Das nächste Spitzenspiel folgt sogleich

Nachdem die Spitze und der Keller der Bundesliga etwas statisch geworden sind – und vor allem da ich das Spiel des Dritten gegen den Zweiten nicht live sehen konnte – soll es hier gleich um den Pokalknaller am Dienstag gehen. Schließlich treffen im ehemaligen Neckarstadion die beiden Spitzenteams der Rückserie aufeinander. Und geht es nach den Ergebnissen 2016, sind die Gastgeber Favorit. Der VfB hat bisher alles gewonnen und neun Punkte geholt, die Borussia ’nur‘ sieben.

Was Jürgen Kramny, ein Mann aus dem Nachwuchsbereich, seit seinem ersten Spiel als Cheftrainer, dem 1:4 in Dortmund, geschafft hat, ist beachtlich. Nicht dass der Zeitraum seither schon für eine abschließende Bewertung ausreicht. Aber die kritischen Worte unseres Ex-Spielers und früheren VfB-Sportdirektors Fredi Bobic wirken da einigermaßen unverständlich. Bei allen Defiziten, die die Stuttgarter in den letzten Jahren auf vielen Ebenen aufwiesen, haben sie nun einen – derzeit – erfolgreichen Trainer mit Stallgeruch.

Für den BVB wird es darauf ankommen, sich die Schwierigkeit der Aufgabe zu vergegenwärtigen. Allzu große Sorgen braucht man sich in diesem Punkt wohl nicht zu machen: Thomas Tuchel wird sicher die bestmögliche Mannschaft aufs Feld schicken und es verstehen, sie auf ein Pokal-Viertelfinale einzustimmen. Das 0:0 in Berlin hatte ein Gutes: Verletzte waren nicht zu beklagen.

Die Schwarz-Gelben werden auf einen Gegner treffen, der seine mannschaftliche Geschlossenheit wiedergefunden hat und zuletzt – dem BVB nicht unähnlich – mit einer torgefährlichen Offensive defensive Schwächen im Ergebnis kompensieren konnte. Das gelang allerdings auswärts noch besser als zu Hause.

Keine Rede kann davon sein, dass Neu-Schwabe Kevin Großkreutz für dieses Spiel gegen seine große Liebe frei bekommt. Als Rechtsverteidiger hat er sich nach seiner Rückkehr aus der Türkei in die VfB-Startelf gespielt und durchaus überzeugt. Vor dem Pokalhit sagt er nun: „Ich brenne auf das Spiel und werde alles raushauen, damit wir die Überraschung schaffen.“ Und in Stuttgart sei er super aufgenommen worden. Es ist ihm zu gönnen. Genau wie seinem Verein, wenn er sich an den eigenen Haaren aus dem Ligasumpf ziehen sollte.

Im Pokal ist das Viertelfinale hoffentlich Endstation. Obwohl es zuvor mit ziemlicher Sicherheit ein spannender Abend werden dürfte.

Kevin isch a Schwoab – Januzaj back in Manchester

Kevin Großkreutz ist zurück in der Bundesliga – und es wird seltsam sein, ihn im nicht schwarz-gelben Trikot zu sehen. Nach dem völlig missratenen Wechsel nach Istanbul hat sich der 27-jährige Dortmunder Junge nun dem VfB Stuttgart angeschlossen. Die Schwaben müssen nach Istanbuler Angaben rund 2,17 Millionen Euro überweisen. Für Kevin dürfte es das glückliche Ende eines Irrwegs sein. Ich bezweifle allerdings, dass es am 9. Februar schon zu einem Wiedersehen auf dem Platz kommt.

Adnan Januzaj hängt offensichtlich nicht ganz so sehr an Dortmund wie Kevin. Das Gastspiel des für seine Fähigkeiten bisher hoch geschätzten Offensivakteurs bei der Borussia ist bereits wieder vorbei. Der 20-Jährige kehrt vorzeitig zu Manchester United zurück. Der noch von Louis van Gaal trainierte Premier League-Klub war wohl unzufrieden mit den Einsatzzeiten Januzajs – und der BVB hat sich gegen den Wunsch der Engländer nicht ernsthaft gesträubt.

Wir alle haben uns sicher mehr von Adnan versprochen. Gut möglich auch, dass er bald irgendwo anders aufblüht. Vorwürfe könnte man Thomas Tuchel oder Michael Zorc dann aber ebensowenig machen. Die Ergebnisse geben ihnen bisher recht.

Fußballverbot und ein kaputter Zeh

Zwei Ur-Dortmunder haben jeweils ein Problem. Kevin Großkreutz das deutlich größere. Die Fifa hat entschieden, dass der Transfer des Allrounders vom BVB zu Galatasaray wegen fehlender Unterschriften nicht anerkannt wird. Großkreutz und sein neuer Verein haben jedoch beschlossen, den Wechsel trotzdem durchzuziehen. Für den schwarz-gelben Jungen bedeutet das, in Istanbul monatelang nur trainieren zu können, bis sich Anfang Januar das Transferfenster wieder öffnet.

Die Schuld an der selbst im europäischen Rahmen seltenen Blamage trägt laut türkischer Presse der in der Folge entlassene „Vize-Verwaltungsmanager“ von Galatasaray. Er hatte unvollständige Unterlagen abgeschickt. Kevin Großkreutz ist nun in einer extrem bedauerlichen und für einen Fußballer bitteren Situation. Natürlich müssen sich aber neben den Vereinen auch er und sein Berater fragen lassen, warum sie bis zur buchstäblich letzten Minute mit dem Transfer gewartet haben. Möglich, dass Kevin bis zuletzt auf eine Wende und den Verbleib in Dortmund gehofft hat. Wahrscheinlicher ist wohl, dass sich er und Konstantin Liolios andere Optionen offen halten wollten, etwa einen Wechsel in die geschätzte Premier League.

Dass Kevin trotz Spielverbot schon jetzt nach Istanbul wollte, ist durchaus respektabel und hat wohl kaum mit „verbrannter Erde“ zu tun. Vielmehr dürfte es daran liegen, dass gerade er sich die Borussia nicht als Verlegenheitslösung vorstellen konnte. Schwarz-gelb ging bei ihm nur ganz – und dazu gehörte auch die zweite Mannschaft – oder gar nicht. Es bleibt zu hoffen, dass Kumpel Podolski Kevin am Bosporus vier Monate aufmuntern kann und die beiden nicht zu viel Schabernack treiben. Vielleicht reichen für den Emotionsmenschen Großkreutz auch Freundschaft und die allgegenwärtige Fußball-Begeisterung dort, um sich halbwegs wohlzufühlen. Es ist ihm sehr zu wünschen!

Neben einer fehlenden Spielberechtigung mutet selbst eine Verletzung wie die von Marco Reus harmlos an. Zum wiederholten Mal kann unsere Nummer 11 deswegen nicht an Länderspielen teilnehmen. Wichtiger ist jedoch, dass der Haarriss in der großen Zehe keinen langfristigen Ausfall zur Folge haben dürfte. Reus zeigte sich zuletzt in starker Form und könnte Thomas Tuchel und dem BVB beim Heimspiel gegen Leverkusen am 20. September schon wieder zur Verfügung stehen.

Deadline Day: Dortmund ohne Kuba – Kevin in der Warteschleife

Gerade hat man noch über Real Madrid gelacht, da hat auch Borussia Dortmund seine Transfer-Posse. Wenn auch, nach allem was man weiß, ohne eigenes Zutun. Sie betrifft ausgerechnet den Ur-Borussen Kevin Großkreutz. Der stand kurz vor einem Wechsel zu Lukas Podolski und Galatasaray, doch der türkische Spitzenklub hat wohl versäumt, alle Unterlagen rechtzeitig, bis zum späten Montagabend, einzureichen. Nun ist die Durchführung des Transfers von der Gnade der Fifa abhängig, die eine Ausnahme bei ihren Fristen machen müsste – was in der Vergangenheit eher selten geschehen ist. Kevin darf solange nicht mal bei Gala mittrainieren.

So verständlich der Transfer aus Thomas Tuchels sportlicher Perspektive ist, so unwürdig verläuft nun das Ende der BVB-Karriere von einem von uns. Ohne dass die Borussia viel dazu kann, doch traurig ist das trotzdem.

Auch der Abgang von Jakub ‚Kuba‘ Blaszczykowski war angesichts der großen Konkurrenz im Mittelfeld nachvollziehbar. Der polnische Mittelfeldspieler wird mit Kaufoption bis Saisonende an den AC Florenz verliehen. Ein Wiedersehen nächsten Sommer ist unwahrscheinlich, aber nicht so sehr wie bei Ciro Immobile. Kuba war häufiger verletzt und zuletzt selten erste Wahl. Aber auch sein Abschied tut ein wenig weh; nicht nur, aber erst recht, weil er preisgegeben hat, aus Respekt vor den BVB-Fans ein Angebot des blauen Revierrivalen abgelehnt zu haben. Gerade in diesen Tagen ist das scheinbar ein Kontrapunkt zur Macht des Marktes.

Dass nun Hans-Joachim Watzke erschöpft und etwas quengelig die Vorverlegung der Transferphase verlangt hat, gehört zu dem Teil seiner Aussagen, die eher tagesaktuell-populistisch und weniger durchdacht sind. Das Transferfenster funktioniert seit Jahren genau so, nur dass Borussia Dortmund es bisher immer geschafft hat, sich aus dem gröbsten Trubel kurz vor Torschluss herauszuhalten.

Immerhin gehören die Schwarz-Gelben auch zu den Profiteuren. Von Manchester United wird der 20-jährige offensive Mittelfeldspieler Adnan Januzaj ausgeliehen. Der Belgier gilt in England als vielversprechendes Talent und kam bisher zu 47 Einsätzen in der Premier League. In Dortmund hat er einen Vertrag bis Juni 2016 unterschrieben, die „Ruhr Nachrichten“ berichten außerdem von einer anschließenden Kaufoption. Mit Adnans Verpflichtung dürften rein sportlich die Abgänge von Kuba und möglicherweise Kevin mehr als aufgefangen sein. Man darf jetzt schon gespannt auf die Zeit nach der Länderspielpause sein.

Schon am Sonntag verabschiedete sich Oliver Kirch zum SC Paderborn. Die schwach in die zweite Liga gestarteten Ostwestfalen können Verstärkungen dringend gebrauchen. Natürlich macht auch dieser Transfer angesichts der sportlichen Perspektiven Sinn. Doch auch bei Oliver kann man sich nur bedanken. Seine Verpflichtung hat sich letztlich viel mehr gelohnt als das zunächst vorstellbar war.

Abgesehen vom Status Quo in Sachen Großkreutz kann man den BVB-Verantwortlichen überzeugende Arbeit in diesen verrückten letzten Tagen attestieren. Mit einer Ausnahme: Moritz Leitner scheint sich als absoluter Ladenhüter erwiesen zu haben. Oder Tuchel und Zorc sehen in ihm noch etwas, was ich beim besten Willen nicht erkennen kann. Dass Adrian Ramos bleibt und kein neuer Stürmer kommt, ist dagegen absolut nachzuvollziehen.

Ja, wir können absteigen

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 0 FC Augsburg 1

Es wird Zeit, sich mit diesem Gedanken vertraut zu machen: Leider ist es nicht so unwahrscheinlich, dass Borussia Dortmund nach 39 Jahren in der höchsten deutschen Fußballliga wieder mal absteigt. Zumindest nicht so unwahrscheinlich, wie die allermeisten Fans – und nicht nur schwarz-gelbe – bisher gedacht haben. Das ist der heutige Stand. Denn wenn man Winterpause-übergreifend die letzten Wochen betrachtet, gibt es nur zwei Klubs, die ähnlich schwach aufgetreten sind: Hertha BSC und Paderborn (auch wenn der VfB nur wenig besser war).

In der Verfassung vom gestrigen Spiel kann der BVB gegen alle anderen Teams verlieren, sogar gegen die genannten. Bis zum Gegentor lief die Partie leidlich ordentlich, die Borussia ließ wie gegen Leverkusen wenig zu, auch wenn sie sich wieder einige Fehlpässe zu viel erlaubte. Die Außenverteidiger – und diese Wiederholung macht mürbe – waren offensiv nahezu wirkungslos. Aushilfe Kevin Großkreutz machte ein besonders schwaches Spiel und leitete mit einem Fehlpass auch das Gegentor ein. Trotzdem ist sein Ausfall mit einem Muskelbündelriss eine weitere Schwächung. Schmelzer schlug eine gelungene Flanke, dafür sah er beim 0:1 am Ende der Fehlerkette zusammen mit Nuri Sahin auch besonders dumm aus. Leider kamen auch Pässe und Flanken der offensiveren Kampl und Aubameyang nicht gut, waren häufig zu lang – bei Letzterem nichts neues.

Dennoch, die Rückkehr des schnellen Auba ist einer der wenigen Lichtblicke für die Borussia. Sein Lauf führte zu Jankers Platzverweis. Er hat auch schon bewiesen, dass er treffen kann. Es wäre mal einen Versuch wert, ihn neben Immobile in einem Zweier-Sturm einzusetzen. Dass der Italiener mit seinem Kopfball aus kurzer Distanz Torwart Manninger traf, ist verzeihbar. Es war eine Aktion aus vollem Lauf – immerhin kam er zum Abschluss.

Doch insgesamt blieb am Mittwoch der Eindruck, dass die Schwarz-Gelben derzeit zu viele Schwachstellen haben – Spieler, die ihr Potenzial nicht ausschöpfen und solche, die falsch eingeschätzt wurden und werden. Auch das Kollektiv gibt zu denken: Wie die Mannschaft nach dem Gegentor und erst recht nach dem Platzverweis gespielt hat, war schwer erträglich. Auch wenn es natürlich in der letzten Viertelstunde durch Augsburgs extreme Mauertaktik nicht einfach war.

Der Abstieg ist also eine reale Gefahr. Und doch gibt es noch genügend Chancen, ihn zu verhindern. Nur zwei Punkte ist Platz 15 entfernt, auf dem der nächste Gegner SC Freiburg steht. Und der VfB spielt gegen den FC Bayern. Da es derzeit spielerisch aber an fast allem hapert, ist dieser Trost kein echter. Vielleicht fehlt dem Team auch ein wenig das Gefühl des K.O.-Systems. Letztendlich bleibt dieser Erklärungsversuch wie die meisten anderen hilflos.

Jürgen Klopp und das Team müssen dennoch weiterarbeiten, mit den Spielern, die derzeit zur Verfügung stehen. Die Personaldebatten heben wir uns also noch ein Weilchen auf. Resigniert habe er nicht, versicherte der Trainer in der Pressekonferenz vor dem Freiburg-Spiel. Großkreutz steht sechs Wochen nicht zur Verfügung, ob Piszczek oder Durm rechtzeitig fit werden, um ihn zu ersetzen, steht noch nicht fest. Bei den Gastgebern, die von den Bürgern der Stadt Freiburg gerade das Ok für ein neues Stadion gekriegt haben, fällt unter anderem Offensivmann Admir Mehmedi aus – allerdings wussten die beiden Neuen vorne drin, Petersen und Möller Daehli, bisher durchaus zu gefallen. Für einen Auswärtssieg muss beim BVB noch einiges besser werden.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz (60. Subotic), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Sahin, Gündogan – Aubameyang, Reus (72. Kagawa), Kampl (72. Mkhitaryan) – Immobile

Robbened

DFB-Pokal, Finale / BVB 0 Bayern München 2 (n.V.)

Bayern-Trainer Pep Guardiola hat sich für das Endspiel im Olympiastadion etwas einfallen lassen. Boateng, Martinez und Dante agierten als Dreierkette und sorgten so für ein Übergewicht des Meisters im Mittelfeld. Bei der Borussia sah es dagegen eher nach einem 4-3-3 aus, mit Großkreutz, Sahin und Jojic im Zentrum. Das Bayern-System funktionierte besser – der BVB kam vor allem in der ersten Hälfte zu selten in Strafraumnähe und behalf sich zu häufig mit ziellosen langen Bällen. Insgesamt hatte der späte Sieger mehr Chancen zu verbuchen und einen Arjen Robben, der erneut in einem entscheidenden Spiel den Unterschied ausmachte.

Das kann und sollte man alles deutlich sagen. Aber: Wie nicht zuletzt der FC Bayern der letzten Wochen weiß, kann ein Fußballspiel durch ein Tor eine Wendung nehmen. Und Borussia Dortmund wurde gestern in der 65. Minute ein reguläres Tor durch Mats Hummels geklaut. Es war deutlichst zu sehen, dass Dantes Rettungsaktion hinter der Linie erfolgte – komisch, dass das nach offiziellen DFB-Angaben nicht mal dem Assistenten von Florian Meyer auffiel.

Die Diskussion über die Torlinientechnik ist in den Sonntagszeitungen oder im Sport1-Doppelpass bereits wieder eröffnet worden. Tatsache ist, dass die DFL-Klubs diese kürzlich mehrheitlich abgelehnt haben, vor allem aus finanziellen Gründen. Für die korrekte Bewertung der gestrigen Situation hätte allerdings schon ein Torrichter gereicht – der deutlich billiger wäre. Ich war bisher gegenüber der Torlinientechnik neutral und gegenüber dem Videobeweis ablehnend eingestellt. An letzterem wird sich nichts ändern – Fehler gehören bei allen Beteiligten dazu und eklatante Eingriffe ins Spiel sollte man vermeiden. Doch für die Frage „Tor oder nicht“ muss es möglich sein, eine Lösung zu finden. Man könnte einen Fonds schaffen, der zur Finanzierung der Technik dient und in den die großen Vereine mehr als die kleinen einzahlen. Oder man könnte schlicht auf zusätzliche menschliche Augen hinter dem Tor setzen – auch wenn der fünfte und sechste Offizielle die meiste Zeit beschäftigungslos wären. Weiterlesen „Robbened“

Nicht mit Kevin

1. Bundesliga, 33. Spieltag / BVB 3 TSG Hoffenheim 2

Eine quälende knappe halbe Stunde schien es am Samstag so, als ob die Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim erneut das entscheidende Plus an Biss ins Westfalenstadion mitgebracht hatte, um drei Punkte in ihr Dorf mitzunehmen. Mats Hummels hatte trotz aller Qualität und Intelligenz nicht zum ersten Mal in einem dieser ‚Spiele um die Ehre‘ gepatzt und auf der linken Seite einen Fehlpass gespielt, den am Ende des Spielzugs Firmino zum 0:1 nutzte. Wenig später musste Mats einen ganz ähnlichen Fehler von Sokratis auf der Linie ausbügeln. Und der wieder genesene Marcel Schmelzer kriegte seinen Flügel zunächst überhaupt nicht zu.

Doch dann wurde es Kevin Großkreutz zu bunt. Nach einem Ballgewinn von Jojic schnappte er sich das Ding im Mittelfeld, lief los und zog in Strafraumnähe ab Richtung langes Eck. Schönes Tor, wichtiger Ausgleich. Es war die Initialzündung durch einen, der sichtbar keinen Bock darauf hatte, den Fans gegen diesen Gegner erneut einen matten Saisonausklangsauftritt zu bieten. Fairerweise muss man Mats Hummels zugestehen, dass er sich kurz zuvor ähnlich energisch im Mittelfeld eingeschaltet hatte. Kevin machte indes einfach so weiter, hatte in der zweiten Hälfte noch zwei ähnliche Abschlüsse, bei denen es wieder gefährlich wurde. Da darf man sich danach schon mal einen Döner gönnen.

Dem Ausgleich durch den Dortmunder Jungen ließ die Borussia innerhalb von fünf Minuten zwei weitere Treffer folgen – mit entscheidendem Anteil von Marco Reus. Unsere Nummer 11 schlug die Flanke, die Henrikh Mkhitaryan per Kopf zum 2:1 verwertete. Und Marcos Freistoß wenig später sorgte auch für so viel Verwirrung, dass Lukasz Piszczek zu einem sehenswerten Außenrist-Knaller kam, der das 3:1 brachte.

Zwar verfiel man in den zweiten 45 Minuten phasenweise wieder in den Schongang, auch wenn es nicht gerecht wäre, Roman Weidenfellers Tunnel-Eskapade demselben zuzurechnen. Doch das Wichtigste war, dass es vom Feeling und der Heimbilanz her gegen Hoffenheim wieder stimmt. Einen großen Moment gab es noch bei der Auswechslung des für Dortmunder Verhältnisse unvergleichlichen Robert Lewandowski. Der wurde in seinem letzten Heimspiel vor dem Wechsel zu Bayern mit viel Applaus verabschiedet – Ausdruck für seine ehrliche und bewundernswerte Arbeit auf dem Platz. Mit seinen Toren das Pokalfinale zu gewinnen wäre dann der wahre Traum-Ausstand.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Jojic, Sahin – Mkhitaryan (81. Hofmann), Reus (76. Aubameyang), Großkreutz – Lewandowski. Tore: Großkreutz, Mkhitaryan, Piszczek

Dortmund holt sich den Rekord

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 4 Eintracht Frankfurt 0

Das nächste tolle Ligaspiel, vier Tore und ein Rekord, der nicht dem FC Bayern gehört – was hätte man mehr erwarten können von der Neuauflage des Pokalduells vom Dienstag? Wie vermutet hatte Borussia Dortmund im eigenen Stadion weniger Probleme mit der Frankfurter Eintracht, zumal deren Trainer Armin Veh seine Mannschaft auf vier Positionen umbaute.

Wenig war zu sehen vom Spiel aus einem Guss, vom erfolgreichen Pressing, wie es die SGE unter der Woche noch praktiziert hatte. Die geänderte taktische Ausrichtung war ja zu erwarten gewesen, weniger jedoch die Aussetzer, die den Plan der Gäste früh obsolet machten. Der BVB dagegen zeigte, was Selbstvertrauen gepaart mit Lernfähigkeit ausmachen können. Gerade die von mir nach dem Pokalspiel noch kritisierte linke Seite mit Schmelzer und Großkreutz zeigte sich enorm verbessert; beide nutzten den Raum über den Flügel und setzten die Gäste-Defensive immer wieder unter Druck. Es dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, dass dem Frankfurter Rechtsverteidiger Jung früh ein schwerer Fehler unterlief, als er den Ball an Mkhitaryan verlor und dieser einen herrlich präzisen Pass in den Laufweg von Aubameyang spielen konnte: 1:0 nach zehn Minuten.

Überhaupt: Mkhitaryan und Aubameyang. Die persönlichen Erfolge in den letzten Partien haben offensichtlich gut getan. Wo sind jetzt die Zweifler, die Kommentarschreiber, die von „Fehleinkäufen“ sprachen? Und wenn wir gerade beim Thema sind: Wo ist die BVB-Krise? Wie ist die schwarz-gelbe Borussia aus der Winterpause gekommen, wie die andere? Und Leverkusen? ‚Miki‘ und ‚Auba‘ gehörten jedenfalls zu den Matchwinnern am Samstag, auch dank ihres zweiten gemeinsamen Tores: Gut zehn Minuten nach der Führung schlug ersterer einen Eckball in den Strafraum, Manuel Friedrich verlängerte mit dem Hinterkopf Richtung Tor, Keeper Trapp konnte den Ball per Reflex nur kurz abwehren und Pierre-Emerick stand frei und bereit, um einzuschieben.

Wenn es noch etwas Schatten beim Neuzugang aus St. Etienne gibt, dann betrifft er sein Passspiel. ‚Auba‘ gibt sich redlich Mühe, nach einem schnellen Lauf einen besser postierten Mitspieler wie etwa Lewandowski einzusetzen, doch das sollte noch präziser werden. Ein oder zwei Tore mehr wären dadurch gestern drin gewesen. Nach der beruhigenden Führung ließen die Schwarz-Gelben ihre Gäste etwas mehr in die Offensive gehen, wie es eigentlich deren Stil ist. Doch man ließ sich eben nicht hinten reindrängen, nicht nervös machen wie in manch anderem Spiel in dieser Saison. Weiterlesen „Dortmund holt sich den Rekord“

Die Borussen kommen

Um direkt an das Ende des gestrigen Textes anzuschließen: Was gibt es in dieser Saisonphase Schöneres als einen Pokalabend mit einem Gegner wie Eintracht Frankfurt? Es wird laut, es wird gekämpft – hoffentlich nur auf dem Platz – und Borussia Dortmund hat ordentliche Chancen auf ein Weiterkommen im zum Saisonziel erklärten Wettbewerb.

Eintracht-Trainer Armin Veh machte vorletzte Woche Schlagzeilen, als er entschied, Sebastian Rode und Carlos Zambrano wegen drohender Gelbsperren gegen Bayern München zu schonen. Die Partie gegen den Titelaspiranten ging deftig verloren, doch dafür wurde die Begegnung, auf die Vehs Maßnahme zielte, erfolgreich gestaltet: Das Abstiegsduell gegen die zweite Eintracht entschieden die Frankfurter mit 3:0 für sich.

Obwohl die Liga natürlich Priorität genießt, hat Veh vor dem Pokalspiel schon mal klargestellt, dass es in dieser Partie keine Geschenke geben wird. Ungewiss ist allerdings, ob die SGE nicht unfreiwillig geschwächt antreten muss. Wie bei der Borussia haben sich am Wochenende auch zwei wichtige Akteure aus der Frankfurter Stammelf verletzt. Die Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler und Johannes Flum sind fraglich. Interessanterweise wollte sich Veh zu ihren Einsatzchancen nicht äußern, während Jürgen Klopp eher damit rechnet, dass die beiden nicht dabei sind.

Der Dortmunder Trainer machte auch bereits Andeutungen zur Aufstellung der eigenen Mannschaft. Im zentralen Mittelfeld sollte Sebastian Kehl an die Seite von Nuri Sahin rücken; ein Einsatz für Neuzugang Milos Jojic von Beginn an ist nach Klopps Worten nicht geplant. Wer Marco Reus ersetzen wird, ist ein größeres Geheimnis – hier stehen Jonas Hofmann und Kevin Großkreutz zur Debatte. Am wahrscheinlichsten ist wohl die Hereinnahme von Kevin, da Rückkehrer Piszczek auf dessen Position hinten rechts ein gutes Spiel machte und die Atmosphäre ganz nach dem Geschmack des Dortmunder Jungen sein dürfte.

Und wie stehen die Chancen? Beide Teams konnten sich am Samstag massiv gegenüber den letzten Spielen steigern und dürfen also mit Selbstvertrauen in die Partie gehen. Für die Gastgeber dürfte der Erfolg versprechendste Weg ein konsequentes Bearbeiten der Dortmunder Mittelfeldzentrale mit Kehl, Sahin und Mkhitaryan sein, die sich aus diversen Gründen im bisherigen Saisonverlauf noch nicht dauerhaft konstant präsentieren konnten. Wenn diese drei allerdings ihr Potenzial voll abrufen können oder der BVB über die Flügel auf der Höhe ist, dürfte es für die Eintracht schwierig werden – umso mehr, wenn Schwegler und/oder Flum ausfallen.

Anpfiff ist morgen erst um 20.45 Uhr. Hoffentlich relevant: Übermorgen wird nach der Begegnung HSV v Bayern das Halbfinale im Rahmen der ARD-„Sportschau live“ ausgelost.

Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Lösungsansätze

Die Vollzugsmeldung beim Lewandowski-Transfer hat Borussia Dortmund kurzzeitig medial auf Augenhöhe mit den Bayern gebracht und ausufernde Spekulationen über (einen) mögliche(n) Nachfolger in Gang gesetzt. Wie das in solchen Fällen ist, werden von den Medien derzeit alle Namen nochmal hervorgekramt, über die im Jahr 2013 irgendwann spekuliert wurde. Doch einige Optionen kann man mit mittelmäßigen Fußball-Kenntnissen und etwas gesundem Menschenverstand wohl getrost beiseite schieben.

Jackson Martinez vom FC Porto soll von der Borussia 2012 beobachtet worden sein, hat aber eine Ausstiegsklausel von 40 Millionen Euro im Vertrag stehen. Nur unwesentlich günstiger wäre Diego Costa von Atlético Madrid: Für ihn würden 38 Millionen fällig. Weder Porto noch Madrid haben Gründe, von diesen Summen abzurücken. Und Hans-Joachim Watzke hat wiederholt betont, dass der BVB Mega-Transfers dieser Dimension nicht tätigen wird.

Christian Benteke von Aston Villa wird nun ebenfalls wieder ins Gespräch gebracht. Seine Verpflichtung erscheint jedoch deutlich unwahrscheinlicher als letzten Sommer, da er damals seinen Vertrag mit dem von Ex-Borusse Paul Lambert trainierten Klub aus Birmingham verlängert hat. Sollte Aston Villa die Klasse halten – derzeit stehen sie 6 Punkte vor der Abstiegszone im Mittelfeld – dürften sie kaum gewillt sein, den Belgier für einen für den BVB annehmbaren Preis zu verkaufen. Besonders gerne wird zurzeit der Name Kevin Volland genannt. Ein junger, entwicklungsfähiger deutscher Stürmer erscheint vielen als idealer Nachfolger des vermeintlichen ‚Söldners‘ Lewandowski. Doch auch dieser Transfer wird sicher nicht einfach zu realisieren sein. Volland ist vermutlich die größte Identifikationsfigur der TSG Hoffenheim und der Hopp-Verein hat es nicht nötig, ihn für lau ausgerechnet nach Dortmund abzugeben.

Auch der in Deutschland aufgewachsene Grieche Konstantinos Mitroglu wurde von Jürgen Klopp und Michael Zorc beobachtet, doch er scheint keine Anstalten machen zu wollen, Olympiakos Piräus bald zu verlassen. Vor kurzem hat er seinen Vertrag verlängert und zugestimmt, eine Ausstiegsklausel zu streichen. Macht man so etwas, nur um seinem Verein eine höhere Ablöse zu garantieren? Von den gehandelten Namen kommt inzwischen vielleicht sogar am ehesten Edin Dzeko von Manchester City in Frage, der sich angeblich eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen kann. Doch Gehalt und Ablöse dürften für den BVB an der oberen Schmerzgrenze liegen – wenn nicht darüber.

Als Fazit bleibt nur, dass Geduld nötig ist. Denn am wahrscheinlichsten ziehen Zorc und Klopp wieder jemand ganz anderen aus dem Hut – die Geheimhaltung funktioniert in Dortmund ja noch vergleichsweise gut.

Interessanter ist derzeit die Frage, an welchen Schrauben der BVB-Trainer drehen könnte, um in dieser Saison wieder etwas Schwung in die schwarz-gelbe Offensive zu bringen und den ein oder anderen Gegner zu überrraschen. In manchen Partien könnte es eine Option sein, mit zwei Spielern im Sturmzentrum zu operieren. Warum nicht Aubameyang mal direkt neben Lewandowski aufbieten oder Reus weiter vorziehen? Und ja, warum nicht sogar Schieber? Der ‚Bulle von Backnang‘ hat immerhin gezeigt, dass er Bälle behaupten und ablegen kann. Als zweiter Stürmer könnte er durchaus nützlich sein.

Angesichts seiner guten Leistungen und der Rückkehr von Lukasz Piszczek wäre es auch denkbar, Kevin Großkreutz mal wieder weiter vorne auf dem Flügel einzusetzen. Dass er sich so verzettelt wie zuletzt Kuba oder gelegentlich Aubameyang steht immerhin nicht zu befürchten. In 2 1/2 Wochen werden wir sehen, was Jürgen Klopp im Trainingslager in La Manga und danach austüftelt.