Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will

Kloppo hat genug vom Pokal. Zumindest bleibt der Trainer des FC Liverpool bei seinem Standpunkt, das Wiederholungsspiel der 4. Runde des FA Cups zu Hause gegen Drittligist Shrewsbury Town auszulassen. Konkret würde das bedeuten, dass er selber sowie der gesamte Kader der ersten Mannschaft nicht da oder sogar in Urlaub sind. Antreten soll stattdessen die U23 der Reds, angeleitet von ihrem Trainer Neil Critchley.

Klopp beruft sich auf eine von der Premier League eingeführte gestaffelte Spielpause im Februar, die den Klubs aus dem Oberhaus etwas Freizeit verschaffen soll. Der englische Fußballverband FA sagt dagegen, alle Vereine hätten gewusst, was passiert, wenn man in der 4. Runde des Pokals in ein Wiederholungsspiel muss. Der Terminkalender der folgenden Wochen sei schon überladen.

Topspieler halfen nicht

Wie immer man dazu steht: Schade ist, dass die Diskussion davon ablenkt, was Liverpools Gegner Shrewsbury im Hinspiel geschafft hat. Ja, Klopp und die Reds traten im New Meadow freiwillig mit Spielern aus der zweiten Reihe an. Aber auch die späteren Einwechslungen von Alex Oxlade-Chamberlain, Mohamed Salah und Firmino verhalfen ihnen nicht zum Sieg. Der großflächig tätowierte Einwechselstürmer Jason Cummings hatte für die Riesenüberraschung gesorgt und aus einem 0:2 ein 2:2 für Shrewsbury gemacht. Weiterlesen „Das Team, gegen das Jürgen Klopp nicht spielen will“

Die erste Woche der Wahrheit

Die kürzeste Winterpause seit Jahren geht zu Ende. Für Borussia Dortmund war sie noch aus einem anderen Grund eine ungewöhnliche, hat man doch zwei Spieltage vor Weihnachten den Trainer gewechselt. Peter Stöger hatte im kurzen Trainingslager in Marbella und in nur zwei Testspielen die Aufgabe, die Mannschaft auf die Rückserie vorzubereiten. Ziel ist das erneute Erreichen eines Champions League-Platzes.

Keine ganz leichte Aufgabe. Die Konkurrenz ist stärker geworden, der BVB präsentierte sich in den letzten Monaten schwächer. Die Teams hinter Bayern liegen dicht beisammen. Man muss also nicht jedes Spiel gewinnen, darf sich aber auf keinen Fall noch mal eine schwarze Serie erlauben. Die ersten beiden Partien unter Stöger wurden gewonnen. Doch das kurze Trainingslager verlief nicht optimal. Eine Reihe von Spielern erwischte ein Magen-Darm-Virus. Schmelzer und Guerreiro verletzten sich. Und die atmosphärischen Störungen in der Mannschaft scheinen noch nicht komplett vergessen.

Menschlich ist es Peter Stöger auf jeden Fall zuzutrauen dass er die schwarz-gelben Jungs wieder zusammenführt. Vielleicht etwas ruhiger als Jürgen Klopp, aber ebenfalls mit viel positiver Ausstrahlung. Als Trainer unterscheidet sich Stöger vom Helden der jüngeren BVB-Geschichte: Klopp hatte seine ganz eigene Spielweise, stark beeinflusst von seinem Mentor Wolfgang Frank. Unser Neuer richtet sich eher nach den Fähigkeiten des zur Verfügung stehenden Kaders. Stöger schaut sich an, „wo die Qualitäten der Spieler liegen und wo sie sich am sichersten aufgehoben fühlen“, wie er in dieser Woche dem „Kicker“ sagte (Nr. 4/2018, S. 23). Das hört sich weniger visionär, aber flexibler an. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht zu sehr nach den Spielern richtet.

Zunächst mal traue ich es Peter Stöger zu, für diesen Kader in jedem Spiel von neuem eine gute Idee zu entwickeln. Ein bisschen Grundvertrauen schadet nicht. Als erster Gegner kommt am Sonntag der VfL Wolfsburg ins Westfalenstadion. Zuletzt spielte die Borussia gerne gegen die Wölfe. Die letzte Niederlage war ausgerechnet jene in Berlin, in Jürgen Klopps letztem Spiel als BVB-Trainer. Auch unter Martin Schmidt reißt der VW-Klub keine Bäume aus und ist vor allem für seine Unentschieden bekannt. Mario Gomez ist nach Stuttgart gegangen, Liverpool-Leihgabe Divock Origi noch da.

Trotzdem: In der jetzigen Phase sind die Wölfe genauso schwer einzuschätzen wie die Borussia selber. Was nicht heißt, dass die Schwarz-Gelben sich mit weniger als einem Sieg zufriedengeben könnten.

Tuchels Gameplan hält nur 90 Minuten

Europa League, Viertelfinale / FC Liverpool 4 BVB 3

Ein furioser Start, ein faszinierender Europapokal-Abend, der Werbung für den Wettbewerb war – doch bei der Auslosung zum Halbfinale heute Mittag ist Borussia Dortmund nicht im Topf. Das Stehaufmännchen Nummer 1 bleibt Jürgen Klopp.

Lange sah es so aus, als ob die Schonung vieler Stammkräfte im Derby bei S04 Früchte getragen hätte. Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang spielten lange nahe ihrer Bestform. Doch so überzeugend der BVB zunächst angriff, defensiv sah es immer dann gefährlich aus, wenn die Reds zielstrebig und passsicher kombinierten. Lukasz Piszczek war stark nach vorne, aber defensiv nicht immer im Bild. Und Marcel Schmelzer? Hat der gestern eine Flanke verhindert? Er schien immer da zu sein, wo der Ball nicht war. In der Zentrale wurde es unterdessen immer gefährlich, wenn mehr als zwei Spieler zu decken waren.

In den ersten 20 Minuten war dieses Spiel eine Leistungsschau der BVB-Offensive, danach ein packender Europapokal-Fight. Doch den Borussen half es am Ende weder, sich einreden zu lassen, man habe das stärkere Team, noch dass man kräftemäßig am Limit sei. Nach solch einem Last-Minute-Desaster lässt sich natürlich nicht seriös sagen, wie sich eine geringere Rotation am Sonntag ausgewirkt hätte. Doch de facto steht man nun 7 Punkte hinter Bayern und nicht mehr in der Europa League.

Die Dramaturgie des Spiels verlief in der zweiten Hälfte zunächst denkbar ungünstig. Ein schnelles Gegentor hätte es nun wirklich nicht gebraucht. Doch der großartige Marco Reus schien alles klar gemacht zu haben – wäre nicht Klopps Liverpool Meister der Aufholjagd. Dass der BVB sich dem nicht mehr widersetzen konnte und noch drei Tore kassierte, ist schwer erklär- und verzeihbar. Auch der Doppelwechsel – Ramos und Gündogan für Reus und Castro – muss kritisch hinterfragt werden.

Es waren nicht die besten Tage von Thomas Tuchel, unbenommen dem, was er bereits mit den schwarz-gelben Jungs geleistet hat. Was bleibt, ist erst mal Leere. Und fast schon die Pflicht, am Mittwoch zu verhindern, dass Berlin nach Berlin fährt. So ist das Business.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl, Castro (82. Gündogan) – Mkhitaryan, Kagawa (77. Ginter), Reus (83. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karten: Hummels, Piszczek, Schmelzer. Tore: Mkhitaryan, Aubameyang, Reus

Klopp bleibt nicht in Dortmund

Europa League, Viertelfinale / BVB 1 FC Liverpool 1

Heute wird sich Jürgen Klopp in ein Flugzeug setzen und mit einem Unentschieden im Gepäck an die Merseyside zurückkehren. In einer Woche an der Anfield Road wird dann der sportliche Aspekt des Duells Dortmund gegen Liverpool wohl auch medial wieder mehr im Vordergrund stehen.

Das soll nicht heißen, dass es bei der Rückkehr des geliebten Erfolgstrainers nicht gekribbelt hat. Aber neben Dankbarkeit und Respekt spürte ich vor allem ein sportliches Kribbeln: Wie würde der BVB gegen den neuen Klub des ausgewiesenen Dortmund-Kenners aussehen? Wer am Ende die Oberhand behalten wird, ist nach dieser Partie noch offen. Aber leicht wird die Aufgabe für die Schwarz-Gelben nicht.

Es zeigte sich, dass ein hochmotiviertes Team mit Klopp’schem Pressing und Einzelkönnern wie Coutinho, Lallana oder Origi gegen die Borussia einiges ausrichten kann. Positiv war vor allem in der ersten Hälfte, dass der BVB darauf ruhig reagierte und es den Gastgebern so nach und nach gelang, doch ein deutliches Übergewicht zu schaffen.Was fehlte war die Präzision – oder die richtigen Entscheidungen in Strafraumnähe. Denn die Schwarz-Gelben hatten ein paar echte Chancen, aber vor allem viele Hätte-wäre-wenn-Szenen. Es scheint Spieler zu geben – etwa Erik Durm oder später Nuri Sahin – die unter Tuchel noch nicht so oft dabei waren und deshalb bei aller Auffälligkeit noch öfter falsche Entscheidungen bei Pässen und Schüssen treffen.
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Jetzt also doch: Klopp kommt nach Dortmund

Ist es das Spiel, das wir möglichst lange vermeiden oder doch alle sehen wollten? Schon im Viertelfinale der Europa League trifft Borussia Dortmund laut der von unserem Ex-Stürmer Alex Frei vorgenommenen Auslosung auf Ex-Trainer Jürgen Klopp und den FC Liverpool. Dabei müssen die Schwarz-Gelben zunächst zu Hause antreten.

Sicher sind beide Sichtweisen nachvollziehbar, aber ich neige doch dazu, mich auf die beiden Partien zu freuen. Es gibt derzeit keinen Grund, der Klopp-Ära nachzutrauern. Sein neuer Verein ist zwar der mit Abstand attraktivste, aber vielleicht gar nicht der stärkste Gegner. Die Abwehr etwa ist nicht nur bei Standards anfällig. Weder wird Klopp in Liverpool scheitern, wenn er die EL nicht gewinnt, noch wird der BVB von einer verkorksten Saison sprechen müssen, wenn man gegen die Reds ausscheidet.

Nein, es ist vor allem reizvoll zu sehen, wie Klopp mit einer starken Mannschaft gegen Tuchel mit einer starken Mannschaft abschneidet. Dass das Duell einen Riesen-Medienhype auslösen wird, kann man da in Kauf nehmen. Und eigentlich ist er sogar gerechtfertigt. Solche Begegnungen braucht die Europa League, um ihre Position gegenüber der Champions League zu verbessern. Nicht jedes Viertelfinalspiel in letzterer ist ähnlich attraktiv.

Zwei hochemotionale und voraussichtlich denkwürdige Spiele erwarten uns. Nichts zu bedauern.

Kein Ergebnis für Überschriften

1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 0 Bayern München 0

Keine Entscheidung, aber erst recht kein offenes Meisterschaftsrennen – das fast schon erwartbare Unentschieden im Topspiel im Westfalenstadion nahm so manchem Texter wohl etwas die Freude. Wenn dann noch die App versagt und den schon geschriebenen Beitrag in das digitale Tal des Vergessens schickt, fasst man sich lieber kurz.

Es war eines der wenigen Saisonspiele, die Jürgen Klopp vielleicht eher gewonnen hätte als Thomas Tuchel. Gegen einen mehr und mehr dominanten FC Bayern spielte der BVB seine Offensivaktionen nicht präzise genug aus und wählte zu oft den langen – und manchmal riskanten – Weg hinten rum. Dabei waren die Lücken gegen die kleine Bayern-Abwehr durchaus vorhanden.

Die Gäste zeigten sich allerdings passsicherer und konnten zu oft im Mittelfeld schalten und walten. Gündogan, Weigl und die anderen aufbauenden Borussen hatten kaum Zeit zu überlegen, und so waren die Schnellangriffe das einzige wirksame Mittel der Schwarz-Gelben. Leider fehlten dann der passende Abschluss oder der letzte Pass.

Angesichts des Bayern-Übergewichts in der zweiten Hälfte wirkte auch Thomas Tuchel etwas ratlos. Weiterhin bleibt sein Geheimnis, warum in einem solchen Spiel nicht früher oder später ein Box-to-Box-Player wie Gonzalo Castro das Vertrauen bekommt. Die Einwechslungen von Ramos und Sahin kamen leider zu spät, auch wenn der Kolumbianer noch den Ball zum Sieg auf dem Kopf hatte.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Bender, Hummels, Schmelzer – Durm, Weigl, Gündogan – Mkhitaryan, Reus – Aubameyang. Gelbe Karte: Bender

Jürgen Klopp wird ein Roter

Dortmunds Trainer-Legende hat einen neuen Verein: Jürgen Klopp ist in Liverpool eingetroffen, um bei den „Reds“ einen Dreijahresvertrag zu unterschreiben. Seine Vorstellung steht morgen Vormittag an. Für den lukrativen und ohne Zweifel reizvollen Job in der Premier League unterbricht Kloppo also sein Sabbatical und wird ein Roter – und das nicht in der Bundesliga. Für seine nach wie vor große Fangemeinde unter den BVB-Anhängern ist das sicher leichter erträglich.

Ohnehin kann man das Engagement gut nachvollziehen: Ein sportlich ins Trudeln gekommener Traditionsklub mit ebenfalls großer Fangemeinde, der finanziell  durchaus Potenzial hat – das kann man sich als offener, selbstbewusster Trainer schon mal antun. Jürgen Klopp beherrscht die englische Sprache sehr ordentlich und ist ohne Zweifel in der Lage, Aufbruchstimmung zu erzeugen. Trotzdem wird es natürlich sehr spannend zu sehen sein, wie er mit den hohen Erwartungen, den Stars und den Medien zurechtkommt. Das kann klappen, muss aber nicht.

Besonders interessant und in der britischen Presse bereits thematisiert ist die Frage, welche Kompetenzen Klopp in der Transferpolitik bekommt. Beim FC Liverpool gibt es ein sechsköpfiges ‚Komitee‘, bestehend aus Scouts, Geschäftsführer, einem Eigentümervertreter, einem ‚Analysten‘ und – immerhin – dem Trainer. Dieses Gremium entscheidet über alle Transfers und stand zuletzt in der Kritik. Ob sich auch der neue Trainer hier der Mehrheitsmeinung unterwerfen muss, ist noch nicht bekannt.

Ein prominenter deutscher Trainer in England – das Thema wird uns in den nächsten Monaten und hoffentlich Jahren noch öfter beschäftigen. Ich werde nun zwar nicht zum Liverpool-Fan werden – meine Präferenzen lassen sich neuerdings ja hier im Blog ablesen – aber verfolgen werde ich den Werdegang von Jürgen Klopp in England ganz bestimmt. Viel Glück, Kloppo!

Tuchels großer Tag

Can you feel the energy? Es lag ein Britzeln in der Luft, als BVB-Trainer Thomas Tuchel am Mittwoch über sein erstes Heimspiel im Westfalenstadion sprach. Der Mann hat richtig Lust auf den Job und die Stimmung, die ihn morgen Abend erwartet. Vor vermutlich 65.000 Zuschauern, bei einem Europa League-Qualifikationsspiel gegen den Wolfsberger AC.

Mir geht es genauso. Bei allem, was in der 2. Halbzeit des gewonnenen Hinspiels noch nicht stimmte: Tuchel hat Recht, wenn er sagt, dass die Borussia die Partie verdient gewonnen hat. Morgen wird sie sich den Einzug in die Play-Offs nicht nehmen lassen. Ob die Aufbruchsstimmung die nächsten Wochen, die ersten Pflichtspiele in allen Wettbewerben überdauert, wissen wir noch nicht. Aber der Kader hat die Qualität – und nicht nur auf der Bank sitzt jemand, der Bock auf Siege mit dem BVB hat.

Ein tolles Beispiel für die Anziehungskraft, die dieser Verein hat, ist die Vertragsverlängerung von Pierre-Emerick Aubameyang bis 2020. Ja, er dürfte eine kräftige Gehaltsaufbesserung bekommen haben. Aber anderswo hätte er noch mehr verdient und womöglich sogar noch höher gespielt. Dass er in Dortmund ein sehr gutes Standing bei den Fans hat, dürfte zu seiner Entscheidung ebenso wie die Aussichten auf einen Stammplatz beigetragen haben. Für die Borussia ist sein Bleiben jedenfalls eine exzellente Nachricht.

Ansonsten steht der Verein dank des neuen und des alten Trainers wenig überraschend noch mehr als sonst im Fokus der (Medien-)Öffentlichkeit. Es gibt Dinge, über die gesprochen wird, weil über sie gesprochen werden muss: Etwa die Frage, ob noch ein Stürmer geholt oder andere Spieler abgegeben werden sollten. Es gibt die Dinge, über die gesprochen wird, obwohl nicht über sie gesprochen werden müsste – etwa, wann Jürgen Klopp im P1 aufschlägt oder wo Kevin Großkreutz bald Karneval feiert. Und dann sind da noch jene Dinge, über die nicht gesprochen wird, obwohl es eigentlich getan werden sollte: die Qualität der Außenverteidiger. So bleibt wieder mal nur die Hoffnung, dass die, die da sind, uns endlich eines besseren belehren.

Morgen fehlen Erik Durm und Neven Subotic wohl noch verletzungsbedingt. Was Thomas Tuchel die Wahl der Viererkette vereinfachen wird. Bald wird er härtere Entscheidungen treffen müssen, auch in der Torwartfrage. Auf der Position wird derzeit noch rotiert, morgen spielt wieder Roman W. Aber Tuchel lässt sich bisher von Fragen nicht unter Druck setzen, geht die Sache undogmatisch und entspannt an. Möge es lange so bleiben. Wer weiß, wie man sich einst an das erste Heimspiel des Trainers zurückerinnern wird.

Die nebulöse Zukunft des BVB

Lieber DFB, es war doch nur eine Metapher.
Lieber DFB, es war doch nur eine Metapher.

Am Mittwoch um 12 Uhr stellt sich Thomas Tuchel in Dortmund der schwarz-gelben Öffentlichkeit als neuer BVB-Trainer vor. Die meisten Fans dürften dem Termin trotz oder auch wegen des gerade erst verlorenen Pokalfinales mit großer Spannung entgegenblicken. Doch dass sich dann die Zukunft der Borussia so schnell klärt wie die gelben Nebelschwaden am Samstagabend im Olympiastadion ist nicht zu erwarten. Zwar ist nicht auszuschließen, dass Tuchel als Antrittsgeschenk einen weiteren festgeklopften Transfer bekommt – etwa 1860-Talent Julian Weigl – doch werden in den nächsten Monaten noch viele wichtige Entscheidungen fallen.

Die wichtigste Weichenstellung wird sein, ob die verbleibenden Vereinsverantwortlichen eine weithin verbreitete Rechtfertigung für den Klopp-Abgang wirklich glauben. Die besagte, dass ein echter Umbruch in der Mannschaft nicht mehr nötig sei, wenn der prominente Kopf der Schwarz-Gelben weg wäre. Diese Ansicht könnte sich als Trugschluss herausstellen. Es geht gar nicht darum, viel Geld für neue Spieler auszugeben oder wirklich zehn Mann auszutauschen. Nötig ist aber, wie schon gefordert, eine harte, ehrliche Analyse – ohne Schonung von Akteuren, über die bisher eher die Hand gehalten wurde.

Es ist kein Geheimnis, dass ich damit vor allem die in dieser Saison eingesetzten Außenverteidiger meine. Schmelle, Piszczu, Kevin, ja selbst Erik sind alles Jungs, die gefühlsmäßig zu uns gehören, aber auch auf den Prüfstand. Da muss man ja niemand direkt wegschicken, man sollte sich aber um die vorhandenen und eventuell verfügbare neue Alternativen kümmern. Um die defensive Stabilität wiederherzustellen muss Tuchel natürlich alle relevanten Positionen in den Blick nehmen – und die bisherigen Hierarchien überdenken. Weiterlesen „Die nebulöse Zukunft des BVB“

Erdbeben in Dortmund – Klopp geht am Saisonende

Wer hätte das gedacht? Berufszyniker und Erfolgsfans werden jetzt vielleicht zufrieden die Hände heben. Ich habe es bis zuletzt für unwahrscheinlich gehalten, dass Jürgen Klopp beim BVB vor Vertragsende aufhört. Klopp selbst hat betont, seine Verträge stets zu erfüllen. Doch heute hat der Erfolgstrainer der letzten Jahre auf einer emotionalen Pressekonferenz bekanntgegeben, dass sich die Wege von ihm und Borussia Dortmund am Saisonende trennen. Am Morgen waren entsprechende Gerüchte von der „Bild“ lanciert worden; der Verein sah sich daraufhin gezwungen, die Öffentlichkeit früher als geplant zu informieren.

Zunächst ergriff Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Wort, dem man ansah und –hörte, dass die Entscheidung nicht von ihm kam und er sie so nicht getroffen hätte. Er gab Klopps Weggang offiziell bekannt. Die mit Abstand meiste Redezeit hatte natürlich Kloppo selber. Seine Begründung ist aus seiner Sicht nachzuvollziehen. Er habe das Gefühl gehabt, für die Zukunft nicht mehr der bestmögliche Trainer für die Borussia zu sein. Sicher wird der bisherige Saisonverlauf auch an ihm gezehrt haben, aber nicht so sehr, dass er es nicht mehr ausgehalten hätte.

Zum Nachdenken regt ein Satz von Klopp an, der nicht im Zentrum der PK stand: „Für Entwicklung brauchst du die Möglichkeit, kleine Schritte zu machen.“ Die Erwartungen, sicher auch von Teilen der Fangemeinde und geschürt von den Medien, waren so hoch, dass der Trainer den im Sommer nötigen Neuaufbau in Gefahr sah. Dieser hätte nämlich unter Umständen weitere Geduld vom Umfeld gefordert.

Wenig überzeugend ist die Argumentation, dass dieser Neuaufbau nun gar nicht mehr nötig sei, weil ja der Kopf bald weg ist. Wer wirklich glaubt, dass Klopp das Hauptproblem ist, denkt schlicht unterkomplex. Ob mit oder ohne Klopp: Es braucht keinen radikalen Schnitt, aber eine ehrliche Analyse ohne Rücksicht auf Namen und mit Sicherheit Änderungen in mehreren Mannschaftsteilen.

Aus Übermut über ihren ‚Coup’ hat die „Bild“ gleich mal Thomas Tuchel als Nachfolger ins Spiel gebracht. Es ist ja auch schön nahe liegend, nachdem er anderen Vereinen abgesagt hat. Doch dass eine solche Entscheidung beim BVB nach sieben Jahren Klopp so schnell getroffen wird, ist sehr unwahrscheinlich. Außerdem ist Tuchel in mancher Hinsicht Klopp ähnlich, etwa beim favorisierten Spielstil und dem Verhalten am Spielfeldrand. Es gibt auch taktische und menschliche Unterschiede, aber ob Watzke und Zorc noch mal den Weg nach Mainz gehen? Es sagt auch nicht wirklich etwas über Tuchels Qualitäten aus, dass sich Vereine wie der HSV, der FC Schalke und RB Leipzig um ihn bemüht haben. Nachdenklich machen darüber hinaus Tuchels Abschied von Mainz und die Meinung, die der ausgebootete Ex-Torwart Heinz Müller vom Ex-Trainer hat.

Sieben Jahre sind tatsächlich eine sehr beachtliche Zeit im Fußball. Sie war die großartigste, die ich als Fan erlebt habe, trotz der 90er. Ich habe mich in den letzten Jahren ganz gelegentlich bei dem Gedanken ertappt, wie es wohl ohne Klopp wäre, mit einem etwas gelasseneren Trainer. Richtig gewünscht habe ich mir das nie. Und auch jetzt muss sich erst erweisen, ob es derzeit einen besseren Trainer für diesen Verein gibt. Wir werden weiter diskutieren, wir werden es irgendwann sehen. Ein schöner Tag ist das heute nicht, außer in Portugal. Danke für alles, Jürgen Klopp, jetzt schon mal!