Die Farce ist komplett: RB spielt gegen sich selbst

Manche haben es als theoretisches Szenario abgetan, doch nun wird es schon ganz bald zur Praxis: In der Gruppenphase der Europa League trifft RB Leipzig auf RB Salzburg. Außerdem bekommen es die beiden vom selben Brausehersteller erschaffenen Vereine mit Celtic und Rosenberg Trondheim zu tun.

Gibt es irgendeinen nur ansatzweise kritischen Fußballfan, der sich auf diese beiden Partien freut? Zwischen zwei geschlossenen Klubs, die lange Zeit zum Verwechseln ähnliche Logos hatten, die jetzt aber nur noch sehr ähnlich sind? Alles entflechtet, alles easy, sagen die Apologeten. Aber wie easy wird sich das anfühlen, wenn sich in dieser ein wenig nach Champions League riechenden Gruppe folgendes Szenario ergibt: Einer der beiden RBs ist schon durch und der andere braucht noch Punkte. Diese Situation ließe sich realistisch nur ausschließen wenn die letzte Begegnung zwischen beiden schon am 4. Spieltag wäre.

Klar, man kann Leipzig und Salzburg für total unabhängig halten. Das ist ungefähr genauso nah an der Realität wie zu sagen: RBL gegen RBS oder von mir aus FCS, das ist wie der BVB gegen seine eigene U23.

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Ist das schon der Favre-Faktor?

1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 4 RB Leipzig 1

Ohne jetzt schnelle Schlussfolgerungen ziehen zu wollen, aber: Komisch ist das schon. Noch im Pokalspiel sahen wir den Mo Dahoud der letzten Saison, mit vielen falschen Entscheidungen und fehlendem Glück. Heute bereitet er sein eigenes Tor vor. Ja, er hätte in der zweiten Hälfte noch mal treffen müssen. Aber das wäre dann wohl zu auffällig gewesen.

Aber nicht nur Dahoud trifft – selbst die Standards gehen plötzlich rein. Es darf auch gerne im Nachschuss sein, nicht nur wenn es so herrlich ist wie Axel Witsels 3:1. Was hat Lucien Favre also gemacht? Der Trainer, dessen Teams laut Christoph Biermanns aktuellem Buch Matchplan viel effektiver sind als es die Spielstatistiken erwarten lassen?

Selbstverständlich kann das Zufall sein – gut möglich nach einem Ligaspiel. Aber es war ja tatsächlich so, dass Leipzig phasenweise, gerade zu Beginn, besser war. Schneller und gefälliger nach vorne spielte. Und am Ende mit 1:4 nach Hause fuhr. Dabei hatte der schnelle Führungstreffer der Gäste noch unangenehm an die letzte Saison unter Jürgen Klopp erinnert, die bekanntlich mit dem frühesten Tor der Bundesligageschichte begann, für Bayer Leverkusen im Westfalenstadion. Der Rest ist leider Geschichte.

Doch der BVB kam zurück in diese Partie. Entscheidend waren dabei – ja, wirklich – die Tore. Das 1:1, das gegen den Lauf des Spiels fiel. Der Doppelschlag vor der Pause, der den Mateschitzern so halb den Zahn zog – das kann schon schmerzhaft sein. Selbst wenn Roman Bürki auch in der zweiten Halbzeit noch überragend halten musste: Die Dominanz der Gäste war weg.

Das Haar in der Suppe: immer noch die Defensive. Lassen wir das 0:1 mal weg, auch wenn das nicht passieren sollte. Da schliefen eben alle Schwarz-Gelben noch. Doch die Leipziger hatten zu lange zu viel Platz auf dem Flügel. Die Außenverteidiger bekamen zu wenig kompetente Unterstützung. Ob Favres System nun ein 4-3-3, 4-1-4-1 oder 4-2-3-1 war: außen gab es zu große Lücken. Da ist noch Arbeit nötig.

Geil dagegen, Spieler zu haben wie Axel Witsel. Der macht wichtige Tore und Traumtore. Das passt, auch wenn das Mittelfeld voll ist. Oder Jadon Sancho, der reinkommt und schon wieder einen auflegt für Marco Reus. Und wenn unser Kapitän und Mo Dahoud mit Lucien Favre tatsächlich besonders gut klarkommen: Super, wenn es dann so funktioniert.

Ob Favres Magie oder nicht: 4:1 gegen Leipzig ist geil. Um das noch mal unterzubringen. Kein Videobeweis nötig, kein Meckern von Rangnick möglich. Der fand seine Mannschaft ja angeblich auch geil. Soll er doch.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Schmelzer (87. Guerreiro) – Witsel – Pulisic (77. Sancho), Dahoud, Delaney, Reus – Philipp (69. Wolf). Gelbe Karten: Diallo, Dahoud. Tore: Dahoud, Sabitzer (ET), Witsel, Reus

Atemlos in Fürth

DFB-Pokal, 1. Runde / Greuther Fürth 1 BVB 2 (n.V.)

Und schon wieder Drama: Beim letzten Aufeinandertreffen mit der Spielvereinigung aus Fürth hatte der BVB in der Verlängerung gegen den Ersatztorwart der Franken den Einzug ins Pokalfinale klar gemacht. Gestern trafen die Schwarz-Gelben zweimal in der Nachspielzeit, davon einmal in der Verlängerung, und übertrafen somit noch das Drama vom letzten Mal.

Damals folgte eine magische Nacht in Berlin. Der Weg dorthin ist 2018 ungleich länger und schwieriger. Im ersten Pflichtspiel unter Lucien Favre offenbarten die Schwarz-Gelben noch einige Schwächen, die baldmöglichst abzustellen sind. Hier sind ganz kompakt meine Tops und Flops des Spiels.

Von heute auf morgen wird die Borussia auch unter Favre ihre Probleme gegen tief stehende Teams nicht los. Und die Fürther verteidigten sehr tief, oft komplett in der eigenen Hälfte. Trotz einiger Hochkaräter fehlten dem BVB noch zu oft die Ideen, wie man die Defensive der Gastgeber auseinanderspielen könnte.

Damit hängt eine nicht unerhebliche Personalie zusammen: Mahmoud Dahoud. Der Mittelfeldspieler hatte durchaus einige ansehnliche Aktionen. Sie endeten aber alle schrecklich uneffektiv. Zu hastig wirkte der mit seinem Gladbacher Trainer Wiedervereinte, traf zu oft falsche Entscheidungen und war auch beim Gegentreffer nicht auf der Höhe, wo er zur Abwechslung mal zu langsam reagierte. Bleibt zu hoffen, dass es hier kein Spezitum zwischen Trainer und Spieler gibt. Mo ist sicher ein Netter, aber nach gestern sollte so bald wie möglich Witsel neben Delaney spielen, von Anfang an.

Marco Reus erzielte in den letzten Momenten der Partie den Siegtreffer, nach toller Vorarbeit von Jadon Sancho. Doch zuvor hatte es schon über längere Phasen so gewirkt, als ob den Schwarz-Gelben ein Stoßstürmer fehle. Reus über außen oder als 10 macht für mich immer noch mehr Sinn. Philipp sehe ich trotz fehlenden Glücks gestern eher in der Mitte.

+++— Gut gestanden hat gestern die Abwehr. Eigentlich. Diallo und Akanji als gute Innenverteidiger, die auch kicken können, das passt so schon. Wie so oft nicht ganz zufriedenstellend war es außen. Marcel Schmelzer stand häufig sehr zentral und überließ anderen die Absicherung des Flügels. Wenn das eine Vorgabe des Trainers war, was ich so bezweifle, brachte es keine Souveränität auf die Flügel.

+++ Natürlich muss man die Einstellung loben. Es gab auch andere Bundesligisten, die in dieser ersten Runde hart ums Weiterkommen kämpfen mussten, nicht zuletzt den amtierenden Meister. Es gab auch ein paar, die gescheitert sind. Aber keiner brauchte oder hatte die Nerven, einmal 30 Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit das Aus zu verhindern und dann kurz vor Ende der Verlängerung alles klar zu machen. Als die Beine schon sehr schwer und die Pause vor dem Elfmeterschießen schon ganz nah war.

Jetzt also: Leipzig. Ein Härtetest zum Bundesliga-Start, wenn es denn einen gibt. Auch die Brausesäufer wirkten im Pokal bei Viktoria Köln nicht souverän. Alles offen, alles drin also.

Schwerer Start ohne Castro

Zwei Borussia-Meldungen von gestern erfordern einen Rückblick und eine Vorschau. Zunächst mal ist Gonzalo Castro für die Schwarz-Gelben Vergangenheit. Der Mittelfeldspieler wechselt nach drei Jahren in Dortmund zum VfB Stuttgart. Gut fünf Millionen Euro kostet das die Schwaben angeblich.

Nach der letzten Saison werden die wenigsten Fans dagegen Einwände haben. Die lief für Castro, wie für viele andere, nicht besonders. Und der Kader muss verkleinert werden. Ich habe aber die zwei Jahre davor nicht vergessen. Da war ‚Gonzo‘ meist ein antrittsstarker Spieler, der sehr brauchbare Pässe spielen und Freistöße treten konnte. Zu Beginn wurde er leider von Thomas Tuchel noch unterschätzt. Nun also Stuttgart. Vielleicht ist das für den 31-jährigen Castro genau die richtige Herausforderung. Alles Gute, Gonzalo!

Unliebsame Gäste zum Auftakt

Nachdem die deutsche Nationalmannschaft ihren Russland-Aufenthalt beendet hat, bekam die Bekanntgabe des neuen Bundesliga-Spielplans wohl mehr Aufmerksamkeit als es in einem normalen WM-Jahr der Fall gewesen wäre. Borussia Dortmund hat den wohl schwersten Auftakt der letzten Jahre bekommen. Hier wie immer die ersten fünf Spiele in der Übersicht:

RB Leipzig (H), Hannover 96 (A), Eintracht Frankfurt (H), TSG Hoffenheim (A),
1. FC Nürnberg (H)

Ja, drei Heimspiele. Aber nur das letzte ist eine Partie, wo man spontan sagt: sollten wir schaffen. Ein trügerischer Durchmarsch wie beim letzten Saisonauftakt ist also nicht zu erwarten. Nicht einfacher wird es am letzten Spieltag im Mai. Da wird die Borussia bei der anderen Borussia zu Gast sein. Und Favre zurück im Borussia Park, als Gästetrainer, wenn es gut läuft.

Leider ein Topspiel

1. Bundesliga, 25. Spieltag / RB Leipzig 1 BVB 1

So was wollen wir in der Bundesliga sehen! Nach der Partie des Tabellensechsten gegen den vor dem Wochenende Tabellenzweiten darf man feststellen: Es geht doch noch spannend und temporeich. Einige Beobachter der höchsten deutschen Spielklasse hatten zuletzt ja die Qualitätsfrage gestellt. Sportlich sind diese Leipziger eine Bereicherung, auch den zuletzt vor sich hin verwaltenden Schwarz-Gelben rangen sie eine reife Leistung ab. Und dennoch: Für unseren Lieblingssport sind und bleiben sie ein Tiefschlag. Wer darin einen Widerspruch sehen will: bitte sehr!

Die Begegnung gestern Abend war leistungsmäßig von einem perfekten Spiel trotzdem weit entfernt. Gegen schnell agierende Offensivakteure gerieten die Abwehrreihen beider Seiten wiederholt in Schwierigkeiten. Aber genau deshalb entstand eine rasante Partie. Manuel Akanji, der in der Liga mal wieder für Sokratis ran durfte, leistete sich den ersten großen Fehler, wusste aber in der Folge meistens zu überzeugen.

Problematisch für beide Teams war weniger die Innenverteidigung, sondern eher der phasenweise kaum vorhandene Zugriff der zentralen Mittelfeldspieler. Bei den Gastgebern enttäuschte vor allem der Ex-Borusse Kampl, bei Schwarz-Gelb waren Weigl und Dahoud allenfalls hin und wieder Faktoren im Spielaufbau. Ja, Mo zeigte eine leichte Aufwärtstendenz, inklusive starker Vorbereitung des Ausgleichs. Aber die Zahl seiner ungenauen bis sinnlosen Pässe überstieg immer noch die besseren.

Die Rückkehr des Torjägers

Generell war die erste Hälfte eher was fürs Auge und die Offensive, in der zweiten standen die Defensivreihen dann besser. Mit nur ein wenig mehr Glück hätte Michy Batshuayi trotzdem das zweite Tor machen können. So blieb es bei einer sicherlich gerechten Punkteteilung, auch wenn die Leipziger am Ende wieder was zu jammern hatten: War Marco Reus‘ Mittelfinger beim 1:1 möglicherweise einen Millimeter im Abseits? Das Beste aus Halbzeit 2 war die Rückkehr von Maximilian Philipp, der nach 78 Minuten für Götze kam. „Millie“ ist nach dem Abgang von Auba trotz seiner langen Verletzung immer noch führender Torschütze der Schwarz-Gelben in dieser Saison.

Gut zu sehen: Die Einstellung des BVB stimmte über 90 Minuten plus. Die Frage dazu: Bleibt das in Spielen gegen vermeintlich kleinere Gegner so? Während das 1:1 gestern einerseits als guter Punkt zu werten ist, hätte man gerne mit einem Sieg Revanche für das Heimspiel genommen. Und tabellentechnisch hilft das Unentschieden natürlich auch nicht weiter, haben doch alle anderen unmittelbaren Konkurrenten gewonnen. Die Frage bleibt also: Was kommt als nächstes? Zunächst gegen den Klub, der natürlich nur rein zufällig denselben Hauptsponsor hat wie der gestrige Gegner.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Akanji, Toprak, Schmelzer – Weigl, Dahoud – Reus (88. Pulisic), Götze (78. Philipp), Schürrle – Batshuayi. Gelbe Karten: Weigl, Dahoud, Batshuayi, Piszczek. Tor: Reus

Die wahren Bullen

Die „Bullen“ sind ein drei Jahre alter Traditionsverein. Wir reden hier natürlich nicht von Leipzig – die gibt es ja schon seit 2009. Die echten Bullen aber sitzen im Westen Englands, unweit der Grenze zu Wales. Und das nicht nur, weil aus der Grafschaft Herefordshire tatsächlich das weltweit bekannte Hereford-Rind stammt. Aus der 56.000-Einwohner-Stadt Hereford kommt auch der gleichnamige Fußballverein, der seit 2014 existiert, aber einen weitaus älteren Vorgänger hat.

Hereford United, gegründet 1924, war sportlich gesehen der Stolz der ländlichen, vergleichsweise abgelegenen Region – ohne allerdings jemals in der höchsten nationalen Spielklasse gespielt zu haben. Mit Shrewsbury Town aus der benachbarten Grafschaft Shropshire trug der Klub eines der heißeren englischen Derbys aus. Doch im Dezember 2014 endete seine Geschichte aufgrund siebenstelliger Schulden, die nicht bedient werden konnten. Nach dem sportlichen Abstieg in die fünfte Liga war man im Sommer wegen der finanziellen Lage bereits in die siebtklassige Southern Premier League zurückgestuft worden.

Genau dort spielt heute Hereford FC, ein so genannter Phönix-Club, gegründet von Fans und lokalen Geschäftsleuten. Bekanntere Vorbilder sind der FC United of Manchester und AFC Wimbledon, die allerdings aus anderen Motiven gegründet wurden. In Hereford bedeutete die Auflösung von United tatsächlich das Ende des halbwegs professionellen Fußballs. Weiterlesen „Die wahren Bullen“

Darth Didi siegt in Dortmund

1. Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 2 RB Leipzig 3

Borussia Dortmund verliert das Spiel, das man neben dem Derby unter keinen Umständen verlieren will. Die dunkle Macht triumphiert dank einer ersten Hälfte, in der sie die Schwarz-Gelben kaum zur Entfaltung kommen ließ und grobe Abwehrfehler eiskalt ausnutzte. Am Ende eines spektakulären Spiels hätte der BVB das Unentschieden verdient gehabt – so sind aber die grandiose Heimserie und die Fünf-Punkte-Führung Vergangenheit.

Drei Gedanken zum Spiel

Die Schwarz-Gelben haben in der Außenverteidigung einen veritablen Engpass. Ich gebe zu, noch vor dieser Partie habe ich das optimistischer gesehen. Schmelzer und Piszczek waren für mich – und da bin ich nicht der Einzige – nie das Nonplusultra auf ihren Positionen. Jeremy Toljans Verpflichtung habe ich daher begrüßt. Gestern spielte der 23-Jährige eine Hälfte hinten rechts und sah vor allem beim 1:2 ganz alt aus. Man muss es so deutlich sagen: Der Junge ist noch nicht so weit für ein solches Spiel – und auch noch nicht so weit wie Schmelle und Piszczu. Jetzt bleibt uns nur, die schnelle Rückkehr von Ersterem und vor allem von Raphael Guerreiro herbeizusehnen.

Doch es haperte auch auf anderen Positionen. Nicht nur Toljan musste zur Pause Pulisic Platz machen. Für Nuri Sahin kam zum Wiederanpfiff Julian Weigl. Unserem Dreier-Mittelfeld fehlte eindeutig die Bindung zur Viererkette. Es war wenig Spielaufbau zu sehen, dafür viele weite Abschläge von Bürki und lange Pässe der Abwehr. Sahin kam nicht zurecht, Mario Götze steigerte sich immerhin in der zweiten Hälfte, ‚Gonzo‘ Castro gefiel zunächst noch am ehesten. Weiterlesen „Darth Didi siegt in Dortmund“

Die Farce ist vollendet

RB Salzburg spielt in der nächsten Saison Champions League – wenn es mal mit der Qualifikation klappen sollte. Man hieße dann plötzlich FC Salzburg. Denn nicht dass es zu Verwechslungen kommt: Ein ‚Verein‘ namens RB Leipzig spielt 2017/18 auf jeden Fall Champions League. Das hat die UEFA nun zugelassen.

Man musste naiv sein, um etwas anderes zu erwarten. Schließlich arbeiten gut bezahlte Anwälte seit einem Jahrzehnt daran, Red Bull den Weg in den Profifußball zu ebnen. Die UEFA hat wahrscheinlich gemäß ihrer Statuten richtig entschieden – nur hätten diese schon längst geändert werden müssen, um die Wettbewerbsintegrität zu schützen.

Man muss auch naiv oder ein Fanboy/-girl sein, um an die Unabhängigkeit von RB Salzburg auf der Entscheidungsebene zu glauben. Jetzt werden manche Beschwichtiger wieder auf die sportlich so tollen Leistungen in Leipzig hinweisen, auf die fairen Fans, auf die angeblich vorbildliche Nachwuchsarbeit. Abgesehen davon, dass diese Idealbilder schon Kratzer bekommen haben (Timo Werner, Auflösung der zweiten Mannschaft): Wenn sich die Frage konkret stellt, ob RB Leipzig gegen RB Salzburg in einem Pflichtspiel eine sportlich faire Begegnung sein kann, wird das Unbehagen zurückkommen. Egal, was die Statuten sagen: Ein solches Spiel sollte unmöglich sein.

Die UEFA kann die Sportlichkeit im Fußball nicht schützen. Vielleicht will sie es auch gar nicht ernsthaft, schon gar nicht in der Champions League. Nun muss man sich als Fußballfan herkömmlicher Prägung überlegen, wie man sich gegenüber dem Produkt Champions League verhalten möchte, das womöglich zwei Produkte von Red Bull beinhaltet. Ich hoffe für die Fans der Letzteren, dass sie sich bei einem RB-internen Duell wenigstens ein klein bisschen unwohl fühlen.

Alle Kritiker, die sich zu einem CL-Boykott durchringen können, obwohl sie etwa BVB- oder Bayern-Fans sind, haben meinen Respekt. Dass der Wettbewerb in Deutschland bald nicht mehr im Free-TV zu sehen sein wird, ist gegen diese UEFA-Entscheidung eine Fußnote.

Leipzig lässt die Maske fallen

Lange genug hat man Kritik erduldet und Bescheidenheit geheuchelt. Nun geht RB Leipzig-Vorstandschef Oliver Mintzlaff in die Offensive, natürlich bei Bild. Die Kritiker des Brausevereins sind von gestern oder „vermummte 18- bis 25-jährige, die sich nicht benehmen können“. Ansonsten ist der Tenor: Wir sind die Guten, weil wir erfolgreich sind. Mit Mintzlaffs Worten:

Wir haben was Historisches erreicht. Und Klischees wie Geld, Tradition und Abneigung gehören der Vergangenheit an. Dass hat auch der Letzte kapiert, wenn er es denn gedanklich zulässt.

Die Zusammenfassung des Grauens gibt es unter anderem bei Spox.com.

Das etwas andere Bayern-Spiel

Schlimm war es 2015: Der BVB schlägt den FCB im Pokal-Halbfinale in München nach Elfmeterschießen. Ich weile im Urlaub in den herrlichen Yorkshire Dales, aber ohne Möglichkeit, deutschen Fußball zu sehen. Das Netradio mit dem weinenden Nobby Dickel bleibt das Höchste der Gefühle. Zwei Jahre später, am vergangenen Samstag, verpasse ich die Begegnung erneut, doch es fühlt sich nicht nur wegen des Ergebnisses ganz anders an.

Natürlich ist die Bedeutung eine andere: Es ist ein Ligaspiel und die Gastgeber haben schon vorher 15 Punkte Vorsprung auf die Borussia. Nur drei Tage später ist Champions League-Viertelfinale gegen die Pep-Bezwinger vom AS Monaco. Und natürlich folgt in wenigen Wochen die Neuauflage des Pokal-Halbfinales in München. Thomas Tuchel selbst vermutete, dass erst dann alle Karten auf den Tisch gelegt würden. Die vielen Verletzten – Reus, Kagawa, Weigl, Durm, um nur vier zu nennen – dienten von vornherein als Entschuldigung, warum man nicht mit einem ’normalen Spitzenspiel‘ rechnen könne.

So kam es: Der BVB hatte in der Arroganz Arena scheinbar wenig zu melden. Jetzt lässt sich trefflich diskutieren, ob die niedrige Erwartungshaltung dafür mitverantwortlich war. Für mich ist diese Vorstellung Küchenpsychologie mit höchstens einem Funken Plausibilität. Die Schwarz-Gelben sind den Bayern in deren jetziger Form schlicht qualitativ unterlegen, wenn wichtige Spieler fehlen. Fragen darf man eher nach dem Spielsystem oder einzelnen Besetzungen. Weiterlesen „Das etwas andere Bayern-Spiel“