Klaus, Susi, Aki und die Kuba-Frage

Bei Mario Götze mag das alles etwas komplizierter gewesen sein. Im Fall Jakub „Kuba“ Blaszczykowski kommen nicht nur Verschwörungstheoretiker auf die Idee, dass hier zwei Transfers miteinander verknüpft werden sollen. Der Kicker meldete gestern Abend, dass der Wechsel von Kuba zum VfL Wolfsburg perfekt sei. Für 5 Millionen Euro soll der polnische Nationalspieler zum Ligakonkurrenten wechseln. Bekanntlich ist es gerade mal  zehn Tage her, dass André Schürrle für 30 Millionen den umgekehrten Weg gegangen ist.

Im Gegensatz zu manchem Fan, der sich noch nicht so recht mit dem Ende der Klopp-Ära anfreunden mag, halte ich den ‚Tausch‘ für sportlich allemal sinnvoll. Kuba ist nicht mehr der spritzige, dribbelstarke Außenbahnspieler aus seinen besten BVB-Zeiten. Dass Schürrle unter Tuchel wieder zu einem solchen wird, ist lediglich ein Versprechen, aber eines, das nicht unglaubwürdig klingt.

Selbstverständlich darf aber über die bezahlten Summen diskutiert werden. 30 Millionen für einen Spieler ohne längerfristige Konstanz sind happig. Jedoch immerhin weniger als der VW-Klub für Schürrle an Chelsea überwies – so dachte man. Nun könnte, sollte sich die Meldung bestätigen, Kuba für eine trotz seines Alters moderate Summe nach Wolfsburg gehen. Eine Lösung, mit der beide Seiten das Gesicht gewahrt hätten. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Personalie Blaszczykowski schon bei den Schürrle-Verhandlungen auf dem Tisch war.

Klar: Weder ist das Ding schon offiziell, noch werden die Vereine irgendwelche Transfersummen bestätigen. Das macht ja heutzutage keiner mehr. Auch Zusatzklauseln sind meistens Medienspekulationen oder werden zumindest nicht von den offiziellen Vereinskanälen veröffentlicht. Doch es spricht einiges dafür, dass das Verrechnen von Spielern nun auch in Dortmund Einzug gehalten hat.

Deadline Day: Dortmund ohne Kuba – Kevin in der Warteschleife

Gerade hat man noch über Real Madrid gelacht, da hat auch Borussia Dortmund seine Transfer-Posse. Wenn auch, nach allem was man weiß, ohne eigenes Zutun. Sie betrifft ausgerechnet den Ur-Borussen Kevin Großkreutz. Der stand kurz vor einem Wechsel zu Lukas Podolski und Galatasaray, doch der türkische Spitzenklub hat wohl versäumt, alle Unterlagen rechtzeitig, bis zum späten Montagabend, einzureichen. Nun ist die Durchführung des Transfers von der Gnade der Fifa abhängig, die eine Ausnahme bei ihren Fristen machen müsste – was in der Vergangenheit eher selten geschehen ist. Kevin darf solange nicht mal bei Gala mittrainieren.

So verständlich der Transfer aus Thomas Tuchels sportlicher Perspektive ist, so unwürdig verläuft nun das Ende der BVB-Karriere von einem von uns. Ohne dass die Borussia viel dazu kann, doch traurig ist das trotzdem.

Auch der Abgang von Jakub ‚Kuba‘ Blaszczykowski war angesichts der großen Konkurrenz im Mittelfeld nachvollziehbar. Der polnische Mittelfeldspieler wird mit Kaufoption bis Saisonende an den AC Florenz verliehen. Ein Wiedersehen nächsten Sommer ist unwahrscheinlich, aber nicht so sehr wie bei Ciro Immobile. Kuba war häufiger verletzt und zuletzt selten erste Wahl. Aber auch sein Abschied tut ein wenig weh; nicht nur, aber erst recht, weil er preisgegeben hat, aus Respekt vor den BVB-Fans ein Angebot des blauen Revierrivalen abgelehnt zu haben. Gerade in diesen Tagen ist das scheinbar ein Kontrapunkt zur Macht des Marktes.

Dass nun Hans-Joachim Watzke erschöpft und etwas quengelig die Vorverlegung der Transferphase verlangt hat, gehört zu dem Teil seiner Aussagen, die eher tagesaktuell-populistisch und weniger durchdacht sind. Das Transferfenster funktioniert seit Jahren genau so, nur dass Borussia Dortmund es bisher immer geschafft hat, sich aus dem gröbsten Trubel kurz vor Torschluss herauszuhalten.

Immerhin gehören die Schwarz-Gelben auch zu den Profiteuren. Von Manchester United wird der 20-jährige offensive Mittelfeldspieler Adnan Januzaj ausgeliehen. Der Belgier gilt in England als vielversprechendes Talent und kam bisher zu 47 Einsätzen in der Premier League. In Dortmund hat er einen Vertrag bis Juni 2016 unterschrieben, die „Ruhr Nachrichten“ berichten außerdem von einer anschließenden Kaufoption. Mit Adnans Verpflichtung dürften rein sportlich die Abgänge von Kuba und möglicherweise Kevin mehr als aufgefangen sein. Man darf jetzt schon gespannt auf die Zeit nach der Länderspielpause sein.

Schon am Sonntag verabschiedete sich Oliver Kirch zum SC Paderborn. Die schwach in die zweite Liga gestarteten Ostwestfalen können Verstärkungen dringend gebrauchen. Natürlich macht auch dieser Transfer angesichts der sportlichen Perspektiven Sinn. Doch auch bei Oliver kann man sich nur bedanken. Seine Verpflichtung hat sich letztlich viel mehr gelohnt als das zunächst vorstellbar war.

Abgesehen vom Status Quo in Sachen Großkreutz kann man den BVB-Verantwortlichen überzeugende Arbeit in diesen verrückten letzten Tagen attestieren. Mit einer Ausnahme: Moritz Leitner scheint sich als absoluter Ladenhüter erwiesen zu haben. Oder Tuchel und Zorc sehen in ihm noch etwas, was ich beim besten Willen nicht erkennen kann. Dass Adrian Ramos bleibt und kein neuer Stürmer kommt, ist dagegen absolut nachzuvollziehen.

Die Woche vor der Wahrheit

In sieben Tagen bestreitet Borussia Dortmund das erste Pflichtspiel der Saison 2015/16. Nach Wolfsburg kommt nun Wolfsberg – der österreichische Erstligist hat sich in der 2. Qualifikationsrunde der Europa League auch im Rückspiel gegen Salihorsk durchgesetzt. Wie weit sind die Schwarz-Gelben eine Woche vor der wichtigen Partie in Klagenfurt?

Hauptberufliche BVB-Beobachter haben in den letzten Wochen vor allem die Unterschiede in den Arbeitsweisen und Inhalten von Thomas Tuchel und Jürgen Klopp betont. Häufiger wurde dabei angeführt, dass der neue Trainer mehr am Ballbesitzspiel arbeiten und ein leicht verändertes System, 4-1-4-1, einüben lässt. In dieser Variante gibt es keinen klassischen Achter – Ilkay Gündogan, Nuri Sahin oder ein noch offensiverer Vertreter würden nach vorne gezogen. Auch ein System mit zwei Stürmern sei vorstellbar, hört man.

In der Praxis zeigte die Borussia ein unglückliches Spiel mit guten Ansätzen beim Nachbarn in Bochum (1:2) und eine offensiv sehr ansehnliche Partie in Bad Ragaz gegen Luzern (4:1). Vorne scheint es mehr und mehr zu stimmen. Es wird spannend zu sehen sein, ob der wieder ins Mannschaftstraining eingestiegene Adrian Ramos, den Tuchel früher schon einmal verpflichten wollte, auf dieser positiven Welle mitschwimmen kann. Anderenfalls dürften die sicher schwierigen Bemühungen um einen vernünftigen Stürmer zu einem vernünftigen Preis doch noch mal intensiviert werden. Der Trainer schätzt die Personalsituation auf der Position als eng ein.

Noch nicht sattelfest wirkt die Viererkette. Hier ist noch kein neues Personal in Sicht und auch noch nicht klar, wer außer Hummels Stammspieler wird. Beide der letzten Gegner bereiteten dem BVB gelegentlich Probleme bei schnellen Gegenstößen – was natürlich auch dem Stand und der Mühe der Vorbereitung geschuldet sein kann. Weiterhin scheint man aber eine Verstärkung auf den Außenpositionen nicht als vorrangig anzusehen.

Nachdem glücklicherweise nach und nach alle Akteure auf den Trainingsplatz zurückkehren, hat die Borussia vor allem im Mittelfeld ein Überangebot. Trotz seines Testspieltors sollte Moritz Leitner der erste Abgabekandidat sein. Gespannt bin ich, wie Thomas Tuchel mit ‚Kuba‘ Blaszczykowski plant.

Eine Woche bis zur Europa League. In der man wiederum in einer Woche ganz schnell für miese Stimmung sorgen kann. Wovon aber nicht auszugehen ist, denn die Ansätze sind unter Tuchel durchaus ansehnlich. Doch die Wahrheit sind sie eben nicht.

Dortmund nutzt Überzahl

1. Bundesliga, 26. Spieltag / Hannover 96 2 BVB 3

H96-BVB-32015

Eine nüchterne Überschrift für ein Spiel, das im Stadion durchaus Spaß gemacht hat – doch am Ende war es natürlich ein mühsamer Sieg, bei dem der BVB seine Überzahl zunächst brillant ausnutzte, um am Ende doch noch zittern zu müssen.

Während die Schwarz-Gelben im inzwischen HDI-Arena benannten Stadion stimmlich dank Stimmungsboykott der Gastgeber jederzeit die Oberhand hatten, gelang das auf dem Spielfeld nur streckenweise: Im ersten Viertel des Spiels und nach dem Platzverweis des Ex-Borussen Bittencourt gut 20 Minuten lang. Immerhin gelangen in diesen Phasen drei Tore, darunter das besonders schöne 3:1, das Kagawa mit einem tollen Pass per Außenrist für Aubameyang vorbereitete. Sieht man es positiv, waren im BVB-Spiel wieder jene Elemente zu sehen, die in den letzten Wochen fehlten: flüssig herausgespielte Torgelegenheiten, effektiver Kombinationsfußball.

Hätten Sokratis aus kurzer Distanz nach einer Flanke oder Reus allein vor Zieler den Ball ebenfalls im Tor versenkt, wäre die Partie nach 80 Minuten gelaufen gewesen. Da das nicht gelang, wurden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass die Dortmunder Defensive immer noch nicht die Stabilität vergangener Jahre erreicht hat. Dabei waren die beiden Gegentreffer noch insofern verzeihlich, dass sie von 96 wirklich gut gemacht waren: ein gut kombinierter Angriff (nach Ballverlust von Kuba) und ein schöner Schuss von Stindl. In anderen Szenen wirkte das Positionsspiel der BVB-Abwehr noch unsicherer – doch die Gastgeber vergaben oder Roman Weidenfeller und Mats Hummels waren noch zur Stelle.

Was am Ende zählt: Der Borussia gelangen ein Auswärtssieg bei einem spielerisch passablen Gegner und drei Tore. Mit ‚Kuba‘ Blaszczykowski (trotz seines Fehlers), dem verbesserten Kagawa und dem Debüt von Jeremy Dudziak als Linksverteidiger überzeugten drei personelle Alternativen. Jetzt ist Pause und dann kommen die nicht unbesiegbaren Bayern.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Kirch (58. Dudziak), Subotic, Hummels, Sokratis – Kehl, Gündogan (72. Bender) – Blaszczykowski, Kagawa, Reus (90. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Aubameyang (2), Kagawa

Kein Karneval vor Rosenmontag

Borussia Dortmund steht trotz Feierlaune unter den eigenen Fans nach der Reus-Verlängerung zunächst vor der Aufgabe, am Freitagabend den Gästen aus Mainz ein fröhliches Karnevalswochenende zu vermiesen. Nach wie vor gehört der Klub aus der Landeshauptstadt zu den sympathischsten der Liga und leistet erstaunlich gute Arbeit. Doch nach dem Abschied von Thomas Tuchel läuft es in dieser Saison noch nicht reibungslos. Europa League- und Pokal-Aus, schwankende Leistungen in der Liga – wohin die Reise mit dem neuen Trainer Kaspar Hjulmand geht, bleibt abzuwarten.

Der Däne hat viel ausprobiert. Jürgen Klopps Aussage in der heutigen Pressekonferenz, dass er nicht wisse, welche Formation er von Mainz zu erwarten habe, klingt plausibel. Bei der Heimniederlage gegen die Hertha handelte es sich um ein 4-2-3-1, das dem der Borussia ähnelte. Eine Änderung am Freitag dürfte dennoch nicht unwahrscheinlich sein.

Neben dem Spanier Jairo, der vom aus Gelsenkirchen ausgeliehenen Christian Clemens ersetzt werden dürfte, stehen den Mainzern auch Moritz und Nedelev nicht zur Verfügung. Am gravierendsten dürfte die Gäste jedoch der Ausfall des jungen Torwart-Shooting-Stars Loris Karius treffen, der gesperrt ist. Für ihn kommt zum ersten Mal von Beginn an die griechische Nummer 2 im Kasten, Stefanos Kapino, zum Einsatz. Außerdem könnten die Schwarz-Gelben dem aus eigenem Haus verliehenen Jonas Hofmann gegenüberstehen.

Jürgen Klopp hat das Hinspiel in der Coface-Arena als den eigentlichen Beginn der Dortmunder Talfahrt ausgemacht – damals gab es eine dumme 0:2-Niederlage nach dem Gala-Auftritt gegen Arsenal. Vor der Chance zur Wiedergutmachung hat sich die schwarz-gelbe Stimmung aufgehellt. Personell stehen dem Trainer offensiv jede Menge Alternativen zur Verfügung; nur Kuba könnte mit einer Nasennebenhöhlenentzündung ausfallen. Kevin Großkreutz, zuletzt defensiv eingesetzt, fehlt ebenfalls. Dazu gesellen sich mit dem kranken Durm sowie Kehl und Bender, die noch nicht im Mannschaftstraining sind, weitere Defensivspieler. Es dürften also erneut Schmelzer und Piszczek außen sowie Sahin und Gündogan im zentralen Mittelfeld beginnen.

Kann die Borussia das Ausmaß an Selbstbewusstsein und Freude am Spiel aus Freiburg bewahren, wäre Mainz 05 ein Gegner, der uns derzeit liegen könnte. Mit einem Sieg mit drei Toren Differenz würde der BVB an den Gästen vorbeiziehen; mit jedem Sieg würde eine tolle schwarz-gelbe Woche gekrönt und gegenüber der Konkurrenz im Abstiegskampf ordentlich vorgelegt. Weniger sollte es aber auch nicht sein.

Erlösung im Breisgau

1. Bundesliga, 20. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 3

Borussia Dortmund hat den ersten Schritt zurück zur Normalität geschafft. Das mag nach allem was passiert ist etwas hoch gegriffen klingen, doch der Auswärtssieg in Freiburg war zusammen mit dem Hinspiel der beste Saisoauftritt der Schwarz-Gelben in der Bundesliga. Natürlich lag das auch am Gegner, dem wir offensichtlich nicht liegen. Auch gestern offenbarte die Freiburger Abwehr Schwächen, die selbst die vom BVB in den letzten Monaten gezeigten Defizite noch überboten. Doch das zumindest vergleichsweise extrem überzeugende 3:0 zeigte jedem aufmerksamen Beobachter, was der Dortmunder Kader leisten kann. Das Wichtigste: Auch die Mannschaft selbst dürfte das gemerkt haben.

Jürgen Klopps Änderungen der Startelf – Subotic für Sokratis, Kagawa für Immobile, den Aubameyang in der Spitze ersetzte – waren nicht direkt naheliegend. Sie müssen wohl auf Trainingseindrücken beruht haben. Entscheidend daran war nur, dass Pierre-Emerick Aubameyang ganz vorne ran durfte und davon befreit war, weite Flanken schlagen zu müssen. Was sich für den Sportclub verheerend auswirkte. Auba war an allen drei Treffern maßgeblich beteiligt. Beim ersten, der für den BVB perfekterweise nach 09 Minuten fiel, war er nach einem zu kurzen Rückpass von Frantz auf Torwart Bürki zur Stelle und überließ den Ball am Ende Reus, der das leere Tor vor sich hatte. Das 2:0 nach einem perfekt getimeten Pass von Gündogan war in der Folge Auba pur und beim dritten krönte er einen Spielzug wie zu besten Dortmunder Zeiten, an dem unter anderem der eingewechselte Kuba beteiligt war.

Man konnte vom gestrigen Spiel bei sonnigem Wetter, aber nach Meinung der Gastgeber bescheidenem Rasen schlichtweg nicht mehr erwarten. Aus schwarz-gelber Sicht war es eine von Anfang an viel konsequenter und sicherer geführte Partie – schon vor dem frühen 1:0 hatte die Borussia zwei Chancen. Und ja, es wirkte auch alles viel positiver, wie von Jürgen Klopp gefordert. Sicher war die Führung, so banal das klingt, extrem wichtig. Denn der BVB konnte danach genau das machen, was ihm zuletzt selten vergönnt war: Das Spiel aus der eigenen Hälfte kontrollieren und auf Möglichkeiten zu schnellen Gegenstößen warten. Der Freiburger Offensive fehlten weitgehend die Ideen für ein Gegenrezept.

Neven Subotic fand sich nach zwei Unsicherheiten in der ersten Hälfte sehr gut in die Partie hinein und auch Shinji Kagawa machte eine solide Partie. Am ehesten könnte man hinter den sehr unauffälligen Nuri Sahin ein Fragezeichen setzen, aber in Wahrheit wäre es unfair, nach diesem Turnaround etwas zu kritisieren.

Natürlich: Niemand sollte sich dazu hinreißen lassen, die Lage jetzt plötzlich wieder rosarot darzustellen. Zum einen, weil die Freiburger gestern ein in fast allen Aspekten schwacher Gegner waren. Zum anderen, weil auch andere Klubs im Tabellenkeller im Aufwind sind: Bremen, der HSV und sogar Hertha BSC haben ebenfalls gesiegt, die ersten beiden bereits mehrfach. Huub Stevens‘ VfB wird ebenfalls ein unangenehmer Gegner sein; vom Effzeh Köln wissen wir das bereits. Trotzdem: Der Glaube an das gute Ende ist zurück in Dortmund. Das könnte entscheidend sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan (80. Ginter), Sahin – Kampl (68. Blaszczykowski), Kagawa, Reus (80. Mkhitaryan) – Aubameyang. Gelbe Karten: Piszczek, Kagawa. Tore: Reus, Aubameyang (2)

Sind wir gut drauf?

Dortmund nach Utrecht und Düsseldorf – und wir sind, wie meistens nach Testspielen, nicht wirklich schlauer. Unter der Woche zeigten die Schwarz-Gelben in den Niederlanden eine ansprechende Leistung und Neuzugang Kevin Kampl traf zum ersten Mal. Der kurzfristig angebotene Livestream wurde einem allerdings durch die penetrant nervige Opel-Werbung von Kommentator Nobby Dickel verleidet.

Doch es machte mehr Spaß zuzuschauen als am Samstag. Denn gegen den Tabellensechsten der zweiten Bundesliga waren Muster zu erkennen, die deutlich an die BVB-Auftritte der Hinserie erinnerten. Probleme beim Erarbeiten von Chancen gegen eine kompakte, tief stehende Abwehr. Probleme, bei schnellen Gegenstößen der Fortuna selbst hinten nah genug am Mann zu bleiben. Und – zumindest während der Begegnung – ein neues Verletzungsproblem: Ilkay Gündogan wurde bereits nach 28 Minuten ausgewechselt und hielt sich beim Gang in die Kabine den Oberschenkel.

Jürgen Klopp hatte nach den Ausfällen von Kehl und Bender auf ein offensives zentrales Mittelfeld mit Ilkay und Nuri Sahin gesetzt. Ob diese Besetzung nun wieder gesprengt ist, bleibt abzuwarten. Nach derzeitigem Stand war der Wechsel in Düsseldorf eher eine Vorsichtsmaßnahme; Gündogan könnte kommenden Samstag in Leverkusen durchaus zur Verfügung stehen. Ob Klopp gegebenenfalls diese Variante wählen wird? Eigentlich ist das auswärts gegen ein spielstarkes Team kaum vorstellbar – wobei Ilkay für das Offensivspiel, die öffnenden Pässe nach der gestrigen Partie unverzichtbar erscheint. Das vielversprechende Duo Reus/Kampl benötigt beim Spielaufbau seine Unterstützung.

Bei allen Fragezeichen hinter Matthias Ginter gibt es nächste Woche keinen Grund, ihm Nuri Sahin vorzuziehen. Denn eine zusätzliche Absicherung für die immer noch nicht sattelfeste Defensive scheint fast genauso unverzichtbar wie Ilkays Einsatz. Die Probleme in der Außenverteidigung waren auch gestern zu sehen und Mats Hummels war ebenfalls wieder mit einem unnötigen Fehlpass dabei. Nun sprach Jürgen Klopp nach der Partie von mangelnder Frische wegen des intensiven Trainings – diese Theorie gilt es am Samstag zu bestätigen.

Im offensiven Mittelfeld sollte der Trainer dafür dann die Qual der Wahl haben. Henrikh Mkhitaryan wurde nach seiner Verletzung gestern eingewechselt, Shinji Kagawa ist mit Japan aus dem Asien-Cup ausgeschieden und ‚Kuba‘ Blaszczykowski holte in Düsseldorf einen 50:50-Elfmeter heraus und verwandelte ihn zum Ausgleich. Großkreutz und Jojic sind weitere mögliche Ergänzungen für die sicher gesetzten Reus und Kampl.

Im Moment ist die Spannung ebenso groß wie die Vorfreude auf die Rückserie. Ob sich die Borussia nach den jüngsten Eindrücken allerdings wirklich zeitnah aus der Abstiegszone verabschieden wird, halte ich für keineswegs ausgemacht – da wirkt die Vorsicht eines Aki Watzke schon realistisch.

Der kalte Hauch des Fußballs

1. Bundesliga, 15. Spieltag / Hertha BSC 1 BVB 0

Spieler in der Kurve

 

Es war kalt am Samstagnachmittag im Berliner Olympiastadion und selbst der empfehlenswerte Fruchtpunsch half da nicht viel weiter. Es lag weniger an den Temperaturen, die schon in so manchem Bundesligaspiel locker unterboten wurden. Unterkühlt war vor allem der Auftritt der schwarz-gelben Feldspieler. Ideenlos und uninspiriert. Mag auch die Metapher stumpf sein, der Auftritt des BVB war noch viel stumpfer.

Hertha BSC musste nicht mehr tun, als im Zentrum entschlossen in die Zweikämpfe zu gehen und die Fehler der Borussen auszunutzen. Ohne sonst viel anzubieten kamen die Gastgeber mit zwei, drei gut getimeten Pässen gefährlich vors Dortmunder Tor. Einmal landete der Ball am Seitennetz, einmal klärte Mitch Langerak stark mit dem Bein, einmal traf Julian Schieber. Genau der, genau wie es abzusehen war. Und den entscheidenden Ballverlust leistete sich ausgerechnet der kurz zuvor für den verletzten Mkhitaryan eingewechselte Kuba, dem man wahrlich ein schöneres Liga-Comeback gewünscht hätte. Im Anschluss geht allerdings noch Hummels‘ Grätsche ebenso daneben wie Kehls Abwehrversuch; der Ex-Kapitän landet am Ende sogar auf dem Hosenboden. Weiterlesen „Der kalte Hauch des Fußballs“

Urlaub. Pause. Borussia!

Wer hätte gedacht, dass sich die erneute Verpflichtung von Shinji Kagawa so schnell als wichtig erweisen würde? Marco Reus erneut Deutschland-geschädigt, ‚Kuba‘ Blaszczykowski mit Muskelfaserriss, der auch die Sehne betrifft, Ilkay Gündogan auf einem guten Weg, aber noch nicht bereit – auf alle drei wird die Borussia noch mehrere Wochen, im Fall Kuba bis zu sechs, verzichten müssen. Wie stark ist die Borussia ohne sie, aber mit Shinji?

Eine spannende Diskussion, die hier aber erst ab 22. September wieder geführt werden wird. Vorher bin ich in Urlaub. Geht aber mal davon aus, dass ich mitbekommen werde, wie das mit der Borussia so weiterläuft!

Kreuzband gerissen, Sieglos-Serie nicht

1. Bundesliga, 18. Spieltag / BVB 2 FC Augsburg 2

Das hätten sich alle Schwarz-Gelben anders vorgestellt: Die Borussia macht zwar einen Punkt auf die nächsten Konkurrenten gut, bleibt jedoch auch im vierten Ligaspiel hintereinander sieglos. Aber mit Abstand am bittersten: Jakub ‚Kuba‘ Blaszczykowski reißt sich bereits nach vier Minuten ohne Gegnereinwirkung das vordere Kreuzband. Nach Neven Subotic ist die Saison nun auch für den polnischen Flügelspieler vorzeitig beendet.

Im Westfalenstadion reagierte die Mannschaft zunächst vorbildlich auf die sichtlich schwere Verletzung von Kuba: Noch in Unterzahl entwischte Sven Bender bei einem Reus-Freistoß seinem Bewacher und köpfte den Ball mustergültig an Torwart Hitz vorbei in den Kasten. In der Folge hatten die Schwarz-Gelben das Geschehen im Griff, ließen lediglich eine Halbchance der formstarken Gäste zu und hatten ihrerseits einige Möglichkeiten zum 2:0. Lewandowski zielte in einer 1-zu-1-Situation direkt auf den Torwart, Mkhitaryan vergab halblinks im Strafraum und das war noch nicht alles. Die beste Chance hatte dann Reus einige Minuten vor der Pause, als er reichlich frei am Sechzehnmeterraum zum Schuss kam und rechts verzog.

Ein perfektes Spiel wie phasenweise im Testkick gegen Duisburg war es allerdings nicht. Es gab eine Reihe unnötiger Fehlpässe und mehrere Akteure, von denen wenig Impulse kamen. Kevin Großkreutz blieb bei seinen Vorstößen über rechts farblos, Nuri Sahin fiel ’nur‘ durch sein schönes Freistoßtor zum 2:1 auf und Marco Reus fehlte in nahezu allen Strafraumszenen inklusive seiner zwei Freistöße in die Mauer die Effektivität. Erneut mit Abstand am überzeugendsten in der Offensive agierte Robert Lewandowski – das ist jetzt erst mal kein gutes Omen für die Zukunft. Weiterlesen „Kreuzband gerissen, Sieglos-Serie nicht“