Der Haben-wollen-Transfer: Jadon Sancho kommt von Manchester City

Auch am letzten Tag der Transferperiode gingen die Aktivitäten bei Borussia Dortmund weiter. Doch es gab – außer Hendrik Bonmann – keine weiteren Abgänge mehr. Vielmehr haben die Schwarz-Gelben in letzter Minute noch Jadon Sancho von Manchester City geholt. Der 17-jährige englische Flügelspieler wurde bei der U17-EM in Kroatien zum Spieler des Turniers gewählt.

Der BVB zahlt laut Kicker sieben Millionen Euro an die Citizens, obwohl es hätte weniger sein können. Da Sancho in Manchester nur einen Ausbildungsvertrag hatte und diesen schon vor Wochen rechtmäßig kündigte, wäre über eine Entschädigung von einem Tribunal entschieden worden – dies hätte der Borussia aber zu lange gedauert.

Sancho gilt in England als großes Talent. Doch jetzt kommt das Aber: Nicht nur, dass wir Ähnliches auch von Emre Mor und Alexander Isak gehört haben. Jadon spielt auch noch auf einer Position – offensiv außen – die nun wirklich gut besetzt ist, spätestens seit Andriy Yarmolenkos Verpflichtung. Ob der Neuzugang da auf mehr Spielzeit kommt als etwa Mor – oder wenigstens genauso viel? Michael Zorcs Wortwahl deutet darauf hin, dass man Sancho langsam heranführen will und das dem Spieler auch dargelegt hat:

Wir sind überzeugt, dass wir diesem noch sehr jungen Spieler dabei helfen können, sein Spiel weiterzuentwickeln und mittelfristig eine echte Bereicherung für unser Team zu werden.

Fragt sich nur, wie lange Sancho Geduld haben wird. In Manchester sollte er zuletzt mit der zweiten Mannschaft trainieren – das ist in Dortmund ausdrücklich nicht vorgesehen. Doch trotz dieses ‚Fortschritts‘: Wie lange gibt sich ein junger Spieler damit zufrieden, vielleicht nicht mal im Spieltagskader zu stehen?

Was haben sich also die BVB-Verantwortlichen bei der Verpflichtung gedacht? Angeblich war man Jadon Sancho schon länger auf den Fersen. Auch der FC Bayern und Real Madrid sollen interessiert gewesen sein. Wollte man ihn nicht zu einem anderen Topklub gehen sehen? Wollte man den Ruf als Verein der Teenie-Stars nicht verlieren? Oder ist Sancho sogar ein wenig Spekulationsobjekt, da man ihn wohl selbst dann teurer verkaufen könnte, wenn er gar nicht für Schwarz-Gelb aufläuft? Was man sonst nur von BVB-Hassern hören würde, kommt einem in Tagen wie diesen gar nicht mehr so abwegig vor.

Sollte sich Jadon Sancho dagegen durchsetzen, werden andere Spieler nicht spielen. Wenn man mal von Einzelschicksalen weg aufs sehr große Ganze blickt, hat der BVB sein erklärtes Ziel, den Kader zu verkleinern, krachend verfehlt. Ja, man liegt mit 29 Mann knapp unter den 30. Aber angestrebt waren um die 25 und selbst das ist noch mehr als genug. Es wird viele Unzufriedene geben und natürlich auch höhere Ausgaben für Gehälter als eigentlich nötig. Der BVB passt sich in vielem dem Gebaren der ‚Superklubs‘ an und das ist ausgesprochen zweifelhaft.

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Erste Entscheidung im langen, heißen Transfersommer

Selbst wenn es alles andere als eine Überraschung ist: Immerhin ist der Fall Ilkay Gündogan nun endgültig geklärt. Der Nationalspieler wechselt für rund 25 Millionen Euro zu Manchester City. Bonuszahlungen können die Summe angeblich noch erhöhen. Damit endet für Borussia Dortmund eine lange Verletzungs- und Transfer-Saga, derer man durchaus überdrüssig werden konnte. Gündogans spielerische Fähigkeiten bleiben unbestritten. Sollte er in Manchester unter Pep Guardiola mehr Glück mit seinem Körper haben, könnte sich die Verpflichtung als schlau herausstellen. Doch für die Borussia erscheint er weder unersetzlich noch kann man ihn sich mit seinen ständigen Abwanderungsgedanken als echten Führungsspieler vorstellen.

Geschätzte 60 Millionen hat der BVB nun mit Hummels und Ilkay eingenommen. Kein Wunder, dass es in der Gerüchteküche brodelt. Die am häufigsten genannten Namen sind Linksverteidiger Raphael Guerreiro, Stürmer Emre Mor und seit heute Barcas dritter Innenverteidiger Marc Bartra. Ömer Toprak soll aufgrund der geforderten Ablöse unwahrscheinlicher geworden sein.

Die Substanz der Spekulationen ist wie immer schwer einzuschätzen, wenn inzwischen selbst der „Kicker“ schreibt, dass die Schwarz-Gelben alle diese Spieler haben wollen. Halten wir uns deshalb an den einzigen Namen, von dem das Sportmagazin wissen will, dass ein Transfer unmittelbar bevorsteht. Sebastian Rode soll für rund 14 Millionen Euro vom FC Bayern kommen, wo er zuletzt meistens den Platz auf der Ersatzbank einnahm. Damit relativiert sich die hohe Ablöse, die für Mats Hummels erzielt wurde, wieder etwas. Wer weiß, ob BVB und FCB nicht doch über eine ‚Verrechnung‘ der beiden Personalien gesprochen, dies aber nicht kommuniziert haben.

Wie dem auch sei, in München halten sie einiges von Rode – auch wenn er zuletzt trotzdem kaum gespielt hat. Er soll dieser „aggressive leader“ sein, den sie an der Säbener Straße immer beschwören. Doch da gibt es ja nun noch Vidal. Für Borussia Dortmund könnte die Verpflichtung eines neuen, jüngeren Sebastian Sinn machen, wenn man an die These glaubt, dass ein solcher Spielertyp etwa in Liverpool oder im Pokalfinale gefehlt hat. Allerdings sollte man keine technischen Kabinettstückchen von Rode erwarten – und darf die Frage stellen, ob auf seiner Position nicht eine ausreichende Kaderdichte herrscht. Weigl, Sahin, Bender, Ginter und Merino kommen alle für die ‚6‘ in Frage – Baustellen gibt es eher außen.

Pokal, scharf gewürzt

Er mag der älteste Pokalwettbewerb der Welt sein, doch über die Bedeutung des englischen FA-Cups wird wie bei seinen Pendants in anderen Ländern diskutiert. Derzeit dürfte der DFB-Pokal hierzulande national einen höheren Stellenwert haben als der FA-Cup im Mutterland des Fußballs – zumindest in den ersten Runden. In jedem Fall gehen die Meinungen in England deutlich auseinander, bei Fans und Vereinsverantwortlichen.

Die großen Vereine, die womöglich noch international unterwegs sind, aber auch abstiegsgefährdete Klubs tendieren dazu, den Pokal als deutlich zweitrangig zu betrachten. Andererseits ist der Wettbewerb besonders attraktiv für Vereine in ruhigen Tabellengefilden, die lange keine Trophäe mehr gewonnen haben. Im Vergleich mit Deutschland nicht zu vergessen: In England wird auch noch der League Cup über mehrere Runden ausgespielt und bei uns droht das Titelrennen in der Liga immer mehr zu veröden, so dass der Pokal vergleichsweise spannend erscheint.

Doch die Magie des FA-Cups ist keineswegs verschwunden. Zum einen kann man das Gesagte insofern positiv sehen, dass die, sagen wir, lockere Herangehensweise mancher höherklassiger Vereine an den Wettbewerb die Chancen auf einen ‚Cupset‘ – den Sieg eines Davids – erhöht. Und darüber hinaus bietet der Cup immer die Möglichkeit prickelnder Duelle, die sonst aufgrund der Ligazugehörigkeit der Kontrahenten nicht möglich sind.

Die vorgestern erfolgte Auslosung des Viertelfinales hat es dabei besonders in sich, auch wenn aufgrund der Wetterkapriolen noch nicht alle Achtelfinal-Begegnungen ausgetragen werden konnten. Dem FC Arsenal gelang im eigenen Stadion die Revanche für die deftige Premier League-Niederlage in der Woche zuvor beim FC Liverpool. Damit verhinderten die Gunners ein Duell der Stadtrivalen zwischen den Reds und dem FC Everton. Nun muss Roberto Martinez‘ Team im Emirates Stadium antreten, aber auch das dürfte eine packende Begegnung zweier spielstarker Mannschaften werden. Weiterlesen →

Setzt euch, wenn ihr Man City schlagt!

Gestern, wenige Minuten vor fünf Uhr Ortszeit, ertönte im Stadium of Light kollektiver Jubel aus 40.000 Kehlen. Schiedsrichter Friend hatte soeben die Premier League-Partie zwischen dem AFC Sunderland und dem amtierenden Meister Manchester City abgepfiffen. Zum dritten Mal hintereinander siegten die ‚Black Cats‘ an dieser Stelle gegen die favorisierten Citizens – trotz eines Formanstiegs in den letzten Partien kam der Erfolg für das enttäuschend in die Saison gestartete Team von Martin O’Neill überraschend. Möglicherweise konnten jedoch nicht alle Fans der Heimmannschaft in den Jubel miteinstimmen – falls sie zuvor als ‚Dauersteher‘ des Stadions verwiesen wurden.

Vor der Begegnung am traditionellen Spieltag – die Partien am 26. Dezember gehören in England zu den bestbesuchten der Saison – hatte Sunderland auf seiner Website an die Fans appelliert, auf „persistent standing“ zu verzichten. In dieser Spielzeit habe der Verein bereits zahlreiche Beschwerden wegen dauerhaft stehender Besucher bekommen und 38 von ihnen aus dem Stadion geworfen – beinahe doppelt so viele wie in der gesamten Vorsaison. Der Sicherheitschef der Black Cats Paul Weir beruft sich auf geltendes Recht:

We certainly dont wish to spoil the enjoyment of any supporters, we want a vibrant lively matchday atmosphere just as much as the fans do, but we also have legal obligations that we must be seen to be adhering to.

Natürlich verweist Weir auch auf die Rechte von älteren und behinderten Besuchern, die nicht so einfach aufstehen können. Und für Fans, die sich eine im Vergleich zu deutschen Verhältnissen deutlich teurere Dauerkarte leisten, dafür aber gerne sitzen möchten, muss man ebenfalls Verständnis aufbringen.

Es ist ja nicht so, dass es solche Probleme in deutschen Stadien überhaupt nicht gibt. Doch hierzulande existiert bekanntlich nach wie vor und auf absehbare Zeit die Möglichkeit, in Teilen der Spielstätten unseren Lieblingssport stehend zu verfolgen. 19 von 20 Premier League-Klubs einschließlich Sunderland sehen hingegen derzeit keinen Grund, einen Modellversuch zur Wiedereinführung von Stehplätzen in englischen Stadien zu unterstützen. Deshalb wird auch im Stadium of Light die Stimmung längst nicht an jedem Wochenende an die Minuten nach dem gestrigen Schlusspfiff heranreichen. Weiterlesen →

Stolz und Fehlurteil

Champions League, 2. Spieltag / Manchester City 1 BVB 1

Was für ein Auftritt, was für ein Spiel! Es gibt allen Grund, stolz darauf zu sein, was der gesamte BVB vorgestern in England abgeliefert hat. Stolz auf die Mannschaft zuallererst, die Manchester City am Rande einer Niederlage hatte. Was der Trainer der Gastgeber Roberto Mancini auch voll und ganz anerkannte:

We didn’t play well because Borussia Dortmund played better than us. They probably, at this moment, are a better team than us.

Die BBC sah es so, dass City vom BVB über weite Strecken hergespielt wurde und alle waren sich einig, dass Joe Hart sein Team quasi allein gerettet habe. Jener Joe Hart, den ich nach dem ersten Spieltag als die beste Hoffnung der Borussia auf etwas Zählbares gesehen habe. Aber ich habe ja nicht nur ihn, sondern auch unsere Mannschaft unterschätzt. Die mit diesem Spiel angekommen ist in der Champions League, egal was noch kommt. Roman Weidenfeller sowieso, der wie gegen Amsterdam und ähnlich wie Hart ein großartiges Spiel machte.

Man kann viele andere Spieler aufzählen, eigentlich alle, aber natürlich sorgte das Traumduo Götze-Reus für viele der spektakulären Szenen, bestens assistiert von Jakub Blaszczykowski. Natürlich war auch Sven ‚Manni‘ Bender immens gut, bei seinem ersten Saisonspiel in der Startelf. Und für diese Aufstellung gebührt das Lob dem Trainer, der auf dem besten Weg ist, die Mannschaft erneut auf die nächste Ebene zu heben.

Stolz darf man – zum Glück auch mal wieder – auf die Fans sein, die uns in Manchester vertreten haben. Sie verbreiteten eine Wahnsinnsstimmung, was im Kontrast zu den bei vielen englischen Topclubs ruhigen Heimfans natürlich besonders auffiel. Natürlich ließen sie sich von den Warnungen, was im Etihad Stadium alles verboten sei, nicht beeindrucken. Und natürlich konnten die zahlreichen Ordner nichts gegen das ohne Zweifel ‚persistent standing‘ der BVB-Fans machen. Weiterlesen →

Egal ob Madrid und Manchester, Hauptsache Dritter

Der frühere italienische Abwehr-Star Fabio Cannavaro hat Borussia Dortmund am frühen Abend in die schwerstmögliche Champions League-Gruppe gelost: zu Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam. Das einzig Erfreuliche daran ist, dass jetzt vielleicht die Stimmen von Medienvertretern, sogenannten Experten und Ex-Spielern sowie manchen Fans leiser werden, die da tönten, nur ein Weiterkommen des BVB sei keine Blamage.

Die Borussia ging auch in diese Auslosung mit der schweren Hypothek, in Topf 4 platziert zu sein. Der FC Bayern und der FC Schalke haben dank ihrer Position in den Töpfen 1 und 2 machbare bzw. gut machbare Gruppen zugelost bekommen. Die Bayern treffen auf Valencia, den OSC Lille und BATE Borissow, wobei eine Reise nach Weißrussland aus anderen Gründen nicht das Angenehmste ist, was man sich vorstellen kann. Schalke bekommt es mit Arsenal, Olympiakos Piräus und dem HSC Montpellier zu tun.

Richtig ist, dass der BVB seine Position für künftige CL-Teilnahmen nur verbessern kann, wenn er international Punkte sammelt. Das geht im Premium-Wettbewerb, aber auch in der Europa League. Platz 3 in Gruppe D ist daher ein realistisches und anzustrebendes Ziel, alles andere wäre Zugabe. Real und Manchester City sind derart mit Stars gespickt, dass die Schwarz-Gelben nur auf einen schlechten Tag dieser Teams hoffen können.

Obwohl ich mir eine andere Konstellation gewünscht hätte, kann man der Auslosung doch einiges abgewinnen. Offensichtlich attraktive Gegner und Auswärtsreisen natürlich. Aber auch die Rolle des Underdogs ist nicht ganz verkehrt. Die Erwartungshaltung wird niedriger sein als in der vergleichsweise einfachen Gruppe von letztem Jahr. Jeder Punkt gegen die Favoriten aus Spanien und England wäre ein Erfolg. Nicht gewinnen müssen und es dann möglicherweise doch schaffen – die Aussichten sind zwar nicht rosig, aber trotzdem reizvoll.

Der große Test

Der BVB hat den ‚Königstest‘ gegen Manchester City mit 3:1 gewonnen. Das Ergebnis spricht schon für sich – ohne dass man es überbewerten sollte, versteht sich. Vor 31.000 Zuschauern hatten die Schwarz-Gelben Phasen, in denen sie quer spielten und nicht so richtig wussten, wohin mit dem Ball. Das lag vielleicht an der guten Raumaufteilung beim ambitionierten Premier League-Gegner, vielleicht auch am Test-Charakter der Partie. Was aber am Ende deutlich überwiegt ist die Freude über einige richtig gelungene Spielzüge, über ein überzeugendes Auftreten des für den angeschlagenen Großkreutz ins Team gekommenen Götze und über Shinji Kagawa, der der nächste Volltreffer von Michael Zorc werden könnte.

Natürlich konnten die Außenverteidiger Schmelzer und Owomoyela, die sicher kein Weltklasse-Format haben, bei mehreren schnellen Angriffen der Citizens über die Flügel nicht immer mithalten. Wright-Phillips, Johnson und Jô kamen mehrmals gefährlich durch und über rechts wurde auch der Ausgleich eingeleitet, bei dem Roman Weidenfeller ebenfalls ein bisschen unglücklich aussah. Kurz zuvor hatte Lucas Barrios den BVB mit einem berechtigten Foulelfmeter in Führung gebracht. Bei einem weiteren Elfmeter kurz vor der Pause wählte Barrios die gleiche Art der Ausführung – verzögerter Anlauf, Schuss nach links – aber diesmal konnte Torhüter Hart halten. Irgendwie hatte ich es geahnt. Dieser Zwischenschritt beim Anlauf ist so eine Sache – das funktioniert, wenn der Torwart darauf reinfällt – wenn nicht, ist er eher kontraproduktiv. Der Elfer war allerdings ohnehin eine ‚Kann, aber muss nicht‘-Entscheidung gewesen.

In der zweiten Hälfte war von den Gästen weniger zu sehen, vielleicht bedingt durch die Wechsel. Der BVB hatte das Spiel weitgehend im Griff und erzielte zwei Tore nach schönen Spielzügen. Kagawa und Lewandowski, der für Barrios gekommen war, trafen. Weitere Infos zum Spiel gibt es wie immer auf der Vereins-Homepage. Nachdem nun bis auf die Partie in Bielefeld (Samstag, 15:30 Uhr) alle Vorbereitungsspiele absolviert sind, starte ich in den nächsten Tagen mit einer fünfteiligen Serie von Beiträgen über den Stand der Dinge beim BVB kurz vor dem Start.

Erste Tore und neue Verletzte

Beim drittletzten Testspiel vor dem Saisonstart lieferte Borussia Dortmund gestern gegen die anderen Schwarz-Gelben in Dresden anscheinend eine ansprechende Leistung ab und gewann mit 2:1 gegen den Drittligisten. Dabei kam es zu zwei Torpremieren: Lucas Barrios erzielte in seinem ersten Spiel nach dem Urlaub mit seinem ersten von hoffentlich vielen Saisontoren den Siegtreffer. Zuvor hatte bereits Shinji Kagawa mit seinem ersten Tor für den BVB überhaupt die Führung erzielt – per Kopf. Der Japaner wurde gestern von Jürgen Klopp im zentralen offensiven Mittelfeld eingesetzt, in der zweiten Hälfte übernahm Hajnal seine Position.

Kagawa wird nach jetzigem Stand zum Saisonauftakt eine echte Option für verschiedene Positionen sein. Schwieriger dürfte das nun für Lukasz Piszczek werden, der sich wie Dede einen Muskelfaserriss zugezogen hat und etwa zehn Tage ausfallen wird. Zumindest für die ersten ein, zwei Spiele sollte Patrick Owomoyela damit rechts hinten gesetzt sein. Ob der Ausfall Piszczeks auch das Testspiel-Highlight gegen Manchester City am Mittwoch beeinträchtigen wird, ist fraglich. Lukas wäre eine Alternative für die momentan verwaiste Linksverteidiger-Position gewesen – allerdings könnte Marcel Schmelzer bei normalem Heilungsverlauf bis dahin wieder fit sein. Wegen leichteren Verletzungen werden in den nächsten Tagen auch Mitchell Langerak und Felipe Santana mit dem Training pausieren müssen.

Interessant ist, wer gestern gar nicht in Dresden dabei war. Sebastian Kehl wird weiter geschont, hat Rückenschmerzen. Nelson Valdez durfte nicht mitfahren, weil er Jürgen Klopp nicht fit genug war. In seinem Fall spricht trotz seiner widersprüchlichen Äußerungen alles dafür, dass er den Verein noch verlassen wird. Zunächst mal steht jedoch für Valdez und auch Lucas Barrios ein Laktattest an.

Vier gegen Lotte

Dimitar Rangelov knüpft an seinen ersten Sommer in schwarz-gelb an. Schon 2009 hatte der damals von Energie Cottbus zum BVB gewechselte Bulgare eine überzeugende Vorbereitung gespielt und dabei eine Reihe von Toren erzielt. Gestern, beim zweiten Testspiel der Borussia über 90 Minuten, gelang ihm in der zweiten Halbzeit ein Hattrick. Ob er sich diesmal bis zum Saisonstart in die Startelf schießen kann, gegen die Konkurrenz von u.a. Robert Lewandowski und Lucas Barrios, erscheint aber fraglich – obwohl ihm Jürgen Klopp im TV-Interview nach dem Spiel ein kleines Türchen offen hielt.

Ohne Zweifel war in der zweiten Halbzeit, als Rangelov eingewechselt wurde, mehr Präzision im BVB-Spiel. Die Schwarz-Gelben machten aus einem Rückstand gegen die SF Lotte noch einen 4:1-Erfolg. Das lag natürlich nicht nur an Dimitar, sondern mutmaßlich auch daran, dass Klopp bis auf Owomoyela, Hummels und Kagawa komplett durchwechselte – wie in der frühen Saisonvorbereitung so üblich. In der ersten Hälfte hatte man der Mannschaft den Stand der Vorbereitung noch deutlich angemerkt. Es fehlte an Automatismen, es gab viele Fehlpässe im Offensivspiel. Die Gastgeber aus Lotte bei Osnabrück wirkten nach einer Woche längerem Training eingespielter, natürlich ohne das technische Niveau des BVB zu erreichen. Sie profitierten letztlich von Abspielfehlern und kamen zu dem ein oder anderen Konter.

Der Elfmeter, der zum 0:1 führte, war berechtigt, Kehl grätschte einem Lotter in die Beine. Roman Weidenfeller zeigte bei seinem Abwehrversuch erneut, dass er kein Elfmeterkiller ist. Zum Glück gab es noch die zweite Hälfte, in der von den Schwarz-Gelben von Anfang an mehr Zug zum Tor zu spüren war. Das erste Tor, das wir von Robert Lewandowski im BVB-Dress im Fernsehen gesehen haben, wird den Fans noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. Es war ein technisch lupenreiner Fallrückzieher nach Flanke von Großkreutz, der übrigens ebenfalls viel zur Belebung in Hälfte 2 beitrug. Toller Treffer – neues Material für die Zusammenschnitte bei YT etc. Und dann kam Rangelov. Mit der Fußspitze drückte er den Ball nur kurz nach dem Ausgleich zum 2:1 ins Tor – auf Zuspiel von Lewandowski. Anschließend ließ er noch zwei weitere Treffer folgen, bei denen er einfach dort stand, wo ein Stürmer stehen muss.

Welche Rückschlüsse lassen sich aus dem gestrigen Spiel noch ziehen? Die erfahreneren Offensivleute, die in der zweiten Hälfte zum Zug kamen, machen momentan noch einen besseren Eindruck als die Nachwuchsleute Stiepermann, der in der ersten Hälfte rechts eingesetzt wurde, und Ginczek, der die zentrale Spitze gab. Shinji Kagawa machte nach nur einem Tag Training einen ordentlichen Eindruck und durfte 66 Minuten spielen. Seine Kreativität kam in Ansätzen zum Vorschein, am Zusammenspiel muss selbstverständlich noch gearbeitet werden. Sehr beachtlich war jedenfalls sein strammer Weitschuss kurz vor der Pause, der den Lotter Torwart zu einer Parade zwang.

Zehn Tage nach Start der Vorbereitung macht der BVB einen positiven Eindruck. Die vier bis fünf Millionen, die für Robert Lewandowski geflossen sind, könnten sich als ebenso gut angelegt erweisen wie der ähnliche Betrag, der für Lucas Barrios nach Chile überwiesen wurde – da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster. Es ist immer noch ein Monat bis zum Pokalspiel in Burghausen und vieles kann passieren, vor allem in Richtung Verletzungen und Transfers. „Any Given Weekend“ wird das weiter verfolgen. In den Kommentaren zum letzten Beitrag wurde ich freundlicherweise darauf hingewiesen, dass auch das ‚Juwel‘ der Testspiel-Reihe, die Begegnung gegen Manchester City am 4. August im Westfalenstadion, live auf Sport 1 gezeigt wird. Aber auch davor und danach dürfte es aus dem Tagesgeschäft Fußball noch genügend Interessantes zu berichten geben.

Schneegeflüster

Andere Vereine kaufen sich in dieser verkürzten Winterpause entgegen ihrer klar formulierten Absichten einen Personalüberschuss zusammen, um dann am Ende doch höchstens Vierter zu werden. In Dortmund wird allenfalls über Transferaktivitäten getuschelt. Wie immer spekulieren die einschlägigen Webseiten über eine Vielzahl von Namen, aber belastbare Informationen dringen nicht nach außen. Für die BVB-Verantwortlichen gibt es auch gar keinen Grund zur Hektik, denn eigentlich muss man nicht viel verändern.

Äußerst wenig Substanz haben offensichtlich die periodisch auftretenden Gerüchte über ein Interesse an Neven Subotic aus der Premier League. Anfang des Jahres war es – natürlich – Manchester City, die angeblich ein Angebot über 25 Millionen vorbereiteten. Dabei wird der Club mit beinahe jedem international anerkannten Abwehrspieler Europas in Verbindung gebracht. Neven selbst hat sich für einen Fußballspieler recht eindeutig positioniert:

Nein. Ich werde nicht im Winter wechseln. Wann der richtige Zeitpunkt ist, wird sich zeigen. Ich habe ein Riesenjahr vor mir. Ich will mit Dortmund Großartiges leisten, dann die WM spielen. Das ist für mich ein Test auf höchstem Niveau. Wie ich in Südafrika abschneide, wird ein bisschen was ausmachen. (Quelle: Der Westen)

Interessanter finde ich Spekulationen über mögliche Verstärkungen für unsere rechte Abwehrseite. Kurz vor dem Jahreswechsel tauchte der Name Mouhamadou Dabo vom AS St. Etienne auf, schaffte es allerdings nicht bis in seriöse Quellen. Auch auf dieser Position werden Michael Zorc und Jürgen Klopp wohl nur handeln, wenn es finanziell Sinn macht – im Moment deutet einiges darauf hin, dass ein Transfer von wem auch immer erst im Sommer angestrebt wird.

Die aktuellen Mannschaftsmitglieder haben uns in der zweiten Hälfte der Hinrunde ja auch genug Freude gemacht und bereiten sich derzeit im etwas milderen Marbella auf die Rückrunde vor. Heute kassierten sie allerdings im zweiten Testspiel die zweite Niederlage: Dem 0:2 gegen Gladbach folgte heute ein 0:1 gegen Zweitligist Energie Cottbus, dem neuen Verein von Markus Brzenska und Marc Kruska. Wie immer sind solche Resultate nicht überzubewerten – das eigentlich Interessante dieser Tage sind die Spekulationen, die es zur Aufstellung für das Köln-Spiel in acht Tagen gibt.

Mohamed Zidan wird am Afrika-Cup teilnehmen – so der denn nach den tragischen Ereignissen in Angola wirklich stattfinden wird. Ich wüsste nicht, was die richtige Entscheidung der Organisatoren sein könnte. Wenn Zidan fehlt, ist die 10er-Position vakant. Für Tamas Hajnal kommt ein Einsatz in Köln noch zu früh. Jürgen Klopp experimentierte gegen Gladbach mit drei Spielern auf der Position: Nelson Valdez, Kevin Großkreutz und Mario Götze. Bei allem Respekt vor den jungen Dortmundern, ich würde dem Paraguayaner die Rolle am ehesten zutrauen. Eigentlich ist es doch genau das Richtige für Nelson: Er kann seinen Offensivdrang ausleben, muss aber nicht so oft selber aufs Tor schießen. ;-)

Sebastian Kehl soll bald wieder Teile des Mannschaftstrainings mitmachen können, ist allerdings noch einige Wochen von einem Einsatz entfernt – ebenso wie Markus Feulner, Dimitar Rangelov und Damien Le Tallec, die allerdings sowieso eher für einen Bankplatz in Frage kämen. Am weitesten von den Verletzten ist Tinga, der in Köln womöglich bereits auf der Bank sitzen wird. Die spannendste Frage ist jedoch, wer die Position links hinten übernehmen wird: Marcel Schmelzer, der sich gesteigert hat und gerade zum Ende der Hinrunde richtig aufdrehte, oder wieder Dede, der nach seinem Kurzeinsatz gegen Freiburg anscheinend auch in den Testspielen zu überzeugen wusste. Dies ist jedoch gegenüber der Besetzung des offensiven Mittelfelds ein Luxusproblem.