Dortmund rettet sich in die Pause

1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 1 FC Ingolstadt 0

Selten schien der BVB eine Spielpause so nötig zu haben wie jetzt. Gegen den Tabellenvorletzten waren die Schwarz-Gelben im eigenen Stadion die schwächere Mannschaft, wobei den Schanzern zum Klassenerhalt ganz offensichtlich die Sicherheit im Abschluss fehlt. Die Gastgeber wirkten mental und körperlich müde, wofür man bedingt Verständnis haben kann.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war nicht schön, aber am Ende zählt trotz allem das Ergebnis. Meiner Ansicht nach kommt der Leistungssport davon nicht weg. Wer mit lauteren Mitteln glücklich gewinnt, darf sich freuen. Wir können über das elfmeterwürdige Foul von Roman Bürki sprechen, aber auf der anderen Seite spielte Ingolstadts Pascal Groß den Ball nach Castros Freistoß mit der Hand. Der Kicker notiert 10:14 Torschüsse aus Sicht des BVB; die Chancenanzahl dürfte schon ausgeglichener gewesen sein.

Wenn die Mannschaft nicht ganz auf der Höhe ist, wackelt die Dreierkette. Wenn die Außenspieler Schmelle und Durm zur Unterstützung fehlen, merkt man auf Dauer, dass Piszczu eben kein Innenverteidiger ist und Ginter einfach kein konstant hohes Niveau erreicht. Zudem schwächelte der zentral im Mittelfeld agierende Guerreiro. Es bleiben also Zweifel an der Abkehr von der guten alten Viererkette. Und die Frage, was gegen das Duo Sokratis/Bartra in der Innenverteidigung spricht. Wie wäre es außerdem mit einer Rückkehr von Guerreiro nach links hinten?

Schlecht gespielt, Chance genutzt. Das schließt natürlich an Punkt 1 an. Aber da ich nur die letzte halbe Stunde der Partie am Freitag sehen konnte, beschäftige ich mich lieber noch mit der Zukunft. Die tabellarische Gegenwart zeigt, dass der Kampf um Platz 2 wieder offen ist. RB Leipzig hat erneut gepatzt und diesmal ist der BVB auf drei Punkte herangekommen. Allerdings bleibt auch der Kampf um Platz 3 offen, denn Hoffenheim ist mitgezogen. Wenn die Borussia ein schlechtes Spiel und die Länderspiel-Pause benötigt, um für die ganzen Knaller-Spiele – Schalke! Bayern! Monaco! – wieder voll da zu sein: so be it!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter – Durm, Castro (83. Merino), Guerreiro (56. Weigl), Schmelzer – Pulisic (77. Schürrle), Kagawa – Aubameyang. Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Aubameyang

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Der Jetzt-erst-recht-Effekt

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 3 VfL Wolfsburg 0

Das partielle Geisterspiel verlief doch nicht so fürchterlich wie von manchem erwartet, vor allem sportlich. Der Ausschluss der eigenen Stehplatzfans stachelte die schwarz-gelben Jungs eher noch an und mit etwas mehr Treffsicherheit hätte man die Wolfsburger richtig auseinandergenommen. Die Gäste vergaben die vermeintlich große Chance, in Dortmund etwas zu holen, kläglich.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war kein schöner Anblick, diese leere Südtribüne. Das überzogene, aber vom BVB aus nachvollziehbaren Gründen akzeptierte Strafmaß, sorgte für hoffentlich einmalige Bilder während eines Bundesligaspiels im Westfalenstadion. Wer tatsächlich eine Karte oder Dauerkarte auf der Süd hat(te), wird das Ausgeschlossensein noch mal anders empfinden als die Fans am Bildschirm. Ich maße mir nicht an, für die Karteninhaber zu sprechen, denn ich gehörte zu der zweiten Gruppe. Für mich sah es so aus, als ob alle noch das Beste aus der Situation gemacht haben. Eine größere Anzahl Fans war von der Süd auf die Nordtribüne umgezogen, da der VfL nur rund 1700 Tickets an seine Anhänger verkauft hatte. Und im Lauf des Spiels schien dort ganz ordentliche Stimmung aufzukommen. Nicht nur sportlich, auch stimmungstechnisch herrschte also eine Jetzt-erst-recht-Haltung.

Im Wolfsburger Strafraum muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Vom zarten Aufschwung, den man dem VfL mit gutem Willen zuletzt attestieren konnte, war gestern nichts zu sehen. Erstaunlich, wie frei die Schwarz-Gelben bei vielen ihrer 24 Torschüsse (Wolfsburg: 6) zum Abschluss kamen. Man denke an den Hackentrick von Auba im Strafraum, den kein Schwarz-Gelber nutzen konnte. Allein, es bleibt ein Kreuz mit der Chancenverwertung. Und so hätte es zur Pause tatsächlich 1:1 stehen können, da Yunus Malli kurz vor dem Pfiff nur knapp links verzog. Was der BVB aber besser machte als zuletzt: Das Spielfeld wurde gestern in seiner ganzen Breite genutzt, die Angriffe wurden flexibel vorgetragen. Dafür waren nicht nur die lebendigen Reus und Dembelé verantwortlich, sondern auch Gonzalo Castro, der nach seiner Rückkehr in die Startelf wieder richtig dynamisch wirkte. Und hinten stand wieder eine ordentliche Viererkette.

Thomas Tuchel adressierte nach der Partie eine Ode an Lukasz Piszczek. Der Außenverteidiger erzielte ja nicht nur sein fünftes Saisontor, sondern bereitete auch beide weiteren Treffer mit seinen Hereingaben vor. Tuchel bezog sich aber ebenso auf Lukasz‘ hervorragende Einstellung im Alltag – tatsächlich etwas, das nach Darmstadt und Frankfurt mal hervorgehoben werden durfte. An der Einstellung mangelt es auch André Schürrle nicht, doch der Offensivmann bleibt glücklos und uneffektiv. Der 30-Millionen-Bonus gegenüber Christian Pulisic ist bald aufgebraucht. Und selbst an einem sportlich guten Wochenende muss es gestattet sein, auf die Diskrepanz zwischen links hinten und rechts hinten hinzuweisen: Gerade weil Lukasz Piszczek so glänzte, fiel BVB-Kapitän Marcel Schmelzer mit einer für ihn normalen Leistung deutlich ab.

Gegen Golfsburg läuft und läuft und läuft es also: Vier Siege und 15:3 Tore aus den letzten vier Partien verbuchte der BVB. Nächste Woche geht es zu den freundlichen Freiburgern, bevor die Schwarz-Gelben gegen Leverkusen wieder vor einer vollen Südtribüne auflaufen dürfen. Keine Spiele unter der Woche bedeuten hoffentlich volle Konzentration auf die Bundesliga und Sicherung von Platz 3.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Ginter, Bartra, Schmelzer – Weigl (81. Merino) – Castro – Schürrle, Dembelé (73. Kagawa), Reus (67. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karten: Weigl, Schürrle. Tore: Bruma (ET), Piszczek, Dembelé

Gewonnen, doch die Souveränität bleibt verschollen

1. Bundesliga, 17. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 2

15 Minuten glänzte Borussia Dortmund im ersten Pflichtspiel des neuen Jahres, das erst der Hinserienabschluss war. 15 Minuten lang spielten die Schwarz-Gelben eine überragende Auswärtspartie, die an die starken Testspiele anknüpfte. Doch in der Folge war Werder Bremen über weite Strecken gleichwertig, auch mit einem Mann weniger, ehe sich die Überzahl doch noch auszahlte.

Drei Gedanken zum Spiel

Mit Schönwetterspielern gewinnst du keine Meisterschaft. Ein zugegeben harter Vorwurf, der einer Begründung bedarf. Nehmen wir André Schürrle. Der erwischte als Sturmspitze einen Traumstart, erwies sich beim 1:0 nach fünf Minuten als geistesgegenwärtig und zeigte auch in der Folge viel Engagement. Doch als die Borussia die Oberhand verlor, konnte auch der Rekordeinkauf nicht helfen und wurde blass und blasser. Oder Shinji Kagawa. Auch der hatte sich etwas vorgenommen, zeigte schöne Ansätze, einige gelungene Pässe. Nur um dann wie so oft abzutauchen, als die Bremer Zugriff aufs Spiel und in den Zweikämpfen kriegten. Wenn dann auch noch eigentlich verlässliche Kräfte wie Gonzalo Castro schwächeln, ist es mit dem Offensiv- und Konterspiel nicht weit her.

Marco Reus und der eingewechselte Ousmane Dembélé hatten in der Vorbereitung mit Verletzungen zu tun gehabt, wurden in Bremen heftig bearbeitet (Reus) oder wirkten noch nicht 100%-ig spritzig (Dembélé). Trotzdem waren sie gefährlicher als die zuvor Genannten und werden der Borussia bald noch mehr helfen. Das Bremen-Spiel hat dennoch gezeigt, dass uns ein Ersatz für Adrian Ramos, sollte sein Transfer bald eingenetzt sein, gut zu Gesicht stünde. Das 1,90 Meter große schwedische Super-Stürmertalent Alexander Isak von AIK Solna soll bereitstehen.

Über Toprak bleibt zu reden. Fordern will ich ihn nicht. Aber die Anfälligkeit der Abwehr muss ein Thema bleiben. Fin Bartels konnte sich, als Bremen bereits ein Mann weniger war, durch die BVB-Abwehr tanken. Er täuschte Ginter zu leicht, er widerstand dem bis vor Kurzem angeschlagenen Sokratis und erzielte das 1:1. Eine Frage des Personals oder auch der Taktik? Muss die Viererkette immer so hoch stehen, selbst wenn man sowieso Überzahl hat? Oder sollte Thomas Tuchel vielleicht dafür sorgen, dass auf den Außen Spieler agieren, die den Gegner mehr beschäftigen? Die Auswechslung von Schmelzer zugunsten von Erik Durm deutet in die Richtung. Lukasz Piszczek macht das auf der anderen Seite schon ganz gut, nicht nur wegen seines vierten Saisontreffers.

Die Bremer bleiben in der Liga. Der SV Werder ist einer der sympathischeren Vereine in der 1. Bundesliga, doch hatte in den letzten Spielzeiten zu oft eine Mannschaft, einen Kader ohne Identität und echtes Herz. So langsam beginnt sich das wieder zu ändern und wie die zehn Gastgeber gegen elf Dortmunder dagegen hielten, bestätigt die These. Mit Thomas Delaney scheinen sie tatsächlich einen guten Fang gelandet zu haben. Woran sie arbeiten müssen: Die Zahl der Großchancen muss steigen und die Hintermannschaft dürfte auch gegen andere Teams noch Probleme kriegen.

Zurück zu Dortmund: Es bleibt viel Arbeit. Wenn die Verletzungsmisere abebbt, kann man dennoch mit viel Hoffnung in die nächsten Partien gehen. Die von der eigenen Gefühlswelt her unterschiedlicher kaum sein könnten: In Mainz, dann gegen Leipzig. Eines ist ihnen jedoch gemeinsam: Beide werden sehr schwer. Heute Nachmittag wird in Erfurt noch mal getestet.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) – Weigl – Pulisic, Castro (70. Guerreiro), Kagawa, Reus (70. Dembélé) – Schürrle. Gelbe Karte: Schürrle. Tore: Schürrle, Piszczek

Kein Streichergebnis gegen Freiburg

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 SC Freiburg 1

Das ist der Rhythmus, bei dem man mit muss: Drei Tage nach Wolfsburg stand die schwarz-gelbe Borussia am Freitagabend schon wieder gegen den Sportclub Freiburg auf dem Platz. Respekt und Bewunderung für den Verein und Trainer Christian Streich sind bei mir gerade in Tagen wie diesen besonders ausgeprägt – das war schon vor der Partie so.

Thomas Tuchel ließ eine Elf beginnen, deren Zusammenstellung keinerlei Anlass zum Meckern bot. Eine Startelf-Chance für Mor über außen, die überfällige Rückkehr von Castro, die Heimpremiere für Götze, Piszczek nach Torerfolg erneut hinten rechts – alles richtig gemacht, auch rückblickend.

Die erste Chance hatten allerdings die Gäste: Vincenzo Grifo konnte allein vor Bürki den BVB-Keeper mit einem harmlosen Schuss allerdings nicht gefährden. Wer von den Schwarz-Gelben pure Dominanz sehen wollte, kam auch in der Folge nur phasenweise auf seine Kosten. Aber sind wir wirklich schon so arrogant, dass wir die nötig haben? Nach meinem Verständnis von Sport sind 6:0-Siege nur etwas zum Feiern, wenn sie nicht Alltag werden. Weiterlesen „Kein Streichergebnis gegen Freiburg“

So geht Europapokal!

Europa League, Zwischenrunde / BVB 2 FC Porto 0

Die Borussia im Europa-Modus – 2016 erinnert das zum Glück wieder eher an Madrid als an Thessaloniki. Am heutigen Abend, unter den letzten 32 in der Europa League, zeigten die Schwarz-Gelben Lust auf den letzten fehlenden Titel. Schließlich hatte die Südtribüne mit einer entsprechenden Choreo gut vorgelegt. Viel souveräner als zu erwarten war gelang ein Heimsieg ohne Gegentor, der allerdings noch höher hätte ausfallen können.

Mit leichten Bauchschmerzen hatte Thomas Tuchel Nuri Sahin in der Anfangsformation aufgeboten, da Ilkay Gündogan wegen eines Infekts nicht zur Verfügung stand. Doch er wusste natürlich, was er erwarten konnte – sonst hätten Ginter oder Castro den Vorzug bekommen. Während seines 57-minütigen Einsatzes zeigte Nuri, dass sein Comeback nicht zu früh kam. Unspektakulär, aber umsichtig und ballsicher organisierte er das Mittelfeld, wurde dabei außerdem von seinen offensiveren Kollegen wie auch durch die typischen Vorstöße von Mats Hummels unterstützt.

Der BVB war von Beginn an wach und präsent – und belohnte sich früh, was gegen die defensiv eingestellten Portugiesen sicher ein Vorteil war. Entgegen der Aussagen aus dem Verein begnügte sich der FC Porto damit, abzuwarten. Offensichtlich wollte man lange ein 0:0 halten, auf Konter lauern und auf das Rückspiel setzen. Doch gelang der Borussia endlich mal eine Eckball-Variante und Piszczek kam in Höhe des kurzen Pfostens frei zum Abschluss. Zwar wehrte Iker Casillas noch ab, doch per Kopf traf Piszczu im zweiten Versuch.

Damit waren wohl endgültig auch Selbstbewusstsein und Souveränität da, wo sie bei einem solchen Spiel sein müssen. Die Schwarz-Gelben spielten noch besser Pressing als sonst, eroberten sehr viele Bälle im Mittelfeld. Porto kam kaum zum Zug, der BVB allerdings auch zunächst nur zu wenigen weiteren Großchancen. Kagawa vergab im Sechzehnmeterraum erstaunlich frei stehend – das wars in der ersten Hälfte.

Doch bei allem Vertrauen der Gäste auf das Spiel im Estadio do Dragao – man muss einen CL-Teilnehmer erst mal so im Griff haben. Genau so hatte sich der FC Porto das sicher nicht vorgestellt. Und einige starke Szenen der Schwarz-Gelben gab es ja noch: Kagawa steigerte sich, bereitete nicht nur exzellent das 2:0 durch Reus vor, sondern prüfte Casillas auch noch selber. Und Miki, der beim zweiten Treffer die unmittelbare Vorlage gab, traf mit einem ungeheuer selbstbewusst wirkenden Kopfball noch den Pfosten. Die einzige größere Chance der Gäste durch den eingewechselten Suk vereitelte in der 89. Minute Bürki.

Gut, wir reden hier vom Europapokal und vom FC Porto. Und alle Schwarz-Gelben wissen aus eigener Erfahrung, dass es nach einer guten Ausgangsposition im Rückspiel noch richtig eng werden kann. Wir hatten schließlich noch nie was gegen Spannung! Man freut sich so allerdings einfacher darauf.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl, Sahin (57. Leitner) – Mkhitaryan, Kagawa (87. Ginter), Reus (86. Pulisic) – Aubameyang. Tore: Piszczek, Reus

Dortmund bleibt polnisch – kommt jetzt der erste Spanier?

Über andere Spieler hatte man sich zuletzt mehr Gedanken gemacht. So kam es, dass die Vertragsverlängerung von Lukasz Piszczek um ein Jahr bis 2018 unbemerkt vonstattenging und erst heute bekannt wurde. Piszczu ist im sechsten Jahr ein Schwarz-Gelber und damit einer der dienstälteren Spieler. Nach längerfristigen Verletzungsproblemen und neuer Konkurrenz auf seiner Position hat er sich im Lauf der Hinserie seinen Stammplatz hinten rechts von Matthias Ginter zurückgeholt – zu diesem Zeitpunkt zu Recht.

Die vorzeitige Ausdehnung des Vertrags mit dem 30-Jährigen ist aber auch Ausdruck der vorerst gescheiterten Suche nach Alternativen auf den Außenverteidigerpositionen. Diese wurde zeitweise nicht ernsthaft betrieben und scheint danach erfolglos geblieben zu sein. Gonzalo Castro konnte – bei seinem einzigen Auftritt rechts hinten – ebenso wenig überzeugen wie Joo-Ho Park auf der anderen Seite. Ginter ist eine Alternative, aber im Gesamturteil nicht stärker als Piszczek oder Schmelzer. Es gibt derzeit keinen Grund, die personelle Lage dort als Missstand zu betrachten, denn Piszczu scheint fast wieder an alte Zeiten anzuknüpfen. Langfristig wird man sich aber erneut Gedanken machen müssen.

Unterdessen wurde der BVB gleich mit zwei spanischen Spielern in Verbindung gebracht. Beide sind jung und mit der U19 ihres Landes Europameister geworden. Die Verpflichtung von Mikel Merino vom Zweitligisten CA Osasuna vermeldete der „Kicker“ schon als fast perfekt – ausgegangen war die Meldung von den spanischen Sportzeitungen „As“ und „Marca“. Nun scheint erst mal wieder alles in der Schwebe, denn Osasunas Präsident hat einen Wechsel im Winter für schwer vorstellbar erklärt. Das kann Verhandlungstaktik sein oder – wie beim Mainzer Manager Christian Heidel – ernst gemeint.

Ein Wechsel des defensiven Mittelfeldspielers würde bei der derzeitigen Besetzung des Kaders scheinbar wenig Sinn machen. Zwar hinkt Nuri Sahin noch etwas hinterher, aber neben Julian Weigl stehen auch noch Sven Bender und Matze Ginter für die 6er-Position zur Verfügung. Dass Bender in der Innenverteidigung Sokratis vorgezogen wird, ist schwer nachvollziehbar. Merinos Wechsel würde allerdings dann Sinn ergeben, wenn intern mit dem Weggang von Spielern im Sommer gerechnet wird. Kandidaten wären Gündogan oder – wegen fehlender Einsatzzeiten – Bender.

Bei einer Ablöse von rund 5 Millionen Euro wäre der Transfer von Merino finanziell machbar. Sportlich würde dagegen derzeit Oliver Torres mehr Sinn ergeben. Der spielt bei Atletico Madrid, aber aktuell nur eine Nebenrolle. Er gilt als Offensiv-Allrounder, an dem die Borussia schon länger interessiert ist. Der Haken hier: Der Marktwert des 21-Jährigen wird auf 14 Millionen taxiert – und ein Verein wie Atletico wird nicht sonderlich geneigt sein, ein junges Talent zu diesem Zeitpunkt unter Wert abzugeben. Es wäre mit Sicherheit kein typischer BVB-Wintertransfer, wenn dieser Deal über die Bühne gehen sollte.

The Believers

1. Bundesliga, 15. Spieltag / VfL Wolfsburg 1 BVB 2

Es geht immer weiter – und wer nicht glaubt, verliert. Am Ende eines größtenteils würdigen Spitzenspiels mit zwei ungleichen Halbzeiten wollte sich Borussia Dortmund nicht mit einem Punkt beim Tabellendritten abfinden und machte auch in der 93. Minute noch Druck. Elfmeterverursacher Lukasz Piszczek war ebenso am entscheidenden Angriff beteiligt wie Superassistent Henrikh Mkhitaryan. Und ausgerechnet Shinji Kagawa schob dann zum Last-Minute-Sieg ein. Großartig und schon wieder viel zu lange her – da kann man schon mal ein halbes Kahn-Zitat bringen.

Der Siegtorschütze Shinji Kagawa war zuvor nicht unbeteiligt an der deutlich passiveren, wenig effektiven zweiten Hälfte der Borussia gewesen. In der 55. Minute kam der Japaner für den angeschlagenen Ilkay Gündogan, der die Partie in Halbzeit 1 mit gesteuert hatte. Die Schwarz-Gelben hatten sehr dominant begonnen, kaum etwas vom Pokalsieger und Vizemeister zugelassen. Umso verwunderlicher, da die gesetzten Innenverteidiger Mats Hummels und Sokratis mit Magen-Darm-Infekt ausgefallen waren. Doch zunächst machten es die Vertreter und vor allem das Mittelfeld-Duo Ginter und Gündogan richtig gut.

Nachdem es schon in der Anfangsviertelstunde mehrmals brandgefährlich für die Gastgeber geworden war. dauerte es noch bis zur 32. Minute, ehe Mkhitaryan und Marco Reus einen Fehler von Guilavogui ausnutzten. Schön, Marco wieder treffen zu sehen. Was danach bis zur Pause geschah, lässt sich durchaus noch mit „aus einer Position der Stärke den Gegner kommen lassen“ beschreiben, auch wenn Wolfsburg nun die ersten Abschlüsse verzeichnen konnte.

Erst in den zweiten 45 Minuten gab der BVB die Spielkontrolle aus der Hand. Was gegen ein Topteam durchaus mal passieren kann. Hätten die Schwarz-Gelben allerdings vorher die Chancen genutzt, wäre es ebenso entspannter geworden, wie wenn die Entlastungsangriffe in Halbzeit 2 konzentriert zu Ende gespielt worden wären. Es war also mindestens so sehr die fehlerhafte Offensive, die für die gekippte Spielkontrolle verantwortlich war – nicht nur die kleinen Unsicherheiten bei Bürki, Subotic und Co.

Und auch Schiedsrichter Stieler, laut „Kicker“-Noten einer der besten, tat das seinige dazu, als er Maximilian Arnold nach einem Griff in Benders Gesicht nicht die fällige gelb-rote Karte zeigte, dafür aber in der Nachspielzeit auf den Punkt, nachdem Piszczek Schürrle an die Schulter gefasst hatte. Rodriguez verwandelte sicher und man hätte von einem glücklichen, aber nicht unverdienten Punkt für die Gastgeber sprechen müssen. Doch Tuchels BVB glaubte weiter, spielte weiter und bescherte uns mal wieder einen dieser Momente, für die man ganz besonders ins Stadion oder die Kneipe geht. Und das ohne dass jemand eine Eckfahne ausreißen musste.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Subotic, Bender, Schmelzer – Ginter, Gündogan (55. Kagawa) – Mkhitaryan, Castro (82. Park), Reus – Aubameyang (82. Hofmann). Gelbe Karten: Reus, Piszczek. Tore: Reus, Kagawa

Hinten wackelts, vorne krachts

DFB-Pokal, 1. Runde / Stuttgarter Kickers 1 BVB 4

Borussia Dortmund hat sich standesgemäß in die zweite Pokalrunde geschossen, auch wenn das Ergebnis nicht die ganze Geschichte der Partie im Gottlieb-Daimler-Stadion erzählt. Die Schwarz-Gelben setzten sich vor allem wegen ihrer deutlich effizienteren Offensivabteilung durch, während die Abwehrreihen beider Klubs häufig wackelten.

Natürlich hatten der Stuttgarter Trainer Horst Steffen und seine Schützlinge ihre Hausaufgaben gemacht und nahmen außerdem noch Selbstvertrauen aus der Liga mit. Pressing ist als probates Mittel gegen den BVB bekannt, erfordert jedoch hohe Konzentration. Den Kickers gelang das zunächst sehr ordentlich; sie ließen bis auf eine Szene, als Jojic zentral im Strafraum frei stand, kaum etwas zu, so dass sich eine halbe Stunde lang in Tornähe wenig tat. Marco Reus stand überraschend bereits wieder in der Startformation. Der ideelle Wert seiner Rückkehr schien aber fast größer als der sportliche. Wie zunächst auch viele seiner Kollegen hatte der stellvertretende Kapitän kein glückliches Füßchen beim letzten Pass in die Spitze.

Deshalb musste es wohl ein präziser langer Pass sein, der das erste Tor vorbereitete. Oliver Kirch, zu diesem Zeitpunkt der Saison absolut verdient in der Startelf, schlug ihn aus der eigenen Hälfte auf Lukasz Piszczek auf dem rechten Flügel, der bei seiner Flanke das richtige Auge für den nachrückenden Henrikh Mkhitaryan hatte. Piszczu sollte später noch das dritte Tor vorbereiten, doch darf auch nicht verschwiegen werden, dass er defensiv einige Male ausgespielt wurde und ihm manches zu schnell zu gehen schien. Jürgen Klopp hatte die Viererkette auf zwei Positionen verändert, Subotic für Ginter und Durm für den verletzten Schmelzer gebracht. Richtig überzeugen konnte gestern jedoch keiner der vier. Neven merkte man die fehlende Spielpraxis an; Sokratis war bis auf seinen schlampigen Fehlpass, der in der Folge fast zu einem Tor durch Soriano geführt hätte, der stärkere Innenverteidiger. Erik Durm spielte unauffällig, aber nicht immer sicher im Positionsspiel.

Kurz vor und kurz nach der Pause hatten die Kickers mehrere gute Szenen, scheiterten aber an Langerak oder verzogen. Das ist dann halt der Unterschied: Pierre-Emerick Aubameyang, den manche schon aus Dortmund wegschreiben wollten, zeigte sich wieder sehr gut aufgelegt und nutzte einen zu schwachen Rückpass von Fennell, um den Torwart zu umspielen und auf 2:0 zu erhöhen. Schon zuvor war ein weiterer Schuss von ihm gerade noch von einem Abwehrspieler geklärt worden. Die Kickers nutzten zwar eine weitere Unentschlossenheit in der Dortmunder Abwehr zum Anschlusstreffer, der aber wegen Abseitsstellung nicht hätte zählen dürfen. Andererseits konnten sich die Gastgeber über ein nicht mit Gelb-Rot geahndetes Handspiel von Mkhitaryan ärgern, dessen erste Verwarnung aber fragwürdig war.

Nach Aubameyangs straightem 3:1 nach erneuter Piszczek-Flanke war es schön, noch einen der neuen Stürmer treffen zu sehen. Wieder war ‚die Spinne‘ beteiligt: Pierre-Emericks Pass setzte Adrian Ramos ein, der von links präzise ins lange Eck abschloss. Schön zu sehen, dass gestern Aubas Zuspiele vermehrt ankamen.

Nach dem verdienten Erfolg gegen einen starken Drittligisten sehen wir jetzt natürlich gespannt dem Bundesliga-Auftaktkracher gegen Leverkusen entgegen. Vor allem an der Viererkette muss Jürgen Klopp tüfteln. Während sich die Außenverteidiger beinahe von selbst aufstellen, ist innen fast alles offen. Nur an einen Einsatz von Neven von Beginn an glaube ich derzeit nicht. Die Auslosung der zweiten Pokalrunde erfolgt übrigens nach dem Topspiel am Samstag live auf Sky.

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek, Subotic, Sokratis, Durm – Kirch – Jojic, Mkhitaryan – Reus – Ramos, Aubameyang. Gelbe Karten: Mkhitaryan, Ramos. Tore: Mkhitaryan, Aubameyang (2), Ramos

An der Anfield Road geht Dortmund nicht mit

Testspiel / FC Liverpool 4 BVB 0

Zum Ende der Saisonvorbereitung ist es für Bundesligisten Usus geworden, sich mit einem womöglich noch glamourösen Topgegner zu messen. Für Borussia Dortmund hat das in der Vergangenheit ergebnistechnisch manchmal funktioniert, manchmal nicht. Heute ist es mal wieder grandios daneben gegangen. Gegen einen FC Liverpool, der sich mit ein, zwei weiteren Verstärkungen in der Premier League durchaus einiges ausrechnen kann, sahen die Schwarz-Gelben beim 0:4 einfach schlecht aus.

Nach vorne fehlte im 4-1-4-1 der ersten Hälfte ebenso die Durchschlagskraft wie im späteren 4-4-2. Von Mkhitaryan und Ramos war ganz wenig zu sehen, vom bisher in der Vorbereitung überzeugenden Aubameyang auch nicht viel mehr. In der Zentrale mühte sich Milos Jojic, doch seine hin und wieder durchaus brauchbaren Pässe brachten letztendlich nichts ein, weil die Gastgeber an der Anfield Road ihren Gästen zeigten, wie eine richtig stabile Viererkette auszusehen hat.

Das, was in den letzten Testspielen noch sehr ordentlich ausgesehen und was ich gerade noch gelobt hatte – die BVB-Defensivabteilung – wurde vom englischen Topgegner teilweise richtig auseinander gespielt. Schnelle Seitenwechsel, kurze, knackige Pässe in die Schnittstellen – all das gelang den Reds und der Borussia nicht. Deutlich sichtbar wurde auch, was sich schon länger als roter Faden durch die Entwicklung der Schwarz-Gelben zieht: Das Flügelspiel stagniert offensiv wie defensiv; häufig sind wir da auch hinten zu offen, und das liegt wesentlich an den Außenverteidigern.

Heute Mittag funktionierte allerdings kaum etwas in der Viererkette, sobald die Reds Ernst machten. War das 0:1 durch Sturridge vor allem eine schöne Kombination der Gäste, fehlte beim 0:2 durch Lovren nach einem Eckball die Zuordnung – Langerak wurde in dieser Situation übrigens nicht gefoult. Das 0:3 verursachte Neuzugang Matthias Ginter gleich doppelt: Erst spielte er einen schlampigen Querpass, dann sah er gegen Coutinho schlecht aus. Das 0:4 war zwar vermutlich doppelt irregulär – zunächst Abseits und dann war scheinbar noch der Ball im Toraus – doch danach ließ sich Marcel Schmelzer zu leicht austanzen. Weiterlesen „An der Anfield Road geht Dortmund nicht mit“

Nicht mit Kevin

1. Bundesliga, 33. Spieltag / BVB 3 TSG Hoffenheim 2

Eine quälende knappe halbe Stunde schien es am Samstag so, als ob die Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim erneut das entscheidende Plus an Biss ins Westfalenstadion mitgebracht hatte, um drei Punkte in ihr Dorf mitzunehmen. Mats Hummels hatte trotz aller Qualität und Intelligenz nicht zum ersten Mal in einem dieser ‚Spiele um die Ehre‘ gepatzt und auf der linken Seite einen Fehlpass gespielt, den am Ende des Spielzugs Firmino zum 0:1 nutzte. Wenig später musste Mats einen ganz ähnlichen Fehler von Sokratis auf der Linie ausbügeln. Und der wieder genesene Marcel Schmelzer kriegte seinen Flügel zunächst überhaupt nicht zu.

Doch dann wurde es Kevin Großkreutz zu bunt. Nach einem Ballgewinn von Jojic schnappte er sich das Ding im Mittelfeld, lief los und zog in Strafraumnähe ab Richtung langes Eck. Schönes Tor, wichtiger Ausgleich. Es war die Initialzündung durch einen, der sichtbar keinen Bock darauf hatte, den Fans gegen diesen Gegner erneut einen matten Saisonausklangsauftritt zu bieten. Fairerweise muss man Mats Hummels zugestehen, dass er sich kurz zuvor ähnlich energisch im Mittelfeld eingeschaltet hatte. Kevin machte indes einfach so weiter, hatte in der zweiten Hälfte noch zwei ähnliche Abschlüsse, bei denen es wieder gefährlich wurde. Da darf man sich danach schon mal einen Döner gönnen.

Dem Ausgleich durch den Dortmunder Jungen ließ die Borussia innerhalb von fünf Minuten zwei weitere Treffer folgen – mit entscheidendem Anteil von Marco Reus. Unsere Nummer 11 schlug die Flanke, die Henrikh Mkhitaryan per Kopf zum 2:1 verwertete. Und Marcos Freistoß wenig später sorgte auch für so viel Verwirrung, dass Lukasz Piszczek zu einem sehenswerten Außenrist-Knaller kam, der das 3:1 brachte.

Zwar verfiel man in den zweiten 45 Minuten phasenweise wieder in den Schongang, auch wenn es nicht gerecht wäre, Roman Weidenfellers Tunnel-Eskapade demselben zuzurechnen. Doch das Wichtigste war, dass es vom Feeling und der Heimbilanz her gegen Hoffenheim wieder stimmt. Einen großen Moment gab es noch bei der Auswechslung des für Dortmunder Verhältnisse unvergleichlichen Robert Lewandowski. Der wurde in seinem letzten Heimspiel vor dem Wechsel zu Bayern mit viel Applaus verabschiedet – Ausdruck für seine ehrliche und bewundernswerte Arbeit auf dem Platz. Mit seinen Toren das Pokalfinale zu gewinnen wäre dann der wahre Traum-Ausstand.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Jojic, Sahin – Mkhitaryan (81. Hofmann), Reus (76. Aubameyang), Großkreutz – Lewandowski. Tore: Großkreutz, Mkhitaryan, Piszczek