Zurück aus Asien: Auba dabei, Schmelzer verletzt

Begeisterte Fans in Japan und China, zwei Testspielsiege und ein Torjäger an Bord der Maschine zurück nach Europa: Nicht nur die offizielle Vereinssichtweise des Asien-Trips von Borussia Dortmund klingt positiv. Sicher kann man sich auch über China als Zielland streiten, doch das wäre angesichts von dessen Einfluss so etwas wie Inseldenken.

Bleiben wir beim Sportlichen, dann haben die Schwarz-Gelben einen ordentlichen und einen richtig überzeugenden Test gegen die Urawa Red Diamonds respektive AC Mailand hingelegt. Die – merke: chinesisch gesponserten – Mailänder sind gerade auf großer Einkaufstour und möchten endlich wieder Juventus angreifen. In der Serie A beginnt die neue Spielzeit wie in der Bundesliga am Wochenende 18. bis 20. August. Insofern kann man sich auf den Testspielsieg mit Toren von Aubameyang (2x) und Sahin schon ein klein wenig einbilden. Zumindest ist seit Essen eine Entwicklung zu erkennen.

Milan soll einer aus einer Reihe von Vereinen gewesen sein, die an einer Verpflichtung unseres Torschützenkönigs interessiert waren. Glaubt man jüngsten Verlautbarungen, ist Aubas ganz persönliches Transferfenster jetzt nicht nur für Chinesen geschlossen. Auch andere Klubs können sich ihre Offerten sparen, suggerieren Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke. Einen Transfer komplett ausgeschlossen haben sie allerdings nicht; gerade Watzke ist in der Hinsicht schließlich ein gebranntes Kind. Bei einem schwindelerregenden Angebot von deutlich über 100 Millionen Euro könnte noch mal Bewegung in die Sache kommen. Mehr und mehr stellt sich aber auch angesichts der bereits getätigten oder bevorstehenden Transfers die Frage, wer noch so viel bezahlen würde.

Die Wahrscheinlichkeit ist daher sehr hoch, dass Pierre-Emerick Aubameyang tatsächlich noch eine Saison in Dortmund spielt. Wenig deutet darauf hin, dass ihm das sonderlich unangenehm wäre. Man darf davon ausgehen, dass die Vereinsführung ihre Bedingungen Auba gegenüber besser kommuniziert hat als das möglicherweise in der Vergangenheit bei anderen Spielern der Fall war.

Die einzige Hiobsbotschaft aus dem fernen Osten: Kapitän Marcel Schmelzer hat sich im Training einen Teilriss des Außenbandes im Sprunggelenk zugezogen. Bis zum Ligastart in Wolfsburg soll er wieder „voll einsatzfähig“ sein. Nicht dass mir das schlaflose Nächte bereiten würde: Im Pokal gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen sollten wir auf Schmelle verzichten können. Und dass sich ein paar Wochen lang Alternativen für den Käpt’n in den Vordergrund spielen können, finde ich gar nicht verkehrt.

Maximilian Philipp quetscht sich ins offensive Mittelfeld

Borussia Dortmund hat sich die Dienste eines 23-jährigen deutschen U21-Nationalspielers gesichert: Maximilian Philipp kommt vom SC Freiburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Seine Qualitäten?

Er ist im offensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbar, abschlussstark und hat eine glänzende Perspektive.

Das ist der O-Ton von Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer. So weit, so gut. Für sich genommen ist das eine Top-Verpflichtung. Der Berliner Philipp reifte in seiner Zeit in Freiburg zum gestandenen Profi, dem jetzt der nächste Schritt zuzutrauen ist.

Reden wir über das, worüber Zorc und der Verein nicht sprechen. Zunächst die Ablöse: Laut Kicker beträgt sie 20 Millionen Euro, wobei unklar bleibt, ob das ein Sockelbetrag ist oder die maximal zu erzielende Summe nach erfolgsabhängigen Aufschlägen. Für den SC Freiburg ist es in jedem Fall der Rekordtransfer, der die nicht in Abrede zu stellende Schwächung des Teams hoffentlich abmildern kann. Maximilian Philipp hält das für ihn gezahlte Geld sogar für übertrieben. Für den BVB ist es ein beträchtlicher Betrag, den sich der Klub aber natürlich leisten kann, zumal ja leider bald noch ein großer Abgang anstehen dürfte.

Schwieriger wird die Geschichte, wenn man bedenkt, dass die Borussia letztlich 20 Millionen in einen Stand-in für Marco Reus investiert. Natürlich muss man für alle Eventualitäten planen; auch dafür, dass Marco in der kommenden Saison möglicherweise erst spät eingreifen kann. Aber stehen für die drei Positionen im offensiven Mittelfeld nicht jetzt schon mehr als genug Alternativen im Kader? Das sollte man zumindest meinen, wenn man das Talent oder die gezahlten Ablösesummen dieser Spieler betrachtet: Ousmane Dembelé, Christian Pulisic, Marco und Shinji, Emre Mor, André Schürrle und Mario Götze. Sieben Mann ohne Philipp und ohne Nachwuchskräfte, die vielleicht auch mal einen Einsatz verdient hätten.

Mir fehlt da ein wenig Problembewusstsein. Beim Verein und auch bei manchen Fans. Neuverpflichtungen werden bejubelt, aber es wird kaum darüber nachgedacht, ob wir noch einen ausgewogenen Kader haben. Oft ist es deutlich schwerer, Spieler loszuwerden als sie zu verpflichten. Die Konsequenz aus dem an sich zu begrüßenden Philipp-Transfer müsste sein, dass jene Akteure, die enttäuscht haben, gehen. Etwa André Schürrle oder Emre Mor, den man im Idealfall verleihen würde. Doch vor allem bei Ersterem dürfte ein Abgang kompliziert werden.

Wie es bisher aussieht, werden auch in diesem Jahr manche Bereiche (Mittelfeld, Innenverteidigung) übervoll besetzt, andere stiefmütterlich behandelt. Ein BVB-Verantwortlicher, es könnte Michael Zorc, aber auch Jürgen Klopp gewesen sein, äußerte einmal, dass man speziell in der Außenverteidigung dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben wolle. Das hat nur bedingt geklappt. De facto ist es einfach so, dass dort eine der größten Schwachstellen der Schwarz-Gelben liegt. Marcel Schmelzer etwa ist ein solider Spieler, aber das Standing, das er im Verein und bei einem Teil der Fans genießt, korrespondiert eher mit seiner Vereinstreue als mit seinen Leistungen. Er ist nicht schlecht, aber es ginge eben besser. Das Mindeste wäre ein ernstzunehmender Konkurrent. Denn der Offensivstil, den Peter Bosz spielen möchte, verlangt einfach nach starken Außenverteidigern.

An diesen Tag werden wir noch denken: Tuchel weg

Borussia Dortmund und sein bisheriger Trainer haben heute Mittag bestätigt, dass die Zusammenarbeit sofort und somit ein Jahr vor Vertragsablauf beendet wird. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, soll der griechische Philosoph Sokrates gesagt haben. Diese Erkenntnis täte im Fall Tuchel auch vielen Sportjournalisten und manchem Fan gut. Der Verein hat nämlich nicht vor, an diesem Wissensstand der Öffentlichkeit etwas zu ändern, wie in der oben verlinkten Mitteilung deutlich wird. Hans-Joachim Watzke hat sich etwas später in einem offenen Brief an Mitglieder und Fans des BVB gewandt. Der zentrale Satz:

Wir haben in der gegenwärtigen personellen Konstellation leider keine Grundlage mehr für eine auf Vertrauen ausgelegte und perspektivisch erfolgreiche Zusammenarbeit gesehen.

Was aus der offiziellen Stellungnahme des Klubs deutlich wird oder werden soll: Die Entfremdung war ein längerer Prozess, der schon vor dem Bombenanschlag begann. Die Entlassung wird angeblich „von allen Klubgremien“ getragen. Ihre Ursache war nicht nur eine Meinungsverschiedenheit zwischen Tuchel und Watzke. Und den Entscheidern ging es um das Wohl des Vereins, „den viel mehr als nur der sportliche Erfolg ausmacht“.

Damit will man den Vorwürfen entgegentreten, die jetzt unweigerlich kommen: Dass man den vom Punkteschnitt erfolgreichsten BVB-Trainer entlässt, der soeben den ersten Titel seit fünf Jahren geholt hat. Glaubhaft an der Verlautbarung ist sicher, dass es nicht nur eine Privatfehde zwischen zwei Alphatieren war, die zu der Entscheidung geführt hat. Davon konnte man spätestens nach den Äußerungen von Marcel Schmelzer am Samstag ausgehen. Diese hätte der BVB-Kapitän nicht getätigt, wenn er nur einmalig mit einer Personalentscheidung des Trainers unzufrieden gewesen wäre. Weiterlesen →

Vier gewinnt: Dortmund holt den Pott

DFB-Pokal, Finale / Eintracht Frankfurt 1 BVB 2

Mancher wird einfach nur gedacht haben: endlich. Manchem fehlte spielerischer Glanz. Doch wer wären wir denn, wenn wir uns über einen verdienten Pokalsieg – und den ersten echten Titel seit fünf Jahren – nicht mehr richtig freuen könnten? Genau, die Bayern. Mit einer weiteren Auba-Show zum wahrscheinlichen Abschied hat die so ganz andere Saison ein grandioses Ende gefunden.

Drei Gedanken zum Spiel

Natürlich, es war ein Arbeitssieg. Angesichts der vielen zusehenden Länder keine Werbung für eine neue Art von Fußball wie in den erfolgreichsten Klopp-Jahren. Aber die Konstanz aus 2011 und 12 ist passé und dafür gibt es zu akzeptierende Gründe. Nach der frühen Führung durch Dembelé, dessen Tor ein wenig an München erinnerte, machten es die Frankfurter dem BVB im Mittelfeld schwer. Der Spielaufbau der Schwarz-Gelben bestand nach der ersten Viertelstunde weitgehend aus langen Bällen.

Doch in der zweiten Hälfte gewann die Borussia ihre Dominanz zurück und die Zahl der Torschüsse, 12:8 für Schwarz-Gelb, spiegelt auch das Endergebnis wieder. Pierre-Emerick Aubameyang wurde nach Reus‘ verletzungsbedingtem Ausscheiden zum Mann des Spiels. Ein Fallrückzieher, der fast zum Tor des Jahres geworden wäre und nur mit Mühe von einem Frankfurter an die Latte gelenkt wurde. Ein weiterer Schuss ans Aluminium. Und eben der cool verwandelte Elfmeter, als ob es nie zuvor Fehlschüsse gegeben hätte. Traurig, ihn vielleicht bald nicht mehr in unseren Farben zu sehen. Weiterlesen →

Dortmund holt alles was zählt

DFB-Pokal, Halbfinale / Bayern München 2 BVB 3

Es ist viel mehr als nur ein Finaleinzug, ja sogar mehr als nur ein neuer Rekord für den BVB: Der Sieg beim FC Bayern macht aus einem diffusen Unbehagen über Aspekte des Vereins und des ‚modernen Fußballs‘ gelöste Glückseligkeit. Ging wahrscheinlich nicht nur mir so. Die Dramaturgie des Halbfinales von München folgte dabei dem Ligaspiel in Mönchengladbach – nur dass es die Schwarz-Gelben mit einem viel stärkeren Gegner zu tun hatten, dessen Weiterkommen die logische Konsequenz gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

Was war das denn für ein Spielverlauf? Wir starten gut gegen den FC Bayern: typisch. Wir gehen sogar in Führung: auch schon vorgekommen. Der FCB zieht das Spiel an sich und dreht auch das Ergebnis: typisch Bayern. Und dann? Ich würde schreiben, wir waren doch schon tot – wenn es gerade nicht so makaber wäre. Spätestens nach der Bayern-Führung war die Borussia weg vom Fenster und viel zu weit weg von den Gegenspielern. Doch die Gastgeber ließen eine Reihe hochkarätiger Chancen aus, vor allem durch Lewandowski und Robben. Und dann reichten eine großartige Vorbereitung und ein großartiges Tor von Ousmane Dembelé, verbunden mit einem Fehler von Bayern-Kapitän Lahm, dieses Spiel unfassbarerweise erneut zu drehen.

Die jetzt natürlich wieder alles hinterfragenden Rekordmeister verloren aber in erster Linie, weil sie ihre Riesengelegenheiten nicht nutzten. Man könnte jetzt auch nicht sagen, was Manuel Neuer bei den drei Treffern besser gemacht hätte – obwohl ihm irgendein teuflischer Stunt immer zuzutrauen ist. Weiterlesen →

Hier sind die Big Points!

1. Bundesliga, 30. Spieltag / Mönchengladbach 2 BVB 3

Die Schwarz-Gelben drehen das Borussen-Duell erneut, nachdem sie nach einer zwischenzeitlichen Wende in Rückstand lagen. Es war kein Auftritt aus einem Guss, schon gar nicht bei den Gastgebern, doch was erwartet man mehr als eine solch engagierte Leistung mit später Belohnung in einer spannenden Partie?

Drei Gedanken zum Spiel

Wir müssen mit individuellen Fehlern leben und in Spielen wie diesem können wir das auch. Das war vor dem Anschlag so und das ist jetzt so, aus welchem Grund auch immer. Diesmal war es beim 1:1 kurz vor der Pause Mikel Merino, dem natürlich Spielpraxis fehlt, der relativ unbedrängt einen leichtsinnigen Querpass spielte. Das 1:2 kurz nach der Pause dann ein nicht gerade unvermeidbares Eigentor von Marcel Schmelzer. Und schon war der Spielverlauf auf den Kopf gestellt.

Dem BVB fehlte es an Präzision – vor allem in der dominant geführten ersten Hälfte. Da hatte Gladbach bis zum Ausgleich keine ernsthafte Torchance, die Schwarz-Gelben sahen auch nach der frühen Führung durch Reus‘ Elfmeter ein paar Mal gefährlich aus. Und doch hätte es bei genauerem Passspiel in der Offensive noch viel öfter gefährlich werden können. Das ist der Bereich, in dem die jungen Supertalente Dembelé und Pulisic noch Verbesserungsbedarf haben. Ebenso wie Merino, der nach 22 Minuten für den leider erneut verletzten Nuri Sahin kam. Wobei Mikel es nach seinem Fauxpas zumindest in der zweiten Hälfte nicht an Einsatz und guten Ansätzen fehlen ließ.

Wie die bessere Borussia die Partie nochmals drehte, zeugt von wiedergewonnener Stärke – auch mentaler Art. Natürlich ist es ein Luxus, Pierre-Emerick Aubameyang von der Bank bringen zu können. Der dann nach knapp 110 Sekunden traf. Aber nach dem Ausgleich befanden sich eher die Schwarz-Gelben im Aufwind, obwohl es für die gastgebenden Gladbacher auch noch um einiges geht. Nach diesem Spielverlauf war es mir eine besonders große Freude, als in der 87. Minute ein BVB-Freistoß endlich mal wieder perfekt in den Strafraum segelte und den richtigen Kopf fand. Castro hatte ausgeführt und der im Spielverlauf stärker werdende Guerreiro köpfte ein.

Höchsten Respekt für eine nicht astreine, aber unter den Umständen tolle Leistung! Vielleicht kommt die von allen herbeigesehnte Normalität nach der Verhaftung des Bombenlegers früher als erhofft, zumindest auf dem Platz. Ohne dass wir vergessen, was man nicht vergessen kann. Und endlich nutzt der BVB die Vorlage der Konkurrenz: Dritter!

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Bender, Schmelzer – Durm, Sahin (22. Merino), Guerreiro, Castro – Dembelé (87. Mor), Reus (57. Aubameyang), Pulisic. Gelbe Karten: Castro, Merino, Bürki. Tore: Reus (EM), Aubameyang, Guerreiro

Derby wieder ohne Sieger

1. Bundesliga, 26. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 1

Zwar gewinnt der BVB in dieser Saison das direkte Duell mit Schalke 04, aber nur wenn man mit Auswärtstorregel rechnet. In der Turnhalle sind die Schwarz-Gelben das bessere Team, vergeben aber wieder beste Gelegenheiten und müssen in Unterzahl den Ausgleich hinnehmen.

Drei Gedanken zum Spiel

Nachdem die Gastgeber über die ganze Saison deutlich hinter der Borussia standen, stellt sich die Frage: Was fehlt zum Derbysieg? Die Frage nach dem großen Ganzen also, wenn man berücksichtigt, wie wichtig diese Partie uns immer noch ist. Die erste Antwort hat sich bereits in der Einleitung angedeutet: Die Schwarz-Gelben müssen kaltblütiger bei der Chancenverwertung werden. In einem Derby darf Auba in aussichtsreichster Position einfach nicht querlegen, auch wenn das andererseits von Mannschaftsgeist zeugt. In anderen Szenen verhinderten aber auch das Können von Fährmann oder schlicht unglaubliches Pech einen Treffer. Ousmane Dembelés Schuss an den Innenpfosten war wahrscheinlich Millimeter davon entfernt, ins Tor anstatt wieder zurück zu springen.

Die Zahl der großen Chancen war allerdings recht überschaubar. Größer als beim Gegner in jedem Fall, aber vielleicht fehlt für solche Partien neben den letzten paar Prozent Glück und Einstellung auch noch ein klein wenig Qualität. Hätte Marco Reus gespielt oder Christian Pulisic etwas länger… Insofern macht auch die Verpflichtung von Mahmoud Dahoud Sinn, wenn er bald für das extra bisschen Kreativität sorgen kann. Weiterlesen →

Der Jetzt-erst-recht-Effekt

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 3 VfL Wolfsburg 0

Das partielle Geisterspiel verlief doch nicht so fürchterlich wie von manchem erwartet, vor allem sportlich. Der Ausschluss der eigenen Stehplatzfans stachelte die schwarz-gelben Jungs eher noch an und mit etwas mehr Treffsicherheit hätte man die Wolfsburger richtig auseinandergenommen. Die Gäste vergaben die vermeintlich große Chance, in Dortmund etwas zu holen, kläglich.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war kein schöner Anblick, diese leere Südtribüne. Das überzogene, aber vom BVB aus nachvollziehbaren Gründen akzeptierte Strafmaß, sorgte für hoffentlich einmalige Bilder während eines Bundesligaspiels im Westfalenstadion. Wer tatsächlich eine Karte oder Dauerkarte auf der Süd hat(te), wird das Ausgeschlossensein noch mal anders empfinden als die Fans am Bildschirm. Ich maße mir nicht an, für die Karteninhaber zu sprechen, denn ich gehörte zu der zweiten Gruppe. Für mich sah es so aus, als ob alle noch das Beste aus der Situation gemacht haben. Eine größere Anzahl Fans war von der Süd auf die Nordtribüne umgezogen, da der VfL nur rund 1700 Tickets an seine Anhänger verkauft hatte. Und im Lauf des Spiels schien dort ganz ordentliche Stimmung aufzukommen. Nicht nur sportlich, auch stimmungstechnisch herrschte also eine Jetzt-erst-recht-Haltung.

Im Wolfsburger Strafraum muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Vom zarten Aufschwung, den man dem VfL mit gutem Willen zuletzt attestieren konnte, war gestern nichts zu sehen. Erstaunlich, wie frei die Schwarz-Gelben bei vielen ihrer 24 Torschüsse (Wolfsburg: 6) zum Abschluss kamen. Man denke an den Hackentrick von Auba im Strafraum, den kein Schwarz-Gelber nutzen konnte. Allein, es bleibt ein Kreuz mit der Chancenverwertung. Und so hätte es zur Pause tatsächlich 1:1 stehen können, da Yunus Malli kurz vor dem Pfiff nur knapp links verzog. Was der BVB aber besser machte als zuletzt: Das Spielfeld wurde gestern in seiner ganzen Breite genutzt, die Angriffe wurden flexibel vorgetragen. Dafür waren nicht nur die lebendigen Reus und Dembelé verantwortlich, sondern auch Gonzalo Castro, der nach seiner Rückkehr in die Startelf wieder richtig dynamisch wirkte. Und hinten stand wieder eine ordentliche Viererkette.

Thomas Tuchel adressierte nach der Partie eine Ode an Lukasz Piszczek. Der Außenverteidiger erzielte ja nicht nur sein fünftes Saisontor, sondern bereitete auch beide weiteren Treffer mit seinen Hereingaben vor. Tuchel bezog sich aber ebenso auf Lukasz‘ hervorragende Einstellung im Alltag – tatsächlich etwas, das nach Darmstadt und Frankfurt mal hervorgehoben werden durfte. An der Einstellung mangelt es auch André Schürrle nicht, doch der Offensivmann bleibt glücklos und uneffektiv. Der 30-Millionen-Bonus gegenüber Christian Pulisic ist bald aufgebraucht. Und selbst an einem sportlich guten Wochenende muss es gestattet sein, auf die Diskrepanz zwischen links hinten und rechts hinten hinzuweisen: Gerade weil Lukasz Piszczek so glänzte, fiel BVB-Kapitän Marcel Schmelzer mit einer für ihn normalen Leistung deutlich ab.

Gegen Golfsburg läuft und läuft und läuft es also: Vier Siege und 15:3 Tore aus den letzten vier Partien verbuchte der BVB. Nächste Woche geht es zu den freundlichen Freiburgern, bevor die Schwarz-Gelben gegen Leverkusen wieder vor einer vollen Südtribüne auflaufen dürfen. Keine Spiele unter der Woche bedeuten hoffentlich volle Konzentration auf die Bundesliga und Sicherung von Platz 3.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Ginter, Bartra, Schmelzer – Weigl (81. Merino) – Castro – Schürrle, Dembelé (73. Kagawa), Reus (67. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karten: Weigl, Schürrle. Tore: Bruma (ET), Piszczek, Dembelé

Der entschieden lauwarme letzte Spieltag

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 2 1. FC Köln 2

Drama – gab es anderswo. Bremen rettet sich kurz vor Schluss. Gleich drei Stuttgarter Mannschaften steigen ab. Cottbus, wo wir noch vor einigen Jahren mit der Borussia waren, spielt künftig viertklassig – nach gleich zwei Toren in der Schlussphase von der zweiten Vertretung der Mainzer. Das Westfalenstadion war dagegen Schauplatz eines halbgaren Sommerkicks. Mit vier Toren, aber ohne die letzte Leidenschaft.

Natürlich – es ging für beide Teams um wirklich gar nichts mehr. Sieht man von einem Torrekord ab. Man hätte aber auch versuchen können, die unglückliche Hinserienniederlage auszubügeln. Doch Thomas Tuchel sprach schon vor dem Spiel sinngemäß davon, dass man nicht versucht habe, künstlich Motivation zu erzeugen und die Partie hochzujazzen. Bei allem, was er in seiner Debütsaison geleistet hat – das hätte Jürgen Klopp besser gemacht. Da braucht man sich auch nachher nicht wundern, dass man keinen guten Ausklang schafft.

Es fehlten schlicht einige Prozent Konzentration und Überzeugung. Im Passspiel wie vor dem Tor. Köln war selten am Ball und stand meist weit hinten drin, hatte aber ähnlich viele Torgelegenheiten wie der BVB. Die Dreierkette ist hoffentlich kein Modell fürs Pokalfinale. Der Sinn hinter der Verschiebung von Marcel Schmelzer in eine offensivere Position erschließt sich mir ganz und gar nicht. Wenn es einmal in fünf Spielen funktioniert, ist das keine ausreichende Quote.

Gegen die massiert verteidigenden Kölner reichte es erneut nicht, immer ab durch die Mitte zu gehen. Die Borussia muss ihr Flügelspiel wieder beleben. Dembelé ist da sicher ein Hoffnungsschimmer. Die Hereinnahme von Matze Ginter nach der Pause half nur geringfügig. Letztlich musste es ein Standard richten. Dass Marco Reus aus fast idealer  Position endlich mal wieder ein direktes Freistoßtor gelang, ist eine der positiven Seiten dieses letzten Spieltags.

Auch die Leistung der Borussia ist natürlich kein Drama. Der Druckabfall heute muss keine negativen Auswirkungen auf nächsten Samstag haben. Ihren Lauf haben die Schwarz-Gelben aber in den letzten beiden Saisonspielen verloren. Stand heute sind die Bayern klarer Favorit – so klar, wie es die zehn Punkte Vorsprung in der Tabelle ausdrücken. Schön immerhin, dass es kaum noch nennenswerte atmosphärische Störungen beim letzten Heimspiel von Mats Hummels gab. Ab jetzt geht’s um Berlin.

Die Aufstellung: Bürki – Bender (46. Ginter), Sokratis, Hummels – Weigl (84. Durm), Castro – Aubameyang, Kagawa (58. Leitner), Reus, Schnelzer – Ramos. Gelbe Karte: Sokratis. Tore: Castro, Reus

Abstiegskämpfer schlagen Vizemeister

1. Bundesliga, 33. Spieltag / Eintracht Frankfurt 1 BVB 0

Keine Rekordpunktzahl, Bayern Meister – kurz vor Ende einer starken Spielzeit musste Borussia Dortmund doch noch mal einen Dämpfer hinnehmen. Letztlich war es ein verschmerzbarer und vor allem ärgerlich, weil unnötig.

Man hätte sich denken und darauf einstellen können, dass die Eintracht im letzten Heimspiel vor ihrem bekannterweise emotionalen Publikum noch mal alles raushauen würde, um den Abstieg zu verhindern. Genau das taten die Gastgeber und schafften es tatsächlich, den Vizemeister mit Dauerdruck und intensivem Anlaufen zu beeindrucken. Von einem souveränen Spitzenteam waren die Schwarz-Gelben in der Anfangsphase weit entfernt. Der starke Start der Eintracht kulminierte im 1:0 durch Aigner nach einer kurz ausgeführten Ecke. Erik Durm, der Piszczek vertrat, hatte ihm den entscheidenden Platz gelassen.

Der Rest des Spiels ist schnell auf den Punkt gebracht: Einbahnstraße in Richtung Frankfurter Tor. Angesichts von am Ende 84 Prozent Ballbesitz zu wenige Chancen für den BVB, die aber dennoch mindestens für einen Punkt hätten reichen müssen. Die SGE igelte sich ein, zog ihre erste Verteidigungslinie immer weiter zurück und vermochte es so tatsächlich, die Mitte halbwegs dicht zu halten. Weiterlesen →