BVB dominiert, Effzeh protestiert

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1. Bundesliga, 4. Spieltag / BVB 5 1. FC Köln 0

Die Borussia zeigte sich deutlich besser erholt von der Pleite in London als der FC. Der Plan der Gäste ging nur zwei Minuten auf. Nach dem Rückstand versuchten sie es mit mehr Pressing, doch am Ende trug der seriöse, geduldige Auftritt der Schwarz-Gelben reiche Früchte. Es sei denn, ein angekündigter Protest der Kölner hätte Erfolg…

Drei Gedanken zum Spiel

Nein, lieber Jörg Schmadtke, mit dem Videobeweis wird nicht alles besser! Wer das gedacht hatte, litt an naiver Technikgläubigkeit. Es war durchaus abzusehen – und wurde von manchen Warnern auch vorhergesagt – dass mit der Einführung nicht alle untersuchten Szenen unstrittig geklärt werden. Und dass sich sogar neue Probleme daraus ergeben können. Nun verlangt der FC also eine Neuansetzung der Partie, weil der Schiedsrichter Bruchteile von Sekunden früher gepfiffen hat als Papa Sokratis‘ Ball im Tor landete – das dann nach Videobeweis gegeben wurde. Natürlich hätte nach dem Pfiff niemand den Treffer mehr verhindern können. Also wegen dieses Fehlers das Spiel wiederholen? Ernsthaft, Herr Schmadtke? Verhältnismäßig?

Zum jetzigen Zeitpunkt muss man den BVB-Verantwortlichen zur Transferpolitik gratulieren. Lassen wir mal Jadon Sancho außen vor: Die anderen Neu-Schwarz-Gelben haben sich zumindest in dieser personell angespannten Frühphase der Saison als echte Verstärkungen erwiesen. Andriy Yarmolenko und Maximilian Philipp zeigten heute im Duett so viel Spielwitz und technische Fähigkeiten, dass man den soeben für vier Monate verletzten Ousmane Dembelé schon nicht mehr vermisst.

Dan-Axel Zagadou legte wieder einen sauberen Auftritt links hinten hin. Ömer Toprak agierte ebenfalls absolut souverän. Mahmoud Dahoud sah in der ersten Hälfte wie der ‚Verlierer‘ unter den Neuzugängen aus, doch er steigerte sich, als die Kölner abbauten und konnte am Ende noch eine Torvorlage bei Philipps zweitem Treffer verbuchen.

10:0 Tore in der Bundesliga – so viel kann an unser Abwehr nicht falsch sein. Bitter, dass wir ausgerechnet am 1. CL-Spieltag zu den Spurs mussten. Aber sonst gibt es keinen Grund zu meckern. Selbst wenn das in den vorherigen Spielen nicht immer sattelfest aussah – am Ende zählt dass irgendjemand die Bälle klärt. Oder sie nicht rein gehen. Marcel Schmelzer wurde nicht vermisst. Wenn man heute jemanden kritisieren will, dann sein Pendant auf der anderen Seite. Lukasz Piszczek machte ein vergleichsweise mäßiges Spiel. Er lief viel, gewann auch Zweikämpfe, aber leistete sich ein paar Ungenauigkeiten, die von einem besser aufgelegten Gegner bestraft werden könnten.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Toprak, Zagadou – Sahin (67. Weigl) – Castro, Dahoud – Yarmolenko (66. Pulisic), Aubameyang (85. Isak), Philipp. Tore: Philipp (2), Aubameyang (2, davon 1 EM), Sokratis

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Dortmund holt alles was zählt

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DFB-Pokal, Halbfinale / Bayern München 2 BVB 3

Es ist viel mehr als nur ein Finaleinzug, ja sogar mehr als nur ein neuer Rekord für den BVB: Der Sieg beim FC Bayern macht aus einem diffusen Unbehagen über Aspekte des Vereins und des ‚modernen Fußballs‘ gelöste Glückseligkeit. Ging wahrscheinlich nicht nur mir so. Die Dramaturgie des Halbfinales von München folgte dabei dem Ligaspiel in Mönchengladbach – nur dass es die Schwarz-Gelben mit einem viel stärkeren Gegner zu tun hatten, dessen Weiterkommen die logische Konsequenz gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

Was war das denn für ein Spielverlauf? Wir starten gut gegen den FC Bayern: typisch. Wir gehen sogar in Führung: auch schon vorgekommen. Der FCB zieht das Spiel an sich und dreht auch das Ergebnis: typisch Bayern. Und dann? Ich würde schreiben, wir waren doch schon tot – wenn es gerade nicht so makaber wäre. Spätestens nach der Bayern-Führung war die Borussia weg vom Fenster und viel zu weit weg von den Gegenspielern. Doch die Gastgeber ließen eine Reihe hochkarätiger Chancen aus, vor allem durch Lewandowski und Robben. Und dann reichten eine großartige Vorbereitung und ein großartiges Tor von Ousmane Dembelé, verbunden mit einem Fehler von Bayern-Kapitän Lahm, dieses Spiel unfassbarerweise erneut zu drehen.

Die jetzt natürlich wieder alles hinterfragenden Rekordmeister verloren aber in erster Linie, weil sie ihre Riesengelegenheiten nicht nutzten. Man könnte jetzt auch nicht sagen, was Manuel Neuer bei den drei Treffern besser gemacht hätte – obwohl ihm irgendein teuflischer Stunt immer zuzutrauen ist. weiterlesen

Kein Wunder

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Champions League, Viertelfinale / AS Monaco 3 BVB 1

Mehr als leise Hoffnung nach dem schnellen Anschlusstreffer zu Beginn der zweiten Hälfte kam nicht auf: Die Borussia scheidet deutlich aus der Champions League aus. Erneut erwischten die Schwarz-Gelben einen schwachen Start, lagen schnell 0:2 hinten. Die taktischen und personellen Korrekturen von Thomas Tuchel kamen zu spät. Und schon ab der 60. Minute hatte man das Gefühl, dass ein dritter Treffer der starken Gastgeber wahrscheinlicher war als ein zweiter des BVB.

Drei Gedanken zum Spiel

Die Frage nach dem Warum wird uns noch mindestens bis zum Saisonende verfolgen. Ein Spiel der Borussia unbeschwert zu analysieren ist durch den Bombenanschlag unmöglich geworden. Was die betroffenen Spieler erlebt haben, hängt nach – so ließen es alle, die sich geäußert haben, durchklingen. Doch inwiefern beeinflusst es eine Partie? Es ist unmöglich zu sagen, es bleiben nur Mutmaßungen. Hätte Lukasz Piszczek in einer bombenfreien Realität zwei derartige Fehlpässe in zwei CL-Partien fabriziert? Hätte Roman Bürki mehr tun können als bei Mendys Schuss nur die Fäuste hochzureißen – wenn die Mannschaft nicht vor der Abfahrt ins Stadion im Bus eine gute Viertelstunde von der Polizei aufgehalten worden wäre? Was steckte hinter der schnell korrigierten Nichtberücksichtigung von Ousmane Dembelé?

Auch Thomas Tuchel saß letzte und diese Woche im Mannschaftsbus. Das kann wohl eher nicht die fragwürdige Taktik erklären. Tuchel wollte nach der Partie nichts auf die Dreierkette kommen lassen, doch regelmäßige Leser von Any Given Weekend wissen, dass ich mit ihr nicht warm werde. Gestern zeigte sich exemplarisch, warum. Die Stellenbeschreibung für die Dreierkette müsste in etwa so lauten: „Gesucht werden Abwehrspieler, die Erfahrungen in der Innenverteidigung vorweisen können und sich dort zu Hause fühlen. Gefordert sind Schnelligkeit und Flexibilität. Bewerber müssen sich umgehend auf neue Situationen einstellen können.“ weiterlesen

Drei Tore und genauso viele Fragezeichen

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1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 3 Hamburger SV 0

Ein gutes Ergebnis, das über Mängel im Spiel der Borussia hinwegtäuscht. Die Schwarz-Gelben hatten mehr Chancen als im Derby, vergaben allerdings auch mehr. Erst spät machten Kagawa und Auba alles klar. Von einer sicheren Abwehr konnte auch nur phasenweise die Rede sein.

Drei Gedanken zum Spiel

Wenn ‚Papa‘ Sokratis fehlt, wackelt die Abwehrreihe der Borussia noch mehr als sonst. Zuletzt war es eine Dreierkette (mit der ich nicht warm werde), gestern eher eine Viererkette, aus der Guerreiro als Linksverteidiger aber gelegentlich ausrückte. Der zuletzt verlässliche Piszczek, aber auch Matthias Ginter, wirkten gelegentlich unsicher. Kommen dann noch überraschende Ballverluste im Aufbau (Dembelé!) dazu, wird es kribbelig. Zum Glück hat der HSV ’nur‘ Bobby Wood vorne drin: Der ist ein guter Techniker, aber kein Vollblut-Vollstrecker wie Lewandowski oder Gomez.

Das eigentliche Thema bei Schwarz-Gelb bleibt natürlich die Chancenverwertung. Ja, natürlich zeigen jetzt alle mit dem Finger auf Pierre-Emerick Aubameyang. Nein, wir reden hier nicht wie alle anderen von der Maske. Es war doch so: Auba war gut im Spiel, machte am Ende noch zielstrebig sein Tor und legte zuvor prima quer zu Kagawas 2:0. Natürlich muss er vorher zumindest einen gegen Adler machen. Doch es kam gestern auch nicht die nötige Unterstützung über außen. Emre Mor zeigte wieder gute Ansätze, verzettelte sich aber noch öfter. Ousmane Dembelé hatte einfach keinen guten Tag. Als Angriffspartner für Auba fielen sie zu oft aus. Wenn Dortmunds Angriff zur One-Man-Show wird, haben wir ein Problem.

Doch immerhin ist Shinji Kagawa wieder da! Ich gebe zu: In dieser Form habe ich nicht damit gerechnet. Gestern war Shinji fast wieder der Alte und für mich auch noch stärker als im Derby. Es gilt wahrscheinlich nicht für jedermann (was ist mit Alexander Isak?), aber in der Regel bekommen die Spieler bei Thomas Tuchel die Chance, sich wieder ins Team zu spielen. Kagawa war präsent, spielte gute Pässe und erwies sich endlich wieder als treffsicher. Da werden vor den entscheidenden Spielen die Bedenken ob des Fehlens von Marco Reus etwas gelindert.

Die kommenden Wochen wird auch Thomas Tuchel im Kopf gehabt haben, als er sich nach Spielschluss trotz des guten Endes recht kritisch äußerte. Kann man mit mindestens zwei Problemfeldern – Abstimmung hinten und Treffsicherheit vorne – gegen Bayern oder Monaco bestehen? Oder genügend Punkte für Platz 3 in der Liga sammeln? Rein qualitativ vermutlich schon – aber dafür müsste endlich Stabilität her.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Ginter, Bartra, Guerreiro (78. Passlack) – Weigl (78. Sahin) – Dembelé, Kagawa, Castro, Mor (60. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Ginter. Tore: Castro, Kagawa, Aubameyang

Dortmund rettet sich in die Pause

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1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 1 FC Ingolstadt 0

Selten schien der BVB eine Spielpause so nötig zu haben wie jetzt. Gegen den Tabellenvorletzten waren die Schwarz-Gelben im eigenen Stadion die schwächere Mannschaft, wobei den Schanzern zum Klassenerhalt ganz offensichtlich die Sicherheit im Abschluss fehlt. Die Gastgeber wirkten mental und körperlich müde, wofür man bedingt Verständnis haben kann.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war nicht schön, aber am Ende zählt trotz allem das Ergebnis. Meiner Ansicht nach kommt der Leistungssport davon nicht weg. Wer mit lauteren Mitteln glücklich gewinnt, darf sich freuen. Wir können über das elfmeterwürdige Foul von Roman Bürki sprechen, aber auf der anderen Seite spielte Ingolstadts Pascal Groß den Ball nach Castros Freistoß mit der Hand. Der Kicker notiert 10:14 Torschüsse aus Sicht des BVB; die Chancenanzahl dürfte schon ausgeglichener gewesen sein.

Wenn die Mannschaft nicht ganz auf der Höhe ist, wackelt die Dreierkette. Wenn die Außenspieler Schmelle und Durm zur Unterstützung fehlen, merkt man auf Dauer, dass Piszczu eben kein Innenverteidiger ist und Ginter einfach kein konstant hohes Niveau erreicht. Zudem schwächelte der zentral im Mittelfeld agierende Guerreiro. Es bleiben also Zweifel an der Abkehr von der guten alten Viererkette. Und die Frage, was gegen das Duo Sokratis/Bartra in der Innenverteidigung spricht. Wie wäre es außerdem mit einer Rückkehr von Guerreiro nach links hinten?

Schlecht gespielt, Chance genutzt. Das schließt natürlich an Punkt 1 an. Aber da ich nur die letzte halbe Stunde der Partie am Freitag sehen konnte, beschäftige ich mich lieber noch mit der Zukunft. Die tabellarische Gegenwart zeigt, dass der Kampf um Platz 2 wieder offen ist. RB Leipzig hat erneut gepatzt und diesmal ist der BVB auf drei Punkte herangekommen. Allerdings bleibt auch der Kampf um Platz 3 offen, denn Hoffenheim ist mitgezogen. Wenn die Borussia ein schlechtes Spiel und die Länderspiel-Pause benötigt, um für die ganzen Knaller-Spiele – Schalke! Bayern! Monaco! – wieder voll da zu sein: so be it!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter – Durm, Castro (83. Merino), Guerreiro (56. Weigl), Schmelzer – Pulisic (77. Schürrle), Kagawa – Aubameyang. Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Aubameyang

Der Jetzt-erst-recht-Effekt

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1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 3 VfL Wolfsburg 0

Das partielle Geisterspiel verlief doch nicht so fürchterlich wie von manchem erwartet, vor allem sportlich. Der Ausschluss der eigenen Stehplatzfans stachelte die schwarz-gelben Jungs eher noch an und mit etwas mehr Treffsicherheit hätte man die Wolfsburger richtig auseinandergenommen. Die Gäste vergaben die vermeintlich große Chance, in Dortmund etwas zu holen, kläglich.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war kein schöner Anblick, diese leere Südtribüne. Das überzogene, aber vom BVB aus nachvollziehbaren Gründen akzeptierte Strafmaß, sorgte für hoffentlich einmalige Bilder während eines Bundesligaspiels im Westfalenstadion. Wer tatsächlich eine Karte oder Dauerkarte auf der Süd hat(te), wird das Ausgeschlossensein noch mal anders empfinden als die Fans am Bildschirm. Ich maße mir nicht an, für die Karteninhaber zu sprechen, denn ich gehörte zu der zweiten Gruppe. Für mich sah es so aus, als ob alle noch das Beste aus der Situation gemacht haben. Eine größere Anzahl Fans war von der Süd auf die Nordtribüne umgezogen, da der VfL nur rund 1700 Tickets an seine Anhänger verkauft hatte. Und im Lauf des Spiels schien dort ganz ordentliche Stimmung aufzukommen. Nicht nur sportlich, auch stimmungstechnisch herrschte also eine Jetzt-erst-recht-Haltung.

Im Wolfsburger Strafraum muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Vom zarten Aufschwung, den man dem VfL mit gutem Willen zuletzt attestieren konnte, war gestern nichts zu sehen. Erstaunlich, wie frei die Schwarz-Gelben bei vielen ihrer 24 Torschüsse (Wolfsburg: 6) zum Abschluss kamen. Man denke an den Hackentrick von Auba im Strafraum, den kein Schwarz-Gelber nutzen konnte. Allein, es bleibt ein Kreuz mit der Chancenverwertung. Und so hätte es zur Pause tatsächlich 1:1 stehen können, da Yunus Malli kurz vor dem Pfiff nur knapp links verzog. Was der BVB aber besser machte als zuletzt: Das Spielfeld wurde gestern in seiner ganzen Breite genutzt, die Angriffe wurden flexibel vorgetragen. Dafür waren nicht nur die lebendigen Reus und Dembelé verantwortlich, sondern auch Gonzalo Castro, der nach seiner Rückkehr in die Startelf wieder richtig dynamisch wirkte. Und hinten stand wieder eine ordentliche Viererkette.

Thomas Tuchel adressierte nach der Partie eine Ode an Lukasz Piszczek. Der Außenverteidiger erzielte ja nicht nur sein fünftes Saisontor, sondern bereitete auch beide weiteren Treffer mit seinen Hereingaben vor. Tuchel bezog sich aber ebenso auf Lukasz‘ hervorragende Einstellung im Alltag – tatsächlich etwas, das nach Darmstadt und Frankfurt mal hervorgehoben werden durfte. An der Einstellung mangelt es auch André Schürrle nicht, doch der Offensivmann bleibt glücklos und uneffektiv. Der 30-Millionen-Bonus gegenüber Christian Pulisic ist bald aufgebraucht. Und selbst an einem sportlich guten Wochenende muss es gestattet sein, auf die Diskrepanz zwischen links hinten und rechts hinten hinzuweisen: Gerade weil Lukasz Piszczek so glänzte, fiel BVB-Kapitän Marcel Schmelzer mit einer für ihn normalen Leistung deutlich ab.

Gegen Golfsburg läuft und läuft und läuft es also: Vier Siege und 15:3 Tore aus den letzten vier Partien verbuchte der BVB. Nächste Woche geht es zu den freundlichen Freiburgern, bevor die Schwarz-Gelben gegen Leverkusen wieder vor einer vollen Südtribüne auflaufen dürfen. Keine Spiele unter der Woche bedeuten hoffentlich volle Konzentration auf die Bundesliga und Sicherung von Platz 3.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Ginter, Bartra, Schmelzer – Weigl (81. Merino) – Castro – Schürrle, Dembelé (73. Kagawa), Reus (67. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karten: Weigl, Schürrle. Tore: Bruma (ET), Piszczek, Dembelé

Gewonnen, doch die Souveränität bleibt verschollen

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1. Bundesliga, 17. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 2

15 Minuten glänzte Borussia Dortmund im ersten Pflichtspiel des neuen Jahres, das erst der Hinserienabschluss war. 15 Minuten lang spielten die Schwarz-Gelben eine überragende Auswärtspartie, die an die starken Testspiele anknüpfte. Doch in der Folge war Werder Bremen über weite Strecken gleichwertig, auch mit einem Mann weniger, ehe sich die Überzahl doch noch auszahlte.

Drei Gedanken zum Spiel

Mit Schönwetterspielern gewinnst du keine Meisterschaft. Ein zugegeben harter Vorwurf, der einer Begründung bedarf. Nehmen wir André Schürrle. Der erwischte als Sturmspitze einen Traumstart, erwies sich beim 1:0 nach fünf Minuten als geistesgegenwärtig und zeigte auch in der Folge viel Engagement. Doch als die Borussia die Oberhand verlor, konnte auch der Rekordeinkauf nicht helfen und wurde blass und blasser. Oder Shinji Kagawa. Auch der hatte sich etwas vorgenommen, zeigte schöne Ansätze, einige gelungene Pässe. Nur um dann wie so oft abzutauchen, als die Bremer Zugriff aufs Spiel und in den Zweikämpfen kriegten. Wenn dann auch noch eigentlich verlässliche Kräfte wie Gonzalo Castro schwächeln, ist es mit dem Offensiv- und Konterspiel nicht weit her.

Marco Reus und der eingewechselte Ousmane Dembélé hatten in der Vorbereitung mit Verletzungen zu tun gehabt, wurden in Bremen heftig bearbeitet (Reus) oder wirkten noch nicht 100%-ig spritzig (Dembélé). Trotzdem waren sie gefährlicher als die zuvor Genannten und werden der Borussia bald noch mehr helfen. Das Bremen-Spiel hat dennoch gezeigt, dass uns ein Ersatz für Adrian Ramos, sollte sein Transfer bald eingenetzt sein, gut zu Gesicht stünde. Das 1,90 Meter große schwedische Super-Stürmertalent Alexander Isak von AIK Solna soll bereitstehen.

Über Toprak bleibt zu reden. Fordern will ich ihn nicht. Aber die Anfälligkeit der Abwehr muss ein Thema bleiben. Fin Bartels konnte sich, als Bremen bereits ein Mann weniger war, durch die BVB-Abwehr tanken. Er täuschte Ginter zu leicht, er widerstand dem bis vor Kurzem angeschlagenen Sokratis und erzielte das 1:1. Eine Frage des Personals oder auch der Taktik? Muss die Viererkette immer so hoch stehen, selbst wenn man sowieso Überzahl hat? Oder sollte Thomas Tuchel vielleicht dafür sorgen, dass auf den Außen Spieler agieren, die den Gegner mehr beschäftigen? Die Auswechslung von Schmelzer zugunsten von Erik Durm deutet in die Richtung. Lukasz Piszczek macht das auf der anderen Seite schon ganz gut, nicht nur wegen seines vierten Saisontreffers.

Die Bremer bleiben in der Liga. Der SV Werder ist einer der sympathischeren Vereine in der 1. Bundesliga, doch hatte in den letzten Spielzeiten zu oft eine Mannschaft, einen Kader ohne Identität und echtes Herz. So langsam beginnt sich das wieder zu ändern und wie die zehn Gastgeber gegen elf Dortmunder dagegen hielten, bestätigt die These. Mit Thomas Delaney scheinen sie tatsächlich einen guten Fang gelandet zu haben. Woran sie arbeiten müssen: Die Zahl der Großchancen muss steigen und die Hintermannschaft dürfte auch gegen andere Teams noch Probleme kriegen.

Zurück zu Dortmund: Es bleibt viel Arbeit. Wenn die Verletzungsmisere abebbt, kann man dennoch mit viel Hoffnung in die nächsten Partien gehen. Die von der eigenen Gefühlswelt her unterschiedlicher kaum sein könnten: In Mainz, dann gegen Leipzig. Eines ist ihnen jedoch gemeinsam: Beide werden sehr schwer. Heute Nachmittag wird in Erfurt noch mal getestet.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) – Weigl – Pulisic, Castro (70. Guerreiro), Kagawa, Reus (70. Dembélé) – Schürrle. Gelbe Karte: Schürrle. Tore: Schürrle, Piszczek

Kein Streichergebnis gegen Freiburg

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1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 SC Freiburg 1

Das ist der Rhythmus, bei dem man mit muss: Drei Tage nach Wolfsburg stand die schwarz-gelbe Borussia am Freitagabend schon wieder gegen den Sportclub Freiburg auf dem Platz. Respekt und Bewunderung für den Verein und Trainer Christian Streich sind bei mir gerade in Tagen wie diesen besonders ausgeprägt – das war schon vor der Partie so.

Thomas Tuchel ließ eine Elf beginnen, deren Zusammenstellung keinerlei Anlass zum Meckern bot. Eine Startelf-Chance für Mor über außen, die überfällige Rückkehr von Castro, die Heimpremiere für Götze, Piszczek nach Torerfolg erneut hinten rechts – alles richtig gemacht, auch rückblickend.

Die erste Chance hatten allerdings die Gäste: Vincenzo Grifo konnte allein vor Bürki den BVB-Keeper mit einem harmlosen Schuss allerdings nicht gefährden. Wer von den Schwarz-Gelben pure Dominanz sehen wollte, kam auch in der Folge nur phasenweise auf seine Kosten. Aber sind wir wirklich schon so arrogant, dass wir die nötig haben? Nach meinem Verständnis von Sport sind 6:0-Siege nur etwas zum Feiern, wenn sie nicht Alltag werden. weiterlesen

So geht Europapokal!

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Europa League, Zwischenrunde / BVB 2 FC Porto 0

Die Borussia im Europa-Modus – 2016 erinnert das zum Glück wieder eher an Madrid als an Thessaloniki. Am heutigen Abend, unter den letzten 32 in der Europa League, zeigten die Schwarz-Gelben Lust auf den letzten fehlenden Titel. Schließlich hatte die Südtribüne mit einer entsprechenden Choreo gut vorgelegt. Viel souveräner als zu erwarten war gelang ein Heimsieg ohne Gegentor, der allerdings noch höher hätte ausfallen können.

Mit leichten Bauchschmerzen hatte Thomas Tuchel Nuri Sahin in der Anfangsformation aufgeboten, da Ilkay Gündogan wegen eines Infekts nicht zur Verfügung stand. Doch er wusste natürlich, was er erwarten konnte – sonst hätten Ginter oder Castro den Vorzug bekommen. Während seines 57-minütigen Einsatzes zeigte Nuri, dass sein Comeback nicht zu früh kam. Unspektakulär, aber umsichtig und ballsicher organisierte er das Mittelfeld, wurde dabei außerdem von seinen offensiveren Kollegen wie auch durch die typischen Vorstöße von Mats Hummels unterstützt.

Der BVB war von Beginn an wach und präsent – und belohnte sich früh, was gegen die defensiv eingestellten Portugiesen sicher ein Vorteil war. Entgegen der Aussagen aus dem Verein begnügte sich der FC Porto damit, abzuwarten. Offensichtlich wollte man lange ein 0:0 halten, auf Konter lauern und auf das Rückspiel setzen. Doch gelang der Borussia endlich mal eine Eckball-Variante und Piszczek kam in Höhe des kurzen Pfostens frei zum Abschluss. Zwar wehrte Iker Casillas noch ab, doch per Kopf traf Piszczu im zweiten Versuch.

Damit waren wohl endgültig auch Selbstbewusstsein und Souveränität da, wo sie bei einem solchen Spiel sein müssen. Die Schwarz-Gelben spielten noch besser Pressing als sonst, eroberten sehr viele Bälle im Mittelfeld. Porto kam kaum zum Zug, der BVB allerdings auch zunächst nur zu wenigen weiteren Großchancen. Kagawa vergab im Sechzehnmeterraum erstaunlich frei stehend – das wars in der ersten Hälfte.

Doch bei allem Vertrauen der Gäste auf das Spiel im Estadio do Dragao – man muss einen CL-Teilnehmer erst mal so im Griff haben. Genau so hatte sich der FC Porto das sicher nicht vorgestellt. Und einige starke Szenen der Schwarz-Gelben gab es ja noch: Kagawa steigerte sich, bereitete nicht nur exzellent das 2:0 durch Reus vor, sondern prüfte Casillas auch noch selber. Und Miki, der beim zweiten Treffer die unmittelbare Vorlage gab, traf mit einem ungeheuer selbstbewusst wirkenden Kopfball noch den Pfosten. Die einzige größere Chance der Gäste durch den eingewechselten Suk vereitelte in der 89. Minute Bürki.

Gut, wir reden hier vom Europapokal und vom FC Porto. Und alle Schwarz-Gelben wissen aus eigener Erfahrung, dass es nach einer guten Ausgangsposition im Rückspiel noch richtig eng werden kann. Wir hatten schließlich noch nie was gegen Spannung! Man freut sich so allerdings einfacher darauf.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl, Sahin (57. Leitner) – Mkhitaryan, Kagawa (87. Ginter), Reus (86. Pulisic) – Aubameyang. Tore: Piszczek, Reus

Dortmund bleibt polnisch – kommt jetzt der erste Spanier?

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Über andere Spieler hatte man sich zuletzt mehr Gedanken gemacht. So kam es, dass die Vertragsverlängerung von Lukasz Piszczek um ein Jahr bis 2018 unbemerkt vonstattenging und erst heute bekannt wurde. Piszczu ist im sechsten Jahr ein Schwarz-Gelber und damit einer der dienstälteren Spieler. Nach längerfristigen Verletzungsproblemen und neuer Konkurrenz auf seiner Position hat er sich im Lauf der Hinserie seinen Stammplatz hinten rechts von Matthias Ginter zurückgeholt – zu diesem Zeitpunkt zu Recht.

Die vorzeitige Ausdehnung des Vertrags mit dem 30-Jährigen ist aber auch Ausdruck der vorerst gescheiterten Suche nach Alternativen auf den Außenverteidigerpositionen. Diese wurde zeitweise nicht ernsthaft betrieben und scheint danach erfolglos geblieben zu sein. Gonzalo Castro konnte – bei seinem einzigen Auftritt rechts hinten – ebenso wenig überzeugen wie Joo-Ho Park auf der anderen Seite. Ginter ist eine Alternative, aber im Gesamturteil nicht stärker als Piszczek oder Schmelzer. Es gibt derzeit keinen Grund, die personelle Lage dort als Missstand zu betrachten, denn Piszczu scheint fast wieder an alte Zeiten anzuknüpfen. Langfristig wird man sich aber erneut Gedanken machen müssen.

Unterdessen wurde der BVB gleich mit zwei spanischen Spielern in Verbindung gebracht. Beide sind jung und mit der U19 ihres Landes Europameister geworden. Die Verpflichtung von Mikel Merino vom Zweitligisten CA Osasuna vermeldete der „Kicker“ schon als fast perfekt – ausgegangen war die Meldung von den spanischen Sportzeitungen „As“ und „Marca“. Nun scheint erst mal wieder alles in der Schwebe, denn Osasunas Präsident hat einen Wechsel im Winter für schwer vorstellbar erklärt. Das kann Verhandlungstaktik sein oder – wie beim Mainzer Manager Christian Heidel – ernst gemeint.

Ein Wechsel des defensiven Mittelfeldspielers würde bei der derzeitigen Besetzung des Kaders scheinbar wenig Sinn machen. Zwar hinkt Nuri Sahin noch etwas hinterher, aber neben Julian Weigl stehen auch noch Sven Bender und Matze Ginter für die 6er-Position zur Verfügung. Dass Bender in der Innenverteidigung Sokratis vorgezogen wird, ist schwer nachvollziehbar. Merinos Wechsel würde allerdings dann Sinn ergeben, wenn intern mit dem Weggang von Spielern im Sommer gerechnet wird. Kandidaten wären Gündogan oder – wegen fehlender Einsatzzeiten – Bender.

Bei einer Ablöse von rund 5 Millionen Euro wäre der Transfer von Merino finanziell machbar. Sportlich würde dagegen derzeit Oliver Torres mehr Sinn ergeben. Der spielt bei Atletico Madrid, aber aktuell nur eine Nebenrolle. Er gilt als Offensiv-Allrounder, an dem die Borussia schon länger interessiert ist. Der Haken hier: Der Marktwert des 21-Jährigen wird auf 14 Millionen taxiert – und ein Verein wie Atletico wird nicht sonderlich geneigt sein, ein junges Talent zu diesem Zeitpunkt unter Wert abzugeben. Es wäre mit Sicherheit kein typischer BVB-Wintertransfer, wenn dieser Deal über die Bühne gehen sollte.