Done Deal

Der nette Junge geht nach Gladbach

Matthias Ginter verlässt Dortmund und schließt sich der Borussia vom Niederrhein an. Über einen Weggang des 23-jährigen Nationalspielers war in diesem Sommer nicht zum ersten Mal spekuliert worden. Aus Vereinskreisen hieß es dann stets, Ginter genieße hohe Wertschätzung, obwohl er kein absoluter Stammspieler war. Aber er war der nette Junge mit BVB-Sympathien, den man auf verschiedenen Positionen einsetzen konnte, der die Junioren-Nationalteams durchlaufen hatte und zuletzt auch beim Confed Cup in vier von fünf Partien in der Startelf stand.

Man muss diese Dinge ins Verhältnis setzen, gewichten. Als Junioren-Nationalspieler hat Ginter seine mehrjährige Profierfahrung genutzt. Wenn er ins A-Team von Joachim Löw für die WM in Russland berufen werden sollte, dann wohl nicht als erste Wahl für die Startelf.

Ich mag nette Spieler, die es einem leicht machen, den eigenen Verein zu mögen. Deswegen hoffe ich inständig, dass Sven Bender in Dortmund bleibt, bei dem noch unbändiges Engagement dazu kommt. Matthias Ginter war sympathisch, aber seine Leistungen waren nicht über jeden Zweifel erhaben. Seine stärkste Halbserie war die erste unter Thomas Tuchel, als er Lukasz Piszczek rechts hinten temporär ersetzte bzw. verdrängte. Die Auftritte als Innenverteidiger oder in einer Dreierkette waren weit weniger überzeugend, obwohl Ersteres seine erklärte Lieblingsposition ist. Weiterlesen →

Kein Wunder

Champions League, Viertelfinale / AS Monaco 3 BVB 1

Mehr als leise Hoffnung nach dem schnellen Anschlusstreffer zu Beginn der zweiten Hälfte kam nicht auf: Die Borussia scheidet deutlich aus der Champions League aus. Erneut erwischten die Schwarz-Gelben einen schwachen Start, lagen schnell 0:2 hinten. Die taktischen und personellen Korrekturen von Thomas Tuchel kamen zu spät. Und schon ab der 60. Minute hatte man das Gefühl, dass ein dritter Treffer der starken Gastgeber wahrscheinlicher war als ein zweiter des BVB.

Drei Gedanken zum Spiel

Die Frage nach dem Warum wird uns noch mindestens bis zum Saisonende verfolgen. Ein Spiel der Borussia unbeschwert zu analysieren ist durch den Bombenanschlag unmöglich geworden. Was die betroffenen Spieler erlebt haben, hängt nach – so ließen es alle, die sich geäußert haben, durchklingen. Doch inwiefern beeinflusst es eine Partie? Es ist unmöglich zu sagen, es bleiben nur Mutmaßungen. Hätte Lukasz Piszczek in einer bombenfreien Realität zwei derartige Fehlpässe in zwei CL-Partien fabriziert? Hätte Roman Bürki mehr tun können als bei Mendys Schuss nur die Fäuste hochzureißen – wenn die Mannschaft nicht vor der Abfahrt ins Stadion im Bus eine gute Viertelstunde von der Polizei aufgehalten worden wäre? Was steckte hinter der schnell korrigierten Nichtberücksichtigung von Ousmane Dembelé?

Auch Thomas Tuchel saß letzte und diese Woche im Mannschaftsbus. Das kann wohl eher nicht die fragwürdige Taktik erklären. Tuchel wollte nach der Partie nichts auf die Dreierkette kommen lassen, doch regelmäßige Leser von Any Given Weekend wissen, dass ich mit ihr nicht warm werde. Gestern zeigte sich exemplarisch, warum. Die Stellenbeschreibung für die Dreierkette müsste in etwa so lauten: „Gesucht werden Abwehrspieler, die Erfahrungen in der Innenverteidigung vorweisen können und sich dort zu Hause fühlen. Gefordert sind Schnelligkeit und Flexibilität. Bewerber müssen sich umgehend auf neue Situationen einstellen können.“ Weiterlesen →

Drei Tore und genauso viele Fragezeichen

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 3 Hamburger SV 0

Ein gutes Ergebnis, das über Mängel im Spiel der Borussia hinwegtäuscht. Die Schwarz-Gelben hatten mehr Chancen als im Derby, vergaben allerdings auch mehr. Erst spät machten Kagawa und Auba alles klar. Von einer sicheren Abwehr konnte auch nur phasenweise die Rede sein.

Drei Gedanken zum Spiel

Wenn ‚Papa‘ Sokratis fehlt, wackelt die Abwehrreihe der Borussia noch mehr als sonst. Zuletzt war es eine Dreierkette (mit der ich nicht warm werde), gestern eher eine Viererkette, aus der Guerreiro als Linksverteidiger aber gelegentlich ausrückte. Der zuletzt verlässliche Piszczek, aber auch Matthias Ginter, wirkten gelegentlich unsicher. Kommen dann noch überraschende Ballverluste im Aufbau (Dembelé!) dazu, wird es kribbelig. Zum Glück hat der HSV ’nur‘ Bobby Wood vorne drin: Der ist ein guter Techniker, aber kein Vollblut-Vollstrecker wie Lewandowski oder Gomez.

Das eigentliche Thema bei Schwarz-Gelb bleibt natürlich die Chancenverwertung. Ja, natürlich zeigen jetzt alle mit dem Finger auf Pierre-Emerick Aubameyang. Nein, wir reden hier nicht wie alle anderen von der Maske. Es war doch so: Auba war gut im Spiel, machte am Ende noch zielstrebig sein Tor und legte zuvor prima quer zu Kagawas 2:0. Natürlich muss er vorher zumindest einen gegen Adler machen. Doch es kam gestern auch nicht die nötige Unterstützung über außen. Emre Mor zeigte wieder gute Ansätze, verzettelte sich aber noch öfter. Ousmane Dembelé hatte einfach keinen guten Tag. Als Angriffspartner für Auba fielen sie zu oft aus. Wenn Dortmunds Angriff zur One-Man-Show wird, haben wir ein Problem.

Doch immerhin ist Shinji Kagawa wieder da! Ich gebe zu: In dieser Form habe ich nicht damit gerechnet. Gestern war Shinji fast wieder der Alte und für mich auch noch stärker als im Derby. Es gilt wahrscheinlich nicht für jedermann (was ist mit Alexander Isak?), aber in der Regel bekommen die Spieler bei Thomas Tuchel die Chance, sich wieder ins Team zu spielen. Kagawa war präsent, spielte gute Pässe und erwies sich endlich wieder als treffsicher. Da werden vor den entscheidenden Spielen die Bedenken ob des Fehlens von Marco Reus etwas gelindert.

Die kommenden Wochen wird auch Thomas Tuchel im Kopf gehabt haben, als er sich nach Spielschluss trotz des guten Endes recht kritisch äußerte. Kann man mit mindestens zwei Problemfeldern – Abstimmung hinten und Treffsicherheit vorne – gegen Bayern oder Monaco bestehen? Oder genügend Punkte für Platz 3 in der Liga sammeln? Rein qualitativ vermutlich schon – aber dafür müsste endlich Stabilität her.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Ginter, Bartra, Guerreiro (78. Passlack) – Weigl (78. Sahin) – Dembelé, Kagawa, Castro, Mor (60. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Ginter. Tore: Castro, Kagawa, Aubameyang

Dortmund rettet sich in die Pause

1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 1 FC Ingolstadt 0

Selten schien der BVB eine Spielpause so nötig zu haben wie jetzt. Gegen den Tabellenvorletzten waren die Schwarz-Gelben im eigenen Stadion die schwächere Mannschaft, wobei den Schanzern zum Klassenerhalt ganz offensichtlich die Sicherheit im Abschluss fehlt. Die Gastgeber wirkten mental und körperlich müde, wofür man bedingt Verständnis haben kann.

Drei Gedanken zum Spiel

Es war nicht schön, aber am Ende zählt trotz allem das Ergebnis. Meiner Ansicht nach kommt der Leistungssport davon nicht weg. Wer mit lauteren Mitteln glücklich gewinnt, darf sich freuen. Wir können über das elfmeterwürdige Foul von Roman Bürki sprechen, aber auf der anderen Seite spielte Ingolstadts Pascal Groß den Ball nach Castros Freistoß mit der Hand. Der Kicker notiert 10:14 Torschüsse aus Sicht des BVB; die Chancenanzahl dürfte schon ausgeglichener gewesen sein.

Wenn die Mannschaft nicht ganz auf der Höhe ist, wackelt die Dreierkette. Wenn die Außenspieler Schmelle und Durm zur Unterstützung fehlen, merkt man auf Dauer, dass Piszczu eben kein Innenverteidiger ist und Ginter einfach kein konstant hohes Niveau erreicht. Zudem schwächelte der zentral im Mittelfeld agierende Guerreiro. Es bleiben also Zweifel an der Abkehr von der guten alten Viererkette. Und die Frage, was gegen das Duo Sokratis/Bartra in der Innenverteidigung spricht. Wie wäre es außerdem mit einer Rückkehr von Guerreiro nach links hinten?

Schlecht gespielt, Chance genutzt. Das schließt natürlich an Punkt 1 an. Aber da ich nur die letzte halbe Stunde der Partie am Freitag sehen konnte, beschäftige ich mich lieber noch mit der Zukunft. Die tabellarische Gegenwart zeigt, dass der Kampf um Platz 2 wieder offen ist. RB Leipzig hat erneut gepatzt und diesmal ist der BVB auf drei Punkte herangekommen. Allerdings bleibt auch der Kampf um Platz 3 offen, denn Hoffenheim ist mitgezogen. Wenn die Borussia ein schlechtes Spiel und die Länderspiel-Pause benötigt, um für die ganzen Knaller-Spiele – Schalke! Bayern! Monaco! – wieder voll da zu sein: so be it!

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter – Durm, Castro (83. Merino), Guerreiro (56. Weigl), Schmelzer – Pulisic (77. Schürrle), Kagawa – Aubameyang. Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Aubameyang

Später Punkt gegen Copy and Paste Ingolstadt

1. Bundesliga, 8. Spieltag / FC Ingolstadt 3 BVB 3

Da ist das Gefühl wieder: Borussia Dortmund macht vieles falsch, aber rettet einen Punkt in einem am Ende packenden Spiel. Wie gegen Hertha BSC. Doch wie vorletzten Freitag fühlt sich der Punkt nicht wirklich gut an.

Zusätzlich zu erwartbaren Veränderungen in der Startelf setzte Thomas Tuchel auf Roman Weidenfeller, Joo-Ho Park und Adrian Ramos. Zwei dieser drei Personalentscheidungen darf man nach der Partie wohl als falsch bezeichnen. Die Defensive sah gegen eine keinesfalls überirdische Offensive besonders schlecht aus. Bartra und Ginter vermitteln in der Innenverteidigung bei Weitem (noch?) nicht die Sicherheit der Kombination Hummels/Sokratis. Joo-Ho Parks Stellungsspiel ist teilweise schlichtweg katastrophal. Und all das und noch viel mehr kommt zusammen, wenn man sich zweimal den identischen Freistoß einschenken lässt.

Was der Borussia vor allem in der ersten Hälfte offensiv zu schaffen machte, war das aggressive Pressing der Gastgeber im Mittelfeld. Diese Taktik der BVB-Gegner – beherzt anlaufen, robust in die Zweikämpfe gehen, auf Fehler der Schwarz-Gelben und Konter lauern – kann aufgehen. Zumindest wenn sich unsere Abwehr so wacklig präsentiert wie heute. Doch gegen Ende schwinden den Gegnern wegen des lauf- und zweikampfintensiven Spiels häufig die Kräfte – der FCI lief gut drei Kilometer mehr als der BVB, bei nur 26 Prozent Ballbesitz.

Den Schwarz-Gelben fehlten heute in der ersten Halbzeit ein Ilkay Gündogan oder Henrikh Mkhitaryan in Bestform. Man hatte außerdem das Gefühl, dass die Motivation für die Partie beim Tabellenletzten etwas schwerer fiel als unter der Woche in Lissabon. In Ideenlosigkeit gegen eine kompakte Defensive kann man sich auch ergeben. Das wurde in den zweiten 45 Minuten nach einer vermutlich knackigen Halbzeitansprache von Thomas Tuchel besser. Bis auf zwei Minuten Tiefschlaf nach Aubameyangs Anschlusstreffer. Die Folge waren das 1:3 und eine weitere Großchance der Schanzer.

In der Schlussphase verdiente sich die Borussia fast noch mehr als einen Punkt. Der tolle Schuss des eingewechselten Passlack, Götze steht frei, Auba versuchts noch mal – es hätte schon früher zumindest 3:3 stehen können, nachdem Ramos bereits in der 69. Minute getroffen hatte. Gerade wir Schwarz-Gelben mögen ja Tore in der Nachspielzeit, manchmal kassieren wir sie auch. Diesmal traf Pulisic für den BVB im Nachschuss nach Piszczeks abgewehrtem Kopfball. Schon ziemlich lässig, so ’ne späte Bude, aber die Krönung wäre natürlich nur ein 4:3 gewesen. So aber ist die Borussia nur noch Sechster.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Ginter, Bartra, Park (46. Pulisic) – Weigl – Castro (59. Götze), Kagawa (73. Passlack), Dembélé – Aubameyang, Ramos. Gelbe Karte: Ramos. Tore: Aubameyang, Ramos, Pulisic

Kein Streichergebnis gegen Freiburg

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 3 SC Freiburg 1

Das ist der Rhythmus, bei dem man mit muss: Drei Tage nach Wolfsburg stand die schwarz-gelbe Borussia am Freitagabend schon wieder gegen den Sportclub Freiburg auf dem Platz. Respekt und Bewunderung für den Verein und Trainer Christian Streich sind bei mir gerade in Tagen wie diesen besonders ausgeprägt – das war schon vor der Partie so.

Thomas Tuchel ließ eine Elf beginnen, deren Zusammenstellung keinerlei Anlass zum Meckern bot. Eine Startelf-Chance für Mor über außen, die überfällige Rückkehr von Castro, die Heimpremiere für Götze, Piszczek nach Torerfolg erneut hinten rechts – alles richtig gemacht, auch rückblickend.

Die erste Chance hatten allerdings die Gäste: Vincenzo Grifo konnte allein vor Bürki den BVB-Keeper mit einem harmlosen Schuss allerdings nicht gefährden. Wer von den Schwarz-Gelben pure Dominanz sehen wollte, kam auch in der Folge nur phasenweise auf seine Kosten. Aber sind wir wirklich schon so arrogant, dass wir die nötig haben? Nach meinem Verständnis von Sport sind 6:0-Siege nur etwas zum Feiern, wenn sie nicht Alltag werden. Weiterlesen →

Menschen, Tore, Sensationen

1. Bundesliga, 3. Spieltag / BVB 6 SV Darmstadt 98 0 und
Champions League, 1. Spieltag / Legia Warschau 0 BVB 6

War das eine goldene Woche? 12:0 Tore in Champions League und Liga. Während noch am Sonntag von der Geduld die Rede war, die mit dem neuen BVB nötig sei, gehen jetzt die Superlative aus. Was ist passiert?

Am Mittwoch trafen die Schwarz-Gelben auf einen Gegner, der nach längerer Zeit die Rückkehr auf die höchste europäische Ebene feierte. Doch schöne Choreografien nützten Legia nichts und gewalttätige Fans schon gleich gar nicht. Der polnische Hauptstadtklub – ohnehin schwach in die Saison gestartet – war überfordert. Anfällig bei flottem Flügelspiel, bei Standards und ganz allgemein im Stellungsspiel.

Thomas Tuchel hatte gleich mehrere Impulse nach dem enttäuschenden Auswärtsspiel in Leipzig gesetzt. Guerreiro spielte von Beginn an – und das zentral. Dembélé kam zurück ins Team und der zu Saisonbeginn leicht unzufriedene Pulisic bekam ebenfalls seine Chance. Was soll man sagen? Was für Volltreffer vom Trainer. Tuchel hatte seine Jungs richtig eingeschätzt, vom Leistungsvermögen und von der Galligkeit her. Mario Götze ließ seine Kritiker verstummen und schon am Mittwochabend hatte sich die Stimmung um die Borussia wieder gedreht.

Gestern zeigte Tuchel erneut, wie gut er mit dem Kader umgehen kann. Wenn Rotation so gut funktioniert, dann macht sie allen Sinn. Der Trainer gab Spielern, die bisher wenig Einsatzzeit hatten, ihre Chance. Olympionik Matthias Ginter durfte von Beginn an im Abwehrzentrum ran, Adrian Ramos ersetzte Aubameyang. Christian Pulisic wurde für seinen starken Auftritt in Polen belohnt. Gonzalo Castro war in Warschau nur eingewechselt worden und zeigte gegen Darmstadt sensationell, wieso er verdient wieder in der Startelf stand. Weiterlesen →

BVB verweigert Deadline Day

Während anderswo am Mittwoch Computer, Faxgeräte und scheinbar auch einige Samsung-Telefone heiß liefen, blieb es in der BVB-Geschäftsstelle am Rheinlanddamm mutmaßlich ruhig. Weder spektakuläre noch überhaupt irgendwelche Spielerwechsel vermeldete der Vizemeister in den letzten Tagen der Transferphase. In der Konsequenz umfasst der schwarz-gelbe Kader bis zum Winter 28 Spieler, sollte es keine vorzeitige Vertragsauflösung geben.

Gehen wir mal davon aus, dass die Borussia nicht den Ronny macht. Thomas Tuchel ist einer gewissen Rotation nicht abgeneigt, gilt aber auch als Trainer, der gerne mit einem überschaubaren Kader arbeitet. Es wird in der gerade gestarteten Hinserie zweifellos Härten geben und es könnte auch nachhaltig unzufriedene Spieler geben.

Wen könnte das betreffen? Es gibt jene Akteure, die sich wohl keine großen Hoffnungen auf einen Stammplatz ausrechnen und auch wenig dafür getan haben, ihn sich zu verdienen. Dazu fällt einem als erstes Joo-Ho Park ein, der die Borussia in absehbarer Zeit wieder verlassen dürfte. Dann ist da Nuri Sahin, der nach seiner Rückkehr nie zu früherer BVB-Form zurückfand, länger verletzt war, aber immer noch einen Bonus bei Teilen der Fans hat und zurück in die Mannschaft will.

Die Perspektiven der Olympia-Fahrer Bender und Ginter mögen etwas besser sein, aber höchstens einer von ihnen dürfte den Weg zurück in die Startelf schaffen. Sportlich ist das angesichts der Konkurrenz nachvollziehbar, aber die beiden sind Sympathieträger, die man gerne langfristig in schwarz-gelb sehen würde. Erik Durm wird es nach seinen Verletzungsproblemen auch erst mal schwer haben.

Und dann sind da noch die internaionalen jungen Talente, die mit den Füßen scharren. Spätestens nach den Mega-Transfers Schürrle und Götze dürfte klar sein, dass nicht für alle von ihnen Platz in der Startelf oder auch nur im Kader ist. Wie werden das Mikel Merino oder Emre Mor verkraften?

Kurzum, ganz wohl kann einem bei diesem großen Kader nicht sein. Es scheint sich auch in Dortmund einzubürgern, dass man sich viele Gedanken über Neuverpflichtungen macht, um nur ja schnell genug zu sein – und sich erst dann möglichen Abgängen zuwendet. Rein finanziell kann man sich das Riesenaufgebot ja leisten. Nur bewegt man sich so mehr in Richtung Premier League, als Watzke & Co zugeben wollen.

Tuchel macht das Derby spannend

1. Bundesliga, 29. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 2

Von der Spannung her war das heute ein Derby wie in besten Zeiten – letztlich eng, mit Toren und Gesprächsstoff. Ob ihm von Dortmunder Seite die Bedeutung beigemessen wurde, die ihm zustand? Acht Mal Rotation ist schon heftig. Einiges konnte man nachvollziehen – die Pause für Aubameyang, den viel beschäftigten Mkhitaryan, für Schmelle. Ebenso die Einsätze für Pulisic oder Ginter. Aber ein Moritz Leitner, der ohnehin Wochen nicht gespielt hat, im Derby? No way.

Die erste Hälfte deutete an, wie die Partie mit einem BVB in Normalbesetzung wohl geendet hätte. Spielaufbau und -kultur waren bei den Gastgebern kaum erkennbar. Die Härte hatten die Blauen, kaum unterbunden von Schiedsrichter Zwayer, trotz mehrerer Ellbogenchecks. Die Borussia hätte mit einer zupackenderen Herangehensweise plus ein, zwei entscheidenden Pässen das Spiel in dieser Phase womöglich schon entscheiden können.

In der zweiten Halbzeit hatte Schalke zweimal eine Antwort auf Dortmunder Tore parat. Shinjis frechem Lupfer über Fährmann und Ginters Kopfball nach Ecke standen ein Strafraumgewusel-Tor von Sané und ein diskussionswürdiger Elfmeter von Huntelaar gegenüber. Letzterer sammelte wohl übrigens bei keinem Schwarz-Gelben Sympathiepunkte.

Der BVB hatte im Anschluss noch einige Gelegenheiten, auch die Gastgeber spielten munter mit. Doch es bleibt das Gefühl, dass hier deutlich mehr zu holen gewesen wäre. Wie hätte Thomas Tuchel wohl aufgestellt, wenn gestern der VfB triumphiert hätte? Vielleicht ist man aber in einer Woche, in der Jürgen Klopp in Dortmund war, auch nur besonders empfindlich, was die Emotionalität – oder deren Fehlen – rund um ein Derby angeht. Sollte die Rotation heute zum Weiterkommen am Donnerstag führen, wäre ja auch fast alles wieder gut.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Bender, Sokratis, Hummels (46. Mkhitaryan), Durm – Sahin, Leitner (73. Aubameyang) – Pulisic (73. Gündogan), Kagawa – Ramos. Gelbe Karten: Sahin, Sokratis, Durm. Tore: Kagawa, Ginter

Leere Hände in Hamburg

1. Bundesliga, 13. Spieltag / Hamburger SV 3 BVB 1

Warum spielt dieser HSV eigentlich nicht in der zweiten Liga? Vermutlich haben sich auch andere BVB-Fans schon diese Frage gestellt. Ausgerechnet gegen Schwarz-Gelb sahen die Hanseaten zuletzt oft gut aus. Was an der Elbe sonst so los war, haben alle mitgekriegt. Aber wir haben ja auch schon Hoffenheim zum Klassenerhalt verholfen.

In dieser Saison, so scheint es, hat Bruno Labbadia das sinkende Schiff abgedichtet und den HSV im Mittelfeld der Liga etabliert. Drei Punkte gegen die Borussia helfen da natürlich ungemein. Warum es wieder geklappt hat? Muss man vor allem unsere Mannschaft fragen. Leider konnte ich das Spiel wider Erwarten nicht live sehen. Die Gegentore sprechen aber auch in der Zusammenfassung Bände.

Warum das Abwehrverhalten ausgerechnet gestern so desolat war, von Fehlpässen und leichtsinnigen Entscheidungen über Zögerlichkeit bis hin zu Mats Hummels‘ bezeichnendem Eigentor, darüber kann man nur spekulieren. Man darf auch hoffen, dass es im Heimspiel gegen den VfB wieder besser aussieht. Was sich trotzdem abzeichnet und im erfolgreichen ersten Saisondrittel nur verdeckt wurde: Die Viererkette ist immer noch nicht Ligaspitze. Ginter und Schmelzer zeigen gute Spiele, aber auch immer wieder ihre Defizite – der eine eher defensiv, der andere offensiv und im Stellungsspiel. Und wenn dann noch ein Innenverteidiger im Formtief steckt …

Trotzdem: Dass Bayern Meister wird, war spätestens nach deren Siegen über Wolfsburg und uns ohnehin klar. Die Tabellenposition, die der BVB jetzt innehat, ist mehr als man erwarten konnte. Vielleicht taugt die in letzter Zeit leider zu häufige Pleite gegen den HSV ja tatsächlich als „Denkzettel“, wie es Matthias Dersch für die „Ruhr Nachrichten“ formulierte.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter (46. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl – Mkhitaryan, Gündogan, Kagawa (46. Castro), Reus (69. Januzaj) – Aubameyang. Gelbe Karte: Bürki. Tor: Aubameyang