Danke Greg! BVB vorzeitig im Achtelfinale

Champions League, 5. Spieltag / BVB 0 Manchester City 0

Das darf man echten Fortschritt nennen: Im Gegensatz zur Vorsaison qualifiziert sich Borussia Dortmund für das Achtelfinale der Champions League und das sogar schon am vorletzten Spieltag. Mit großer Hilfe von Keeper Gregor Kobel gelingt den Schwarz-Gelben ein Statement, dass diese Saison vielleicht doch besser wird als die letzte.

Volles Haus zu Haus – entsprechend trat die Borussia in der ersten Halbzeit auf. Und das ohne gelernte Außenverteidiger: Rechts musste mal wieder Niklas Süle ran, links sogar Thorgan Hazard für den ausgefallenen Guerreiro. Gleich mal vorweg: Süle spielte solide und Hazard überraschenderweise auch. Es waren recht offene erste 45 Minuten, in denen City zwar schon begann, sich den Großteil des Ballbesitzes zu erarbeiten, dem BVB aber einige Durchbrüche und mehr echte Torchancen gelangen. Die größte vergab Youssoufa Moukoko aus kurzer Distanz in der 37. Minute. Es war eine Gelegenheit jener Güteklasse, die du gegen Manchester City eigentlich nicht vergibst, ohne bestraft zu werden. Vorbereiter war Karim Adeyemi – nicht zum einzigen Mal. Ihm gelang zwar nicht jede Aktion, aber seinen Fleiß, gerade auch in der Defensivarbeit, muss man nach dieser Partie hervorheben. So wie es auch Mats Hummels tat.

Kaum am Ball, aber Punkt verdient

Die zweite Hälfte ähnelte nach einer Weile dem, was wir schon in Manchester gesehen hatten: ein klar überlegener englischer Meister, der nun gefühlte 95 Prozent Ballbesitz hatte (am Ende der Begegnung waren es reale 73 Prozent über die 90+ Minuten). Es gab drei Unterschiede zum Hinspiel: Erling Haaland war nicht mehr dabei – er wurde von Pep Guardiola in der Pause ausgewechselt. Den Gästen reichte ein Unentschieden zum Gruppensieg. Und ja, Dortmund machte es in der letzten Reihe ganz vernünftig, Mats Hummels war immens. All das trug wohl dazu bei, dass die Schwarz-Gelben ohne Gegentor blieben und ihrerseits den Einzug ins Achtelfinale feiern konnten. Rein optisch sah das vom BVB in den letzten 20, 25 Minuten aber nicht besser aus als in Manchester.

Trotzdem: Dieser Punktgewinn gegen den großen Titel-Favoriten war verdient. Das sagen auch die Zahlen, zumindest die Expected Goals-Werte. Hier liegt die Borussia nur knapp hinten (1,16:1,19). Rechnet man noch den – zweifellos berechtigten, mal wieder von Emre Can verursachten – Elfmeter heraus, der allein einen xG-Wert von 0,79 hatte, sieht es für die Schwarz-Gelben sogar noch viel besser aus. Wäre Gregor Kobel nicht gewesen, hätte das dem BVB aber vermutlich nichts genutzt. Er hielt Mahrez‘ Versuch stark und wirkte auch sonst souverän wie immer. Ein Unterschiedsspieler eben. Früher war das Haaland, jetzt teilen sich „Greg“ und Jude Bellingham diese Rolle. Die Beiden verstehen sich ja ohnehin ganz gut…

Die Aufstellung: Kobel – Süle, Hummels, Schlotterbeck, Hazard (82. Wolf) – Bellingham, Can – Adeyemi (73. Malen), Brandt, Reyna (87. Papadopoulos) – Moukoko (82. Modeste). Gelbe Karte: Hummels.

Ehrenwerte null Punkte

Champions League, 2. Spieltag / Manchester City 2 BVB 1

Nur 1:2 – das hätten viele vor dieser Partie als kleinen Erfolg angesehen. Nach dem unerwartet spannenden Abend von Manchester dürfte das Urteil zwiegespaltener sein: Die Leistung des BVB war zweifellos ein Erfolg, doch die späte Niederlage schmerzt natürlich trotzdem.

Lange taten die Schwarz-Gelben das, was man gegen City offensichtlich tun muss: Sie standen kompakt, wenn nötig auch tief, und verteidigten bravourös. Sehr gute Noten verdienten sich dabei vor allem Hummels und Süle, aber auch die Außenverteidiger Meunier und Guerreiro machten es gestern ordentlich. In Ballbesitz blieben die Gäste ruhig und leisteten sich lange Zeit wenig hektische Ballverluste. Und trotz der abwartenden Spielweise kamen sie zu einigen Gelegenheiten.

Ein weiterer Fortschritt gegenüber den letzten Partien: Endlich war eine Ecke mal wieder Ausgangspunkt für einen Treffer. Zwar nicht im Sinne von Ecke-Kopfball-Tor, doch Reus‘ Bilderbuch-Flanke von der anderen Seite, die im Übrigen fast wie ein Torschuss aussah, war in jedem Fall noch eine Folgeaktion. Dass Bellingham nun wieder gegen City traf, war schon keine große Überraschung mehr.

Fünf Minuten reichen City

Es hätte so schön sein können, wenn die Schwarz-Gelben in ihren Defensivaktionen bis zum Schluss konsequent und nah am Mann geblieben wären. Doch dafür reichte mutmaßlich die Kraft nicht mehr. So kam zunächst John Stones unbedrängt zum Schuss aus etwa 18 Metern. Klar, den hätte man verhindern sollen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Alexander Meyer ihn hätte halten können. Schwierig bis unmöglich war das dagegen bei – natürlich – Erling Haalands artistisch eingesprungenem Siegtreffer. Auch hier wäre die Flanke von Cancelo zuvor aber wohl nicht so gekommen, wenn ein Schwarz-Gelber näher dran gewesen wäre. Ein Unentschieden wäre zweifellos verdient gewesen: Donyell Malen hätte nach einem herrlichen Dribbling ein Traumtor verdient gehabt – klappte leider nicht ganz.

So ist es zweifellos ein bitteres Ergebnis, aber auch ein verschmerzbares, wenn man die Leistung in die nächsten CL-Partien mitnimmt. Sevilla hat gegen Kopenhagen nur Unentschieden gespielt und bleibt somit hinter dem BVB. Auf das direkte Duell mit den Andalusiern wird es am Ende wohl ankommen – man darf ein bisschen zuversichtlich sein. Auch fürs Derby – das Einzige, was jetzt zählt.

Die Aufstellung: Meyer – Meunier, Süle, Hummels, Guerreiro – Bellingham, Can, Özcan (89. Moukoko) – Reyna (62. Malen), Reus (88. Adeyemi) – Modeste (78. Schlotterbeck). Gelbe Karten: Özcan, Meunier. Tor: Bellingham

Einer geht, keiner kommt: Dortmunds Transfer Deadline Day

Es hat doch noch geklappt: Eine Transfer-Geschichte, die sich in diesem Sommer fast so sehr zog wie das Warten auf Regen, hat ein Ende gefunden. Wie sich schon gestern andeutete, wechselt Manuel Akanji für rund 18 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni zu Manchester City. Der Wechselwunsch des Schweizers war seit dem Frühjahr bekannt und besprochen; Edin Terzic berücksichtigte den Innenverteidiger daher in dieser Saison nicht mehr für den Kader. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass der BVB ein Jahr vor Vertragsende (zumindest zunächst) nicht die einst bezahlte Transfersumme erlösen konnte – nicht mal bei einem Wechsel zum Scheich-Club.

Einen Ersatz für Akanji musste die Borussia nicht suchen – schließlich hat man für die Innenverteidigung schon einiges getan. Mit den aktuellen Nationalspielern Schlotterbeck und Süle, dem Ehemaligen Hummels, sowie Emre Can, Soumaila Coulibaly und Antonios Papadopoulos in der Hinterhand sind die Schwarz-Gelben gut aufgestellt. Bleibt die Frage, ob man mit den Einnahmen aus dem Akanji-Transfer heute noch etwas anderes hätte machen können und sollen.

Vernünftiges Nichtstun?

Finanziell ist die Tatenlosigkeit von Kehl, Watzke & Co sicher vernünftig. Für Anthony Modeste musste man bereits ungeplant in die Tasche greifen. Beim Gegenrechnen bleibt zwar noch etwas übrig, aber der BVB kann das Geld sicher an vielen Stellen gut gebrauchen. Zweifellos ist der Kader auch groß genug. Die Crux ist natürlich, dass es wieder mal nicht gelungen ist, mehrere Spieler loszuwerden, mit denen man nicht mehr plant. Zugegeben, das war im Fall Nico Schulz in diesem Sommer auch besonders schwierig.

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BVB holt Jayden und Herrn Meyer

Er kommt von Manchester City, fühlt sich auf den offensiven Außenbahnen zuhause und heißt fast Jadon: Da lassen sich Vergleiche nun wirklich schwer vermeiden. Borussia Dortmund hat Jayden Braaf ablösefrei vom englischen Meister verpflichtet und natürlich muss man da zunächst an den Ex-Borussen denken, der inzwischen wieder in Manchester, wenn auch nicht an alter Stelle, kickt.

Doch es gibt schon gewichtige Unterschiede: Dass der 19-jährige Braaf Niederländer ist, zählt vielleicht noch nicht dazu. Dafür aber die Knieverletzung, durch die das Offensivtalent die gesamte letzte Saison verloren hat. Ob er ohne sie schon an Pep Guardiolas Kabinentür klopfen würde, ist Spekulation. Zum Zeitpunkt der Verletzung war Braaf gerade an Udinese Calcio verliehen. Bei seinem Wechsel 2018 aus der Jugend des PSV Eindhoven nach Manchester galt er als „eine der vielversprechendsten Offensivhoffnungen im europäischen Fußball„, wie zumindest die BVB-Webseite berichtet. Solche werden in den U18- und U23-Kadern der englischen Top 6 ja gerne mal gehortet, so dass die Spieler meistens nochmal einen Umweg zum großen Erfolg nehmen müssen.

Erst mal Dritte Liga

Bei Jayden Braaf waren den Verantwortlichen von City die Unwägbarkeiten nach einem Jahr Ausfall wohl zu groß. Aus deren Sicht verständlich. Der BVB hat zugegriffen und geht damit ein Risiko ein – allerdings ein überschaubares. Das Ziel ist, Braaf über die zweite Mannschaft (wieder) ans Topniveau heranzuführen. Anders als bei Jadon Sancho ist das ein Experiment, dessen Gelingen natürlich wesentlich davon abhängt, ob Jayden physisch fit ist und bleibt. Sein Vertrag läuft über drei Jahre.

Sportlich sicher weniger spektakulär ist die nun fix gemachte Verpflichtung von Alexander Meyer von Jahn Regensburg. Den 31-jährigen Torhüter hält Sebastian Kehl für einen der stärksten seiner Zunft in der 2. Bundesliga. Dass ein Stammkeeper aus der zweiten Liga nun die klare Nummer 2 in Dortmund wird, ist für den BVB der richtige Weg. Sinnvoller jedenfalls, als einen vermeintlichen Herausforderer für Kobel zu verpflichten – denn der ist schließlich als der Torwart geholt worden, der bei Schwarz-Gelb wieder eine Ära prägen soll und könnte. Meyer erreichte beim SSV Jahn in der abgelaufenen Spielzeit eine Kicker-Durchschnittsnote von 3,07 – ordentlich, aber nicht überragend für einen Torhüter. Doch man muss die Note auch im Kontext der bescheidenen Regensburger Saison mit Abschlussplatz 15 sehen. Ein vernünftiger Transfer scheint das also zu sein – davon brauchen wir in Zukunft eher mehr als weniger.

Der Haben-wollen-Transfer: Jadon Sancho kommt von Manchester City

Auch am letzten Tag der Transferperiode gingen die Aktivitäten bei Borussia Dortmund weiter. Doch es gab – außer Hendrik Bonmann – keine weiteren Abgänge mehr. Vielmehr haben die Schwarz-Gelben in letzter Minute noch Jadon Sancho von Manchester City geholt. Der 17-jährige englische Flügelspieler wurde bei der U17-EM in Kroatien zum Spieler des Turniers gewählt.

Der BVB zahlt laut Kicker sieben Millionen Euro an die Citizens, obwohl es hätte weniger sein können. Da Sancho in Manchester nur einen Ausbildungsvertrag hatte und diesen schon vor Wochen rechtmäßig kündigte, wäre über eine Entschädigung von einem Tribunal entschieden worden – dies hätte der Borussia aber zu lange gedauert.

Sancho gilt in England als großes Talent. Doch jetzt kommt das Aber: Nicht nur, dass wir Ähnliches auch von Emre Mor und Alexander Isak gehört haben. Jadon spielt auch noch auf einer Position – offensiv außen – die nun wirklich gut besetzt ist, spätestens seit Andriy Yarmolenkos Verpflichtung. Ob der Neuzugang da auf mehr Spielzeit kommt als etwa Mor – oder wenigstens genauso viel? Michael Zorcs Wortwahl deutet darauf hin, dass man Sancho langsam heranführen will und das dem Spieler auch dargelegt hat:

Wir sind überzeugt, dass wir diesem noch sehr jungen Spieler dabei helfen können, sein Spiel weiterzuentwickeln und mittelfristig eine echte Bereicherung für unser Team zu werden.

Fragt sich nur, wie lange Sancho Geduld haben wird. In Manchester sollte er zuletzt mit der zweiten Mannschaft trainieren – das ist in Dortmund ausdrücklich nicht vorgesehen. Doch trotz dieses ‚Fortschritts‘: Wie lange gibt sich ein junger Spieler damit zufrieden, vielleicht nicht mal im Spieltagskader zu stehen?

Was haben sich also die BVB-Verantwortlichen bei der Verpflichtung gedacht? Angeblich war man Jadon Sancho schon länger auf den Fersen. Auch der FC Bayern und Real Madrid sollen interessiert gewesen sein. Wollte man ihn nicht zu einem anderen Topklub gehen sehen? Wollte man den Ruf als Verein der Teenie-Stars nicht verlieren? Oder ist Sancho sogar ein wenig Spekulationsobjekt, da man ihn wohl selbst dann teurer verkaufen könnte, wenn er gar nicht für Schwarz-Gelb aufläuft? Was man sonst nur von BVB-Hassern hören würde, kommt einem in Tagen wie diesen gar nicht mehr so abwegig vor.

Sollte sich Jadon Sancho dagegen durchsetzen, werden andere Spieler nicht spielen. Wenn man mal von Einzelschicksalen weg aufs sehr große Ganze blickt, hat der BVB sein erklärtes Ziel, den Kader zu verkleinern, krachend verfehlt. Ja, man liegt mit 29 Mann knapp unter den 30. Aber angestrebt waren um die 25 und selbst das ist noch mehr als genug. Es wird viele Unzufriedene geben und natürlich auch höhere Ausgaben für Gehälter als eigentlich nötig. Der BVB passt sich in vielem dem Gebaren der ‚Superklubs‘ an und das ist ausgesprochen zweifelhaft.

Erste Entscheidung im langen, heißen Transfersommer

Selbst wenn es alles andere als eine Überraschung ist: Immerhin ist der Fall Ilkay Gündogan nun endgültig geklärt. Der Nationalspieler wechselt für rund 25 Millionen Euro zu Manchester City. Bonuszahlungen können die Summe angeblich noch erhöhen. Damit endet für Borussia Dortmund eine lange Verletzungs- und Transfer-Saga, derer man durchaus überdrüssig werden konnte. Gündogans spielerische Fähigkeiten bleiben unbestritten. Sollte er in Manchester unter Pep Guardiola mehr Glück mit seinem Körper haben, könnte sich die Verpflichtung als schlau herausstellen. Doch für die Borussia erscheint er weder unersetzlich noch kann man ihn sich mit seinen ständigen Abwanderungsgedanken als echten Führungsspieler vorstellen.

Geschätzte 60 Millionen hat der BVB nun mit Hummels und Ilkay eingenommen. Kein Wunder, dass es in der Gerüchteküche brodelt. Die am häufigsten genannten Namen sind Linksverteidiger Raphael Guerreiro, Stürmer Emre Mor und seit heute Barcas dritter Innenverteidiger Marc Bartra. Ömer Toprak soll aufgrund der geforderten Ablöse unwahrscheinlicher geworden sein.

Die Substanz der Spekulationen ist wie immer schwer einzuschätzen, wenn inzwischen selbst der „Kicker“ schreibt, dass die Schwarz-Gelben alle diese Spieler haben wollen. Halten wir uns deshalb an den einzigen Namen, von dem das Sportmagazin wissen will, dass ein Transfer unmittelbar bevorsteht. Sebastian Rode soll für rund 14 Millionen Euro vom FC Bayern kommen, wo er zuletzt meistens den Platz auf der Ersatzbank einnahm. Damit relativiert sich die hohe Ablöse, die für Mats Hummels erzielt wurde, wieder etwas. Wer weiß, ob BVB und FCB nicht doch über eine ‚Verrechnung‘ der beiden Personalien gesprochen, dies aber nicht kommuniziert haben.

Wie dem auch sei, in München halten sie einiges von Rode – auch wenn er zuletzt trotzdem kaum gespielt hat. Er soll dieser „aggressive leader“ sein, den sie an der Säbener Straße immer beschwören. Doch da gibt es ja nun noch Vidal. Für Borussia Dortmund könnte die Verpflichtung eines neuen, jüngeren Sebastian Sinn machen, wenn man an die These glaubt, dass ein solcher Spielertyp etwa in Liverpool oder im Pokalfinale gefehlt hat. Allerdings sollte man keine technischen Kabinettstückchen von Rode erwarten – und darf die Frage stellen, ob auf seiner Position nicht eine ausreichende Kaderdichte herrscht. Weigl, Sahin, Bender, Ginter und Merino kommen alle für die ‚6‘ in Frage – Baustellen gibt es eher außen.

Pokal, scharf gewürzt

Er mag der älteste Pokalwettbewerb der Welt sein, doch über die Bedeutung des englischen FA-Cups wird wie bei seinen Pendants in anderen Ländern diskutiert. Derzeit dürfte der DFB-Pokal hierzulande national einen höheren Stellenwert haben als der FA-Cup im Mutterland des Fußballs – zumindest in den ersten Runden. In jedem Fall gehen die Meinungen in England deutlich auseinander, bei Fans und Vereinsverantwortlichen.

Die großen Vereine, die womöglich noch international unterwegs sind, aber auch abstiegsgefährdete Klubs tendieren dazu, den Pokal als deutlich zweitrangig zu betrachten. Andererseits ist der Wettbewerb besonders attraktiv für Vereine in ruhigen Tabellengefilden, die lange keine Trophäe mehr gewonnen haben. Im Vergleich mit Deutschland nicht zu vergessen: In England wird auch noch der League Cup über mehrere Runden ausgespielt und bei uns droht das Titelrennen in der Liga immer mehr zu veröden, so dass der Pokal vergleichsweise spannend erscheint.

Doch die Magie des FA-Cups ist keineswegs verschwunden. Zum einen kann man das Gesagte insofern positiv sehen, dass die, sagen wir, lockere Herangehensweise mancher höherklassiger Vereine an den Wettbewerb die Chancen auf einen ‚Cupset‘ – den Sieg eines Davids – erhöht. Und darüber hinaus bietet der Cup immer die Möglichkeit prickelnder Duelle, die sonst aufgrund der Ligazugehörigkeit der Kontrahenten nicht möglich sind.

Die vorgestern erfolgte Auslosung des Viertelfinales hat es dabei besonders in sich, auch wenn aufgrund der Wetterkapriolen noch nicht alle Achtelfinal-Begegnungen ausgetragen werden konnten. Dem FC Arsenal gelang im eigenen Stadion die Revanche für die deftige Premier League-Niederlage in der Woche zuvor beim FC Liverpool. Damit verhinderten die Gunners ein Duell der Stadtrivalen zwischen den Reds und dem FC Everton. Nun muss Roberto Martinez‘ Team im Emirates Stadium antreten, aber auch das dürfte eine packende Begegnung zweier spielstarker Mannschaften werden. Weiterlesen „Pokal, scharf gewürzt“

Setzt euch, wenn ihr Man City schlagt!

Gestern, wenige Minuten vor fünf Uhr Ortszeit, ertönte im Stadium of Light kollektiver Jubel aus 40.000 Kehlen. Schiedsrichter Friend hatte soeben die Premier League-Partie zwischen dem AFC Sunderland und dem amtierenden Meister Manchester City abgepfiffen. Zum dritten Mal hintereinander siegten die ‚Black Cats‘ an dieser Stelle gegen die favorisierten Citizens – trotz eines Formanstiegs in den letzten Partien kam der Erfolg für das enttäuschend in die Saison gestartete Team von Martin O’Neill überraschend. Möglicherweise konnten jedoch nicht alle Fans der Heimmannschaft in den Jubel miteinstimmen – falls sie zuvor als ‚Dauersteher‘ des Stadions verwiesen wurden.

Vor der Begegnung am traditionellen Spieltag – die Partien am 26. Dezember gehören in England zu den bestbesuchten der Saison – hatte Sunderland auf seiner Website an die Fans appelliert, auf „persistent standing“ zu verzichten. In dieser Spielzeit habe der Verein bereits zahlreiche Beschwerden wegen dauerhaft stehender Besucher bekommen und 38 von ihnen aus dem Stadion geworfen – beinahe doppelt so viele wie in der gesamten Vorsaison. Der Sicherheitschef der Black Cats Paul Weir beruft sich auf geltendes Recht:

We certainly dont wish to spoil the enjoyment of any supporters, we want a vibrant lively matchday atmosphere just as much as the fans do, but we also have legal obligations that we must be seen to be adhering to.

Natürlich verweist Weir auch auf die Rechte von älteren und behinderten Besuchern, die nicht so einfach aufstehen können. Und für Fans, die sich eine im Vergleich zu deutschen Verhältnissen deutlich teurere Dauerkarte leisten, dafür aber gerne sitzen möchten, muss man ebenfalls Verständnis aufbringen.

Es ist ja nicht so, dass es solche Probleme in deutschen Stadien überhaupt nicht gibt. Doch hierzulande existiert bekanntlich nach wie vor und auf absehbare Zeit die Möglichkeit, in Teilen der Spielstätten unseren Lieblingssport stehend zu verfolgen. 19 von 20 Premier League-Klubs einschließlich Sunderland sehen hingegen derzeit keinen Grund, einen Modellversuch zur Wiedereinführung von Stehplätzen in englischen Stadien zu unterstützen. Deshalb wird auch im Stadium of Light die Stimmung längst nicht an jedem Wochenende an die Minuten nach dem gestrigen Schlusspfiff heranreichen. Weiterlesen „Setzt euch, wenn ihr Man City schlagt!“

Stolz und Fehlurteil

Champions League, 2. Spieltag / Manchester City 1 BVB 1

Was für ein Auftritt, was für ein Spiel! Es gibt allen Grund, stolz darauf zu sein, was der gesamte BVB vorgestern in England abgeliefert hat. Stolz auf die Mannschaft zuallererst, die Manchester City am Rande einer Niederlage hatte. Was der Trainer der Gastgeber Roberto Mancini auch voll und ganz anerkannte:

We didn’t play well because Borussia Dortmund played better than us. They probably, at this moment, are a better team than us.

Die BBC sah es so, dass City vom BVB über weite Strecken hergespielt wurde und alle waren sich einig, dass Joe Hart sein Team quasi allein gerettet habe. Jener Joe Hart, den ich nach dem ersten Spieltag als die beste Hoffnung der Borussia auf etwas Zählbares gesehen habe. Aber ich habe ja nicht nur ihn, sondern auch unsere Mannschaft unterschätzt. Die mit diesem Spiel angekommen ist in der Champions League, egal was noch kommt. Roman Weidenfeller sowieso, der wie gegen Amsterdam und ähnlich wie Hart ein großartiges Spiel machte.

Man kann viele andere Spieler aufzählen, eigentlich alle, aber natürlich sorgte das Traumduo Götze-Reus für viele der spektakulären Szenen, bestens assistiert von Jakub Blaszczykowski. Natürlich war auch Sven ‚Manni‘ Bender immens gut, bei seinem ersten Saisonspiel in der Startelf. Und für diese Aufstellung gebührt das Lob dem Trainer, der auf dem besten Weg ist, die Mannschaft erneut auf die nächste Ebene zu heben.

Stolz darf man – zum Glück auch mal wieder – auf die Fans sein, die uns in Manchester vertreten haben. Sie verbreiteten eine Wahnsinnsstimmung, was im Kontrast zu den bei vielen englischen Topclubs ruhigen Heimfans natürlich besonders auffiel. Natürlich ließen sie sich von den Warnungen, was im Etihad Stadium alles verboten sei, nicht beeindrucken. Und natürlich konnten die zahlreichen Ordner nichts gegen das ohne Zweifel ‚persistent standing‘ der BVB-Fans machen. Weiterlesen „Stolz und Fehlurteil“

Egal ob Madrid und Manchester, Hauptsache Dritter

Der frühere italienische Abwehr-Star Fabio Cannavaro hat Borussia Dortmund am frühen Abend in die schwerstmögliche Champions League-Gruppe gelost: zu Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam. Das einzig Erfreuliche daran ist, dass jetzt vielleicht die Stimmen von Medienvertretern, sogenannten Experten und Ex-Spielern sowie manchen Fans leiser werden, die da tönten, nur ein Weiterkommen des BVB sei keine Blamage.

Die Borussia ging auch in diese Auslosung mit der schweren Hypothek, in Topf 4 platziert zu sein. Der FC Bayern und der FC Schalke haben dank ihrer Position in den Töpfen 1 und 2 machbare bzw. gut machbare Gruppen zugelost bekommen. Die Bayern treffen auf Valencia, den OSC Lille und BATE Borissow, wobei eine Reise nach Weißrussland aus anderen Gründen nicht das Angenehmste ist, was man sich vorstellen kann. Schalke bekommt es mit Arsenal, Olympiakos Piräus und dem HSC Montpellier zu tun.

Richtig ist, dass der BVB seine Position für künftige CL-Teilnahmen nur verbessern kann, wenn er international Punkte sammelt. Das geht im Premium-Wettbewerb, aber auch in der Europa League. Platz 3 in Gruppe D ist daher ein realistisches und anzustrebendes Ziel, alles andere wäre Zugabe. Real und Manchester City sind derart mit Stars gespickt, dass die Schwarz-Gelben nur auf einen schlechten Tag dieser Teams hoffen können.

Obwohl ich mir eine andere Konstellation gewünscht hätte, kann man der Auslosung doch einiges abgewinnen. Offensichtlich attraktive Gegner und Auswärtsreisen natürlich. Aber auch die Rolle des Underdogs ist nicht ganz verkehrt. Die Erwartungshaltung wird niedriger sein als in der vergleichsweise einfachen Gruppe von letztem Jahr. Jeder Punkt gegen die Favoriten aus Spanien und England wäre ein Erfolg. Nicht gewinnen müssen und es dann möglicherweise doch schaffen – die Aussichten sind zwar nicht rosig, aber trotzdem reizvoll.