Kommt jetzt der Bayern-Jäger?

Für die Mannschaft von Borussia Dortmund könnte es positiv sein, den schwachen Auftritt in Berlin schon am Mittwoch vor eigenem Publikum gerade rücken zu können, für mich als Fan kommt die Partie in jedem Fall wie gerufen. Mit dem VfL Wolfsburg kommt ein Team, das spielerisch überzeugen wollen wird und das auch von seiner individuellen Klasse lebt. Darüber hinaus haben die Niedersachsen zurzeit die Variabilität im Spiel, die den Schwarz-Gelben oft fehlt. Dennoch tun auch sie sich immer mal wieder schwer gegen gut verteidigende Mannschaften – wie es soeben erst Paderborn bewiesen hat. Ohne Zweifel sind die VW-Kicker derzeit die Nummer 2 in Deutschland, dafür spricht neben dem Tabellenplatz auch das Torverhältnis (+15), an das die Verfolger nicht rankommen. Nach Paul Breitner, dem ehemaligen Revolutionär und heute unerträglichen Apologeten der Macht, sind sie aber selber schuld daran, dass sie an den FC Bayern nicht heranreichen.

Der BVB wird sich mit aller Macht und aller Unterstützung der Fans in die Begegnung am Mittwoch werfen müssen. Die Spieler müssen in allen wichtigen Situationen nah am Mann sein und dürfen keine unnötigen Räume anbieten. Leicht gesagt, in der Realität wird es ein Kraftakt. Mit der eigenen Spielkultur sollten wir alle Geduld haben, denn ohne Mkhitaryan UND Reus fehlen zwei schnelle UND trickreiche Akteure. Man kann nur hoffen, dass Pierre-Emerick Aubameyang an früher in der Saison gezeigte Leistungen anknüpfen und seine Geschwindigkeit wieder effektiv einsetzen kann.

Wer Jürgen Klopp in der heutigen Pressekonferenz gesehen hat, weiß, dass der Trainer keinesfalls resigniert hat und ebenso wenig die Schuld für den Tabellenstand vorwiegend in externen Faktoren sucht – wie mancher externe Beobachter schnell mal behauptet. Seine Einschätzung, dass sich gerade im Offensivspiel noch nicht das perfekte Zusammenspiel entwickeln konnte, ist absolut nachvollziehbar. Schließlich haben häufig müde Spieler neben frisch genesenen trainiert, während andere nicht zur Verfügung standen. Dennoch räumt Klopp ein, dass viele Partien besser hätten laufen können und müssen.

Das Wolfsburg-Spiel wird außer Marco und Miki auch Sokratis verpassen. Mit dem griechischen Innenverteidiger, der in der jetzigen Situation eigentlich die Nummer 1 in der Viererkette sein müsste, rechnet der Trainer erst wieder Anfang Januar. Die Gäste dürften bis auf die Langzeit-Ausfälle Felipe und Ochs alle wichtigen Akteure zur Verfügung haben. Der BVB kann sich also auf eine Offensive mit Olic in der Spitze und dahinter Vierinha, de Bruyne und Ex-Borusse Perisic gefasst machen. Wollen wir nicht hoffen, dass Letzterer es dem Berliner Ex-Borussen Schieber gleich tut.

Juventus ganz weit entfernt

Die Champions League ist zum Glück bereits in der Winterpause, doch die Schwarz-Gelben haben heute ihren Achtelfinalgegner erfahren, gegen den am 24. Februar auswärts und am 18. März im Westfalenstadion gespielt wird. Natürlich werden beim Namen Juventus Turin Erinnerungen wach an den lupfenden Ricken oder den träumenden Riedle, der dem BVB übrigens heute dieses Los bescherte. Doch ob die Partie in den Gedanken aller überhaupt noch an Bedeutung gewinnt, wird sich einzig und allein in der Bundesliga entscheiden. Es könnte eines der seltsamsten und trostlosesten K.O.-Spiele überhaupt werden – oder eine sich hoffentlich bis dahin im Aufschwung befindliche Borussia weiter beflügeln.

Unschlagbar ist der italienische Tabellenführer trotz Spielern wie Buffon, Chiellini, Pirlo, Pogba, Vidal oder Tevez sicher nicht. Erst in den Rückspielen der CL-Gruppenphase sicherte sich Juventus das Weiterkommen. Über die Chancen der Borussia wird frühestens Mitte Februar zu reden sein – zum Glück.

Dortmunds Krise hat auch Gründe

1. Bundesliga, 13. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 0

Wer wollte dieser weisen Erkenntnis der ARD-Sportschau widersprechen? Fragen wir uns also mal wieder, welche Gründe dazu geführt haben, dass die Borussia auch am 13. Spieltag mit null Punkten nach Hause fährt. Und zu diesem Zeitpunkt der Saison so schlecht da steht wie seit knapp 30 Jahren nicht mehr – seit der Spielzeit mit dem legendären Relegations-Krimi gegen Fortuna Köln. Der Übersichtlichkeit halber erfolgt die Analyse in zwei Teilen. Über die Transferpolitik und erzwungene Transfers wird in der nahen Zukunft zu sprechen sein.

Gegen die Eintracht wurde der BVB erneut Opfer einer unguten Mélange aus haarsträubenden Abwehrfehlern, unglücklicher bis schwacher Chancenverwertung, fehlender Kreativität und grenzwertiger Schiedsrichterentscheidungen. Um es gleich zu sagen: Einen klaren Fehler wie Wolfgang Stark beging der Unparteiische Gagelmann jedoch nicht – obwohl das Einsteigen gegen Aubameyang vor dem 0:2 äußerst robust war.

Das Verletzungspech ist derzeit vor allem daher ein Problem, weil es im schwarz-gelben Kader doch größere Leistungsunterschiede gibt. Und die, die nach einer Verletzung wieder zurückkommen, noch nicht bei 100 Prozent sein können. Um es deutlich zu sagen: Eine Innenverteidigung aus Matthias Ginter und Neven Subotic muss so bald wie möglich vermieden werden. Mit sehr einfachen Mitteln waren die beiden heute zu überrumpeln – dass Piszczek / Großkreutz und Durm zu viele Flanken zuließen, kommt noch dazu. An Jürgen Klopp muss man wiederum die Frage stellen, warum er mit den zuletzt allesamt nicht besonders glücklich agierenden offensiven Mittelfeldleuten Großkreutz, Kagawa und Mkhitaryan begann. Gündogan oder Ramos von Beginn an wären naheliegende Alternativen gewesen.

Für die Abwehr, wo sich inzwischen selbst Roman Weidenfeller von der Unsicherheit anstecken lässt, ist hoffentlich bis Freitag Abhilfe in Sicht. Schwieriger wird es, die fehlenden Ideen und die Torgefahr von Marco Reus kurzfristig zu ersetzen. Ein ‚Weiter so‘ kann es im Offensivbereich auch nicht geben. Nachdem ein Festhalten an Personen und am System nicht wirklich geholfen hat, muss Klopp hier wieder mehr experimentieren. Adrian Ramos und Ciro Immobile sind im derzeitigen Kader die Einzigen, die einen ähnlichen Torinstinkt wie Aubameyang und Reus haben. Sie besser ins Spiel zu integrieren, wird in den nächsten Tagen eine wesentliche Aufgabe für Klopp und sein Team sein.

Machen wir uns nichts vor: Die Partie in Frankfurt war nicht gut und für Dortmunder Verhältnisse auch keine unglückliche Niederlage. Der Unterschied selbst zur Vorsaison ist groß. In den nächsten Wochen werden nach derzeitigem Stand bis auf Marco Reus alle Spieler wieder zur Verfügung stehen. Wenn das nicht weiterhilft – nur dann wäre Jürgen Klopp mit seinem Latein am Ende.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (38. Ramos), Subotic, Ginter, Durm – Bender, Kehl (74. Gündogan) – Mkhitaryan, Kagawa (74. Jojic), Großkreutz – Aubameyang. Gelbe Karten: Ginter, Großkreutz

Vierzehnter Effzeh Köln

„In Frankfurt war vieles okay. Aber offensiv haben wir zu wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht und uns defensiv individuell nicht so verhalten wie es eine Bundesligamannschaft machen sollte.“

Gesagt hat das Köln-Trainer Peter Stöger im aktuellen Kicker, Nr. 85 / 2014, S.14. Genau das Gleiche hätte auch Jürgen Klopp nach dem Stuttgart-Spiel oder dem Derby formulieren können. Und so sind die Parallelen zwischen dem Aufsteiger Effzeh und Vizemeister Borussia damit auch noch nicht zu Ende. Die beiden Klubs sind Tabellennachbarn, durch nur einen Punkt getrennt. Bei Köln lag das Augenmerk der Kritiker bisher allerdings eher auf der stotternden Offensive (erst vier Treffer), beim BVB auf der ungewohnt offenen Defensive (schon zwölf Gegentore).

Am Samstagnachmittag treffen die Vereine in der Stadt am Rhein aufeinander. Die Floskel vom 6-Punkte-Spiel kann man sich zu diesem Zeitpunkt der Saison getrost sparen. Die Partie ist aus schwarz-gelber Sicht eine von vielen, die darüber entscheiden werden, ob die Borussia ihre Saisonziele noch erreichen kann. Natürlich sind mit der möglichen Rückkehr der Kreativabteilung – namentlich Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und natürlich Ilkay Gündogan – Erwartungen verbunden. Nur ist sich der FC genauso bewusst, dass eine Trendwende nach drei Niederlagen ganz schön wäre – und wird im eigenen Stadion alles dafür geben.

Dabei stehen Peter Stöger bis auf Patrick Helmes alle mehr oder weniger illustren Namen zur Verfügung. Jürgen Klopp muss dagegen noch auf Kuba, Nuri Sahin und Oliver Kirch verzichten. Pierre-Emerick Aubameyang wird erst am Freitag in Dortmund zurück erwartet und könnte zunächst auf der Bank Platz nehmen. Natürlich werden die schwarz-gelben Hoffnungen auf dem ’neuen‘ Mittelfeld ruhen. Da könnte Kehl neben Bender, aber eben auch Gündogan auflaufen. Der wohl gesetzte Shinji Kagawa könnte von Marco Reus und ‚Miki‘ flankiert werden. Oder von Kevin Großkreutz, wenn der nicht in der Defensive gebraucht wird.

Auf die Frage in der Pressekonferenz zum Spiel, was er in den zwei Länderspielwochen wirklich verbessern konnte, antwortete Jürgen Klopp: den körperlichen Zustand der Spieler. Das könnte ganz entscheidend sein, wenn sich die positiven Vorzeichen aus Länder- und Testspielen bewahrheiten. Freuen darf man sich auf diese Partie in stimmungsvoller, vielleicht sogar freundschaftlicher Atmosphäre ohnehin. Egal wie tief nun diese Fanfreundschaft mit dem Effzeh wirklich geht: Sie ist neben den ganzen Rivalitäten bis hin zu Hass, neben der Abneigung gegen Konstrukte wie RB Leipzig etwas erfrischend Positives. Auch mir ist Köln tendenziell sympathisch – wie bei Dortmund mit Ausnahme einiger Gruppierungen. Möge der Gelbere gewinnen!

BVB vermasselt Rehabilitation

1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 0 Hamburger SV 1

Da muss man nicht drum herumreden: Das war nichts als eine Enttäuschung, vielleicht die größte 2014. Denn trotz allem, was wir in dieser Bundesliga-Saison bereits erlebt haben, war dieses 0:1 nicht zu erwarten. Nicht gegen diesen HSV, eine Truppe von Tretern, Schauspielern, Nicolai Müller und Johan Djourou.

Begeben wir uns also auf die Suche nach der Lösung des Rätsels, wie dieses Heimspiel verloren gehen konnte. Am Anfang steht wie immer die Aufstellung. Jürgen Klopp setzte im Gegensatz zur Champions League auf Durm rechts hinten, Hummels in der Innenverteidigung und Adrian Ramos im Sturm. Diese Entscheidungen sind nachvollziehbar und doch darf man auch an ihnen zweifeln. Der Prämisse „Safety first“ haben sie jedenfalls nicht gedient.

Mats Hummels ist eigentlich ein Klasse-Verteidiger und braucht Spielpraxis. Bei ihm sprach gegen den HSV sicher am wenigsten gegen einen Platz in der Startelf. Lukasz Piszczek vor den Länderspielen eine Pause zu gönnen, war verständlich, aber im nachhinein angesichts seiner vergleichsweise guten Form doch fragwürdig. Erik Durm konnte am Samstag leider keine ähnlichen offensiven Akzente setzen. Adrian Ramos war am Mittwoch Doppel-Torschütze, davor jedoch Fehlpasser im Derby. Letztere Rolle erfüllte er auch vorgestern wieder und war eindeutig der Auslöser des Gegentors, selbst wenn sich dann noch Hummels und Sokratis täuschen ließen. Im Sinne eines risikoärmeren Spiels hätte Ciro Immobile beginnen sollen.

Doch wenn auch der Rest der Mannschaft viel zu oft auf planlos ins Mittelfeld oder hoch nach vorne geschlagene Bälle zurückgreift, können diese zwei Personalien nicht so ausschlaggebend gewesen sein. Stattdessen landen wir dann bei der fehlenden Kreativität. Das Problem wurde dadurch verstärkt, dass Kevin Großkreutz und Pierre-Emerick Aubameyang zwar wie immer ihre Kilometer liefen, aber gänzlich ideen- und glücklos blieben. Da reicht ein Shinji Kagawa allein eben nicht, der in der ersten Hälfte und gegen Ende noch ein paar brauchbare Szenen hatte. Weiterlesen „BVB vermasselt Rehabilitation“

Favorit gegen Spitzenreiter

Eine interessante und schwer vorherzusagende Konstellation erwartet die schwarz-gelbe Gemeinde am Mittwoch in der Champions League. Auf der einen Seite der unangefochtene Tabellenführer der ersten belgischen Liga, der in dieser Saison wettbewerbsübergreifend noch ungeschlagen ist. Aber andererseits seit der Einführung der Champions League noch nie gegen ein deutsches Team gewonnen hat und im neuen Jahrtausend bei Teilnahme immer als Letzter der Gruppenphase ausgeschieden ist.

Auf der anderen Seite steht der Tabellenzwölfte der Bundesliga, der momentan der Abstiegszone näher ist als der Spitze. Doch der BVB kommt mit der Empfehlung einer CL-Final- und Viertelfinal-Teilnahme und zwei nationalen Vizemeisterschaften in den letzten beiden Jahren. Und dann war da noch der Gala-Auftritt gegen Arsenal.

Der RSC Anderlecht hat einen jungen Kader, der keinesfalls zu unterschätzen ist, wenn es wie derzeit gerade läuft. Auf die Borussia kommt daher fraglos eine schwere Aufgabe zu. Einiges wird übermorgen vom Trainer abhängen. Aus dem den Belgiern zweifellos überlegenen Kader muss Jürgen Klopp jene Spieler auswählen, die nicht nur für gewöhnlich, sondern gerade an diesem Mittwoch die höchste Qualität anbieten. Die also auch fit und in Form sind. Das gewohnte 4-2-3-1-System erscheint in der momentanen Situation die beste Lösung.

Stand heute Morgen sähe meine Startelf so aus: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Kehl (Jojic), Bender – Aubameyang, Kagawa, Großkreutz – Immobile.

BVB ist sein stärkster Gegner

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 2 VfB Stuttgart 2

Es war angerichtet: Der Tabellenletzte musste auf Maxim sowie Ibisevic verzichten und opferte am Mittwoch Sportdirektor Fredi Bobic. Doch die Vorzeichen können noch so schlecht stehen – wenn sich der Gegner solch katastrophale Fehler wie die Borussia leistet, kann jede Bundesligamannschaft gegen jede andere punkten.

Mit naheliegenden Änderungen in der Startelf – Subotic für Ginter, Schmelzer für Durm und Immobile für Ramos – ging der BVB ins Spiel. Doch die angespannte Personallage ließ gegen disziplinierte Stuttgarter zunächst wenig Zwingendes zu. Das ist nicht respektlos gegenüber der Leistung der Gäste gemeint, aber wenn Shinji Kagawa der einzige Spieler mit zündenden Ideen ist, wird es eben schwierig. Zur Mitte der ersten Halbzeit wirkten die Schwaben kurzzeitig sogar gefährlicher – ein Eindruck, der sich nach Piszczeks schönem Lupfer in den Lauf von Kagawa wieder legte.

Die Borussia beendete die Hälfte stark und wirkte Anfang der zweiten ebenso entschlossen. Doch dann leistete man sich hinten einen kollektiven Blackout, den man so in diesem Stadion auch nicht alle Tage sieht. Beteiligt waren unter anderem Immobile (Fehlpass, im Anschluss zu spät), Jojic (ließ Flanke zu), Schmelzer (verlorener Zweikampf) sowie innen die eigentlich chancenlosen Piszczek und Subotic. Eine wirklich peinliche Szene, die zumindest durch einen Schuss auf die Tribüne hätte entschärft werden können. So gelangte der Ball von Stuttgarts rechter Seite irgendwie zum zentral stehenden Torschützen Didavi.

Die Schein-Dominanz der Borussia führte in der Folge kaum zu echten Torchancen. Großkreutz und Aubameyang auf den Flügeln ließen nach, Bender und Jojic steuerten offensiv ebenfalls kaum Effektives bei. Und dann ließ sich die Defensive durch einen einfachen hohen Pass von Rüdiger düpieren, so dass Schmelzer plötzlich im Strafraum allein gegen Werner und Didavi stand. Hätte der Linksverteidiger den Ball durchgelassen, hätte vermutlich Weidenfeller geklärt. Doch Schmelle produzierte eine beinahe akrobatische Vorlage auf Werner, der nur noch zu seinem Mitspieler querlegen musste.

Ein Tiefschlag, doch es war noch nicht vorbei. Eingedenk der oft seltsamen Spiele gegen Stuttgart war auch das Stadion noch hellwach und tatsächlich gelang Aubameyang nach cleverem Zuspiel von Piszczek der Anschlusstreffer. Direkt im Anschluss musste der schnelle Offensivmann an der Seite von Kevin Großkreutz raus – Hummels und Gyau kamen. Eine mindestens diskussionswürdige Entscheidung von Jürgen Klopp, die durch den Ausgleich nach Freistoß und Ullreich-Patzer nur teilweise bestätigt wurde.

Am Ende hätte Lukasz Piszczek die Partie gegen die Schwaben erneut zu einer denkwürdigen machen können – hätte nicht erneut Rüdiger entscheidend eingegriffen und kurz vor der Linie geklärt. Doch ganz am Ende gibt es bei aller Erleichterung kaum eine Entschuldigung, warum gegen diesen Gegner zu diesem Zeitpunkt zu Hause keine drei Punkte geholt wurden. Mats Hummels‘ Einwechslung war zwar ein Versprechen für eine stabilere Abwehr-Zukunft, aber bei der Riesenchance für Gentner sah auch der Hoffnungsträger nicht gut aus.

Der BVB steht also nach fünf Spieltagen auf Platz 8, mit vier Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze. Nun muss das Derby am Samstagnachmittag von allen als Chance begriffen werden, mit 90 Minuten wieder alles gerade zu rücken. So schnell könnte es gehen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Sokratis, Schmelzer – Bender (66. Ramos), Jojic – Aubameyang (74. Gyau), Kagawa, Großkreutz (74. Hummels) – Immobile. Gelbe Karten: Sokratis, Subotic. Tore: Aubameyang, Immobile

Kellerduell in Augsburg

BVB-Fans, die nach der Auftaktpleite gegen Leverkusen erst mal wieder Mut fassen müssen, sollten sich einfach Jürgen Klopps Pressekonferenz zum Freitagabendspiel in Augsburg anschauen (z.B. bei BVB Total). Die Niederlage hat den Trainer offensichtlich beschäftigt, so dass zwei seiner Grundtugenden besonders deutlich zutage traten: Einerseits ging er ins Detail und analysierte messerscharf, was in erfolgreichen Zeiten nicht in jeder PK der Fall ist. Andererseits hatte er genügend Zeit für Späßchen – ein Indiz für seine positive Haltung und die Lust am Fußball, die er immer wieder auf die Spieler zu übertragen versteht.

Nicht, dass alles plötzlich wieder zum Besten stünde. Von den zuletzt geschonten Spielern kehrte im Benefiz-Testspiel bei Waldhof Mannheim (4:0) nur Roman Weidenfeller ins Team zurück. Dortmunds Nummer 1 wird auch morgen im Kasten stehen. Adrian Ramos und Sven Bender nahmen gestern am Mannschaftstraining teil. Klopp konnte jedoch noch keine Auskunft zu ihrer Verfügbarkeit für Freitag geben. Auf Mats Hummels verzichtet der Trainer jedenfalls noch – die Abwesenheit des Weltmeister-Innenverteidigers wird mit muskulären Problemen begründet. Alle anderen Verletzten sind frühestens nach der Länderspiel-Pause ein Thema.

Taktisch führte Klopp sehr nachvollziehbar aus, dass ein ‚flaches‘ 4-4-2-System zwar defensive Stabilität verleihen kann, die Borussia aber (derzeit) nicht unbedingt die passenden Spieler dafür hat. Um die zentral offensiv starken Spieler wie Reus oder Mkhitaryan bestmöglich zur Geltung kommen zu lassen, dürfte er erneut auf eine 4-4-2-Raute mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler oder das 4-2-3-1 der letzten Saison setzen. Matthias Ginter könnte unter Umständen wie in Mannheim auf der ‚6‘ zum Einsatz kommen – wenn Neven Subotic als fit und spielstark genug für die Innenverteidigung erachtet wird.

Der FC Augsburg hat in der Bundesliga einen ebenso schlechten Start wie die Schwarz-Gelben hingelegt, sich aber bereits aus dem Pokal verabschiedet – beim Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Nach den derzeitigen Eindrücken könnte dem Überraschungsteam der Vorsaison ein tiefer Fall drohen, doch Trainer Markus Weinzierl wurde damals ja nicht umsonst gelobt. Es wird darauf ankommen, wie schnell er die schmerzenden Abgänge von unter anderem André Hahn und Matthias Ostrzolek kompensieren und die insgesamt hohe Zahl neuer Spieler integrieren kann. Halbwegs prominente Ausfälle gibt es in Jan Moravek und Alexander Esswein nur zwei.

Dennoch: So wie der erste Spieltag der denkbar ungünstigste Zeitpunkt war, um auf Leverkusen zu treffen – auch Klopp merkte das in der PK an – so ist doch dieser kommende zweite Spieltag vielleicht ein idealer Termin, um nach Augsburg zu fahren. Beim BVB stimmt noch vieles nicht, aber aus dem bayerischen Schwaben ein paar Punkte mitzunehmen, scheint derzeit alles andere als unmöglich. Dort könnte es übrigens ein Wiedersehen mit Mittelfeldspieler und Ex-Borusse Markus Feulner geben, der einer der neun Neuen ist. Ich freue mich drauf, aber vor allem auf ein tolles Freitagabendspiel!

Der extrafrühe Fehlstart

1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 0 Bayer Leverkusen 2

Das kann ja nur eine sehr erfolgreiche Saison werden: Borussia Dortmund verliert am ersten Spieltag zu Hause 0:2 gegen Leverkusen. Wie 2010. Und die Parallelen gehen noch weiter: Am Freitag zuvor gewann vor vier Jahren Bayern München 2:1 gegen den VfL Wolfsburg. Erstaunlich. Wäre ich doch abergläubisch.

Da ich nun aber eben nicht der Typ bin, der allzu viel auf historische Statistiken gibt oder allzu intensiv über das nächste Frühjahr spekuliert, hatte ich keinen großen Spaß am gestrigen Spiel. Dass Leverkusen der derzeit schwierigste Gegner sein könnte, war zu erwarten. Dass die Gäste gegen uns das früheste Bundesliga-Tor aller Zeiten schießen würden, sicher nicht. Und für ein Gegentor nach neun Sekunden – da hat Jürgen Klopp Recht – gibt es dann auch keine Entschuldigungen wie die Anzahl der Verletzten oder die WM. Es waren auch nicht alle elf Schwarz-Gelbe in gleicher Weise schuld daran. Der Angriff lief über die rechte BVB-Seite – Pizszcek war nicht auf Position, Jojic und Ginter verloren die entscheidenden Zweikämpfe, wogegen Durm nicht mehr viel ausrichten konnte.

Den zunächst tatsächlich sehr früh störenden Leverkusenern spielte das natürlich in die Karten. Ein eingespieltes Team hat bei einer frühen Führung natürlich leichteres Spiel. Auch wenn es ein bisschen verpönt ist, will ich mal den Konjunktiv bemühen: Hätte das 0:0 länger gehalten, hätten sich die elf Schwarz-Gelben in das Spiel hineinfinden können. Es wurde ja deutlich besser in der zweiten Hälfte, zumindest was die Spielkontrolle angeht. Sebastian Kehl, der in den ersten 45 Minuten im Mittelfeld komplett die Bindung fehlte, steigerte sich. Und inspiriert vom bärenstarken Sokratis, mit Abstand bester Dortmunder, hielt auch die Abwehr bis in die Nachspielzeit dicht.

Auf der Gegenseite machten es jedoch die Leverkusener ebenfalls gut und beschränkten die Schwarz-Gelben auf nur wenige herausgespielte Chancen. Andererseits hätte Schiedsrichter Aytekin durchaus mehrmals taktische Fouls der Gäste mit Gelb ahnden können. Ganz sauber brachten sie den Sieg nicht über die Runden. Unverständlich war beispielsweise, dass Stefan Kießling das Spiel ohne gelbe Karte beendete.

Was waren die Problemzonen beim BVB? Das kreative Moment blieb arg an Henrikh Mkhitaryan hängen, da Marco Reus noch nicht in Topform ist und Milos Jojic nach passabler erster Hälfte abbaute und gelbverwarnt war. Es gab in der zweiten Halbzeit einige ansehnliche Kombinationen, aber gefährlich sah das nur aus, wenn der Ball rechts raus gespielt wurde und Aubameyang den Turbo zündete. Leider mangelte es seinen Pässen und Flanken wie gewohnt an Präzision. Beide Außenverteidiger wirkten außerdem defensiv anfällig. Während Durm immer wieder vorne in Strafraumnähe auftauchte, spielte er auch den katastrophalsten Fehlpass der Partie und ließ sich den Ball vor dem 0:2 abnehmen – allerdings durch einen sehr robusten Einsatz von Bellarabi.

Ein Stürmer wie Ciro Immobile hat es natürlich schwer, wenn die Flanken und die Pässe in die Füße nicht ankommen. Wir kommen allerdings nicht drum herum, ihm auch zu attestieren, dass er mit dem Ball am Fuß gestern meistens die falschen, nämlich eigensinnigen, Entscheidungen traf und sich nicht gegen die starken Innenverteidiger Toprak und vor allem Spahic durchsetzen konnte. Ein Grund zur Sorge? Sicher nicht beim BVB, nach einem Spiel.

Schauen wir nicht ans Ende der Saison, sondern auf nächsten Freitag. Dann geht’s nach Augsburg, zum ‚Kellerduell‘ gegen die sehr bescheiden gestarteten Schwaben. In der Kneipe kann man mit einem Freitagabendspiel sehr gut leben und ohne Zweifel wird Jürgen Klopp das gestrige Auftaktspiel mit seinen Jungs noch mal sehr genau durchgehen. Und auch das Los für die zweite Pokalrunde hat doch Spaß gemacht: Da geht es für den BVB ans Millerntor zum FC St. Pauli.

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek, Sokratis, Ginter, Durm – Kehl – Jojic (75. Großkreutz), Mkhitaryan – Reus (75. Hofmann) – Aubameyang, Immobile. Gelbe Karte: Jojic

Trotzdem Super

Supercup / BVB 2 Bayern München 0

Is‘ ja nur Supercup… aber trotzdem schön, ihn zu haben! Mit einer deutlichen Leistungssteigerung wichtiger Akteure gegenüber dem Liverpool-Spiel und dank des Spieler-Roulettes von Pep Guardiola hat sich Borussia Dortmund die erste Trophäe der Saison gesichert. Nicht zu vergessen: die Arbeit von Jürgen Klopp, der den schwarz-gelben Jungs viel taktische Flexibilität verordnet hatte.

Gerade in der Offensive wurde innerhalb des Spiels immer wieder rotiert: So fanden sich mal Hofmann, mal Mkhitaryan in der zentralen Position wieder – und der starke Aubameyang wich immer wieder mal auf die Flügel aus. Bayern gewann die Ballbesitz-Wertung der ersten Halbzeit, aber kriegte nur einen Schuss von Shaqiri aufs Tor. Vor allem die schwarz-gelbe Innenverteidigung zeigte sich stark verbessert gegenüber dem Auftritt an der Anfield Road – Sokratis ohnehin, Neuling Ginter nach einem Flüchtigkeitsfehler ebenfalls.

Pep Guardiola hatte eine gewagte Mittelfeld-Formation gewählt: Vor einer nominellen Dreier-Abwehr spielten die Nachwuchskräfte Hojberg und Gaudino neben den Neuzugängen Rode und Bernat. Dortmund hatte im Zentrum in entscheidenden Situationen Vorteile. Der Spielaufbau lief flüssiger, auch weil Kirch und vor allem Mkhitaryan mehr Platz hatten – und der Armenier richtig viel draus machte. In der 23. Minute zog „Miki“ an, gab zu Aubameyang weiter, dessen unfreiwilligen Abpraller er dann wuchtig versenkte. Der Junge kann so viel und ich bin ziemlich sicher, dass er in dieser Saison noch mehr davon zeigen wird.

Nach dem Dortmunder Führungstreffer verschob sich das spielerische Moment endgültig zugunsten des BVB – und dabei sollte es bleiben. Guardiola musste nach einer guten halben Stunde Martinez mit Verdacht auf eine Knieverletzung ersetzen, doch auch die nicht erzwungenen Wechsel – Lahm und Götze kamen für Müller und Höjberg – änderten nichts an der Richtung, in die das Spiel lief. Lewandowski konnte sich nur einmal kurz nach der Pause nachhaltig in Szene setzen, doch Keeper Mitch Langerak bestätigte in dieser Szene seine blitzsaubere Leistung. Mehr zu tun hatte freilich Manuel Neuer – x Bälle wehrte er mit zwei Fäusten ab. Ein etwas platzierterer Abschluss und die Partie hätte früher entschieden sein können.

Das folgerichtige 2:0 durch Pierre-Emerick Aubameyangs Kopfball fiel nach einem Doppelpass mit dem ebenfalls verbesserten Lukasz Piszczek. Da dachte man gerade, Auba sei seriös geworden mit seiner braven Frisur, da holt unsere Nummer 17 eine Spiderman-Maske aus dem Stutzen und setzt sie auf. Manche mögen das albern finden, ich fands gerade in diesem Spiel richtig cool – ein bisschen Spaß muss sein.

Was in Hälfte 2 noch auffiel: Eric Durm durfte für Marcel Schmelzer ran, der bei der Martinez-Verletzung vom Spanier am Arm getroffen worden war. Und mit ihm kam einfach deutlich mehr Schwung auf die linke Seite – eine Tatsache, die irgendwann auch mal Jürgen Klopp zu denken geben muss. Ciro Immobile war noch etwas zu eigensinnig – einige seiner Schüsse waren ordentliche Torannäherungen, jedoch in Szenen, wo der italienische Neuzugang mit einem Abspiel für noch mehr Gefahr hätte sorgen können.

Und dann war da die hässliche Bayern-Verlierer-Fratze in Form des frustrierten Jerome Boateng, der Oliver Kirch an der Seitenlinie übel umsenste und dafür mit Gelb zu gut bedient war. Ist aber auch hart, wenn man gegen den Konkurrenten eine Torschussbilanz von rund 3:21 aufweist.

Muss man jetzt noch mal erwähnen, dass diese Bayern nicht die Bayern der nächsten Monate sein werden? Wir bleiben lieber bei Schwarz-Gelb: Da haben Spieler und Trainer heute erneut bewiesen, wie lernfähig sie sind. Wir haben den Supercup und auf einmal auch keine Angst mehr vor Leverkusen!

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) – Kehl, Kirch (85. Bender), Mkhitaryan, Hofmann – Aubameyang (63. Ramos), Immobile. Tore: Mkhitaryan, Aubameyang

An der Anfield Road geht Dortmund nicht mit

Testspiel / FC Liverpool 4 BVB 0

Zum Ende der Saisonvorbereitung ist es für Bundesligisten Usus geworden, sich mit einem womöglich noch glamourösen Topgegner zu messen. Für Borussia Dortmund hat das in der Vergangenheit ergebnistechnisch manchmal funktioniert, manchmal nicht. Heute ist es mal wieder grandios daneben gegangen. Gegen einen FC Liverpool, der sich mit ein, zwei weiteren Verstärkungen in der Premier League durchaus einiges ausrechnen kann, sahen die Schwarz-Gelben beim 0:4 einfach schlecht aus.

Nach vorne fehlte im 4-1-4-1 der ersten Hälfte ebenso die Durchschlagskraft wie im späteren 4-4-2. Von Mkhitaryan und Ramos war ganz wenig zu sehen, vom bisher in der Vorbereitung überzeugenden Aubameyang auch nicht viel mehr. In der Zentrale mühte sich Milos Jojic, doch seine hin und wieder durchaus brauchbaren Pässe brachten letztendlich nichts ein, weil die Gastgeber an der Anfield Road ihren Gästen zeigten, wie eine richtig stabile Viererkette auszusehen hat.

Das, was in den letzten Testspielen noch sehr ordentlich ausgesehen und was ich gerade noch gelobt hatte – die BVB-Defensivabteilung – wurde vom englischen Topgegner teilweise richtig auseinander gespielt. Schnelle Seitenwechsel, kurze, knackige Pässe in die Schnittstellen – all das gelang den Reds und der Borussia nicht. Deutlich sichtbar wurde auch, was sich schon länger als roter Faden durch die Entwicklung der Schwarz-Gelben zieht: Das Flügelspiel stagniert offensiv wie defensiv; häufig sind wir da auch hinten zu offen, und das liegt wesentlich an den Außenverteidigern.

Heute Mittag funktionierte allerdings kaum etwas in der Viererkette, sobald die Reds Ernst machten. War das 0:1 durch Sturridge vor allem eine schöne Kombination der Gäste, fehlte beim 0:2 durch Lovren nach einem Eckball die Zuordnung – Langerak wurde in dieser Situation übrigens nicht gefoult. Das 0:3 verursachte Neuzugang Matthias Ginter gleich doppelt: Erst spielte er einen schlampigen Querpass, dann sah er gegen Coutinho schlecht aus. Das 0:4 war zwar vermutlich doppelt irregulär – zunächst Abseits und dann war scheinbar noch der Ball im Toraus – doch danach ließ sich Marcel Schmelzer zu leicht austanzen. Weiterlesen „An der Anfield Road geht Dortmund nicht mit“