Einer dieser Tage

1. Bundesliga, 12. Spieltag / VFL Wolfsburg 2 BVB 1

(Updated) Fußball kann ein A-loch sein. Wenn sich äußere Einflüsse, Pech und die eigene Leistung gegen eine Mannschaft verbünden, hilft es auch nicht, Borussia Dortmund zu sein. Höchstens der FC Bayern. Am Ende eines schwarzen Tages für die Schwarz-Gelben steht eine knappe Niederlage in Wolfsburg, die höchst unglücklich, aber nur bedingt unverdient ist.

Einen Tag nach der Bekanntgabe der Entscheidung, dass den drei aktivsten Ultra-Gruppen die Auswärtsdauerkarten entzogen werden, war es nicht überraschend, dass die Stimmung im Gästeblock nach den Eindrücken vom Bildschirm äußerst bescheiden war. Vorsänger waren nicht zu sehen oder zu hören, aber dazu wird sicher an anderer Stelle Genaueres zu lesen sein. Hilfreich war die Situation sicher nicht.

Die Gastgeber machten ihre Sache gut. Sie spielten keinesfalls zurückhaltend, sondern aggressiv, mit Pressing, aus dem sich die Borussia heute zu selten befreien konnte. Deutlich zu viele Fehlpässe verhinderten schöne Kombinationen, wie es sie noch gegen Arsenal gegeben hatte. Oft wurde zu optimistisch anstatt einfach agiert. Nuri Sahin erwischte keinen guten Tag. Defensiv wirkte vor allem Marcel Schmelzer nie auf der Höhe – heute war zum ersten Mal so ein Tag, an dem man die Entscheidung, im Sommer keinen Außenverteidiger mehr zu verpflichten, kritisch sehen kann. Wolfsburgs Rechtsverteidiger Ochs wirkte über Schmelles Seite jedenfalls viel zu präsent.

Vor der Pause passierte noch emotional sehr Gegensätzliches. Nach einem Zweikampf mit Ivica Olic fiel Neven Subotic unglücklich. Die Szene sah zunächst eher harmlos aus, doch Neven signalisierte schnell, dass es etwas Ernsthaftes war. Der Innenverteidier musste mit der Trage vom Platz getragen und durch Sokratis ersetzt werden. Jürgen Klopp sprach nach dem Spiel von einem wahrscheinlichen Kreuzbandriss – Aufschluss wird eine Kernspintomographie geben, die noch heute Abend in Dortmund vorgenommen wird. Alles Gute, Neven; auf dass sich der Trainer geirrt hat!

Kurz vor dem Halbzeitpfiff gab es dann doch noch etwas zum Jubeln: Der BVB bekam einen Freistoß aus etwa 18 Metern Torentfernung zugesprochen – und Marco Reus zirkelte den Ball über die Mauer ins linke Eck. Leider wussten die Schwarz-Gelben nur in den ersten Minuten der zweiten Hälfte nachzusetzen. Nach der schönsten Kombination der Partie verzog Aubameyang knapp. Und dann war die Zeit der Wölfe gekommen. Rodriguez schlug einen Freistoß in den Strafraum, der junge Knoche stieg zum Kopfball hoch, traf jedoch nicht – der Ball schlug trotzdem ins linke Eck ein. Es war nicht der einzige Standard, bei dem die Borussia Probleme hatte: Auch die Mehrzahl der Wolfsburger Ecken war gefährlich; mehrmals musste Weidenfeller mit der Faust klären.

Die Partie war danach spannend und ausgeglichen, doch die Gastgeber zeigten sich effektiver. In der 69. Minute zog Olic von rechts aus etwa 17 Metern ab – und der Ball sprang vom linken Innenpfosten ins Tor – ein Schuss, den man nicht halten, aber womöglich verhindern konnte.

In den letzten 20 Minuten kam dreierlei zusammen: Die den Schwarz-Gelben an diesem Tag fehlende Ruhe bei Abschluss und letztem Pass, die auch durch die Einwechslungen von Hofmann und Duksch nicht ins Spiel kam. Aluminium-Pech bei Reus‘ zweitem Freistoß aus zentraler Position. Und die alles in allem bescheidene Leistung des Schiedsrichters Dr. Jochen Drees. Der hatte durch frühe gelbe Karten Hektik ins Spiel gebracht, danach aber zu oft mit zweierlei Maß gemessen – tendenziell zuungunsten der Borussia. Eklatant war jedoch vor allem das Ausbleiben des Elfmeterpfiffs, als Lewandowski in der Schlussphase von Rodriguez an der Schulter gerissen wurde. Wäre das bei einem Ribery auch passiert?

Am Ende war es eben jedoch vor allem einer dieser Tage, an denen alles gegen einen läuft. Jürgen Klopp und seiner Mannschaft wird nach dieser Woche die Länderspielpause recht kommen. Dass das Spiel danach wegweisend wird, muss wohl nicht extra betont werden.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic (45. Sokratis), Hummels, Schmelzer – Bender (77. Duksch), Sahin – Aubameyang (77. Hofmann), Mkhitaryan, Reus – Lewandowski. Gelbe Karten: Bender, Hummels, Mkhitaryan, Lewandowski. Tor: Reus

UPDATE: Noch am Samstagabend schufen Neven Subotic auf seiner Facebook-Seite und der BVB auf der Homepage Gewissheit: Der Innenverteidiger hat sich tatsächlich einen Kreuzband- und zusätzlich einen Innenbandriss zugezogen und fällt aller Voraussicht nach für den Rest der Saison aus. Extrem bitter, aber Neven ist sich sicher, dass er noch stärker zurückkommen wird und warum sollte man ihm da widersprechen? Noch mal gute Besserung – ich bin zuversichtlich, dass Neven nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Spielfeld in Dortmund bald mal wieder etwas zu feiern hat.

BVB vergibt ultimativen Strafstoß

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 1 TSG Hoffenheim 2

Icon_spielbericht_newBorussia Dortmund hat es verpasst, der TSG Hoffenheim den entscheidenden Stoß in die zweite Liga zu versetzen und die zunehmend erratische und kurzlebige Vereinspolitik der ungeliebten Hopp-Zöglinge zu bestrafen. Durch eine selten dämliche Niederlage ist eine Chance vorbeigezogen, die womöglich nie wiederkommt.

Im Westfalenstadion war die Stimmung nach dem Schlusspfiff aufgeheizt, denn natürlich wollte niemand glauben, dass die zwei Elfmeterpfiffe und das aberkannte 2:2 allesamt korrekte Entscheidungen von Schiedsrichter Dr. Jochen Drees waren. Erst nach Ansicht der Fernsehbilder musste man dann auch als Fan einräumen, dass die Schwarz-Gelben nur am Pech und eigenem Unvermögen gescheitert waren.

BVB v TSG, Spieltag 34
Als alles noch gut war.

Bereits nach sechs Minuten staubte Robert Lewandowski nach einem von Torwart Casteels noch gehaltenen Kuba-Kopfball zum 1:0 ab. Im Anschluss dominierte die Borussia komplett das Spiel, die Gäste blieben bis auf einen Salihovic-Schuss harmlos und spielten wie der verdienteste Absteiger seit langem. Nur Casteels hielt die TSG im Spiel – und das Dortmunder Ungeschick. Weiterlesen „BVB vergibt ultimativen Strafstoß“

Bitte generalproben!

Wirklich Kontroverses war Jürgen Klopp auf der heutigen Pressekonferenz zur TSG Hoffenheim nicht zu entlocken. Dass die Kraichgauer einmal dank einer winterlichen Einkaufstour den FSV Mainz noch um den Aufstieg brachten, liegt in der Vergangenheit. Doch man muss sich auch keine Sorgen machen, dass der BVB-Trainer das letzte Spiel vor dem großen Spiel unprofessionell angehen könnte. Nicht weil er im Abstiegskampf Sympathien für den FC Augsburg erkennen ließ, sondern weil es durchaus darum geht, vor Wembley keine Schlenker mehr zu machen. Geradeaus gehts zum Titel und für Hoffenheim in die zweite Liga.

Obwohl Klopp das letzte Heimspiel der Saison nicht als Generalprobe betiteln wollte, dürfte das Ziel sein, sich quasi für London einzugrooven. Mit einer Startelf, die sich nicht komplett von der folgenden unterscheiden wird. Und mit dem Mut, den der Trainer auch für die Partie gegen die Bayern fordert. Eine Garantie, dass die Konzentration bei jedem Spieler zu 100 Prozent da sein wird, gibt es natürlich nicht. Aber jeder muss sich im Klaren sein, dass die eigene Leistung am Samstag Auswirkungen auf die Woche darauf haben könnte.

Sorgen macht sich der Trainer wegen der teilweise martialischen Äußerungen der Hoffenheimer, die in den letzten Jahren immer mehr für ihre harte Gangart bekannt wurden. Es steht zu befürchten, dass sie sich nun mit gestreckten Beinen aus der ersten Liga verabschieden. Als Schiedsrichter der Partie wurde Dr. Jochen Drees eingeteilt. Er hatte in dieser Saison elf Erstliga-Einsätze, verteilte dabei 34 Gelbe Karten und eine Rote – keine besonders auffälligen Zahlen. Drees pfiff 2012/13 eine Partie des BVB – den 3:1-Heimsieg gegen Fürth. Von Hoffenheim leitete er zwei Spiele, bei denen er den Hopp-Kickern immerhin siebenmal Gelb zeigte. Übergroße Zurückhaltung ist von ihm also nicht zu erwarten.

Ich sehe den BVB übermorgen leider zum letzten Mal in dieser Saison live im Stadion. Von mir aus darf es gerne eine echte Generalprobe für Wembley werden. Jürgen Klopp sprach in der unterhaltsamen PK davon, dass die Schwarz-Gelben in den letzten Jahren öfter am letzten Spieltag in den Abstiegskampf eingreifen mussten, ohne selber noch um viel zu spielen. Am Samstag könnte nicht nur Robert Lewandowski doch noch Torschützenkönig werden – es geht um mehr.

Bezaubernde Borussia

1. Bundesliga, 12. Spieltag / BVB 5 VFL Wolfsburg 1

Es schien so, als wollten die Schwarz-Gelben allen zeigen, dass sie sich auch zukünftig nicht dem Diktat der gnadenlosen Rationalität und Ergebnisorientierung unterwerfen möchten. Nach dem erarbeiteten Pfichtsieg gegen Piräus hätte man im gestrigen Ligaspiel nach dem 3:1 das Ergebnis bequem verwalten können und niemand hätte die neue, effektive Borussia kritisiert. Die Wolfsburger wären nach der schnellen Antwort auf ihren Anschlusstreffer nicht mehr zurückgekommen. Aber einige der jungen Männer auf dem Rasen wussten, dass an diesem Tag noch mehr drin war und sie wollten es den erneut über 80.000 Zuschauern zeigen. Shinji Kagawa, Mario Götze, Robert Lewandowski und auch der 18-jährige Moritz Leitner zelebrierten Fußball wie in der Meistersaison – selbstverständlich mit tatkräftiger Unterstützung aller Mitspieler.

Niemand weiß, wie es zum Ende der Saison stehen wird, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist die Systemfrage eindeutig geklärt: Das ‚System Klopp‘ hat über das ‚System Magath‘ triumphiert. Der BVB präsentierte eine junge, homogene und willensstarke Mannschaft, Magaths Wolfsburger wirkten wie ein zusammengewürfelter Haufen, der auf Rezepte von gestern setzt. Nehmen wir nur den Abwehrkoloss Kyrgiakos. Stellvertretend für das Team zeigte er, wieviel langsamer die Gäste gedanklich und physisch waren. Wie viele andere Mitspieler kompensierte der Grieche diese Defizite mit Härte. Natürlich wollte er Neven Subotic nicht die Gesichtsknochen zertrümmern. Vielleicht kann er gar nicht anders zum Kopfball gehen als in der fraglichen Szene. Dann ist er aber auch nicht länger für Fußball auf höchstem Niveau geeignet. Es war jedoch die gesamte Wolfsburger Defensive, die ein ums andere Mal hilflos wirkte – obwohl Magath wie erwartet nicht auf Dreierkette umgestellt hatte.

Die Defizite von Wolfsburg und Magath kamen in dieser Gegenüberstellung besonders eklatant zum Vorschein. Höchstwahrscheinlich wird es dem Trainer und Sportvorstand noch gelingen, an der einen oder anderen Schraube zu drehen und wenn das nicht hilft, wird er sich eben im Winter erneut auf dem Transfermarkt umsehen. Was die Autokicker besonders gestern, aber auch in manchem Spiel zuvor anboten, ist jedenfalls von der Konzeptlosigkeit geprägt, die man Magath seit seinem Machtzuwachs in Gelsenkirchen ankreiden kann. Weiterlesen „Bezaubernde Borussia“