Unter der Woche wird gearbeitet

Champions League, Achtelfinale / Zenit St. Petersburg 2 BVB 4

Eine gegenüber Samstag nicht wiederzuerkennende schwarz-gelbe Mannschaft gewinnt in St. Petersburg und hat beste Chancen, erneut das Viertelfinale der Champions League zu erreichen. Die Akteure waren allerdings zum großen Teil dieselben wie am Wochenende; nur Kehl und Reus kamen neu ins Team. Ein hervorragendes Beispiel für den Unterschied wie Tag und Nacht: Marcel Schmelzer. Von dem sehr behäbigen, unkonzentrierten ‚Schmelle‘ vom Hamburg-Spiel war nichts mehr zu sehen – gestern Abend war er ein Vorbild an Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Einsatz. Wollen wir hoffen, dass er und die anderen eine Lektion gelernt und nicht nur einfach in den Champions League-Overdrive geschaltet haben.

Die vier Auswärtstore des BVB hatten auch viel mit Marco Reus zu tun – an dreien war er direkt beteiligt. Ein ganz großer Schritt war bereits mit dem Doppelschlag in der 4. und 5. Minute zu tun. Zunächst schnappt sich Reus den Ball und läuft einfach immer weiter, obwohl er von Zenit-Spielern mehrfach angegangen wird. Erst im Strafraum kommt er zu Fall, doch den freien Ball schießt Mkhitaryan ins Tor. Der Neuzugang bereitet kurz darauf mit einer Vorlage für Großkreutz das 2:0 vor. Kevin lässt in den Lauf von Reus abtropfen und der vollendet von rechts ins lange Eck, fast wie ‚Miki‘ eine Minute zuvor.

Auch wenn in der ersten Hälfte eine Reihe von vielversprechenden Spielzügen gegen scheinbar wirklich sehr kalt gestartete St. Petersburger nicht effektiv genug zu Ende geführt wurden, hatte die Borussia die Partie für eine Auswärtsmannschaft beeindruckend im Griff. Da brannte auch nichts an, als die Gastgeber durch ein Abseitstor und einen viel zu harten Elfmeter in der zweiten Halbzeit zweimal verkürzen konnten. Denn es gibt ja noch den talentierten Mr. Lewandowski, der von Piszczek und eben wieder Reus mustergültig bedient wurde und aus zentraler Position zweimal traf. Es war erneut eine Glanzvorstellung des polnischen Torjägers und es bleibt erneut die Erkenntnis, dass der BVB ihn in der nächsten Saison extrem vermissen wird.

Eine großartige Vorstellung zeigte allerdings auch fast die komplette Belegschaft, nur Nuri Sahin fiel leicht ab. Richtig zu schätzen kann man das trotzdem erst wissen, wenn am Samstag drei Punkte gegen Nürnberg raus springen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Kehl, Sahin – Großkreutz (90. +1 Durm), Mkhitaryan (70. Aubameyang), Reus (85. Hofmann) – Lewandowski. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Mkhitaryan, Reus, Lewandowski (2)

Dortmund holt sich den Rekord

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 4 Eintracht Frankfurt 0

Das nächste tolle Ligaspiel, vier Tore und ein Rekord, der nicht dem FC Bayern gehört – was hätte man mehr erwarten können von der Neuauflage des Pokalduells vom Dienstag? Wie vermutet hatte Borussia Dortmund im eigenen Stadion weniger Probleme mit der Frankfurter Eintracht, zumal deren Trainer Armin Veh seine Mannschaft auf vier Positionen umbaute.

Wenig war zu sehen vom Spiel aus einem Guss, vom erfolgreichen Pressing, wie es die SGE unter der Woche noch praktiziert hatte. Die geänderte taktische Ausrichtung war ja zu erwarten gewesen, weniger jedoch die Aussetzer, die den Plan der Gäste früh obsolet machten. Der BVB dagegen zeigte, was Selbstvertrauen gepaart mit Lernfähigkeit ausmachen können. Gerade die von mir nach dem Pokalspiel noch kritisierte linke Seite mit Schmelzer und Großkreutz zeigte sich enorm verbessert; beide nutzten den Raum über den Flügel und setzten die Gäste-Defensive immer wieder unter Druck. Es dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, dass dem Frankfurter Rechtsverteidiger Jung früh ein schwerer Fehler unterlief, als er den Ball an Mkhitaryan verlor und dieser einen herrlich präzisen Pass in den Laufweg von Aubameyang spielen konnte: 1:0 nach zehn Minuten.

Überhaupt: Mkhitaryan und Aubameyang. Die persönlichen Erfolge in den letzten Partien haben offensichtlich gut getan. Wo sind jetzt die Zweifler, die Kommentarschreiber, die von „Fehleinkäufen“ sprachen? Und wenn wir gerade beim Thema sind: Wo ist die BVB-Krise? Wie ist die schwarz-gelbe Borussia aus der Winterpause gekommen, wie die andere? Und Leverkusen? ‚Miki‘ und ‚Auba‘ gehörten jedenfalls zu den Matchwinnern am Samstag, auch dank ihres zweiten gemeinsamen Tores: Gut zehn Minuten nach der Führung schlug ersterer einen Eckball in den Strafraum, Manuel Friedrich verlängerte mit dem Hinterkopf Richtung Tor, Keeper Trapp konnte den Ball per Reflex nur kurz abwehren und Pierre-Emerick stand frei und bereit, um einzuschieben.

Wenn es noch etwas Schatten beim Neuzugang aus St. Etienne gibt, dann betrifft er sein Passspiel. ‚Auba‘ gibt sich redlich Mühe, nach einem schnellen Lauf einen besser postierten Mitspieler wie etwa Lewandowski einzusetzen, doch das sollte noch präziser werden. Ein oder zwei Tore mehr wären dadurch gestern drin gewesen. Nach der beruhigenden Führung ließen die Schwarz-Gelben ihre Gäste etwas mehr in die Offensive gehen, wie es eigentlich deren Stil ist. Doch man ließ sich eben nicht hinten reindrängen, nicht nervös machen wie in manch anderem Spiel in dieser Saison. Weiterlesen „Dortmund holt sich den Rekord“

Der Adler ist gelandet, BVB fliegt weiter

DFB-Pokal, Viertelfinale / Eintracht Frankfurt 0 BVB 1

Borussia Dortmund steht im DFB-Pokal unter den letzten Vier und ist damit einem wichtigen Saisonziel einen Schritt näher gekommen. Es war der erwartet schwere Pokalfight, doch insgeheim hatte man sich erhofft, dass sich der Qualitätsunterschied im Kader etwas häufiger zeigt. Angesichts der Verletztenliste war das vielleicht auch noch zu optimistisch.

Geplant war nach Jürgen Klopps Worten, die Frankfurter ruhig das Spiel machen zu lassen und etwas abwartender als gewöhnlich zu agieren. Es entwickelte sich eine sehr ausgeglichene Partie, in der die Frankfurter wie vermutet auf konsequentes Pressing im Mittelfeld setzten. Eigentlich war es eine angenehme Abwechslung, sich mal nicht als Heimmannschaft fühlen zu müssen, sondern auf Konter setzen zu können.

Leider gab es aber auch Dinge, die nicht so funktionierten wie erhofft und dafür sorgten, dass erst in der 83. Minute das entscheidende Tor fiel. Im Offensivspiel fehlte zeitweise die Übersicht, zu oft wurden Spieler auf den Flügeln übersehen. Ein ‚Übeltäter‘ war hier Henrikh Mkhitaryan, der aber sonst ordentlich spielte und schließlich auch den Eckball vor dem Treffer schlug. Im Spiel nach vorne gab es mit Pierre-Emerick Aubameyang und Sebastian Kehl zwei Akteure, deren Pässen es gelegentlich an Präzision mangelte. Hier wären sicher Reus und Hummels hilfreich gewesen. Und leider wirkte defensiv unsere linke Seite wieder mal alles andere als gefestigt. Schmelzer stand bei Frankfurter Angriffen oft sehr zentral, der Flügel war verwaist, generell passte die Abstimmung mit dem nach links beorderten Großkreutz nicht wie früher.

Die Chancen waren dennoch da und der Sieg letztendlich verdient. In der zweiten Hälfte erhitzte das Duell Carlos Zambrano gegen Robert Lewandowski die Gemüter. Der Frankfurter Abwehrspieler agierte hier unter der Überschrift „Austeilen, aber nicht einstecken können“: Er fiel theatralisch, setzte aber schon mal den Ellbogen gegen Lewa ein. Nicht nur deswegen war es ein klassisches Pokalspiel mit offenem Visier und stetem Auf und Ab. Zu den besten Akteuren gehörten Sokratis und Lewandowski, Sahin steigerte sich in Halbzeit 2. Am Ende wurde der enge Tanz durch einen Eckball entschieden. Keine schwarz-gelbe Stärke zuletzt, umso besser, dass es funktionierte. Kehl verlängerte Mkhitaryans Hereingabe, am langen Pfosten nickte Aubameyang ein, Frankfurts Rode war auf der Torlinie noch am Ball.

Nach der Führung kam von den Gastgebern nichts Gefährliches mehr, was den Sieg auch zu einem verdienten macht; allerdings kann man sicher anderer Ansicht sein als Jürgen Klopp, der von 70 richtig guten Minuten des BVB sprach. Trotzdem danke und jetzt ein Heimspiel, bitte!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Kehl, Sahin – Aubameyang (90. +4 Schieber), Mkhitaryan (89. Hofmann), Großkreutz – Lewandowski. Gelbe Karten: Sokratis, Schmelzer, Aubameyang. Tor: Aubameyang

Zurück zur Schönheit

1. Bundesliga, 20. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 5

Die Schönheit des Fußballs ist nicht das xundvierzigste Bayern-Spiel ohne Niederlage, schön sind unerwartete Glanzstunden wie das gestrige 5:1 der Borussia im Weserstadion. Auf ein solches Highlight hatte nach dem mühsamen Rückserienauftakt kaum jemand spekuliert. Doch den Schwarz-Gelben gelangen grandiose Spielzüge und Tore, die an die Meisterjahre erinnerten – allerdings gegen einen phasenweise extrem desolaten SV Werder.

Dabei ging es für die Gastgeber nicht so schlecht los: Die erste Viertelstunde der Partie verlief ausgeglichen, Bremens argentinischer Stürmer Franco di Santo hatte die erste größere Gelegenheit. Es sollte sich jedoch bald herausstellen, dass vor allem die Vierer-Abwehrkette des SVW kaum Bundesliga-Format hat. Die Dortmunder Führung wurde allerdings durch Bremens Flügelmann Eljero Elia begünstigt, der den Ball gegen Marcel Schmelzer verlor. Der Linksverteidiger bediente zentral Robert Lewandowski und der legte eiskalt an Torwart Wolf vorbei ins lange Eck.

Ein Problem der Grün-Weißen ist neben der geringen Zahl an Torchancen sicherlich, dass sie nach einem Rückschlag zu selten zurückkommen. Nach dem Rückstand gelang ihnen lange ganz wenig. Die BVB-Defensive machte ihre Sache bis auf zwei nicht optimale Aktionen von Sokratis früh im Spiel auch prima. Das Gegenpressing funktionierte in der eigenen Hälfte nahezu vorbildhaft. Und Jürgen Klopp traf mit der Hereinnahme von Manuel Friedrich für den verletzten Hummels die richtige Entscheidung. Wer hätte schon gedacht, dass Friedrich sogar noch ein Treffer in schwarz-gelb gelingen würde? Kurz nach der Pause drückte er nach einem Eckstoß von Reus den Ball freistehend zum 3:0 über die Linie – und freute sich natürlich mächtig.

Einige Minuten vor der Pause hatte bereits Henrikh Mkhitaryan getroffen und zwar so, dass die Nörgler hoffentlich erst mal wieder ihre Klappe halten. Nach Zuspiel von Lewa setzte sich der Armenier gegen Lukimya durch und traf gegen die Laufrichtung von Wolf. Es war eine Aktion, die Klasse ausstrahlte und eigentlich ganz allein schon reichen sollte, um Zweifel eines Besseren zu belehren. Doch da war ja noch das 4:0 – ein Treffer, der die Bezeichnung ‚the beautiful game‘ für unseren Lieblingssport endgültig unterstrich. Mkhitaryan spielte Doppelpass mit Reus, aber was für einen: Marco legte mit der Hacke zurück in ‚Mikis‘ Lauf und der wunderbar am Keeper vorbei ins lange Eck. Meisterstil wie 2011, nur mit anderen Akteuren. Weiterlesen „Zurück zur Schönheit“

Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Lösungsansätze

Die Vollzugsmeldung beim Lewandowski-Transfer hat Borussia Dortmund kurzzeitig medial auf Augenhöhe mit den Bayern gebracht und ausufernde Spekulationen über (einen) mögliche(n) Nachfolger in Gang gesetzt. Wie das in solchen Fällen ist, werden von den Medien derzeit alle Namen nochmal hervorgekramt, über die im Jahr 2013 irgendwann spekuliert wurde. Doch einige Optionen kann man mit mittelmäßigen Fußball-Kenntnissen und etwas gesundem Menschenverstand wohl getrost beiseite schieben.

Jackson Martinez vom FC Porto soll von der Borussia 2012 beobachtet worden sein, hat aber eine Ausstiegsklausel von 40 Millionen Euro im Vertrag stehen. Nur unwesentlich günstiger wäre Diego Costa von Atlético Madrid: Für ihn würden 38 Millionen fällig. Weder Porto noch Madrid haben Gründe, von diesen Summen abzurücken. Und Hans-Joachim Watzke hat wiederholt betont, dass der BVB Mega-Transfers dieser Dimension nicht tätigen wird.

Christian Benteke von Aston Villa wird nun ebenfalls wieder ins Gespräch gebracht. Seine Verpflichtung erscheint jedoch deutlich unwahrscheinlicher als letzten Sommer, da er damals seinen Vertrag mit dem von Ex-Borusse Paul Lambert trainierten Klub aus Birmingham verlängert hat. Sollte Aston Villa die Klasse halten – derzeit stehen sie 6 Punkte vor der Abstiegszone im Mittelfeld – dürften sie kaum gewillt sein, den Belgier für einen für den BVB annehmbaren Preis zu verkaufen. Besonders gerne wird zurzeit der Name Kevin Volland genannt. Ein junger, entwicklungsfähiger deutscher Stürmer erscheint vielen als idealer Nachfolger des vermeintlichen ‚Söldners‘ Lewandowski. Doch auch dieser Transfer wird sicher nicht einfach zu realisieren sein. Volland ist vermutlich die größte Identifikationsfigur der TSG Hoffenheim und der Hopp-Verein hat es nicht nötig, ihn für lau ausgerechnet nach Dortmund abzugeben.

Auch der in Deutschland aufgewachsene Grieche Konstantinos Mitroglu wurde von Jürgen Klopp und Michael Zorc beobachtet, doch er scheint keine Anstalten machen zu wollen, Olympiakos Piräus bald zu verlassen. Vor kurzem hat er seinen Vertrag verlängert und zugestimmt, eine Ausstiegsklausel zu streichen. Macht man so etwas, nur um seinem Verein eine höhere Ablöse zu garantieren? Von den gehandelten Namen kommt inzwischen vielleicht sogar am ehesten Edin Dzeko von Manchester City in Frage, der sich angeblich eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen kann. Doch Gehalt und Ablöse dürften für den BVB an der oberen Schmerzgrenze liegen – wenn nicht darüber.

Als Fazit bleibt nur, dass Geduld nötig ist. Denn am wahrscheinlichsten ziehen Zorc und Klopp wieder jemand ganz anderen aus dem Hut – die Geheimhaltung funktioniert in Dortmund ja noch vergleichsweise gut.

Interessanter ist derzeit die Frage, an welchen Schrauben der BVB-Trainer drehen könnte, um in dieser Saison wieder etwas Schwung in die schwarz-gelbe Offensive zu bringen und den ein oder anderen Gegner zu überrraschen. In manchen Partien könnte es eine Option sein, mit zwei Spielern im Sturmzentrum zu operieren. Warum nicht Aubameyang mal direkt neben Lewandowski aufbieten oder Reus weiter vorziehen? Und ja, warum nicht sogar Schieber? Der ‚Bulle von Backnang‘ hat immerhin gezeigt, dass er Bälle behaupten und ablegen kann. Als zweiter Stürmer könnte er durchaus nützlich sein.

Angesichts seiner guten Leistungen und der Rückkehr von Lukasz Piszczek wäre es auch denkbar, Kevin Großkreutz mal wieder weiter vorne auf dem Flügel einzusetzen. Dass er sich so verzettelt wie zuletzt Kuba oder gelegentlich Aubameyang steht immerhin nicht zu befürchten. In 2 1/2 Wochen werden wir sehen, was Jürgen Klopp im Trainingslager in La Manga und danach austüftelt.

Ein formal korrekter Vorgang

Robert Lewandowski wechselt im Sommer ablösefrei zum FC Bayern München und unterschreibt dort einen Fünfjahresvertrag. Woran spätestens seit den klärenden Worten des Stürmers im Herbst kaum noch ein Zweifel bestand, wurde nun offiziell bestätigt. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, dass bei diesem Transfer formal alles korrekt gelaufen sei. Und was will man dem FC Bayern auch vorwerfen – sie haben einen Spieler verpflichtet, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Fragt man Fans, die den deutschen Vereinsfußball mögen, dürfte sich außer den Bayern und ein paar Schalkern jedoch kaum jemand über den Wechsel freuen.

Dass manche Leute gedacht haben, die Verantwortlichen des Rekordmeisters scherten sich wirklich um das Niveau der deutschen Fußball-Bundesliga, mag man für naiv halten; der Gedanke wurde aber von den Bossen Rummenigge und Hoeneß durch von mir schon mehrfach zitierte Äußerungen nahe gelegt. Ersterer sagte 2012, man werde keinen BVB-Spieler verpflichten, nur um den Konkurrenten zu schwächen. Damit hat Rummenigge formal nicht gelogen. Aber sollte die Politik in der Vergangenheit bei anderen Transfers mal anders gewesen sein – zugegeben haben es die FCB-Granden ohnehin nie. Deshalb kann man wie bei allen Bayern-Transfers getrost mehrere Motive unterstellen.

Läge den Machern von der Säbener Straße wirklich etwas an einem Konkurrenzkampf in der Liga, hätte man sich durchaus anderswo bedienen können. Natürlich sind Götze und Lewandowski absolute Topspieler, doch dass es weltweit keine gleichwertigen auf ihren Positionen gebe, ist eine unbewiesene, Deutschland-zentrierte Behauptung. Die Bayern haben sich schlicht und einfach für den einfachsten Weg entschieden – weil sie es können, haben sie formal korrekt nach dem wahrscheinlich besten Mittelfeldspieler auch den besten Stürmer der Bundesliga verpflichtet. Integrationsprobleme sind so natürlich nicht zu erwarten, es sei denn, der Rekordmeister schafft sich selber welche.

Droht nun 2014/15 endgültig Langeweile in der Liga? Ein Untergangsszenario braucht trotz allem niemand, schließlich kann immer Unvorhergesehenes passieren; am Zoll, in der Politik, vor Gericht und erst Recht im Fußball. Dass die Bayern aber etwas für die Attraktivität der Liga als Ganzes tun, ist heute so sehr ein Märchen wie es schon lange eines war und vermutlich noch lange eines bleiben wird.

Borussia Dortmund hatte seit Monaten Gelegenheit, sich auf Lewas Ausstiegsszenario vorzubereiten. Natürlich sind Michael Zorc und Jürgen Klopp längst auf der Suche nach einem Nachfolger, doch da der BVB nicht annähernd so viel investieren kann wie die Bayern, muss man gründlicher und fantasievoller vor- und ein höheres sportliches Risiko eingehen. Treffer gelingen auf dem Transfermarkt nicht am laufenden Band und daher gehen auch die fehl, die jetzt erwartungsgemäß „ich weiß, was ihr letzten Sommer hättet tun sollen“ sagen. Robert Lewandowski hat in der Liga 2013/14 bisher 11-mal getroffen und darüber hinaus wichtige CL-Tore erzielt. Hätte man das Geld genommen und einen Anderen verpflichtet, wäre man möglicherweise international nicht mehr dabei und stünde national noch schlechter da – auch wenn das niemand beweisen kann.

Die Unterschiede zum Götze-Wechsel wurden schon häufiger thematisiert und sind darüber hinaus zu nahe liegend, um sie noch mal erwähnen zu müssen. Robert Lewandowski hat für den BVB verdammt viel getan in den letzten Jahren, gerade gegen seinen zukünftigen Verein. Vielleicht gelingt ihm das auch in der Rückserie noch mal, vielleicht wieder gegen seinen zukünftigen Verein. An seinem Einsatzwillen braucht man jedenfalls nicht mehr zu zweifeln; seine Wechsel-Entscheidung folgt seiner persönlichen, kühl kalkulierten Kosten-Nutzen-Rechnung.

Nach dem aus Borussensicht erwartbar schlechten Auftakt wünsche ich dennoch allen Lesern ein gutes neues Jahr!

So hätte es nicht enden müssen

1. Bundesliga, 17. Spieltag / BVB 1 Hertha BSC 2

Zu Weihnachten eine Heimniederlage gegen den Aufsteiger Hertha BSC – das hätte man sich nun wirklich anders vorgestellt. Die Schuldfrage lässt sich ausnahmsweise mal schnell und deutlich klären: Für den Rückstand waren zwei Abwehrpatzer verantwortlich; dafür, dass er nicht mehr gedreht werden konnte, die weit unter ihren Möglichkeiten agierende Offensivabteilung. Platz 4 nach der Hinserie ist nicht das, was der Verein erreichen wollte. Doch Punktverluste waren angesichts der personellen Situation erwartbar und sind mit Blick auf 2014 wegen des geringen Rückstands noch kein Grund, von einer Krise zu sprechen. Schließlich ist jetzt Winterpause.

An der Partie vom Samstag gibt es allerdings wenig schönzureden. Als Sebastian Kehl den Ball nach sieben Minuten in Richtung Marco Reus auf die linke Seite geschlagen und unsere Nummer 11 den im falschen Moment aus dem Kasten kommenden Nachwuchskeeper Gersbeck überwunden hatte, sprach alles für die Borussia. Die Hertha wirkte zwar von Beginn an in der Abwehr diszipliniert – was zuletzt zu ihrem Markenzeichen geworden ist – doch zum Torabschluss wurde sie von Schwarz-Gelben freundschaftlich eingeladen. Zunächst scheiterte Adrian Ramos, der sich einen desaströsen Rückpass von Kevin Großkreutz erlaufen hatte, noch an Roman Weidenfeller. Doch dann spielte Sokratis einen etwas zu kräftigen Querpass auf Durm, der junge Linksverteidiger brachte den Ball nicht richtig unter Kontrolle und Allagui war zur Stelle, um Ramos von rechts zu bedienen.

Die Borussia hatte danach noch rund 70 Minuten Zeit für Ergebniskorrekturen, doch die Probleme damit zogen sich bis zum Schluss durch ihr Spiel. Loben wir erst mal den Gegner: Lange Zeit setzten die Berliner die ballführenden Schwarz-Gelben gekonnt unter Druck, pressten schon im Mittelfeld. Später in der zweiten Hälfte zogen sie sich weiter zurück, machten die Räume im Zentrum sehr eng und leisteten sich kaum Fehler in Strafraumnähe. Dennoch hätte man vom BVB mehr Lösungsansätze erwartet. Die Flügel waren in Richtung Berliner Tor verwaist. Marco Reus konnte sich nach der Führung kaum noch in Szene setzen und auf der anderen Seite leistete sich Kuba sehr viele Ballverluste. Bei aller Freude über Eric Durms Qualitäten setzt dieser offensiv auch noch nicht regelmäßig Akzente und Lukasz Piszczek braucht ebenfalls noch das kommende Januar-Trainingslager, um vielleicht wieder zur alten Stärke zu finden

Sehr viel lief also durch die Mitte, doch leider traf dort Henrikh Mkhitaryan erneut zu viele falsche Entscheidungen und war kaum mal am Strafraum zu sehen. Bleibt noch zu ergänzen, dass auch Nuri Sahin bis auf seinen obligatorischen uneffektiven Distanzschuss ideenlos blieb und man bekommt ein Gefühl dafür, warum es vorgestern selbst gegen einen Aufsteiger nicht reichte. Engagiert und mit weniger Fehlern als zuletzt agierte Sebastian Kehl – vielleicht hob er sich auch nur besonders von seinen Mittelfeld-Kollegen ab. Robert Lewandowski weiß in der Liga trotz vergeigter Abschlüsse von der Offensivabteilung derzeit noch am besten zu gefallen: Ballbehauptung und Raumgewinn stimmen immerhin.

Dass der BVB am Samstag sogar verloren hat, hing dann aber doch entscheidend mit einer Szene kurz vor der Pause zusammen. Innenverteidiger Marian Sarr versuchte den Ball gegen Sami Allagui spielerisch zu behaupten, verlor aber das Duell und musste betroffen mit ansehen, wie der Flügelspieler Weidenfeller umkurvte und einschob. Kurz darauf sah Sarr noch Gelb – wie einige Zweikampfbewertungen von Schiedsrichter Gagelmann war das diskutabel, doch Jürgen Klopp nahm den 18-jährigen zur Pause raus. Bitterer hätte es für Marian nicht laufen können: Geht alles seinen normalen Gang, spielen in der Rückserie wieder Sokratis und Hummels. Darüber hinaus könnten die Vereinsverantwortlichen angesichts der letzten Wochen doch noch mal auf dem Transfermarkt aktiv werden und nach Mitsuru Maruoka, dem jungen japanischen Perspektivspieler fürs Mittelfeld, eine Soforthilfe für die Abwehr verpflichten. Bisher mauert Michael Zorc dahingehend, doch auch Mauern fallen manchmal. Sarr könnte also auf seine nächste Chance lange warten müssen.

In den zweiten 45 Minuten ging von den Gästen kaum noch Gefahr aus, doch die Borussia hat derzeit einfach ein Problem mit engmaschigen Abwehrnetzen. Es gab den guten Schuss von Jonas Hofmann von der Strafraumgrenze, den Gersbeck parieren konnte, und einen späten Kopfball von Großkreutz. Natürlich zu wenig für ein Team, das sich in einer der schwersten Gruppen für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert hat. Trotz seiner schwankenden Leistungen hätte Pierre-Emerick Aubameyangs Torgefahr der Borussia vielleicht besser getan als Hofmann und Schieber – auch Jürgen Klopps Einwechslungen darf man also leise hinterfragen.

Ein Resümee von 2013 gehört in einen eigenen Artikel – der kommen wird. Die unmittelbaren Aussichten für Borussia Dortmund sind nicht so schlecht wie sich manch einer am Samstagabend gefühlt haben mag. Wenn in der Winterpause ordentlich gearbeitet wird und der Heilungsverlauf bei Hummels und Gündogan positiv verläuft, dürfte zumindest der eine Punkt Rückstand auf Mönchengladbach zu vernachlässigen sein. Wenn das Team um Jürgen Klopp es schafft, den Jungs auf dem Rasen etwas mehr Flexibilität beizubringen oder das durch leichte Eingriffe an der Taktik forciert, ist eine erfolgreiche Rückserie nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Ob sich personell nicht doch etwas tut, wird dieses Blog natürlich verfolgen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Sarr (46. Piszczek), Durm – Kehl (77. Schieber), Sahin – Blaszczykowski (56. Hofmann), Mkhitaryan, Reus – Lewandowski. Gelbe Karten: Sarr, Sahin. Tor: Reus

Mainz ist, wenn man trotzdem lacht

1. Bundesliga, 14. Spieltag / FSV Mainz 05 1 BVB 3

Spiele der Borussia gegen Mainz 05 hatten in den letzten Jahren einige Gemeinsamkeiten: Sie waren flott und konnten von den Schwarz-Gelben zuletzt immer siegreich gestaltet werden. Und selbst wenn die Partien kontroversen Diskussionsstoff boten, waren sich hinterher alle wohlgesonnen. Eine kleine Unstimmigkeit ist mir vom Anfang der Amtszeit Thomas Tuchels noch im Gedächtnis – als die Mainzer trotz einer Verletzung von Neven Subotic weiter spielten und den Ausgleichstreffer erzielten. Seither begegnet man sich ausgesprochen gastfreundlich und das ist in meinen Augen angenehmer als Eskalationen wie beim Derby.

Die Mainzer Verantwortlichen hätten gestern durchaus Grund für kritische Worte gehabt – gegenüber Schiedsrichter Deniz Aytekin, der sich nicht als Heim-Referee erwies. Dass die 05er die Partie am Ende mit 1:3 verloren, ist mindestens genauso ungerecht wie die deutliche BVB-Niederlage gegen den FC Bayern am Wochenende zuvor. Die vermutlich spielentscheidende Szene bewertete Aytekin richtig: Nach einem schnellen Abschlag von Weidenfeller in der 79. Minute und tollem Doppelpass von Lewandowski und Aubameyang chippte Letzterer den Ball Richtung leeres Tor – und Elkin Soto klärte mit der Hand zum Elfmeter. Wegen Torverhinderung sah der Mittelfeldspieler folgerichtig auch noch Rot, Lewandowski traf zur 2:1-Führung.

Auch die anderen beiden BVB-Tore fielen durch Standards und mit den vorangegangenen Pfiffen dürften die 05er nicht einverstanden gewesen sein. Das 1:0 erzielte Pierre-Emerick Aubameyang mit einem schönen Freistoß und etwas Glück: Von halblinks traf sein Schuss den Innenpfosten, von dort sprang der Ball ins Tor. Die Freistoßentscheidung zugunsten von Erik Durm war jedoch diskutabel. Dass der junge Linksverteidiger und frühere Stürmer für sein Alter fast schon zu abgekocht ist, zeigte sich dann in der Nachspielzeit, als er sich über den im Strafraum liegenden Mainzer Torwart Karius fallen ließ. Man kann das nicht wirklich schönreden als eine ‚Einladung‘ durch den Keeper – Durm hätte hier nie zu Boden gehen müssen, die kaum existente Berührung ging von ihm aus.

Vermutlich hätte die Borussia die letzten Sekunden auch ohne den Elfmeter zum 3:1 noch über die Zeit gebracht – auch wenn die Mainzer selbst in den zehn Minuten zu zehnt dem Tabellendritten ebenbürtig waren und weiter Druck machten. Dennoch lief die Begegnung vor ausverkauftem Haus sehr unglücklich für die Gastgeber. Über lange Strecken hatten die 05er das Mittelfeld gut dicht gemacht, waren ohne großen Kraftverlust viel gelaufen und hatten nur wenige herausgespielte Chancen der Schwarz-Gelben zugelassen. Wirklich erwähnenswert war lediglich der Lattenkracher von Aubameyang kurz vor der Pause, an dem Karius noch dran war.

Natürlich machten auch Spieler und Verantwortliche der Borussia nach den 90 Minuten gute Miene zum schlechten Spiel. Ein 3:1 war schließlich das absolute Maximum, das man aus dieser Partie holen konnte. Die Maßnahme von Jürgen Klopp, Kevin Großkreutz in die Zentrale neben Sven Bender zu stellen und Piszczek auf seiner angestammten Position rechts hinten aufzubieten, überzeugte nicht wirklich. Lukasz machte es solide, doch Kevin fehlte deutlich die Bindung zum Spiel. Kuba spielte zunächst quasi auf einer Höhe mit den beiden, doch gegen dieses umgestellte Mittelfeld wirkten die bissigen 05er oft überlegen.

Klopp tauschte schon in der ersten Hälfte Bender gegen Sahin aus und nutzte bereits in der Halbzeitpause seine beiden weiteren Wechseloptionen: Kehl und Mkhitaryan kamen für Kuba und Reus. Nach Angaben des Trainers waren alle Wechsel verletzungsbedingt – was auf eine noch gewagtere Aufstellung am Dienstag im Pokal gegen den Tabellenvorletzten der dritten Liga hindeutet.

Eine Partie, die bei genauer Betrachtung wenig zum Lachen bot, endete auf dem Papier mit einem absolut überzeugenden Ergebnis. Die Borussia hatte das in dieser Saison auch schon anders herum. Gut, dass man nun mit drei Punkten die Pflichtaufgabe in Saarbrücken angehen kann, bevor man gegen Leverkusen die Liga möglicherweise noch langweiliger macht als sie (oben) schon ist und im Anschluss die knifflige Aufgabe in Marseille zu bestehen hat.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Durm – Blaszczykowski (46. Mkhitaryan), Bender (33. Sahin), Großkreutz – Aubameyang, Reus (46. Kehl) – Lewandowski. Tore: Aubameyang, Lewandowski (2 x EM)

Nie wieder Clasico

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 0 Bayern München 3

Natürlich, die deutschen Sportmedien und – allgemeiner gesprochen – die hiesige Fußball-Szene hätten gerne den Glamour und die internationale Bedeutung eines ‚Clasico‘. Und der Fakt, dass die gestrige Begegnung zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern in 209 Ländern übertragen wurde, legt nahe, dass sehr viele Augen auf das Topspiel der deutschen Bundesliga gerichtet waren. Doch ein echter Clasico, sofern man das Wort überhaupt international verwenden will, verlangt zweierlei: Er muss Tradition als Spitzenspiel haben – deswegen steckt das Wort „klassisch“ drin. Daher muss er ein Duell auf Augenhöhe sein – langfristig. Beides ist in Deutschland nur bedingt bis gar nicht gegeben.

Dass die Bundesliga in den letzten Jahren verstärkt internationale Aufmerksamkeit bekam, war zu einem guten Teil Borussia Dortmund zu verdanken. Der Spielweise und der Art des Vereins sowie der Tatsache, dass mit dem BVB ein ernstzunehmender Konkurrent für die Bayern zu erwachsen schien, der die Liga spannender gestalten können würde. Vielen war eigentlich klar, dass der FCB dabei nicht zuschauen würde – trotzdem war der Wunsch nach langfristiger Spannung offensichtlich so groß, dass man den ‚Clasico‘ importieren musste. Das gestrige Topspiel war zwar nur ein Spiel, in dem drei Punkte vergeben wurden und auch keine echte Vorentscheidung in der Meisterschaft fallen konnte, aber es hat gezeigt, dass sich an der Lage in der Liga strukturell nichts ändern wird.

Es gibt da manchmal einen Verein, der dem FC Bayern ein paar Probleme bereiten kann, derzeit die Borussia, aber mit Hilfe ihrer Finanzkraft schaffen es die Münchener immer, einen zeitweise geschrumpften Abstand wiederherzustellen. Ihre Qualität quer durch den gesamten Kader wird sich im Vergleich früher oder später bemerkbar machen. Unvermeidlich und exemplarisch war, dass der vom Konkurrenten geholte Mario Götze mit seinem Tor den Auswärtssieg der Bayern einleitete – Robert Lewandowski wird ihm möglicherweise bald in die bayerische Landeshauptstadt folgen. Schade, dass Uli Hoeneß momentan sicher wenig Zeit hat, sich Vorschläge gegen die Einseitigkeit der Liga auszudenken.

Sprechen wir also nicht vom Clasico, sprechen wir von einem Spiel, das lange Zeit spannend war. In dem die Bayern deutlich mehr Ballbesitz hatten, das die Gastgeber jedoch nach 15, 20 Minuten offen gestalten konnten. In dem die Borussen die besseren Chancen hatten, diese aber nicht nutzten. Selbst die improvisierte Viererkette mit Kevin, Sokratis, Manuel Friedrich und Eric Durm machte ihre Sache über eine Stunde sehr ordentlich. Bis Müller von rechts zu Götze im Strafraum passen konnte und der sonst überragende Sokratis ein wenig zu weit weg vom Ex-Dortmunder stand. Im Anschluss zeigte sich dann ein paar Mal, dass den vier Abwehrleuten die Eingespieltheit fehlte. Sicher, der Traumpass von Thiago auf Robben war schwer zu verteidigen – Tatsache bleibt aber, dass diese BVB-Defensive verwundbarer ist als die A-Lösung.

Reus, Lewandowski und Mkhitaryan hatten vor und nach Bayerns 0:1 Chancen, einen Treffer für die Schwarz-Gelben zu erzielen. Das Spiel hätte dann anders ausgehen können. Doch es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass ein Team zeitweise dem FCB ebenbürtig war und am Ende unterlag. Der BVB muss sich auch keine Sorge um die Offensive machen – die wird wieder treffen, vielleicht schon gegen Neapel. Nur werden die Wochen, in denen Mats Hummels der Abwehr fehlt, lang. Man muss kein Pessimist sein, um den ein oder anderen Punktverlust zu prophezeien. Das Saisonziel, erneut die Champions League zu erreichen, ist nun hoffentlich für jeden ersichtlich kein Understatement mehr.

Der Satz „und am Ende gewinnen immer die Bayern“ scheint also wieder Gesetz zu sein. Die Fans der Roten freuen sich verständlicherweise darüber. Das sollen sie. Solange sie nicht vom Rest der Liga verlangen, wieder spannungsarme Spielzeiten nur deswegen gutzuheißen, weil der FCB sein Geld ja mit harter Arbeit verdient hat.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Friedrich, Sokratis, Durm – Bender (79. Piszczek), Sahin – Blaszczykowski (71. Aubameyang), Mkhitaryan (71. Hofmann), Reus – Lewandowski. Gelbe Karten: Großkreutz, Mkhitaryan

Einer dieser Tage

1. Bundesliga, 12. Spieltag / VFL Wolfsburg 2 BVB 1

(Updated) Fußball kann ein A-loch sein. Wenn sich äußere Einflüsse, Pech und die eigene Leistung gegen eine Mannschaft verbünden, hilft es auch nicht, Borussia Dortmund zu sein. Höchstens der FC Bayern. Am Ende eines schwarzen Tages für die Schwarz-Gelben steht eine knappe Niederlage in Wolfsburg, die höchst unglücklich, aber nur bedingt unverdient ist.

Einen Tag nach der Bekanntgabe der Entscheidung, dass den drei aktivsten Ultra-Gruppen die Auswärtsdauerkarten entzogen werden, war es nicht überraschend, dass die Stimmung im Gästeblock nach den Eindrücken vom Bildschirm äußerst bescheiden war. Vorsänger waren nicht zu sehen oder zu hören, aber dazu wird sicher an anderer Stelle Genaueres zu lesen sein. Hilfreich war die Situation sicher nicht.

Die Gastgeber machten ihre Sache gut. Sie spielten keinesfalls zurückhaltend, sondern aggressiv, mit Pressing, aus dem sich die Borussia heute zu selten befreien konnte. Deutlich zu viele Fehlpässe verhinderten schöne Kombinationen, wie es sie noch gegen Arsenal gegeben hatte. Oft wurde zu optimistisch anstatt einfach agiert. Nuri Sahin erwischte keinen guten Tag. Defensiv wirkte vor allem Marcel Schmelzer nie auf der Höhe – heute war zum ersten Mal so ein Tag, an dem man die Entscheidung, im Sommer keinen Außenverteidiger mehr zu verpflichten, kritisch sehen kann. Wolfsburgs Rechtsverteidiger Ochs wirkte über Schmelles Seite jedenfalls viel zu präsent.

Vor der Pause passierte noch emotional sehr Gegensätzliches. Nach einem Zweikampf mit Ivica Olic fiel Neven Subotic unglücklich. Die Szene sah zunächst eher harmlos aus, doch Neven signalisierte schnell, dass es etwas Ernsthaftes war. Der Innenverteidier musste mit der Trage vom Platz getragen und durch Sokratis ersetzt werden. Jürgen Klopp sprach nach dem Spiel von einem wahrscheinlichen Kreuzbandriss – Aufschluss wird eine Kernspintomographie geben, die noch heute Abend in Dortmund vorgenommen wird. Alles Gute, Neven; auf dass sich der Trainer geirrt hat!

Kurz vor dem Halbzeitpfiff gab es dann doch noch etwas zum Jubeln: Der BVB bekam einen Freistoß aus etwa 18 Metern Torentfernung zugesprochen – und Marco Reus zirkelte den Ball über die Mauer ins linke Eck. Leider wussten die Schwarz-Gelben nur in den ersten Minuten der zweiten Hälfte nachzusetzen. Nach der schönsten Kombination der Partie verzog Aubameyang knapp. Und dann war die Zeit der Wölfe gekommen. Rodriguez schlug einen Freistoß in den Strafraum, der junge Knoche stieg zum Kopfball hoch, traf jedoch nicht – der Ball schlug trotzdem ins linke Eck ein. Es war nicht der einzige Standard, bei dem die Borussia Probleme hatte: Auch die Mehrzahl der Wolfsburger Ecken war gefährlich; mehrmals musste Weidenfeller mit der Faust klären.

Die Partie war danach spannend und ausgeglichen, doch die Gastgeber zeigten sich effektiver. In der 69. Minute zog Olic von rechts aus etwa 17 Metern ab – und der Ball sprang vom linken Innenpfosten ins Tor – ein Schuss, den man nicht halten, aber womöglich verhindern konnte.

In den letzten 20 Minuten kam dreierlei zusammen: Die den Schwarz-Gelben an diesem Tag fehlende Ruhe bei Abschluss und letztem Pass, die auch durch die Einwechslungen von Hofmann und Duksch nicht ins Spiel kam. Aluminium-Pech bei Reus‘ zweitem Freistoß aus zentraler Position. Und die alles in allem bescheidene Leistung des Schiedsrichters Dr. Jochen Drees. Der hatte durch frühe gelbe Karten Hektik ins Spiel gebracht, danach aber zu oft mit zweierlei Maß gemessen – tendenziell zuungunsten der Borussia. Eklatant war jedoch vor allem das Ausbleiben des Elfmeterpfiffs, als Lewandowski in der Schlussphase von Rodriguez an der Schulter gerissen wurde. Wäre das bei einem Ribery auch passiert?

Am Ende war es eben jedoch vor allem einer dieser Tage, an denen alles gegen einen läuft. Jürgen Klopp und seiner Mannschaft wird nach dieser Woche die Länderspielpause recht kommen. Dass das Spiel danach wegweisend wird, muss wohl nicht extra betont werden.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic (45. Sokratis), Hummels, Schmelzer – Bender (77. Duksch), Sahin – Aubameyang (77. Hofmann), Mkhitaryan, Reus – Lewandowski. Gelbe Karten: Bender, Hummels, Mkhitaryan, Lewandowski. Tor: Reus

UPDATE: Noch am Samstagabend schufen Neven Subotic auf seiner Facebook-Seite und der BVB auf der Homepage Gewissheit: Der Innenverteidiger hat sich tatsächlich einen Kreuzband- und zusätzlich einen Innenbandriss zugezogen und fällt aller Voraussicht nach für den Rest der Saison aus. Extrem bitter, aber Neven ist sich sicher, dass er noch stärker zurückkommen wird und warum sollte man ihm da widersprechen? Noch mal gute Besserung – ich bin zuversichtlich, dass Neven nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Spielfeld in Dortmund bald mal wieder etwas zu feiern hat.