Borussia Dortmund – einfach unerklärlich

1.Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 6 Mönchengladbach 0

Ich habe es schon vor Wochen offiziell aufgegeben, vom BVB irgendetwas, ob Positives oder Negatives, zu erwarten und seine Ergebnisse erklären zu wollen. Mehr als Beobachtungen gibt es auch in dieser Woche nicht zu lesen, nachdem man dem Gegner im Borussen-Duell mal eben sechs Dinger eingeschenkt hat. Womöglich ist Borussia Dortmund auch ein riesengroßes Puzzle, an dem man jahrelang sitzt und erst ein Gesamtbild erkennt, wenn man die letzten der 5000 Teile einfügt.

Solange der BVB ein Rätsel bleibt, ist der beste Ansatz, um ein Resultat zu erklären, ein Blick auf den Gegner zu werfen. Da fanden wir am Sonntag eine Mannschaft vor, die noch inkonsistenter als die Schwarz-Gelben spielt, mit Sicherheit verunsichert ist und durch ihre grundsätzlich offensive Ausrichtung bei nicht sattelfester Abwehr den Gastgebern entgegenkam. Die Leistung der Fohlen war dabei vor allem in der ersten Hälfte nicht so ein großes Debakel, wie es das Endergebnis aussagt. Beide Teams starteten in einem 3-4-2-1-System, das vor allem der BVB häufig auch als 3-4-3 spielte. Drei Innenverteidiger auf dem Platz – das war wohl auch angesichts des Torhagels im Rangers-Spiel die richtige Entscheidung von Marco Rose.

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Ajax knackt das Westfalenstadion

Champions League, 4. Spieltag / BVB 1 Ajax 3

Der Heim-Nimbus ist weg: Unter kontroversen Umständen verliert der BVB auch das zweite Gruppenspiel gegen Ajax, kann allerdings mit erhobenem Kopf aus der Partie gehen. Die Widrigkeiten, mit denen Schwarz-Gelb zu kämpfen hatte, entschuldigen das Ergebnis gegen das Ajax-Team von 2021/22 – sie könnten der Borussia allerdings noch arg zu schaffen machen.

Den überwiegenden Teil der ersten Halbzeit – teilweise noch nach dem Platzverweis – machten die Gastgeber vieles richtig, was in Amsterdam nicht gelungen war. Die sichtbarste Veränderung: Dortmund presste häufig hoch und ließ keinen rechten Spielfluss bei Ajax zu. Zu diesem Zweck machte auch der Einsatz von Steffen Tigges anstelle von beispielsweise Donyell Malen Sinn. Im Mittelfeld agierte neben Jude Bellingham auch Axel Witsel aggressiver als sonst und so konnte der BVB den Ball eine halbe Stunde lang meist vom eigenen Strafraum fernhalten.

Ich bin ein VAR-Skeptiker, aber kein dogmatischer – von einer regelmäßig gelungenen Anwendung ließe ich mich vermutlich überzeugen. Die Szene, die zum Platzverweis führte, hatte jedes Potenzial dazu. In Realgeschwindigkeit hätte Schiedsrichter Michael Oliver sie wohl nur aus nächster Nähe richtig beurteilen können. Im Fernsehen sah es in der ersten Einstellung nach einer rücksichtslosen Grätsche von hinten aus, die Mats Hummels im Mittelfeld ohne wirkliche Not gegen Antony auspackte. Letzterer ließ es sich nicht nehmen, dies noch mit seinen Schauspielkünsten zu unterstreichen.

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Promi-Joker gewinnen Spiel

DFB-Pokal, 2. Runde / BVB 2 FC Ingolstadt 0

25.130 Zuschauer waren gestern Abend im Westfalenstadion. Der Hauptgrund für den spärlichen Zuspruch dürfte nicht die Aussicht auf einen wenig glanzvollen Arbeitssieg gewesen sein. Trotzdem passte die Kulisse zu dem, was lange Zeit auf dem Platz zu sehen war. Denn es fehlten zunächst nicht nur eine Reihe prominenter Kranker und Verletzter, sondern auch drei potenzielle Stammkräfte, die geschont wurden: Marco Reus, Thorgan Hazard und Manuel Akanji.

Der Gegner – der Tabellenletzte der 2. Bundesliga FC Ingolstadt – war gekommen, um zu verteidigen. Am Ende standen für die Schanzer drei Torschüsse, von denen keiner aufs Ziel kam. Das ist nur einer mehr, als mein lokaler Regionalligist Babelsberg 03 zuvor gegen RB Leipzig geschafft hatte. Trotzdem gelang es dem BVB lange nicht, aus seiner drückenden Überlegenheit Kapital zu schlagen. Eine Angriffs-Drei mit Julian Brandt, Steffen Tigges und Reinier ist schlicht nicht torgefährlich genug. Wenn zudem im Mittelfeld mit Jude Bellingham nur einer steht, der wirklich kreativ werden und in der gegnerischen Defensive für Aufregung sorgen kann, kommt selbst das Kellerkind aus Liga 2 nicht an seine Grenzen.

Game Management gelungen

Man muss das bis zur 71. Minute Gesehene allerdings nicht zu einem bleibenden Eindruck überhöhen. Dass Marco Rose mit den Kräften seiner Spieler haushalten muss, zeigen ja gerade die vielen Verletzungen. So gesehen war die Startelf nachzuvollziehen. Die Frage nach der qualitativen Tiefe des Kaders ist legitim, doch der Verein wird die Situation schon aus finanziellen Gründen nicht von heute auf morgen ändern können. Letztlich handelte der Trainer gestern noch rechtzeitig, wechselte in eben jener 71. Minute Reus und Hazard für Tigges und den schon gelb belasteten Meunier ein – und damit den Erfolg. Was einen ausgeruhten Hazard von den restlichen gestrigen Offensivkräften unterscheidet, war unverzüglich zu sehen: Läufe mit und ohne Ball in aussichtsreiche Positionen und schnelle Abschlüsse. Mit den zwei eingewechselten „Promis“ als Partner im Angriff wurde Julian Brandt doch noch zum Assist-Geber.

Obwohl er nicht so auffällig wie Jude Bellingham agierte, sollte der die linke Seite beackernde Marius Wolf mal Erwähnung finden. Er galt als abgeschrieben, als einer der ersten Wechselkandidaten im Sommer. Inzwischen ist Marco Rose angesichts der personellen Situation sicher froh, dass er ihn als sehr ordentliche Alternative für beide Seiten zur Verfügung hat. Wolf muss sich hinter keinem Konkurrenten verstecken; nur Raphael Guerreiro ist ihm in Normalform ein gutes Stück voraus. Das sagt etwas über die Schwachstellen des aktuellen schwarz-gelben Kaders aus, ist aber einfach auch eine schöne Geschichte.

Am Samstag kommt der Effzeh ins Haus – ein vermutlich deutlich schwererer Test für den verletzungsgeschwächten BVB. Danach geht’s gegen Ajax und Leipzig, immer noch ohne Erling Haaland. Der November hat es also in sich – im Fall des Norwegers nur gut, dass der Monat eine weitere Länderspielpause mit sich bringt.

Die Aufstellung: Hitz – Can, Hummels (83. Akanji), Pongracic – Meunier (71. Hazard), Witsel, Bellingham, Wolf (87. Knauff) – Brandt (87. Passlack), Tigges (71. Reus), Reinier. Gelbe Karte: Meunier. Tore: Hazard (2)

Was am Transfer Deadline Day nicht passierte

Es blieb nach Bekanntgabe der Pongracic-Verpflichtung ein ereignisarmer 31. August bei Borussia Dortmund. Schon etwas vor der Deadline hatte Sportdirektor Michael Zorc in seinem letzten Sommer-Transferfenster verkündet, dass es keine Zugänge für Schwarz-Gelb mehr geben würde. Weitere Aktivitäten waren zu einem großen Teil davon abhängig, ob der BVB noch Abgänge vermelden konnte. Nicht zum ersten Mal zeigte sich, dass diese schwerer zu bewerkstelligen sind als Verpflichtungen.

Kein Callum Hudson-Odoi also für die Borussia. Über den klangvollen Namen vom FC Chelsea war in den Medien spekuliert worden. Wie zu erwarten sehen nun einige Social Media-Kommentatoren, mögen es BVB-Fans sein oder nicht, den ausbleibenden Transfer als Zeichen des fehlenden Ehrgeizes auf Seiten des Vereins. Dieser Deal scheint aber im Bereich des Möglichen gewesen zu sein: Angeblich hatten sich der Spieler und die Borussia bereits auf ein Leihgeschäft geeinigt, ehe Chelsea absagte. Mit möglichen Animositäten zwischen Thomas Tuchel und dem BVB sollte das nichts zu tun haben – schließlich hatten die Blues in der Vergangenheit auch schon den FC Bayern abblitzen lassen.

Drei Fragezeichen bleiben

Nur, wer sich der schwarz-gelben Vergangenheit nicht bewusst ist, kann ernsthaft fordern, dass der BVB in Erwartung sportlicher Erfolge wieder finanziell unvernünftige Dinge macht. Abgesehen davon können aufgeblähte Kader ohnehin kontraproduktiv sein. Stand heute haben die Schwarz-Gelben 32 Spieler im Kader, von denen die Verantwortlichen wohl mindestens drei gerne abgeben würden. Weder am Transfer Deadline Day noch zuvor hat es geklappt. Mit dem Verbleib von Nico Schulz bis mindestens Januar wird man sich wohl schnell arrangieren. Abgesehen von vertragslosen Spielern dürfen deutsche Vereine nun niemand mehr verpflichten – und natürlich braucht die Borussia links hinten eine Alternative zu Raphael Guerreiro. Dass Schulz dabei nicht dem gewünschten Qualitätsstandard entspricht, muss man nun ihn Kauf nehmen.

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Perfekter Tag: BVB gewinnt dreckig und in letzter Minute

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 0

Genau so gewinnt man etwas – und sei es nur ein Spiel gegen Wolfsburg. Lange hatte Borussia Dortmund ohne den werdenden Vater Marco Reus nicht die richtigen Mittel gefunden, auf der Suche nach der Lücke bei den stark verteidigenden Wolfsburgern. Ja, die Gäste hatten sogar zielstrebiger ausgesehen. Unverdient war der späte Sieg trotzdem nicht: Die Borussia gab mehr Torschüsse insgesamt sowie mehr Schüsse aufs Tor ab. Wer sich bis zur letzten Sekunde abrackert, auch wenns mal nicht läuft, wird eben manchmal belohnt.

Ohne Zweifel war das über weite Strecken ein mäßiges Spiel der Schwarz-Gelben. Wolfsburg ist inzwischen auch eine gute, disziplinierte Mannschaft – außer gegen Bayern. Und man muss es deutlich sagen: Bei allem Lob der letzten Zeit kann Mario Götze Marco Reus nicht ersetzen. Er ist nicht (mehr) wendig, schnell und instinktsicher genug. Es fehlte allgemein die Kreativität gegen gut verschiebende und defensivstarke Wolfsburger. Marius Wolf wirkte über rechts zwar engagiert, aber er hat zu viele Ungenauigkeiten und Ballverluste in seinem Spiel. Gefallen haben mir hauptsächlich Dan-Axel Zagadou und mit Abstrichen Akanji und Witsel.

Nicht dass die Gäste unglaublich viel Torgefahr ausstrahlten. Roman Bürki musste in der ersten Hälfte einen Schuss von Weghorst von links um den Pfosten lenken. Für den BVB setzte Alcacer den Ball knapp übers Tor. Dass am Ende ein Standard die Führung bringen sollte, war zuvor nicht abzusehen. Einmal war Zagadou bei einem Freistoß von außen frei, traf den Ball aber leider nur mit der Schulter. Die zwei zentralen Freistöße in der regulären Spielzeit der zweiten Hälfte waren noch weniger der Rede wert: Paco Alcacer schoss meilenweit drüber, Guerreiro Torwart Casteels in die Arme. Weiterlesen „Perfekter Tag: BVB gewinnt dreckig und in letzter Minute“

Borussia kompakt: 3:1 gegen den Pokalsieger

Borussia Dortmund gibt sich zu Hause keine Blöße und hat auch das zweite Heimspiel der Saison gewonnen. Es war zugleich das letzte Freitagabendspiel für die nähere Zukunft. Ich werde mich also zum vorerst letzten Mal kurz halten, weil ich das Spiel nur in der Zusammenfassung gesehen habe.

3:1 gegen den Pokalsieger. Da kann man nicht meckern. Aber natürlich wird der Erfolg durch den Aderlass und den mäßigen Saisonstart relativiert, den Eintracht Frankfurt zu verkraften hatte. Außerdem durch die spielerische Armut, die laut Sky oder Kicker lange vorherrschte. Sehen wir es positiv, so zeigte sich mal wieder die Effektivität von Favre-Teams.

Die Aufstellungen von Lucien Favre finde ich bisher mutig, konsequent und nachvollziehbar – mit einem kleinen Fragezeichen hinter Mo Dahoud. Der Startelfeinsatz von Jacob Bruun Larsen war ein wichtiges Zeichen an den Riesenkader, dass man es mit starken Leistungen auch unter die ersten 18 und weiter schaffen kann. Larsen zerlegte nun nicht gerade die Eintracht, schlug aber immerhin die Ecke, die Abdou Diallo zum 1:0 verwerten konnte. Favre gab auch Marius Wolf erneut eine Chance und der traf gegen seinen vorherigen Klub zum 2:1.

Die Hereinnahmen von Jadon Sancho und Paco Alcacer waren zu erwarten, aber nichtsdestotrotz goldrichtig. Das erste Tor im ersten Pflichtspiel für den Neuzugang aus Barcelona sollte ihm gleich den nötigen Schub für die nächsten Aufgaben geben. Gut möglich, dass Paco schon in Brügge in der Startelf steht.

Auch wenn Lucien Favre natürlich in den nächsten Wochen und Monaten rotieren lassen wird: Im Spieltagskader war kein Platz für Shinji Kagawa oder Julian Weigl. Sowie eine Reihe anderer Spieler. Während jene Schwarz-Gelbe, die immer oder häufig spielen, im Erfolgsfall wirklich zu einer neuen Einheit zusammenwachsen könnten, werden die, die selten oder nie im Kader stehen, nicht zufrieden sein. Dass sie alle trotzdem immer alles geben und gute Schwingungen aussenden, ist illusorisch. Das schwebt bei aller Freude über den gelungenen Saisonstart auch über Dortmund.

Borussia verliert keine Zeit

Während alle Fußball-Welt noch das tragische Champions League-Finale diskutiert, kommt Borussia Dortmund an diesem Montag mal gleich mit drei nicht uninteressanten Neuigkeiten um die Ecke. Nicht alle davon sind schon von Vereinsseite bestätigt. So sollen der BVB und der FC Arsenal nur noch drei Millionen Euro auseinanderliegen – im Poker um die Ablöse für Sokratis. 15 Millionen hätten die Londoner geboten, 18 würde Dortmund gerne haben, schreibt der „Kicker“.

So viel dürfte feststehen: ‚Papa‘ will weg. In diesem Jahr wird der griechische Innenverteidiger 30 und wenn man da noch Premier League spielen kann… Aber es könnte mehr dahinter stecken. So gehörte auch Sokratis zu den Schwarz-Gelben, die durchklingen ließen, dass sie der Busanschlag stark belastet (hat). Unstrittig ist, dass Papa keine besonders gute Saison gespielt hat. Sie war sicher nicht abgrundtief schlecht. Aber Papas Spiel ist unsauberer geworden, er selbst wehleidiger. Bei mir persönlich ist der starke Eindruck der Vorjahre aber noch nicht vergessen. Ich halte es auch für gewagt, Ömer Toprak höher einzustufen als Sokratis. Wenn Letzterer geht, sollten die Verantwortlichen auf dieser Position noch etwas tun.

Mindestens genauso spannend: Der erste richtig neue Feldspieler ist da. Marius Wolf kommt von Eintracht Frankfurt und unterschrieb einen Vertrag bis 2023. Die festgeschriebene Ablösesumme: fünf Millionen Euro. Sieht nach einem Schnäppchen aus – und schon rein äußerlich nach einem dieser Mentalitätsmonster, die wir jetzt haben wollen.

„Wolf ist sowohl auf den offensiven Außenbahnen einsetzbar, kann aber auch im Mittelfeldzentrum spielen und gegebenenfalls auch als Rechtsverteidiger einspringen“, so der „Kicker“. Kommt da der neue Kevin Großkreutz? Oder doch Rode 2.0? Jedenfalls kann Wolf nicht nur dazwischen hauen, sondern auch anders: fünf Tore und neun Assists waren es in 2017/18. Zu den gegebenen Konditionen gibt es da wenig zu überlegen, selbst wenn Marius nicht gleich Stammspieler werden sollte.

Und Nachricht Nummer 3? Die ist zwar ebenfalls noch nicht bestätigt, aber der „Kicker“ ist sich nun auch sicher, dass Edin Terzic der neue Co-Trainer beim BVB wird. Also wie vermutet. Und beim Chef hatte das Sportmagazin schließlich auch Recht.