Lasst es uns Ergebniskrise nennen!

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Champions League, 4. Spieltag / BVB 1 Apoel Nikosia 1

Rein ergebnistechnisch ist das 1:1 im Heimspiel gegen Nikosia der Höhepunkt der neuen Tristesse, die Borussia Dortmund erfasst hat. Gleichzeitig lieferte es aber weniger Anhaltspunkte als zuletzt, um gleich von einer vom Trainer verursachten Systemkrise zu sprechen. Das Problem: Was die Borussia hinten falsch macht, bügelt sie vorne nicht mehr aus.

Zeit für eine stabile Abwehrformation

Man kann das wegen seiner Offensichtlichkeit banal nennen. Gemeint ist aber neben der Notwendigkeit, Fehler abzustellen noch etwas anderes. Peter Bosz sollte gerade in solch wackeligen Phasen die Abwehrspieler auf ihren stärksten Positionen einsetzen. Es wird Zeit, dass Marc Bartra in die Innenverteidigung zurückkehrt. Er hatte ohne Zweifel ein paar gute Momente außen und mit mehr offensiven Freiheiten. Doch seine Stärken kommen innen genauso zur Geltung und seine Schwächen weniger. Ömer Toprak spielte auch gestern nicht grottig, war aber wie Bartra am Gegentor beteiligt. Der Unterschied: Marc hatte bei seinem Ballverlust fernab seiner eigentlichen Position auch noch Pech, da der Ball unglücklich versprang.

Wer sollte an seiner Stelle außen spielen? Allzu viele Alternativen gibt es ja nicht. Sokratis wäre eine Möglichkeit, aber ich sähe ihn lieber an der Seite von Bartra innen. Ein weiterer Versuch mit Toljan ist denkbar, aber bitte nicht gegen Bayern. Man könnte sich bei der U23 umschauen. Am erfolgversprechendsten scheint aber, einfach Raphael Guerreiro mal auf rechts zu probieren. Der Mann kann doch fast alles. weiterlesen

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War das die Rückkehr des wahren BVB?

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DFB-Pokal, 2. Runde / 1. FC Magdeburg 0 BVB 5

Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Gegenüber der Partie in Frankfurt wich die extreme Konfusion der Defensive einer weitestgehend souveränen, spielerisch flüssigen Vorstellung der gesamten Mannschaft. Hing das nur mit zwei Klassen Differenz zusammen?

Magdeburg war kein Aufbaugegner

Es liegt nicht nur am grandiosen Support der Gastgeber, dass man den FCM nicht unterschätzen sollte. Hervorzuheben ist der trotzdem. Das war auch schon zu Regionalliga-Zeiten so, als ich die Magdeburger Fans auswärts im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg erlebt habe. Laut und mit damals tadellosem Benehmen. Inzwischen ist der Verein Tabellenzweiter der 3. Liga und hat durchaus Zweitliganiveau.

Deshalb braucht man die Leistung der Schwarz-Gelben gestern nicht klein zu reden. Es gab eine Phase Mitte der ersten Halbzeit, in der die Magdeburger das Spiel offen gestalten konnten und drohten, gefährlich zu werden. Die Borussia überstand diese unbeschadet und schaffte es bald, das Geschehen wieder zu diktieren. Dass es erst eine Auswechslung brauchte, um den Führungstreffer zu erzielen, ist nicht mehr als ein Detail. Das Tor war neben Schnellstarter Castro genauso den glänzend aufgelegten Yarmolenko und Isak zu verdanken.

Endlich ist der Aubameyang-Ersatz da

Natürlich steht auch Alexander Isak unter dem Generalverdacht, dass es gegen einen Drittligisten eben leichter ist zu glänzen. Man kann diese Behauptung nicht unmittelbar entkräften, sondern frühestens am Samstag in Hannover. Gestern aber legte er den ersten Treffer vor, den zweiten erzielte er selber, nachdem er den Spielzug auch mit eingeleitet hatte. Isak bewegte sich gut und zielstrebig. Was man unabhängig vom Gegner sagen kann: Alexanders Passspiel ist mindestens so gut wie das von Auba. weiterlesen

Selters-Frühstück nach dem Pokalrausch

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1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 0 1. FC Köln 0

Das Umstellen von großen Dienstags- und Mittwochsspielen auf den Ligaalltag fällt den Schwarz-Gelben weiterhin schwer. Eins von beiden läuft in der Regel suboptimal. Am Samstag war’s eigentlich ein anständiger Auftritt gegen den Effzeh, nur ein Tor fehlte.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Köln zog sich weit zurück, sobald der BVB richtig Druck aufbaute. Mitte der ersten Hälfte sahen die Gäste kurzzeitig gefährlich aus, aber die Schwarz-Gelben überstanden diese Phase schadlos. Die zweite Hälfte war ein einziges Anrennen; mal mehr, mal weniger intensiv. Doch die Kölner machten es defensiv immerhin so gut, dass zwar 23 Torschüsse, aber weit weniger echte Chancen heraussprangen.

Man kann das natürlich so machen in Dortmund, absolut legitim. Drei Punkte darf man allerdings nicht erwarten und dementsprechend zufrieden zeigte sich FC-Trainer Peter Stöger mit dem Unentschieden. Noch in der Nachspielzeit musste Keeper Timo Horn den Punkt allerdings gegen Guerreiro retten, anschließend war ausgerechnet Neven Subotic zur Stelle, um den Abpraller vor Dembelé zu klären.

Es war die einzige erwähnenswerte Geschichte rund um eine Partie, die schnell in Vergessenheit geraten wird: Neven wurde nach Schlusspfiff von der Südtribüne gefeiert. Auch wenn er angesichts der Personallage wohl kaum zurückkehren wird: Es war eine schöne Aktion, die einen unweigerlich wieder an die schönen Momente mit Neven erinnert.

Ändert aber nichts daran, dass der Punktverlust je nach Spielausgang in Sinsheim noch mal weh tun könnte.

Die Aufstellung: Bürki – Durm, Sokratis (74. Piszczek), Ginter, Schmelzer – Weigl, Castro – Pulisic, Kagawa (66. Guerreiro), Reus (66. Dembelé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Durm, Castro.

Hier sind die Big Points!

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1. Bundesliga, 30. Spieltag / Mönchengladbach 2 BVB 3

Die Schwarz-Gelben drehen das Borussen-Duell erneut, nachdem sie nach einer zwischenzeitlichen Wende in Rückstand lagen. Es war kein Auftritt aus einem Guss, schon gar nicht bei den Gastgebern, doch was erwartet man mehr als eine solch engagierte Leistung mit später Belohnung in einer spannenden Partie?

Drei Gedanken zum Spiel

Wir müssen mit individuellen Fehlern leben und in Spielen wie diesem können wir das auch. Das war vor dem Anschlag so und das ist jetzt so, aus welchem Grund auch immer. Diesmal war es beim 1:1 kurz vor der Pause Mikel Merino, dem natürlich Spielpraxis fehlt, der relativ unbedrängt einen leichtsinnigen Querpass spielte. Das 1:2 kurz nach der Pause dann ein nicht gerade unvermeidbares Eigentor von Marcel Schmelzer. Und schon war der Spielverlauf auf den Kopf gestellt.

Dem BVB fehlte es an Präzision – vor allem in der dominant geführten ersten Hälfte. Da hatte Gladbach bis zum Ausgleich keine ernsthafte Torchance, die Schwarz-Gelben sahen auch nach der frühen Führung durch Reus‘ Elfmeter ein paar Mal gefährlich aus. Und doch hätte es bei genauerem Passspiel in der Offensive noch viel öfter gefährlich werden können. Das ist der Bereich, in dem die jungen Supertalente Dembelé und Pulisic noch Verbesserungsbedarf haben. Ebenso wie Merino, der nach 22 Minuten für den leider erneut verletzten Nuri Sahin kam. Wobei Mikel es nach seinem Fauxpas zumindest in der zweiten Hälfte nicht an Einsatz und guten Ansätzen fehlen ließ.

Wie die bessere Borussia die Partie nochmals drehte, zeugt von wiedergewonnener Stärke – auch mentaler Art. Natürlich ist es ein Luxus, Pierre-Emerick Aubameyang von der Bank bringen zu können. Der dann nach knapp 110 Sekunden traf. Aber nach dem Ausgleich befanden sich eher die Schwarz-Gelben im Aufwind, obwohl es für die gastgebenden Gladbacher auch noch um einiges geht. Nach diesem Spielverlauf war es mir eine besonders große Freude, als in der 87. Minute ein BVB-Freistoß endlich mal wieder perfekt in den Strafraum segelte und den richtigen Kopf fand. Castro hatte ausgeführt und der im Spielverlauf stärker werdende Guerreiro köpfte ein.

Höchsten Respekt für eine nicht astreine, aber unter den Umständen tolle Leistung! Vielleicht kommt die von allen herbeigesehnte Normalität nach der Verhaftung des Bombenlegers früher als erhofft, zumindest auf dem Platz. Ohne dass wir vergessen, was man nicht vergessen kann. Und endlich nutzt der BVB die Vorlage der Konkurrenz: Dritter!

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Bender, Schmelzer – Durm, Sahin (22. Merino), Guerreiro, Castro – Dembelé (87. Mor), Reus (57. Aubameyang), Pulisic. Gelbe Karten: Castro, Merino, Bürki. Tore: Reus (EM), Aubameyang, Guerreiro

Große Punkte in großem Spiel

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1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 6 Bayer Leverkusen 2

Man kann ja gegen Leverkusen sagen was man will, aber die Spiele unserer Borussia gegen die Werkself sind immer auf die eine oder andere Weise unterhaltsam. An diesem Samstag sahen wir die womöglich beste Partie mit BVB-Beteiligung in dieser Saison. Was nicht nur am deutlichen Sieg lag, sondern auch daran, dass die Gäste zweimal zurückkamen und die Schwarz-Gelben so weiter anstachelten. Deshalb kann man ihnen zugestehen, dass der Sieg vielleicht ein Tor zu hoch ausfiel.

Drei Gedanken zum Spiel

Thomas Tuchel hat die derzeitige Idealformation gefunden. Ob die nun mit Dreierkette hinten auflaufen MUSS, sei mal dahingestellt. Wesentlich scheint eher, dass Guerreiro und Durm Marcel Schmelzer offensive Qualitäten voraushaben und mit denen mehr gegnerische Spieler binden. Während zentral Gonzalo Castro in guter Form eine Entlastung für Julian Weigl ist. Über die geniale Offensivreihe mit Reus, Dembelé und Auba müssen wir keine Worte verlieren. Kein Wunder, dass die Stimmung offensichtlich prächtig war wie vor der Südtribünen-Sperrung lange nicht. Der Wermutstropfen: Marco Reus musste mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden und fehlt ausgerechnet gegen Benfica. Erster Kandidat für seinen Platz – und ich hoffe Tuchel sieht das genauso: Christian Pulisic, nicht nur wegen seines Tores.

Reus‘ Verletzung ist das Stichwort: Nicht zum ersten Mal gegen den BVB agierte Leverkusen hart an der Grenze. Euphemistisch könnte man von „robustem Einsatz“ sprechen. Oder man sieht es als Mittel zum Zweck, die Dortmunder Feintechniker zu verunsichern. Um es klar zu sagen: Solche Mittel sind legitim, bis der Schiedsrichter pfeift. Doch der muss das dann auch tun. Und nicht wie Christian Dingert ein klar gelb-rot-würdiges Einsteigen von hinten durchgehen lassen, wie im Fall von Karim Bellarabi gegen Dembelé.

Sechs Tore gegen Abwehrchef Toprak. Bekanntlich wechselt der Leverkusener Innenverteidiger im Sommer zur Borussia. Werbung für sich war das gestern natürlich nicht. Zwar war Toprak bei den meisten BVB-Toren nicht der Hauptschuldige, doch gut organisiert wirkte die Gäste-Defensive nur gelegentlich. Gerade bei Standards zeigte sie sich erstaunlich anfällig. Nun ist auch das nicht in erster Linie Toprak schuld, doch als Ältester in der Viererkette konnte er zumindest keine Ruhe reinbringen. Blicken wir dagegen auf die momentane BVB-Abwehrreihe, hat Marc Bartra durch die jüngsten Erfolge an Sicherheit dazu gewonnen. Es mag noch eine Momentaufnahme sein, aber seine Pässe haben schon fast Hummels-Qualität.

Die nächste Saison wird in dieser Hinsicht spannend. Gesetzt den Fall, dass Sokratis bleibt – was wir wohl alle hoffen – darf sich auch Ömer Toprak seines Stammplatzes nicht sicher sein. Was ich nicht schlimm finde. Nur die Summen, die wir auf der Ersatzbank geparkt haben, die sind beachtlich.

Mit dem Sieg hat die Borussia nun diesmal eine Leipziger Vorlage genutzt und gleichzeitig einen potenziellen Konkurrenten endgültig abgehängt. Frankfurt und Köln dürften uns nicht mehr gefährlich werden; bleiben Hoffenheim und Hertha BSC. Und nun hoffen wir am Mittwoch erst mal auf ein weiteres großes Spiel.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Durm, Weigl, Castro, Guerreiro – Dembelé (73. Kagawa), Reus (46. Pulisic) – Aubameyang (81. Schürrle). Tore: Dembelé, Aubameyang (2), Pulisic, Schürrle (EM), Guerreiro

Überraschungsteam überraschend unterlegen

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1. Bundesliga, 22. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 3

Das hatte man sich deutlich schwieriger vorgestellt: Ein sehr spielfreudiger BVB ließ dem bisher so überzeugenden Aufsteiger SC Freiburg keine Chance und musste sich nur vorwerfen lassen, die Partie nicht früher entschieden zu haben. Trotz bester Gelegenheiten gelangen erst nach der Pause Tore aus dem Spiel heraus.

Drei Gedanken zum Spiel

Diese Pause tat gut. Was immer man auch über die Anforderungen an einen hochbezahlten Profisportler denkt: Der ständige Drei-Tages-Rythmus von Spiel zu Spiel fordert irgendwann seinen Tribut. Den schwarz-gelben Jungs hatte die einwöchige Pause sichtlich geholfen. Nicht nur, da taktisch gearbeitet werden konnte. Drei Spieler fielen im Wochenvergleich besonders positiv auf: Ein gesunder und fitter Raphael Guerreiro bringt Flexibilität und internationale Klasse ins Spiel der Borussia. Zum einen, weil er mit Übersicht und Präzision Standards treten kann – wie beim 1:0 zu bewundern. Zum anderen, weil er für Dynamik bis ins letzte Drittel sorgt und damit Marco Reus und Ousmane Dembelé entlastet.

Sokratis war zuletzt ungewohnt erratisch aufgetreten und hatte zudem einiges auf die Socken gekriegt. Letzteres war auch gestern der Fall, doch in der Defensivarbeit machte „Papa“ als Zentrum einer hoch stehenden Dreierkette eine gute Figur. Ebenso wie nach Guerreiros Freistoß vorne, als er per schön ins lange Eck platziertem Kopfball sein erstes Saisontor erzielte. Hilfreich für die Dreierkette war der starke Tag von Julian Weigl, der allerdings von den Freiburgern auch nicht vehement angelaufen wurde. So durchkreuzte er nicht nur manche Angriffsbemühung der Gastgeber, sondern spielte wieder seine anerkannt präzisen Pässe. weiterlesen

Dortmund verdaddelt Platz 2

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1. Bundesliga, 20. Spieltag / SV Darmstadt 98 2 BVB 1

Alle Warnungen haben nichts genutzt: Zwischen Pokalfight und Champions League-Achtelfinale hat es der BVB nicht vermocht, genügend Energie für Darmstadt aufzubringen. Viel zu selten dominierten die Schwarz-Gelben die Partie beim Tabellenletzten und ließen so etwas wie Spiellaune aufblitzen. Die Gastgeber ließen sich auch vom Ausgleich kurz vor der Pause nicht entmutigen und schlugen in der 67. Minute zurück.

Drei Gedanken zum Spiel

Thomas Tuchel hatte schon im Vorfeld von einer Frage der Mentalität gesprochen. Seine Mannschaft hat die falsche gezeigt. Es wäre zu billig, die Schuld daran dem Trainer zu geben, à la „er erreicht das Team nicht mehr“. Viele Spieler müssen sich nach dieser Partie hinterfragen. Man kann auch in Darmstadt verlieren, aber es war nicht mal unglücklich. Viel zu viele Fehlpässe, Ballverluste und unerklärliche Passivität – wie beim 0:1 – kennzeichneten heute das BVB-Spiel.

Nennen wir ruhig einige Namen: Sokratis war gegenüber dem Leipzig-Spiel erneut nicht wiederzuerkennen. Julian Weigl gelang es nicht, das Geschehen aus dem defensiven Mittelfeld zu ordnen. Potenziell kreative Spieler wie Raphael Guerreiro und Marco Reus blieben weit unter ihren Möglichkeiten, auch wenn sie mit dem schönen Ausgleich respektive zwei Gelegenheiten auffällig wurden. Letztlich fehlen der Borussia für solche Begegnungen mit einem um alles kämpfenden Gegner auch die Führungsspieler. Wenn es beim heutigen Kapitän Reus nicht läuft, reißt er auch niemand anderen mit. Es müsste auch gar nicht der eine Leader sein; die Rolle können gerne auch mehrere übernehmen. Aber wer fällt uns da ein? Guerreiro nicht und Kagawa oder Schürrle, die später kamen, schon gar nicht. weiterlesen

Seulement cinq

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1. Bundesliga, 4. Spieltag / VfL Wolfsburg 1 BVB 5

„Seulement cinq“ – nur fünf – hielt Sky-Reporter Jens Westen nach dem Spiel Pierre-Emerick Aubameyang spaßeshalber vor. Der nahm den kleinen Gag natürlich professionell auf – genauso professionell wie die Mannschaft von Borussia Dortmund gerade spielt. Bringen die Schwarz-Gelben ihre volle Leistungsfähigkeit auf den Platz, muss dem Großteil der Liga angst und bange werden.

Nicht zu Unrecht hatte Thomas Tuchel vor der Partie dennoch großen Respekt vor dem VfL Wolfsburg gezeigt. Das Problem der Wölfe: Auch sie mussten einen beachtlichen Umbruch meistern – und einer ihrer jetzigen Stars war mit Gedanken auch schon weg. Man merkte den Gastgebern an, dass sie dem schnellen Kombinationsspiel einer Spitzenmannschaft (noch) nicht gewachsen sind. Augsburg, Köln und Hoffenheim lauteten die bisherigen Gegner in der Bundesliga.

Der tolle Auftakt der Borussia gelang, weil sie Pässe in die Schnittstellen spielte, die die Wölfe nicht unterbinden konnten. Bartra zeigte da beim 1:0 schon Hummels-Qualitäten, musste allerdings wenig später verletzt raus. Und Guerreiro, den alle für einen Linksverteidiger hielten, bewies vom Mittelfeld aus Torinstinkt. Ein schönes, typisches Aubameyang-Tor brachte das 2:0.

Nach 20 Minuten kam Wolfsburg ins Spiel, im Mittelfeld in die Zweikämpfe. Die Folge waren Balleroberungen und ein offenes Spiel mit Übergewicht für die Gastgeber. Chancen hatten die Wölfe auch, aber der BVB hatte Bürki. Es war eines der besten Spiele des Schweizers für Schwarz-Gelb. Eine Reihe von Schüssen musste Roman in beiden Hälften entschärfen – und tat das souverän. Einmal schlug Didavi zu.

Die Wolfsburger werden sich über ihre Chancenverwertung ärgern. Und möglicherweise darüber, dass das 3:1 durch Dembélé knapp Abseits gewesen sein könnte. Allerdings war es so knapp, dass man dem Schiedsrichtergespann der erwünschten Regelauslegung nach keine Vorwürfe machen kann. Was in der Viertelstunde danach passiere, müssen sich die Wölfe wieder selbst zuschreiben. Gonzalo Castro, der auch schon das 3:1 vorbereitet hatte, bediente Aubameyang zum nächsten Treffer. Unverständlich, dass er nicht in der Startelf gestanden hatte. Das 5:1 fiel nach einer Ecke durch Piszczek, dem auch schon länger kein Tor gelungen war.

Am Ende: Auslaufen. Die Borussia hatte gewankt, das Ergebnis mag einen Tick zu hoch sein, aber es war wieder sehr schön. Heute hat sich der Effzeh in der Tabelle wieder am BVB vorbeigeschoben – dank eines 3:1 in Gelsenkirchen. Kann man verschmerzen und sich freuen, dass es derzeit neben FCB und RBL noch andere Konkurrenten gibt.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra (12. Ginter), Schmelzer – Weigl – Pulisic (46. Castro), Götze (69. Rode), Guerreiro, Dembélé – Aubameyang. Tore: Guerreiro, Aubameyang (2), Dembélé, Piszczek

Menschen, Tore, Sensationen

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1. Bundesliga, 3. Spieltag / BVB 6 SV Darmstadt 98 0 und
Champions League, 1. Spieltag / Legia Warschau 0 BVB 6

War das eine goldene Woche? 12:0 Tore in Champions League und Liga. Während noch am Sonntag von der Geduld die Rede war, die mit dem neuen BVB nötig sei, gehen jetzt die Superlative aus. Was ist passiert?

Am Mittwoch trafen die Schwarz-Gelben auf einen Gegner, der nach längerer Zeit die Rückkehr auf die höchste europäische Ebene feierte. Doch schöne Choreografien nützten Legia nichts und gewalttätige Fans schon gleich gar nicht. Der polnische Hauptstadtklub – ohnehin schwach in die Saison gestartet – war überfordert. Anfällig bei flottem Flügelspiel, bei Standards und ganz allgemein im Stellungsspiel.

Thomas Tuchel hatte gleich mehrere Impulse nach dem enttäuschenden Auswärtsspiel in Leipzig gesetzt. Guerreiro spielte von Beginn an – und das zentral. Dembélé kam zurück ins Team und der zu Saisonbeginn leicht unzufriedene Pulisic bekam ebenfalls seine Chance. Was soll man sagen? Was für Volltreffer vom Trainer. Tuchel hatte seine Jungs richtig eingeschätzt, vom Leistungsvermögen und von der Galligkeit her. Mario Götze ließ seine Kritiker verstummen und schon am Mittwochabend hatte sich die Stimmung um die Borussia wieder gedreht.

Gestern zeigte Tuchel erneut, wie gut er mit dem Kader umgehen kann. Wenn Rotation so gut funktioniert, dann macht sie allen Sinn. Der Trainer gab Spielern, die bisher wenig Einsatzzeit hatten, ihre Chance. Olympionik Matthias Ginter durfte von Beginn an im Abwehrzentrum ran, Adrian Ramos ersetzte Aubameyang. Christian Pulisic wurde für seinen starken Auftritt in Polen belohnt. Gonzalo Castro war in Warschau nur eingewechselt worden und zeigte gegen Darmstadt sensationell, wieso er verdient wieder in der Startelf stand. weiterlesen

Guerreirowatch

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Gestern hat Raphael Guerreiro bei der Fußball-EM mit Portugal 1:1 gegen Island gespielt. Sein Teamkollege Cristiano Ronaldo war darüber not amused. Guerreiro hat sich heute erst mal untersuchen lassen, in der Nähe von Paris, vom BVB-Mannschaftsarzt Dr. Stefan Braun. Ob der Vertrag mit der Borussia auch noch während der EM unterschrieben wird, hängt wohl davon ab, ob das als stilistisch korrekt angesehen wird.

Das alles ist jedenfalls Grund genug, um sich Guerreiro mal in Aktion anzusehen. Gegen Island wurde er positionsgemäß als Linksverteidiger eingesetzt, rückte aber vor allem in der zweiten Hälfte immer öfter nach vorne nach. Doch zunächst wurde er eher selten angespielt und seine Aktionen wirkten noch ein wenig schmelzeresk. Die gute Passquote kam auch mit Hilfe des ein oder anderen Quer- und Rückpasses zustande. Defensiv sah man ein, zwei Unsicherheiten.

Anschließend zeigte sich allerdings mehr und mehr, welchen Mehrwert Raphael Guerreiro auch für Schwarz-Gelb haben könnte. Schnelle Antritte, der Mut, auch Gegenspieler anzulaufen, zu umspielen und in den Strafraum zu ziehen – war alles zu sehen. Außerdem durfte Guerreiro einige Freistöße schießen und machte das sehr respektabel. Wenn er einige Wochen mit seiner Mannschaft trainiert, könnte das richtig gut aussehen mit dem Beinahe-Neuzugang.

Weniger positiv hat sich unterdessen eine andere Personalfrage entwickelt: Henrikh Mkhitaryan will Borussia Dortmund verlassen. Oder sein Berater Mino Raiola will, dass er es will. Und Raiola behauptet auch, dass der BVB Miki das bereits vor Monaten zugesagt habe. Aber nicht nur wenn man die Geschichten über Raiola kennt, muss man sich fragen, wie glaubwürdig das ist. Hans-Joachim Watzke wird Mkhitaryan sicher kein bedingungsloses Versprechen gegeben haben. Warum sollte er das tun, wenn danach noch monatelang verhandelt wurde?

Fakt ist nun wohl, dass es keine Vertragsverlängerung geben wird. Der Verein will Miki Stand heute nicht vorzeitig abgeben. Und bei allen finanziellen Gründen, die dagegen sprechen: Ich finde das zumindest nicht falsch. Man muss hier ein Zeichen setzen, um sich nicht immer wieder auf der Nase herumtanzen zu lassen. Wenn es einen Fehler gab, dann den, überhaupt mit Leuten wie Raiola zusammengearbeitet zu haben. Auch auf die Berater sollte man bei der Spielerauswahl verstärkt achten.