Keine Tore ohne Auba

1. Bundesliga, 18. Spieltag / BVB 0 VfL Wolfsburg 0

Für Spannung allein gibt es noch keine drei Punkte: Zum Rückrundenauftakt vergibt Borussia Dortmund die Chance auf dem Silbertablett, tabellarisch wieder zur zweiten Kraft im deutschen Fußball zu werden. 0:0 zu Hause gegen Wolfsburg – das ist (noch) nicht die ersehnte Fortsetzung des Stöger-Aufbruchs. In einem waren sich danach aber wohl alle Schwarz-Gelben einig: Mit dem suspendierten Pierre-Emerick Aubameyang hätte man die Partie gewonnen.

Baustellen, die keiner braucht

Aubameyang war am Samstag nicht zu einer wichtigen Teamsitzung erschienen, in der es „um einen gemeinsamen Verhaltenskodex, um gemeinsame Ziele“ ging, wie Michael Zorc erläuterte. Fühlte sich unser Torjäger da thematisch eingeengt oder will er tatsächlich sogar einen Wechsel provozieren? Ich weiß nicht, ob man Auba so viel Kalkül unterstellen muss – die nächsten gut zwei Wochen werden uns schlauer machen. Was man schon sagen kann: Natürlich hat er es sich mit seinem Verhalten im Mannschaftskreis schwerer gemacht. Und natürlich verringern solche Aktionen die Chancen auf eine Zusammenarbeit über den Sommer hinaus.

Ist der BVB irgendwie selber schuld an der Entwicklung, wie ja auch der unglückliche Kommentar des Kicker-Redakteurs Wild nahelegte, den Aubameyang als beleidigend empfand? Nicht unbedingt in diesem Fall. Als ein Verein mit den Möglichkeiten der Borussia kannst du einen solchen Torjäger nicht einfach aussieben; du musst ihn managen. Ist der Verein zu streng, ist der Spieler bald weg. Auf der anderen Seite ist zu konstatieren, dass der BVB inzwischen recht weit entfernt scheint vom Teamgeist der Klopp-Meisterjahre. Natürlich müssen sich da auch diverse Verantwortliche hinterfragen. Weiterlesen „Keine Tore ohne Auba“

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Und die Defensive gewinnt Meisterschaften

Hans-Joachim Watzke ist an allem schuld: Das ist die Erklärung einer nicht unerheblichen Zahl von Kommentatoren für die derzeitige und bis vor zwei Wochen noch schwierigere Situation der Schwarz-Gelben. Zumindest kann man im Internet und  in sozialen Netzwerken diesen Eindruck gewinnen. Die wirken ja bekanntlich als Meinungsverstärker und ‚Polemisatoren‘. Wie viele der entsprechenden Beiträge von BVB-Fans stammen, ist noch mal eine andere Frage.

Was in ihnen als Begründung angeführt wird, ist häufig haarsträubend oberflächlich. Thomas Tuchel war erfolgreich, deshalb hätte man ihn nicht entlassen dürfen, sondern Aki hätte mal sein Ego zurückstellen sollen. Und überhaupt fing doch alles damit an, dass der Geschäftsführer den damaligen Trainer belog, als er ihm und der Öffentlichkeit sagte, Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan würden nicht in einem Sommer verkauft.

Beide Vorwürfe verkennen, wie das Fußball-Business heute funktioniert. Einerseits arbeiten in ihm immer noch Menschen. Wenn es zwischen denen nicht stimmt, dann wird es schwierig. Wie irreparabel das Verhältnis zwischen Thomas Tuchel und eben nicht nur Aki Watzke beschädigt war, können nur absolute Insider beurteilen. Genauso wie die Schuldfrage. Der ehemalige Chefscout Sven Mislintat hat sich hierzu recht eindeutig geäußert, die anderen Beteiligten haben sich offensichtlich zum Schweigen verpflichtet.

Die Macht der Spieler

Der zweite Aspekt: Es gibt nur eine Handvoll von Vereinen, die gegen die Launen ihrer Spieler immun sind. Denen der einzelne Spieler, und sei er noch so gut, letztlich egal sein kann. Die sagen können: Wir lassen dich gehen oder streiken oder auf der Tribüne sitzen und es macht uns nichts aus. Weil wir auf jeden Fall gleichwertigen Ersatz finden. Borussia Dortmund gehört nicht zu diesen Vereinen. Hans-Joachim Watzke weiß das sicher, hat aber womöglich die Ausstrahlung und Macht des eigenen Klubs ein wenig überschätzt – damals, als die drei Leistungsträger gingen. Eine Fehleinschätzung, aber keine unverzeihliche. Weiterlesen „Und die Defensive gewinnt Meisterschaften“

Gegen den Strom: Bürki verlängert bis 2021

Borussia Dortmund handelt antizyklisch und hat heute die Vertragsverlängerung mit Torwart Roman Bürki bis 2021 bekanntgegeben. In Gesprächen war man natürlich schon länger, doch der Zeitpunkt der Verkündung dürfte von den Ereignissen dieser Woche beeinflusst sein. Das legen auch die Worte von Michael Zorc nahe:

Wir mögen seinen Spielstil, sehen bei ihm ein großes Entwicklungspotenzial und gehen fest davon aus, dass er das, was in ihm steckt, schon bald wieder konstant abrufen wird.

Zorc lobte neben den sportlichen auch die menschlichen Qualitäten des Keepers. Die deutliche Unterstützung aus der Mannschaft nach Romans Aussetzer von Nikosia unterstreicht die Aussagen des Sportdirektors.

Wie ich schon im Artikel zum Spiel geschrieben habe: Ich halte Bürki für einen guten Torwart und insofern die Verlängerung für richtig. Er hat derzeit eine schwächere Phase, aber dafür können seine Vorderleute mehr als Roman selbst. Außer dem Doppelfehler vom Dienstag hat er sich keine haarsträubenden Fehler geleistet. Sagen wir es so: Bürki ragt nicht aus dem Team heraus, aber gewöhnlich hat dieses Team ja auch ein hohes Niveau.

Ihm jetzt das Vertrauen zu geben, halte ich für richtig. Es könnte Bürki stärken. Und wenn nicht bedeutet ein längerfristiger Vertrag ja nicht, dass der Spieler tatsächlich so lange bleibt. Sollte es nicht wieder bergauf gehen, sollten sich die Verantwortlichen am Saisonende für einen starken Konkurrenten entscheiden, wäre das eine neue Situation. Ein ehrgeiziger Torwart wird dann seinen Vertrag nicht aussitzen, weil er weiß, dass er kaum Chancen auf eine Rotation wie bei den Feldspielern hat. Noch gibt es aber keinen Grund anzunehmen, dass Roman bald in diese Situation geraten wird.

Der Haben-wollen-Transfer: Jadon Sancho kommt von Manchester City

Auch am letzten Tag der Transferperiode gingen die Aktivitäten bei Borussia Dortmund weiter. Doch es gab – außer Hendrik Bonmann – keine weiteren Abgänge mehr. Vielmehr haben die Schwarz-Gelben in letzter Minute noch Jadon Sancho von Manchester City geholt. Der 17-jährige englische Flügelspieler wurde bei der U17-EM in Kroatien zum Spieler des Turniers gewählt.

Der BVB zahlt laut Kicker sieben Millionen Euro an die Citizens, obwohl es hätte weniger sein können. Da Sancho in Manchester nur einen Ausbildungsvertrag hatte und diesen schon vor Wochen rechtmäßig kündigte, wäre über eine Entschädigung von einem Tribunal entschieden worden – dies hätte der Borussia aber zu lange gedauert.

Sancho gilt in England als großes Talent. Doch jetzt kommt das Aber: Nicht nur, dass wir Ähnliches auch von Emre Mor und Alexander Isak gehört haben. Jadon spielt auch noch auf einer Position – offensiv außen – die nun wirklich gut besetzt ist, spätestens seit Andriy Yarmolenkos Verpflichtung. Ob der Neuzugang da auf mehr Spielzeit kommt als etwa Mor – oder wenigstens genauso viel? Michael Zorcs Wortwahl deutet darauf hin, dass man Sancho langsam heranführen will und das dem Spieler auch dargelegt hat:

Wir sind überzeugt, dass wir diesem noch sehr jungen Spieler dabei helfen können, sein Spiel weiterzuentwickeln und mittelfristig eine echte Bereicherung für unser Team zu werden.

Fragt sich nur, wie lange Sancho Geduld haben wird. In Manchester sollte er zuletzt mit der zweiten Mannschaft trainieren – das ist in Dortmund ausdrücklich nicht vorgesehen. Doch trotz dieses ‚Fortschritts‘: Wie lange gibt sich ein junger Spieler damit zufrieden, vielleicht nicht mal im Spieltagskader zu stehen?

Was haben sich also die BVB-Verantwortlichen bei der Verpflichtung gedacht? Angeblich war man Jadon Sancho schon länger auf den Fersen. Auch der FC Bayern und Real Madrid sollen interessiert gewesen sein. Wollte man ihn nicht zu einem anderen Topklub gehen sehen? Wollte man den Ruf als Verein der Teenie-Stars nicht verlieren? Oder ist Sancho sogar ein wenig Spekulationsobjekt, da man ihn wohl selbst dann teurer verkaufen könnte, wenn er gar nicht für Schwarz-Gelb aufläuft? Was man sonst nur von BVB-Hassern hören würde, kommt einem in Tagen wie diesen gar nicht mehr so abwegig vor.

Sollte sich Jadon Sancho dagegen durchsetzen, werden andere Spieler nicht spielen. Wenn man mal von Einzelschicksalen weg aufs sehr große Ganze blickt, hat der BVB sein erklärtes Ziel, den Kader zu verkleinern, krachend verfehlt. Ja, man liegt mit 29 Mann knapp unter den 30. Aber angestrebt waren um die 25 und selbst das ist noch mehr als genug. Es wird viele Unzufriedene geben und natürlich auch höhere Ausgaben für Gehälter als eigentlich nötig. Der BVB passt sich in vielem dem Gebaren der ‚Superklubs‘ an und das ist ausgesprochen zweifelhaft.

Maximilian Philipp quetscht sich ins offensive Mittelfeld

Borussia Dortmund hat sich die Dienste eines 23-jährigen deutschen U21-Nationalspielers gesichert: Maximilian Philipp kommt vom SC Freiburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2022. Seine Qualitäten?

Er ist im offensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbar, abschlussstark und hat eine glänzende Perspektive.

Das ist der O-Ton von Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer. So weit, so gut. Für sich genommen ist das eine Top-Verpflichtung. Der Berliner Philipp reifte in seiner Zeit in Freiburg zum gestandenen Profi, dem jetzt der nächste Schritt zuzutrauen ist.

Reden wir über das, worüber Zorc und der Verein nicht sprechen. Zunächst die Ablöse: Laut Kicker beträgt sie 20 Millionen Euro, wobei unklar bleibt, ob das ein Sockelbetrag ist oder die maximal zu erzielende Summe nach erfolgsabhängigen Aufschlägen. Für den SC Freiburg ist es in jedem Fall der Rekordtransfer, der die nicht in Abrede zu stellende Schwächung des Teams hoffentlich abmildern kann. Maximilian Philipp hält das für ihn gezahlte Geld sogar für übertrieben. Für den BVB ist es ein beträchtlicher Betrag, den sich der Klub aber natürlich leisten kann, zumal ja leider bald noch ein großer Abgang anstehen dürfte.

Schwieriger wird die Geschichte, wenn man bedenkt, dass die Borussia letztlich 20 Millionen in einen Stand-in für Marco Reus investiert. Natürlich muss man für alle Eventualitäten planen; auch dafür, dass Marco in der kommenden Saison möglicherweise erst spät eingreifen kann. Aber stehen für die drei Positionen im offensiven Mittelfeld nicht jetzt schon mehr als genug Alternativen im Kader? Das sollte man zumindest meinen, wenn man das Talent oder die gezahlten Ablösesummen dieser Spieler betrachtet: Ousmane Dembelé, Christian Pulisic, Marco und Shinji, Emre Mor, André Schürrle und Mario Götze. Sieben Mann ohne Philipp und ohne Nachwuchskräfte, die vielleicht auch mal einen Einsatz verdient hätten.

Mir fehlt da ein wenig Problembewusstsein. Beim Verein und auch bei manchen Fans. Neuverpflichtungen werden bejubelt, aber es wird kaum darüber nachgedacht, ob wir noch einen ausgewogenen Kader haben. Oft ist es deutlich schwerer, Spieler loszuwerden als sie zu verpflichten. Die Konsequenz aus dem an sich zu begrüßenden Philipp-Transfer müsste sein, dass jene Akteure, die enttäuscht haben, gehen. Etwa André Schürrle oder Emre Mor, den man im Idealfall verleihen würde. Doch vor allem bei Ersterem dürfte ein Abgang kompliziert werden.

Wie es bisher aussieht, werden auch in diesem Jahr manche Bereiche (Mittelfeld, Innenverteidigung) übervoll besetzt, andere stiefmütterlich behandelt. Ein BVB-Verantwortlicher, es könnte Michael Zorc, aber auch Jürgen Klopp gewesen sein, äußerte einmal, dass man speziell in der Außenverteidigung dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben wolle. Das hat nur bedingt geklappt. De facto ist es einfach so, dass dort eine der größten Schwachstellen der Schwarz-Gelben liegt. Marcel Schmelzer etwa ist ein solider Spieler, aber das Standing, das er im Verein und bei einem Teil der Fans genießt, korrespondiert eher mit seiner Vereinstreue als mit seinen Leistungen. Er ist nicht schlecht, aber es ginge eben besser. Das Mindeste wäre ein ernstzunehmender Konkurrent. Denn der Offensivstil, den Peter Bosz spielen möchte, verlangt einfach nach starken Außenverteidigern.

Hurra, der Holländer ist da: Peter Bosz wird BVB-Trainer

(Updated) Heute Nachmittag wurde der neue BVB-Trainer vorgestellt: Peter Bosz, bisher Ajax Amsterdam. Der 53-jährige Niederländer hat einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Bosz spielte für kurze Zeit mal bei Hansa Rostock, dürfte aber den meisten deutschen Fußballfans erst in der abgelaufenen Saison als Ajax-Trainer ein Begriff geworden sein – wenn überhaupt. Ein aus hiesiger Sicht unbeschriebenes Blatt also – ich finde das gut.

Die Medien werden das Blatt jedoch bald füllen. Es wird bereits berichtet, dass Peter Bosz im Streit von Ajax geschieden ist. Nicht wegen des BVB-Angebots, sondern weil es unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich Taktik und Training gegeben haben soll. In Amsterdam gibt es scheinbar unterhalb der Führungsebene noch eine Reihe von Experten, die da mitreden. Dennoch glaube ich, dass dieses Hintergrundrauschen für Borussia Dortmund nicht relevant sein wird: Sicher wurden im Nachgang der Dissonanzen mit Tuchel die Kompetenzen klar geregelt. Außerdem vertritt Bosz eine Philosophie, die offensichtlich gut zum BVB passt: Er setzt auf Offensive und junge Spieler.

Die Verpflichtung beinhaltet ein gewisses Risiko und eine Ablöse fließt auch. Doch zumindest Ersteres wäre mit keinem greifbaren Trainer anders gewesen. Ich bin froh, dass wir keinen aktuellen Bundesligatrainer abgeworben haben und freue mich auf eine spannende Saison. Über Jürgen Klopp habe ich mich bei seiner Verpflichtung riesig gefreut, Thomas Tuchel habe ich sportlich für eine gute Wahl gehalten. Die Zweifel bestanden in anderer Hinsicht: „Das Einzige, was er beweisen muss, ist seine Loyalität.“ Dass Favre nicht kommt, ist absolut in Ordnung. Ich hoffe, dass ich auch bei Peter Bosz richtig liege: Er scheint ein positiver Trainer zu sein, der frischen Wind bringt. Seine Trainer-Vita mit Auf- und Abstieg, mit Europa League-Finale, sehe ich aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten bei seinen Vereinen ebenfalls positiv.

Der erste Eindruck von der PK heute Nachmittag: erneut überaus positiv. Bosz spricht nicht nur fließend Deutsch, er bewies auch Sinn für Humor. Er war höflich, bescheiden, freundlich. Gut, diese drei Eigenschaften zeigte auch Thomas Tuchel bei seiner Vorstellung. Bei Peter Bosz wirken sie aber absolut authentisch. Vielleicht neigt man als Fan ein wenig zur Einbildung, aber die Stimmung zwischen Bosz, Aki Watzke und Susi Zorc schien sehr entspannt bis gelöst. Oder sagen wir einfach: Vom Feeling her ist das ein ziemlich gutes Gefühl.

Es entstand auch der Eindruck, dass Verein und Trainer vom Ansatz her sehr gut zusammenpassen. Bosz lässt gerne offensiv spielen, das hob auch Michael Zorc nochmals hervor. Beim BVB hat er dazu absolut die Möglichkeiten. Um nicht falsch verstanden zu werden: Kein Experte, kein Journalist und kein Fan kann seriös voraussagen, wie die Umstellung klappt. Borussia Dortmund ist einfach ein anderer Verein mit anderen Eigenschaften als Ajax, Maccabi Tel Aviv oder Vitesse. Aber das Handwerk beherrscht Peter Bosz und die menschliche Ebene scheinbar auch. Ich freue mich darauf, wenn es wieder los geht! Personell wird sich bis dahin ohnehin noch einiges tun.

Vertragsverlängerungchen: Nuri Sahin bleibt bis 2019

Gerade noch hat ihn wieder mal das Verletzungspech ereilt: In Mönchengladbach zog sich BVB-Mittelfeldspieler Nuri Sahin einen Außenbandteilriss zu und wird frühestens im letzten Saisonspiel oder im Pokalfinale wieder auflaufen können. Doch was unser Eigengewächs in seinen wenigen Einsätzen der letzten Wochen gezeigt hat, scheint den Vereinsverantwortlichen gereicht zu haben: Nuri Sahin und die Borussia verlängern ihre Zusammenarbeit bis Juni 2019. Sportdirektor Michael Zorc sagte dazu unter anderem folgendes:

Auch wenn Nuri in den vergangenen beiden Jahren Pech mit Verletzungen hatte, hat er doch immer wieder gezeigt, dass er zurückkommen und einen sehr wichtigen Part in unserer jungen Mannschaft ausfüllen kann.

Natürlich weiß Nuri, dass jetzt ein ungünstiger Zeitpunkt für einen Wechsel wäre. Aber natürlich hat man auch auf Vereinsseite seine Verletzungsanfälligkeit ins Kalkül gezogen. Insofern macht eine Vertragsverlängerung um (nur) zwei Jahre für beide Seiten Sinn: Nuri ist heute 28 – Kinder, wie die Zeit vergeht. Mit 30 könnte er noch mal zu einem halbwegs ambitionierten Klub wechseln, wenn es nötig werden sollte. Der BVB sichert sich eine Integrations- und Identifikationsfigur, was bei einer jungen und veränderten Mannschaft schon mal per se Sinn macht.

Ob es sich für den Verein direkt sportlich auszahlt, ist noch mal eine andere Frage. Ich war damals skeptisch, als Nuri und Shinji Kagawa aus England zurückgeholt wurden. Bis zur aktuellen Rückserie dürften die meisten Beobachter diese Skepsis geteilt haben. Seither haben beide wieder eine Reihe guter Auftritte gezeigt – Shinji noch ein paar mehr als Nuri. Ob der Aufschwung von Dauer ist, lässt sich kaum vorhersagen. Noch haben sie ihr Spitzenniveau nicht erreicht und die Messlatte liegt hoch. Verletzungen helfen in aller Regel nicht.

Sagen wir es so: Wäre mit der Vertragsverlängerung eine deutliche Gehaltserhöhung verbunden, würde der Deal für den BVB keinen Sinn machen. Zu ähnlichen oder leistungsbezogeneren Bezügen dagegen schon. Und noch mehr dann, wenn Tuchel, Zorc und Watzke die Überbesetzung des Mittelfelds beheben und den Kader auf anderen Positionen stärken. Gerade in Zeiten wie diesen darf man sich außerdem auch mal ganz sentimental freuen, wenn uns ein langjähriger Schwarz-Gelber erhalten bleibt.

Klaus, Susi, Aki und die Kuba-Frage

Bei Mario Götze mag das alles etwas komplizierter gewesen sein. Im Fall Jakub „Kuba“ Blaszczykowski kommen nicht nur Verschwörungstheoretiker auf die Idee, dass hier zwei Transfers miteinander verknüpft werden sollen. Der Kicker meldete gestern Abend, dass der Wechsel von Kuba zum VfL Wolfsburg perfekt sei. Für 5 Millionen Euro soll der polnische Nationalspieler zum Ligakonkurrenten wechseln. Bekanntlich ist es gerade mal  zehn Tage her, dass André Schürrle für 30 Millionen den umgekehrten Weg gegangen ist.

Im Gegensatz zu manchem Fan, der sich noch nicht so recht mit dem Ende der Klopp-Ära anfreunden mag, halte ich den ‚Tausch‘ für sportlich allemal sinnvoll. Kuba ist nicht mehr der spritzige, dribbelstarke Außenbahnspieler aus seinen besten BVB-Zeiten. Dass Schürrle unter Tuchel wieder zu einem solchen wird, ist lediglich ein Versprechen, aber eines, das nicht unglaubwürdig klingt.

Selbstverständlich darf aber über die bezahlten Summen diskutiert werden. 30 Millionen für einen Spieler ohne längerfristige Konstanz sind happig. Jedoch immerhin weniger als der VW-Klub für Schürrle an Chelsea überwies – so dachte man. Nun könnte, sollte sich die Meldung bestätigen, Kuba für eine trotz seines Alters moderate Summe nach Wolfsburg gehen. Eine Lösung, mit der beide Seiten das Gesicht gewahrt hätten. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Personalie Blaszczykowski schon bei den Schürrle-Verhandlungen auf dem Tisch war.

Klar: Weder ist das Ding schon offiziell, noch werden die Vereine irgendwelche Transfersummen bestätigen. Das macht ja heutzutage keiner mehr. Auch Zusatzklauseln sind meistens Medienspekulationen oder werden zumindest nicht von den offiziellen Vereinskanälen veröffentlicht. Doch es spricht einiges dafür, dass das Verrechnen von Spielern nun auch in Dortmund Einzug gehalten hat.

Hereinspaziert, Sebastian Rode!

Nun geht es Schlag auf Schlag: Kurz nachdem Marc Bartra einen Vertrag beim BVB unterschrieben hat, landet bereits der nächste Neuzugang in Dortmund. Medizincheck, Unterschrift, Sebastian Rode ist ein Borusse. Der 25-jährige defensive Mittelfeldspieler kommt vom FC Bayern und soll, da scheiden sich die Medien, 10 bis 15 Millionen Euro kosten. Sein Vertrag läuft bis 2020.

„Sebastian Rode ist ein dynamischer, zweikampfstarker und charakterlich ungemein wertvoller Spieler“, sagt Michael Zorc. „Ich bin von Kindesbeinen an BVB-Fan und freue mich schon deshalb sehr, dass es mit dem Transfer zu meinem Lieblingsklub geklappt hat“, sagt Sebastian Rode. Tatsache bleibt, dass er vor zwei Jahren zum FC Bayern gewechselt ist und nun vor allem aufgrund geringer Einsatzzeiten das Weite gesucht hat. Ob schon bei den Hummels-Verhandlungen über Rode gesprochen wurde, dürften Aki Watzke oder Susi Zorc sicher bald mal von einem Journalisten gefragt werden.

Nun kann man sicher anmerken – und ich habe das bereits getan – dass im zentralen Mittelfeld der Borussia auf den ersten Blick kein Spielermangel herrscht. Da sind Weigl, der zur EM fährt, Neuzugang Merino, der gute ‚alte‘ Sven Bender, Sahin, Ginter. An was es vielleicht mangelt, ist ein Spielertyp: zweikampf- und gleichzeitig mental stark. Einer, der nie nachlässt und nie aufgibt. Kann Sebastian Rode das erfüllen, könnte er im BVB-Mittelfeld wirklich einschlagen und ein wertvoller Akteur werden.

Vielleicht müssen wir künftig mehr als bisher damit leben, dass es auch im Kader der Borussia unzufriedene Spieler gibt. Weil viele Positionen mehrfach besetzt sind. Vielleicht gehört das zu den Geheimnissen der absoluten Spitzenklubs dazu – nicht die Unzufriedenheit, aber die Möglichkeit des Trainers, auf alle Eventualitäten eine überzeugende personelle Antwort zu haben. Es ist schade, dass dann auch verdiente Spieler mit ihrer Nichtberücksichtigung rechnen müssen. Überdrehen sollte man das mit der Kaderdichte aber auch nicht. In diesem Sinne, nun sind andere Positionen dran!

Bender dehnt seinen Vertrag aus

Es war ein guter Tag für Wortspiele – und die ließen nicht lange auf sich warten. Sven ‚Manni‘ Bender, ebenso bekannt für seine Blessuren unterschiedlichster Art wie für seine unverwüstliche Spielweise, hat seinen Vertrag bei Borussia Dortmund verlängert. Der 26-jährige defensive Mittelfeldspieler ist bereits seit 2009 ein Schwarz-Gelber und wird es nun laut Kontrakt bis 2021 bleiben. Lassen wir dazu Sportdirektor Michael Zorc zu Wort kommen:

Sven paart in seiner Spielweise Kompromisslosigkeit mit vorbildlicher Fairness und ist sowohl sportlich als auch menschlich seit vielen Jahren ein wertvoller Eckpfeiler  unserer Mannschaft!

Auch Manni selbst äußerte sich sehr positiv und dazu noch einen Wunsch:

Ich bin extrem froh, das schwarzgelbe Trikot auch in Zukunft tragen zu dürfen. Es würde mich freuen, wenn in den kommenden Wochen der eine oder andere meiner Mannschaftskollegen nachziehen würde.

Damit sind natürlich Eckpfeiler des Teams wie Gündogan, Mkhitaryan und Hummels gemeint. Über Benders Vertragsverlängerung war dagegen zuletzt selten gesprochen worden – eher über einen möglichen Abgang. Nach diversen Verletzungen war Manni auch bei Thomas Tuchel nicht erste Wahl im defensiven Mittelfeld. Es heißt, in Zukunft sei unsere Nummer 6 eher in der Innenverteidigung eingeplant.

Dass Bender trotzdem bleibt, ist erstens mutig und zweitens ein tolles Zeichen der Verbundenheit mit seinem Verein. Denn ein Selbstläufer wird es für ihn nicht. Sportlich sehe ich ihn eigentlich im Mittelfeld im Vorteil, denn das Anfangshoch von Julian Weigl ist abgeebbt. Dass er alles in allem ein besserer Innenverteidiger als Subotic, Sokratis oder gar Hummels ist, wage ich dagegen zu bezweifeln. Bei einem Weggang von einem der Genannten könnte allerdings Benders Umschulung vollendet werden.

Unabhängig von diesen konkreten Überlegungen steht Sven Bender unserem Kader sportlich nach wie vor gut zu Gesicht. Als Typ muss man ihn nicht nur wegen seiner langen Zeit in schwarz-gelb sowieso gern haben. Gerade in der heutigen Zeit ist dieses Gefühl mehr als nur Nostalgie.