Ende der Überheblichkeit: Schürrle darf gehen

(Updated) Glaubt man den zugegebenermaßen nie bestätigten Gerüchten, dann war die Verpflichtung von Andre Schürrle durch den BVB ein Tuchel-Transfer und die Rückkehr von Mario Götze eine Watzke- und Zorc-Idee. Natürlich mussten die jeweils anderen Verantwortlichen diesen Mega-Deals zustimmen. Stand heute dürfen die beiden Transfers in unterschiedlichem Maße als Fehleinschätzungen aus Selbstüberschätzung gelten.

Thomas Tuchel glaubte offenbar, Andre Schürrle wieder zu dem Spieler machen zu können, den er aus Mainzer Zeiten kannte. Aki und Susi dachten wohl, sie könnten Mario ein Umfeld bieten, das ihn wieder zu alter Größe führen würde. Beides stellte sich als falsch heraus, auch wenn dabei natürlich Verletzungen eine Rolle spielten. Und es war nicht so, dass niemand vor den Transfers gewarnt hätte.

Die neue Offenheit

Gestern wurde nun bekannt, dass Borussia Dortmund Schürrle einen Vereinswechsel nahegelegt hat. Der 27-Jährige ist aus den USA, wo die Borussia gerade auf Tour ist, abgereist. Angeblich zu konkreten Verhandlungen, womöglich mit einem Verein aus der Premier League, womöglich mit Crystal Palace. Michael Zorc ist auf Nachfrage bemerkenswert offen mit dem Grund für Schürrles Fehlen umgegangen. Man habe dem Spieler gesagt, dass es auf den Außenbahnen schwer werde und man ihn auch nicht wirklich als Mittelstürmer sehe. Mit dieser Offenheit geben die Verantwortlichen einerseits ihre eigene Fehleinschätzung zu und signalisieren gleichzeitig, dass es ihnen ohne Rücksicht auf große Namen auf Leistung ankommt. Im heutigen Profifußball ist das zweifellos eine gesunde, essentielle Einstellung.

Die Verpflichtungen von Götze und Schürrle dürften auch etwas mit ihrem Status als deutsche Nationalspieler zu tun gehabt haben. Von dem Wunsch, unbedingt ein paar in den eigenen Reihen zu haben, sind die Verantwortlichen hoffentlich spätestens nach der WM in Russland geheilt. Während es spannend bleibt, wie es mit Götze weitergeht, waren die Defizite von Schürrle unübersehbar. Auch als er gesund war, auch und gerade in der Mitte, wo es nun mal um erzielte Tore geht und der BVB Bedarf hat.

UPDATE: Nun wissen wir: Andre Schürrle geht tatsächlich in die Premier League, allerdings zum Aufsteiger Fulham. Der BVB verleiht ihn für zwei Jahre und kassiert dafür eine angeblich sechsstellige Leihgebühr. Damit sparen die Schwarz-Gelben zwar Schürrles Gehalt, haben aber noch kaum etwas von der Ablöse wieder reingeholt. Dazu müsste er in London richtig einschlagen.

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Favres Start und Susis Geschäfte

Borussia Dortmund trainiert wieder und es fallen weitere Entscheidungen: Gestern wurde ein weiterer Transfer bekanntgegeben, über den seit gut einer Woche spekuliert würde. Der marokkanische Außenverteidiger Achraf Hakimi, vor Kurzem noch bei der WM im Einsatz, wechselt von Real Madrid zum BVB. Allerdings wird der 19-Jährige nur ausgeliehen, wenn auch für zwei Jahre.

Kommt da also der neue Philipp Lahm zur Borussia? Positiv ist selbstverständlich, dass auf seiner Position etwas getan wurde. Die Außenverteidigung gehört schließlich seit Jahren zu den schwarz-gelben Baustellen. Außerdem ist unsicher ob Raphael Guerreiro in Dortmund bleibt. Hakimi spielt hauptsächlich rechts hinten, kann aber auch links. Für Real kam er letzte Saison immerhin 17-mal zum Einsatz. Ein Transfer mit Potenzial ist das also zweifellos – nur nicht mit dem des Profits. Für den BVB wird er sich Stand jetzt höchstens spielerisch auszahlen. Wäre aber nicht das Schlechteste, wenn wir bald wieder eine überzeugende Außenverteidigung hätten. Mal schauen.

Dass das Geschäft überhaupt zustande kam, soll auch dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Aki Watzke und Real-Präsident Florentino Perez zu verdanken sein. Andere europäische Vereine waren wohl ebenfalls an Hakimi interessiert.

Yarmolenko in die Premier League

Der Kader ist gestern jedoch nicht noch größer geworden, denn es gibt auch einen Abgang zu vermelden. Andriy Yarmolenko, als Dembelé-Ersatz geholt und stark gestartet, verlässt Dortmund in Richtung London. Der Außenstürmer geht zu West Ham United, die derzeit auf großer Einkaufstour sind. Der Kicker berichtet von einer Ablöse um die 20 Millionen Euro, was einen Verlust von rund fünf Millionen bedeuten würde. Der sportliche Verlust scheint überschaubar, aber diese Einschätzung wird sicher auch durch Verletzungspech und die bescheidene Mannschaftsleistung beeinflusst. Bleibt zu hoffen dass Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nächsten Sommer zufriedener auf ihre Transfers zurückblicken können.

Der, der in dieser Frage eine große Rolle spielen wird, hatte nun seine ersten Auftritte in Dortmund. Lucien Favre auf der Pressekonferenz und dem Trainingsplatz. Auf letzterem fühlte er sich sichtlich wohler. Am flüssigsten sprach Favre vor den Journalisten, als es um seine präferierte Taktik ging. Mit Pressesprecher Sascha Fligge ist der Trainer per Sie. Was alles vollkommen OK ist, wenn hinter verschlossenen Türen vertrauensvoll kommuniziert wird. Die Hoffnung ist da und nicht gering, aber es bleibt spannend.

Zwei Schweizer fürs Tor, zwei Tore für Mainz – und jetzt?

Wie oft hat man sich selber bei dem Gedanken ertappt, wie oft hat man es andere BVB-Fans sagen hören: Zum Glück ist diese Bundesligasaison bald vorbei. Auch am letzten Samstag enttäuschten die schwarz-gelben Jungs wieder all jene, die einen Aufschwung, eine positive Entwicklung in dieser Spielzeit noch für möglich hielten. Nach gerade mal einem starken und einem ordentlichen Spiel. Ich konnte die Partie nicht sehen. Aber nach allem was man hört, muss es grausig gewesen sein.

Das Problem mit dieser Saison ist ja, dass niemand, der sich Borussia Dortmund mit klarem Kopf anschaut, genau sagen kann, was los war. Die Einschätzungen selbst zwischen den Fans gehen weit auseinander. Natürlich gibt es die Polemiker aus dem eigenen und vor allem den anderen Lagern, aber die lasse ich mal außen vor.

Ich persönlich bin etwa der Meinung, dass uns Marcel Schmelzer nicht mehr weiterhilft. Ich sage das nach jahrelangem Anschauungsunterricht. Meiner Meinung nach ist er kein guter, sondern ein durchschnittlicher Außenverteidiger. In dieser Saison hat sich auch gezeigt, dass er dem Team als Kapitän keine Impulse geben konnte. Für manche ist Schmelle allerdings eine Identifikationsfigur – eine der letzten. Ich kann den Gedanken nachvollziehen – aber darf das allein entscheidend sein?

Sieht die Borussia Lichtsteiner am Ende des Tunnels?

Es wird also auch nach Samstag viel diskutiert werden im schwarz-gelben Umfeld. Einiges wird passieren. Derzeit sieht es ganz danach aus, dass es deutlich schweizerischer zugehen wird in Dortmund. Marwin Hitz kommt vom FC Augsburg, um sich wie in der „Nati“ hinter Roman Bürki einzureihen. Oder doch mehr? Für die Borussia ist das eine komfortable Situation, derer sich Hitz bewusst war, als er zusagte.

Spekuliert wird außerdem über eine Verpflichtung von Stephan Lichtsteiner, 34- jähriger Rechtsverteidiger, ebenfalls Schweizer und zuletzt bei Juventus tätig. Kommt es zu diesem Transfer, dann darf wohl als gesichtert gelten, dass der nächste BVB-Trainer Lucien Favre heißt. Denn Michael Zorc wäre auf diesen Namen mit Sicherheit nicht gekommen.

Tuchel, Bosz, Stöger und jetzt also Favre? Was sagt uns das? Auch das wird zu diskutieren sein, aber noch nicht jetzt. Denn da kommt ja noch ein Spiel, das dank schwarz-gelber Unfähigkeit doch wichtig ist. In Hoffenheim darf man nun höchstens knapp verlieren, um sicher in der Champions League zu sein. Klingt machbar, aber das haben wir in dieser Saison schon öfter gedacht. Vermutlich wird Peter Stöger wieder einige Wechsel vornehmen. Sokratis ist ja schon mal gesperrt, Toprak droht verletzt auszufallen. Vermutlich wird man sich irgendwie durchwürgen, bevor es dann endlich wirklich vorbei ist. Dann wird geredet und hoffentlich auch gehandelt.

Gut dass er kommt – ihr könnt ihn Motzki nennen!

Wer nach den Partien gegen den FC Schalke und Salzburg auch das dritte Desaster der schwarz-gelben Borussia in dieser Saison verfolgt hat, zweifelt nicht mehr daran: Es muss sich etwas ändern. Auf mehreren Ebenen. Ich habe die Partie in München nur am Rande mitbekommen. Darüber bin ich heute nicht traurig. Über den aktuellen Zustand des BVB aber natürlich schon ein wenig.

Nun hat Michael Zorc gestern im ZDF bestätigt, dass sich der Verein mit Matthias Sammer auf ein Engagement als „externer Berater“ geeinigt hat. Mit Sebastian Kehl sei man auf einem guten Weg – der Ex-Kapitän soll die Lizenzspieler-Abteilung leiten. Ein Posten, den es so bisher nicht gab. Letztlich darf man sich ihn als ein Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Sportdirektor einerseits sowie Mannschaft andererseits vorstellen. Dabei dürfte es viel um atmosphärische Dinge gehen.

Spannender erscheint die Rolle von Sammer, selbst wenn dieser nicht formell in die Vereinsstrukturen eingebunden wird. Unser ehemaliger Meistertrainer soll sich turnusmäßig mit den BVB-Entscheidern treffen und vermutlich sowohl strategische als auch ganz konkrete, etwa personelle Dinge diskutieren. Nachdem sich die Beziehung zu Sammer während dessen Bayern-Zeit stark abgekühlt hatte, ist man sich inzwischen wieder nähergekommen. Und angeblich hat der Sachse durchaus noch etwas für die Borussia übrig.

Aus dem Fernsehen geholt

Nun gibt es natürlich wieder Kritiker, die die beiden Personalien als erneute „Rückholaktion“ oder als Verzweiflungstat von zwei Versagern darstellen, die nur einmal einen Glücksgriff mit Jürgen Klopp tätigten. Die üblichen Online-Reflexe von außen eben. Ja, es handelt sich um zwei Ex-BVB-Angestellte und aktuelle TV-Experten. Aber natürlich ist Sebastian Kehl jemand, der weiß, wie eine Mannschaft tickt. Und natürlich kann man mal mit Matthias Sammer darüber diskutieren, wie man einem Team die richtige mentale Einstellung beibringt. Welche Leute du dafür brauchst. Es entscheidet ja immer noch die Geschäftsführung, man muss nicht immer einer Meinung sein.

Stellt sich die Frage, wie viel Substanz hinter der Eiferei von Sammer steckt, die man durchaus unsympathisch finden kann. Wegen seiner gelobten Tätigkeit als Eurosport-Experte wird Watzke ihn wohl nicht geholt haben. Ich kann zu der mangels Abo ohnehin nichts sagen. Matthias Sammer vertritt jedoch Werte, die man zwar nicht überbetonen sollte, die aber zweifellos für den BVB der Saison 2017/18 und den der kommenden Spielzeit wichtig bis entscheidend sind. Und man traut dem gebürtigen Dresdner auch einen Plan zu, wie die Schwarz-Gelben diese wieder verinnerlichen.

Ist es ein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe von außen zu holen? So eine Einstellung ist inzwischen zum Glück unmodern geworden. Ohne Zweifel gab es Versäumnisse von Aki Watzke und Michael Zorc in der Transferpolitik – die ich im letzten Artikel hier ja schon benannt habe. Aber die ganzen Kritiker in den Online-Kommentaren vergessen eine Tatsache oder lassen sie absichtlich weg: Der Busanschlag im letzten Jahr war etwas, das noch keine andere deutsche Profimannschaft so erleiden musste. Das betrifft zunächst die Menschen, die wirklich im Bus saßen. Aber natürlich war die Tat auch ein Schock, ein Einschnitt für Watzke und die anderen Verantwortlichen. Und hat auch für sie vieles erschwert.

Man kann mit den Ereignissen von 2017 nicht alles entschuldigen – aber den Spielern oder auch Watzke und Zorc jetzt Versagen vorzuwerfen, ist einfach unwahrscheinlich kurzsichtig und unsensibel.

Machen Zorc und Watzke den BVB fit für die Zukunft?

Es war nur noch eine Formalie: Kaum jemand dürfte überrascht sein, dass Michael Zorc bei Borussia Dortmund verlängert hat. Bis 2021 soll „Susi“ nun laut Vertrag Sportdirektor der Schwarz-Gelben bleiben – das neue Arbeitspapier von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke läuft ein Jahr länger.

So wenig überraschend diese Entscheidung von beiden Seiten war: Kritik an der Arbeit der zwei BVB-Verantwortlichen hatte es zuletzt schon gegeben. Hart und oft unsachlich in den Leserkommentaren diverser Sportmedien, in aller Regel von Menschen, die es nicht mit der Borussia halten. Aber auch in Fankreisen, auch in diesem Blog, waren Fragen gestellt worden. Vor allem nach der Qualität der Transferpolitik. Zorc und Watzke schienen ihr Augenmerk zu sehr auf die Offensive zu richten, auf junge, im Idealfall entwicklungsfähige Spieler, die einmal Stars werden sollten.

Im zentralen Mittelfeld glaubte man sich zu lange gut aufgestellt, setzte auf die glorreiche Vergangenheit (Nuri Sahin) oder zu schnell gehypte Akteure wie Dahoud und Weigl. Was die Abwehr anbetrifft, fällt nur die eklatante Überbewertung der vorhandenen Außenverteidiger negativ ins Gewicht. Dass die Hummels-Nachfolge ein schwieriges Thema werden würde, ist Michael Zorc nicht vorzuwerfen. Mit Marc Bartra holte man jemand, der in die Rolle hätte hineinwachsen können – wie einst Hummels selbst. Was dann passierte, wissen wir alle. Weiterlesen „Machen Zorc und Watzke den BVB fit für die Zukunft?“

Ist Lukasz Piszczek der Erlöser?

Man könnte fast denken, jetzt werde alles gut: Lukasz Piszczek, seit bald acht Jahren beim BVB, hat seinen Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2020 verlängert. Und von Vereinsseite gibt man sich alle Mühe, die Verlängerung in eine Reihe mit der von Marco Reus zu stellen.

Er ist eine Institution auf unserer rechten Abwehrseite. Wir haben nicht ohne Grund keines der zurückliegenden 31 Bundesligaspiele verloren, wenn Piszczu mit dabei war.

So weit die Lobeshymne von Michael Zorc. Und dann fragt man sich als kritischer Fan doch: Glaubst du wirklich, dass diese Statistik ursächlich so viel mit Piszczu zu tun hat? Oder glaubst du nur, als Sportdirektor noch ein bisschen mehr Aufbruchstimmung verbreiten zu müssen?

Leistung: knapper Durchschnitt

Wer die Spiele nach der Winterpause gesehen hat, in denen Lukasz Piszczek stets mitwirkte, dürfte jedenfalls weniger euphorisch reagieren. Ja, da stehen zwei Assists in der Bilanz. Aber hat Lukasz der Abwehr Stabilität verliehen, seine Seite dicht gemacht oder für Unruhe in der gegnerischen Defensive gesorgt? Nur sporadisch. Für die Rückserienpartien bekommt er vom „Kicker“ eine Durchschnittsnote von 3,72. Ob er das Heimdebakel gegen Salzburg hätte verhindern können?

Es ist aus meiner Tastatur nichts Neues, aber gerade auf den Außenverteidigerpositionen gibt sich die Borussia seit Jahren mit dem Altvertrauten zufrieden und holt allenfalls Ergänzungen, aber keine Alternativen. Raphael Guerreiro, der Marcel Schmelzer Konkurrenz machen könnte, wurde vor seinen Verletzungen hauptsächlich weiter vorne eingesetzt, obwohl er vor allem für links hinten verpflichtet worden war.

Mich stört nicht die Vertragsverlängerung mit Piszczu per se. Er ist nach wie vor ein ordentlicher Rechtsverteidiger. Aber es fehlen einfach die Alternativen, die zumindest perspektivisch die Qualität auf der Position noch steigern könnten. Unangebracht finde ich das glorifizierende Marketing, das jetzt um die Verlängerung betrieben wird. Richtig und wichtig ist dagegen das Lob dafür, dass Lukasz zweifellos eine große Identifikation mit dem BVB aufweist. Und glaubhaft ist, wenn er nun sagt:

(…) dieser Verein und diese Fans sind mir über die Jahre so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mich seit Jahren als echter Borusse fühle und nie im Ansatz den Wunsch verspürt habe, den BVB verlassen zu wollen.

Tristesse noir-jaune

54.300 Zuschauer waren am Montag im Westfalenstadion – so die offizielle Zahl. Das heißt, rund 27.000 Plätze blieben leer. Es war ein starkes Zeichen nicht nur gegen die Montagsspiele an sich, sondern auch gegen eine Entwicklung, zu der man sich verhalten muss. Natürlich gibt es die Leute, die den Ultrakommerz für den Gang der Dinge halten, einen Weg ohne Umkehrmöglichkeit. Die sich damit arrangieren. Und natürlich waren nicht alle gegen Augsburg Fehlenden wirklich Protestler. Es gibt Menschen, die es am Montag tatsächlich nicht ins Stadion schafften. Etwa viele Fans aus Augsburg. Manchem wird es zu kalt gewesen sein.

Andere wiederum dürften sich gefragt haben, was sie im Stadion erwartet. Um zur Ansicht zu gelangen: Nicht genug, um den Boykott zu boykottieren. Ich selbst hatte keine Lust, an einem Montagabend in die ferne Kneipe zu gehen, um Eurosport zu gucken. Gerade als Blogger macht es nicht wirklich Spaß, ein BVB-Spiel zu verpassen, aber es gibt Schlimmeres.

Elf Beamte sollt ihr nicht sein

Und was muss man sagen: Ein offensichtlich tristes Spiel in trister Stimmung gab uns Nichtschauern recht. Selbst Peter Stöger äußerte sich nach der Partie für seine Verhältnisse sehr unzufrieden, ganz zu schweigen von Michael Zorc. Die Schwarz-Gelben wollten den frühen Vorsprung verwalten, von „Beamtenfußball“ war die Rede. Die Gäste hatten am Ende mehr Torschüsse zu verzeichnen als die Borussia.

Michael Zorc dürfte derzeit so angefressen sein, weil er mehr und mehr realisiert, dass es tiefgreifender Änderungen an der Zusammensetzung und Einstellung des Kaders bedarf, um den BVB wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Und würde Aki Watzke seine Andeutungen bezüglich Vertragsgesprächen mit Stöger nach dieser scheinbar blutleeren Vorstellung so wiederholen? Dessen ‚tolle‘ Bilanz relativiert sich doch angesichts der Tatsache, dass zumindest in der Bundesliga Peter Bosz in der Hinserie noch erfolgreicher war – gegen dieselben Gegner.

Was zählt ist das, was jetzt kommt. Unter anderem Leipzig, Bayern und das Derby. Und natürlich RB Salzburg. Allzu optimistisch kann man da angesichts der letzten Auftritte nicht sein. Obwohl gegen die Großen wohl zumindest die Einstellung stimmen wird. Sollte das jetzt alles super laufen, spricht nichts gegen eine Verlängerung mit Stöger. Aber der sieht das selbst schon ganz richtig: Es gibt keinen Grund, in dieser hektischen, schwierigen Phase zu verhandeln.

Keine Tore ohne Auba

1. Bundesliga, 18. Spieltag / BVB 0 VfL Wolfsburg 0

Für Spannung allein gibt es noch keine drei Punkte: Zum Rückrundenauftakt vergibt Borussia Dortmund die Chance auf dem Silbertablett, tabellarisch wieder zur zweiten Kraft im deutschen Fußball zu werden. 0:0 zu Hause gegen Wolfsburg – das ist (noch) nicht die ersehnte Fortsetzung des Stöger-Aufbruchs. In einem waren sich danach aber wohl alle Schwarz-Gelben einig: Mit dem suspendierten Pierre-Emerick Aubameyang hätte man die Partie gewonnen.

Baustellen, die keiner braucht

Aubameyang war am Samstag nicht zu einer wichtigen Teamsitzung erschienen, in der es „um einen gemeinsamen Verhaltenskodex, um gemeinsame Ziele“ ging, wie Michael Zorc erläuterte. Fühlte sich unser Torjäger da thematisch eingeengt oder will er tatsächlich sogar einen Wechsel provozieren? Ich weiß nicht, ob man Auba so viel Kalkül unterstellen muss – die nächsten gut zwei Wochen werden uns schlauer machen. Was man schon sagen kann: Natürlich hat er es sich mit seinem Verhalten im Mannschaftskreis schwerer gemacht. Und natürlich verringern solche Aktionen die Chancen auf eine Zusammenarbeit über den Sommer hinaus.

Ist der BVB irgendwie selber schuld an der Entwicklung, wie ja auch der unglückliche Kommentar des Kicker-Redakteurs Wild nahelegte, den Aubameyang als beleidigend empfand? Nicht unbedingt in diesem Fall. Als ein Verein mit den Möglichkeiten der Borussia kannst du einen solchen Torjäger nicht einfach aussieben; du musst ihn managen. Ist der Verein zu streng, ist der Spieler bald weg. Auf der anderen Seite ist zu konstatieren, dass der BVB inzwischen recht weit entfernt scheint vom Teamgeist der Klopp-Meisterjahre. Natürlich müssen sich da auch diverse Verantwortliche hinterfragen. Weiterlesen „Keine Tore ohne Auba“

Und die Defensive gewinnt Meisterschaften

Hans-Joachim Watzke ist an allem schuld: Das ist die Erklärung einer nicht unerheblichen Zahl von Kommentatoren für die derzeitige und bis vor zwei Wochen noch schwierigere Situation der Schwarz-Gelben. Zumindest kann man im Internet und  in sozialen Netzwerken diesen Eindruck gewinnen. Die wirken ja bekanntlich als Meinungsverstärker und ‚Polemisatoren‘. Wie viele der entsprechenden Beiträge von BVB-Fans stammen, ist noch mal eine andere Frage.

Was in ihnen als Begründung angeführt wird, ist häufig haarsträubend oberflächlich. Thomas Tuchel war erfolgreich, deshalb hätte man ihn nicht entlassen dürfen, sondern Aki hätte mal sein Ego zurückstellen sollen. Und überhaupt fing doch alles damit an, dass der Geschäftsführer den damaligen Trainer belog, als er ihm und der Öffentlichkeit sagte, Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan würden nicht in einem Sommer verkauft.

Beide Vorwürfe verkennen, wie das Fußball-Business heute funktioniert. Einerseits arbeiten in ihm immer noch Menschen. Wenn es zwischen denen nicht stimmt, dann wird es schwierig. Wie irreparabel das Verhältnis zwischen Thomas Tuchel und eben nicht nur Aki Watzke beschädigt war, können nur absolute Insider beurteilen. Genauso wie die Schuldfrage. Der ehemalige Chefscout Sven Mislintat hat sich hierzu recht eindeutig geäußert, die anderen Beteiligten haben sich offensichtlich zum Schweigen verpflichtet.

Die Macht der Spieler

Der zweite Aspekt: Es gibt nur eine Handvoll von Vereinen, die gegen die Launen ihrer Spieler immun sind. Denen der einzelne Spieler, und sei er noch so gut, letztlich egal sein kann. Die sagen können: Wir lassen dich gehen oder streiken oder auf der Tribüne sitzen und es macht uns nichts aus. Weil wir auf jeden Fall gleichwertigen Ersatz finden. Borussia Dortmund gehört nicht zu diesen Vereinen. Hans-Joachim Watzke weiß das sicher, hat aber womöglich die Ausstrahlung und Macht des eigenen Klubs ein wenig überschätzt – damals, als die drei Leistungsträger gingen. Eine Fehleinschätzung, aber keine unverzeihliche. Weiterlesen „Und die Defensive gewinnt Meisterschaften“

Gegen den Strom: Bürki verlängert bis 2021

Borussia Dortmund handelt antizyklisch und hat heute die Vertragsverlängerung mit Torwart Roman Bürki bis 2021 bekanntgegeben. In Gesprächen war man natürlich schon länger, doch der Zeitpunkt der Verkündung dürfte von den Ereignissen dieser Woche beeinflusst sein. Das legen auch die Worte von Michael Zorc nahe:

Wir mögen seinen Spielstil, sehen bei ihm ein großes Entwicklungspotenzial und gehen fest davon aus, dass er das, was in ihm steckt, schon bald wieder konstant abrufen wird.

Zorc lobte neben den sportlichen auch die menschlichen Qualitäten des Keepers. Die deutliche Unterstützung aus der Mannschaft nach Romans Aussetzer von Nikosia unterstreicht die Aussagen des Sportdirektors.

Wie ich schon im Artikel zum Spiel geschrieben habe: Ich halte Bürki für einen guten Torwart und insofern die Verlängerung für richtig. Er hat derzeit eine schwächere Phase, aber dafür können seine Vorderleute mehr als Roman selbst. Außer dem Doppelfehler vom Dienstag hat er sich keine haarsträubenden Fehler geleistet. Sagen wir es so: Bürki ragt nicht aus dem Team heraus, aber gewöhnlich hat dieses Team ja auch ein hohes Niveau.

Ihm jetzt das Vertrauen zu geben, halte ich für richtig. Es könnte Bürki stärken. Und wenn nicht bedeutet ein längerfristiger Vertrag ja nicht, dass der Spieler tatsächlich so lange bleibt. Sollte es nicht wieder bergauf gehen, sollten sich die Verantwortlichen am Saisonende für einen starken Konkurrenten entscheiden, wäre das eine neue Situation. Ein ehrgeiziger Torwart wird dann seinen Vertrag nicht aussitzen, weil er weiß, dass er kaum Chancen auf eine Rotation wie bei den Feldspielern hat. Noch gibt es aber keinen Grund anzunehmen, dass Roman bald in diese Situation geraten wird.