Alles ehrbare Geschäftsleute

Kurz vor Beginn der nächsten Transferphase hat Borussia Dortmund den ersten Abgang zu verkünden: Jonas Hofmann wechselt am 1. Januar zur zweiten Borussia nach Mönchengladbach. Über den Abschied des Mittelfeldspielers war spekuliert worden; es ist die Ablösesumme, die aufhorchen lässt. Laut „Kicker“ zahlen Max Eberl und Co bis zu 8 Millionen Euro für den 23-jährigen.

Für ein junges Mittelfeldtalent mit offensiver Ausrichtung ist das an sich kein überzogener Preis. Doch die meisten Schwarz-Gelben würden Susi Zorc und Aki Watzke für dieses Geschäft sicher gerne auf die Schultern klopfen. Denn Jonas Hofmann, der sich formvollendet von den Dortmunder Fans verabschiedet hat, blieb doch eher ein Versprechen. Zu sehen war das kürzlich, als er einen tollen Sololauf sträflich unvollendet ließ. Gewisse Anlagen sind bei ihm sicher vorhanden, doch ob er beim BVB jemals über den Status des Ergänzungsspielers hinausgekommen wäre, ist fraglich.

Thomas Tuchel hat mit der hoffentlich nahen Rückkehr von Nuri Sahin und Erik Durm weitere Alternativen in der Hinterhand. Die Zahl der Verletzungen ist unter seiner Regie zurückgegangen. Somit gibt es keinen Grund für einen aufgeblähten Kader – das frei werdende Geld wäre für andere Positionen besser eingesetzt.

Jonas Hofmann hat sein Bestes für uns gegeben. In meiner Fußballkneipe wird er aber hauptsächlich mit herausgeholten Elfmetern assoziiert. Mal sehen, wie das in Gladbach wird. In Dortmund klingelt jetzt erst mal die Kasse. Fehlt nur noch, dass Moritz Leitner für fünf Millionen nach Hoffenheim geht.

Dortmund vom Besten

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 Bayer Leverkusen 0

In diesem Blog ist traditionell der (abgelaufene) 5. Spieltag Zeitpunkt für ein erstes Zwischenfazit der begonnenen Saison. Selbstverständlich wird dieses stets in dem Bewusstsein gezogen, dass es für Rückschlüsse auf den Stand der Dinge im Mai des Folgejahres noch zu früh ist. Doch der Saisonstart 2015/16 bietet Erstaunliches: So hat Borussia Dortmund mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel gerade einen Rekord gebrochen und mit 15 Punkten sowie 18:3 Toren nach fünf Partien den besten Bundesliga-Auftakt aller Teams und aller Zeiten hingelegt.

Gegen Champions League-Teilnehmer Leverkusen überraschte in der Startelf lediglich das Auftauchen von Jonas Hofmann. Bezeichnend für seine Leistung war, dass mich in der 63. Minute dann seine Auswechslung noch mehr überraschte. Doch wieder mal lag Thomas Tuchel mit allem goldrichtig. Gegen aggressiv pressende Gäste war es die richtige Entscheidung, den wiedergenesenen Marco Reus, ohnehin nicht der Zweikampfstärkste, noch auf der Bank zu lassen. Hofmann nutzte die Gunst der Stunde und trug sich nach genialem Kagawa-Pass und Leno-Patzer in die Torschützenliste ein. Weiterlesen „Dortmund vom Besten“

Die Rückkehr von Shinji: Kein Grund zur Euphorie

Für die Verantwortlichen von Borussia Dortmund, insbesondere wohl für Michael Zorc, geht ein geschäftiges Wochenende zuende. Das wichtigste Ergebnis: Shinji Kagawa wird ab sofort wieder schwarz-gelb tragen. Der offensive Mittelfeldspieler und Held der jüngsten Meisterjahre kehrt von Manchester United zurück ins Ruhrgebiet, unterschrieb einen Vertrag bis 2018. Die Ablösesumme soll acht Millionen Euro zuzüglich Bonuszahlungen betragen. Und man nimmt es dem 25-jährigen ab, wenn er nach seinem offensichtlich nicht optimal verlaufenen Aufenthalt im Fußball-Traumland sagt: „Ich bin dem Verein sehr dankbar, dass er mich zurückgeholt hat.“

Acht Millionen plus für einen begnadeten Fußballer und Sympathieträger, den wir einst für das Doppelte verkauft haben – das ist zunächst mal menschlich schön und ein Geschäft, an dem eigentlich nichts falsch sein kann. Es stellen sich dennoch vorerst zwei Fragen: Wie hat Shinji die sportlich unbefriedigende Zeit in Manchester weggesteckt? Wir haben am Beispiel von Nuri Sahin schon gesehen, dass es kein Selbstläufer ist, die Helden von gestern zurückzuholen. Und was bedeutet der Transfer für die Harmonie im Kader, wenn alle Mittelfeldspieler irgendwann wieder fit sein sollten?

Dass aus diesen Fragen tatsächlich einmal Probleme werden, ist nicht gesagt und ich will es nicht hoffen. Allzu euphorisch muss man die Rückkehr zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sehen. Die erste Konsequenz daraus: Eine Ausleihe von Jonas Hofmann an Mainz 05 soll wie bereits gemutmaßt unmittelbar bevorstehen.

Um eins aber trotz gewisser Bedenken ganz klar zu machen: Einen Spieler wie Shinji Kagawa wieder in unseren Reihen zu haben, macht Freude. Willkommen zurück!

Dortmund macht es doppelt spannend

1. Bundesliga, 2. Spieltag / FC Augsburg 2 BVB 3

Der BVB zeigt blitzsaubere, ansprechende 70 Minuten gegen einen zunächst schwachen FC Augsburg, versäumt es jedoch, nachzulegen und gerät am Ende tatsächlich noch mal unter Druck. Untypisch spannend geht es für die Schwarz-Gelben auch auf dem Transfermarkt zu: Dort will man offensichtlich ebenfalls nachlegen und könnte im Werben um Shinji Kagawa bis Montag noch erfolgreich sein. Als Konsequenz ist nach „Kicker“-Informationen eine Ausleihe von Jonas Hofmann zu Mainz 05 im Gespräch.

Doch jetzt geht es um Fakten: Die Borussia hat sich durch die Auftaktniederlage nicht nachhaltig verunsichern lassen und in der Bundesliga mit einem Auswärtssieg in Augsburg geantwortet. Das Ergebnis schmeichelt den Schwarz-Gelben wie schon letzte Woche nicht: Gegen Leverkusen hätte man ein Tor verdient gehabt und gestern wäre ein 3:1 oder 4:2 dem Spielverlauf gerechter gewesen. Jürgen Klopp stellte wieder auf ein System mit einem Stürmer um, ließ aber Jojic zentral vor Kehl agieren – eine Art 4-1-4-1. So saßen Ramos und Immobile zunächst auf der Bank, der formstarke Aubameyang agierte ganz vorne allein.

Zu dieser Aufstellung passte, dass die Borussen nicht schon mit der vordersten Linie pressten, sondern die Augsburger ein wenig kommen ließen. Es zeigte sich schnell, dass die Gastgeber wie vermutet noch wenig eingespielt sind: Sie hatten keine Ideen für die Offensive und wirkten in der Rückwärtsbewegung extrem ungeordnet. Ihre Flügel ließen sie bei den schnellen Dortmunder Gegenstößen wiederholt verwaisen. Letztere wurden angenehm flüssig ausgespielt; so wie beim 1:0 – Pass Mkhitaryan, Doppelpass Reus-Großkreutz, flacher Schuss ins rechte Eck durch Marco. Weiterlesen „Dortmund macht es doppelt spannend“

Gladbach ist Borussenmeister

1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 1 Mönchengladbach 2

Die zweite Niederlage im zweiten Borussen-Duell war weniger schmerzhaft als die Erkenntnis, dass die Schwarz-Gelben in der Liga derzeit keine Konstanz in ihre Leistungen bringen können und nicht auf der Höhe sind, sobald mehr als zwei Schlüsselspieler ausfallen. Die Gladbacher, seit Wochen alles andere als in Topform, praktizierten ansehnliches Pressing, waren zielstrebiger und in den entscheidenden Szenen passsicherer – das reichte gestern zum Auswärtssieg in Dortmund, obwohl die Gäste inklusive Nachspielzeit 25 Minuten in Unterzahl spielten.

Es ist naturgemäß zweifelhaft, den Trainer zu kritisieren, wenn man nicht täglich das Training beobachten kann. Dennoch: Die Entscheidung Jürgen Klopps, Jonas Hofmann auf der ’10‘ aufzubieten, ist schwer verständlich. Der Junge kam bisher meistens von der Bank auf der rechten Außenbahn zum Einsatz. Was ihn eher als den zentral erfahreneren Jojic für die Position befähigt haben soll, müsste man Klopp mal fragen. Der Torschütze des Dortmunder Anschlusstreffers wirkte nach seiner Einwechslung jedenfalls deutlich zielstrebiger.

Insgesamt fehlte unserer Borussia jedoch die Kreativität der Herren Reus, Mkhitaryan und Gündogan. Die Partie war auch mal wieder ein Beweis dafür, dass es keinen Grund gibt, über die noch nicht verkündete, aber von den Medien immer mal wieder als sicher vermeldete endgültige Rückkehr von Nuri Sahin in Riesenjubel auszubrechen.

Und wo wir schon bei Einzelkritik sind: Marcel Schmelzer ist ein guter Typ, aber die Nibelungentreue, mit der Klopp an ihm festhält, ist leistungsmäßig einfach nicht gerechtfertigt. Vergleicht man ihn etwa mit Bayerns Alaba, der ja nun keiner von den teuren Transfers des Rekordmeisters war, hat er deutlich an Boden verloren. Schmelle hat immer mal wieder richtig starke Spiele zwischendrin, aber deutlich öfter sieht es so aus wie gestern: Auf der Außenbahn kann der Linksverteidiger sich offensiv gegen präsente Gegenspieler selten durchsetzen; ein herausgeholter Freistoß oder Eckball ist das Höchste der Gefühle. Viel öfter sieht man Quer- und Rückpässe. Defensiv stehen starke Abwehraktionen neben verbesserungswürdigem Positionsspiel. Weiterlesen „Gladbach ist Borussenmeister“

Die Borussen kommen

Um direkt an das Ende des gestrigen Textes anzuschließen: Was gibt es in dieser Saisonphase Schöneres als einen Pokalabend mit einem Gegner wie Eintracht Frankfurt? Es wird laut, es wird gekämpft – hoffentlich nur auf dem Platz – und Borussia Dortmund hat ordentliche Chancen auf ein Weiterkommen im zum Saisonziel erklärten Wettbewerb.

Eintracht-Trainer Armin Veh machte vorletzte Woche Schlagzeilen, als er entschied, Sebastian Rode und Carlos Zambrano wegen drohender Gelbsperren gegen Bayern München zu schonen. Die Partie gegen den Titelaspiranten ging deftig verloren, doch dafür wurde die Begegnung, auf die Vehs Maßnahme zielte, erfolgreich gestaltet: Das Abstiegsduell gegen die zweite Eintracht entschieden die Frankfurter mit 3:0 für sich.

Obwohl die Liga natürlich Priorität genießt, hat Veh vor dem Pokalspiel schon mal klargestellt, dass es in dieser Partie keine Geschenke geben wird. Ungewiss ist allerdings, ob die SGE nicht unfreiwillig geschwächt antreten muss. Wie bei der Borussia haben sich am Wochenende auch zwei wichtige Akteure aus der Frankfurter Stammelf verletzt. Die Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler und Johannes Flum sind fraglich. Interessanterweise wollte sich Veh zu ihren Einsatzchancen nicht äußern, während Jürgen Klopp eher damit rechnet, dass die beiden nicht dabei sind.

Der Dortmunder Trainer machte auch bereits Andeutungen zur Aufstellung der eigenen Mannschaft. Im zentralen Mittelfeld sollte Sebastian Kehl an die Seite von Nuri Sahin rücken; ein Einsatz für Neuzugang Milos Jojic von Beginn an ist nach Klopps Worten nicht geplant. Wer Marco Reus ersetzen wird, ist ein größeres Geheimnis – hier stehen Jonas Hofmann und Kevin Großkreutz zur Debatte. Am wahrscheinlichsten ist wohl die Hereinnahme von Kevin, da Rückkehrer Piszczek auf dessen Position hinten rechts ein gutes Spiel machte und die Atmosphäre ganz nach dem Geschmack des Dortmunder Jungen sein dürfte.

Und wie stehen die Chancen? Beide Teams konnten sich am Samstag massiv gegenüber den letzten Spielen steigern und dürfen also mit Selbstvertrauen in die Partie gehen. Für die Gastgeber dürfte der Erfolg versprechendste Weg ein konsequentes Bearbeiten der Dortmunder Mittelfeldzentrale mit Kehl, Sahin und Mkhitaryan sein, die sich aus diversen Gründen im bisherigen Saisonverlauf noch nicht dauerhaft konstant präsentieren konnten. Wenn diese drei allerdings ihr Potenzial voll abrufen können oder der BVB über die Flügel auf der Höhe ist, dürfte es für die Eintracht schwierig werden – umso mehr, wenn Schwegler und/oder Flum ausfallen.

Anpfiff ist morgen erst um 20.45 Uhr. Hoffentlich relevant: Übermorgen wird nach der Begegnung HSV v Bayern das Halbfinale im Rahmen der ARD-„Sportschau live“ ausgelost.

So hätte es nicht enden müssen

1. Bundesliga, 17. Spieltag / BVB 1 Hertha BSC 2

Zu Weihnachten eine Heimniederlage gegen den Aufsteiger Hertha BSC – das hätte man sich nun wirklich anders vorgestellt. Die Schuldfrage lässt sich ausnahmsweise mal schnell und deutlich klären: Für den Rückstand waren zwei Abwehrpatzer verantwortlich; dafür, dass er nicht mehr gedreht werden konnte, die weit unter ihren Möglichkeiten agierende Offensivabteilung. Platz 4 nach der Hinserie ist nicht das, was der Verein erreichen wollte. Doch Punktverluste waren angesichts der personellen Situation erwartbar und sind mit Blick auf 2014 wegen des geringen Rückstands noch kein Grund, von einer Krise zu sprechen. Schließlich ist jetzt Winterpause.

An der Partie vom Samstag gibt es allerdings wenig schönzureden. Als Sebastian Kehl den Ball nach sieben Minuten in Richtung Marco Reus auf die linke Seite geschlagen und unsere Nummer 11 den im falschen Moment aus dem Kasten kommenden Nachwuchskeeper Gersbeck überwunden hatte, sprach alles für die Borussia. Die Hertha wirkte zwar von Beginn an in der Abwehr diszipliniert – was zuletzt zu ihrem Markenzeichen geworden ist – doch zum Torabschluss wurde sie von Schwarz-Gelben freundschaftlich eingeladen. Zunächst scheiterte Adrian Ramos, der sich einen desaströsen Rückpass von Kevin Großkreutz erlaufen hatte, noch an Roman Weidenfeller. Doch dann spielte Sokratis einen etwas zu kräftigen Querpass auf Durm, der junge Linksverteidiger brachte den Ball nicht richtig unter Kontrolle und Allagui war zur Stelle, um Ramos von rechts zu bedienen.

Die Borussia hatte danach noch rund 70 Minuten Zeit für Ergebniskorrekturen, doch die Probleme damit zogen sich bis zum Schluss durch ihr Spiel. Loben wir erst mal den Gegner: Lange Zeit setzten die Berliner die ballführenden Schwarz-Gelben gekonnt unter Druck, pressten schon im Mittelfeld. Später in der zweiten Hälfte zogen sie sich weiter zurück, machten die Räume im Zentrum sehr eng und leisteten sich kaum Fehler in Strafraumnähe. Dennoch hätte man vom BVB mehr Lösungsansätze erwartet. Die Flügel waren in Richtung Berliner Tor verwaist. Marco Reus konnte sich nach der Führung kaum noch in Szene setzen und auf der anderen Seite leistete sich Kuba sehr viele Ballverluste. Bei aller Freude über Eric Durms Qualitäten setzt dieser offensiv auch noch nicht regelmäßig Akzente und Lukasz Piszczek braucht ebenfalls noch das kommende Januar-Trainingslager, um vielleicht wieder zur alten Stärke zu finden

Sehr viel lief also durch die Mitte, doch leider traf dort Henrikh Mkhitaryan erneut zu viele falsche Entscheidungen und war kaum mal am Strafraum zu sehen. Bleibt noch zu ergänzen, dass auch Nuri Sahin bis auf seinen obligatorischen uneffektiven Distanzschuss ideenlos blieb und man bekommt ein Gefühl dafür, warum es vorgestern selbst gegen einen Aufsteiger nicht reichte. Engagiert und mit weniger Fehlern als zuletzt agierte Sebastian Kehl – vielleicht hob er sich auch nur besonders von seinen Mittelfeld-Kollegen ab. Robert Lewandowski weiß in der Liga trotz vergeigter Abschlüsse von der Offensivabteilung derzeit noch am besten zu gefallen: Ballbehauptung und Raumgewinn stimmen immerhin.

Dass der BVB am Samstag sogar verloren hat, hing dann aber doch entscheidend mit einer Szene kurz vor der Pause zusammen. Innenverteidiger Marian Sarr versuchte den Ball gegen Sami Allagui spielerisch zu behaupten, verlor aber das Duell und musste betroffen mit ansehen, wie der Flügelspieler Weidenfeller umkurvte und einschob. Kurz darauf sah Sarr noch Gelb – wie einige Zweikampfbewertungen von Schiedsrichter Gagelmann war das diskutabel, doch Jürgen Klopp nahm den 18-jährigen zur Pause raus. Bitterer hätte es für Marian nicht laufen können: Geht alles seinen normalen Gang, spielen in der Rückserie wieder Sokratis und Hummels. Darüber hinaus könnten die Vereinsverantwortlichen angesichts der letzten Wochen doch noch mal auf dem Transfermarkt aktiv werden und nach Mitsuru Maruoka, dem jungen japanischen Perspektivspieler fürs Mittelfeld, eine Soforthilfe für die Abwehr verpflichten. Bisher mauert Michael Zorc dahingehend, doch auch Mauern fallen manchmal. Sarr könnte also auf seine nächste Chance lange warten müssen.

In den zweiten 45 Minuten ging von den Gästen kaum noch Gefahr aus, doch die Borussia hat derzeit einfach ein Problem mit engmaschigen Abwehrnetzen. Es gab den guten Schuss von Jonas Hofmann von der Strafraumgrenze, den Gersbeck parieren konnte, und einen späten Kopfball von Großkreutz. Natürlich zu wenig für ein Team, das sich in einer der schwersten Gruppen für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert hat. Trotz seiner schwankenden Leistungen hätte Pierre-Emerick Aubameyangs Torgefahr der Borussia vielleicht besser getan als Hofmann und Schieber – auch Jürgen Klopps Einwechslungen darf man also leise hinterfragen.

Ein Resümee von 2013 gehört in einen eigenen Artikel – der kommen wird. Die unmittelbaren Aussichten für Borussia Dortmund sind nicht so schlecht wie sich manch einer am Samstagabend gefühlt haben mag. Wenn in der Winterpause ordentlich gearbeitet wird und der Heilungsverlauf bei Hummels und Gündogan positiv verläuft, dürfte zumindest der eine Punkt Rückstand auf Mönchengladbach zu vernachlässigen sein. Wenn das Team um Jürgen Klopp es schafft, den Jungs auf dem Rasen etwas mehr Flexibilität beizubringen oder das durch leichte Eingriffe an der Taktik forciert, ist eine erfolgreiche Rückserie nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Ob sich personell nicht doch etwas tut, wird dieses Blog natürlich verfolgen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Sarr (46. Piszczek), Durm – Kehl (77. Schieber), Sahin – Blaszczykowski (56. Hofmann), Mkhitaryan, Reus – Lewandowski. Gelbe Karten: Sarr, Sahin. Tor: Reus

Entspannte Gemüter vor ernster Prüfung

Ein gut gelaunter und dennoch ernsthafter Jürgen Klopp präsentierte sich am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum Auswärtsspiel von Borussia Dortmund beim Ex-Klub des Trainers, Mainz 05. Das Krisengerede ist nach dem Sieg gegen Neapel so schnell vorbei gegangen wie es gekommen war – da macht die Konversation mit den Journalisten wieder deutlich mehr Spaß.

Dabei ist sich Klopp der Größe der Aufgabe, die in der Coface Arena auf die Schwarz-Gelben wartet, bewusst. Er wäre auch sicher der Letzte, der die 05er unterschätzen würde. Ausdrücklich lobte er die nicht im Europapokal vertretenen Teams, sieht in ihrer Konkurrenzfähigkeit die eigentliche Stärke der Bundesliga. Eine Meinung, der man vielleicht halb zustimmen kann: Spielerisch können die besagten Vereine zweifellos etwas, in den Ergebnissen schlägt sich das nur bedingt nieder. Die Abstände in der ersten Liga sind deutlich größer als in der zweiten, die Mainzer als siebte liegen bereits 16 Punkte hinter dem Tabellenführer. Ebenfalls erwähnenswert: Die zuletzt gute Form, drei Siege aus vier Spielen, relativiert sich etwas beim Blick auf die Gegner: Braunschweig, Augsburg, Frankfurt und Bremen.

Gewarnt sollte die Dortmunder Not-Defensive dennoch sein: Neuzugang Shinji Okazaki kommt so langsam in Form und die Gefährlichkeit des flexiblen Offensivspielers Nicolai Müller dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Im Tor bleibt uns das rote – oder doch eher blaue – Tuch Christian Wetklo erspart. Der Keeper ist nicht nur nur noch zweite Wahl, sondern obendrein gesperrt. Da Heinz Müller weiterhin an einer Hüftverletzung leidet, wird erneut der junge Loris Karius zwischen den Pfosten stehen, der das bei seinen zwei bisherigen Einsätzen einwandfrei machte.

Taktisch sind die Mainzer in der Regel ähnlich wie der BVB in einem 4-2-3-1-System aufgestellt. Ihr ebenfalls intensives und druckvolles Spiel hat aber eine negative Seite, die auch Thomas Tuchel aufgefallen ist:

Wir haben in den letzten drei, vier Spielen die Tendenz, zu viel Foul zu spielen. Das ist bei uns Thema. Wir wissen noch nicht genau, wie wir das abstellen. Da waren auch viele Fouls aus Übereifer dabei.

Einerseits klingt das beunruhigend für den ohnehin verletzungsgeplagten BVB, andererseits könnte ein rechtzeitiges Eingreifen von Schiedsrichter Deniz Aytekin den Spielfluss der Gastgeber hemmen und es der Borussia leichter machen.

Neue Verletzungssorgen gibt es bei den Schwarz-Gelben bisher nicht. Es spricht alles dafür, dass Manuel Friedrich ein Comeback auf Mainzer Rasen feiern und in die Dortmunder Innenverteidigung zurückkehren wird. Während sich die Viererkette auch ansonsten von selbst aufstellt, könnte Sven Bender trotz vorhandener Einsatzfähigkeit eine Pause erhalten und durch Sebastian Kehl ersetzt werden. Denkbar ist darüber hinaus, dass Pierre-Emerick Aubameyang oder Jonas Hofmann eine Chance in der Startelf bekommen. Zu viele Wechsel wird Jürgen Klopp angesichts der wiedererstarkten 05er sicher nicht vornehmen, zu entspannt und freundschaftlich sollte es schließlich nicht zugehen.

Spitzenreiter ohne Feier

1. Bundesliga, 2. Spieltag / BVB 2 Eintracht Braunschweig 1

Borussia Dortmund ist Spitzenreiter – doch der Auftritt der Schwarz-Gelben auf dem Feld und den Tribünen wirkte lange Zeit blutleer. Die Ultras verweigerten wegen einer Polizeiaktion vor der Partie den Support und den Spielern musste erst Trainer Klopp eine Infusion namens Jonas Hofmann geben, um den Erfolg zu erzwingen. Dennoch: Auf Platz 1 steht der BVB und hat derzeit keinen Grund, sich nach irgendjemand ängstlich umzuschauen.

Grund für den Stimmungsboykott der Ultras war eine Durchsuchung der Polizei vor dem Spiel, über deren Ziel und Ausmaß es derzeit noch keine eindeutigen Informationen gibt. Die Ruhr Nachrichten schreiben, dass alle drei Ultra-Gruppierungen vor dem Spiel von der Polizei eingekesselt und gefilzt worden seien. Außerdem sei den Gruppen laut The Unity-Sprecher Jan-Hendrik Gruszecki verboten worden, Trommeln mit ins Stadion zu nehmen. Die Polizei Dortmund wiederum hat eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der die Rede davon ist, dass 60 Mitglieder der Desperados angehalten und kontrolliert wurden, da sie in der Vergangenheit strafrechtlich relevante Banner gezeigt hätten. Vergleichbares wurde heute nicht festgestellt.

Was bleibt dem zu sagen, der nicht dabei war und das Spiel in der Kneipe gesehen hat? Ein Westfalenstadion, das am ersten Spieltag fest in der Hand der frisch aufgestiegenen Gästefans war, findet natürlich kein Schwarz-Gelber schön. Ob das wirklich auf das Spiel abgefärbt hat, ist Spekulation – den Anschein hatte es sicherlich. Bis die Polizei weitere belastbare Infos rausgibt, wirkt der Zeitpunkt der Durchsuchung willkürlich – umso mehr, da nichts gefunden wurde. Warum sollten ausgerechnet gegen Braunschweig neue Schmähplakate auftauchen? Andererseits haben die Desperados in der vergangenen Saison mehr als einmal negativ auf sich aufmerksam gemacht und wären wirklich nur sie betroffen, hielte sich das Mitleid wohl bei vielen in Grenzen.

Bleibt die Frage, ob der Stimmungsboykott am ersten Spieltag wirklich die richtige Protestform war. Gruszecki hat ihn als quasi alternativlos dargestellt, weil er am meisten Aufmerksamkeit erzeuge. Doch wird da wirklich die Verhältnismäßigkeit gewahrt angesichts von möglicherweise nur 60 Durchsuchungen? Kann man nicht doch mal über andere Protestaktionen, etwa in der Stadt, nachdenken? Ein endgültiges Urteil sollte man ohnehin erst bilden, wenn weitere Details bekannt sind.

Und das Spiel? Es war meistens nicht gerade ansehnlich. Im letzten Drittel fehlten den Schwarz-Gelben vor allem in der ersten Hälfte die Inspiration und die Genauigkeit. Manche Pässe waren gut gedacht, wurden aber schlecht ausgeführt oder vom Empfänger nicht antizipiert. Kevin Großkreutz hatte auf seiner neuen Position rechts hinten keinen guten Tag und Nuri Sahin ist von seiner früheren Form weit entfernt – Ausnahmen sind seine Standards. Henrikh Mkhitaryan kam von Anfang an zum Einsatz, konnte seine Rolle nach seiner Verletzung aber noch nicht wie gewünscht ausfüllen – das könnte allerdings schon am Freitag wieder anders aussehen. Und auch die Torschützen von letzter Woche, Aubameyang und Lewandowski, wirkten heute in ihren entscheidenden Szenen unglücklich oder scheiterten an Torwart Davari.

Es brauchte wie in den ersten beiden Pflichtspielen die nachlassende Aufmerksamkeit des Gegners und heute dazu die gut getimete Einwechslung von Jonas Hofmann, um den Weg an die Tabellenspitze freizumachen. Einen tollen Doppelpass mit dem sich im Laufe des Spiels erneut steigernden Hummels schloss Hofmann zum 1:0 ab und holte in der 86. Minute den berechtigten Elfmeter zum 2:0 durch Reus heraus. Der Anschlusstreffer der Braunschweiger passte allerdings doch zu dieser Partie, über die man eigentlich nicht so lange nachdenken will: Kratz köpfte nach einem Eckball Lewandowskis Kopf an, der den Ball ins Tor abfälschte. Überaus gefährlich waren die Gäste ansonsten nicht, trotz der einen oder anderen Strafraumszene.

Die besten Borussen neben dem eingewechselten Hofmann: Sokratis, für den Subotic auf die Bank rotierte, und Marcel Schmelzer, der in der entscheidenden Phase extrem viel Charakter und Engagement zeigte. Viele andere sollten sich bis zur Freitagabend-Partie gegen Bremen noch steigern. Was jedoch nicht nur im Bereich des Möglichen liegt, sondern sogar eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Bender, Sahin – Blaszczykowski (60. Reus), Mkhitaryan (90. +2 Duksch), Aubameyang (68. Hofmann) – Lewandowski. Tore: Hofmann, Reus (EM)

Anfang gut, alles gut?

Borussia Dortmund hat die ersten zwei ‚ernsthaften‘ Testspiele der Saisonvorbereitung hinter sich gebracht und nicht den Eindruck hinterlassen, dass der vergleichsweise späte Trainingsauftakt ein Problem sein könnte. Beim 3:0 in Magdeburg am Montag sah es spielerisch zwar noch sehr nach Frühphase der Vorbereitung aus, doch vorgestern Abend gelang den Schwarz-Gelben im Basler St. Jakob-Park gegen den örtlichen Champions League-Teilnehmer, der auch noch kurz vor dem Saisonstart steht, ein 3:1. Der BVB überzeugte dabei vor allem in der ersten Hälfte, in der Jürgen Klopp mit Ausnahme des jungen Eric Durm rechts hinten eine mögliche Pflichtspiel-Startelf aufbot.

Das Schöne für uns Fans: Alle Neuzugänge waren über einen längeren Zeitraum zu sehen. Henrikh Mkhitaryan spielte von Beginn an bis zur Pause und zeigte genau das, was Jürgen Klopp und Michael Zorc in ihm gesehen haben müssen: Vielseitigkeit und gute Laufwege, egal ob durch die Mitte oder eher über außen, Passgenauigkeit und Treffsicherheit. Und dass alles so gut funktionierte spricht zudem für seine Entschlossenheit, sich so schnell wie möglich zu integrieren und durchzusetzen. Pierre-Emerick Aubameyang kam zur zweiten Hälfte und nahm die meiste Zeit eine Linksaußen-Position ein. Wie Lewandowski und Großkreutz hatte er Pech mit einem Pfostenschuss – ansonsten war vor allem seine Schnelligkeit deutlich zu erkennen.

Sokratis durfte 45 Minuten auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung ran und machte seine Sache sehr gut. In den nächsten Begegnungen werden wohl auch seine Fähigkeiten als Rechtsverteidiger überprüft werden.

Offen bleibt die Frage, ob Marcel Schmelzer adäquat ersetzt werden kann. Nachdem er am Mittwoch verletzt raus musste, übernahm der junge Jannik Bandowski seine Position, der allerdings noch Zeit braucht, um eine ernsthafte Alternative auch für Pflichtspiele zu sein. Hans-Joachim Watzke hat die Transferaktivitäten der Borussia nun offiziell vorerst für beendet erklärt. Die Optionen hinter Schmelzer lauten nun also Großkreutz, möglicherweise Sokratis und irgendwann vielleicht mal Bandowski. Klar, es wäre schön, wenn Kevin wieder regelmäßiger spielen oder sich ein Junge aus dem Nachwuchs durchsetzen würde. Der Weg, der hier entgegen früherer Bekundungen eingeschlagen wird, ist jedoch riskant; die Flügel scheinen nicht unverwundbar.

Ein junger Spieler, der viel Anlass zu Optimismus gibt, ist allerdings Jonas Hofmann. Der kam vor zwei Jahren von der TSG Hoffenheim nach Dortmund und hat nach allen bisherigen Eindrücken das Zeug dazu, sich im Bundesliga-Kader zu etablieren. Die starke Vorstellung in Basel krönte er mit dem späten 3:1.