Schneegeflüster

Andere Vereine kaufen sich in dieser verkürzten Winterpause entgegen ihrer klar formulierten Absichten einen Personalüberschuss zusammen, um dann am Ende doch höchstens Vierter zu werden. In Dortmund wird allenfalls über Transferaktivitäten getuschelt. Wie immer spekulieren die einschlägigen Webseiten über eine Vielzahl von Namen, aber belastbare Informationen dringen nicht nach außen. Für die BVB-Verantwortlichen gibt es auch gar keinen Grund zur Hektik, denn eigentlich muss man nicht viel verändern.

Äußerst wenig Substanz haben offensichtlich die periodisch auftretenden Gerüchte über ein Interesse an Neven Subotic aus der Premier League. Anfang des Jahres war es – natürlich – Manchester City, die angeblich ein Angebot über 25 Millionen vorbereiteten. Dabei wird der Club mit beinahe jedem international anerkannten Abwehrspieler Europas in Verbindung gebracht. Neven selbst hat sich für einen Fußballspieler recht eindeutig positioniert:

Nein. Ich werde nicht im Winter wechseln. Wann der richtige Zeitpunkt ist, wird sich zeigen. Ich habe ein Riesenjahr vor mir. Ich will mit Dortmund Großartiges leisten, dann die WM spielen. Das ist für mich ein Test auf höchstem Niveau. Wie ich in Südafrika abschneide, wird ein bisschen was ausmachen. (Quelle: Der Westen)

Interessanter finde ich Spekulationen über mögliche Verstärkungen für unsere rechte Abwehrseite. Kurz vor dem Jahreswechsel tauchte der Name Mouhamadou Dabo vom AS St. Etienne auf, schaffte es allerdings nicht bis in seriöse Quellen. Auch auf dieser Position werden Michael Zorc und Jürgen Klopp wohl nur handeln, wenn es finanziell Sinn macht – im Moment deutet einiges darauf hin, dass ein Transfer von wem auch immer erst im Sommer angestrebt wird.

Die aktuellen Mannschaftsmitglieder haben uns in der zweiten Hälfte der Hinrunde ja auch genug Freude gemacht und bereiten sich derzeit im etwas milderen Marbella auf die Rückrunde vor. Heute kassierten sie allerdings im zweiten Testspiel die zweite Niederlage: Dem 0:2 gegen Gladbach folgte heute ein 0:1 gegen Zweitligist Energie Cottbus, dem neuen Verein von Markus Brzenska und Marc Kruska. Wie immer sind solche Resultate nicht überzubewerten – das eigentlich Interessante dieser Tage sind die Spekulationen, die es zur Aufstellung für das Köln-Spiel in acht Tagen gibt.

Mohamed Zidan wird am Afrika-Cup teilnehmen – so der denn nach den tragischen Ereignissen in Angola wirklich stattfinden wird. Ich wüsste nicht, was die richtige Entscheidung der Organisatoren sein könnte. Wenn Zidan fehlt, ist die 10er-Position vakant. Für Tamas Hajnal kommt ein Einsatz in Köln noch zu früh. Jürgen Klopp experimentierte gegen Gladbach mit drei Spielern auf der Position: Nelson Valdez, Kevin Großkreutz und Mario Götze. Bei allem Respekt vor den jungen Dortmundern, ich würde dem Paraguayaner die Rolle am ehesten zutrauen. Eigentlich ist es doch genau das Richtige für Nelson: Er kann seinen Offensivdrang ausleben, muss aber nicht so oft selber aufs Tor schießen. 😉

Sebastian Kehl soll bald wieder Teile des Mannschaftstrainings mitmachen können, ist allerdings noch einige Wochen von einem Einsatz entfernt – ebenso wie Markus Feulner, Dimitar Rangelov und Damien Le Tallec, die allerdings sowieso eher für einen Bankplatz in Frage kämen. Am weitesten von den Verletzten ist Tinga, der in Köln womöglich bereits auf der Bank sitzen wird. Die spannendste Frage ist jedoch, wer die Position links hinten übernehmen wird: Marcel Schmelzer, der sich gesteigert hat und gerade zum Ende der Hinrunde richtig aufdrehte, oder wieder Dede, der nach seinem Kurzeinsatz gegen Freiburg anscheinend auch in den Testspielen zu überzeugen wusste. Dies ist jedoch gegenüber der Besetzung des offensiven Mittelfelds ein Luxusproblem.

Rummenigge: Der HSV ist zu reich

Kann man die Aussagen des Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern in der „Süddeutschen“ so zusammenfassen? Ich denke schon. In einem schwachen, unkritischen Interview, in dem die Redakteure Christof Kneer und Andreas Burkert vorwiegend als Stichwortgeber fungierten, geht Rummenigge unter anderem auf die Folgen der Finanzkrise und das Geschäftsgebaren bzw. die Transferaktivitäten von Manchester City ein. In diesem Zusammenhang bezeichnet er den Wechsel von Nigel de Jong vom HSV zu den Citizens für 20 Millionen Euro als absurder als den geplatzten Transfer von Kaka von Milan für 120 Millionen. Seine Sorge ist natürlich nur, dass sich der Transfermarkt wieder aufheizt. Rummenigges Argumentation im Wortlaut:

Im Sommer hätte de Jong aufgrund einer Vertragsklausel noch zwei Millionen Euro gekostet. Ein Zehntel! Mit anderen Worten: Da ist jemand bereit, für vier Monate 18 Millionen zu zahlen. Bis zu dieser Woche hatten wir, die Vertreter der großen europäischen Klubs, den Eindruck, dass sich der Markt seitwärts bis rückwärts entwickelt, dass eine gewisse Mäßigung einzieht. Aber nach den letzten zehn Tagen, fürchte ich, können wir das vergessen.

Es stimmt natürlich, dass die von Man City gezahlte Ablöse nicht dem Marktwert des Holländers entspricht. Aber die von KHR geforderte Marktstabilität hätte auch den erwünschten Nebeneffekt, dass sich die finanzielle Hierarchie zwischen den Vereinen, in der Bundesliga wie anderswo, nicht entscheidend verschiebt. Die Spieler von kleineren Vereinen haben in der Regel einen geringeren Marktwert oder die abgebenden Klubs werden zumindest früher ’schwach‘.

Selbstverständlich ist das Modell Manchester City kritisch zu sehen. Wie lange die Scheichs dabei bleiben, wird sich zeigen. Aber solange das Geld fließt, ist nicht einzusehen, warum es nicht ein bisschen verteilt werden sollte. Ich bin jedoch sicher, dass ein Altruist wie Karl-Heinz Rummenigge einen Wechsel von beispielsweise Lukas Podolski zu City für 20 Millionen abgelehnt hätte, um nicht den Transfermarkt zu verderben. Und weil der Lukas ja viel besser nach Kölle passt. Dass der HSV im Windschatten des von den Medien ausgerufenen Zweikampfs zwischen den Bayern und Hoffenheim gut postiert ist und sich jetzt noch mal ordentlich verstärken kann, hat damit überhaupt gar nichts zu tun…