Klopp bleibt nicht in Dortmund

Europa League, Viertelfinale / BVB 1 FC Liverpool 1

Heute wird sich Jürgen Klopp in ein Flugzeug setzen und mit einem Unentschieden im Gepäck an die Merseyside zurückkehren. In einer Woche an der Anfield Road wird dann der sportliche Aspekt des Duells Dortmund gegen Liverpool wohl auch medial wieder mehr im Vordergrund stehen.

Das soll nicht heißen, dass es bei der Rückkehr des geliebten Erfolgstrainers nicht gekribbelt hat. Aber neben Dankbarkeit und Respekt spürte ich vor allem ein sportliches Kribbeln: Wie würde der BVB gegen den neuen Klub des ausgewiesenen Dortmund-Kenners aussehen? Wer am Ende die Oberhand behalten wird, ist nach dieser Partie noch offen. Aber leicht wird die Aufgabe für die Schwarz-Gelben nicht.

Es zeigte sich, dass ein hochmotiviertes Team mit Klopp’schem Pressing und Einzelkönnern wie Coutinho, Lallana oder Origi gegen die Borussia einiges ausrichten kann. Positiv war vor allem in der ersten Hälfte, dass der BVB darauf ruhig reagierte und es den Gastgebern so nach und nach gelang, doch ein deutliches Übergewicht zu schaffen.Was fehlte war die Präzision – oder die richtigen Entscheidungen in Strafraumnähe. Denn die Schwarz-Gelben hatten ein paar echte Chancen, aber vor allem viele Hätte-wäre-wenn-Szenen. Es scheint Spieler zu geben – etwa Erik Durm oder später Nuri Sahin – die unter Tuchel noch nicht so oft dabei waren und deshalb bei aller Auffälligkeit noch öfter falsche Entscheidungen bei Pässen und Schüssen treffen.
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So geht Europapokal!

Europa League, Zwischenrunde / BVB 2 FC Porto 0

Die Borussia im Europa-Modus – 2016 erinnert das zum Glück wieder eher an Madrid als an Thessaloniki. Am heutigen Abend, unter den letzten 32 in der Europa League, zeigten die Schwarz-Gelben Lust auf den letzten fehlenden Titel. Schließlich hatte die Südtribüne mit einer entsprechenden Choreo gut vorgelegt. Viel souveräner als zu erwarten war gelang ein Heimsieg ohne Gegentor, der allerdings noch höher hätte ausfallen können.

Mit leichten Bauchschmerzen hatte Thomas Tuchel Nuri Sahin in der Anfangsformation aufgeboten, da Ilkay Gündogan wegen eines Infekts nicht zur Verfügung stand. Doch er wusste natürlich, was er erwarten konnte – sonst hätten Ginter oder Castro den Vorzug bekommen. Während seines 57-minütigen Einsatzes zeigte Nuri, dass sein Comeback nicht zu früh kam. Unspektakulär, aber umsichtig und ballsicher organisierte er das Mittelfeld, wurde dabei außerdem von seinen offensiveren Kollegen wie auch durch die typischen Vorstöße von Mats Hummels unterstützt.

Der BVB war von Beginn an wach und präsent – und belohnte sich früh, was gegen die defensiv eingestellten Portugiesen sicher ein Vorteil war. Entgegen der Aussagen aus dem Verein begnügte sich der FC Porto damit, abzuwarten. Offensichtlich wollte man lange ein 0:0 halten, auf Konter lauern und auf das Rückspiel setzen. Doch gelang der Borussia endlich mal eine Eckball-Variante und Piszczek kam in Höhe des kurzen Pfostens frei zum Abschluss. Zwar wehrte Iker Casillas noch ab, doch per Kopf traf Piszczu im zweiten Versuch.

Damit waren wohl endgültig auch Selbstbewusstsein und Souveränität da, wo sie bei einem solchen Spiel sein müssen. Die Schwarz-Gelben spielten noch besser Pressing als sonst, eroberten sehr viele Bälle im Mittelfeld. Porto kam kaum zum Zug, der BVB allerdings auch zunächst nur zu wenigen weiteren Großchancen. Kagawa vergab im Sechzehnmeterraum erstaunlich frei stehend – das wars in der ersten Hälfte.

Doch bei allem Vertrauen der Gäste auf das Spiel im Estadio do Dragao – man muss einen CL-Teilnehmer erst mal so im Griff haben. Genau so hatte sich der FC Porto das sicher nicht vorgestellt. Und einige starke Szenen der Schwarz-Gelben gab es ja noch: Kagawa steigerte sich, bereitete nicht nur exzellent das 2:0 durch Reus vor, sondern prüfte Casillas auch noch selber. Und Miki, der beim zweiten Treffer die unmittelbare Vorlage gab, traf mit einem ungeheuer selbstbewusst wirkenden Kopfball noch den Pfosten. Die einzige größere Chance der Gäste durch den eingewechselten Suk vereitelte in der 89. Minute Bürki.

Gut, wir reden hier vom Europapokal und vom FC Porto. Und alle Schwarz-Gelben wissen aus eigener Erfahrung, dass es nach einer guten Ausgangsposition im Rückspiel noch richtig eng werden kann. Wir hatten schließlich noch nie was gegen Spannung! Man freut sich so allerdings einfacher darauf.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl, Sahin (57. Leitner) – Mkhitaryan, Kagawa (87. Ginter), Reus (86. Pulisic) – Aubameyang. Tore: Piszczek, Reus

In Dortmund gibt es keine Ferngläser

Der „Kicker“ hat sich in seiner Montagsausgabe mal wieder ausführlich mit dem BVB beschäftigt: eine provokante Titelseite, ein spannendes Hummels-Interview und ein Blick in die nähere Zukunft der Schwarz-Gelben werden geboten. Das mag auch mit dem bevorstehenden ‚Topspiel‘ gegen Bayern München zu tun haben, aber ebenso liegt es am Interesse, das Deutschlands wahrscheinlich beliebtester Fußballverein mittlerweile wieder hervorruft.

Ob dieses Standing angesichts der katastrophalen Hinserie und der damit verbundenen bevorstehenden Zeit ohne Champions League noch zu retten ist – das ist der Subtext des Artikels. Wie schwer wiegt es wirklich, dass die Borussia sich möglicherweise erst mal in der Reihe der Bayern-Verfolger hinten anstellen muss? Langjährige Fans werden damit besser und vielleicht sogar gut umgehen können. Sie haben verinnerlicht, was ein stets erfolgsverwöhnter Bayern-Anhänger nie verstehen musste: Die Möglichkeit des Scheiterns und die Unterstützung trotz aller Widrigkeiten, bis in die Beinahe-Insolvenz.

Deswegen wird uns und diesen Verein ein unerwarteter Rückschlag nicht auseinanderbringen – egal ob die Saison noch in der Europa League und vielleicht sogar mit einem Sieg in Berlin endet oder nicht. Vielleicht wird diese halb verkorkste Spielzeit auch mal als Katalysator für eine erneute Erneuerung bekannt sein. Einige Anzeichen sprechen dafür, dass Jürgen Klopp, Michael Zorc und Aki Watzke gewillt sind, künftig wieder mehr auf den eigenen Nachwuchs zu bauen. Jeremy Dudziak dürfte da nur der Anfang gewesen sein. Möglicherweise braucht es die Erlebnisse der letzten Monate auch, um in einer Tiefenanalyse des Kaders zur Einsicht zu gelangen, dass andere Positionen als bisher gedacht zu den Problemzonen der Schwarz-Gelben gehören – Stichwort Außenverteidiger. Weiterlesen „In Dortmund gibt es keine Ferngläser“

Aufwärtstrend, doch keine Euphorie

1. Bundesliga, 22. Spieltag / VfB Stuttgart 2 BVB 3

DSC_0115 Ausverkauftes Stadion, Freitagabend-Flutlichtspiel, ein Auswärtssieg mit erneut drei erzielten Toren – kann man mehr verlangen? Borussia Dortmund katapultiert sich vorerst auf Platz 10 der Bundesliga, doch die kommenden Aufgaben und einige Unzulänglichkeiten lassen alle auf dem Boden bleiben.

Für den VfB Stuttgart wird es ganz eng, nimmt man die gestrige Leistung zum Maßstab. Selten, eigentlich fast ausschließlich durch Standards wurden die Gastgeber dem BVB-Tor gefährlich – und das obwohl Mats Hummels erneut nicht in der Dortmunder Startelf stand. Die Schwarz-Gelben hatten die Partie weitestgehend unter Kontrolle und hätten sie viel früher entscheiden können. Mit Aubameyang im Sturmzentrum, einem wieder aufblühenden Marco Reus, einem Selbstvertrauen tankenden Shinji Kagawa und den erfreulich konstanten Sahin und Gündogan ist mehr als das Rückgrat einer ansehnlichen Offensive beisammen. Kagawa bereitete zwei Treffer vor; sehenswert vor allem das 2:1, wo er mit der Hacke zu Gündogan weitergab. Den Gegentreffer nach einem von unserer Position aus nicht so deutlichen Elfmeter steckten die Borussen gut weg.

In der zweiten Halbzeit war die Idee wohl zeitweise, ein ruhiges, abwartendes Ballbesitzspiel aufzuziehen, um den VfB zu locken und zu Fehlern zu zwingen. Wiederholt machte etwa Nuri Sahin beruhigende Handbewegungen. Es hätte gegen die ganz schwachen Stuttgarter eine verständliche Taktik sein können, wenn man eigene Ballverluste vermieden und die sich bietenden Chancen genutzt hätte. Lange Zeit geschah das nicht – speziell Henrikh Mkhitaryan, zur Pause für Kampl eingewechselt, tat sich dadurch hervor, in jeder seiner drei auffälligen Szenen die falsche Entscheidung zu treffen. Weiterlesen „Aufwärtstrend, doch keine Euphorie“

Borussia zurück im Torzirkus

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 4 FSV Mainz 05 2

Die Bundesliga erlebt an diesem Wochenende einen ihrer spektakuläreren Spieltage: mit vielen, schönen und späten Toren. Und das Schönste: Borussia Dortmund mischt kräftig mit. Schon am Freitagabend trafen die Schwarz-Gelben viermal und drehten erstmals in dieser Saison ein Spiel. Dabei erinnerte der Beginn fatal an die tragikomisch vergeigten Auftritte in der Hinserie: Schwaches Abwehrverhalten von Neven Subotic im Strafraum veranlasste Roman Weidenfeller zu einer Faustabwehr weit vor seinem Tor, so dass ihn anschließend Soto mit einem feinen Heber überwinden konnte. Zwar traf Neven später per Kopf zum Ausgleich, machte aber ansonsten ein deutlich schwächeres Spiel als in der zweiten Hälfte in Freiburg.

Eindeutig positiv zu bewerten war die Reaktion der Schwarz-Gelben auf den frühen Rückstand und die allgemeine Leistung der Offensive. Da wächst möglicherweise etwas zusammen, was genau so zusammengehört: Aubameyang, dahinter Reus, Kampl und einer aus dem Trio Kagawa, Kuba und Miki – daran könnten wir für den Rest der Saison noch viel Freude haben. Der BVB kreiert endlich wieder genügend Chancen, schoss 21-mal Richtung Mainzer Tor. Den Gästen gebührt durchaus Lob für ihre disziplinierte erste Hälfte, in der sie sogar noch einen Handelfmeter hätten bekommen können. Doch Jürgen Klopp muss in der Pause die richtigen Worte gefunden haben: Nach 55 Minuten führte die Borussia. Nevens Ausgleich folgte das 2:1 durch den Helden der Woche, Marco Reus.

Kurz darauf stand es 2:2. Roman Weidenfeller kam schlecht getimet aus dem Kasten und gab Malli die Gelegenheit, auszugleichen. Zwei Rückschläge in einem Spiel hätte dieses Team vor Freiburg vielleicht noch nicht verkraftet, doch man merkte, dass das Selbstbewusstsein wieder zurück ist. Zwar schlugen die Schwarz-Gelben nicht postwendend zurück, aber dafür war das 3:2 in der 71. Minute umso schöner. Marco Reus legte von links herrlich mit dem Außenrist für Aubameyang vor und der spitzelte den Ball gekonnt ins Tor. So macht die Borussia wieder Spaß – egal ob sie auf Platz 16 oder 6 steht. Weiterlesen „Borussia zurück im Torzirkus“

Durm verlängert, Sahin fehlt langfristig

Einer derer, die in Dortmund eine Blitzkarriere hingelegt haben, wird langfristig das schwarz-gelbe Trikot tragen: Erik Durm hat gestern seinen Vertrag um zwei Jahre bis Juni 2019 verlängert. Der Außenverteidiger, der nach einigen Einsätzen in der letzten Saison fast sensationell mit zur WM nach Brasilien fuhr, weiß, bei wem er sich zu bedanken hat:

Borussia Dortmund hat meine Entwicklung so intensiv vorangetrieben, dass ich heute der Spieler sein kann, der ich bin.  Es ist selbstverständlich für mich, das wertzuschätzen und mich dauerhaft an den Klub zu binden, der mich extrem gefördert hat.

Beim rasanten Aufstieg Durms hat natürlich auch eine Rolle gespielt, dass der BVB auf den Außenverteidiger-Positionen wohl am schwächsten besetzt ist. Das soll Eriks Leistung nicht schmälern. In den ersten Saisonspielen hat er allerdings noch nicht über 90 Minuten die defensive Sicherheit gehabt, die es links hinten auch braucht. Das kann noch kommen – offensiv ist der frühere Stürmer jedenfalls deutlich höher einzuschätzen als Marcel Schmelzer. Dem BVB gibt diese Vertragsausdehnung Planungssicherheit – jetzt kann der endgültige Durchbruch getrost kommen.

Nachdem Ilkay Gündogan ins Mannschaftstraining zurückgekehrt ist, gibt es vom anderen Langzeit-Rekonvaleszenten aus dem Mittelfeld weniger Erfreuliches zu berichten. Nuri Sahin machte zuletzt wiederholt das Knie zu schaffen – nun ließ sich der 25-jährige bei einer Operation entzündetes Gewebe aus dem Gelenk holen. Nach dem Eingriff ist allerdings nach Angaben von Mannschafts-Doc Braun von einer zweimonatigen Reha-Phase auszugehen. Gute Besserung, Nuri!

Glaubwürdiges Unentschieden

1. Bundesliga, 32. Spieltag / Bayer Leverkusen 2 BVB 2

Borussia Dortmund bleibt voll engagiert, kommt zweimal nach Rückstand zurück und schafft ein sehr respektables Unentschieden in Leverkusen. Kleine Unkonzentriertheiten und ein wenig Stagnation bei dem ein oder anderen Akteur sorgten dafür, dass nicht mehr daraus wurde.

Jürgen Klopp ließ Oliver Kirch für den verletzten Kehl neben Sahin im zentralen Mittelfeld ran; über rechts durfte sich Jojic versuchen. Die erste Halbzeit der Partie war geprägt von hoch stehenden Abwehrreihen und hohem Niveau, wogegen die zweiten 45 Minuten deutlich abfielen. Zunächst entwickelte sich ein spannender Schlagabtausch zweier Spitzenmannschaften, der schon nach sieben Minuten im Führungstor für die Gastgeber mündete. Dabei war für Schwarz-Gelb jede Menge Pech im Spiel: Von Kießling prallte eine Son-Flanke an die Latte, so dass Weidenfeller und ein auf der Linie stehender Verteidiger nicht eingreifen konnten. Der Ball prallte vielmehr fröhlich zurück in den Fünfmeterraum, wo Lars Bender zur Stelle war.

Die Borussia war keineswegs geschockt, sondern hielt gleich dagegen. Wobei sich ein Muster schon früh abzeichnete, das später noch stärker zum Tragen kommen sollte: Nach unverhofften Balleroberungen agierten die schwarz-gelben Jungs mit starkem Umschaltspiel, der Aufbau von hinten wirkte jedoch deutlich ideenloser. Hummels‘ Pässe kamen nicht immer präzise an, in derselben Hinsicht zeigte auch Olli Kirch Licht und Schatten. Und Nuri Sahin kommt schon seit Monaten nicht aus dem Durchschnitt hinaus. Dennoch: Das Spiel war schnell und ansehnlich und der Ausgleich, wenn auch nach Standard, absolut verdient. Einen Reus-Freistoß von links platzierte Kirch mit dem Rücken zum Tor mit dem Kopf ins lange Eck.

Doch nur sechs Minuten später lag der BVB erneut hinten. Es war ohne Frage ein starker Leverkusener Angriff mit Seitenwechseln, doch dass an dessen Ende Castro mutterseelenallein links vor dem Dortmunder Tor stand, wäre vielleicht trotzdem zu vermeiden gewesen. Beim erneuten Ausgleich dürfte sich dafür Lewandowski der Trainer über einen seiner Spieler geärgert haben. Roberto Hilbert streckte im Strafraum die Hand zum Himmel, die prompt den Ball traf. Beim fälligen Elfmeter bewies Marco Reus auch gegen den Elfmeterkiller Leno seine bestechende Form, traf hoch genug knapp rechts von der Mitte das Tor. Ach hätte er doch nur kurze Zeit später allein vor dem Keeper erneut einen solchen Riecher gehabt.

In der zweiten Hälfte ließen sich die Leverkusener weiter zurückfallen und Dortmund fiel wenig ein. Da war viel Stückwerk dabei – auch weil Großkreutz oder Mkhitaryan abbauten und es nicht der Tag von Robert Lewandowski war, der sich in Zweikämpfen aufrieb und eine Portion Frust aufbaute. Da auch die Wechsel – Aubameyang und Hofmann kamen für Mkhitaryan und Jojic, kurz vor Schluss Schieber für Lewy – so gut wie nichts brachten, muss man zugestehen, dass die Gastgeber in dieser Halbzeit ein wenig mehr überzeugten. Doch dafür durfte sich die schwarz-gelbe Defensive mal wieder auszeichnen: Weidenfeller rettete beispielsweise einhändig allein gegen Brandt und Sokratis wurde einmal mehr zum König des präzisen Last-Second-Tacklings.

Es fehlen momentan ein paar Prozent im Aufbauspiel, die Besetzung des zentralen Mittelfelds ist nicht optimal, aber alles in allem kann die Borussia ihre gute Form konservieren. Nach einem Abschenken der Bundesliga sieht es wirklich nicht aus und für das letzte Heimspiel gegen die Freunde aus Hoffenheim sollte die Motivation allemal da sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Großkreutz – Kirch, Sahin – Jojic (82. Hofmann), Reus, Mkhitaryan (75. Aubameyang) – Lewandowski (90. Schieber). Gelbe Karte: Lewandowski. Tore: Kirch, Reus (EM)

Sommer, Sonne, Sonntagsspiel

1. Bundesliga, 24. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 1

Es war ja schon sehr heiß im Breisgau. Gefühlt sollen es immerhin 20 Grad gewesen sein und relativ gesehen ist das doch ziemlich viel. Oder gibt es noch andere Gründe, dass das Spiel der Borussia eine ganze Zeit lang frappierend dem Auftritt in Hamburg ähnelte? Das Ergebnis sah zum Glück anders aus.

Die Parallelen zum desaströsen Auftritt an der Elbe waren jedoch erstaunlich, zumindest für jemanden, der die beiden folgenden Spiele gesehen hat. Eine Viertelstunde bis 20 Minuten sah es kontrolliert und ordentlich aus, was die Gäste im Dreisamstadion auf den Platz brachten. Doch dann häuften sich die Fehlpässe, der Spielaufbau wurde immer bruchstückhafter, das Freiburger Pressing zeigte Wirkung. Und man konnte nur froh sein, dass die Innenverteidigung und auch Kapitän Kehl sich davon zumindest in ihrer Defensivarbeit nicht beeindrucken ließen.

Die Problemfelder ähnelten auch personell dem Hamburg-Spiel: Über die Außen kamen generell zu wenig Impulse. Und speziell Marcel Schmelzer und Pierre-Emerick Aubameyang knüpften phasenweise an ihre damalige Leistung an: Schmelle nach vorne zwar etwas besser, aber bei den wenigen gelungenen Freiburger Spielzügen oft schlecht positioniert und zu weit weg von den Gegnern. Und ‚Auba‘ muss schlicht hart an seinem Passspiel arbeiten. Was Jürgen Klopp vor laufenden Kameras dem ausgewechselten Nuri Sahin zu sagen hatte, wollte er den Medienvertretern verständlicherweise nicht sagen. Doch mit dessen Leistung kann er nicht ganz zufrieden gewesen sein.

Was war im Süden anders als im Norden? Nun, Marco Reus und Robert Lewandowski standen heute gar nicht zur Verfügung. Dennoch bekam die Borussia das Spiel schließlich in den Griff. Was natürlich maßgeblich mit Sebastian Kehls Sonntagsschuss gegen seinen Ex-Klub zu tun hatte. Das ist übrigens gar nicht abwertend gemeint, denn der Schuss war technisch gut gemacht. Trotzdem sah Torwart Baumann vier Meter vor dem Tor etwas gestrandet aus – die Position war nachvollziehbar, aber hätte er nicht wenigstens noch ein, zwei Schritte zurück machen können?

Für den BVB war das Tor natürlich ein Segen. Der Sportclub war zuvor schon selten gefährlich und danach wurde sein Spiel unstrukturierter, die Überzeugung schien zu schwinden. Bezeichnend war allerdings, wie die Schwarz-Gelben zwei Riesenchancen kurz vor Schluss vergaben. Zunächst fehlte Aubameyang das Auge für besser postierte Mitspieler. Als er dann schließlich abgab, kam einer seiner eher in den eigenen Reihen gefürchteten Pässe heraus – dass Hofmann aus dem Hintergrund noch über das Tor schießen konnte, war glücklich. Noch ärgerlicher war Mkhitaryans Alleingang wenig später, der links und rechts mitgelaufene Kollegen übersah und an Baumann scheiterte.

Letztlich kann die Borussia mit einem solchen Sonntagssieg natürlich besser leben als Christian Streich mit null Punkten im Abstiegskampf. Dessen Schiedsrichterkritik im Anschluss sollte man ihm nachsehen. Peter Gagelmanns Entscheidung, Sokratis in der 43. Minute nur Gelb zu zeigen, war allerdings absolut richtig, denn bei der Entfernung des gefoulten Zulechner zum Ball kann man kaum von einer vereitelten Großchance sprechen. Der BVB muss allerdings künftig auch bei schönem Wetter wieder sein schönes Gesicht zeigen, denn die Gegner werden nicht leichter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Kehl, Sahin (63. Kirch) – Aubameyang, Mkhitaryan (90. +2 Friedrich), Großkreutz – Schieber (74. Hofmann). Gelbe Karten: Mkhitaryan (gesperrt), Sokratis. Tor: Kehl

Unter der Woche wird gearbeitet

Champions League, Achtelfinale / Zenit St. Petersburg 2 BVB 4

Eine gegenüber Samstag nicht wiederzuerkennende schwarz-gelbe Mannschaft gewinnt in St. Petersburg und hat beste Chancen, erneut das Viertelfinale der Champions League zu erreichen. Die Akteure waren allerdings zum großen Teil dieselben wie am Wochenende; nur Kehl und Reus kamen neu ins Team. Ein hervorragendes Beispiel für den Unterschied wie Tag und Nacht: Marcel Schmelzer. Von dem sehr behäbigen, unkonzentrierten ‚Schmelle‘ vom Hamburg-Spiel war nichts mehr zu sehen – gestern Abend war er ein Vorbild an Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Einsatz. Wollen wir hoffen, dass er und die anderen eine Lektion gelernt und nicht nur einfach in den Champions League-Overdrive geschaltet haben.

Die vier Auswärtstore des BVB hatten auch viel mit Marco Reus zu tun – an dreien war er direkt beteiligt. Ein ganz großer Schritt war bereits mit dem Doppelschlag in der 4. und 5. Minute zu tun. Zunächst schnappt sich Reus den Ball und läuft einfach immer weiter, obwohl er von Zenit-Spielern mehrfach angegangen wird. Erst im Strafraum kommt er zu Fall, doch den freien Ball schießt Mkhitaryan ins Tor. Der Neuzugang bereitet kurz darauf mit einer Vorlage für Großkreutz das 2:0 vor. Kevin lässt in den Lauf von Reus abtropfen und der vollendet von rechts ins lange Eck, fast wie ‚Miki‘ eine Minute zuvor.

Auch wenn in der ersten Hälfte eine Reihe von vielversprechenden Spielzügen gegen scheinbar wirklich sehr kalt gestartete St. Petersburger nicht effektiv genug zu Ende geführt wurden, hatte die Borussia die Partie für eine Auswärtsmannschaft beeindruckend im Griff. Da brannte auch nichts an, als die Gastgeber durch ein Abseitstor und einen viel zu harten Elfmeter in der zweiten Halbzeit zweimal verkürzen konnten. Denn es gibt ja noch den talentierten Mr. Lewandowski, der von Piszczek und eben wieder Reus mustergültig bedient wurde und aus zentraler Position zweimal traf. Es war erneut eine Glanzvorstellung des polnischen Torjägers und es bleibt erneut die Erkenntnis, dass der BVB ihn in der nächsten Saison extrem vermissen wird.

Eine großartige Vorstellung zeigte allerdings auch fast die komplette Belegschaft, nur Nuri Sahin fiel leicht ab. Richtig zu schätzen kann man das trotzdem erst wissen, wenn am Samstag drei Punkte gegen Nürnberg raus springen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Kehl, Sahin – Großkreutz (90. +1 Durm), Mkhitaryan (70. Aubameyang), Reus (85. Hofmann) – Lewandowski. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Mkhitaryan, Reus, Lewandowski (2)

So oder so ähnlich geht siegen

1. Bundesliga, 19. Spieltag / Eintracht Braunschweig 1 BVB 2

Es geht doch. Irgendwie. Nach dem knappen Auswärtssieg in Braunschweig durfte man sich zwar die Frage stellen, gegen welches andere Bundesliga-Team der BVB gestern gewonnen hätte, aber zum Glück ist bis zur nächsten Partie in Bremen eine gute Woche Zeit.

Jürgen Klopp startete mit Pierre-Emerick Aubameyang über rechts und Mats Hummels kehrte in die Innenverteidigung zurück. Beide Personalien sollten sich als wichtig erweisen. Doch zunächst konnte einem Angst und Bange werden, wie die Gastgeber die schwarz-gelbe Defensive ein ums andere Mal aushebelten. Da passte es hinten und vorne nicht und dass ein erfahrener Mann wie Kuba fehlte, kam noch dazu. Auch Hummels brauchte eine Eingewöhnungsphase, aber alle sechs Feldspieler ab Sahin rückwärts wirkten zunächst immobil und ließen sich durch einfache Braunschweiger Pässe überrumpeln. Wer mir am meisten Sorgen macht ist Marcel Schmelzer: Da gab es eine gute Rettungstat im ganzen Spiel zu sehen und sonst viele Szenen, in denen er schlecht positioniert war.

Es musste ein Freistoß von Nuri Sahin her – Reus‘ Standards waren zuvor kaum anzuschauen gewesen – um die erste Chance für den BVB heraufzubeschwören. Und es schien mit dem Ende von Hummels‘ Akklimatisierungszeit zu koinzidieren, als es für die Schwarz-Gelben besser lief. Mit der ersten schönen Kombination, die an den Dortmunder Meisterstil erinnerte, fiel das 1:0. Nach einem Sokratis-Pass kam Lewandowski über halbrechts, spielte einen tollen Doppelpass mit Reus und lupfte den Ball dann in die Mitte, wo Aubameyang knapp vor dem Tor nur noch den Kopf hinhalten musste. Und wie zu erwarten brachte der Treffer Selbstvetrauen und mehr Sicherheit – zunächst.

Direkte Pässe und flüssige Kombinationen gab es in der zweiten Hälfte zum Glück in größerer Anzahl zu sehen. Doch leider auch wiederholt Konzentrationsfehler in der Deckung. Bestes Beispiel: der Ausgleich nach einer Ecke, als Braunschweigs Kessel im Strafraum ungestört dem Ball entgegengehen und köpfen durfte. Kurz vor Schluss setzte Bicakcic noch einen Kopfball gegen den Pfosten, bevor Weidenfeller die Kugel aufnehmen konnte – es wäre für die derzeitige BVB-Phase das bezeichnende Ende eines Spiels gewesen, in dem wieder eine Reihe von hochkarätigen Gelegenheiten nicht genutzt wurde.

Marco Reus hatte mit einem Konter in der 65. Minute toll das 2:1 durch Aubameyang vorbereitet, aber auch wieder zu viel liegen gelassen. Lewandowski scheiterte ebenfalls mehrmals und Braunschweigs Torwart Davari wuchs über sich hinaus. So richtig setzte das Haareraufen jedoch in der 89. Minute ein, als der ansonsten leicht verbesserte Mkhitaryan frei vor dem Keeper den Ball an den Pfosten setzte. Die Entscheidung hätte in jedem Fall früher fallen müssen – so bleibt nach der späten Schrecksekunde der Eindruck eines sehr knappen Sieges beim Tabellenletzten.

Die breitere Auswahl im Mittelfeld nach der Verpflichtung von Milos Jojic könnte Jürgen Klopp wirklich weiterhelfen. Nuri Sahin schoss zwar wieder einen schönen Freistoß – das kann Jojic angeblich auch -, aber insgesamt kommen von ihm derzeit zu wenig Impulse. Aubameyang hat sich gestern für eine zentralere Rolle angeboten – die Idee eines zweiten Stürmers oder Halbstürmers ist Klopp für gewisse Partien wirklich ans Herz zu legen. Trotz aller Ungewissheit ist meine Freude auf das Bremen-Spiel schon groß – so oft, wie diese Begegnungen es in den letzten Jahren in sich hatten.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz (84. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Sahin, Bender (90. Kehl) – Aubameyang, Mkhitaryan (90. +3 Duksch), Reus – Lewandowski. Gelbe Karte: Mkhitaryan. Tore: Aubameyang (2)