga, 3. Spieltag / BVB 3 Bayer Leverkusen 0

Schön, wenn man sich so irrt. Enges Spiel, starker Gegner, gefährlich über die Flügel? Alles falsch, zumindest heute. Mit einer Souveränität, die an die besten Momente der letzten Jahre erinnerte, bezwang Borussia Dortmund die Werkself aus Leverkusen, die maßlos enttäuschte. Zwei Tore nach Standards, ein Tor nach einem herrlich schnell vorgetragenen Angriff – zum richtigen Zeitpunkt ist der meisterliche BVB wieder da.

Dabei standen die beiden Jungstars Marco Reus und Mario Götze erneut nicht gemeinsam auf dem Platz. Jürgen Klopp schonte ersteren und ließ letzteren von Anfang an spielen, wenn auch nicht über 90 Minuten. Eine Maßnahme, die absolut aufging: Mario wirkte zumindest in der ersten Hälfte frisch und belebend, Marco Reus schoss später von links den Freistoß, den Robert Lewandowski zum 3:0 ins Tor köpfte.

Überhaupt Lewandowski, überhaupt die Polen. Wenn man die ersten vier Pflichtspiele auf einen Nenner bringen will, dann kommt man zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass der polnische Anteil an dem, was funktioniert hat, sehr, sehr groß war. Kuba und Robert befinden sich in bestechender Frühform. Der Verbleib unseres Topstürmers könnte sich als die wichtigste Personalie der Saison herausstellen. Jakub wiederum ist trotz starker Konkurrenz derzeit nicht aus der Startelf wegzudenken. Nun zeigte sich heute auch noch Lukasz Piszczek in richtig guter Verfassung, war beim tollen 2:0 eingebunden, als er Lewandowskis langen Pass bekam und schön in die Mitte legte, wo Kuba nur noch draufhalten musste.

Von Leverkusen hatte ich viel mehr erwartet. Dass zunächst der BVB das Spiel komplett dominierte und die Gäste vorsichtig agierten, registrierte man erfreut, aber angesichts der schon früh ausgelassenen Torchancen mit Skepsis. Irgendwann würde die Werkself schon kommen. Und irgendwann war schließlich in der 13. Minute, als Stefan Kießling im Fünfmeterraum an den Ball kam. Doch der Stürmer hat gerade nicht seine besten Tage, bekam die Drehung zum Tor nicht richtig hin, so dass sein Schuss letztlich noch geblockt werden konnte. Und das war es mit Ausnahme von zwei, drei über das Spiel verstreuten Szenen von Leverkusen. Weiterlesen „Stark gegen schwach“

Hoffnung durch Kontinuität

Startet der 1.FC Nürnberg in der 1. Bundesliga in eine neue Saison, kann niemand mit Gewissheit sagen, dass sich dieses Ereignis ein Jahr später wiederholen wird. Oder einfacher gesagt: der Club ist ein latenter Abstiegskandidat, auch wenn er nicht zum engsten Kreis der Anwärter gezählt wird. Zu begrenzt sind die finanziellen Mittel, zu häufig werden daher wichtige Spieler verkauft, als dass es anders sein könnte.

Für die Saison 2012/13 gibt es indes Anzeichen, dass sich die Franken weniger Sorgen machen müssen als zuletzt. Zwar wurde mit Innenverteidiger Philipp Wollscheid erneut ein Leistungsträger abgegeben (an Leverkusen) und die ausgeliehenen Hegeler und Didavi sind zu ihren Stammvereinen zurückgekehrt, doch ersterer stand am Ende der letzten Spielzeit nicht mehr in der Startelf und letzterer laboriert an einem Knorpelschaden. Ansonsten entdeckt man unter den elf Spielern, die der „Kicker“ am Samstag im Spiel gegen Borussia Dortmund von Beginn an erwartet, viele vertraute Namen.

Bedeuten vertraute Gesichter auch ein vertrautes Ergebnis? Schließlich hat die Borussia unter Jürgen Klopp jedes Pflichtspiel gegen Nürnberg gewonnen. Doch die Gastgeber von übermorgen sind auch untereinander vertraut, haben scheinbar eine gute Balance aus jungen und erfahrenen Spielern gefunden. Das Auftaktmatch in Hamburg wurde mit 1:0 gewonnen – was derzeit natürlich kein Maßstab sein kann. Immerhin hat der Club jetzt einen Japaner und der BVB nicht mehr: Auf Hiroshi Kiyotake, der eine ähnliche Position wie Shinji Kagawa bekleidet, kann man gespannt sein. Möglicherweise lässt Dieter Hecking am Samstag auch den Ex-Stuttgarter Timo Gebhart länger spielen, der beim HSV nur eine Viertelstunde ran durfte. Ansonsten stehen die Schwarz-Gelben vor allem Spielern gegenüber, die sich beim Club in die Stammelf vorgearbeitet haben. Das Vertrauen, das Hecking in diese Akteure setzt und die Kontinuität, die er dadurch erzeugt, könnten sich auszahlen.

Kontinuität ist natürlich eine Tugend, die auch den BVB auszeichnet. Nachdem die Nationalspieler wieder seit gut einem Monat oder länger im Training sind, sollte sich diese Tugend auch für die Schwarz-Gelben bezahlt machen. Mit Marco Reus ist ein genialer Spieler dazugekommen, der sich Woche für Woche, also kontinuierlich, steigern wird. So ist zumindest der Plan. Keine Frage, dass er übermorgen in der Startelf stehen wird. Auch sonst stellen sich Jürgen Klopp nur wenige personelle Fragen. Lukasz Piszczek wird nach ausgestandener Zerrung als Rechtsverteidiger zurückkehren, sein Ersatzmann Oliver Kirch hat sich ohnehin selbst verletzt. Mario Götze soll nach Jürgen Klopps Worten länger spielen als gegen Bremen, doch auf dem rechten Flügel wird erneut Kuba beginnen. Umstritten ist einzig die linke Seite, wo ich erneut für Ivan Perisic plädieren würde, auch wenn Klopp letzten Freitag Kevin Großkreutz vorzog.

Und was in dieser Woche noch gesagt werden muss: Nazis raus aus dem Westfalenstadion!

(Quelle: Transfermarkt.de)

Dortmund schwitzt sich zum Sieg

DFB-Pokal, 1. Runde / FC Oberneuland 0 BVB 3

Nur im rein wörtlichen Sinne wurde es den Schwarz-Gelben in ihrem ersten Pflichtspiel der Saison heiß. Im Bremer Weserstadion wurden 30 Grad im Schatten gemessen – doch nur ein Drittel des Spielfeldes lag in selbigem. Spielerisch hatte der Doublesieger nie ernsthafte Probleme mit dem Regionalligisten FC Oberneuland.

Die Spieler gingen mit Überzeugung in die 90 Minuten und ließen nie einen Zweifel daran, wer am Ende die Oberhand haben würde – auch wenn das Tempo wegen der Temperaturen nicht so hoch war wie gewohnt. Es war so eine Art positive Arroganz zu spüren – positiver als bei den Bayern natürlich. Mir ging es ja ähnlich: ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass der BVB dieses Spiel verlieren könnte.

Mats Hummels entschied während des Aufwärmens, sich gar nicht auf die Auswechselbank zu setzen, sondern daneben. Neven Subotic und Felipe Santana bildeten die Innenverteidigung und hatten keine nennenswerten Probleme mit den Oberneuländern, die im ganzen Spiel zu nur drei Torschüssen kamen. Es entwickelte sich also ein recht entspannter Sommerfußball, der natürlich deutlich besser als das war, was es in der Saisonvorbereitung zu sehen gab. Schon in der 11. Minute gelang Marco Reus sein erstes Pflichtspieltor für die richtige Borussia, als er den Ball von Lewandowski bekam, Torwart Mandic umspielte und von halbrechts ins lange Eck schob. Es ist bereits klar ersichtlich, welche Rolle er auch in schwarz-gelb spielen kann, wenn er fit bleibt. Die Abläufe sind da zwar noch nicht zu jedem Zeitpunkt perfekt abgestimmt, aber das wird kommen.

Nach einer schöpferischen Pause schlug die Borussia in der 38. Minute in Person von Kuba wieder zu, der aus ganz ähnlicher Position wie Reus zum 2:0 traf. Zwischen Jakub und Mario Götze wird es einen interessanten, aber sicherlich rein sportlichen Konkurrenzkampf geben. Auch wenn es in anderen Szenen mit den Abschlüssen haperte, punktet Kuba derzeit mit Schnelligkeit und Zielstrebigkeit.

Auf der anderen Seite liegt Ivan Perisic nach den letzten Eindrücken deutlich vor Kevin Großkreutz. Ein schöner Diagonalpass vor dem 2:0, ein toller Schuss an die Latte in der zweiten Hälfte und letztendlich gelang Ivan noch ein echter Perisic, als er von links nach innen zog und aus spitzem Winkel über den Torwart ins lange Eck schoss. Für die Partie gegen die anderen Bremer am Freitag sollte er gesetzt sein und könnte dann eine wichtige Rolle spielen.

Es war ein Pflichtsieg, der höchstens dadurch getrübt wurde, dass der Berliner AK noch höher gewonnen hat. Denn natürlich hatte der BVB Chancen für weitere Tore. Julian Schieber unterstrich wenige Meter vor dem Tor noch mal seine Ambitionen auf die Rolle des Lewandowski-Ersatzmanns. Aber in Wahrheit gibt es natürlich nichts zu meckern. Ein vollkommen souveräner Erfolg, der die Vorfreude auf Freitag und die Spannung bezüglich des nächsten Pokalgegners noch mal erhöht.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Santana, Schmelzer – Gündogan, Kehl – Kuba (85. Großkreutz), Reus (65. Götze), Perisic – Lewandowski (69. Schieber). Tore: Reus, Kuba, Perisic

Zweite Mannschaft ganz groß

1. Bundesliga, 33. Spieltag / 1.FC Kaiserslautern 2 BVB 5

Die offizielle Zweite Mannschaft von Borussia Dortmund hat es nach einer wahnsinnigen Aufholjagd in der Rückserie selbst in der Hand, den Aufstieg in die dritte Liga zu schaffen. Gestern gewannen die ‚kleinen Schwarz-Gelben‘ durch ein spätes Tor mit 1:0 gegen die Verfolger von der anderen Borussia. Die inoffizielle zweite Mannschaft stand am Samstag in der Bundesliga auf dem Platz und löste die gestellte Aufgabe in beeindruckender Weise besser als die Meisterelf vom letzten Jahr im ersten Spiel nach der Sicherung des Titels.

Natürlich hatten die abgestiegenen Lauterer den motivierten Borussen weniger entgegenzusetzen als die Bremer letzten Mai. Und trotzdem war der Auswärtssieg in dieser Höhe beeindruckend. Jürgen Klopp machte mit der Entscheidung, auf einige Spieler aus der zweiten Reihe zu setzen, alles richtig. So kamen nicht nur der wiedergenesene Stammspieler Götze für den erkrankten Kuba und Chris Löwe für den verletzten Marcel Schmelzer ins Team, sondern auch Langerak, Santana, Owomoyela und Barrios. Und im Laufe des Spiels noch Moritz Leitner und sogar Florian Kringe. Zwar führten zwei Fehler von Santana und Langerak zu den beiden Gegentoren, doch ansonsten machten die vermeintlichen B-Elf-Spieler sehr viel richtig.

Es stand selbstredend keine echte B-Elf auf dem Platz. Gerade Mittelfeld und Angriff waren topbesetzt und es zeigte sich, dass die Variante mit Lewandowski als hängende Spitze oder ’10er‘ hinter Barrios gegen manche Gegner prima funktioniert. Man muss den Spielern, die zuletzt wenig gespielt haben, wie Perisic, Barrios und Owomoyela, ein Kompliment dafür machen, wie sie gestern aufgetreten sind. Sie haben ihre Chance genutzt.

Einen kleinen Weckruf benötigten die Schwarz-Gelben allerdings schon. Felipe Santana verlor im Mittelfeld unnötig den Ball gegen Fortounis und lief in der Folge auch noch so unglücklich in dessen Pass von links, dass der Ball vom Schienbein des Innenverteidigers ins Tor sprang. Man merkte jedoch sofort danach, dass die Motivationsbekundungen der Borussen keine Lippenbekenntnisse gewesen waren. Und so gelang Lucas Barrios schon zwei Minuten später der Ausgleich per Kopf nach einer Flanke von ‚Uwemoyela‘. Im Anschluss wurden die Qualitätsunterschiede zwischen den Teams überdeutlich und auch der Glaube an einen Heimsieg zum Abschied aus der Liga schwand bei den Gastgebern wohl spätestens, nachdem Barrios mit seinem zweiten Treffer die Führung erzielt hatte.

Es war kein perfektes Spiel der Borussia – phasenweise erinnerte die Partie ein wenig an Sommerfußball. Doch es überwog das Positive. Die Schwarz-Gelben eroberten früh die Bälle und boten den Lauterern nach dem 2:1 kaum noch Platz zum Kontern. Und sie waren engagiert und aufmerksam. Ganz besonders Ivan Perisic, der vor dem 4:1 gegen Torwart Sippel zunächst den Kürzeren gezogen hatte, jedoch sah, dass der Keeper den Ball leichtsinnig aus dem Strafraum spielen wollte, daraufhin nachsetzte und das Leder von Sippels Fuß zu Barrios spitzelte, der nur ins leere Tor schießen musste. Ivan hatte gestern einen ganz starken Tag, bereitete auch noch den zweiten Treffer vor und erzielte mit einem tollen Schlenzer den fünften.

Und damit sind noch immer nicht alle schönen Aspekte dieses Spiels genannt. Das dritte Tor ging auf das Konto von Mario Götze, der somit ein Startelf-Comeback nach Maß feierte und bereit für die noch kommenden Aufgaben zu sein scheint. Zu meckern gibt es kaum etwas. Bei zwei weiteren Aluminium-Treffern war mehr Pech als Unvermögen im Spiel. Vor dem großen Saisonfinale mit Schalenübergabe und Endspiel in Berlin dämpft höchstens eine Sache die tolle Stimmung: Auch Sportdirektor Michael Zorc hat heute bestätigt, dass ein Wechsel von Shinji Kagawa nicht unwahrscheinlich ist. Derzeit will der japanische Nationalspieler seinen Vertrag nicht verlängern und könnte bei einem angemessenen Angebot – womöglich aus England – den Verein verlassen. Darüber hinaus scheinen auch beim gestrigen Hattrick-Torschützen Lucas Barrios die Zeichen auf Trennung zu stehen.

Die Aufstellung: Langerak (5) – Owomoyela (7), Subotic (7), Santana (6), Löwe (6) – Gündogan (7), Kehl (7) (64. Leitner) – Götze (7) (77. Kringe), Lewandowski (7) (66. Kagawa), Perisic (9) – Barrios (9). Gelbe Karte: Barrios. Tore: Barrios (3), Götze, Perisic