Zwei Hände reichen Weidenfeller

1. Bundesliga, 11. Spieltag / FC Augsburg 1 BVB 3

Bundestrainer Joachim Löw würde BVB-Torwart Roman Weidenfeller nicht mal dann zur Nationalmannschaft berufen, wenn dieser vier Arme hätte. Eigentlich schien der Keeper das schon begriffen zu haben, aber nach der erneuten Nichtberücksichtigung und einer erneut herausragenden Leistung beim Spiel in Augsburg hat er sich kritisch zur fragwürdigen Nominierungspolitik Löws geäußert. Dabei ist die nun wirklich nichts Neues.

Die Borussia musste gestern im herrlich nichtssagend „SGL-Arena“ genannten Stadion mehr als erhofft auf die Flugkünste und sonstigen Fertigkeiten der Nummer 1 vertrauen. Der FC Augsburg zeigte vor allem in der ersten Halbzeit gepflegten Fußball, presste früh und kombinierte sogar gefällig, nur um an der längst bekannten letzten Hürde zu scheitern: dem Torabschluss. Nur manches war dabei selbst verschuldet – Roman Weidenfeller parierte einige gefährliche Schüsse glänzend. Defensiv zeigte sich der BVB nicht so stabil wie vermutet. Mehrmals brachten Stellungsfehler und langsame Reaktionen die Abwehr in die Bredouille. Dem für den angeschlagenen Subotic ins Team gerückten Felipe Santana merkte man zunächst die fehlende Spielpraxis deutlich an.

Man kann sich darüber streiten, ob das frühe Tor einen positiven oder negativen Einfluss auf das Spiel der Schwarz-Gelben hatte. Jedenfalls traf Marco Reus mit einem Kunst-Freistoß aus spitzem Winkel von links den rechten Pfosten, von wo der Ball ins Tor von Simon Jentzsch sprang. Vielleicht war es verständlich, dass die Borussia danach nicht so wirkte, als ob sie am Limit spiele, doch manche der schnellen Augsburger Angriffe waren gefährlicher als einem lieb sein konnte. Zwischendurch verflachte die Partie – auch offensiv kreierte der BVB nach ansehnlichen Anfangsminuten zu viele Abspielfehler, wirkte zeitweise ideenlos. Hoffnung auf Besserung machte kurz vor der Pause ein Pfostenkracher von Mario Götze, der einige Minuten zuvor auf eigensinnige Weise eine Chance vergeben hatte, als er den Ball nicht an den in seinem Blickfeld auftauchenden Mitspieler weiterleitete.

Als BVB-Fan setzte man auf eine deutliche Halbzeitansprache von Jürgen Klopp. Diese dürfte es gegeben haben, auch wenn sie sich erst nach einigen Minuten des zweiten Durchgangs niederschlug. Es wurde besser, nicht nur wegen der Tore. Die Borussia wirkte engagierter in den Zweikämpfen und zielstrebiger nach vorne. Roman Weidenfeller hielt gestern nicht nur brillant, sondern leitete auch das 2:0 ein. Sein langer Abschlag landete bei Götze, der den Ball diesmal gekonnt und mustergültig an Lewandowski weitergab; der Stürmer war schneller als zwei Augsburger Abwehrspieler und spitzelte den Ball durch Jentzschs Beine ins Tor. Noch schöner war in der 70. Minute das 3:0, bei dem Robert nach toller Vorbereitung von Marco Reus nur noch einschießen musste. Zuvor hatte sich Bender im Mittelfeld den Ball von Otll geholt.

Den Unterschied machte gestern die Qualität im Abschluss und im Tor. Die Gastgeber steckten nie auf und versuchten nach vorne alles: Trainer Weinzierl brachte mit Musona, Mölders und Bancé drei Offensivleute. Die Chancen waren da, doch nur der zuletzt länger verletzte Mölders traf per Kopf, nachdem bei einer Flanke von links zwei Dortmunder gegen zwei Augsburger standen. Noch in der Nachspielzeit musste Roman Weidenfeller einen sehr platzierten Weitschuss von Ostrzolek über die Latte lenken.

Trotz schöner Tore und des erwarteten Sieges gibt es für den BVB in der Liga also noch einiges zu verbessern. Vielleicht klärt sich das eine oder andere aber auch durch personelle Alternativen. Die Rückkehr von Jakub Blaszczykowski steht bevor – seine Zielstrebigkeit und sein Engagement können der Borussia offensiv wie defensiv helfen. Neven Subotic hat wie Marcel Schmelzer wegen einer Blessur sein Länderspiel nächste Woche abgesagt, beide sollten jedoch bis zum Samstag wieder einsatzbereit sein. Derzeit ist Neven der konstanteste Innenverteidiger – gestern wurde er vermisst, hätte im Notfall aber eingewechselt werden können.

Ob Roman Weidenfeller sich das Länderspiel gegen die Niederlande anschauen wird, ist unbekannt. Er wird sich weiterhin auf den Verein konzentrieren – seine Enttäuschung hat ihn gestern mit Sicherheit nicht negativ beeinflusst. Bis der Bundestrainer Jürgen Klopp heißt, dauert es noch eine Weile.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Santana, Hummels, Schmelzer – Bender, Gündogan – Großkreutz, Götze (76. Leitner), Reus (85. Kirch) – Lewandowski (74. Schieber). Gelbe Karten: Weidenfeller, Bender. Tore: Reus, Lewandowski (2)

So war die schwarz-gelbe Woche

Es begann alles in Hannover. Die niedersächsische Landeshauptstadt ist eine 2 1/2-stündige Autofahrt von Berlin entfernt und daher immer eine beliebte Auswärtsfahrt bei BVB-Fans von der Spree. Persönlich finde ich, dass es außer den Getränkepreisen und Martin Kind wenig am Bundesliga-Standort Hannover auszusetzen gibt. Natürlich hätte ich noch mehr zum Tag und dem Spiel schreiben können – allein, es fehlte die Zeit. Das Fazit: Kein völlig unverdientes Unentschieden für die Gastgeber, aber es hätte kurz vor Schluss durchaus Freistoß oder Elfmeter für die Borussia geben können, auch wenn der Gefoulte Marco Reus das anders sah.

Buntes Unentschieden in Hannover

Neben dem letztlich unbefriedigenden Ergebnis, das jedoch immerhin einen Fortschritt zur letzten Hannover-Fahrt darstellte, hatte der BVB nach dem Spiel drei verletzte Spieler zu beklagen. Jakub Blaszczykowski erwischte es ohne gegnerische Einwirkung am schlimmsten, er fällt mit einem Teilriss des Syndesmosebandes etwa sechs Wochen aus. Kuba in Bestform ist wie ein Zug zum Tor – verdammt schwer aufzuhalten. Er wird uns fehlen, gerade in der Champions League. Mats Hummels erlitt eine Fußverletzung und Sven Bender beim Zusammenprall mit Ya Konan eine Schädel- und Augapfelprellung. Beide könnten bei normalem Heilungsverlauf im Derby wieder einsatzbereit sein.

Für die drei Auswechslungen kann man nur bei Manni den Gegenspieler wirklich mitverantwortlich machen. Ya Konan ging einfach zu ungestüm in den Mann. Nach dem Testspiel in Koblenz kam ein vierter, allerdings nur kurzzeitig Verletzter hinzu: Kevin Großkreutz bekam beim 2:1 der Nicht-Nationalspieler gegen den Regionalligisten einen Schlag auf den Fuß. Weiterlesen „So war die schwarz-gelbe Woche“

Sommertheater

Mitte Juni. Sommerloch für Sportjournalisten (und Blogger). Immerhin kann man sich auf die deutsche Fußball-Dreipeinlichkeit – Joachim Löw, Theo Zwanziger und Uli Hoeneß – verlassen. Die geben einem immer Stoff. Wie gut der ist, spielt erst mal keine Rolle.

Vorhersehbar war das Schlusskapitel von Michael Ballacks Länderspiel-Geschichte. Jeder hat gewusst, dass Joachim Löw den verletzungsanfälligen Kapitän loswerden und ihm keine Chance mehr geben wollte. Niemand versteht jedoch, warum es nötig war, bis in den Juni zu warten, bevor Löw das offiziell machte. Die Form, wie die beiden Seiten nun über- und gegeneinander kommunizieren, erstaunt jedoch selbst im Sommerloch. Feinstes Schmierentheater. Ballack und der Bundestrainer bezichtigen sich gegenseitig der Lüge. Die beiden Versionen, was bei dem Gespräch Ende März gesagt und vereinbart wurde, stehen sich diametral gegenüber. Hat Löw seinem Kapitän Hoffnungen gemacht und ihm versprochen, einen eventuellen Rücktritt selbst bekanntgeben zu dürfen? Oder hat er Ballack schon damals klipp und klar das Aus angekündigt und ihm sogar noch zwei weitere Länderspiele angeboten, um auf die ‚100‘ zu kommen?

Es wird sehr schwer, da noch mal auf einen Nenner zu kommen. Weder Löw noch Ballack hatten einen wirklichen Grund, die Bekanntgabe der Nachricht so lange hinauszuzögern. Es spricht nicht für die Kommunikationsfähigkeit der beiden Akteure, dass es nun zu diesem peinlichen Sommertheater gekommen ist. Und die vermeintlichen ‚Fachleute‘ auf diesem Gebiet, Wolfgang Niersbach und Oliver Bierhoff, haben ebenfalls nichts Konstruktives beigetragen. Das Schöne an der Geschichte ist, dass sie meine Meinung von den handelnden Personen bestätigt und keine schwarz-gelben Interessen betrifft. Eine sommerliche Randnotiz zum Kopfschütteln und Staunen eben.

Klub gegen Land

Gestern trat England zum EM-Qualifikationsspiel gegen Wales im Millennium Stadium von Cardiff an und gewann mit 2:0. So weit, so wenig überraschend. Die Partie wurde um 15 Uhr Ortszeit angepfiffen, obwohl die FA (Fußballverband) in England den Grundsatz hat, dass zu dieser Zeit keine heimischen Live-Spiele im Fernsehen laufen sollen, um den unterklassigen Fußball zu schützen. Diese Regel befolgt normalerweise auch die walisische FA, schließlich spielen unter anderem die beiden größten Vereine aus Wales, Cardiff City und Swansea City, in der englischen Championship.

Warum sich die beiden britischen Verbände über den vor allem auf den Ligabetrieb bezogenen Grundsatz hinwegsetzten, wurde nicht direkt kommuniziert, ist aber unschwer zu erraten. Man erhoffte sich im britischen Duell von der traditionellen britischen Anstoßzeit die höchstmöglichen Einschaltquoten und Einnahmen. Die beiden obersten englischen Ligen, die Premier League und die Championship, legen an Länderspiel-Wochenenden selbstverständlich eine Pause ein und waren so nicht betroffen. Dagegen stellte sich für alle Vereine ab der League One abwärts die Frage, ob sie beim üblichen Termin bleiben oder ihre Partien um Stunden oder einen Tag nach hinten oder vorne verschieben sollten.

Von den verbleibenden 24 Profispielen aus League One und League Two wurden 23 verschoben. Die einzige Partie, die gestern um 15 Uhr angepfiffen wurde, war Bradford City gegen Shrewsbury Town in der League Two (4. Liga). Natürlich hatten auch die Verantwortlichen der gastgebenden ‚Bantams‘ Interesse an einer Verlegung gehabt, aber die Gäste aus Shrewsbury spielten nicht mit. Ein Termin am Sonntag kam für sie nicht in Frage, weil sie bereits am Dienstag ihr nächstes Spiel haben. Für ein Vorziehen der Begegnung auf Samstagmittag forderten sie die Übernahme der Kosten für die dann notwendige Übernachtung durch die Gastgeber. Dies lehnte Bradford ab. Weiterlesen „Klub gegen Land“

Vier Dortmunder in Schweden

Gestern fand in Göteborg das letzte Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in diesem Jahr statt. Die Temperatur lag unter dem Gefrierpunkt, der Platz war hart und das Spiel langweilig. Der einzige Grund, mir dieses Gekicke gegen Schweden anzutun, war selbstverständlich die Beteiligung von gleich vier BVB-Spielern. Joachim Löw ließ tatsächlich alle Borussen spielen, drei von ihnen – Schmelzer, Hummels und Großkreutz – standen in der Startelf. Es folgen in angemessener Kürze meine Eindrücke von den Leistungen der schwarz-gelben Jungs.

Marcel Schmelzer: Angesichts der nicht gerade zahlreichen Alternativen auf der Linksverteidiger-Position konnte man auf Schmelles Debüt besonders gespannt sein. Bis auf einen Stellungsfehler in der ersten Hälfte machte Marcel seine Seite dicht, wurde jedoch von den sehr defensiven Schweden auch kaum gefordert. Er war engagiert, schaltete sich wiederholt ins Angriffsspiel ein, schlug allerdings kaum Flanken, sondern beließ es bei sicheren Kurzpässen. Die beste Szene hatte Schmelzer, als er aus der Distanz abzog und Torwart Isaakson zu einer Parade zwang – der Schuss war allerdings nicht extrem gefährlich. In der zweiten Halbzeit fiel Marcel weniger auf, wirkte aber defensiv stets präsent. Alles in allem ein ordentliches Debüt, auf dem sich aufbauen lässt.

Mats Hummels: In seinem zweiten A-Länderspiel stand Hummels über die vollen 90 Minuten auf dem Platz. Zusammen mit Westermann hatte er in der Innenverteidigung keinerlei Probleme, was wie gesagt auch am harmlosen Gegner lag. Die IV stand nicht so hoch wie häufig beim BVB und Mats schaltete sich selten bis nie ins Angriffsspiel ein – das hatte der Bundestrainer wohl auch nicht verlangt. Gegen Ende hatten die Schweden ihn so weit eingeschläfert, dass ihm doch noch eine kleine Unachtsamkeit unterlief, die allerdings nicht der Rede wert war. Insgesamt ein unspektakulärer, sicherer Auftritt von Hummels, dem Löw aber noch mehr zutrauen könnte.

Kevin Großkreutz: Auch wenn der Bundestrainer nach dem Spiel alle jungen Spieler lobte, so hatte man sich von Kevin doch ein paar Impulse mehr erwartet. Vor allem in der ersten Hälfte war von ihm kaum etwas zu sehen. Ja, er lief wie immer viel, aber es mangelte an der Effizienz. In den zweiten 45 Minuten war er an zwei, drei ordentlichen Angriffen beteiligt, die letztendlich doch zu nichts führten. Wie der gesamten Offensive mangelte es Großkreutz an Ideen (wenn sie einer hatte, dann Holtby). In Dortmund ist er dafür nicht primär zuständig, in Göteborg wirkte es so, als sei Kevin deshalb nicht richtig eingebunden.

Mario Götze: Kam für eine knappe Viertelstunde. Wie heißt es immer: Er brachte frischen Wind. Eine frühere Einwechslung Marios (der übrigens Großkreutz ersetzte) hätte der deutschen Mannschaft wahrscheinlich gutgetan, aber aus schwarz-gelber Sicht fand ich den Kurzeinsatz ok. Götze bewegte sich gut, hatte ein paar ansehnliche Aktionen, allerdings ohne dem Spiel noch seinen Stempel aufdrücken zu können.

Der Anwalt der Zweiten Liga

(Updated) Eines muss man Uli Hoeneß lassen: Er weiß, wie man Wahlkampf macht. Unmittelbar nach Bekanntgabe seiner Kandidatur für die Position des DFL-Präsidenten hat er die Themen aufgegriffen, die in aller Munde sind und sich an ein Wählerklientel gewandt, das ihm in seinen bisherigen Funktionen beim FC Bayern eher kritisch gegenüberstand.

Gegenüber Amtsinhaber und BVB-Präsident Reinhard Rauball will Hoeneß mit der Behauptung punkten, dass er näher dran sei an ‚den Leuten‘. Und gibt gleich ein anschauliches Beispiel für den Fall, dass er in einer parallelen Realität bereits Ligaverbandspräsident ist: Mit ihm wären die Vertragsverhandlungen mit Joachim Löw,  zuvorderst natürlich DFB-Aufgabe, anders verlaufen:

Ich glaube, meine Beziehungen zu allen Beteiligten und zur Nationalelf sind so gut, dass ich ein guter Vermittler in dem Geflecht DFB, DFL und Nationalelf wäre. Ich glaube, hätte ich diese Position schon innegehabt, hätten wir jetzt nicht die Problematik mit der Vertragsverlängerung von Löws Team.

Sagt das derselbe Mann, der immer wieder die Freundschaftsspiele der DFB-Auswahl kritisiert hat? Die guten Beziehungen zur Nationalelf hängen wohl in hohem Maße mit der Benennung des Bayern-lastigsten WM-Kaders seit langer Zeit zusammen.

Hoeneß‘ zweite Stoßrichtung macht aus wahltaktischer Hinsicht genauso viel Sinn wie die populistischen Äußerungen zu Löw. Der Bayern-Präsident will den kleinen Vereinen mehr Geld verschaffen. Ein Vorhaben, das bisher nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste stand. Dazu will er natürlich nicht von den Reichen nehmen, sondern insgesamt höhere Einnahmen für die Liga erzielen. Hoeneß verweist auf die Strahlkraft seiner Person, seine Erfahrungen im Lobbyismus. Und nicht zu Unrecht auf die Tatsache, was er in den letzten Jahrzehnten aus dem FC Bayern gemacht hat.

Nur musste Hoeneß in dieser Zeit keine widerstreitenden Interessen unter einen Hut bringen, sondern konnte sich allein dem Wohl des FCB widmen. Ob für die Aufgabe bei der DFL nicht der bedächtigere Rechtsanwalt Rauball besser geeignet wäre, dem Hoeneß vielleicht in öffentlicher Kommunikation überlegen sein mag, aber nicht, wenn es um Moderation und Ausgleich geht? Ich glaube nicht, dass der Bayern-Präsident das Thema ‚Dezentrale TV-Vermarktung‘ als DFL-Chef noch mal forcieren würde – ich traue ihm durchaus zu, dass er über solchen Partikularinteressen stehen kann. Hoeneß ist jedoch FC Bayern durch und durch – einer flacheren Verteilung der TV-Gelder würde er noch viel weniger zustimmen.

Wahlkampf macht er, wie man es von ihm gewohnt ist: Lautstark und mit deutlichen Ansagen. Das wäre ok, wenn Substanz dahinterstecken würde. Letztlich sind Hoeneß‘ Aussagen aber nur wolkige Versprechungen. Das Thema Löw ist in diesem Zusammenhang schlicht irrelevant. Woher neue Gelder für die 1. und 2. Liga kommen sollen, bleibt unklar. Höhrere TV-Einnahmen sind vorerst nicht zu erwarten. Am ehesten könnte unter Hoeneß‘ Führung doch noch ein Verkauf der Namensrechte der Bundesliga zustandekommen – vielleicht an die Spezis von T-Com.

Es ist nicht gesagt, dass Hoeneß die Aufgabe als DFL-Präsident schlecht machen würde. Ich traue ihm zu, dass er sich auf neue Herausforderungen einstellen kann. Trotzdem bezweifle ich, dass ein Lautsprecher wie er von Vorteil für die Liga ist. Alle wichtigen Themen, wie etwa den Glücksspiel-Staatsvertrag, hat auch Rauball erkannt und wird sie angehen. Und obwohl sich Hoeneß selbst als Anwalt der Kleinen bezeichnet, glaube ich nicht, dass ausgerechnet der Präsident des mit Abstand reichsten und mächtigsten Vereins der oberste Vertreter der 36 DFL-Clubs werden sollte.

UPDATE: Ok, das war extrem unglückliches Timing. Uli Hoeneß hat soeben seine Kandidatur als DFL-Präsident aus familiären Gründen zurückgezogen. Rauball bleibt wohl im Amt. Vorbildhaft finde ich das Vorgehen von Hoeneß nicht: Man gibt mit dem üblichen Mediengetöse seine Kandidatur bekannt, greift gleich im Interview den Amtsinhaber an (was im Wahlkampf natürlich legitim ist) und zieht dann wieder zurück. Hätte der Uli nicht vorher mit seiner Familie sprechen können oder steckt etwa ein Deal dahinter?

Die Halbwertszeit ist vorbei

Vieles, was in der ersten WM-Woche geschrieben wurde, beginnt sich bereits zu relativieren. Fußball ist bekanntlich ungemein schnelllebig – zu schnelllebig für den einen oder anderen. Die Spiele in Südafrika sind besser oder zumindest spannender geworden – eine Steigerung, die aufgrund des sich erhöhenden Drucks zu erwarten war. Die deutsche Mannschaft, nach dem 4:0-Sieg gegen Australien schnell zum Mitfavoriten erklärt, wurde von Serbien gebremst und könnte im letzten Gruppenspiel gegen Ghana zum Siegen verdammt sein. Die Gelb-Rote Karte gegen Miroslav Klose war so unberechtigt wie die Rote gegen Tim Cahill letzten Sonntag. Joachim Löw wirkte heute mit seinen fragwürdigen Wechseln sehr irdisch und fehlbar. Und es zeigte sich, dass es nicht ausreicht, ein Bayern-Trikot zu tragen, um ein fähiger Nationalspieler zu sein. Bei Serbien kam unterdessen der Dortmunder Neven Subotic über 90 Minuten zum Einsatz und wirkte präsent und souverän.

Wenn sich überhaupt ein Trend aus den bisherigen Partien herauslesen lässt, dann der, dass es das Turnier der Südamerikaner werden könnte. Alle fünf Vertreter haben gute Chancen, sich fürs Achtelfinale zu qualifizieren – Stand heute. Alle fünf Mannschaften haben passablen bis guten Fußball gezeigt. Argentinien und ja, auch Brasilien, könnten die südamerikanische Nullrunde, die das WM-Halbfinale in Deutschland darstellte, vergessen machen. Mal sehen, ob diese Vorhersage die drei restlichen Turnierwochen übersteht.

Dritter Torwart wird der FC Bayern

Joachim Löws Nominierungen für den vorläufigen WM-Kader 2010 beruhen auf drei Voraussetzungen: Langfristige Loyalität, kurzfristiger Erfolg und richtiger Verein. Häufig fallen die beiden letzten Punkte zusammen. Eine mittelfristige Einschätzung der Leistung eines Spielers war allenfalls bei der Hälfte der Nominierten ausschlaggebend. Dabei sind Spieler, die irgendwann mal gut in der Nationalmannschaft waren, in der Bundesliga zuletzt aber nichts davon zeigen konnten, wie Friedrich und Podolski. Und eben Spieler, die durch ein paar gute Wochen beim neuen Deutschen Meister ihr Ticket gelöst haben, wie Badstuber und Hans-Jörg Butt.

Der 35-jährige Butt fährt als voraussichtlich dritter Torwart mit nach Südafrika und ist ein Beispiel dafür, wie man mit ein bisschen CL- und Meister-Glanz, Medien-Hype und Bayern-Trikot plötzlich zu einem guten Spieler wird. Erfolg macht eben sexy. Butt ist zweifellos ein guter Torwart – aber besser als Weidenfeller oder Rost? Bis vor einigen Wochen waren selbst viele Bayern-Fans noch nicht überzeugt von ihm. Bei Breitnigge.de wurden seine wiederkehrenden Unsicherheiten kritisiert und diskutiert, ob der FCB eine neue Nummer 1 brauche. Heute diskutieren manche ‚Journalisten‘, ob Butt sogar die Nummer 1 des Nationalteams werden sollte.

Roman Weidenfeller hat dagegen eine konstante, sehr ordentliche Saison gespielt, ohne im medialen Rampenlicht zu stehen. Sein Berater hat darauf etwas zu energisch hingewiesen – vermutlich ein weiterer Grund, dass ihm der ‚pflegeleichte‘ Butt vorgezogen wird, der schon zuvor dritter Torwart bei großen Turnieren war. Mit Leistungsprinzip hat das jedoch nichts zu tun.

Auch der andere Dortmunder WM-Kandidat, Mats Hummels, könnte dem Bayern-Hype der letzten Wochen zum Opfer gefallen sein. Holger Badstuber soll also gut und erfahren genug für Südafrika sein und Hummels nicht? Come On! Dafür dürfen Mats und sogar Kevin Großkreutz (!) womöglich nächste Woche gegen Malta spielen, um die nicht eben kleine Dortmunder Fangemeinde zu beschwichtigen – aber nicht mich. Das war der letzte Beitrag über die deutsche Nationalmannschaft bei „Any Given Weekend“, zumindest in diesem Jahr und bei diesem Kader. Da fehlt mir einfach das Interesse.

Kuranyi – Die Fortsetzung

Der ‚Fall‘ entwickelt sich genauso, wie ich es mir gedacht habe. Kevin Kuranyi hat seinen Akku wieder aufgeladen und sich bei Joachim Löw für seinen plötzlichen Abgang, oder die ‚Flucht aus Dortmund‘, wie es jetzt überall genannt wird, entschuldigt. Klar war es eine unüberlegte Kurzschlussreaktion, natürlich ist nicht Kuranyi zurückgetreten, wie es teilweise interpretiert wurde, selbstverständlich bereut er sein Abhauen inzwischen. Das Ganze ist so banal, wie ich es gestern angedeutet habe.

Eine Rückkehr erscheint nicht unmöglich, aber unter Löw nun doch zunächst mal unwahrscheinlich. Nicht nur, weil die deutsche Nationalmannschaft einen KK in den nächsten Jahren nicht nötig haben wird. Sondern vor allem, weil Löw allem Anschein nach weg will vom Image des netten Herrn ‚Jogi‘. Deshalb klopft er markige Sprüche vor dem Russland-Spiel, deshalb fördert er nun gezielter den Konkurrenzkampf und deshalb hat er sich im Fall Kuranyi unzweideutig festgelegt. Sollte allerdings Herr Löw nach der WM 2010 nicht mehr so gefragt sein und KK doch nochmal Torschützenkönig werden… aber das ist noch weit weg und Zukunftsmusik, die ich gar nicht unbedingt hören muss.

Der Rauswurf

Die Nationalmannschaft. Bekanntlich normalerweise kein Thema, das mir sonderlich unter den Nägeln brennt. Aber da von den Schwarz-Gelben außer zwei ordentlichen Testspiel-Leistungen (25:0 beim Kreisligisten Herdecke-Ende, 3:3 bei Austria Wien) dank der Länderspielpause nicht viel zu berichten ist, schauen wir doch mal, was in Dortmund dieses Wochenende sonst so passiert ist.

Kevin Kuranyi scheint die furiose Dortmunder Aufholjagd neulich im Derby immer noch nicht verkraftet zu haben, denn er hielt es gestern nur eine Halbzeit lang im Westfalenstadion aus. Auf der Tribüne, wohlgemerkt. Dann fuhr er nach Hause und ließ später seine persönlichen Sachen durch zwei Bekannte aus dem Mannschaftshotel holen. Die Nationalelf gewann zuvor ohne ihn 2:1 gegen Russland – vermisst wurde Kuranyi zumindest auf dem Spielfeld nicht. Joachim Löw gefiel das unangemeldete Verschwinden erwartungsgemäß nicht so gut. Und nachdem der Gelsenkirchener heute Morgen auch telefonisch für den DFB nicht erreichbar war, zog der Bundestrainer die Konsequenz, Kuranyi künftig nicht mehr zu nominieren.

Ob das das letzte Wort ist? Darauf wetten würde ich nicht. Vielleicht war ja nur Kevins Akku leer. Und überhaupt müssten dann schon wieder neue Nutella-Spots gedreht werden. Jedenfalls ist von der Gute Laune-Truppe, die die Nationalmannschaft bei der WM 2006 zumindest nach außen hin war, nicht mehr viel geblieben. Ballack, Bierhoff und Frings sorgten zuletzt für weitere Misstöne. Der Unterschied bei KK: Denken gehört nicht unbedingt zu seinen Stärken. Auch nicht Nachdenken.