Heimsieg: Manuel ist der Wölfe Wolf

1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 0

Ein Standard und ein später Konter reichen der Borussia, um zum elften Mal in Folge gegen Wolfsburg ungeschlagen zu bleiben. Es war erneut ein Sieg ohne Glanz, aber ein glaubwürdiger, nicht unverdienter. Wer seine direkten Konkurrenten schlägt, muss sich dafür nicht verstecken.

Ins Spiel gearbeitet

Ein Selbstläufer war das wirklich nicht. Die Gäste kamen im Westfalenstadion besser ins Spiel, besetzten ein paar Minuten lang regelrecht die Dortmunder Hälfte. Der Mut der formstärkeren Mannschaft wurde aber nicht belohnt; die Schwarz-Gelben hielten stand und befreiten sich, ohne viele starke Aktionen nach vorne zu haben. Es waren Bilder, die wir kennen: der BVB bemüht, auf der Suche nach der Lücke, aber ohne rechte Inspiration. Gegen den Tabellenvierten schaut man dem natürlich geduldiger zu als etwa gegen Köln.

Nach einer offenen, spielerisch mittelmäßigen ersten Halbzeit hätte Jadon Sancho kurz vor der Pause freistehend die Führung erzielen sollen, erwischte den Ball aber nicht richtig. Das Gute: Über 90 Minuten fehlte auch den Wölfen der letzte Biss, ihren Abschlüssen der Druck oder die Präzision. Auf der anderen Seite musste Casteels schon ernsthaft seine gute Form bestätigen, um in der 53. Minute gegen Haaland zu retten. Weiterlesen „Heimsieg: Manuel ist der Wölfe Wolf“

Auswärtssieg: Terzic dreht an Knöpfen

1. Bundesliga, 12. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 2

1:2 in Bremen – mehr hat niemand erwartet, mehr hat Borussia Dortmund nicht geliefert. Aber das Notwendige war gestern in jedem Fall ein Erfolg und die Schwarz-Gelben brauchten dazu kein Glück. In der kurzen Zeit seit seiner Ernennung konnte Edin Terzic offenbar Manches ändern, auch wenn sich das noch nicht über 90 Minuten auswirkte.

Keine schwarz-gelbe Revolution

Dortmund begann mit einer Viererkette, in meinen Augen die stabilere Option für die schwarz-gelbe Deckung, und mit Youssoufa Moukoko im Sturm. Der 16-Jährige war agil, blieb bei seinem einzigen Torabschluss links aus kurzer Entfernung jedoch glücklos. Aber er war da und das machte etwas mit dem Angriffsverhalten der Borussia. Den Ball direkter und schneller nach vorne zu befördern funktioniert besser mit einer Anspielstation, die sich am Strafraum orientiert und damit Lücken beim Gegner in anderen Räumen schafft. Ja, das klappte nur phasenweise, aber es war ermutigend. Und wenn Erling Haaland erst zurückkehrt…

In anderen Phasen der Partie sah man noch viel horizontales Ballgeschiebe, wie wir es aus den letzten Monaten kennen. Und Dortmund war auch nicht resistent gegen schnelle Gegenstöße der Bremer. Witsel als alleiniger Sechser ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber die Defensive stand schon deutlich besser als gegen Stuttgart. Sechs Torschüsse der Bremer (BVB: 15), darunter keine echte Großchance. Das Tor der Gastgeber resultierte aus einem Ballverlust von Manuel Akanji im Mittelfeld, einem guten Bremer Angriff und einem Klasseschuss von Kevin Möhwald, der laut Sky einen xG-Wert von 5% hatte. Weiterlesen „Auswärtssieg: Terzic dreht an Knöpfen“

Und schon wieder Derbysieger

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 FC Schalke 0

Zeit für eine neue Serie: Mit dem überzeugenden zweiten Derbysieg in Folge erwecken die schwarz-gelben Jungs Hoffnung auf ein Ende der bescheidenen Auftritte gegen die Nachbarn aus Gelsenkirchen. Die Kräfteverhältnisse waren am Samstagabend noch eindeutiger als das Chancenverhältnis.

Gegner ohne Überraschungsmoment

Mats Hummels gab nach dem Derbysieg – und seinem ersten Derbytor – gegenüber Sky eine interessante Antwort auf die (sinngemäße) Frage, wie die immer wieder auftretenden Aussetzer-Spiele des BVB zu erklären seien. Man habe darüber intern schon öfter diskutiert und er glaube, einen Teil der Antwort zu kennen, sagte der Vize-Kapitän in dem Interview, das wie üblich qualitativ um Längen besser war als 98 Prozent der TV-Gespräche mit anderen Spielern. Ohne ins Detail zu gehen erweckt die Aussage immerhin die Hoffnung, dass man dem Mysterium auf der Spur ist.

Wie wäre das Derby wohl ausgegangen, wenn die Borussia unter der Woche in Rom gewonnen hätte? Braucht es immer erst einen schockierenden Rückschlag, um in die Nähe der vollen Leistungsfähigkeit zu kommen? Der Gegner Schalke taugte nicht als Beweis für diese vielleicht naheliegende, aber doch etwas oberflächliche Theorie. Die Blauen hätte man am Samstag in beiden Konstellationen und auch nach einem Unentschieden zuvor geschlagen. Ihre Akteure räumten es nach der Partie freimütig ein: Die Gäste wussten nichts mit dem Ball anzufangen und verloren ihn meistens sehr schnell wieder. Weiterlesen „Und schon wieder Derbysieger“

Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe

1. Bundesliga, 11. Spieltag / Bayern München 4 BVB 0

Das fünfte Auswärtsspiel beim FC Bayern in Serie endet für Borussia Dortmund mit mindestens vier Gegentoren und drei Toren Unterschied. Immerhin bessern sich die Schwarz-Gelben: Vorletzte Saison gab es noch ein halbes Dutzend Bayern-Treffer, im Frühjahr fünf und gestern nur noch vier. Kämpfende Gastgeber gegen Angsthasen? Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen und trotzdem lohnt sich der schmerzhafte Blick zurück.

Nicht über 90 Minuten miserabel

Kürzere Zusammenfassungen des „Topspiels“ zeigen dominante, spielsichere Bayern und einen weitgehend konfusen BVB. Dieses Bild trifft über weite Strecken der Begegnung auch zu. Die Schwarz-Gelben hatten viel zu viele einfache Ballverluste und ungenaue Pässe zu verzeichnen. Sie kamen oft nicht in die Zweikämpfe, standen zu weit weg von den Bayern, begleiteten häufig, anstatt zu attackieren. Die hoch stehenden Gastgeber behagten den Gästen überhaupt nicht.

Deutlich zu sehen war das aber erst nach dem Führungstreffer durch – natürlich – Lewandowski in der 17. Minute. Zuvor wirkten die Bayern zwar auch schon technisch stärker, aber noch nicht übermäßig dominant. Nein, es war das Gegentor, das den BVB scheinbar aller Energie beraubte – und danach sofort nachsetzende Rote. Es gab rund zehn Minuten in der zweiten Hälfte, in denen die Borussen wieder besser im Spiel waren – dann folgte das 0:3. Weiterlesen „Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe“

Und etwas dreht sich doch

1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 4 Bayer Leverkusen 0

Was passiert denn da auf dem Planeten Borussia? Kapitän Marcel Schmelzer sitzt unverletzt auf der Tribüne und die Mannschaft nimmt Bayer 04 auseinander. Ob das etwas miteinander zu tun hatte?

Wenn ich mir nach der Derby-Pleite etwas von Peter Stöger und den schwarz-gelben Jungs gewünscht hatte, dann mehr Mut. Ich hatte auf Alexander Isak in der Startelf gehofft – doch der stand nicht im Kader. Überraschungen in der Aufstellung gab es trotzdem: Götze rückte ins zentrale Mittelfeld und Jadon Sancho auf die linke Außenbahn. Hinten links spielte der Innenverteidiger Manuel Akanji. Für Schmelle. Und wie.

Doppelter Punktgewinn für Stöger

Peter Stöger traf nicht nur eine überfällige Personalentscheidung, er konnte sich am Ende der Partie auch als Taktiksieger fühlen. Mit Akanji kam der nötige Druck auf die als Schwachstelle erkannten Leverkusener Außenverteidiger zustande. Endlich funktionierte einmal ein Dortmunder Flügel von vorne bis hinten. Obendrein war der Schweizer Aushilfs-Linksverteidiger auch an einem der BVB-Treffer maßgeblich mit einem langen, präzisen Pass beteiligt. Weiterlesen „Und etwas dreht sich doch“

Leider ein Topspiel

1. Bundesliga, 25. Spieltag / RB Leipzig 1 BVB 1

So was wollen wir in der Bundesliga sehen! Nach der Partie des Tabellensechsten gegen den vor dem Wochenende Tabellenzweiten darf man feststellen: Es geht doch noch spannend und temporeich. Einige Beobachter der höchsten deutschen Spielklasse hatten zuletzt ja die Qualitätsfrage gestellt. Sportlich sind diese Leipziger eine Bereicherung, auch den zuletzt vor sich hin verwaltenden Schwarz-Gelben rangen sie eine reife Leistung ab. Und dennoch: Für unseren Lieblingssport sind und bleiben sie ein Tiefschlag. Wer darin einen Widerspruch sehen will: bitte sehr!

Die Begegnung gestern Abend war leistungsmäßig von einem perfekten Spiel trotzdem weit entfernt. Gegen schnell agierende Offensivakteure gerieten die Abwehrreihen beider Seiten wiederholt in Schwierigkeiten. Aber genau deshalb entstand eine rasante Partie. Manuel Akanji, der in der Liga mal wieder für Sokratis ran durfte, leistete sich den ersten großen Fehler, wusste aber in der Folge meistens zu überzeugen.

Problematisch für beide Teams war weniger die Innenverteidigung, sondern eher der phasenweise kaum vorhandene Zugriff der zentralen Mittelfeldspieler. Bei den Gastgebern enttäuschte vor allem der Ex-Borusse Kampl, bei Schwarz-Gelb waren Weigl und Dahoud allenfalls hin und wieder Faktoren im Spielaufbau. Ja, Mo zeigte eine leichte Aufwärtstendenz, inklusive starker Vorbereitung des Ausgleichs. Aber die Zahl seiner ungenauen bis sinnlosen Pässe überstieg immer noch die besseren.

Die Rückkehr des Torjägers

Generell war die erste Hälfte eher was fürs Auge und die Offensive, in der zweiten standen die Defensivreihen dann besser. Mit nur ein wenig mehr Glück hätte Michy Batshuayi trotzdem das zweite Tor machen können. So blieb es bei einer sicherlich gerechten Punkteteilung, auch wenn die Leipziger am Ende wieder was zu jammern hatten: War Marco Reus‘ Mittelfinger beim 1:1 möglicherweise einen Millimeter im Abseits? Das Beste aus Halbzeit 2 war die Rückkehr von Maximilian Philipp, der nach 78 Minuten für Götze kam. „Millie“ ist nach dem Abgang von Auba trotz seiner langen Verletzung immer noch führender Torschütze der Schwarz-Gelben in dieser Saison.

Gut zu sehen: Die Einstellung des BVB stimmte über 90 Minuten plus. Die Frage dazu: Bleibt das in Spielen gegen vermeintlich kleinere Gegner so? Während das 1:1 gestern einerseits als guter Punkt zu werten ist, hätte man gerne mit einem Sieg Revanche für das Heimspiel genommen. Und tabellentechnisch hilft das Unentschieden natürlich auch nicht weiter, haben doch alle anderen unmittelbaren Konkurrenten gewonnen. Die Frage bleibt also: Was kommt als nächstes? Zunächst gegen den Klub, der natürlich nur rein zufällig denselben Hauptsponsor hat wie der gestrige Gegner.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak, Schmelzer – Weigl, Dahoud – Reus (88. Pulisic), Götze (78. Philipp), Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Weigl, Dahoud, Batshuayi, Piszczek. Tor: Reus

Wer beendet die Stagnation?

1. Bundesliga, 20. Spieltag / BVB 2 SC Freiburg 2

Drittes Unentschieden im dritten Spiel der Rückserie – und Borussia Dortmund ist mittendrin in einer Phase, die man bestenfalls als Stagnation beschreiben kann. Jeder halbwegs kompetente Beobachter der Begegnung mit dem Sportclub konnte auch sehen, dass eindimensionale Erklärungsversuche wie die Unruhe um Pierre-Emerick Aubameyang viel zu kurz greifen.

Ja, der viel diskutierte Maybe-soon-to-be-Londoner stand in der Startelf. Eine logische Personalentscheidung von Peter Stöger angesichts der letzten beiden Partien ohne ihn, obwohl oder gerade weil es Aubas letztes Spiel in schwarz-gelb sein könnte. Die ARD-Sportschau listete äußerst bescheidene Leistungsdaten für den Torschützenkönig von 2017 auf: Er war am wenigsten von allen Feldspielern gelaufen und hatte nur einen Gegenspieler überspielt. Aber er hatte zumindest eine veritable Torannäherung und es hakte an vielen anderen Stellen in der Mannschaft genauso. Was nichts daran ändert, dass die meisten BVB-Fans Auba nächsten Freitag nicht vermissen würden, sollte er in Köln nicht mehr dabei sein.

20 Minuten spielte die Borussia so, wie man es in einem Heimspiel erwarten kann. Zum ersten Mal in 2018 ging sie sogar in Führung und alles hätte einen besseren Verlauf nehmen können als zuletzt. Aber die Defensivprobleme sind eben noch nicht komplett behoben und auf der Gegenseite stand eine Freiburger Mannschaft, der man einfach nur höchsten Respekt zollen kann, wie natürlich ihrem großartigen Trainer. Beim 1:1 wirkte Jeremy Toljan vor der Flanke von Kübler sehr passiv, im Strafraum stand Sahin schlecht und so kam Petersen zum normaleren seiner beiden Tore. Weiterlesen „Wer beendet die Stagnation?“

Erlöst Manuel Akanji die BVB-Defensive?

Ein paar Wochen waberten die Gerüchte schon durch die Medien, gestern wurde der Transfer vollzogen: Borussia Dortmund holt den 22-jährigen Innenverteidiger Manuel Akanji vom FC Basel. Nicht die erste Verpflichtung vom Schweizer Top-Klub, aber die teuerste. 18 Millionen Euro plus bis zu 3,5 Millionen Boni – so sind die Zeiten und Manchester United soll ja auch dran gewesen sein.

Akanji ist nicht umsonst Schweizer Nationalspieler. In einem ausführlichen Porträt unseres Neuzugangs für „Schwatzgelb.de“, das ich euch wärmstens empfehle, erklärt Oliver Zesiger, Researcher für die Football Manager-Spiele, Manuels Stärken und Schwächen. Um es hier nur kurz zusammenzufassen: Er ist groß (1,87 Meter), schnell, technisch stark, kann auch stark tacklen und präzise Pässe spielen. Und das nicht nur zum Nebenmann. Im Idealfall also der Mats Hummels, den wir seit 2016 vermissen.

Der, dem man ebenfalls zutraute, sich dorthin zu entwickeln, könnte die Borussia dagegen bald verlassen. Leider kommt Marc Bartra seit dem inzwischen aufgeklärten Busanschlag nicht mehr in Tritt und beschäftigt sich laut „Kicker“ mit einer Rückkehr nach Spanien. Und da auch fünf Innenverteidiger noch einer zu viel sind, könnte es ihm BVB-Legende Neven Subotic gleich tun. Er ist scheinbar bei St. Etienne im Gespräch. Beides Wechsel, die auf menschlicher Ebene weh tun würden.

Manuel Akanji ist jedoch zuzutrauen, beide sportlich zu ersetzen und zu übertreffen. Nur ist die Innenverteidigung eben nicht die einzige Baustelle der BVB-Defensive. In Sachen Außenverteidigung betreibt man in der Vereinsführung seit Jahren Realitätsverweigerung, um es mal deutlich zu sagen. Und im defensiven Mittelfeld kommt derzeit keiner der zur Auswahl stehenden Spieler an seine Topform ran. Trotzdem oder gerade deswegen: Willkommen Manuel Akanji!