Der Haben-wollen-Transfer: Jadon Sancho kommt von Manchester City

Auch am letzten Tag der Transferperiode gingen die Aktivitäten bei Borussia Dortmund weiter. Doch es gab – außer Hendrik Bonmann – keine weiteren Abgänge mehr. Vielmehr haben die Schwarz-Gelben in letzter Minute noch Jadon Sancho von Manchester City geholt. Der 17-jährige englische Flügelspieler wurde bei der U17-EM in Kroatien zum Spieler des Turniers gewählt.

Der BVB zahlt laut Kicker sieben Millionen Euro an die Citizens, obwohl es hätte weniger sein können. Da Sancho in Manchester nur einen Ausbildungsvertrag hatte und diesen schon vor Wochen rechtmäßig kündigte, wäre über eine Entschädigung von einem Tribunal entschieden worden – dies hätte der Borussia aber zu lange gedauert.

Sancho gilt in England als großes Talent. Doch jetzt kommt das Aber: Nicht nur, dass wir Ähnliches auch von Emre Mor und Alexander Isak gehört haben. Jadon spielt auch noch auf einer Position – offensiv außen – die nun wirklich gut besetzt ist, spätestens seit Andriy Yarmolenkos Verpflichtung. Ob der Neuzugang da auf mehr Spielzeit kommt als etwa Mor – oder wenigstens genauso viel? Michael Zorcs Wortwahl deutet darauf hin, dass man Sancho langsam heranführen will und das dem Spieler auch dargelegt hat:

Wir sind überzeugt, dass wir diesem noch sehr jungen Spieler dabei helfen können, sein Spiel weiterzuentwickeln und mittelfristig eine echte Bereicherung für unser Team zu werden.

Fragt sich nur, wie lange Sancho Geduld haben wird. In Manchester sollte er zuletzt mit der zweiten Mannschaft trainieren – das ist in Dortmund ausdrücklich nicht vorgesehen. Doch trotz dieses ‚Fortschritts‘: Wie lange gibt sich ein junger Spieler damit zufrieden, vielleicht nicht mal im Spieltagskader zu stehen?

Was haben sich also die BVB-Verantwortlichen bei der Verpflichtung gedacht? Angeblich war man Jadon Sancho schon länger auf den Fersen. Auch der FC Bayern und Real Madrid sollen interessiert gewesen sein. Wollte man ihn nicht zu einem anderen Topklub gehen sehen? Wollte man den Ruf als Verein der Teenie-Stars nicht verlieren? Oder ist Sancho sogar ein wenig Spekulationsobjekt, da man ihn wohl selbst dann teurer verkaufen könnte, wenn er gar nicht für Schwarz-Gelb aufläuft? Was man sonst nur von BVB-Hassern hören würde, kommt einem in Tagen wie diesen gar nicht mehr so abwegig vor.

Sollte sich Jadon Sancho dagegen durchsetzen, werden andere Spieler nicht spielen. Wenn man mal von Einzelschicksalen weg aufs sehr große Ganze blickt, hat der BVB sein erklärtes Ziel, den Kader zu verkleinern, krachend verfehlt. Ja, man liegt mit 29 Mann knapp unter den 30. Aber angestrebt waren um die 25 und selbst das ist noch mehr als genug. Es wird viele Unzufriedene geben und natürlich auch höhere Ausgaben für Gehälter als eigentlich nötig. Der BVB passt sich in vielem dem Gebaren der ‚Superklubs‘ an und das ist ausgesprochen zweifelhaft.

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