Wir spielen Fußball

1. Bundesliga, 24. Spieltag / BVB 2 FSV Mainz 1

Den Worten des Trainers, nachdem sich plötzlich eine Sieben-Punkte-Lücke zwischen dem BVB und dem FC Bayern auftut, ist nichts hinzuzufügen, eigentlich. Natürlich wird trotzdem über die Tabelle und die Meisterschaft geredet werden, doch die Mannschaft wird hoffentlich der Linie von Jürgen Klopp folgen und das machen, was sie am besten kann.

Es gibt auch unter den BVB-Fans zwei Meinungen darüber, ob man jetzt sagen MUSS, dass wir Meister werden (wollen), damit man sich nicht lächerlich macht. Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass wir das nicht nötig haben. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie keine publik gemachten hohen Ziele braucht, um sich Spiel für Spiel motivieren zu können. Für die Borussia gibt es keinen Grund, von diesem Erfolgsrezept abzuweichen. Die Zahlen sind eindeutig – sieben Punkte Vorsprung vor Bayern, 30 Punkte zu vergeben.

Niemand bestreitet, dass die Schwarz-Gelben eine sehr gute Ausgangsposition haben. Im gestrigen Spiel zeigte sich zudem, wie die Mannschaft mit einem Rückschlag – dem zwischenzeitlichen Ausgleich – umgeht. Auch das spricht für sie. Die Mainzer ihrerseits werden in der derzeitigen Verfassung und wenn das Sturmduo Zidan und Szalai zusammenbleibt, nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Gestern waren sie lange unterlegener als das Ergebnis aussagt, kämpften sich in der zweiten Hälfte jedoch zurück ins Spiel und sorgten für ein spannendes Finish.

Der BVB hatte das gleiche Problem wie die Bayern in Leverkusen: die Chancenverwertung stimmte nicht. Obwohl die Mainzer für eine Mannschaft ihres Kalibers gut verteidigten und so gut es ging die Räume dicht machten, hatten die Schwarz-Gelben in der ersten Stunde eine Handvoll guter Chancen, die Führung aus der 26. Minute auszubauen. Robert Lewandowski fehlten gestern Glück und Treffsicherheit, er war jedoch wie immer gut ins Offensivspiel eingebunden und wählte die richtigen Laufwege. Weiterlesen „Wir spielen Fußball“

Auf dem Gipfel, da gibts koan Eis

1. Bundesliga, 20. Spieltag / 1.FC Nürnberg 0 BVB 2

Borussia Dortmund hat unter eisigen Bedingungen die Tabellenspitze erklommen, ausgerutscht sind die anderen. Der Spieltag verlief von den Ergebnissen her perfekt für die Schwarz-Gelben – ob sie vorlegen oder nachziehen müssen scheint völlig egal zu sein. Doch es gab einen Dämpfer: Sven Bender könnte der nächste längerfristige Ausfall werden.

Einiges sprach vor der Partie am Freitagabend gegen ein Torfestival: die eingespielten, sicheren Abwehrreihen und die Temperaturen. Dementsprechend lief es auch. Wenn man immer wieder anmerkt, wie viel Fußballspieler heutzutage verdienen, muss man ihnen für einen solchen Auftritt mal Respekt zollen. Bei eisiger Kälte arbeiteten die Schwarz-Gelben 90 Minuten für den nächsten Dreier – auch wenn die Defensive einige Minuten brauchte, um hellwach zu sein.

Nürnberg hielt in der ersten Halbzeit zunächst gut dagegen. Zum einen machten die Gastgeber die Räume im Mittelfeld eng und attackierten die ballführenden Schwarz-Gelben früh. Das verleitete Letztere zu überhasteten Pässen. Zum anderen war es offensichtlich integraler Bestandteil der Nürnberger Taktik, viele Standards in der gegnerischen Hälfte herauszuholen. Bei den gefährlichen Eckbällen lief das selbstverständlich vollkommen korrekt ab, die Freistoßsituationen waren dagegen mehrfach arg provoziert – Schiedsricher Meyer ließ sich hier zu einigen überzogenen Pfiffen pro FCN hinreißen. Das Hummels-Zitat der Woche hierzu: „Herr Meyer hat da ein, zwei Fouls zu viel gegen uns gepfiffen.“ Weiterlesen „Auf dem Gipfel, da gibts koan Eis“

Vertraue niemandem bevor die Uhr zwölfmal geschlagen hat

Der letzte Tag der Transferperioden im europäischen Fußball ist gewöhnlich voll von überraschenden Wendungen. In diesem Jahr spielte auch Borussia Dortmund eine größere Rolle bei den Spekulationen – jedoch nur mögliche Abgänge betreffend. Hier nun die Chronik der letzten 24 Stunden und was dabei herausgekommen ist.

Gestern Abend berichtete AGW vom Interesse des FC Fulham an Lucas Barrios. Dieser Wechsel scheiterte vermutlich an der Ablöseforderung der Borussia. Zehn Millionen Euro waren die Londoner nicht bereit zu zahlen (die inzwischen Pawel Pogrebnyak vom VfB verpflichtet haben). Dementsprechend verlautete heute Morgen, Barrios‘ Berater habe gesagt, sein Klient bliebe bis Saisonende in Dortmund. Am Nachmittag kamen neue, weniger glaubwürdige, wenn auch nicht überraschende Gerüchte auf: Last-Minute-König Felix Magath habe Interesse an einer Verpflichtung des Torjägers. Zwar hätte der VWL Wolfsburg sicher die Mittel gehabt, auch mehr als zehn Millionen zu zahlen, doch die Neigung bei Michael Zorc und Jürgen Klopp, Barrios innerhalb der Liga wechseln zu lassen, dürfte gering gewesen sein.

Endgültig geklärt war die Geschichte, als gleich zwei Stürmerwechsel bekannt wurden. Damien Le Tallec wechselt nach einer letztendlich fruchtlosen Zeit in Dortmund in die zweite französische Liga zum Traditionsklub FC Nantes. Der junge Franzose wurde durch eine Schulterverletzung in seiner Entwicklung zurückgeworfen, bekam allerdings auch nie eine echte Chance in schwarz-gelb. Er war eine der Verpflichtungen, die man schon damals für nicht zwingend hielt und die sich nun als halbgar herausgestellt haben, da Damien immer zwischen erster und zweiter Mannschaft stand. Aber es kann ja nicht alles funktionieren.

Für mehr Aufsehen sorgte der zweite Wechsel. Mohamed Zidan kehrt zu seinem Ex-Verein FSV Mainz 05 zurück. Er unterschreibt dort bis Saisonende, mit Option auf zwei weitere Jahre. Dieser Transfer stand schon in den letzten Tagen im Raum – jedoch nur für den Fall, dass Barrios in Dortmund bliebe. Der Südamerikaner schien in dieser Konstellation der entscheidende Faktor zu sein. Über die Ablöse für Zidan, der noch bis Saisonende beim BVB unter Vertrag stand, wurde zunächst nichts bekannt.

‚Mo‘ Zidan hatte seine Momente in schwarz-gelb. Ich verweise immer gerne auf dieses Spiel oder auf dieses. Der Kreuzbandriss nahm ihm vermutlich die letzte Chance, sich auf lange Sicht in der Startelf zu etablieren. Es ist Mohamed hoch anzurechnen, dass er sich entgegen seines Rufs in Dortmund weitestgehend tadellos verhielt. In Mainz dürfte er ein Umfeld finden, das ihn ähnlich willkommen heißt und ihm ähnlich gut liegt wie das Dortmunder. Alles Gute und viel Erfolg bei euren neuen Vereinen, Mohamed und Damien!

Zidan und Le Tallec weg, Barrios bleibt. Nach jetzigem Stand nur bis zum Saisonende. Für die Rückserie hat die Borussia damit einen Topstürmer auf der Ersatzbank, der sich für zukünftige Vereine empfehlen will – eine gute Konstellation. Sollte wider Erwarten dennoch ein Stürmer-Engpass eintreten, hätte Jürgen Klopp immer noch die Möglichkeit, einen Spieler aus der zweiten Mannschaft, wie etwa Terence Boyd, einzusetzen. Flankiert von den anderen torgefährlichen Offensivspielern wie Kagawa, Großkreutz oder Götze – es gibt schlimmere Szenarien. Im Notfall wären auch Kagawa oder Perisic im Sturm denkbar.

Kleinere Wechsel gab es auch noch. Schon vor einigen Tagen wechselte Innenverteidiger Marc Hornschuh auf Leihbasis zum FC Ingolstadt. Bleiben die Bayern in der zweiten Liga, wird er auch nächste Saison dort spielen. Heute hat außerdem der FC Arsenal für rund 450.000 Euro den 19-jährigen Thomas Eisfeld verpflichtet. Der war offensiver Mittelfeldspieler im Nachwuchsbereich des BVB, sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen. Doch wohl kein zweiter Marco Reus?

(Quellen: Spox, Kicker, BBC Sport)

Zwischen den Hügeln von La Manga

Testspiel / BVB 3 Standard Lüttich 0

So sieht wohl das perfekte Auftaktspiel eines Trainingslagers aus. In der Januarsonne von La Manga hat Borussia Dortmund die erste Partie des neuen Jahres gegen den belgischen Erstligisten Standard Lüttich souverän gewonnen. Das Ganze war dank eines Sponsors per Livestream zu verfolgen, kommentiert von Norbert Dickel und Boris Rupert. Genauso wird es auch bei der Begegnung am Mittwoch gegen den FC Elche sein.

Einer der Höhepunkte dieses Testspiels war die Rückkehr von Sven Bender und Neven Subotic. Beide machten nach ihren Verletzungen einen guten Eindruck und Neven verwandelte sogar den Foulelfmeter zum 2:0. Es war allgemein sehr erfreulich, wie sicher die BVB-Defensive die Partie über 90 Minuten im Griff hatte. Die Belgier konnten die zur Halbzeit umbesetzte Viererkette kaum in Verlegenheit bringen. Da musste Roman Weidenfeller schon mal über den Ball treten, um etwas Aufregung reinzubringen. In der zweiten Halbzeit wurde er – sicher nicht wegen dieser Szene – durch Zlatan Alomerovic ersetzt, da Mitchell Langerak zurzeit verletzt nicht zur Verfügung steht und auch den Rückrundenauftakt verpassen könnte. Das Spiel wurde von den Schwarz-Gelben allenthalben ernst genommen – eine professionelle Einstellung, wie man sie unter Jürgen Klopp gewohnt ist.

Was kann man aus einem solchen Testspiel ablesen, ohne es überzuinterpretieren? Von Interesse war der Auftritt derjenigen Spieler, die noch im Januar oder im Sommer den Verein verlassen könnten. Mohamed Zidan wirkte engagiert und erzielte im Nachschuss das 1:0, das Kuba über rechts vorbereitet hatte. Der Pole zeigte sich ebenfalls aktiv und wechselte desöfteren die Seiten. Zidans Offensivpartner der ersten Hälfte war Lucas Barrios. Es mag eine Überinterpretation sein, aber der Argentinier wirkte lustlos und wurde kaum gefährlich – im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Lewandowski, der in der zweiten Halbzeit zum Zug kam und den Endstand erzielte, übrigens nach einer schönen hohen Flanke von Damien Le Tallec, der ja auch noch da ist.

Um Lucas Barrios gibt es Gerüchte, aber Michael Zorc hat dementiert, dass ein konkretes Angebot vorliegt. Ein Verkauf wäre ein Wagnis, wenn nicht umgehend Ersatz geholt wird. Zorc wird einige Namen auf dem Zettel haben – was jedoch zu vernünftigen Konditionen im Januar realisiert werden kann ist eine andere Frage. Zidan und Le Tallec als Lewandowski-Backups für die Rückrunde wären okay, wenn es nicht um die Champions League-Qualifikation ginge. Toni da Silva kam gegen Lüttich ebenfalls zum Einsatz – bei dem Mittelfeldspieler, der von Anfang an als Backup eingeplant war, gibt es keine Gründe und Anzeichen für eine erneute Vertragsverlängerung.

Defensiv souverän, offensiv zeitweise kombinationsfreudig, personell gut aufgestellt – das Fußballjahr 2012 hat gut begonnen. Und es fällt mir momentan außer möglichem Verletzungspech kein Grund ein, warum es für die Borussia nicht genauso weitergehen sollte.

Hardtwaldhelden. Ein Pokal-Interview.

An diesem Wochenende geht es endlich auch für die deutschen Fußball-Erstligisten richtig los. Borussia Dortmund tritt am Samstagabend zur ersten Runde des DFB-Pokal beim SV Sandhausen an. Die ersten Internet-Recherchen zum Pokalgegner der Schwarz-Gelben waren nach der Auslosung schnell gemacht. Da es sich bei Sandhausen jedoch mutmaßlich um einen Drittligisten handelt, über den man außerhalb Süddeutschlands nicht so viel weiß wie beispielsweise über Carl Zeiss Jena oder Kickers Offenbach, sollte man vielleicht jemand fragen, der sich wirklich auskennt. Deshalb habe ich Nina vom Blog „Hardtwald Helden“ – benannt nach dem Stadion des SVS – ein paar Fragen rund um den Verein gestellt. Wer noch mehr erfahren will, sollte auf ihrer sehr empfehlenswerten Seite vorbeischauen. Dort habe ich im Vorbericht zum Pokalspiel auch ein paar Fragen zur Borussia beantwortet.

Nina, Sandhausen liegt in der Nähe von Heidelberg im Rhein-Neckar-Raum. In eurer Region hat sich in den letzten Jahren sicher viel Aufmerksamkeit auf die TSG Hoffenheim konzentriert. Wie siehst du als Fan eines anderen Vereins aus der Gegend die Hoffenheimer?

Ich beobachte Hoffenheim bereits seit vielen Jahren. In diesen Jahren habe ich mit angesehen, wie sie am SVS, der jahrelang die Nummer 1 in der Rhein-Neckar-Region war, vorbeizogen.

Gibt es da eine lokale Rivalität? Sind die für euch überhaupt interessant?

Eine gesunde Rivalität ist selbstredend vorhanden. Wer sich ernsthaft mit Hoffenheim oder Sandhausen auseinander setzt, sollte auch eine klare Meinung fassen. Entweder Hopp 😉 oder top.

Denkst du, dass es Auswirkungen für Sandhausen hat, dass die TSG in der Bundesliga spielt?

Bis zum Durchmarsch unter Rangnick aus der Regionalliga in die 1. Bundesliga, war Sandhausen der deutlich beliebtere Verein. Obwohl Sandhausen nie höher als Regionalliga spielte hatte man sich in der Vergangenheit als deutscher Amateurmeister oder DFB-Pokalschreck einen Namen gemacht. Als Hoffenheim hingegen nach nur einem zweitklassigen Jahr in Liga 1 aufstieg waren sie immer noch die Unbekannten. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass uns die Bundesligazugehörigkeit der TSG keine Zuschauer kostet. Weiterlesen „Hardtwaldhelden. Ein Pokal-Interview.“

Die unechte Generalprobe

Turnier in Mainz / BVB 2 Hamburger SV 0

Vor dem Finale des „Liga-Total-Cups“ mussten sich die Trainer der beteiligten Vereine, Jürgen Klopp und Michael Oenning, beinahe identischen Fragen stellen. Ob sie denn im Hinblick auf das Eröffnungsspiel der Bundesliga pokern würden, fragte der Feldreporter beide. Klopp wie Oenning verwiesen auf den Status der Partie, die fehlenden Spieler und die verbleibende Zeit. Und auch im Spiel wurde schnell deutlich, dass für das Wiedersehen in zweieinhalb Wochen wenig Rückschlüsse zu ziehen waren.

Das lag in erster Linie an den Aufstellungen und weniger am vermeintlichen Testspiel-Charakter. Der HSV trat zwar in derselben Formation an wie gegen die Bayern, muss aber weiterhin auf einige Spieler verzichten, die noch verletzt oder in Südamerika sind. Die Borussia hat ähnliche Probleme, aber eine eingespieltere Mannschaft. Daher würfelte Jürgen Klopp die Startelf ziemlich durcheinander – natürlich auch aufgrund der Blessuren von Götze, Subotic und Großkreutz. Es verwundert daher nicht, dass die Partie trotz des höheren Sieges zerfahrener war als gegen Mainz.

Der starke Felipe Santana hätte nach einem Gündogan-Freistoß schon in der 6. Minute beinahe die Führung geköpft, wenn nicht der (bisher) dritte Hamburger Keeper Mickel stark pariert hätte. Bis auf einen Stellungsfehler ein paar Minuten später zeigte der Brasilianer eine einwandfreie Vorstellung und krönte diese später doch noch mit einem Kopfballtreffer. Es war wieder Shinji Kagawa, der für die meisten offensiven Impulse und Ideen aus dem Mittelfeld sorgte – ihm fehlte jedoch in der ersten Hälfte ein wenig der ebenso geniale Götze als Nebenmann. Seine beste Szene vor dem Wechsel hatte Shinji mit einem schön gezwirbelten Schuss in der 23. Minute, der Mickel zur nächsten tollen Parade zwang. Ansonsten waren das nicht immer inspirierte 30 Minuten, in denen der BVB zwar hinten wenig zuließ, aber nach vorne öfter als gewohnt mit langen Bällen operierte. Leitner konnte auf der rechten Außenbahn nicht so überzeugen wie in der zentraleren Rolle am Dienstag, dafür kamen von Gündogan einige brauchbare Aktionen über diese Seite.

Jürgen Klopp wechselte zur zweiten Halbzeit deutlich häufiger als im ersten Spiel und die fünf Neuen machten ihre Sache zunächst ordentlich, in den letzten zehn Minuten dann sehr ansehnlich. Was aber vor allem hoffnungsfroh stimmt ist, dass die beiden bekanntesten Neuzugänge, Gündogan und Perisic, inzwischen deutlich ansteigende Form zeigen. Der ehemalige Nürnberger hatte einige gelungene Aktionen, darunter einen schön verarbeiteten Ball mit Abschluss knapp neben das Tor und ein feines Solo kurz vor Schluss. Perisics Schuss aus spitzem Winkel in der 49. Minute konnte Mickel noch abwehren, aber eine Minute später fand Ivans tolle Flanke den schon erwähnten Kopf von Felipe Santana. Eingeleitet wurde der Treffer übrigens durch einen weiten Pass auf die andere Seite von Florian Kringe.

Eine weitere Minute später war der Doppelschlag perfekt. Lewandowskis schönen Pass in die Tiefe nahm Le Tallec auf, scheiterte aber am Torwart. Den abgewehrten Ball konnte Mohamed Zidan aus dem Rückraum zum 2:0 verwerten. Im Anschluss hatten die Schwarz-Gelben verhältnismäßig leichtes Spiel. Der HSV schien in der zweiten Hälfte generell noch platter zu sein als die Borussen, die Vorstöße der Hanseaten blieben harmlos, wurden spätestens von der auch mit Santana und Hornschuh sicher agierenden Innenverteidigung abgefangen. Mitch Langerak musste im ganzen Spiel vielleicht drei Bälle halten.

Vergleiche mit anderen Teams und Prognosen verbieten sich auch nach dem Turnier in Mainz noch. Zu sehen ist aber Potenzial. Das von einzelnen Spielern und das der Borussia 2011/12 insgesamt. Ivan Perisic hat im Wettstreit um die linke Außenbahn mit Kevin Großkreutz gleichgezogen. Mir scheint das ein leistungsförderndes Duell zu sein. Ilkay Gündogan ist auf vielen Positionen präsent, wenngleich ihm die Offensive mehr liegt als Defensiv-Zweikämpfe. Auf Kagawa und Götze im Zusammenspiel können wir uns freuen, die momentane Abwesenheit von Lucas Barrios scheint noch zu verschmerzen zu sein. Die Kaderdichte hat sich – auch was die Leistung angeht – erhöht. Viel Positives, das jedoch alles unter Vorbehalt steht. Die echte Pflicht beginnt am 30. Juli – trotz ausverkaufter Halle in Gelsenkirchen.

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek (31. Kringe), Santana, Hummels (31. Hornschuh), Löwe – Gündogan, Kehl (31. Vrancic) – Leitner (31. Perisic), Kagawa (31. Lewandowski), Le Tallec – Zidan. Gelbe Karte: Löwe. Tore: Santana, Zidan

Der Nächste bleibt: Schmelzer unterschreibt bis 2014

In den letzten Tagen war es nur noch eine Frage des Zeitpunkts, nun ist es perfekt: Marcel Schmelzer hat als nächster Spieler aus der Riege der jungen Borussen seinen Vertrag verlängert. Der Linksverteidiger bleibt nun auf dem Papier bis Juni 2014 in Dortmund. Es ist also eine mittelfristige Ausdehnung des Arbeitsverhältnisses, die der momentanen Bedeutung von ‚Schmelle‘ gerecht wird. Im letzten Jahr hat er eine sehr erfreuliche Entwicklung genommen, hat BVB-Legende Dede verdrängt und ist Nationalspieler geworden. Wenn man ehrlich ist, hat er jedoch vor allem im Offensivspiel noch nicht die Konstanz, um ein Spieler internationaler Klasse zu sein. Die Vertragslänge trägt dem Rechnung und lässt dem Verein wie auch Marcel die Möglichkeit, die Entwicklung in zwei bis drei Jahren neu zu beurteilen. Um es aber ganz klar zu machen: Ich freue mich, dass Schmelle bleibt und traue ihm zu, dass er sich weiter steigert.

Neuigkeiten gibt es auch von Dr. Braun: Der BVB-Mannschaftsarzt hat bei Mohamed Zidan einen „Haarriss in einem Muskelansatz an der Wirbelsäule“ diagnostiziert und prophezeit dem gerade von seinem Kreuzbandriss genesenen Offensivspieler eine Pause von zwei Wochen. Die Verletzung hatte ‚Mo‘ sich wenige Minuten nach seiner Einwechslung auf dem Betzenberg zugezogen, als ihm Rodnei in den Rücken sprang.

Glücklicherweise gibt es Entwarnung bei Nuri Sahin. Unser Mittelfeld-Regisseur konnte heute wieder am Training teilnehmen, nachdem er im Spiel am vergangenen Samstag wenige Minuten vor Schluss ausgewechselt werden musste. Kuba ist ab Freitag wieder für das volle Mannschaftstraining eingeplant und dürfte daher am Samstag zunächst eher auf der Bank Platz nehmen – wenn es nicht ganz gut oder ganz schlecht läuft.

Lobe nie den Schiedsrichter – vor dem Spiel

1. Bundesliga, 22. Spieltag / 1.FC Kaiserslautern 1 BVB 1

Da sage ich einmal vor einer Partie etwas zum Schiedsrichter, noch dazu was Positives, und dann so was. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Florian Meyers Gelb-Rote Karte gegen Neven Subotic dem BVB den Sieg gekostet hat – wir werden keine Antwort finden. Die Schwarz-Gelben hatten in einem guten Spiel noch andere Probleme als den Unparteiischen.

Kuba hatte sich am Freitag im Training eine leichte Knieverletzung zugezogen. Für ihn kam Landsmann Robert Lewandowski in die Mannschaft und besetzte das zentrale offensive Mittelfeld. Nun wissen inzwischen alle, dass Robert ein Stürmer ist und ganz vorne besser zur Geltung kommt. Vermutlich traute Jürgen Klopp Mohamed Zidan noch keinen Einsatz über 90 Minuten zu – sonst wäre ein Versuch mit ihm auf der ’10‘ oder der rechten Außenbahn lohnenswert gewesen. So musste Mario Götze nach rechts rücken.

Der BVB hatte trotzdem seine Chancen, mehrere wurden von Lewandowski vorbereitet, aber gegen stark kämpfende Lauterer hätten es noch mehr sein können. Es fehlt in Abwesenheit von Shinji Kagawa und mit Götze auf der Außenbahn an Kreativität in der Zentrale. Nuri Sahin braucht nicht nur einen defensiven, sondern auch einen offensiven Partner – sonst fokussiert sich der Gegner auf ihn und kann ihn mal mehr, mal weniger, aus dem Spiel nehmen. Lewandowski ist eben nicht der flinke, kreative Dribbler, sondern in seiner gestrigen Rolle eher ein klassischer ‚target man‘, der die Bälle annimmt und im Idealfall schnell weiterverarbeitet. So einer ist jedoch leichter auszurechnen.

Mario Götze interpretierte seine Rolle wie so häufig flexibel und zog oft nach innen, um im Zentrum für Gefahr zu sorgen. Das führte aber wiederum dazu, dass wenig gefährliche Flanken von den Flügeln kamen – nur der bis auf wenige Ausnahmesituationen gut aufgelegte Piszczek konnte sich da hin und wieder auszeichnen. Leider kommt mir der linke Flügel in dieser Hinsicht zurzeit etwas lahm vor. Kevin Großkreutz spielt auch gerne etwas zentraler und Marcel Schmelzer rückte selten bis in die Nähe der Grundline vor, hatte allgemein wenig Offensivaktionen. Weiterlesen „Lobe nie den Schiedsrichter – vor dem Spiel“

Der verwirrte Erlöser

(Updated) Noch im letzten Sommer wurde Felix Magath von den Schalker Fans – halb im Spaß – als „Messias“ gefeiert. Heute fordern sie – nun ja, nicht seine Kreuzigung, aber doch ein entschlossenes Vorgehen von Clemens ‚Pilatus‘ Tönnies. Wie sich die Vorzeichen ändern können. Wir Dortmunder haben es ohnehin schon immer geahnt.

Seit langem gab es kein Derby mehr, vor dem die Prognosen so eindeutig gegen die Blauen sprachen. Zwar stehen die Nachbarn im Pokal-Halbfinale, müssen dafür aber nach München reisen. In der Liga ist inzwischen die Abstiegszone wieder näher als der Europapokal. Wie passt da eigentlich noch die Champions League dazu? Jedenfalls hat Magath mit den garantierten Einnahmen aus diesem Wettbewerb bekanntlich nicht die Schulden reduziert, sondern den Kader auf beinahe 40 Spieler aufgebläht.

Die Diagnose von außen fällt leicht: Gnadenlose Selbstüberschätzung des ‚Trainagers‘, wie sie ihn in Gelsenkirchen auch nennen. Magath schien und scheint zu glauben, dass er aus dem Riesenkader, bestehend aus (Alt-)Stars internationaler Klasse, vielen wenig bekannten Perspektivspielern und ein paar jungen deutschen Talenten, eine funktionierende Mannschaft formen kann. Gleichzeitig kümmert er sich noch um die Transferpolitik und überlässt es Horst Heldt, auf der Tribüne neue Brillenmode vorzuführen. So günstig die Spieler Charisteas und Karimi auch zu haben waren – sie sind trotzdem ein Zeichen von Fantasielosigkeit und Überlastung auf Seiten Magaths. Da ich ein anglophiler Mensch bin, fiel mir zunächst eine gebräuchliche englische Redewendung ein: He has lost the plot. Completely.

Wenn ich das direkt vor dem Derby schreibe, laufe ich natürlich Gefahr, von den Herren Karimi oder Charisteas bestraft zu werden. Denn so ist das im Derby – es ist einfach anders als ’normale‘ Spiele. Der BVB tut trotzdem gut daran, genauso in die Partie zu gehen wie gegen Wolfsburg. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde.

Personell gibt es zumindest bei den Schwarz-Gelben keine Überraschungen. Felipe Santana und Kuba haben sich von grippalen Infekten erholt und werden in der Startelf stehen – wenn Jürgen Klopp keinen Überraschungs-Coup mit Zidan plant und Mario Götze nach rechts versetzt. Dann müsste Kuba auf die Bank – Felipe wird jedoch auf jeden Fall auflaufen. Einerseits kann man dem nach außen geduldigen Innenverteidiger voll vertrauen, andererseits fehlt ihm selbstverständlich die Spielpraxis, die das Duo Hummels-Subotic so stark gemacht hat. Hoffen wir, dass die Mannschaft ihm hilft und das Selbstvertrauen ansteckend ist.

Magath wird seine Mannschaft im Westfalenstadion taktisch konservativ ausrichten – noch mehr Neues würde ihr auch nicht bekommen. Wir dürfen einen abwartenden, defensiven, auf Konter lauernden CL-Teilnehmer erwarten. Seit Wochen gibt es bei Schalke nur zwei Feldspieler, vor denen man sich in Acht nehmen muss: Raul und Jefferson Farfan. Der spanische Weltstar spielt angesichts der ganzen Turbulenzen seinen Stiefel wirklich beachtlich runter, was durchaus als Kompliment gemeint ist. Die Storys um Farfan sind bekannt: Im Winterurlaub in peruanischen Medien von einem großen Wechsel schwadroniert, von Felix Magath dafür gemaßregelt, in den Fokus des kaufwütigen Dieter Hoeneß gerückt, angeblich eine Abfindung für einen Wechsel von Schalke (!) verlangt. Ob das Theater Auswirkungen auf seine spielerisch bisher überzeugenden Auftritte hat, werden wir sehen.

Natürlich könnte es am Freitag aber auch das Spiel des Manuel Neuer werden, von dem sich die Schalke-Fans endlich eine klare Antwort auf eine wichtige Frage erhoffen. Interessant ist die Personalie Metzelder. Der Einsatz des Innenverteidigers ist wegen einer Nebenhöhlenentzündung fraglich – oder vertraut Magath ihm an alter Wirkungsstätte nicht voll und ganz? Ansonsten gibt es jede Menge neuer Namen und einige alte Verletzte (Tim Hoogland) – das Aufstellungspuzzle überlasse ich daher den Gästen. Vielleicht sind deren Fans uns am Freitagabend dankbar, dass wir das Ende der Ära Magath eingeläutet haben – vielleicht kommt aber auch alles ganz anders. Come on Dortmund!

UPDATE: Metzelder ist fit fürs Derby. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Knappe Mitte

Vor dem Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart hat Borussia Dortmund die Gegenwart wieder eingeholt. Und die bringt Personalprobleme in dem Mannschaftsteil mit sich, in dem die Schwarz-Gelben als besonders gut besetzt galten. Neben Sebastian Kehl, Florian Kringe und Shinji Kagawa werden Jürgen Klopp auch die Mittelfeldspieler Sven Bender und Mohamed Zidan höchstwahrscheinlich fehlen. Die medizinische Abteilung des BVB scheint sich gegen einen Einsatz von Bender ausgesprochen zu haben, obwohl bei ihm ’nur‘ eine Innenbanddehnung diagnostiziert worden war. Ein Spiel Schonung ist allemal besser als eine schwerere Verletzung zu riskieren. Zidan ist noch durch einen Infekt außer Gefecht gesetzt und wird nur dann im Kader stehen, wenn eine „überraschende Besserung“ eintritt.

Fraglich bei eher positiver Tendenz sind Toni da Silva und Mario Götze, die an einem Virusinfekt respektive Bronchitis litten. Damit ist vor allem die Besetzung der zentralen Mittelfeldpositionen unklar und problematisch. Sven Bender ist nicht so einfach zu ersetzen, der Ex-Stuttgarter da Silva würde aber zumindest sehr motiviert in die Partie gehen. Fällt auch er aus, könnte tatsächlich Markus Feulner zu einem Einsatz von Beginn an kommen. In einem Trainingsspiel hatte er Jürgen Klopp überzeugt. Unwahrscheinlicher ist, dass Tamas Hajnal eine Chance auf der 10er-Position bekommt – obwohl das angesichts des Stuttgarter Interesses ja auch seinen Reiz hätte. Es ist jedoch stark davon auszugehen, dass entweder Götze oder Zidan spielen können. Selbst die Option mit Lewandowski würde der Trainer vermutlich präferieren.

Beim schwäbischen Abstiegskandidaten scheinen sie zumindest wieder Boden unter den Füßen zu spüren. Bruno Labbadia sind kleine Fortschritte geglückt, doch der Aufwärtstrend wirkt noch wenig gefestigt. Der BVB kann darauf hoffen, dass das Spiel im ausverkauften Westfalenstadion für die Stuttgarter noch zu früh kommt. Labbadia redete in der heutigen PK über das Spiel gegen Mainz und die Lehren daraus:

Wir hatten eine gute Grundordnung und haben nur sehr wenige Chancen zugelassen. Jetzt müssen wir noch dahin kommen, in Ballbesitz mutiger nach vorne zu spielen.

Ob das ausgerechnet in Dortmund gelingen wird? Das wird nicht unwesentlich davon abhängen, wie eingespielt sich das schwarz-gelbe Mittelfeld präsentiert. Die Schwaben haben eher in der Offensive Besetzungssorgen: Cacau wird sehr wahrscheinlich ausfallen, Marica und Harnik konnten zuletzt nicht (voll) trainieren. Aufpassen sollten wir aber auf Pavel Pogrebnyak, dem der erneute Trainerwechsel offensichtlich gut getan hat: Gegen die Bayern erzielte der Russe immerhin zwei Tore.

Dem Tabellenstand nach sollte der BVB das Spiel am Samstag gewinnen. Aber vergessen wir nicht, dass es sich um einen aktuellen Europa League-Teilnehmer handelt, der nur national etwas auf Abwege geraten ist. Wie schon angedeutet: Die Leistung unserer ’neuen Mitte‘ könnte entscheidend sein.