Schritt für Schritt

Michael Zorc arbeitet die Transfer-Wunschliste ab – wie am Ende der letzten Saison ruhig, aber zügig. Nun steht die Verpflichtung eines neuen Torwarts unmittelbar bevor. Vorbehaltlich eines bestandenen Medizinchecks wird der 22-jährige Australier Mitchell Langerak von Melbourne Victory zum BVB wechseln und einen Vertrag bis 2014 unterschreiben. Um die Ablösesumme wurde eine Weile gefeilscht – sie soll jetzt bei sicherlich akzeptablen 600.000 Euro liegen.

Die Verpflichtung war nötig geworden, da die bisherige Nummer 2 im Dortmunder Tor, Marc Ziegler, für 300.000 Euro zum VFB Stuttgart wechseln wird. Grund für diesen Wechsel von der Bank auf die Bank soll die schwäbische Herkunft von Zieglers Frau sein. Vorstellbar ist aber auch, dass sich Marc beim VFB größere Chancen auf einen Stammplatz ausrechnet, da die designierte Nummer 1 Sven Ulreich bekanntlich ein junger Torwart mit wenig Bundesliga-Erfahrung ist. Für den BVB war Ziegler jedenfalls ein Glücksfall: Ein Ersatztorwart wie im Bilderbuch, verlässlich und loyal. Als Typen werden wir ihn vermissen.

Auch die Dortmunder Nummer 3 wechselt. Marcel Höttecke, der Stammkeeper der abgestiegenen zweiten Mannschaft war, geht ablösefrei zu Union Berlin und trifft dort auf den ehemaligen BVB-Amateurtrainer Uwe Neuhaus. Somit ist die Verpflichtung eines erstligatauglichen neuen Torwarts unumgänglich. Langerak sollte die Anforderungen locker erfüllen. Mit Melbourne spielte er in der asiatischen Champions League und wurde in dieser Saison national Vizemeister. Laut Michael Zorc verkörpert er „das moderne Torwartspiel“.

Vorerst soll Langerak die Nummer 2 in Dortmund werden, aber natürlich wird er darauf brennen, irgendwann einmal zu spielen. Einen ‚mitspielenden‘ Torwart hat der BVB trotz Fortschritten bei Weidenfeller noch nicht und deshalb kann es nicht schaden, ein bisschen Wettkampf zwischen den beiden zuzulassen. Klar wird Roman die Nummer 1 sein, Jürgen Klopp sollte und wird jedoch die Leistungen beider Keeper beobachten. Aber noch ist ja nichts unterschrieben…

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 2 Eintracht Frankfurt 3

Jürgen Klopps Bastelstunde.

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer (88. Santana), Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Großkreutz – Valdez (77. Dede), Zidan, Le Tallec (77. Götze) – Barrios. Tore: Hummels, Barrios.

Eine 2:3-Heimniederlage gegen Frankfurt ist das, was nicht unbedingt passieren sollte, wenn man in den Europapokal will. Im Duell zweier ersatzgeschwächter Mannschaften machte die Eintracht zwar nicht das Spiel, aber vieles richtig, zeigte gepflegten und effizienten Konterfußball. Ein großes Manko bei Schwarz-Gelb war das Fehlen aller echten defensiven Mittelfeldspieler: Nach Kehl und Tinga musste auch Sven Bender passen. Jürgen Klopp berief stattdessen Kevin Großkreutz auf die zweite zentral-defensive Position neben Nuri Sahin. Kevin hatte diese Rolle in einem Testspiel vor der Rückrunde einmal inne – dass diese ‚Übung‘ nicht reichte, stellte sich gegen Frankfurt heraus. Im nachhinein ist man klüger: Womöglich wäre es mit der ungeliebten Variante, Hummels ins Mittelfeld zu stellen, besser gelaufen. Eine Systemumstellung auf 4-4-2 Raute wäre ebenfalls möglich gewesen, aber auch dann hätte uns ein echter ‚6er‘ gefehlt.

Für die Gegentore war allerdings eine schwache Leistung der Abwehr-Viererkette viel entscheidender. Beim 0:1 waren es vor allem die Innenverteidiger, die bei der Flanke zu weit weg vom Kopfballschützen Köhler standen. Das 2:2 war noch der unglücklichste Treffer: Owomoyela klärte nach einer Ecke per Kopfball vor die Füße des frei stehenden Jung, der zieht aus über 20 Metern ab, der Ball wird von Sahin ins Tor abgefälscht. Und beim 2:3 lässt sich die Viererkette durch einen hohen Ball aus dem Mittelfeld überrumpeln, Owo kann Meier nicht am Abschluss hindern, der Frankfurter lupft die Kugel über Ziegler ins Tor. Der Sky-Kommentator sah unseren Torwart ziemlich kritisch – dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Viel hätte Ziegler nicht anders machen können. Der erste Treffer war sehr platziert, der dritte im richtigen Moment abgeschlossen. Weiterlesen „1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 2 Eintracht Frankfurt 3“

Der Quantensprung

Das neue Mitgliedermagazin

Endlich kann ich mir meine eigene Meinung bilden. Die erste Ausgabe des neuen Mitgliedermagazins von Borussia Dortmund, erschienen vor dem Heimspiel gegen den HSV, war mir nicht zugestellt worden. Der Verein hat sich wie berichtet dafür entschieden, zwei (etwas) unterschiedliche Hefte herauszubringen: Eine klassische Stadionzeitung, die ich noch nicht gesehen habe, die angeblich vor allem Features zu Spielern und Informationen zum jeweiligen Spiel enthalten soll. Und eben das Mitgliedermagazin, das zusätzliche Informationen über Vereinsbelange, wie etwa die anderen sportlichen Abteilungen, liefert.

Meine Sorge als Bezieher des Mitgliedermagazins war, dass ich deswegen auf einige der Features aus dem Stadionheft verzichten müsste. Ob das der Fall ist, weiß ich immer noch nicht, aber „Borussia“ ist in mehrerer Hinsicht ein Quantensprung. Grafik und Layout unterscheiden sich vom auf Zeitungspapier gedruckten Vorgänger wie Tag und Nacht. Das neue Heft sieht modern aus (inklusive Typografie), es dominieren die Farben schwarz und gelb und viele Fotos sorgen für Abwechslung.

In diesem Fall ist das schon die halbe Miete, denn wer jahrelang „Borussia Aktuell“ auf Zeitungspapier gelesen hat, der freut sich schon über frische Farben und die gute ‚Haptik‘. Natürlich will ich aber den Inhalt ebenfalls kritisch würdigen. Auch da hat sich etwas getan. Es gibt offensichtlich weniger Content, den man schon von der Homepage kennt. Geblieben ist das große Spielerfeature, diesmal mit Ersatztorwart Marc Ziegler. Kein weltbewegender, aber ein für Fans interessanter Text. Es gibt mehrere nette neue Rubriken: Ein Q&A mit Marcel Schmelzer, eine Kolumne von Fernseh-Kommentator Hansi Küpper und „Spieler mal anders“ – darin stellt Tamas Hajnal seinen Heimatort in Ungarn vor. Auffällig am Artikel über Mohamed Zidans Triumph beim Afrika-Cup ist, dass seine martialischsten Äußerungen vor dem Halbfinale gegen Algerien nicht vorkommen.

Erweitert und dadurch besser wurde die Berichterstattung über den kommenden Gegner, in dieser Woche bekanntlich Eintracht Frankfurt. Weitaus ausführlicher als bisher wird über die Zweite Mannschaft, den Nachwuchs und die anderen sportlichen Abteilungen berichtet. Auch die Fanseiten haben von der Neugestaltung profitiert. Die Vereinstradition wird unter anderem mit der Rubrik „Wo ist eigentlich…“ gewürdigt. Sehr gut gefallen hat mir „Auf ein Pils mit…“ – in dieser Ausgabe ist der Gesprächspartner Schauspieler Joachim Krol, BVB-Fan und aktuell als Kriminalkommissar in der guten Ruhrgebiets-Krimiserie „Lutter“ (ZDF) tätig.

Mein Fazit: „Borussia“ ist ein Riesenfortschritt, es liest sich wirklich gut und im Gegensatz zum Vorgänger ist es mehr als bloße Pflichtlektüre. Wirklich kritischen Journalismus kann man von einem Mitgliedermagazin nicht wirklich erwarten – immerhin gibt es die Fanseiten. Bleibt die Frage nach dem Unterschied zum Stadionheft. Ein, zwei Artikel mehr über die erste Mannschaft könnte „Borussia“ noch vertragen.

1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFB Stuttgart 4 BVB 1

Eins zu was?

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Santana (85. Hajnal), Subotic, Owomoyela – Sahin, Hummels – Großkreutz, Valdez (85. Götze), Kuba (22. Le Tallec) – Barrios. Tor: Barrios.

Die begeisternd aufspielende Borussia ist ein fragiles Gebilde. Nimmt man ein Puzzle-Teil vom Tisch, heute Sven Bender, stimmt das Bild nicht mehr. In der erwarteten Aufstellung mit Sahin und Hummels im defensiven Mittelfeld und Santana in der Innenverteidigung hatten die Schwarz-Gelben Mühe, ins Spiel zu kommen. Trotzdem fällt das nackte Ergebnis um etwa drei Tore zu hoch aus.

Die Umstellungen gingen nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. In der Anfangsphase wirkte das Mittelfeld weit weniger präsent als gegen Hamburg und das Stellungsspiel der Viererkette hinten ließ zu wünschen übrig. Leider fiel in dieser Phase das umstrittene 0:1. Nach einer Flanke stochert ein am Boden liegender Stuttgarter, der Ziegler vor den Füßen rumliegt, den Ball zurück zu Pogrebnyak. Umstritten ist vor allem, was folgt. Santana bekommt den Ball an den Oberschenkel, danach nimmt Pogrebnyak den Ball anscheinend mit der Hand mit. Fragwürdige Führung der Gastgeber.

Im Anschluss versuchte der BVB, das Spiel in den Griff zu bekommen, was vorerst nur mäßig gelang. Die Spieler hatten den schönen Fußball der letzten Partien verinnerlicht und spielten viele spekulative Pässe, die einem den Atem geraubt hätten, wenn sie durchgekommen wären. Heute  gingen sie jedoch meist entweder ins Leere oder wurden von der in der ersten Hälfte gut stehenden VFB-Defensive abgefangen. Trotzdem hatte der BVB nach einer halben Stunde das Momentum auf seiner Seite, von den Gastgebern kam wenig. Weiterlesen „1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFB Stuttgart 4 BVB 1“

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 1 Hamburger SV 0

Wo soll das noch enden?

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender (75. Santana) – Großkreutz, Valdez, Kuba (90. Dede) – Barrios. Tor: Valdez.

Der BVB gewinnt mal ein echtes Spitzenspiel und überholt den HSV in der Tabelle. Dass der Sieg auch eine kleine Revanche für das Hinrundenspiel und den letzten Rückrundenspieltag 2009 war, interessiert da nur am Rande. Jürgen Klopp konnte für die Partie auf alle unter der Woche fraglichen Spieler zurückgreifen, von ihnen wurde nur Sven Bender vorzeitig ausgewechselt, Kuba ging erst kurz vor Schluss. Für die Gäste macht es oberflächlich betrachtet Sinn, jetzt einen klangvollen Namen wie Ruuuud van Nistelrooy zu verpflichten, denn sonderlich torgefährlich waren sie gestern nicht. Andererseits werden sich nicht nur Dortmunder, sondern auch andere Außenstehende fragen, warum Elia gestern so lange auf der Bank saß.

Es ist erstaunlich, welche Souveränität unsere Mannschaft inzwischen an den Tag legt. Nehmen wir das mit Ausnahme von Nelson Valdez sehr junge Fünfer-Mittelfeld. Die Spieler haben das während der Hinrunde eingeführte neue System beeindruckend verinnerlicht. Das BVB-Mittelfeld strahlte gestern gegen den bisherigen Tabellenvierten Dominanz aus, wie es wahrscheinlich kein Fan für möglich gehalten hätte. Dem HSV wurde das Kombinieren schwer gemacht, gefährliches Offensivspiel der Gäste weitgehend unterbunden. Zu Buche stehen ganze zwei Chancen, ein Kopfball von Petric knapp übers Tor und einen Schuss von Berg, den Marc Ziegler glänzend parierte. Sonst kann ich mich allenfalls noch an zwei Szenen erinnern, die brenzlig aussahen, aber im Endeffekt ungefährlich blieben.

Der BVB hatte weit mehr zu bieten, ohne den ganz großen spielerischen Glanz zu verbreiten. Das war auf dem Rasen, der nach dem Ende der Kälteperiode hoffentlich ausgetauscht wird, auch nicht möglich. Und so weit, Glanz einzufordern, sind wir in Dortmund noch lange nicht. Die Schwarz-Gelben hatten jedoch eine Reihe von Möglichkeiten und da kommen wir jetzt zu Nelson Valdez. Der ist sicher nicht die Idealbesetzung fürs offensive Mittelfeld und er scheiterte auch gestern wieder etliche Male beim Torabschluss. Aber in der 36. Minute ließ er sich die Gelegenheit nicht entgehen, die im Aogo mit einer mißglückten Abwehraktion bot. Der Ball springt Nelson vor die Füße und der packt dann einen sowas von platzierten Schuss aus 18 Metern aus. Letzte Woche der Dortmunder Großkreutz, diese Woche Pechvogel Valdez – die schwarz-gelbe Märchenstunde geht weiter.

Toll war, wie die Mannschaft in der zweiten Hälfte das Spiel im Griff behielt. Sich durch den Hamburger Doppelwechsel (Berg und Elia kamen) allenfalls kurz unter Druck setzen ließ. Durch eigenes Spiel nach vorne den Gegner aus der eigenen Hälfte fernhielt. Dabei auch noch zu Chancen kam, wie durch einen von Rost nur zur Seite abgewehrten Schuss von Kuba. Ja, unter den Dortmunder Chancen waren einige Weitschüsse – das war gestern aber unvermeidlich. Natürlich zitterten wir in der Kneipe bis zum Schluss, beim Stand von 1:0 gegen ein Topteam ist auch das unvermeidlich. Aber letztlich war es ein souveränerer Sieg als das Ergebnis aussagt.

Hervorheben sollte man die angeschlagenen Spieler: Sahin und Bender zeigten eine tolle Leistung, Kuba zeigte sich leicht verbessert, Owomoyela, na ja, war ok, das geht dann hoffentlich nächste Woche noch mal ein bisschen aufwärts. Tagesaktuell sind wir jetzt wohl zur Euphorie berechtigt: Vierter, acht Punkte Vorsprung auf Platz 6. Die nächsten Wochen, bis mindestens zum Derby, werden richtungsweisend sein. Schon nächste Woche geht es zum unter Christian Gross wieder in die Spur gekommenen VFB. Nach dem Spiel in Gelsenkirchen könnte dann eine Zwischenbilanz Sinn machen.

1. Bundesliga, 18. Spieltag / 1.FC Köln 2 BVB 3

Die Gebrüder Grimm drehen sich mal wieder im Grabe um.

Die Aufstellung: Weidenfeller (22. Ziegler) – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz, Valdez (85. Götze), Kuba (90.+2 Santana) – Barrios. Tore: Hummels (2), Großkreutz.

Irrer BVB-Sieg in Köln. Wird der Boulevard so oder so ähnlich morgen schreiben und hat damit ausnahmsweise nicht unrecht. Irre, weil die Schwarz-Gelben in den letzten zehn Minuten noch den Ausgleich kassierten und dann ausgerechnet Kevin Großkreutz in der Nachspielzeit doch noch den Sieg klarmachte. Da lebt gerade jemand seinen Traum.

Zuvor sahen wir in Köln ein kampfbetontes, engagiert geführtes Spiel beider Mannschaften, so wie es auf dem schwer bespielbaren Untergrund kommen musste. Das war kein technisch anspruchsvoller Fußball, aber spannend anzuschauen. Die Gastgeber hatten in der ersten Hälfte lange Zeit ein optisches Übergewicht, einige ordentliche Schüsse von Petit und Maniche. Am gefährlichsten wirkte aber Milivoje Novakovic, bei dessen erster Großchance sich Roman Weidenfeller verletzte, als Subotic in letzter Sekunde klärte. Unsere Nummer 1 erlitt eine Fleischwunde und wird nach Angaben von Jürgen Klopp vier bis fünf Wochen ausfallen. Kurz vor der Pause hatte Novakovic eine weitere Großchance, verzog aber knapp. Lukas Podolski? Den habe ich nur bei seiner gelben Karte gesehen – und als er nach seiner Auswechslung wütend in die Katakomben stapfte.

Warum lief es beim BVB offensiv nicht so flüssig wie zuletzt? Nun, Nelson Valdez war nicht mehr als eine engagierte Notlösung für die 10er-Position. Er ist kein Leser des Spiels und dementsprechend kamen nur wenige gefährliche Bälle in die Tiefe. Weitestgehend enttäuschend war außerdem unsere rechte Seite. Wir sahen den Owomoyela vom Anfang der Saison, der zumindest offensiv phlegmatisch wirkte und einen bis zur Nachspielzeit sehr ineffektiven Kuba – dann gab er die Vorlage für Großkreutz. Der zuletzt angeschlagene Lucas Barrios war engagiert, vergab aber seine zwei bis drei guten Möglichkeiten.

Zu danken haben wir dem FC Bayern. Die uns freundlicherweise, wenn auch nicht ganz umsonst, ihren Bankdrücker Mats Hummels überlassen haben. Denn wenn aus dem Spiel nichts geht, richten es halt die großen Abwehrleute über Standards. Präzise Ecke von Nuri Sahin auf den langen Pfosten – Kopfball Hummels – 1:0. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte Freistoß Sahin von rechts – Hummels diesmal mit der Fußspitze zum 2:0. Schön zu sehen, dass wir jetzt auch in nicht perfekten Spielen effektiv sein können.

Zu danken haben wir auch unserem großartigen Ersatzkeeper Marc Ziegler. Ich habe es schon öfter gesagt: Ich halte ihn nicht nur für einen erstklassigen Ersatz, den man immer bedenkenlos bringen kann, sondern auch für einen sehr sympathischen Charakter. In Köln bekam Ziegler noch genug zu tun, parierte mehrmals souverän, einmal sensationell bei einem Freis-Kopfball. Beim 2:2 durch Mohamad kam er Sekundenbruchteile zu spät, wurde aber auch unglücklich vom gestreckten Bein des Kölners getroffen.

Womit wir bei FIFA-Schiedsrichter Florian Meyer wären, der mMn einen sehr guten Spielleiter abgab. Er pfiff, was gepfiffen werden musste und pfiff nicht, was nicht unbedingt gepfiffen werden musste. Wie den leichten Rempler von Großkreutz im Strafraum gegen einen Kölner, wie den Luftzweikampf zwischen Subotic und Mc Kenna, nachdem der Amerikaner kurzzeitig bewusstlos war. Und wie eben das 2:2 durch Mohamad, das ebensowenig ein eindeutiges Foul war. Ansonsten ließ Meyer auch außerhalb des Strafraums das Spiel mehrmals angenehm weiterlaufen.

Es war ein denkwürdiger Rückrundenauftakt. In der zweiten Halbzeit wirkte der BVB eigentlich souveräner als in der ersten – bis Fehler von Sven Bender und dem spät eingewechselten Mario Götze den Kölner Ausgleich ermöglichten. Man spürte jedoch in der 89. Minute, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen sein musste. Eine Mannschaft von Jürgen Klopp lässt sich da nicht hängen. Der Trainer gab auch alles, musste wegen Protestierens auf die Tribüne, ‚unterhielt‘ sich dort mit einigen FC-Fans und legte nach dem 3:2 einen sehenswerten Jubellauf über die erste Sitzreihe hin.

Also: Sieg in der Nachspielzeit, glänzender Hummels, Platz 5 konsolidiert. Jetzt Revanche gegen den HSV. Die Rückrunde kann kommen.

Ziegler und die Jugend verlängern beim BVB

Marc Ziegler, unserer Ersatzmann im Tor, hat seinen Vertrag in Dortmund bis Juni 2011 verlängert und sich damit längerfristig mit seiner Rolle arrangiert – die Michael Zorc in ein Lob verpackt so beschreibt:

Mit Marc Ziegler haben wir die ideale Nummer zwei. Er passt zu uns wie die Faust aufs Auge.

Leidet der ehemals hoch gehandelte Ziegler an fehlendem Ehrgeiz? Roman Weidenfeller steht mittlerweile wieder außerhalb jeder Diskussion; vor allem Jürgen Klopp hat ohnehin nie Zweifel daran aufkommen lassen, dass er ganz eindeutig auf ihn setzt. MMn entspringt die Entscheidung Zieglers einer realistischen Einschätzung seiner Situation. Den ganz großen Sprung, zur Nummer 1 bei einem Topklub, wird der 32-jährige wohl nicht mehr schaffen. In Dortmund ist er beim bestbesuchten Verein Deutschlands, kriegt ein ordentliches Gehalt und ist in Mannschaft und Umfeld beliebt.

Und irgendwie hat Ziegler seit er beim BVB ist doch immer wieder seine Einsätze gekriegt – aufgrund von Sperren und Verletzungen Weidenfellers. Dass ihm das in seinem Alter reicht, ist nicht verwerflich. An einen baldigen Wechsel im Tor aus spielerischen Gründen wird er kaum glauben, aber eine Verletzung kann es immer geben. Marc Ziegler ist ein sympathischer Typ – schön, dass er in Dortmund bleibt. Michael Zorc hat Recht, er ist die ideale Nummer zwei – kein perfekter, aber ein verlässlicher Torhüter.

Unterdessen haben die Nachwuchsspieler Daniel Ginczek und Mario Götze neue Verträge bis 2012 unterschrieben. Ob wir sie dank des Zorc-/Kloppschen Jugendkonzepts in dieser Zeit auch mal in der ersten Mannschaft sehen werden?

Ein Tor im Tor?

Klingt erstmal hart, aber was macht man nicht alles für ein kleines Wortspiel 😉 … Es geht auch nicht darum, jetzt irgendetwas Negatives zu finden, um endlich mal wieder kritisch über den BVB schreiben zu können; sowas liegt mir als Selbstzweck fern. Aber ich frage mich so langsam, ob ich mit Roman Weidenfeller als Nr. 1 bei den Schwarz-Gelben nochmal warm werde. Das war mal anders, zuletzt vorletzte Saison. Da stand Weide vor dem Sprung in die Nationalmannschaft und war einer der konstantesten Keeper der Liga.

Danach kam ein langsamer, in der letzten Saison deutlicher, Leistungsabfall. Die unschöne Auseinandersetzung mit Gerald Asamoah im Derby-Hinspiel, die verbale Entgleisung. Dann die Verletzung, die ich ihm selbstverständlich nicht zum Vorwurf mache. Aber ich finde, er ist vom früheren Niveau immer noch weit entfernt. Ob auf Dauer zu weit, wird sich in den nächsten Spielen herausstellen. Bisher ist das nur so eine dumpfe, vielleicht etwas irrationale Unzufriedenheit, die ich verspüre. Obwohl man Weidenfeller beispielsweise keine fehlende Loyalität vorwerfen kann, ist mir Marc Ziegler als Typ sympathischer. Dem unterlief zwar in seiner Zeit als Nummer 1 ebenfalls der ein oder andere Lapsus, aber es waren auch starke Spiele dabei.

Aktuell ist ein Torwartwechsel sicher nicht zwingend beim BVB. Er würde u.U. wieder Unruhe ins Team bringen, wo es in dieser Saison doch bisher angenehm ruhig zu sein scheint. Aber Jürgen Klopp sollte die Entwicklung beobachten. Und zusammen mit Michael Zorc überlegen, ob perspektivisch auf dieser Position nicht doch eine Verstärkung sinnvoll wäre, um auch hier eine neue Qualitätsstufe zu erreichen. Wenn beispielsweise ein Timo Hildebrand auf den Markt käme…

BL 1. Spieltag / Bayer Leverkusen 2-3 BVB

(Updated) War das nicht ein echtes Klopp-Spiel zum Auftakt? Leben, Spielfreude, Drama. Und am Ende gelingt der ersehnte Auswärtssieg, der erste seit fast 30 Jahren zum Auftakt. Aber leider bleibt ein ganz bitterer Nachgeschmack…

Die Aufstellung: Weidenfeller (45. Ziegler) – Dede (72. Schmelzer), Hummels, Subotic, Rukavina – Kringe, Kehl, Hajnal, Kuba – Klimowicz (46. Kruska), Valdez.

Auch das Spiel selber hatte einen Traumstart. Nelson Valdez schießt tatsächlich das zweite Tor im zweiten Pflichtspiel, nach wenigen Minuten und einer Kuba-Flanke, und bereitet später mit einer super getimeten Flanke in den Rückraum das 2:1 durch Kringe vor. Ich will jetzt noch nicht Vokabeln wie ‚aufblühen‘ verwenden, aber er hat definitiv maßgeblichen Anteil am erfolgreichen BVB-Auftakt.

Da auch die anderen schwarz-gelben Jungs richtig gut mitzogen, war es eine richtig positive erste Halbzeit mit viel von dem, was wir uns von einem Trainer Klopp erwartet haben: Pressing im Mittelfeld, schnelle Angriffe / Gegenzüge, Laufbereitschaft (auch hier war Valdez ganz weit vorne) und Aggressivität. Allerdings sah man, dass Leverkusen auch eine ganz ansehnliche Mannschaft (im spielerischen Sinne) beisammen hat. Wie vorhergesagt spielte auch Labbadias Team munter nach vorne und hatte Chancen, auch zu mehr als dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Helmes zu kommen. Da hatten wir manchmal Glück, manchmal Abwehrspieler, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, wie Subotic, der einmal den Ball artistisch von der Linie kratzte. Wenn es beim BVB was zu kritisieren gab, dann, dass die Schnittstellen der Abwehr noch nicht reißfest sind. Mit schnellen, präzisen Pässen durch die Abwehrreihe erwischten die Gastgeber diese mehrmals auf dem falschen Fuß (u.a. eben beim 1:1).

Die zweite Hälfte begann wiederum sehr gut. Nach einer Ecke von Tamas Hajnal köpft Neven Subotic zum 3:1 ein. Ein Traumstart in schwarz-gelb also auch für ihn und das zeigte er beim Jubeln. So macht das Spaß! Insgesamt war es eine etwas passivere Halbzeit von Dortmunder Seite, und ein paar Mal musste der für den kurz vor der Pause mit einer tiefen Risswunde ausgeschiedenen Weidenfeller gekommene Marc Ziegler den Vorsprung retten. Was er glänzend tat. Er wirkte in fast allen Szenen (und es gab einige) sehr präsent und zeigte, dass er eine gute Nummer 2 ist. Wenn er für ‚Weide‘ einspringen muss, ist er offensichtlich immer besser drauf als als Stammtorwart. Weiterlesen „BL 1. Spieltag / Bayer Leverkusen 2-3 BVB“

1. Bundesliga, 30. Spieltag / SG Eintracht Frankfurt 1 BVB 1

So scheint die Saison also langsam auszuklingen. Wieder so ein Spiel, von deren Art ich in dieser Spielzeit etliche gesehen habe. Kein Vorwurf an das Engagement der Mannschaft, das hat gestimmt. Aber viel zu viel blieb wieder Stückwerk. Doll setzte wie im Pokalfinale auf einen Ein-Mann-Sturm (Alex Frei) mit Petric und Kuba als offensiven Außen – was schon in Berlin nicht optimal funktionierte. Die Überlegung war wohl, dafür dahinter eine kompakte Mittelfeldzentrale mit Kruska, Tinga und Kringe zu haben.

In der ersten Hälfte der ersten Hälfte ging dieser Teil der Rechnung auf, der BVB stand gut im Mittelfeld und wirkte hinten sicher, kam aber nie gefährlich in Strafraumnähe. Begünstigt durch einige dann doch auftretende Unsicherheiten in der Defensive kam Frankfurt danach besser ins Spiel, bot aber auch wenig Zwingendes. Eine schwache erste Halbzeit beider Teams, die man schnell abhaken kann.

Umso aufregender der Start in Hälfte 2: Nach nicht mal einer Minute stand es bereits 0:1. Nach einer Ochs-Flanke kam der nachrückende Köhler im Strafraum frei zum Abschluss – alleingelassen in diesem Fall vom insgesamt sehr schwachen Rukavina, dem vielleicht die Konkurrenz durch Philipp Degen fehlt. Nun waren die Schwarz-Gelben wach und auch die Angriffe liefen plötzlich flüssiger. Völlig zutreffend die Weisheit, dass „ein Tor dem Spiel gut tut“. Wenige Minuten später: Ein Lattenknaller aus 25 Metern von Marc-Andre Kruska, dem Kehl-Vertreter. Der heute mit Sicherheit eins seiner besten Saisonspiele machte (was aber aufgrund der bisherigen Leistungen nicht so schwierig war), denn kurz darauf spielte er einen schönen Lob in den Strafraum, den Kuba toll annahm und cool zum 1:1 verwandelte – erstes Tor des Polen für den BVB; in der Form der letzten beiden Spiele ist er jemand, der endlich Schwung in die Offensive bringen könnte. Weiterlesen „1. Bundesliga, 30. Spieltag / SG Eintracht Frankfurt 1 BVB 1“