Reus verpasst Saisonstart

Die Teilentwarnung für Dortmund-Fans ist Vergangenheit: Marco Reus hat sich beim Test-Länderspiel gegen Armenien nicht nur einen Teilriss des vorderen Syndesmosebands, sondern auch einen „knöchernen Bandausriss an der Fersenbein-Vorderseite“ zugezogen. Hört sich mindestens genauso unschön an, ist es auch: Die Ausfall-Zeit für den schwarz-gelben Kreativspieler verdoppelt sich dadurch von sechs Wochen auf etwa drei Monate. Marco wird also mit Sicherheit den Auftakt in Pokal und Liga verpassen. Für den BVB ist das ebenso unglücklich wie für das Nationalteam. In der Findungsphase einer Mannschaft zu Saisonbeginn hätte der formstarke und torgefährliche Reus für Impulse und Stabilität sorgen können.

Die „Erweiterung der Diagnose“ (O-Ton BVB-Homepage) wurde in den vergangenen Tagen im Dortmunder Knappschaftskrankenhaus nach eingehenderen Untersuchungen des Verletzten vorgenommen. Während für Reus persönlich das Verpassen der WM in Brasilien sicher der schwerere Schlag war, dürfte ihn die mit der neuen Diagnose gestiegene Unsicherheit über den Zeitpunkt seines Comebacks nicht gerade beruhigt haben. Immerhin sind mit dem jetzigen Befund der Ärzte die ohnehin unglaubwürdigen Gerüchte über einen baldigen Transfer von Reus vom Tisch. Gute Besserung, Marco!

So war die schwarz-gelbe Woche

Es begann alles in Hannover. Die niedersächsische Landeshauptstadt ist eine 2 1/2-stündige Autofahrt von Berlin entfernt und daher immer eine beliebte Auswärtsfahrt bei BVB-Fans von der Spree. Persönlich finde ich, dass es außer den Getränkepreisen und Martin Kind wenig am Bundesliga-Standort Hannover auszusetzen gibt. Natürlich hätte ich noch mehr zum Tag und dem Spiel schreiben können – allein, es fehlte die Zeit. Das Fazit: Kein völlig unverdientes Unentschieden für die Gastgeber, aber es hätte kurz vor Schluss durchaus Freistoß oder Elfmeter für die Borussia geben können, auch wenn der Gefoulte Marco Reus das anders sah.

Buntes Unentschieden in Hannover

Neben dem letztlich unbefriedigenden Ergebnis, das jedoch immerhin einen Fortschritt zur letzten Hannover-Fahrt darstellte, hatte der BVB nach dem Spiel drei verletzte Spieler zu beklagen. Jakub Blaszczykowski erwischte es ohne gegnerische Einwirkung am schlimmsten, er fällt mit einem Teilriss des Syndesmosebandes etwa sechs Wochen aus. Kuba in Bestform ist wie ein Zug zum Tor – verdammt schwer aufzuhalten. Er wird uns fehlen, gerade in der Champions League. Mats Hummels erlitt eine Fußverletzung und Sven Bender beim Zusammenprall mit Ya Konan eine Schädel- und Augapfelprellung. Beide könnten bei normalem Heilungsverlauf im Derby wieder einsatzbereit sein.

Für die drei Auswechslungen kann man nur bei Manni den Gegenspieler wirklich mitverantwortlich machen. Ya Konan ging einfach zu ungestüm in den Mann. Nach dem Testspiel in Koblenz kam ein vierter, allerdings nur kurzzeitig Verletzter hinzu: Kevin Großkreutz bekam beim 2:1 der Nicht-Nationalspieler gegen den Regionalligisten einen Schlag auf den Fuß. Weiterlesen „So war die schwarz-gelbe Woche“

Sommertheater

Mitte Juni. Sommerloch für Sportjournalisten (und Blogger). Immerhin kann man sich auf die deutsche Fußball-Dreipeinlichkeit – Joachim Löw, Theo Zwanziger und Uli Hoeneß – verlassen. Die geben einem immer Stoff. Wie gut der ist, spielt erst mal keine Rolle.

Vorhersehbar war das Schlusskapitel von Michael Ballacks Länderspiel-Geschichte. Jeder hat gewusst, dass Joachim Löw den verletzungsanfälligen Kapitän loswerden und ihm keine Chance mehr geben wollte. Niemand versteht jedoch, warum es nötig war, bis in den Juni zu warten, bevor Löw das offiziell machte. Die Form, wie die beiden Seiten nun über- und gegeneinander kommunizieren, erstaunt jedoch selbst im Sommerloch. Feinstes Schmierentheater. Ballack und der Bundestrainer bezichtigen sich gegenseitig der Lüge. Die beiden Versionen, was bei dem Gespräch Ende März gesagt und vereinbart wurde, stehen sich diametral gegenüber. Hat Löw seinem Kapitän Hoffnungen gemacht und ihm versprochen, einen eventuellen Rücktritt selbst bekanntgeben zu dürfen? Oder hat er Ballack schon damals klipp und klar das Aus angekündigt und ihm sogar noch zwei weitere Länderspiele angeboten, um auf die ‚100‘ zu kommen?

Es wird sehr schwer, da noch mal auf einen Nenner zu kommen. Weder Löw noch Ballack hatten einen wirklichen Grund, die Bekanntgabe der Nachricht so lange hinauszuzögern. Es spricht nicht für die Kommunikationsfähigkeit der beiden Akteure, dass es nun zu diesem peinlichen Sommertheater gekommen ist. Und die vermeintlichen ‚Fachleute‘ auf diesem Gebiet, Wolfgang Niersbach und Oliver Bierhoff, haben ebenfalls nichts Konstruktives beigetragen. Das Schöne an der Geschichte ist, dass sie meine Meinung von den handelnden Personen bestätigt und keine schwarz-gelben Interessen betrifft. Eine sommerliche Randnotiz zum Kopfschütteln und Staunen eben.

Klub gegen Land

Gestern trat England zum EM-Qualifikationsspiel gegen Wales im Millennium Stadium von Cardiff an und gewann mit 2:0. So weit, so wenig überraschend. Die Partie wurde um 15 Uhr Ortszeit angepfiffen, obwohl die FA (Fußballverband) in England den Grundsatz hat, dass zu dieser Zeit keine heimischen Live-Spiele im Fernsehen laufen sollen, um den unterklassigen Fußball zu schützen. Diese Regel befolgt normalerweise auch die walisische FA, schließlich spielen unter anderem die beiden größten Vereine aus Wales, Cardiff City und Swansea City, in der englischen Championship.

Warum sich die beiden britischen Verbände über den vor allem auf den Ligabetrieb bezogenen Grundsatz hinwegsetzten, wurde nicht direkt kommuniziert, ist aber unschwer zu erraten. Man erhoffte sich im britischen Duell von der traditionellen britischen Anstoßzeit die höchstmöglichen Einschaltquoten und Einnahmen. Die beiden obersten englischen Ligen, die Premier League und die Championship, legen an Länderspiel-Wochenenden selbstverständlich eine Pause ein und waren so nicht betroffen. Dagegen stellte sich für alle Vereine ab der League One abwärts die Frage, ob sie beim üblichen Termin bleiben oder ihre Partien um Stunden oder einen Tag nach hinten oder vorne verschieben sollten.

Von den verbleibenden 24 Profispielen aus League One und League Two wurden 23 verschoben. Die einzige Partie, die gestern um 15 Uhr angepfiffen wurde, war Bradford City gegen Shrewsbury Town in der League Two (4. Liga). Natürlich hatten auch die Verantwortlichen der gastgebenden ‚Bantams‘ Interesse an einer Verlegung gehabt, aber die Gäste aus Shrewsbury spielten nicht mit. Ein Termin am Sonntag kam für sie nicht in Frage, weil sie bereits am Dienstag ihr nächstes Spiel haben. Für ein Vorziehen der Begegnung auf Samstagmittag forderten sie die Übernahme der Kosten für die dann notwendige Übernachtung durch die Gastgeber. Dies lehnte Bradford ab. Weiterlesen „Klub gegen Land“

Dritter Torwart wird der FC Bayern

Joachim Löws Nominierungen für den vorläufigen WM-Kader 2010 beruhen auf drei Voraussetzungen: Langfristige Loyalität, kurzfristiger Erfolg und richtiger Verein. Häufig fallen die beiden letzten Punkte zusammen. Eine mittelfristige Einschätzung der Leistung eines Spielers war allenfalls bei der Hälfte der Nominierten ausschlaggebend. Dabei sind Spieler, die irgendwann mal gut in der Nationalmannschaft waren, in der Bundesliga zuletzt aber nichts davon zeigen konnten, wie Friedrich und Podolski. Und eben Spieler, die durch ein paar gute Wochen beim neuen Deutschen Meister ihr Ticket gelöst haben, wie Badstuber und Hans-Jörg Butt.

Der 35-jährige Butt fährt als voraussichtlich dritter Torwart mit nach Südafrika und ist ein Beispiel dafür, wie man mit ein bisschen CL- und Meister-Glanz, Medien-Hype und Bayern-Trikot plötzlich zu einem guten Spieler wird. Erfolg macht eben sexy. Butt ist zweifellos ein guter Torwart – aber besser als Weidenfeller oder Rost? Bis vor einigen Wochen waren selbst viele Bayern-Fans noch nicht überzeugt von ihm. Bei Breitnigge.de wurden seine wiederkehrenden Unsicherheiten kritisiert und diskutiert, ob der FCB eine neue Nummer 1 brauche. Heute diskutieren manche ‚Journalisten‘, ob Butt sogar die Nummer 1 des Nationalteams werden sollte.

Roman Weidenfeller hat dagegen eine konstante, sehr ordentliche Saison gespielt, ohne im medialen Rampenlicht zu stehen. Sein Berater hat darauf etwas zu energisch hingewiesen – vermutlich ein weiterer Grund, dass ihm der ‚pflegeleichte‘ Butt vorgezogen wird, der schon zuvor dritter Torwart bei großen Turnieren war. Mit Leistungsprinzip hat das jedoch nichts zu tun.

Auch der andere Dortmunder WM-Kandidat, Mats Hummels, könnte dem Bayern-Hype der letzten Wochen zum Opfer gefallen sein. Holger Badstuber soll also gut und erfahren genug für Südafrika sein und Hummels nicht? Come On! Dafür dürfen Mats und sogar Kevin Großkreutz (!) womöglich nächste Woche gegen Malta spielen, um die nicht eben kleine Dortmunder Fangemeinde zu beschwichtigen – aber nicht mich. Das war der letzte Beitrag über die deutsche Nationalmannschaft bei „Any Given Weekend“, zumindest in diesem Jahr und bei diesem Kader. Da fehlt mir einfach das Interesse.

Kuranyi – Die Fortsetzung

Der ‚Fall‘ entwickelt sich genauso, wie ich es mir gedacht habe. Kevin Kuranyi hat seinen Akku wieder aufgeladen und sich bei Joachim Löw für seinen plötzlichen Abgang, oder die ‚Flucht aus Dortmund‘, wie es jetzt überall genannt wird, entschuldigt. Klar war es eine unüberlegte Kurzschlussreaktion, natürlich ist nicht Kuranyi zurückgetreten, wie es teilweise interpretiert wurde, selbstverständlich bereut er sein Abhauen inzwischen. Das Ganze ist so banal, wie ich es gestern angedeutet habe.

Eine Rückkehr erscheint nicht unmöglich, aber unter Löw nun doch zunächst mal unwahrscheinlich. Nicht nur, weil die deutsche Nationalmannschaft einen KK in den nächsten Jahren nicht nötig haben wird. Sondern vor allem, weil Löw allem Anschein nach weg will vom Image des netten Herrn ‚Jogi‘. Deshalb klopft er markige Sprüche vor dem Russland-Spiel, deshalb fördert er nun gezielter den Konkurrenzkampf und deshalb hat er sich im Fall Kuranyi unzweideutig festgelegt. Sollte allerdings Herr Löw nach der WM 2010 nicht mehr so gefragt sein und KK doch nochmal Torschützenkönig werden… aber das ist noch weit weg und Zukunftsmusik, die ich gar nicht unbedingt hören muss.

Der Rauswurf

Die Nationalmannschaft. Bekanntlich normalerweise kein Thema, das mir sonderlich unter den Nägeln brennt. Aber da von den Schwarz-Gelben außer zwei ordentlichen Testspiel-Leistungen (25:0 beim Kreisligisten Herdecke-Ende, 3:3 bei Austria Wien) dank der Länderspielpause nicht viel zu berichten ist, schauen wir doch mal, was in Dortmund dieses Wochenende sonst so passiert ist.

Kevin Kuranyi scheint die furiose Dortmunder Aufholjagd neulich im Derby immer noch nicht verkraftet zu haben, denn er hielt es gestern nur eine Halbzeit lang im Westfalenstadion aus. Auf der Tribüne, wohlgemerkt. Dann fuhr er nach Hause und ließ später seine persönlichen Sachen durch zwei Bekannte aus dem Mannschaftshotel holen. Die Nationalelf gewann zuvor ohne ihn 2:1 gegen Russland – vermisst wurde Kuranyi zumindest auf dem Spielfeld nicht. Joachim Löw gefiel das unangemeldete Verschwinden erwartungsgemäß nicht so gut. Und nachdem der Gelsenkirchener heute Morgen auch telefonisch für den DFB nicht erreichbar war, zog der Bundestrainer die Konsequenz, Kuranyi künftig nicht mehr zu nominieren.

Ob das das letzte Wort ist? Darauf wetten würde ich nicht. Vielleicht war ja nur Kevins Akku leer. Und überhaupt müssten dann schon wieder neue Nutella-Spots gedreht werden. Jedenfalls ist von der Gute Laune-Truppe, die die Nationalmannschaft bei der WM 2006 zumindest nach außen hin war, nicht mehr viel geblieben. Ballack, Bierhoff und Frings sorgten zuletzt für weitere Misstöne. Der Unterschied bei KK: Denken gehört nicht unbedingt zu seinen Stärken. Auch nicht Nachdenken.

Lehmann hat’s getan

Jens Lehmann ist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Und nun? Mehr als ein Schulterzucken erntet der 38-jährige Neu-Stuttgarter damit so kurz vor Saisonbeginn nicht. Überrascht ist mit Sicherheit niemand, denn die Erwartungshaltung war klar, nachdem Joachim Löw schon seit Wochen darüber redet, was passieren könnte / würde, wenn Lehmann zurückträte. Auch wenn der Rücktritt angebracht war und Lehmann sich mit seinen jüngsten Äußerungen keine neuen Freunde gemacht hat: Irgendwie hätte es stilvoller ablaufen können – und daran ist nicht nur Lehmann schuld.

Die Ausscheider

Joachim Löw und sein Team haben sich entschieden und gestern, nach dem Trainingslager auf Mallorca und dem mageren 2:2 gegen Weißrussland, Marco Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes mitgeteilt, dass sie doch nicht dabei sein werden im EM-Kader. Sicher hat jeder Fußball-Experte, und davon haben wir nun ja wieder fast 80 Millionen, seine eigenen Favoriten gehabt und die prominenteren Experten melden sich z.T. schon wieder mit Kritik zu Wort. Aber im Gegensatz zu der fragwürdigen Torwartentscheidung kann ich Löw diesmal folgen.

Zum einen hat in den letzten Tagen niemand einen so direkten Einblick gehabt wie die Trainer. Alles, was jetzt von Außenstehenden so kommentiert wird, beruht auf Spekulationen. Zum anderen scheint es verständliche Gründe für die Streichung dieser drei Spieler zu geben. Auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass es Marin trifft, aber Löw ist wohl zu der Ansicht gekommen, dass der junge, kleine Gladbacher körperlich noch nicht robust genug für ein großes Turnier ist – so klang das jedenfalls im Interview nach dem Spiel in Kaiserslautern durch. Auf Jones‘ Position im Mittelfeld ist die Mannschaft schon adäquat besetzt; Frings, Rolfes, Borowski und zur Not auch Hitzelsperger können zentral neben Ballack spielen (und überhaupt: ein Blau-Weißer weniger 😉 ). Im Sturm war klar, dass die Entscheidung zwischen Helmes und Neuville fällt – die Routine hat sich durchgesetzt. Man hätte aber genauso gut den Noch-Kölner mitnehmen können.

Interessanter als diese Entscheidung ist, ob sich die Abwehr inklusive Torwart am 8. Juni dann sicherer präsentieren wird als vorgestern. So ganz sicher bin ich mir da nicht (aber vielleicht muss ich das jetzt sagen als Dortmunder), und mir fällt es ohnehin schwer, die Leistungsstärke dieser deutschen Mannschaft einzuschätzen. Ein Spaziergang wird es sicher nicht. Aber wie auch in Sachen BVB gilt für mich erstmal: keine Wetten, keine Prognosen…

Spitzenshow

Mit typisch deutscher Vorschlaghammer-Symbolik wurde heute auf der Zugspitze das (vorläufige) EM-Aufgebot des DFB bekanntgegeben. Und siehe da: Auch Joachim Löw und sein Team hatten einige Überraschungen parat, über die jetzt ausgiebigst diskutiert werden darf und wird.

Im Tor wird also Timo Hildebrand nicht dabeisein, dafür Rene Adler von Bayer Leverkusen (neben Lehmann und Enke). Eine gewagte Entscheidung, die ich nur schwer nachvollziehen kann. War es Hildebrands Pech, dass er nun weit weg in Spanien spielt und mit dem FC Valencia lange Zeit in Abstiegsgefahr schwebte? Haben sich die Herren Löw, Köpke und Flick wirklich ausreichend über seinen Leistungsstand informiert, auch vor Ort? Rene Adler hat sicher noch eine erfolgreiche Zukunft vor sich, aber muss er wirklich schon dieses Jahr mit von der Partie sein? Ich habe außerdem eher Zweifel an Lehmanns Stabilität als an der von Hildebrand.

In der Abwehr gab es keine echten Überraschungen, im Mittelfeld ist Marco Marin von Gladbach der ‚Odonkor von 2008‘. Wobei der echte Odonkor auch wieder dabei ist. Gerade er dürfte einer der Streichkandidaten sein, denn Löw muss noch drei Spieler aussortieren, um auf die erlaubte Höchstzahl von 23 zu kommen. Nach dem, was man so in der Presse über seine Auftritte bei Betis Sevilla liest (wenn er denn mal spielen darf), ist schon seine Nominierung für den erweiterten Kader eher fragwürdig. Weiterlesen „Spitzenshow“