Auf der Suche nach dem Spielglück

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Champions League, 2. Spieltag / BVB 1 Real Madrid 3

Die Borussia verliert auch ihr zweites Gruppenspiel mit 1:3. Nicht unverdient, wenn man die hochkarätigen Chancen zählt. Und doch hätte auch die Partie gegen den Titelverteidiger anders laufen können, hätten die Schwarz-Gelben nicht wieder Pech gehabt. Der Diskussion um die taktische Herangehensweise werden sie trotzdem nicht ganz entkommen können.

Drei Gedanken zum Spiel

Wie sagte es Nuri Sahin nach dem Spiel: „Man braucht auf dem Niveau auch ein bisschen Spielglück.“ Und tatsächlich ist die Leistung zwar das Wichtigste, doch es entscheiden eben manchmal Millimeter – und fehlbare Schiedsrichter. Kurz nach der Pause scheiterten Auba und Yarmolenko knapp am Ausgleich.

Meistdiskutiert war aber natürlich die Szene in der 14. Minute, als Sergio Ramos den Ball im Strafraum mit der Hand spielte. Zuvor hatte Keeper Navas pariert, von ihm sprang der Ball zum nahen Abwehrspieler. Journalisten, unbeteiligte Schiedsrichter und sogenannte Experten waren geteilter Meinung. Im Zweifelsfall geben diese Personenkreise jedoch eher dem Referee Recht. Dabei war im Fernsehen klar ersichtlich, dass Ramos nicht einfach nur den Arm zu hoch hatte, sondern ihn auch aktiv in Richtung Ball bewegte. Eine billige Ausrede ist Sahins Aussage daher nicht. Nur bleibt es eben beim Konjunktiv: Was wäre gewesen, wenn? weiterlesen

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Dortmund bleibt Spitze

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1. Bundesliga, 2. Spieltag / BVB 2 Hertha BSC 0

Im Spiel gegen Hertha BSC, eine dieser nicht gerade brillanten, aber schwer zu schlagenden Bundesligamannschaften, zeigt Borussia Dortmund, dass man auch ohne Ousmane Dembelé weiter ist als wohl viele vor zehn Tagen gedacht hätten. Zumindest bis zu den Sonntagsspielen bleiben die Schwarz-Gelben ohne Gegentor an der Tabellenspitze.

Drei Gedanken zum Spiel

Die Borussia kann auch beharrlich sein, ohne kopflos zu werden. Wer gedacht hatte, dass Peter Boszs Spielphilosophie bedingungslose Offensive bis zum Leichtsinn beinhalte, wurde eines besseren belehrt. Natürlich war die Hertha gestern auf Konter aus – und versuchte es hinten mit zwei dicht gestaffelten Viererketten, um dem BVB nur den Weg ins Abseits zu gestatten. Letzteres klappte aus Gästesicht auch phasenweise sehr gut. Bloß dass die schwarz-gelbe Defensive eben auch auf der Hut war.

Das Spiel machte die Borussia ohnehin. Aber eben geduldig und aufmerksam, um in dem Moment da zu sein, wenn sich doch eine Lücke zeigte. Natürlich ist hier besonders Nuri Sahin zu nennen, der wie Christian Pulisic letzte Woche ein Tor von Aubameyang vorbereitete und dann mit einem Hammerschuss selbst traf. Dass es gegen später noch Chancen auf beiden Seiten gab, ist gegen einen Europa League-Teilnehmer absolut OK. weiterlesen

Vier gewinnt: Dortmund holt den Pott

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DFB-Pokal, Finale / Eintracht Frankfurt 1 BVB 2

Mancher wird einfach nur gedacht haben: endlich. Manchem fehlte spielerischer Glanz. Doch wer wären wir denn, wenn wir uns über einen verdienten Pokalsieg – und den ersten echten Titel seit fünf Jahren – nicht mehr richtig freuen könnten? Genau, die Bayern. Mit einer weiteren Auba-Show zum wahrscheinlichen Abschied hat die so ganz andere Saison ein grandioses Ende gefunden.

Drei Gedanken zum Spiel

Natürlich, es war ein Arbeitssieg. Angesichts der vielen zusehenden Länder keine Werbung für eine neue Art von Fußball wie in den erfolgreichsten Klopp-Jahren. Aber die Konstanz aus 2011 und 12 ist passé und dafür gibt es zu akzeptierende Gründe. Nach der frühen Führung durch Dembelé, dessen Tor ein wenig an München erinnerte, machten es die Frankfurter dem BVB im Mittelfeld schwer. Der Spielaufbau der Schwarz-Gelben bestand nach der ersten Viertelstunde weitgehend aus langen Bällen.

Doch in der zweiten Hälfte gewann die Borussia ihre Dominanz zurück und die Zahl der Torschüsse, 12:8 für Schwarz-Gelb, spiegelt auch das Endergebnis wieder. Pierre-Emerick Aubameyang wurde nach Reus‘ verletzungsbedingtem Ausscheiden zum Mann des Spiels. Ein Fallrückzieher, der fast zum Tor des Jahres geworden wäre und nur mit Mühe von einem Frankfurter an die Latte gelenkt wurde. Ein weiterer Schuss ans Aluminium. Und eben der cool verwandelte Elfmeter, als ob es nie zuvor Fehlschüsse gegeben hätte. Traurig, ihn vielleicht bald nicht mehr in unseren Farben zu sehen. weiterlesen

Vertragsverlängerungchen: Nuri Sahin bleibt bis 2019

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Gerade noch hat ihn wieder mal das Verletzungspech ereilt: In Mönchengladbach zog sich BVB-Mittelfeldspieler Nuri Sahin einen Außenbandteilriss zu und wird frühestens im letzten Saisonspiel oder im Pokalfinale wieder auflaufen können. Doch was unser Eigengewächs in seinen wenigen Einsätzen der letzten Wochen gezeigt hat, scheint den Vereinsverantwortlichen gereicht zu haben: Nuri Sahin und die Borussia verlängern ihre Zusammenarbeit bis Juni 2019. Sportdirektor Michael Zorc sagte dazu unter anderem folgendes:

Auch wenn Nuri in den vergangenen beiden Jahren Pech mit Verletzungen hatte, hat er doch immer wieder gezeigt, dass er zurückkommen und einen sehr wichtigen Part in unserer jungen Mannschaft ausfüllen kann.

Natürlich weiß Nuri, dass jetzt ein ungünstiger Zeitpunkt für einen Wechsel wäre. Aber natürlich hat man auch auf Vereinsseite seine Verletzungsanfälligkeit ins Kalkül gezogen. Insofern macht eine Vertragsverlängerung um (nur) zwei Jahre für beide Seiten Sinn: Nuri ist heute 28 – Kinder, wie die Zeit vergeht. Mit 30 könnte er noch mal zu einem halbwegs ambitionierten Klub wechseln, wenn es nötig werden sollte. Der BVB sichert sich eine Integrations- und Identifikationsfigur, was bei einer jungen und veränderten Mannschaft schon mal per se Sinn macht.

Ob es sich für den Verein direkt sportlich auszahlt, ist noch mal eine andere Frage. Ich war damals skeptisch, als Nuri und Shinji Kagawa aus England zurückgeholt wurden. Bis zur aktuellen Rückserie dürften die meisten Beobachter diese Skepsis geteilt haben. Seither haben beide wieder eine Reihe guter Auftritte gezeigt – Shinji noch ein paar mehr als Nuri. Ob der Aufschwung von Dauer ist, lässt sich kaum vorhersagen. Noch haben sie ihr Spitzenniveau nicht erreicht und die Messlatte liegt hoch. Verletzungen helfen in aller Regel nicht.

Sagen wir es so: Wäre mit der Vertragsverlängerung eine deutliche Gehaltserhöhung verbunden, würde der Deal für den BVB keinen Sinn machen. Zu ähnlichen oder leistungsbezogeneren Bezügen dagegen schon. Und noch mehr dann, wenn Tuchel, Zorc und Watzke die Überbesetzung des Mittelfelds beheben und den Kader auf anderen Positionen stärken. Gerade in Zeiten wie diesen darf man sich außerdem auch mal ganz sentimental freuen, wenn uns ein langjähriger Schwarz-Gelber erhalten bleibt.

Borussia-Serien halten, Schwarz-Gelb darf feiern

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1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 4 Mönchengladbach 1

Nach frühem Schock schlägt diesmal die schwarz-gelbe Borussia blitzschnell zu und dreht das Borussen-Duell in beeindruckender Weise. Nur um die Halbzeitpause herum können die Gäste die Partie einigermaßen ausgeglichen gestalten, kommen jedoch nur zu wenigen Torszenen. Dann schlägt die brillante BVB-Offensive erneut zu und schon wirkt die „Tuchel-Wutrede“ so novembrig. Der Trainer bleibt in der Liga zu Hause ungeschlagen und der VfL wartet weiter auf einen Sieg.

Drei Gedanken zum Spiel

Heute hat Thomas Tuchel gezeigt, wie man richtig rotiert. Ich meine, hallo, Reus und Dembélé – wie geil war das denn? Unglaublich, in welcher Form sich Marco bereits wieder befindet, da sieht man auch von einem kritischen Fehlpass ab. Mit einem perfekten Hackentrick bereitet er Aubas zweiten Treffer vor. Und Ousmane? Jeden Cent wert und mehr als das. Wenn er uns eine Weile erhalten bleibt, werden wir noch viel Spaß haben. Marc Bartra kehrte in die Abwehr zurück und gab eine Art Kopfballvorlage zum 0:1. Dafür verlängerte er aber auch die Ecke zum 2:1 und zeigte, dass er an guten Tagen den Hummels schon ganz gut kann. Rotation ist also dann eine feine Sache, wenn sie auf Schwachstellen reagiert und den richtigen Spielern verdiente Pausen einräumt.

Ebenfalls in die Mannschaft kam Nuri Sahin, den manche auch in Frankfurt erwarteten, nachdem er im Rekordmatch gegen Legia Warschau überzeugend mitgewirkt hatte. Nun kam also seine nächste Chance und Nuri musste nach 36 Minuten verletzt raus. Bitter für ihn nach langer Warte- und Leidenszeit. Ich habe zwar vermutet, dass es leistungsmäßig für ihn in dieser Saison schwer werden würde, aber so ein Pech kann einem nur leid tun. Allzu schlimm sah es allerdings nicht aus, in der zweiten Hälfte sah man ihn wieder auf der Bank mit Marco Reus plaudern.

Wenn sich diese Mannschaft eingespielt und Thomas Tuchel ihre Fähigkeiten komplett ausgelotet hat, wird die schwarz-gelbe Kaderdichte noch eine wichtige Errungenschaft sein. Der Trainer hat selbst gesagt, dass er noch nicht das perfekte System oder die perfekten Systeme für alle Spieler gefunden hat. Der Trainer wird daran aber akribisch weiterarbeiten. Und wenn man einen Christian Pulisic oder Rohdiamant Emre Mor bringen kann, ist das einfach ein gutes Gefühl. Vor allem ersterer begeisterte in rund zwölf Einsatzminuten wieder so richtig. Ob man das bald auch wieder über die Freunde Götze und Schürrle sagen kann? Da lassen wir uns mal überraschen.

Nun darf das Spiel im Estadio Bernabeu kommen und zuvor Schalke noch einmal gewinnen. Alles wieder im Lot bei der schwarz-gelben Borussia – was man von der anderen nicht sagen kann. Denn zu den tollen Spielzügen der einen gehörten auch Akteure der anderen, die sich mehr als einmal zu leicht ausspielen ließen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Sokratis, Bartra – Piszczek, Castro, Sahin (36. Weigl), Schmelzer – Dembélé (89. Mor), Reus (78. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Aubameyang (2), Piszczek, Dembélé

BVB verweigert Deadline Day

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Während anderswo am Mittwoch Computer, Faxgeräte und scheinbar auch einige Samsung-Telefone heiß liefen, blieb es in der BVB-Geschäftsstelle am Rheinlanddamm mutmaßlich ruhig. Weder spektakuläre noch überhaupt irgendwelche Spielerwechsel vermeldete der Vizemeister in den letzten Tagen der Transferphase. In der Konsequenz umfasst der schwarz-gelbe Kader bis zum Winter 28 Spieler, sollte es keine vorzeitige Vertragsauflösung geben.

Gehen wir mal davon aus, dass die Borussia nicht den Ronny macht. Thomas Tuchel ist einer gewissen Rotation nicht abgeneigt, gilt aber auch als Trainer, der gerne mit einem überschaubaren Kader arbeitet. Es wird in der gerade gestarteten Hinserie zweifellos Härten geben und es könnte auch nachhaltig unzufriedene Spieler geben.

Wen könnte das betreffen? Es gibt jene Akteure, die sich wohl keine großen Hoffnungen auf einen Stammplatz ausrechnen und auch wenig dafür getan haben, ihn sich zu verdienen. Dazu fällt einem als erstes Joo-Ho Park ein, der die Borussia in absehbarer Zeit wieder verlassen dürfte. Dann ist da Nuri Sahin, der nach seiner Rückkehr nie zu früherer BVB-Form zurückfand, länger verletzt war, aber immer noch einen Bonus bei Teilen der Fans hat und zurück in die Mannschaft will.

Die Perspektiven der Olympia-Fahrer Bender und Ginter mögen etwas besser sein, aber höchstens einer von ihnen dürfte den Weg zurück in die Startelf schaffen. Sportlich ist das angesichts der Konkurrenz nachvollziehbar, aber die beiden sind Sympathieträger, die man gerne langfristig in schwarz-gelb sehen würde. Erik Durm wird es nach seinen Verletzungsproblemen auch erst mal schwer haben.

Und dann sind da noch die internaionalen jungen Talente, die mit den Füßen scharren. Spätestens nach den Mega-Transfers Schürrle und Götze dürfte klar sein, dass nicht für alle von ihnen Platz in der Startelf oder auch nur im Kader ist. Wie werden das Mikel Merino oder Emre Mor verkraften?

Kurzum, ganz wohl kann einem bei diesem großen Kader nicht sein. Es scheint sich auch in Dortmund einzubürgern, dass man sich viele Gedanken über Neuverpflichtungen macht, um nur ja schnell genug zu sein – und sich erst dann möglichen Abgängen zuwendet. Rein finanziell kann man sich das Riesenaufgebot ja leisten. Nur bewegt man sich so mehr in Richtung Premier League, als Watzke & Co zugeben wollen.

Klopp bleibt nicht in Dortmund

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Europa League, Viertelfinale / BVB 1 FC Liverpool 1

Heute wird sich Jürgen Klopp in ein Flugzeug setzen und mit einem Unentschieden im Gepäck an die Merseyside zurückkehren. In einer Woche an der Anfield Road wird dann der sportliche Aspekt des Duells Dortmund gegen Liverpool wohl auch medial wieder mehr im Vordergrund stehen.

Das soll nicht heißen, dass es bei der Rückkehr des geliebten Erfolgstrainers nicht gekribbelt hat. Aber neben Dankbarkeit und Respekt spürte ich vor allem ein sportliches Kribbeln: Wie würde der BVB gegen den neuen Klub des ausgewiesenen Dortmund-Kenners aussehen? Wer am Ende die Oberhand behalten wird, ist nach dieser Partie noch offen. Aber leicht wird die Aufgabe für die Schwarz-Gelben nicht.

Es zeigte sich, dass ein hochmotiviertes Team mit Klopp’schem Pressing und Einzelkönnern wie Coutinho, Lallana oder Origi gegen die Borussia einiges ausrichten kann. Positiv war vor allem in der ersten Hälfte, dass der BVB darauf ruhig reagierte und es den Gastgebern so nach und nach gelang, doch ein deutliches Übergewicht zu schaffen.Was fehlte war die Präzision – oder die richtigen Entscheidungen in Strafraumnähe. Denn die Schwarz-Gelben hatten ein paar echte Chancen, aber vor allem viele Hätte-wäre-wenn-Szenen. Es scheint Spieler zu geben – etwa Erik Durm oder später Nuri Sahin – die unter Tuchel noch nicht so oft dabei waren und deshalb bei aller Auffälligkeit noch öfter falsche Entscheidungen bei Pässen und Schüssen treffen.
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So geht Europapokal!

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Europa League, Zwischenrunde / BVB 2 FC Porto 0

Die Borussia im Europa-Modus – 2016 erinnert das zum Glück wieder eher an Madrid als an Thessaloniki. Am heutigen Abend, unter den letzten 32 in der Europa League, zeigten die Schwarz-Gelben Lust auf den letzten fehlenden Titel. Schließlich hatte die Südtribüne mit einer entsprechenden Choreo gut vorgelegt. Viel souveräner als zu erwarten war gelang ein Heimsieg ohne Gegentor, der allerdings noch höher hätte ausfallen können.

Mit leichten Bauchschmerzen hatte Thomas Tuchel Nuri Sahin in der Anfangsformation aufgeboten, da Ilkay Gündogan wegen eines Infekts nicht zur Verfügung stand. Doch er wusste natürlich, was er erwarten konnte – sonst hätten Ginter oder Castro den Vorzug bekommen. Während seines 57-minütigen Einsatzes zeigte Nuri, dass sein Comeback nicht zu früh kam. Unspektakulär, aber umsichtig und ballsicher organisierte er das Mittelfeld, wurde dabei außerdem von seinen offensiveren Kollegen wie auch durch die typischen Vorstöße von Mats Hummels unterstützt.

Der BVB war von Beginn an wach und präsent – und belohnte sich früh, was gegen die defensiv eingestellten Portugiesen sicher ein Vorteil war. Entgegen der Aussagen aus dem Verein begnügte sich der FC Porto damit, abzuwarten. Offensichtlich wollte man lange ein 0:0 halten, auf Konter lauern und auf das Rückspiel setzen. Doch gelang der Borussia endlich mal eine Eckball-Variante und Piszczek kam in Höhe des kurzen Pfostens frei zum Abschluss. Zwar wehrte Iker Casillas noch ab, doch per Kopf traf Piszczu im zweiten Versuch.

Damit waren wohl endgültig auch Selbstbewusstsein und Souveränität da, wo sie bei einem solchen Spiel sein müssen. Die Schwarz-Gelben spielten noch besser Pressing als sonst, eroberten sehr viele Bälle im Mittelfeld. Porto kam kaum zum Zug, der BVB allerdings auch zunächst nur zu wenigen weiteren Großchancen. Kagawa vergab im Sechzehnmeterraum erstaunlich frei stehend – das wars in der ersten Hälfte.

Doch bei allem Vertrauen der Gäste auf das Spiel im Estadio do Dragao – man muss einen CL-Teilnehmer erst mal so im Griff haben. Genau so hatte sich der FC Porto das sicher nicht vorgestellt. Und einige starke Szenen der Schwarz-Gelben gab es ja noch: Kagawa steigerte sich, bereitete nicht nur exzellent das 2:0 durch Reus vor, sondern prüfte Casillas auch noch selber. Und Miki, der beim zweiten Treffer die unmittelbare Vorlage gab, traf mit einem ungeheuer selbstbewusst wirkenden Kopfball noch den Pfosten. Die einzige größere Chance der Gäste durch den eingewechselten Suk vereitelte in der 89. Minute Bürki.

Gut, wir reden hier vom Europapokal und vom FC Porto. Und alle Schwarz-Gelben wissen aus eigener Erfahrung, dass es nach einer guten Ausgangsposition im Rückspiel noch richtig eng werden kann. Wir hatten schließlich noch nie was gegen Spannung! Man freut sich so allerdings einfacher darauf.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl, Sahin (57. Leitner) – Mkhitaryan, Kagawa (87. Ginter), Reus (86. Pulisic) – Aubameyang. Tore: Piszczek, Reus

In Dortmund gibt es keine Ferngläser

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Der „Kicker“ hat sich in seiner Montagsausgabe mal wieder ausführlich mit dem BVB beschäftigt: eine provokante Titelseite, ein spannendes Hummels-Interview und ein Blick in die nähere Zukunft der Schwarz-Gelben werden geboten. Das mag auch mit dem bevorstehenden ‚Topspiel‘ gegen Bayern München zu tun haben, aber ebenso liegt es am Interesse, das Deutschlands wahrscheinlich beliebtester Fußballverein mittlerweile wieder hervorruft.

Ob dieses Standing angesichts der katastrophalen Hinserie und der damit verbundenen bevorstehenden Zeit ohne Champions League noch zu retten ist – das ist der Subtext des Artikels. Wie schwer wiegt es wirklich, dass die Borussia sich möglicherweise erst mal in der Reihe der Bayern-Verfolger hinten anstellen muss? Langjährige Fans werden damit besser und vielleicht sogar gut umgehen können. Sie haben verinnerlicht, was ein stets erfolgsverwöhnter Bayern-Anhänger nie verstehen musste: Die Möglichkeit des Scheiterns und die Unterstützung trotz aller Widrigkeiten, bis in die Beinahe-Insolvenz.

Deswegen wird uns und diesen Verein ein unerwarteter Rückschlag nicht auseinanderbringen – egal ob die Saison noch in der Europa League und vielleicht sogar mit einem Sieg in Berlin endet oder nicht. Vielleicht wird diese halb verkorkste Spielzeit auch mal als Katalysator für eine erneute Erneuerung bekannt sein. Einige Anzeichen sprechen dafür, dass Jürgen Klopp, Michael Zorc und Aki Watzke gewillt sind, künftig wieder mehr auf den eigenen Nachwuchs zu bauen. Jeremy Dudziak dürfte da nur der Anfang gewesen sein. Möglicherweise braucht es die Erlebnisse der letzten Monate auch, um in einer Tiefenanalyse des Kaders zur Einsicht zu gelangen, dass andere Positionen als bisher gedacht zu den Problemzonen der Schwarz-Gelben gehören – Stichwort Außenverteidiger. weiterlesen

Aufwärtstrend, doch keine Euphorie

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1. Bundesliga, 22. Spieltag / VfB Stuttgart 2 BVB 3

DSC_0115 Ausverkauftes Stadion, Freitagabend-Flutlichtspiel, ein Auswärtssieg mit erneut drei erzielten Toren – kann man mehr verlangen? Borussia Dortmund katapultiert sich vorerst auf Platz 10 der Bundesliga, doch die kommenden Aufgaben und einige Unzulänglichkeiten lassen alle auf dem Boden bleiben.

Für den VfB Stuttgart wird es ganz eng, nimmt man die gestrige Leistung zum Maßstab. Selten, eigentlich fast ausschließlich durch Standards wurden die Gastgeber dem BVB-Tor gefährlich – und das obwohl Mats Hummels erneut nicht in der Dortmunder Startelf stand. Die Schwarz-Gelben hatten die Partie weitestgehend unter Kontrolle und hätten sie viel früher entscheiden können. Mit Aubameyang im Sturmzentrum, einem wieder aufblühenden Marco Reus, einem Selbstvertrauen tankenden Shinji Kagawa und den erfreulich konstanten Sahin und Gündogan ist mehr als das Rückgrat einer ansehnlichen Offensive beisammen. Kagawa bereitete zwei Treffer vor; sehenswert vor allem das 2:1, wo er mit der Hacke zu Gündogan weitergab. Den Gegentreffer nach einem von unserer Position aus nicht so deutlichen Elfmeter steckten die Borussen gut weg.

In der zweiten Halbzeit war die Idee wohl zeitweise, ein ruhiges, abwartendes Ballbesitzspiel aufzuziehen, um den VfB zu locken und zu Fehlern zu zwingen. Wiederholt machte etwa Nuri Sahin beruhigende Handbewegungen. Es hätte gegen die ganz schwachen Stuttgarter eine verständliche Taktik sein können, wenn man eigene Ballverluste vermieden und die sich bietenden Chancen genutzt hätte. Lange Zeit geschah das nicht – speziell Henrikh Mkhitaryan, zur Pause für Kampl eingewechselt, tat sich dadurch hervor, in jeder seiner drei auffälligen Szenen die falsche Entscheidung zu treffen. weiterlesen