Borussia Dortmund – einfach unerklärlich

1.Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 6 Mönchengladbach 0

Ich habe es schon vor Wochen offiziell aufgegeben, vom BVB irgendetwas, ob Positives oder Negatives, zu erwarten und seine Ergebnisse erklären zu wollen. Mehr als Beobachtungen gibt es auch in dieser Woche nicht zu lesen, nachdem man dem Gegner im Borussen-Duell mal eben sechs Dinger eingeschenkt hat. Womöglich ist Borussia Dortmund auch ein riesengroßes Puzzle, an dem man jahrelang sitzt und erst ein Gesamtbild erkennt, wenn man die letzten der 5000 Teile einfügt.

Solange der BVB ein Rätsel bleibt, ist der beste Ansatz, um ein Resultat zu erklären, ein Blick auf den Gegner zu werfen. Da fanden wir am Sonntag eine Mannschaft vor, die noch inkonsistenter als die Schwarz-Gelben spielt, mit Sicherheit verunsichert ist und durch ihre grundsätzlich offensive Ausrichtung bei nicht sattelfester Abwehr den Gastgebern entgegenkam. Die Leistung der Fohlen war dabei vor allem in der ersten Hälfte nicht so ein großes Debakel, wie es das Endergebnis aussagt. Beide Teams starteten in einem 3-4-2-1-System, das vor allem der BVB häufig auch als 3-4-3 spielte. Drei Innenverteidiger auf dem Platz – das war wohl auch angesichts des Torhagels im Rangers-Spiel die richtige Entscheidung von Marco Rose.

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Premierensieg an der Alten Försterei

1.Bundesliga, 22. Spieltag / 1. FC Union Berlin 0 BVB 3

Ist dieser kleine Fluch also gebrochen: Borussia Dortmund gewinnt zum ersten Mal an der Alten Försterei und bleibt dabei zum ersten Mal seit 15. Dezember ohne Gegentor. Ersteres konnte man in einer unbeständigen Saison wie dieser fast schon erwarten, Letzteres kam durchaus überraschend, besonders angesichts der personellen Situation.

Marco Rose musste auf alle gelernten und angelernten Rechtsverteidiger verzichten und setzte stattdessen auf einen, der da auch schon irgendwann mal gespielt hatte: Manuel Akanji. Der machte dort das, was er auf dieser Position kann: seine Seite halbwegs dicht. Große Ausflüge nach vorne standen eher nicht auf dem Aufgabenzettel und Manuel verzichtete dementsprechend auf sie. Rose ließ ein 4-2-3-1 spielen, das ein wenig mehr auf Sicherheit ausgerichtet war als man es vom Trainer bisher kannte. Mit der Hereinnahme von Axel Witsel und dem vermutlich klaren Auftrag an Mo Dahoud, zunächst mal nichts anbrennen zu lassen, schuf er eine solidere Grundlage für erfolgreiches Defensivverhalten. Trotzdem mussten die Spieler ihre Rollen erstmal ausfüllen und das gelang gestern weitgehend.

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Wie du erfolgreich den BVB-Frust bekämpfst

1.Bundesliga, 20. Spieltag / TSG Hoffenheim 2 BVB 3

Du bist BVB-Fan und das stetige Auf und Ab leid? Die Lösung ist ganz einfach: Denke von Spiel zu Spiel! Ja, wirklich. Deine Mannschaft verliert im Pokal bei einem Zweitligisten? Nimm es an und gräme dich nicht länger! Es gibt ein nächstes Spiel – tue so, als ob es das letzte für deinen Verein wäre! Für Fans einiger Vereine, etwa in England, aber auch anderswo, droht das, Realität zu werden. Dagegen bist du in einer komfortablen Situation. Und wenn dein Klub dann Tage später bei einem unangenehmen Gegner aus den Top 5 gewinnt? Feiere den Tag, freue dich über schöne Tore und Spielzüge, aber erwarte nichts!

Ja, liebe Leserinnen und Leser, ganz so einfach ist das natürlich nicht. Aber wohl auch nicht komplett abwegig, wenn man an den BVB der letzten Jahre denkt. Denn der hat nun mal zwei Gesichter, die sich oft auch innerhalb einer Partie zeigen. Wie gestern in Sinsheim. Erneut kamen die Schwarz-Gelben gut ins Spiel und führten bereits nach sechs Minuten. Erling Haaland traf, aber der Macher des Tores und Flankengeber war Donyell Malen – nach einem wunderschönen Spielzug über mehrere Stationen. Es war die erste von drei Torbeteiligungen des Niederländers, der vielleicht der insgesamt beste Spieler auf dem Platz, zumindest aber der absolute Aktivposten in der BVB-Offensive war.

Bekannte Muster und ein bekannter Gegentorschütze

Das Problem, mal wieder: Die Borussia agierte angesichts nach dem Rückstand beherzt pressender Hoffenheimer zu passiv. Gegen Freiburg und zu Anfang der gestrigen Partie hatten die Schwarz-Gelben mit aggressivem Anlaufen selbst Erfolg, doch das Moment drehte sich zugunsten der Gastgeber. Sehr aktiv war dabei der früh für Baumgartner eingewechselte Rutter. Der BVB präsentierte sich dagegen in dieser Phase ideenlos und ängstlich – mit vielen Quer- und Rückpässen bei eigenem Ballbesitz. Obendrein agierten die Gäste direkt nach Ballgewinnen oft zu überhastet – etwa mit langen Bällen, die eher einer Klärung als einem Pass gleichkamen.

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Vergesst Leipzig: Daxo ist zurück!

1.Bundesliga, 11. Spieltag / RB Leipzig 2 BVB 1

Der BVB verliert beim Fußball-Projekt mit 1:2 und hat Glück und sich bei Gregor Kobel zu bedanken, dass es nicht noch höher ausgeht. Die Stimmen, die sich nun negativ überrascht äußern, gehören wohl zu jenen Beobachtern, die entweder immer etwas zu kritisieren oder die Borussia tatsächlich für einen Meisterschaftskandidaten gehalten haben. Um nicht falsch verstanden zu werden: Das Spiel war Mist und das sollte man auch sagen. Nichts macht weniger Spaß, als gegen das Projekt zu verlieren – es ist ja schon eine Zumutung, dagegen spielen zu müssen. Ich kann nur die Überraschung nicht verstehen: Die Vorzeichen waren miserabel.

Ohne eine überzeugende Lösung auf der Linksverteidiger-Position, ohne den Super-Stürmer und mit nur einem schnell handelnden Mittelfeldspieler mussten die Schwarz-Gelben in die Partie gehen. Für Leipzig, deutlich weniger von Verletzungssorgen gebeutelt, war es die Gelegenheit, vor heimischem Publikum endgültig in die Saison zu finden und den Anschluss bis zu Platz 2 wieder herzustellen. Und so kam es, wie es vielleicht kommen musste. Marco Reus formulierte es so:

Wir haben es einfach nicht geschafft, auf Augenhöhe zu sein. In der Aggressivität, in der Spieleröffnung. Im Gesamten war das zu wenig.

Kicker.de

So bitter das ist: Wer hätte gestern den Unterschied machen sollen? Mats Hummels, Jude Bellingham und mit Abstrichen Marco Reus traut man das zu; ebenso natürlich Gregor Kobel im Tor. Zu wenige gegen ein mit technisch und gestern auch mental starken Spielern gespicktes Leipziger Team. Wo selbst ein Defensivmann wie Mukiele im Vorwärtsgang den Schwarz-Gelben arge Probleme bereitet. Julian Brandt, Axel Witsel oder Thomas Meunier sollten eigentlich gestandene Spieler sein, aber sie sind zu druckanfällig. Alle drei hatten in Leipzig auch ein paar ordentliche Szenen, zuvorderst Meunier mit seiner starken Vorlage zu Reus‘ Ausgleich. Demgegenüber standen aber Gruselpässe (Brandt in Hälfte 1), verlorene Zweikämpfe, fehlende Ideen und Handlungsschnelligkeit.

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Harte Nacht in Amsterdam

Champions League, 3. Spieltag / Ajax Amsterdam 4 BVB 0

Die Borussia auf dem Boden der Tatsachen: Ja, die Pleite im Johan-Cruijff-Stadion war auch einem besonders gebrauchten Tag der Schwarz-Gelben geschuldet. Aber sie zeigte ebenso, wo sich der Verein derzeit international einordnen muss. Für die europäische Spitze reicht es jedenfalls nicht.

Manche Beobachter hatten es sich nach der Auslosung der CL-Vorrunde einfach und Dortmund zum klaren Favoriten der Gruppe C gemacht. Das war schon damals eine bequeme, oberflächliche Analyse, die auf einer statischen Sichtweise beruht. Vielleicht liegt diese ein wenig daran, wie zementiert die Verhältnisse in der Bundesliga erscheinen. Vielleicht glauben hiesige Fans und Experten deswegen, dass sich auch an der internationalen Stellung der deutschen Vereine wenig ändert. Ajax kommt aus Holland, verliert dauernd wichtige Spieler an größere Clubs und überhaupt hat der BVB sie vor neun Jahren in der Champions League klar dominiert. Dieses Narrativ scheint ein bisschen den Blick auf die jüngste Vergangenheit verstellt zu haben. Spätestens nach dem 1:5-Sieg von Ajax in Lissabon hätte man gewarnt sein müssen. Nicht zu vergessen: Noch 2019 scheiterte Ajax nur knapp im Halbfinale des Wettbewerbs an den Spurs.

Spielfreude gegen Ratlosigkeit

Fast forward in den Oktober 2021: Ajax hat wieder eine Super-Truppe zusammen und in Erik ten Hag einen ebenso starken Trainer. Es gibt keinen Grund, warum sie nicht wieder eine gute Rolle in der Champions League spielen sollten. Der BVB durfte das gestern erfahren. De facto hielten die Gäste acht, neun Minuten gut mit – tatsächlich so lange, wie Rauchschwaden über der Arena hingen. Dann stieg der Druck von Ajax gewaltig. Der BVB kam nicht mehr in die Zweikämpfe und wurde, teilweise auch auf engem Raum, schlicht ausgespielt. Dazu kamen einige erzwungene, aber auch unnötige Ballverluste. Es war insgesamt eine Demonstration der Spielfreude von Ajax, die sich in der Expected Goals-Wertung dieser Partie nur ansatzweise ausdrückt: 2,08 zu 1,23 für die Gastgeber heißt es da lediglich. In diesem Fall aussagekräftiger ist eine andere Zahl: Der BVB hatte immerhin 45 Prozent Ballbesitz, spielte aber nur 148 erfolgreiche Pässe in der gegnerischen Hälfte – Ajax 266.

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Ein Haaland = zwei Tore + drei Punkte

1.Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 3 FSV Mainz 05 1

Man konnte sich schon wundern, warum der gerade von einer Verletzung genesene Erling Haaland in der Partie gegen Mainz nicht ausgewechselt wurde. Bis er dann mal wieder in der Nachspielzeit zur Entscheidung traf – und sich offensichtlich gut dabei fühlte. Es war sein zweiter Treffer in einer Begegnung, die der BVB verdient gewann. Doch ob das ohne die Präsenz des Norwegers gegen größtenteils diszipliniert verteidigende Gäste auch gelungen wäre?

Der Start war zweifellos optimal und das auch ohne Zutun von Haaland: Meunier hatte nach drei Minuten geflankt, die Mainzer konnten den Ball nicht klären, der zu Marco Reus sprang. Und der Kapitän zog sehenswert ab zum 1:0. Angesichts des folgenden Dortmunder Dauerdrucks hätte man eine klare Angelegenheit erwarten können – doch Mainz ist nicht das Mainz der Vorsaison. Trotz erdrückendem Übergewicht beim Ballbesitz gelang es dem BVB nach der wirklich starken Anfangsphase kaum noch, gefährlich in den Strafraum vorzudringen. Die Gäste standen zwar sehr defensiv, attackierten aber rechtzeitig in der Mitte ihrer eigenen Hälfte. Den Querpässen der Schwarz-Gelben in dieser Zone des Spielfelds folgte selten ein kreativer Pass in die Spitze. Hier machte sich womöglich das Fehlen von Rafa Guerreiro und Mo Dahoud bemerkbar.

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Dortmund gewinnt Sieben-Tore-Thriller

1.Bundesliga, 4. Spieltag / Bayer Leverkusen 3 BVB 4

Spiele gegen Leverkusen… inzwischen kann man da ja fast schon mit einem Spektakel rechnen. Aber die Partie gestern hatte wirklich alles, was ein Fußballspiel ausmacht und wird in bester Erinnerung bleiben. Klar waren da auch ein paar Fehler und Fehlpässe bei – das schadete aber dem extrem hohen Unterhaltungswert keineswegs. Der BVB kam dreimal nach Rückstand zurück und traf per Elfmeter zum Sieg – mehr kann man nicht verlangen.

Marco Rose hatte Neuzugang Marin Pongracic direkt in die Startelf beordert. Alles in allem machte der Kroate seine Sache gut. Beim frühen 1:0 der Gastgeber offenbarten sich aber noch Abstimmungsprobleme zwischen ihm und Abwehr-Kollege Manuel Akanji, so dass Florian Wirtz zwischen den beiden durchdribbeln konnte. Die Schwarz-Gelben zeigten sich aber zu keiner Zeit des Spiels geschockt, sondern versuchten immer direkt zu antworten. Es ging hin und her, es gab kaum Verschnaufpausen, es war eine Begegnung, die immer – oder zumindest bis in die Schlussphase – im Fluss war.

Tore und Fehler

Auf die Tore lohnt es sich, kurz einzeln einzugehen: Das 1:1 durch Haalands Kopfball wurde von Thomas Meunier mit einer Flanke vorbereitet. Der Belgier war offensiv auffällig, defensiv hat er noch Verbesserungsbedarf. Trotzdem war es eine seiner besten Partien in schwarz-gelb, was natürlich auch am bisherigen Niveau liegt. Leverkusens 2:1 war stark nach vorne gespielt; der BVB-Fehler lag hier bei Julian Brandt, der in der Nähe des gegnerischen Strafraums den Ball verlor. Doch auch der Rückstand kurz vor der Pause schockte die Borussia nicht: Schon wenige Minuten nach der Pause konnte Brandt an alter Wirkungsstätte seinen Fehler mit einem Klasse-Abschluss wieder ausbügeln.

Beim 3:2 durch Diaby im Anschluss an eine Ecke war es der sonst wieder starke Jude Bellingham, der Diaby den auf die linke Dortmunder Seite geklärten Ball nicht streitig machen konnte. Es folgte aber auch ein gezielter Schuss. Doch der BVB kam erneut zurück und mehr als das: Ein zauberhafter direkter Freistoß von Raphael Guerreiro traf das Ziel ebenso wie Erling Haaland vom Elfmeterpunkt. Die Entscheidung zum Strafstoß war allemal eindeutiger als das, was die Leverkusener auf der anderen Seite reklamierten. Ja, Koussounou schirmte zunächst gegen Marco Reus nur den Ball ab, machte dann aber eine eindeutige und unnötige Schlagbewegung, die den BVB-Kapitän im Gesicht traf – was durch Marcos Blut hinreichend belegt sein dürfte.

BVB siegt statistisch korrekt

Im Anschluss an die erstmalige Dortmunder Führung in der 77. Minute hätte ich von den Gastgebern noch etwas mehr erwartet, aber es sprang nur noch eine echte Chance durch Alario raus. Da war dann wohl der Tank nicht mehr voll genug. Egal, für uns Schwarz-Gelbe sowieso, es war dennoch ein Fest. Und der Sieg statistisch nicht unverdient, vor allem, was die Qualität der Chancen angeht: Die Gastgeber kamen auf 0,86 Expected Goals, der BVB auf 2,33 (davon 0,79 durch den Elfmeter) – hier waren die Schwarz-Gelben in der ersten Hälfte deutlich überlegen. Laut der FotMob App hatten die Gäste insgesamt vier Großchancen, Leverkusen eine.

Spannung und Spektakel für drei Spiele in einem – ob da der Champions League-Auftakt bei Besiktas am Mittwoch, 18.45 Uhr, mithalten kann?

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Pongracic (84. Hummels), Akanji, Guerreiro – Witsel (66. Malen) – Bellingham (89. Wolf), Dahoud – Brandt – Haaland, Reus. Gelbe Karten: Meunier, Haaland, Wolf. Tore: Haaland (2, davon 1 EM), Brandt, Guerreiro

Ein freundschaftliches 3:1 zum Finale

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 3 Bayer Leverkusen 1

Es war ein Tag der Abschiede und der Freundschaft: Im Duell der befreundeten Trainer Edin Terzic und dem von seinem aktuellen Verein scheidenden Hannes Wolf hatte der scheidende Schiedsrichter Manuel Gräfe wenig Mühe und kam ohne Gelbe Karten aus. Von der Intensität her war die Partie zwar nicht mit der aus der Hinserie vergleichbar, aber immerhin weitaus weniger ein Sommer-Kick des BVB wie am letzten Spieltag der Vorsaison.

Abschieds-Aufstellung

Der zumindest von seiner jetzigen Position scheidende Edin Terzic beorderte sechs Neue in die schwarz-gelbe Startelf. Man kann das zuvorderst auf der menschlichen und in zweiter Linie auf der kommerziellen Ebene verstehen. Dass Lukasz Piszczek spielen würde, war eh klar. Dass auch Brandt, Delaney, Reinier und Schulz auflaufen durften, war gleichzeitig ein Dank für ihre Geduld, aber auch ein Schaufenster für die Spieler, um sich nochmal möglichen Interessenten zu präsentieren. Man möchte und kann wohl nicht alle vier abgeben, wäre bei dem einen oder anderen aber auch nicht gleich abweisend. Wobei ich inzwischen hoffe, dass Julian Brandt uns erhalten bleibt. Weiterlesen „Ein freundschaftliches 3:1 zum Finale“

Pokalsieger 2021: Und wir freuen uns doch!

DFB-Pokal, Finale / RB Leipzig 1 BVB 4

Viel war darüber geredet worden, wie das wohl sein werde: ein Pokalfinale in Berlin mit schwarz-gelber Beteiligung, aber ohne Fans. Wer bei einem der vergangenen Endspiele dabei oder zumindest in der Stadt war, weiß, dass das noch mal etwas anderes ist als eine beliebige andere Partie vor leeren Rängen. Es hatte schon etwas Surreales, wie die glücklichen BVB-Profis am Ende mit dem Pokal auf den Rängen durchs leere Stadion liefen. Aber trotzdem: Die Situation ist wie sie ist. Und dafür war es schon ziemlich genial, was gestern im Olympiastadion passiert ist.

Perfekter Start, starke Konter

Die Dortmunder – inklusive dem fitten Erling Haaland – gingen wach und mit einer guten Portion Aggressivität ins Spiel und belohnten sich schon nach fünf Minuten. Eine Balleroberung von Marco Reus mündete schließlich in einen tollen Schlenzer von Jadon Sancho ins Tor. Womit schon zwei der Hauptfiguren des Abends erwähnt wären. Reus ist zum bestmöglichen Zeitpunkt wieder in Topform. Und Jadon – nicht nur Erling – werden wir hart vermissen, wenn er im Sommer tatsächlich wechseln sollte. Haaland zeigte dann beim 0:2, wieso es so wichtig war, ihn dabei zu haben, selbst wenn es am Samstag noch ohne ihn geklappt hatte. Wie er sich gegen Upamecano behauptete und dann trotz Bedrängnis die richtige Ecke in Gulascis Kasten fand – unnachahmlich!

Zuvor hatte die Partie bereits ihren Rhythmus gefunden: Es spielte vor allem die Leipziger, die alles in allem passsicherer und flüssiger agierten. Nur eben nicht bis vors Tor – zumindest in der ersten Hälfte nicht. Das frühe Pressen, das der BVB zunächst noch praktiziert hatte, sah man später nur noch punktuell. Zahlen untermauern die optische Überlegenheit der Brause-Kicker: 60 Prozent Ballbesitz, 248 zielgenaue Pässe in der gegnerischen Hälfte gegenüber 92 bei der Borussia. Allerdings machten es die Schwarz-Gelben offensiv eben besser: Sie brauchten nicht viele Pässe und auch nur zehn Torschüsse, von denen fünf zielgenau und vier drin waren (Leipzig: 22/4/1). Die Nadelstiche und Konter, die der BVB setzte, waren oft gefährlich und es hätte auch noch höher ausgehen können – wenn man etwa an die Chancen von Thorgan Hazard und vor allem Jadon Sancho denkt. Weiterlesen „Pokalsieger 2021: Und wir freuen uns doch!“

Dortmund glänzt, Berlin wartet

DFB-Pokal, Halbfinale / BVB 5 Holstein Kiel 0

Ohne Erling Haaland spaziert Borussia Dortmund ins Pokalfinale. Trotz des Ausfalls des schwarz-gelben Torjägers war das klare Weiterkommen nicht überraschend, allenfalls die Höhe des Sieges. Einfach guter Fußball – was will man mehr? Nur eine vermutlich schwere Verletzung dämpft die Freude.

Großer Fußball ohne klassische „9“

Als ob es diese Wendung noch gebraucht hätte, als ob dieser einseitigen Partie der Gesprächsstoff fehlte: Es waren bereits drei Viertel des Pokal-Halbfinales absolviert, der BVB führte immer noch 5:0, als sich der erst 13 Minuten zuvor eingewechselte Mateu Morey ohne Fremdeinwirkung in einem Laufduell wohl schwer am Knie verletzte und vor Schmerzen schrie. Scheinbar ist es in diesen Zeiten einfach nicht möglich, Fußball mal halbwegs unbeschwert zu genießen. Dabei denke ich natürlich nur ganz am Rande an mich und „uns Fans“, sondern zuallererst an Mateu Morey, der kurz vor seinem ersten Endspiel mit dem BVB stand und nicht nur das mit Sicherheit verpassen wird. Gute Besserung, Mateu!

Zur Geschichte der Partie zuvor gibt es dagegen viel Erfreuliches zu sagen. Ob mit oder ohne Haaland: Die klare Maßgabe von Trainer Edin Terzic schien gewesen zu sein, Holstein Kiel von Beginn an unter Druck zu setzen und nicht ins Spiel kommen zu lassen. Endlich mal konsequentes, ganz frühes Anlaufen, endlich mal flüssiges Kombinationsspiel nach vorne! Natürlich geht das leichter gegen einen Zweitligisten, der vor nicht allzulanger Zeit noch in Quarantäne war und deswegen nun ein richtig volles Restprogramm hat. Aber der BVB schaffte es nicht nur, das auszunutzen, sondern glänzte dabei auch noch.

Bis zum ersten Tor durch Giovanni Reyna hielten die Kieler noch einigermaßen dagegen; in der Folge wurden sie dann regelmäßig überspielt. Vielleicht hätten es die „Störche“ zumindest taktisch einfacher gehabt, wenn Haaland als einzige Spitze auf dem Platz gestanden hätte. Nominell schlüpfte Thorgan Hazard in dessen Rolle, aber die eigentliche Gefahr entwickelten zunächst die Drei hinter ihm: Sancho, Reus und Reyna brillierten und die Gäste-Defensive bekam die schnellen Kombinationen auf allen Seiten nicht eingehegt. Der Fokus fehlte – was nicht heißen muss, dass es mit der Urgewalt Haaland tatsächlich leichter für die Kieler gewesen wäre.

Den Titel holen – für den Fußball!

Die zweite Hälfte konnte erwartungsgemäß nicht mit der Qualitäts-Demonstration der ersten 45 Minuten mithalten. Absolut nachvollziehbar, dass Edin Terzic Julian Brandt nach der Halbzeit und Reinier, Delaney und Morey nach 62 Minuten Spielpraxis verschaffte. Am Ende stand eine Passquote von 92 Prozent, die auch gegen einen Zweitligisten und selbst unter Einbeziehung der Quer- und Sicherheitspässe stark ist.

Es folgen nun zwei Partien gegen RB Leipzig. Das muss man so nicht haben, denn eigentlich gehört RB dahin, wo man auf Asche spielt; es ist aber die Realität. Leipzig schätze ich momentan nicht stärker ein als den BVB, sie haben aber einen Vorteil: Das Spiel am Samstag müssen sie nicht gewinnen, denn niemand glaubt, dass sie noch Meister werden. Eine interessante Frage ist, welche der beiden zweifellos wichtigen Begegnungen man für wichtiger hält. Für mich ist es das Pokalfinale. Weil es um einen Titel für den BVB geht und in zweiter Linie auch darum, einen Titel für Leipzig zu verhindern. Deshalb wird uns ein Großteil von Fußball-Deutschland die Daumen drücken – hoffentlich hilft’s!

Die Aufstellung: Hitz – Piszczek (62. Morey (74. Meunier)), Akanji, Hummels, Guerreiro – Bellingham, Can (62. Delaney) – Reyna (46. Brandt), Reus (62. Reinier), Sancho – Hazard. Tore: Reyna (2), Reus, Hazard, Bellingham