Lucas Barrios verlässt den BVB in Richtung China

Der ‚Panther‘ und Toptorschütze der letztjährigen Meistersaison wechselt von Borussia Dortmund zum chinesischen Erstligisten Guangzhou Evergrande. Dort unterschreibt Lucas Barrios für vier Jahre. Nach Kicker-Informationen beträgt die Ablösesumme 8,5 Millionen Euro. Das ist viel für einen Bankdrücker, aber wenig angesichts von Barrios‘ Fähigkeiten und seinen vergangenen Erfolgen. Mit dem Wechsel nach China hat sich Lucas für den einfachen Weg entschieden. In dem Fußball-Schwellenland wird er ein gut bezahlter Star sein und vermutlich Stammspieler – als eine harte sportliche Herausforderung kann man die chinesische Topliga wohl nicht bezeichnen.

Selbstverständlich ist es legitim, als Profi regelmäßig Fußball spielen zu wollen. Dennoch hat Barrios mich immer eher durch seine Leistungen und weniger durch seine Einstellung überzeugt. Welche Entwicklung Lucas zukünftig nehmen wird, bleibt abzuwarten. Borussia Dortmund hat heute glücklicherweise Alternativen und die Möglichkeit, sich weitere zu verschaffen. Jürgen Klopp und Michael Zorc werden sich auf dem Markt umsehen und sondieren, ob eine Neuverpflichtung als Ersatz Sinn macht oder man auf interne Lösungen wie Reus, Boyd oder Duksch setzt.

Zweite Mannschaft ganz groß

1. Bundesliga, 33. Spieltag / 1.FC Kaiserslautern 2 BVB 5

Die offizielle Zweite Mannschaft von Borussia Dortmund hat es nach einer wahnsinnigen Aufholjagd in der Rückserie selbst in der Hand, den Aufstieg in die dritte Liga zu schaffen. Gestern gewannen die ‚kleinen Schwarz-Gelben‘ durch ein spätes Tor mit 1:0 gegen die Verfolger von der anderen Borussia. Die inoffizielle zweite Mannschaft stand am Samstag in der Bundesliga auf dem Platz und löste die gestellte Aufgabe in beeindruckender Weise besser als die Meisterelf vom letzten Jahr im ersten Spiel nach der Sicherung des Titels.

Natürlich hatten die abgestiegenen Lauterer den motivierten Borussen weniger entgegenzusetzen als die Bremer letzten Mai. Und trotzdem war der Auswärtssieg in dieser Höhe beeindruckend. Jürgen Klopp machte mit der Entscheidung, auf einige Spieler aus der zweiten Reihe zu setzen, alles richtig. So kamen nicht nur der wiedergenesene Stammspieler Götze für den erkrankten Kuba und Chris Löwe für den verletzten Marcel Schmelzer ins Team, sondern auch Langerak, Santana, Owomoyela und Barrios. Und im Laufe des Spiels noch Moritz Leitner und sogar Florian Kringe. Zwar führten zwei Fehler von Santana und Langerak zu den beiden Gegentoren, doch ansonsten machten die vermeintlichen B-Elf-Spieler sehr viel richtig.

Es stand selbstredend keine echte B-Elf auf dem Platz. Gerade Mittelfeld und Angriff waren topbesetzt und es zeigte sich, dass die Variante mit Lewandowski als hängende Spitze oder ’10er‘ hinter Barrios gegen manche Gegner prima funktioniert. Man muss den Spielern, die zuletzt wenig gespielt haben, wie Perisic, Barrios und Owomoyela, ein Kompliment dafür machen, wie sie gestern aufgetreten sind. Sie haben ihre Chance genutzt.

Einen kleinen Weckruf benötigten die Schwarz-Gelben allerdings schon. Felipe Santana verlor im Mittelfeld unnötig den Ball gegen Fortounis und lief in der Folge auch noch so unglücklich in dessen Pass von links, dass der Ball vom Schienbein des Innenverteidigers ins Tor sprang. Man merkte jedoch sofort danach, dass die Motivationsbekundungen der Borussen keine Lippenbekenntnisse gewesen waren. Und so gelang Lucas Barrios schon zwei Minuten später der Ausgleich per Kopf nach einer Flanke von ‚Uwemoyela‘. Im Anschluss wurden die Qualitätsunterschiede zwischen den Teams überdeutlich und auch der Glaube an einen Heimsieg zum Abschied aus der Liga schwand bei den Gastgebern wohl spätestens, nachdem Barrios mit seinem zweiten Treffer die Führung erzielt hatte.

Es war kein perfektes Spiel der Borussia – phasenweise erinnerte die Partie ein wenig an Sommerfußball. Doch es überwog das Positive. Die Schwarz-Gelben eroberten früh die Bälle und boten den Lauterern nach dem 2:1 kaum noch Platz zum Kontern. Und sie waren engagiert und aufmerksam. Ganz besonders Ivan Perisic, der vor dem 4:1 gegen Torwart Sippel zunächst den Kürzeren gezogen hatte, jedoch sah, dass der Keeper den Ball leichtsinnig aus dem Strafraum spielen wollte, daraufhin nachsetzte und das Leder von Sippels Fuß zu Barrios spitzelte, der nur ins leere Tor schießen musste. Ivan hatte gestern einen ganz starken Tag, bereitete auch noch den zweiten Treffer vor und erzielte mit einem tollen Schlenzer den fünften.

Und damit sind noch immer nicht alle schönen Aspekte dieses Spiels genannt. Das dritte Tor ging auf das Konto von Mario Götze, der somit ein Startelf-Comeback nach Maß feierte und bereit für die noch kommenden Aufgaben zu sein scheint. Zu meckern gibt es kaum etwas. Bei zwei weiteren Aluminium-Treffern war mehr Pech als Unvermögen im Spiel. Vor dem großen Saisonfinale mit Schalenübergabe und Endspiel in Berlin dämpft höchstens eine Sache die tolle Stimmung: Auch Sportdirektor Michael Zorc hat heute bestätigt, dass ein Wechsel von Shinji Kagawa nicht unwahrscheinlich ist. Derzeit will der japanische Nationalspieler seinen Vertrag nicht verlängern und könnte bei einem angemessenen Angebot – womöglich aus England – den Verein verlassen. Darüber hinaus scheinen auch beim gestrigen Hattrick-Torschützen Lucas Barrios die Zeichen auf Trennung zu stehen.

Die Aufstellung: Langerak (5) – Owomoyela (7), Subotic (7), Santana (6), Löwe (6) – Gündogan (7), Kehl (7) (64. Leitner) – Götze (7) (77. Kringe), Lewandowski (7) (66. Kagawa), Perisic (9) – Barrios (9). Gelbe Karte: Barrios. Tore: Barrios (3), Götze, Perisic

BVB siegt trotz BVG

1. Bundesliga, 22. Spieltag / Hertha BSC 0 BVB 1

Borussia Dortmund gewinnt das Bundesligaspiel in der Hauptstadt unter widrigen Bedingungen: die kreativsten Spieler fehlten verletzt, man stand kampfstarken Gastgebern gegenüber und der Boden im Olympiastadion war recht holprig. Die Fans beider Vereine mussten eine erschwerte An- und Abreise in Kauf nehmen. Da die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihren Warnstreik auf den Spieltag (und vorletzten Tag der Berlinale) gelegt hatten, bestand für die meisten Besucher nur die Wahl zwischen S-Bahn und Auto, und den Bahnhof musste man erst mal erreichen. Es gab dementsprechend noch vollere Züge und Bahnsteige als sonst. Immerhin hatte Hertha BSC etwas gelernt und richtete im Gäste-Eingangsbereich zusätzliche Schleusen ein. Wer rechtzeitig kam, war erstaunlich zügig im Stadion.

S-Bahnhof Olympiastadion, gut eineinhalb Stunden vor Spielbeginn.

Unter der Woche hatte sich Shinji Kagawa im Training verletzt, so dass Jürgen Klopp nach Mario Götze einen weiteren kreativen Schlüsselspieler ersetzen musste. Der Trainer wählte die naheliegendste Lösung, brachte Lucas Barrios von Beginn an und zog Lewandowski ins offensive Mittelfeld zurück. Doch der Schachzug ging nicht auf wie erhofft. Durch die Mitte funktionierte wenig beim BVB, Lewandowski und Barrios taten sich schwer, die häufig langen Bälle auf sie zu behaupten und zu verwerten. Natürlich wurde die lange Passvariante auch deshalb so häufig gewählt, weil der Rasen schwer zu bespielen war, doch in erster Linie hatte das stockende Offensivspiel der Schwarz-Gelben andere Gründe. Weiterlesen „BVB siegt trotz BVG“

Auf dem Gipfel, da gibts koan Eis

1. Bundesliga, 20. Spieltag / 1.FC Nürnberg 0 BVB 2

Borussia Dortmund hat unter eisigen Bedingungen die Tabellenspitze erklommen, ausgerutscht sind die anderen. Der Spieltag verlief von den Ergebnissen her perfekt für die Schwarz-Gelben – ob sie vorlegen oder nachziehen müssen scheint völlig egal zu sein. Doch es gab einen Dämpfer: Sven Bender könnte der nächste längerfristige Ausfall werden.

Einiges sprach vor der Partie am Freitagabend gegen ein Torfestival: die eingespielten, sicheren Abwehrreihen und die Temperaturen. Dementsprechend lief es auch. Wenn man immer wieder anmerkt, wie viel Fußballspieler heutzutage verdienen, muss man ihnen für einen solchen Auftritt mal Respekt zollen. Bei eisiger Kälte arbeiteten die Schwarz-Gelben 90 Minuten für den nächsten Dreier – auch wenn die Defensive einige Minuten brauchte, um hellwach zu sein.

Nürnberg hielt in der ersten Halbzeit zunächst gut dagegen. Zum einen machten die Gastgeber die Räume im Mittelfeld eng und attackierten die ballführenden Schwarz-Gelben früh. Das verleitete Letztere zu überhasteten Pässen. Zum anderen war es offensichtlich integraler Bestandteil der Nürnberger Taktik, viele Standards in der gegnerischen Hälfte herauszuholen. Bei den gefährlichen Eckbällen lief das selbstverständlich vollkommen korrekt ab, die Freistoßsituationen waren dagegen mehrfach arg provoziert – Schiedsricher Meyer ließ sich hier zu einigen überzogenen Pfiffen pro FCN hinreißen. Das Hummels-Zitat der Woche hierzu: „Herr Meyer hat da ein, zwei Fouls zu viel gegen uns gepfiffen.“ Weiterlesen „Auf dem Gipfel, da gibts koan Eis“

Nürnberg on ice

Eiskalte Temperaturen bis in den zweistelligen Minusbereich sind für das Freitagabendspiel der Fußball-Bundesliga angekündigt. In den Medien macht man sich Gedanken über die Auswirkungen, über Funktionsunterwäsche und Spielkultur. Auch die Länge der Winterpause wird mal wieder diskutiert. Die beteiligten Trainer nehmen es dagegen, wie es kommt. Jürgen Klopp wollte bei der heutigen Pressekonferenz zum Spiel in Nürnberg nichts Spektakuläres in den Witterungsbedingungen sehen und ging lieber auf jene Dinge ein, die er und seine Spieler beeinflussen können.

Personell hatte er keine Hiobsbotschaften zu verkünden. Die leicht angeschlagenen Kevin Großkreutz und Lucas Barrios werden bis Freitag wieder Mannschaftstraining absolvieren und mindestens im Kader stehen, wenn nichts dazwischenkommt. Mats Hummels ist trotz des humpelnden Abgangs vom Samstag nicht verletzt. Nur Mario Götze weilt im Urlaub und hat hoffentlich das Telefon ausgeschaltet, wie es Klopp forderte. Die Personalentscheidungen, die der Trainer verkündete, hatten nichts mit Verletzungen zu tun und kamen nicht völlig überraschend: aufgrund der Wechsel von Mohamed Zidan und Damien Le Tallec werden Terence Boyd aus der zweiten Mannschaft und Marvin Duksch von den A-Junioren „näher an das Team rücken“. Sie sollen gelegentlich mit der Bundesligamannschaft trainieren und im Notfall zum Einsatz kommen.

Das Spiel in Nürnberg könnte zu einem Geduldsspiel werden, wenn auch nicht wegen der Kälte. Die Gastgeber, die im eigenen Stadion in dieser Saison eine ausgeglichene Bilanz haben, wollen vorsichtig starten – wie mittlerweile fast alle BVB-Gegner. Ob den Schwarz-Gelben noch mal eine so dominante Anfangsphase wie gegen Hoffenheim gelingt, die zwangsläufig in ein Tor münden musste, ist fraglich. Die Franken scheinen defensiv disziplinierter zu sein, mit der Innenverteidigung Maroh – Wollscheid kassierten sie in den beiden Rückrundenspielen nur ein Gegentor. Für die Borussen könnte es auf dem Feld ein Wiedersehen mit Markus Feulner geben – ob er noch mal rechts hinten aufläuft wie in Hannover ist eine andere Frage. Einiges spricht zudem für eine Rückkehr des besten Torschützen Tomas Pekhart in die Startelf.

Von der Qualität her müsste der BVB dieses Spiel gewinnen, zumal Dauerkämpfer Javier Pinola und Neuzugang Hanno Ballitsch den Nürnbergern zwar bald wieder zur Verfügung stehen, jedoch noch nicht übermorgen. Doch dann müsste ja der FC Bayern auch jede Partie gewinnen. Einstellung und Konzentration werden wie immer und gerade wegen der widrigen Bedingungen eine wichtige Rolle spielen. Heiße Herzen trotz kalter Füße sind gefragt.

Vertraue niemandem bevor die Uhr zwölfmal geschlagen hat

Der letzte Tag der Transferperioden im europäischen Fußball ist gewöhnlich voll von überraschenden Wendungen. In diesem Jahr spielte auch Borussia Dortmund eine größere Rolle bei den Spekulationen – jedoch nur mögliche Abgänge betreffend. Hier nun die Chronik der letzten 24 Stunden und was dabei herausgekommen ist.

Gestern Abend berichtete AGW vom Interesse des FC Fulham an Lucas Barrios. Dieser Wechsel scheiterte vermutlich an der Ablöseforderung der Borussia. Zehn Millionen Euro waren die Londoner nicht bereit zu zahlen (die inzwischen Pawel Pogrebnyak vom VfB verpflichtet haben). Dementsprechend verlautete heute Morgen, Barrios‘ Berater habe gesagt, sein Klient bliebe bis Saisonende in Dortmund. Am Nachmittag kamen neue, weniger glaubwürdige, wenn auch nicht überraschende Gerüchte auf: Last-Minute-König Felix Magath habe Interesse an einer Verpflichtung des Torjägers. Zwar hätte der VWL Wolfsburg sicher die Mittel gehabt, auch mehr als zehn Millionen zu zahlen, doch die Neigung bei Michael Zorc und Jürgen Klopp, Barrios innerhalb der Liga wechseln zu lassen, dürfte gering gewesen sein.

Endgültig geklärt war die Geschichte, als gleich zwei Stürmerwechsel bekannt wurden. Damien Le Tallec wechselt nach einer letztendlich fruchtlosen Zeit in Dortmund in die zweite französische Liga zum Traditionsklub FC Nantes. Der junge Franzose wurde durch eine Schulterverletzung in seiner Entwicklung zurückgeworfen, bekam allerdings auch nie eine echte Chance in schwarz-gelb. Er war eine der Verpflichtungen, die man schon damals für nicht zwingend hielt und die sich nun als halbgar herausgestellt haben, da Damien immer zwischen erster und zweiter Mannschaft stand. Aber es kann ja nicht alles funktionieren.

Für mehr Aufsehen sorgte der zweite Wechsel. Mohamed Zidan kehrt zu seinem Ex-Verein FSV Mainz 05 zurück. Er unterschreibt dort bis Saisonende, mit Option auf zwei weitere Jahre. Dieser Transfer stand schon in den letzten Tagen im Raum – jedoch nur für den Fall, dass Barrios in Dortmund bliebe. Der Südamerikaner schien in dieser Konstellation der entscheidende Faktor zu sein. Über die Ablöse für Zidan, der noch bis Saisonende beim BVB unter Vertrag stand, wurde zunächst nichts bekannt.

‚Mo‘ Zidan hatte seine Momente in schwarz-gelb. Ich verweise immer gerne auf dieses Spiel oder auf dieses. Der Kreuzbandriss nahm ihm vermutlich die letzte Chance, sich auf lange Sicht in der Startelf zu etablieren. Es ist Mohamed hoch anzurechnen, dass er sich entgegen seines Rufs in Dortmund weitestgehend tadellos verhielt. In Mainz dürfte er ein Umfeld finden, das ihn ähnlich willkommen heißt und ihm ähnlich gut liegt wie das Dortmunder. Alles Gute und viel Erfolg bei euren neuen Vereinen, Mohamed und Damien!

Zidan und Le Tallec weg, Barrios bleibt. Nach jetzigem Stand nur bis zum Saisonende. Für die Rückserie hat die Borussia damit einen Topstürmer auf der Ersatzbank, der sich für zukünftige Vereine empfehlen will – eine gute Konstellation. Sollte wider Erwarten dennoch ein Stürmer-Engpass eintreten, hätte Jürgen Klopp immer noch die Möglichkeit, einen Spieler aus der zweiten Mannschaft, wie etwa Terence Boyd, einzusetzen. Flankiert von den anderen torgefährlichen Offensivspielern wie Kagawa, Großkreutz oder Götze – es gibt schlimmere Szenarien. Im Notfall wären auch Kagawa oder Perisic im Sturm denkbar.

Kleinere Wechsel gab es auch noch. Schon vor einigen Tagen wechselte Innenverteidiger Marc Hornschuh auf Leihbasis zum FC Ingolstadt. Bleiben die Bayern in der zweiten Liga, wird er auch nächste Saison dort spielen. Heute hat außerdem der FC Arsenal für rund 450.000 Euro den 19-jährigen Thomas Eisfeld verpflichtet. Der war offensiver Mittelfeldspieler im Nachwuchsbereich des BVB, sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen. Doch wohl kein zweiter Marco Reus?

(Quellen: Spox, Kicker, BBC Sport)

Jürgen Klopp und Michael Zorc verlängern auf Facebook

Good news

 

 

Bei Borussia Dortmund sind gute Nachrichten eben noch gute Nachrichten. Heute kurz vor 12 Uhr wurde dieser Beitrag auf der offiziellen Facebook-Seite des BVB gepostet. Eine halbe Stunde später wurde dort die Vertragsverlängerung mit Jürgen Klopp und Michael Zorc bis 2016 bekanntgegeben! Damit hat der Verein nach den deutlichen Siegen gegen Hamburg und Hoffenheim bereits das dritte und größte Highlight des noch jungen Jahres gesetzt.

Muss ich meinen Lesern noch etwas über die Qualitäten des Erfolgsduos Klopp & Zorc erzählen? Wohl kaum. Die Geschäftsführung hat früh gehandelt – dass Zorc und vor allem Klopp unerwartet schnell zugesagt haben, zeigt, wie sehr sie dem Verein verbunden sind und wie sehr beide langfristige Perspektiven schätzen. Der FC Bayern kann sich eine Verpflichtung von Klopp für die nächsten vier Jahre abschminken, ein Engagement bei der Nationalmannschaft ist geringfügig wahrscheinlicher.

Mit Jürgen Klopp haben aus seinem Team auch Zeljko Buvac und Peter Krawietz ihre Verträge entsprechend verlängert. Der BVB setzt auf Kontinuität mit einem Trainer, der selbst immer offen für Neues ist – solange es nicht seinen Arbeitsplatz betrifft. Klopp ist ein sportlicher Leiter, der selbst immer besser wird und die Mannschaft immer besser macht. Natürlich kann er gewisse Parameter nur bedingt beeinflussen – Verletzungen, Abgänge, Finanzen – doch hat er in seiner bisherigen Dortmunder Zeit fast das maximal Mögliche erreicht. Mit Spielern, die Michael Zorc vorgeschlagen hat.

Das sind nicht nur gute, sondern großartige Nachrichten für Borussia Dortmund. Etwas in den Hintergrund gerückt ist dadurch die Nachricht, dass ein Abgang von Lucas Barrios am letzten Tag der Transferperiode möglich ist. Englische Vereine sind berüchtigt für ihre Last-Minute-Transfers und am Torjäger der Meistersaison soll laut „Ruhr Nachrichten“ der FC Fulham interessiert sein.

Zwischen den Hügeln von La Manga

Testspiel / BVB 3 Standard Lüttich 0

So sieht wohl das perfekte Auftaktspiel eines Trainingslagers aus. In der Januarsonne von La Manga hat Borussia Dortmund die erste Partie des neuen Jahres gegen den belgischen Erstligisten Standard Lüttich souverän gewonnen. Das Ganze war dank eines Sponsors per Livestream zu verfolgen, kommentiert von Norbert Dickel und Boris Rupert. Genauso wird es auch bei der Begegnung am Mittwoch gegen den FC Elche sein.

Einer der Höhepunkte dieses Testspiels war die Rückkehr von Sven Bender und Neven Subotic. Beide machten nach ihren Verletzungen einen guten Eindruck und Neven verwandelte sogar den Foulelfmeter zum 2:0. Es war allgemein sehr erfreulich, wie sicher die BVB-Defensive die Partie über 90 Minuten im Griff hatte. Die Belgier konnten die zur Halbzeit umbesetzte Viererkette kaum in Verlegenheit bringen. Da musste Roman Weidenfeller schon mal über den Ball treten, um etwas Aufregung reinzubringen. In der zweiten Halbzeit wurde er – sicher nicht wegen dieser Szene – durch Zlatan Alomerovic ersetzt, da Mitchell Langerak zurzeit verletzt nicht zur Verfügung steht und auch den Rückrundenauftakt verpassen könnte. Das Spiel wurde von den Schwarz-Gelben allenthalben ernst genommen – eine professionelle Einstellung, wie man sie unter Jürgen Klopp gewohnt ist.

Was kann man aus einem solchen Testspiel ablesen, ohne es überzuinterpretieren? Von Interesse war der Auftritt derjenigen Spieler, die noch im Januar oder im Sommer den Verein verlassen könnten. Mohamed Zidan wirkte engagiert und erzielte im Nachschuss das 1:0, das Kuba über rechts vorbereitet hatte. Der Pole zeigte sich ebenfalls aktiv und wechselte desöfteren die Seiten. Zidans Offensivpartner der ersten Hälfte war Lucas Barrios. Es mag eine Überinterpretation sein, aber der Argentinier wirkte lustlos und wurde kaum gefährlich – im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Lewandowski, der in der zweiten Halbzeit zum Zug kam und den Endstand erzielte, übrigens nach einer schönen hohen Flanke von Damien Le Tallec, der ja auch noch da ist.

Um Lucas Barrios gibt es Gerüchte, aber Michael Zorc hat dementiert, dass ein konkretes Angebot vorliegt. Ein Verkauf wäre ein Wagnis, wenn nicht umgehend Ersatz geholt wird. Zorc wird einige Namen auf dem Zettel haben – was jedoch zu vernünftigen Konditionen im Januar realisiert werden kann ist eine andere Frage. Zidan und Le Tallec als Lewandowski-Backups für die Rückrunde wären okay, wenn es nicht um die Champions League-Qualifikation ginge. Toni da Silva kam gegen Lüttich ebenfalls zum Einsatz – bei dem Mittelfeldspieler, der von Anfang an als Backup eingeplant war, gibt es keine Gründe und Anzeichen für eine erneute Vertragsverlängerung.

Defensiv souverän, offensiv zeitweise kombinationsfreudig, personell gut aufgestellt – das Fußballjahr 2012 hat gut begonnen. Und es fällt mir momentan außer möglichem Verletzungspech kein Grund ein, warum es für die Borussia nicht genauso weitergehen sollte.

Vom rechten Weg zum Spielball Europas

Champions League, 6. Spieltag / BVB 2 Olympique Marseille 3

Nach 45 Minuten der gestrigen Champions League-Partie war Borussia Dortmund auf einem guten Weg, zumindest noch den dritten Platz der Vorrundengruppe zu erreichen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte fiel mit der ersten Chance der Gäste aus Südfrankreich der Anschlusstreffer. Nach 93 Minuten war die einzige Heimniederlage des BVB im Wettbewerb besiegelt und der erste Auftritt beendet, den man als phasenweise peinlich bezeichnen kann.

Wieder mal wurden den BVB-Fans alle Hochs und Tiefs vor Augen geführt, die man in einem Fußballspiel erleben kann. Jürgen Klopp hatte erwartungsgemäß offensiv aufgestellt – mit Lewandowski UND Barrios – und dies schien sich auszuzahlen. Die Schwarz-Gelben dominierten die Partie von Beginn an, brauchten allerdings nach einer frühen Gelegenheit einige Minuten, um sich weitere Chancen zu erspielen. Doch es sah schon gut aus, was Robert Lewandowski und der erneut gut aufgelegte Kuba im offensiven Mittelfeld fabrizierten. In der Zentrale war Sebastian Kehl der Rückhalt für Ilkay Gündogan, der an der Seite des Kapitäns in der ersten halben Stunde eine auch defensiv sehr ordentliche Leistung zeigte.

Der Plan in unserem Wirtshaus zur letzten Chance aka meiner Fußballkneipe war ja, alle 22 1/2 Minuten ein Tor zu schießen und er ging zunächst bilderbuchmäßig auf. Es war tatsächlich die 23. Minute, als Kehl einen Piszczek-Einwurf in die Mitte verlängerte und Lewandowski den Ball für Kuba herunterholte. Der hatte einmal Fortune im Abschluss und traf durch Abwehrbeine hindurch zum 1:0. Knapp zehn Minuten später war der Plan sogar übererfüllt, als Mats Hummels per Elfmeter erhöhte. Schön, dass er in der Situation Verantwortung übernahm, wie es ihm immer zuzutrauen war, und Erfolg damit hatte.

Weniger schön war die Entstehung des Elfmeters. Bei einer Abwehraktion im Strafraum hatte OMs Mbia Sebastian Kehl mit seinem hohen Bein voll im Gesicht erwischt. Der Kapitän musste verletzt raus. Die Diagnose von heute: Starke Prellung am linken Auge und ein Bluterguss. Zum Glück keine Brüche – doch am Sonntag fällt Kehl trotzdem aus. Für Mbias Aktion gab Schiedsrichter Howard Webb Gelb und Elfmeter. Nun werden mir vermutlich wenige zustimmen, aber ich halte die Entscheidung für noch vertretbar. Sicher hätte man Rot geben können – die Schwere der Verletzung legt das nahe. Andererseits war eine Portion Pech dabei und meiner Ansicht nach war es eine unabsichtlich verunglückte Abwehraktion. Für ein gefährlich hohes Bein gibt es normalerweise Gelb.

Vielleicht bin ich auch generell nachsichtig mit Webb, weil mir seine englische Regelauslegung gefiel. Ganz besonders die korrekten fünf Minuten Nachspielzeit am Ende der ersten Hälfte – was in Deutschland aus unerfindlichen Gründen nie ein Schiedsrichter machen würde. Dass uns ausgerechnet die vorletzte Minute dieser Nachspielzeit einen herben Rückschlag bescherte, mag paradox scheinen, doch die Regelauslegung stimmte dennoch.

Es gab verschiedene Gründe, warum nach dem Dämpfer kurz vor dem Halbzeitpfiff noch der Einbruch gegen Spielende erfolgte. Zunächst mal das Verletzungspech, das den BVB wie schon in London doppelt ereilte. Nach Stabilisator Kehl musste zur Pause auch der andere Schlüsselspieler Mario Götze angeschlagen runter. Das Duo auf den defensiven Mittelfeldpositionen, Gündogan / da Silva, verlor in der zweiten Hälfte mehr und mehr den Zugriff aufs Spiel. Das lag mit daran, dass der aktive und potenziell immer gefährliche Götze nun fehlte und seine Gegenspieler somit befreiter aufspielen konnten. Was natürlich auch OMs Plan entsprach, die nach der deutlichen Führung von Piräus gegen die B-Elf Arsenals unter Zugzwang standen. Ich hätte mir bei so einem Verletzungspech auf der 6er-Position eher einen Florian Kringe als einen Toni da Silva gewünscht. Zwar habe ich weder den einen noch den anderen zuletzt spielen oder trainieren sehen, aber die Borussia hätte in dieser Situation eher einen Spielertypen wie Kringe gebrauchen können.

Natürlich hätten die Schwarz-Gelben ihre Chancen vor allem in der ersten Hälfte besser nutzen können. Mario Götze wirkte gestern sehr harmlos im Torabschluss und Lucas Barrios ist nach wie vor noch nicht wieder der Torjäger, den wir kannten. Natürlich hätte man bei den Gegentoren besser verteidigen können. Der wie schon in Gladbach unterdurchschnittlich agierende Piszczek verlor beim 2:1 Remy aus den Augen, zudem fiel das schöne, späte und bittere 2:3 durch Valbuena über seine Seite. Beim Ausgleich verpasste Kuba nach einer Ecke den Ball und ermöglichte Ayew so den Treffer.

Trotz Verletzungen und nicht vorhandener Überzahl war es in den letzten 20 Minuten die Schuld der elf Mann auf dem Platz, dass Marseille aus einem 0:2 noch einen Sieg machte. Ob es in den Schlussminuten am sprichwörtlichen ‚letzten Willen‘ mangelte, ist Spekulation. Optisch sah es nicht so aus, obwohl OM noch mal aufdrehte.

Ärgerlich ist für mich nicht, dass die Borussia bei der Rückkehr in die Champions League ausgeschieden ist. Das ist eine Frage der Erwartungen. Realistisch musste man davon ausgehen, dass in der Gruppe von Platz 2 bis 4 alles drin ist, denn auch Olympiakos Piräus ist nicht so schwach, wie der Verein – vielleicht im Zuge des allgemeinen Griechen-Bashings – gemacht wurde. Nun ist Verschiedenes schiefgelaufen und Platz 4 herausgekommen. Ärgerlich ist für mich nur, dass die Mannschaft am Ende lediglich noch Spielball der Gruppe war. Dass wegen unserem Einbruch Marseille noch weitergekommen ist – unabhängig davon, ob Olympique oder Olympiakos es mehr verdient hatten.

Die einzige Freude ist mir im Moment, dass sich die Bayern über das komplette Ausscheiden des BVB nicht freuen werden. Und dass bis Weihnachten noch ein paar lösbare Aufgaben auf die Schwarz-Gelben warten.

Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (5), Santana (6), Hummels (7), Löwe (6) – Gündogan (6), Kehl (7) (32. da Silva (4)) – Kuba (7), Lewandowski (7), Götze (6) (46. Perisic (5)) – Barrios (5) (63. Kagawa). Gelbe Karte: Santana. Tore: Kuba, Hummels (EM)

Klarstellung

1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 2 FC Schalke 0

Das ist geil! (Jürgen Klopp, 26.11.2011)

Derbysieger, Spitzenreiter. Am Mittwoch hatte Borussia Dortmund auf bittere Art und Weise auch das dritte Auswärtsspiel in der Champions League verloren. Am Samstag haben die schwarz-gelben Jungs erneut zurückgeschlagen und den ersten Derbysieg im Westfalenstadion seit 2007 geholt. Heute sprang als Bonus noch die Tabellenführung heraus.

Und was für ein Derbysieg war das denn bitte? Das 3:1 in Gelsenkirchen war trotz Fanboykott mindestens ebenso genial, aber die Überlegenheit, die der BVB gestern an den Tag legte, hat man in diesem Aufeinandertreffen seit Jahren nicht mehr gesehen. Das Tabellenbild und der von den Ergebnissen her ordentliche Start von Huub Stevens hatten im Vorfeld suggeriert, die Gäste befänden sich nahezu auf Augenhöhe mit dem Meister. Auf die Gefahr hin besserwisserisch zu wirken – ich hatte nicht daran geglaubt. Die Schalker Mannschaft ist noch lange nicht so homogen wie die Dortmunder und spätestens seit dem Ausfall des Schlüsselspielers Farfan war mir nicht mehr bange vor dem Derby.

Allergrößten Respekt nötigen zurzeit die Personalentscheidungen von Jürgen Klopp ab. Nach der Niederlage in London wurde erneut rotiert. Es geschah aus Leistungsgründen und zahlte sich aus. Kevin Großkreutz saß fast 90 Minuten auf der Bank, was das Fanherz nicht verstehen muss, der Verstand aber schon. So wie der ebenfalls nur eingewechselte Shinji Kagawa hatte Kevin am Mittwoch ein schwaches Spiel gemacht. Das dürfte eher der Grund für die Nichtberücksichtigung gewesen sein als durchwachsene Derby-Auftritte in der Vergangenheit. Robert Lewandowski stand erstmals in dieser Saison zusammen mit Lucas Barrios in der Startelf – eine klare Reaktion auf die erwartete defensive Ausrichtung der Gäste. Die größere Überraschung: Kuba durfte mal wieder die rechte Seite übernehmen.

Und alle Überlegungen des Trainers trugen Früchte. Robert Lewandowski hat den sprichwörtlichen Lauf – auch auf der ’10‘ bzw. als hängende Spitze. Bei der verdienten Führung kam es gar nicht auf seine Position an. Einen Freistoß von rechts schlug Marcel Schmelzer lang in den Strafraum und Lewandowski war der Einzige, der richtig hochsprang und per Kopf traf. Als Blauer könnte man jetzt diskutieren, ob der Freistoß nach gestrecktem Bein von Fuchs gegen Kuba berechtigt war. Abgesehen davon, dass Schiedsrichter Meyer kaum sehen kann, was das Fernsehen nur mit der Lupe herausfand, hätte man in dieser Situation viel besser verteidigen können. Nicht ganz ausgeschlossen ist auch, dass der Schalker Stammkeeper der Vorsaison den Ball irgendwie hätte parieren können.

Lucas Barrios war zwar im Abschluss glücklos, beschäftigte und band jedoch Schalker Abwehrspieler. Kuba rechtfertigte seine Aufstellung erst recht. Er holte nicht nur den Freistoß heraus, sondern kam über rechts einige Male schön durch. Seine überlegte Flanke in den Rückraum führte zur größten Chance der ersten Halbzeit, bei der Unnerstall gegen Götze parierte und Barrios im Nachrutschen nur Matip und nicht den Ball traf. Eines hat sich jedoch nicht geändert: Der Torabschluss bleibt Kubas Schwäche Nummer eins.

Die Gäste waren 80 Minuten so unterlegen, dass sich der BVB gar nicht so viel Mühe geben musste wie in den letzten Spielen. In der ersten Halbzeit landeten lange Bälle aus der Schalker Hälfte reihenweise im Aus und bessere Mittel hatten die Blauen nicht. Natürlich verkauften sie sich auch unter Wert – diese Mannschaft kann immer noch kein Derby. Auf der anderen Seite standen ihnen aufmerksame Schwarz-Gelbe gegenüber, bei denen selbst die aus der Not geborene Paarung im defensiven Mittelfeld mit Kehl und Leitner sehr ordentlich funktionierte. Der 19-jährige Neuzugang von 1860 war sehr fleißig und hatte ein hohes Laufpensum (darf ja heute in keinem Bericht über den BVB fehlen), auch wenn von ihm noch lange nicht so viele Impulse ausgehen wie von Nuri Sahin. Das hat ja auch noch Zeit.

Die fünf bis zehn Minuten kurz nach der Pause, in denen die Schalker in die Offensive gingen, änderten kaum etwas am Gesamteindruck. Die Bilanz  der Gäste am Ende: Ein ernstzunehmender Weitschuss, den Weidenfeller wegfausten musste. Zwei Schüsse, die knapp neben oder über das Tor gingen. Der BVB hatte in der zweiten Hälfte eine Reihe von Chancen und nutzte eine. Nach einer Ecke von Götze und Vorarbeit von Kuba und Hummels parierte Unnerstall gegen Barrios. Der Ball sprang zu Santana, der im Rückraum lauerte und souverän einschob. Ein Tor, das man ihm nach der langen Warterei auf der Bank von Herzen gönnt.

Das war bereits im wesentlichen die Geschichte dieses wundervollen Derbys. Konzentriert, souverän und willensstark durchgezogen vom BVB. Von den ‚Anderen‘ kann man das nicht behaupten. Der Unterschied war gestern beinahe noch größer als in der Vorsaison. Es tut mir ja leid für den FC Schalke, aber wenn wir weiterhin so gute Spieler aus dem Osten dazubekommen, wird die Borussia auf Jahre hinaus unschlagbar sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (7), Santana (8), Hummels (8), Schmelzer (7) – Leitner (6), Kehl (7) – Kuba (7) (88. Großkreutz), Lewandowski (8), Götze (8) (78. Owomoyela) – Barrios (6) (88. Kagawa). Gelbe Karte: Kehl. Tore: Lewandowski, Santana