Tabellenführer trotz verspielter Führung

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1. Bundesliga, 9. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 2

Die Borussia im Zwiespalt: Kann man sich über einen Punkt bei einer Eintracht im Aufwind freuen? Eigentlich nicht, wenn man 2:0 führte und die eigene Abwehr vogelwild spielte. Doch am Ende des Tages reicht der Auswärtspunkt, um Platz 1 zu behaupten, weil die Bayern sich mit einem einzigen Törchen in Hamburg begnügen mussten. Und immerhin lieferte das BVB-Spiel erneut beste Unterhaltung.

Drei Gedanken zum Spiel

Was für eine Partie! Aber auch: was für eine dramatische Situation in der BVB-Abwehr! Peter Bosz musste Sokratis und Toprak ersetzen. Er entschied sich für Weigl als Innenverteidiger und ließ Marc Bartra erneut außen spielen. Letztere Maßnahme ging auf, als Marc Nuri Sahin das 1:0 auflegte. Ersteres muss man als mindestens zweifelhaft bezeichnen. Ein ums andere Mal wurde die Viererkette überspielt, viel zu häufig lief man hinterher oder stand in Unterzahl den Frankfurter Offensiven gegenüber. Die das natürlich auch stark machten.

Selbstverständlich war für diese löchrige Defensive nicht nur Julian Weigl verantwortlich. Aber man muss bedenken, dass es auch mit ihm nicht lief – denn Peter Bosz bekam für seinen Doppelwechsel, bei dem neben Kagawa Zagadou für Weigl kam, viel Kritik in den Medien. Auch von Sky-Kommentator und BVB-Fan Hansi Küpper. Bartra nach innen zu ziehen war aber zu diesem Zeitpunkt durchaus nachvollziehbar. Trotz des 2:0 hatten die Schwarz-Gelben zuvor alle Türen offen gelassen. Weswegen diese ersten 15 Minuten nach der Pause auch so atemberaubend waren – in beide Richtungen. weiterlesen

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Selters-Frühstück nach dem Pokalrausch

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1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 0 1. FC Köln 0

Das Umstellen von großen Dienstags- und Mittwochsspielen auf den Ligaalltag fällt den Schwarz-Gelben weiterhin schwer. Eins von beiden läuft in der Regel suboptimal. Am Samstag war’s eigentlich ein anständiger Auftritt gegen den Effzeh, nur ein Tor fehlte.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Köln zog sich weit zurück, sobald der BVB richtig Druck aufbaute. Mitte der ersten Hälfte sahen die Gäste kurzzeitig gefährlich aus, aber die Schwarz-Gelben überstanden diese Phase schadlos. Die zweite Hälfte war ein einziges Anrennen; mal mehr, mal weniger intensiv. Doch die Kölner machten es defensiv immerhin so gut, dass zwar 23 Torschüsse, aber weit weniger echte Chancen heraussprangen.

Man kann das natürlich so machen in Dortmund, absolut legitim. Drei Punkte darf man allerdings nicht erwarten und dementsprechend zufrieden zeigte sich FC-Trainer Peter Stöger mit dem Unentschieden. Noch in der Nachspielzeit musste Keeper Timo Horn den Punkt allerdings gegen Guerreiro retten, anschließend war ausgerechnet Neven Subotic zur Stelle, um den Abpraller vor Dembelé zu klären.

Es war die einzige erwähnenswerte Geschichte rund um eine Partie, die schnell in Vergessenheit geraten wird: Neven wurde nach Schlusspfiff von der Südtribüne gefeiert. Auch wenn er angesichts der Personallage wohl kaum zurückkehren wird: Es war eine schöne Aktion, die einen unweigerlich wieder an die schönen Momente mit Neven erinnert.

Ändert aber nichts daran, dass der Punktverlust je nach Spielausgang in Sinsheim noch mal weh tun könnte.

Die Aufstellung: Bürki – Durm, Sokratis (74. Piszczek), Ginter, Schmelzer – Weigl, Castro – Pulisic, Kagawa (66. Guerreiro), Reus (66. Dembelé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Durm, Castro.

Ein Grund zur Freude

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Borussia Dortmund hat den ersten Doppelpack in einer langen Serie von Testspielen bis Ende August absolviert. Wie meistens waren unterklassige Klubs aus der Region die Gegner. 5:2 bei der Spvgg Erkenschwick und 2:0 beim Regionalligisten Wuppertaler SV lauten die Resultate. Vier bzw. fünf Tage nach dem Start in die Vorbereitung wählte Thomas Tuchel für beide Partien die gleiche Herangehensweise: In der ersten Halbzeit ließ er eine stark besetzte Startelf auflaufen, die nach der Pause nahezu komplett ersetzt wurde.

Insofern waren die jeweils ersten 45 Minuten hinsichtlich der kommenden Saison die interessanteren. Von den Spielern, die bereits aus dem Urlaub zurück sind, konnten etwa Gonzalo Castro sowie Felix Passlack mit guter Frühform überzeugen und trafen beide. Aber bereits nach drei Minuten in Oer-Erkenschwick stach einer heraus, auf den man wohl ohnehin am gespanntesten war: Ousmane Dembelé erzielte das 1:0 und zeigte danach in beiden Partien, zu was er – hoffentlich auch höherklassig – fähig ist. Einige feine Dribblings, präzise Pässe, gutes Spiel über außen – auf den neuen Neunzehnjährigen können wir uns wirklich freuen.

Ein 27-Jähriger fehlte: Neven Subotic hat von der Borussia die Erlaubnis bekommen, sich um Vertragsverhandlungen mit anderen Vereinen zu kümmern. Es scheint beträchtliches Interesse zu bestehen – nicht nur aus Köln, sondern angeblich auch von mehreren Vereinen aus der Premier League. Arsenal soll bereits ein Angebot abgegeben haben. Ich würde Neven am liebsten beim FC Middlesbrough sehen, der gerade aufgestiegen ist. Ebenfalls unbestätigten Gerüchten zufolge soll unser Innenverteidiger sich bereits das Riverside Stadium angesehen haben.

Wo auch immer Neven landet – sein Weggang erzeugt Wehmut. Erinnerungen kommen hoch an die größten Erfolge der Klopp-Ära und die Feiern danach. Und natürlich ist er auch einfach ein feiner Kerl, soweit man das als Fan beurteilen kann. Wenn es jetzt für die Premier League reicht, die Neven wohl tatsächlich reizen würde, wäre das tröstlich.

Der bevorstehende Abschied ist mMn allerdings auch kein Grund, lange in Nostalgie zu verfallen. Die Borussia wird die Fußballwelt nicht grundlegend ändern können – wir müssen das Beste daraus machen. Dahingehend hat der Verein schon einiges getan. Es gibt viele Gründe, sich auf die neue Spielzeit zu freuen. Wer Veränderungen zulässt und annimmt, kann sich auch an der nun entstehenden Spannung erfreuen. Allerdings müssen Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nicht nur einen Mkhitaryan-Nachfolger finden, sondern auch noch Spieler verabschieden – vielleicht sogar die schwierigere Aufgabe.

BVB auf dem Weg nach Europa

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1. Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 2 Hertha BSC 0

Borussia Dortmund hat sich im vorletzten Heimspiel der Saison eine gute Ausgangsposition geschaffen, um auch ohne den von allen ersehnten Pokalsieg in der kommenden Spielzeit im Europapokal vertreten zu sein. Hilfreich war dabei, dass die Formkurve der Hertha nach unten zeigt und etwa ein Spieler wie Ben-Hatira ersetzt werden musste. Denn mehr als zwei bis drei Chancen hatten die Gäste nicht in der Partie, obwohl sie es bis zum Schluss versuchten.

Bei den Schwarz-Gelben musste Jürgen Klopp Kuba ersetzen. Kevin Kampl kam für ihn in die Startelf und legte einen eher farblosen Auftritt hin. Derzeit besser in Form: Henrikh Mkhitaryan, der beide Treffer vorbereitete, viel zum Spiel beitrug und bei seiner besten Einzelaktion auch nur knapp das Tor verfehlte. Sollte Thomas Tuchel wirklich seinen Verbleib gefordert haben, sieht man nun warum.

Bei den Berlinern fehlte selbst bei gegnerischen Standards die defensive Stabilität und offensiv wussten gestern weder Kalou noch Wagner im Sturmzentrum zu überzeugen. Der BVB profitierte davon, ohne dass jeder eigene Spieler glänzen musste. Die Abwehr stand erneut beeindruckend sicher und die Gründe, Mitch Langerak wieder aus dem Tor zu nehmen, schwinden mehr und mehr. Erik Durm konnte gestern endlich einmal zählbar nachweisen, was ihn im Vergleich zu Marcel Schmelzer auszeichnet.

Das Ergebnis hätte höher gestaltet werden können, doch da auf den anderen Plätzen fast alle Resultate für die Borussia ausfielen, wird da sicher niemand kleinlich drauf schauen. Natürlich kann die Lage auf dem ersten Weg nach Europa nach dem Auswärtsspiel in Wolfsburg schon wieder ganz anders aussehen. Es bleibt spannend – um Platz 5 bis 7 wie ganz unten.

Die Aufstellung: Langerak – Durm, Subotic, Hummels, Schmelzer (71. Piszczek) – Kehl, Gündogan – Mkhitaryan, Kagawa (84. Bender), Kampl – Aubameyang (66. Immobile). Gelbe Karten: Kehl, Subotic. Tore: Subotic, Durm

BVB wird zur kleinen Borussia

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1. Bundesliga, 28. Spieltag / Mönchengladbach 3 BVB 1

Die letzten beiden Ligapartien haben den Status Quo 2015 bei Schwarz-Gelb demonstriert: Der BVB ist nicht wirklich so schwach wie es in der Hinserie den Anschein hatte, doch in dieser Saison ein großes Stück von der Spitze entfernt. Mehr als ein Hineinrutschen in die Europa League, auf die eine oder andere Weise, wäre schlicht nicht verdient. Und die Borussia vom Niederrhein hat uns spielerisch derzeit einiges voraus. Warum Favres Team nicht im Pokal-Halbfinale steht, können sich die Gladbacher nur selbst beantworten.

Es gibt nicht wirklich eine Entschuldigung dafür, dass es zum dritten Mal in dieser Spielzeit schon in der ersten Minute hinten klingelte. Wendts Treffer wäre mehrfach zu verhindern gewesen, unter anderem, wenn Hummels nicht ausgerutscht wäre. Mit dem 1:0 hatten die Gastgeber ideale Voraussetzungen, um auf ihre Schnelligkeit in Kontersituationen zu vertrauen.

Natürlich war es ein Nachteil, dass die Schwarz-Gelben auf Marco Reus und den im Pokal überzeugenden Erik Durm verzichten mussten. Die Bilanz mit und ohne Reus ist eindeutig. Zwar schaffte der BVB nach dem frühen Gegentor ein eindeutiges Übergewicht, hatte viel Ballbesitz, aber es fehlten zwingende Gelegenheiten. Weitschüsse können manchmal ein probates Mittel sein – siehe Kehls Dropkick am Dienstag – aber häufiger sind sie auf Bundesliga-Niveau Ausdruck von Ideenlosigkeit oder gar Verzweiflung. Die vermeintlich Kreativen wie Gündogan oder Kagawa brachten wenig zustande; Mkhitaryan wirkte zumindest energischer.

Ein Problem, zu dem sich Jürgen Klopp zuletzt bekannt hat und das er gestern durch offensive Auswechslungen zu beheben versuchte, ist die mangelhafte Besetzung des gegnerischen Strafraums. Zu oft steht tatsächlich nur Aubameyang als Anspielstation ganz vorne zur Verfügung. Andere Akteure rücken zu langsam nach. Selbst wenn Marcel Schmelzer einmal eine gute Flanke in oder an den Sechzehnmeterraum bringt, kann diese dann nicht verwertet werden – nur einmal hätte es fast geklappt. Auch Gladbach bot gestern zeitweise viel Platz über die Flügel an, den der BVB zu selten zu nutzen verstand. Ich hätte gerne Dudziak länger und Durm überhaupt gesehen – letzteres war bekanntlich nicht möglich.

Die Art und Weise, wie Herrmann das 2:0 machte, zeigte Souveränität und Klasse – nicht nur beim Mittelfeldspieler selbst. Auch in dieser Szene kamen drei, vier Schwarz-Gelbe zu spät; am Ende schien es so, als würde Neven Subotic etwas zu früh aufgeben. Natürlich lag dieser Torerfolg vor allem daran, dass Herrmann ein Klassespieler ist – doch solche Spielzüge sieht man beim BVB in dieser Saison zu selten. An Herrmanns – und Reus‘ – Qualität kommen andere Dortmunder derzeit nicht ran.

Das dritte Gegentor, mal wieder nach einem Standard, war eine Mischung aus Pech und Unvermögen und brachte die Entscheidung. Viel mehr als den einen eigenen Treffer durch Gündogan – nach Vorlage von Dudziak – hatten die Schwarz-Gelben nicht verdient. Trotz Bemühen und 54 Prozent Ballbesitz. Mit nur ein, zwei entscheidenden Ausfällen – auch den bisher allenfalls in der Rückserie überzeugenden Nuri Sahin wünscht man sich sehnlichst zurück – geht die mannschaftliche Reife verloren. Zugegeben, ein wolkiger Begriff. Doch gegen gefestigte Teams mit Qualität macht so etwas den Unterschied aus: Gladbach machte gerade auch im Umschaltspiel weniger Fehler.

Es bleibt dennoch die Hoffnung auf die letzten sechs Begegnungen. Denn die Konkurrenz auf den Plätzen 5 bis 9 punktet auch nicht gerade regelmäßig und als nächstes stehen zwei Heimspiele an.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (70. Schmelzer) – Kehl, Gündogan – Blaszczykowski, Kagawa (63. Ramos), Mkhitaryan – Aubameyang (77. Immobile). Tor: Gündogan

Müde aber zufrieden

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DFB-Pokal, Viertelfinale / BVB 3 TSG Hoffenheim 2 (n.V.)

Spiele von Borussia Dortmund sind derzeit anstrengend. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit „langweilig“ oder „schlecht“. Am Samstag war das stets emotionale Duell gegen den FC Bayern verbunden mit Frust über die Unfähigkeit der Schwarz-Gelben, gegen mauernde Gäste mehr als zwei, drei Chancen herauszuspielen – und natürlich mit Ärger über Schiedsrichter Knut Kircher, der vom „Kicker“ am Dienstag vor allem wegen der Fehlentscheidungen gegen den BVB die Note 5 bekam.

Gestern bescherte uns die Borussia nun einen langen Pokalabend gegen einen ungeliebten Kontrahenten. Mit viel Kampf, einigem Krampf und spätem Glück. Auch das schlauchte etwas. Nach dem 1:2 in Folge des kapitalen Patzers von Neven Subotic ertappte ich mich wieder beim Gedanken an eine der ärgerlichsten Niederlagen der letzten Jahre, die Partie gegen denselben Gegner am letzten Spieltag 2013. Was hätten die schwarz-gelben Jungs uns alles ersparen können. Doch zum Glück zeigte der BVB doch noch seine in den letzten Jahren erworbenen Pokal-Qualitäten.

Gut möglich, dass der Umschwung mit dem Support durch das ausverkaufte Stadion zu tun hatte, das absolut keine Lust auf eine weitere entscheidende Niederlage gegen die TSG verspürte. In der ersten Hälfte hatten die Borussen enttäuschend wenig echte Torgefahr gegen eine keinesfalls sattelfeste Gäste-Defensive verbreitet. Ohne Marco Reus und Mats Hummels, die mit Schmerzen, aber ohne schlimme Verletzungen ausfielen, fehlten wichtige Impulsgeber. Henrikh Mkhitaryan hatte gute Ideen, die er aber schwach umsetzte. Shinji Kagawa war zu selten zu sehen, dann allerdings effektiver als der Armenier. weiterlesen

Borussia zurück im Torzirkus

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1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 4 FSV Mainz 05 2

Die Bundesliga erlebt an diesem Wochenende einen ihrer spektakuläreren Spieltage: mit vielen, schönen und späten Toren. Und das Schönste: Borussia Dortmund mischt kräftig mit. Schon am Freitagabend trafen die Schwarz-Gelben viermal und drehten erstmals in dieser Saison ein Spiel. Dabei erinnerte der Beginn fatal an die tragikomisch vergeigten Auftritte in der Hinserie: Schwaches Abwehrverhalten von Neven Subotic im Strafraum veranlasste Roman Weidenfeller zu einer Faustabwehr weit vor seinem Tor, so dass ihn anschließend Soto mit einem feinen Heber überwinden konnte. Zwar traf Neven später per Kopf zum Ausgleich, machte aber ansonsten ein deutlich schwächeres Spiel als in der zweiten Hälfte in Freiburg.

Eindeutig positiv zu bewerten war die Reaktion der Schwarz-Gelben auf den frühen Rückstand und die allgemeine Leistung der Offensive. Da wächst möglicherweise etwas zusammen, was genau so zusammengehört: Aubameyang, dahinter Reus, Kampl und einer aus dem Trio Kagawa, Kuba und Miki – daran könnten wir für den Rest der Saison noch viel Freude haben. Der BVB kreiert endlich wieder genügend Chancen, schoss 21-mal Richtung Mainzer Tor. Den Gästen gebührt durchaus Lob für ihre disziplinierte erste Hälfte, in der sie sogar noch einen Handelfmeter hätten bekommen können. Doch Jürgen Klopp muss in der Pause die richtigen Worte gefunden haben: Nach 55 Minuten führte die Borussia. Nevens Ausgleich folgte das 2:1 durch den Helden der Woche, Marco Reus.

Kurz darauf stand es 2:2. Roman Weidenfeller kam schlecht getimet aus dem Kasten und gab Malli die Gelegenheit, auszugleichen. Zwei Rückschläge in einem Spiel hätte dieses Team vor Freiburg vielleicht noch nicht verkraftet, doch man merkte, dass das Selbstbewusstsein wieder zurück ist. Zwar schlugen die Schwarz-Gelben nicht postwendend zurück, aber dafür war das 3:2 in der 71. Minute umso schöner. Marco Reus legte von links herrlich mit dem Außenrist für Aubameyang vor und der spitzelte den Ball gekonnt ins Tor. So macht die Borussia wieder Spaß – egal ob sie auf Platz 16 oder 6 steht. weiterlesen

Erlösung im Breisgau

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1. Bundesliga, 20. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 3

Borussia Dortmund hat den ersten Schritt zurück zur Normalität geschafft. Das mag nach allem was passiert ist etwas hoch gegriffen klingen, doch der Auswärtssieg in Freiburg war zusammen mit dem Hinspiel der beste Saisoauftritt der Schwarz-Gelben in der Bundesliga. Natürlich lag das auch am Gegner, dem wir offensichtlich nicht liegen. Auch gestern offenbarte die Freiburger Abwehr Schwächen, die selbst die vom BVB in den letzten Monaten gezeigten Defizite noch überboten. Doch das zumindest vergleichsweise extrem überzeugende 3:0 zeigte jedem aufmerksamen Beobachter, was der Dortmunder Kader leisten kann. Das Wichtigste: Auch die Mannschaft selbst dürfte das gemerkt haben.

Jürgen Klopps Änderungen der Startelf – Subotic für Sokratis, Kagawa für Immobile, den Aubameyang in der Spitze ersetzte – waren nicht direkt naheliegend. Sie müssen wohl auf Trainingseindrücken beruht haben. Entscheidend daran war nur, dass Pierre-Emerick Aubameyang ganz vorne ran durfte und davon befreit war, weite Flanken schlagen zu müssen. Was sich für den Sportclub verheerend auswirkte. Auba war an allen drei Treffern maßgeblich beteiligt. Beim ersten, der für den BVB perfekterweise nach 09 Minuten fiel, war er nach einem zu kurzen Rückpass von Frantz auf Torwart Bürki zur Stelle und überließ den Ball am Ende Reus, der das leere Tor vor sich hatte. Das 2:0 nach einem perfekt getimeten Pass von Gündogan war in der Folge Auba pur und beim dritten krönte er einen Spielzug wie zu besten Dortmunder Zeiten, an dem unter anderem der eingewechselte Kuba beteiligt war.

Man konnte vom gestrigen Spiel bei sonnigem Wetter, aber nach Meinung der Gastgeber bescheidenem Rasen schlichtweg nicht mehr erwarten. Aus schwarz-gelber Sicht war es eine von Anfang an viel konsequenter und sicherer geführte Partie – schon vor dem frühen 1:0 hatte die Borussia zwei Chancen. Und ja, es wirkte auch alles viel positiver, wie von Jürgen Klopp gefordert. Sicher war die Führung, so banal das klingt, extrem wichtig. Denn der BVB konnte danach genau das machen, was ihm zuletzt selten vergönnt war: Das Spiel aus der eigenen Hälfte kontrollieren und auf Möglichkeiten zu schnellen Gegenstößen warten. Der Freiburger Offensive fehlten weitgehend die Ideen für ein Gegenrezept.

Neven Subotic fand sich nach zwei Unsicherheiten in der ersten Hälfte sehr gut in die Partie hinein und auch Shinji Kagawa machte eine solide Partie. Am ehesten könnte man hinter den sehr unauffälligen Nuri Sahin ein Fragezeichen setzen, aber in Wahrheit wäre es unfair, nach diesem Turnaround etwas zu kritisieren.

Natürlich: Niemand sollte sich dazu hinreißen lassen, die Lage jetzt plötzlich wieder rosarot darzustellen. Zum einen, weil die Freiburger gestern ein in fast allen Aspekten schwacher Gegner waren. Zum anderen, weil auch andere Klubs im Tabellenkeller im Aufwind sind: Bremen, der HSV und sogar Hertha BSC haben ebenfalls gesiegt, die ersten beiden bereits mehrfach. Huub Stevens‘ VfB wird ebenfalls ein unangenehmer Gegner sein; vom Effzeh Köln wissen wir das bereits. Trotzdem: Der Glaube an das gute Ende ist zurück in Dortmund. Das könnte entscheidend sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan (80. Ginter), Sahin – Kampl (68. Blaszczykowski), Kagawa, Reus (80. Mkhitaryan) – Aubameyang. Gelbe Karten: Piszczek, Kagawa. Tore: Reus, Aubameyang (2)

Vorne aufgebaut, hinten eingerissen

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1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 2

Das vorletzte Ergebnis von Borussia Dortmund im Jahr 2014 lässt verschiedene Lesarten zu. Man kann sich aus der Warte des Tabellen-16. durchaus über einen Punkt gegen den Tabellenzweiten freuen, den man im Verein auch vor der Saison schon für einen ernsthaften Konkurrenten gehalten hat. Man kann aber auch sagen, dass die Schwarz-Gelben sich zu Hause gar keinen Punktverlust mehr erlauben dürften angesichts des hinter dem Horizont verschwindenden Saisonziels und des ebenfalls weit entfernten Minimalziels Europa League. Letzteres ist immerhin noch über den Pokal erreichbar.

Direkt nach der Partie gestern Abend dürften die wenigsten Variante 1 zugeneigt haben. Zweimal hatte die Borussia geführt, Ciro Immobile hatte einen Treffer erzielt, der es verdient gehabt hätte, das Siegtor zu sein. Doch Wolfsburg kam zweimal zurück, Naldo traf nach Ecke per Kopf zum 2:2. Die Art und Weise, wie die Tore fielen, war das eigentlich Ärgerliche. Zwar hätten die Gäste auch aus dem Spiel heraus das eine oder andere Mal treffen können, sie taten es aber durch einen Freistoß aus rund 18 Metern, den Mitch Langerak hätte abwehren sollen, und nach besagter Ecke, als sich ausgerechnet Riese Naldo völlig frei durch den Strafraum bewegen konnte. Jürgen Klopp rutschte im Sky-Interview nach dem Spiel heraus, dass Kehl für die Deckung hätte sorgen sollen.

Es war ohnehin nicht der Tag des ehemaligen Kapitäns, auch nicht der des wieder aufgebotenen Großkreutz – dafür der von Ciro Immobile. Der italienische Stürmer zeigte nahezu über die gesamte Spielzeit alle Qualitäten, die man von einem Mittelstürmer erwarten kann. Er bereitete mit seiner Flanke das 1:0 durch Aubameyang vor. Hier zeigte sich übrigens, dass der BVB davon profitieren kann, wenn er sein Spiel wieder breiter macht. Sein eigenes Tor, dem ein tolles Tackling des eingewechselten Oliver Kirch voranging, war ein Schuss wie ein Strahl ins linke Eck. Ciro hatte weitere Szenen, wo er den Ball gut an- und mitnahm, nur im Abschluss weniger Glück hatte. Wenn er diese Form irgendwie konservieren kann, erübrigt sich das Gemunkel der Medien über eine neue Offensivkraft ganz schnell wieder.

Bei allem Ärger über den späten Ausgleich und das Auf-der-Stelle-treten war es eine tolle Partie mit offenem Visier von beiden Teams. Also auch von Schwarz-Gelb. Wolfsburg hatte mehr Ballbesitz, es gab Phasen von Dominanz der Gäste, aber auch der Gastgeber. Gegen viele andere Bundesligamannschaften hätte die Leistung der Borussia zum Sieg gereicht. Doch die Wolfsburger sind angeführt von Kevin De Bruyne zu einem Spitzenteam geworden. Einen vergleichbaren Spieler hatte der BVB in Abwesenheit von Marco Reus nicht zu bieten. Das Passspiel auf engem Raum sah auch deswegen bei den Gästen besser aus, während die Schwarz-Gelben deutlich leidenschaftlicher wirkten.

Vorschau auf Bremen

Man kann auf diesem „Pünktchen Hoffnung“, wie der „Kicker“ es nennt, aufbauen. Aber vor allem dann, wenn nun endlich der Auswärtssieg gelingt. Wo sonst, wenn nicht bei den wackligen Bremern? Die neben Prödl mit dem gesperrten Caldirola einen weiteren Innenverteidiger ersetzen müssen. Mit drei Punkten am Samstag würde die Borussia fast sicher die Abstiegszone verlassen. Doch waren wir in dieser Saison schon zu oft Aufbaugegner, um nicht vorsichtig zu sein. Neben den bekannten Ausfällen muss Jürgen Klopp am Samstag ebenfalls auf einen gesperrten Innenverteidiger, Neven Subotic, verzichten. Für ihn wird Ginter spielen. Lukasz Piszczek sollte zumindest in den Kader zurückkehren; Fragezeichen gibt es noch bei Kehl und Bender. Fiele einer von ihnen aus, wäre Oli Kirch sicher eine interessante Option.

Die Aufstellung: Langerak – Durm, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Kehl – Aubameyang, Gündogan (75. Kirch), Großkreutz – Immobile. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Aubameyang, Immobile

Dortmunds Krise hat auch Gründe

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1. Bundesliga, 13. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 0

Wer wollte dieser weisen Erkenntnis der ARD-Sportschau widersprechen? Fragen wir uns also mal wieder, welche Gründe dazu geführt haben, dass die Borussia auch am 13. Spieltag mit null Punkten nach Hause fährt. Und zu diesem Zeitpunkt der Saison so schlecht da steht wie seit knapp 30 Jahren nicht mehr – seit der Spielzeit mit dem legendären Relegations-Krimi gegen Fortuna Köln. Der Übersichtlichkeit halber erfolgt die Analyse in zwei Teilen. Über die Transferpolitik und erzwungene Transfers wird in der nahen Zukunft zu sprechen sein.

Gegen die Eintracht wurde der BVB erneut Opfer einer unguten Mélange aus haarsträubenden Abwehrfehlern, unglücklicher bis schwacher Chancenverwertung, fehlender Kreativität und grenzwertiger Schiedsrichterentscheidungen. Um es gleich zu sagen: Einen klaren Fehler wie Wolfgang Stark beging der Unparteiische Gagelmann jedoch nicht – obwohl das Einsteigen gegen Aubameyang vor dem 0:2 äußerst robust war.

Das Verletzungspech ist derzeit vor allem daher ein Problem, weil es im schwarz-gelben Kader doch größere Leistungsunterschiede gibt. Und die, die nach einer Verletzung wieder zurückkommen, noch nicht bei 100 Prozent sein können. Um es deutlich zu sagen: Eine Innenverteidigung aus Matthias Ginter und Neven Subotic muss so bald wie möglich vermieden werden. Mit sehr einfachen Mitteln waren die beiden heute zu überrumpeln – dass Piszczek / Großkreutz und Durm zu viele Flanken zuließen, kommt noch dazu. An Jürgen Klopp muss man wiederum die Frage stellen, warum er mit den zuletzt allesamt nicht besonders glücklich agierenden offensiven Mittelfeldleuten Großkreutz, Kagawa und Mkhitaryan begann. Gündogan oder Ramos von Beginn an wären naheliegende Alternativen gewesen.

Für die Abwehr, wo sich inzwischen selbst Roman Weidenfeller von der Unsicherheit anstecken lässt, ist hoffentlich bis Freitag Abhilfe in Sicht. Schwieriger wird es, die fehlenden Ideen und die Torgefahr von Marco Reus kurzfristig zu ersetzen. Ein ‚Weiter so‘ kann es im Offensivbereich auch nicht geben. Nachdem ein Festhalten an Personen und am System nicht wirklich geholfen hat, muss Klopp hier wieder mehr experimentieren. Adrian Ramos und Ciro Immobile sind im derzeitigen Kader die Einzigen, die einen ähnlichen Torinstinkt wie Aubameyang und Reus haben. Sie besser ins Spiel zu integrieren, wird in den nächsten Tagen eine wesentliche Aufgabe für Klopp und sein Team sein.

Machen wir uns nichts vor: Die Partie in Frankfurt war nicht gut und für Dortmunder Verhältnisse auch keine unglückliche Niederlage. Der Unterschied selbst zur Vorsaison ist groß. In den nächsten Wochen werden nach derzeitigem Stand bis auf Marco Reus alle Spieler wieder zur Verfügung stehen. Wenn das nicht weiterhilft – nur dann wäre Jürgen Klopp mit seinem Latein am Ende.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (38. Ramos), Subotic, Ginter, Durm – Bender, Kehl (74. Gündogan) – Mkhitaryan, Kagawa (74. Jojic), Großkreutz – Aubameyang. Gelbe Karten: Ginter, Großkreutz