Hard Times

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 4 FC Schalke 4

Dieser verdammte Fußball: Der FC Schalke nimmt Revanche für die Jahre zurückliegende Aufholjagd der Borussia, die in einem der großen Derbys noch zum 3:3 führte. Und die Blauen setzen mit 4:4 nach 0:4 noch einen drauf. Einem absoluten Rausch in der ersten Hälfte folgte ein ganz dicker Kater, den man schon nach dem 4:1 anschleichen spürte.

Derby-Wahnsinn

Sieht man es mal einen Moment von der neutralen Seite, dann darf man begeistert sein: Ein solches Derby gab es seit Jahren nicht mehr. Es hatte einerseits seine eigenen Gesetze, aber am Ende zeigten sich doch Muster aus den letzten Wochen. Zunächst schien es ja, als ob die Blauen übermotiviert (durch das öffentliche Abschlusstraining?) und dadurch unkonzentriert ins Spiel gingen. Ja, sie hatten die erste Chance. Aber dann zeigten die Schwarz-Gelben, was mit einer Offensivreihe aus Yarmolenko, Pulisic und einem wachen Auba sowie den zunächst formstarken Sahin und Götze möglich ist. Eine halbe Stunde lang wurden die Gäste zerlegt und vorgeführt – inklusive einem Eigentor.

S04-Trainer Dominic Tedesco muss man eins zugutehalten: Er reagierte rechtzeitig. Mit einem Doppelwechsel schon nach 34 Minuten, bei dem Goretzka und mit Harit einer der Matchwinner – so muss man es nennen – kamen. Ohne diesen Wechsel hätte der BVB wohl deutlich gewonnen. Im Gegensatz dazu wirkten Peter Boszs Einwechslungen in der zweiten Hälfte mutlos. Weiterlesen „Hard Times“

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Nichts Neues in Sinsheim – aber spannend war’s

1. Bundesliga, 15. Spieltag / TSG Hoffenheim 2 BVB 2

Der BVB kommt nach teils selbst-, teils fremdverschuldeten Nackenschlägen zweimal zurück, spielt dabei 50 Minuten in Unterzahl. Die nötige Energieleistung führt dazu, dass die Gastgeber in Hälfte 2 mehr Ballbesitz haben. Kurz vor Schluss vergibt die TSG die Chance zum Sieg, der aber nicht gerecht gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

We were robbed. Man muss den 27-jährigen Schiedsrichter Benjamin Brand nicht gleich in eine Reihe mit Hartmut Strampe, Michael Weiner und Wolfgang Stark stellen. Doch in der Partie gegen die gewohnt unsauberen Hoffenheimer hat er die Borussia zweimal massiv benachteiligt. Vor dem 1:2 schubste Sandro Wagner Rückkehrer Sven Bender im entscheidenden Moment weg. Sonst wäre vermutlich ‚Manni‘ zum Kopfball gekommen – oder zumindest Wagner nicht so frei. Es war natürlich nur ein Allerweltsfoul im Strafraum – aber eines, das Stürmern immer abgepfiffen wird.

Noch eklatanter die zweite Fehlentscheidung: Von anderen fragwürdigen Zweikampfbewertungen fangen wir nicht an, aber diese hätte genau andersherum ausfallen müssen. Marco Reus ging, schon mit Gelb belastet, als defensiver Akteur in ein Laufduell mit Nadiem Amiri. Wie Fernsehbilder beweisen, zieht Amiri Reus am Trikot. Dadurch kommt Marco nach mehreren Sekunden aus dem Tritt und am Ende Amiri zu Fall. Ursache und Wirkung sind zumindest im Fernsehen unstrittig zu erkennen – doch weder Schiri Brand noch sein nicht weit entfernter Assistent sehen die Szene so. Es war auch ‚geschickt‘ gemacht vom Hoffenheimer, der von unten zieht, was womöglich schwieriger zu sehen war. Selbstredend gibt Amiri das Foul nicht zu.

Would the Real Roman please stand up! Im Bernabeu war er sensationell, doch in der Bundesliga zeigt sich, warum Roman Weidenfeller nicht mehr regelmäßig im BVB-Tor steht. Dass das nur fehlende Spielpraxis ist, glaube ich nicht. Natürlich, vor dem 0:1 hebt ein noch von einem Zusammenprall angeschlagener Matthias Ginter das Abseits auf und vor dem 1:2 ereignet sich besagtes Foul von Sandro Wagner. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Weidenfeller beim ersten Gegentreffer zwischen dem Tor und dem heraneilenden Uth strandet und beim zweiten den Ball fast schon durch die Hände rutschen lässt. Bei allen Verdiensten hat mMn eine Vertragsverlängerung mit Roman keine Priorität. Inzwischen scheint er große Gegner oder große Momente wie ein Elfmeterschießen für Höchstleistungen zu brauchen.

Punktgewinn dank Batman and Fantomous: Schön zu sehen, dass Superstars oder Bald-Superstars wie Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé keine Champions League für starke Auftritte brauchen. Auch sie haben schwächere Partien, doch die gestern gehörte nicht dazu. Wann hatten wir seit Tomas Rosicky einen derart dribbelstarken Spieler wie Ousmane? Es waren ja nicht nur die tollen Vorarbeiten für Mario Götzes erstes Liga-Saisontor und Aubas 16., womit Letzterer nun vier Treffer vor Modeste liegt. Für die Hoffenheimer Abwehrreihen war Ousmane phasenweise ein Phantom. Ich bekenne: Dembélé ist noch besser als ich es mir vorgestellt habe. Und natürlich war auch Aubas Heber toll gemacht.

Leider ist nun fraglich, ob wir das Duo beim letzten Spiel vor Weihnachten, am Dienstag gegen Augsburg, noch mal gemeinsam sehen werden. Schließlich wurde ‚Ous‘ nach mehreren Wirkungstreffern verletzt ausgewechselt. Trotzdem ist ein Heimsieg gegen Augsburg, die gerade Dirk Schuster entlassen haben, natürlich Pflicht, um nach oben nicht wieder abreißen zu lassen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Bender, Bartra – Pulisic (83. Ramos), Weigl, Götze, Schmelzer – Dembélé (69. Mor), Reus – Aubameyang (90. +2 Aubameyang). Gelbe Karte: Bartra. Gelb-Rote Karte: Reus. Tore: Götze, Aubameyang

Später Punkt gegen Copy and Paste Ingolstadt

1. Bundesliga, 8. Spieltag / FC Ingolstadt 3 BVB 3

Da ist das Gefühl wieder: Borussia Dortmund macht vieles falsch, aber rettet einen Punkt in einem am Ende packenden Spiel. Wie gegen Hertha BSC. Doch wie vorletzten Freitag fühlt sich der Punkt nicht wirklich gut an.

Zusätzlich zu erwartbaren Veränderungen in der Startelf setzte Thomas Tuchel auf Roman Weidenfeller, Joo-Ho Park und Adrian Ramos. Zwei dieser drei Personalentscheidungen darf man nach der Partie wohl als falsch bezeichnen. Die Defensive sah gegen eine keinesfalls überirdische Offensive besonders schlecht aus. Bartra und Ginter vermitteln in der Innenverteidigung bei Weitem (noch?) nicht die Sicherheit der Kombination Hummels/Sokratis. Joo-Ho Parks Stellungsspiel ist teilweise schlichtweg katastrophal. Und all das und noch viel mehr kommt zusammen, wenn man sich zweimal den identischen Freistoß einschenken lässt.

Was der Borussia vor allem in der ersten Hälfte offensiv zu schaffen machte, war das aggressive Pressing der Gastgeber im Mittelfeld. Diese Taktik der BVB-Gegner – beherzt anlaufen, robust in die Zweikämpfe gehen, auf Fehler der Schwarz-Gelben und Konter lauern – kann aufgehen. Zumindest wenn sich unsere Abwehr so wacklig präsentiert wie heute. Doch gegen Ende schwinden den Gegnern wegen des lauf- und zweikampfintensiven Spiels häufig die Kräfte – der FCI lief gut drei Kilometer mehr als der BVB, bei nur 26 Prozent Ballbesitz.

Den Schwarz-Gelben fehlten heute in der ersten Halbzeit ein Ilkay Gündogan oder Henrikh Mkhitaryan in Bestform. Man hatte außerdem das Gefühl, dass die Motivation für die Partie beim Tabellenletzten etwas schwerer fiel als unter der Woche in Lissabon. In Ideenlosigkeit gegen eine kompakte Defensive kann man sich auch ergeben. Das wurde in den zweiten 45 Minuten nach einer vermutlich knackigen Halbzeitansprache von Thomas Tuchel besser. Bis auf zwei Minuten Tiefschlaf nach Aubameyangs Anschlusstreffer. Die Folge waren das 1:3 und eine weitere Großchance der Schanzer.

In der Schlussphase verdiente sich die Borussia fast noch mehr als einen Punkt. Der tolle Schuss des eingewechselten Passlack, Götze steht frei, Auba versuchts noch mal – es hätte schon früher zumindest 3:3 stehen können, nachdem Ramos bereits in der 69. Minute getroffen hatte. Gerade wir Schwarz-Gelben mögen ja Tore in der Nachspielzeit, manchmal kassieren wir sie auch. Diesmal traf Pulisic für den BVB im Nachschuss nach Piszczeks abgewehrtem Kopfball. Schon ziemlich lässig, so ’ne späte Bude, aber die Krönung wäre natürlich nur ein 4:3 gewesen. So aber ist die Borussia nur noch Sechster.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Ginter, Bartra, Park (46. Pulisic) – Weigl – Castro (59. Götze), Kagawa (73. Passlack), Dembélé – Aubameyang, Ramos. Gelbe Karte: Ramos. Tore: Aubameyang, Ramos, Pulisic

Götzes Rückkehr

Es war nicht das Westfalenstadion, sondern nur die Cashpoint-Arena in Altach (oder viel hübscher: das Schnabelholz). Mario Götze wird es nicht unrecht gewesen sein, dass sein erster Auftritt in schwarz-gelb nach seinem Münchener Seitensprung fernab der Heimat stattfand. Die Rückkehr verlief sehr unspektakulär: Größere Reaktionen der Zuschauer auf Götzes Einwechslung nach 67 Minuten im Testspiel gegen den Premier League-Klub AFC Sunderland blieben aus. Anschließend war von der Nummer 10 kaum etwas zu sehen. Die ebenfalls in der zweiten Hälfte eingewechselten Neuzugänge André Schürrle und Emre Mor fielen deutlich mehr auf.

Der AFC Sunderland, unter dem neuen englischen Nationaltrainer Sam Allardyce knapp dem Abstieg entronnen, wird nun vom ehemaligen Man United-Trainer David Moyes angeleitet. Neue Spieler wird der neue Mann auf der Bank in den nächsten Wochen suchen; seine erste Verpflichtung war gestern der letzte Saison an Werder Bremen ausgeliehene Verteidiger Papy Djilobodji vom FC Chelsea. Gegen Dortmund gelang es den „Black Cats“ am Freitag, die Zahl der gegnerischen Großchancen überschaubar zu halten. Selber nach vorne aktiv wurden die Nordostengländer jedoch selten. In Erinnerung bleiben vor allem Roman Weidenfellers elfmeterverdächtiges Tackling gegen Duncan Watmore bei der ersten Aktion des Keepers sowie Sunderlands Ausgleich durch Kone nach einem Freistoß von links.

David Moyes wird dennoch sicher zufrieden sein; Thomas Tuchel war es nicht ganz. Die Ansätze sind da – erneut zu sehen etwa bei Dembélé. Manche Spieler zeigen starke Frühform – etwa Gonzalo Castro. Doch die Überlegenheit gegen ein mit einem durchschnittlichen Bundesligisten vergleichbares Team wie Sunderland muss besser ausgespielt werden. Im Idealfall gelingt das, wenn nicht mehr munter durchgewechselt werden darf und die besten Elf auf dem Platz stehen. Selten wird die Aufstellung so spannend wie beim ersten Ligaspiel der neuen Saison gegen Mainz.

Nach diesem Beitrag ist bei Any Given Weekend erst mal zwei Wochen Pause wegen Urlaubs. Hier geht es weiter nach dem Pokalspiel am 22. August.

Spannung, Spiel und ein Sieg wie Schokolade

Europa League, Play-Offs / Odds BK Skien 3 BVB 4

Auch in der Europa League wird ein gepflegter Ball gespielt. Das musste Borussia Dortmund in den Play-Offs am Donnerstag auf die harte Tour lernen. 0:3 nach 22 Minuten – nicht mal die schlimmsten Pessimisten oder S04-Fans hätten daran nach dem Auftritt von Samstag geglaubt. Die Gründe sind schwer einzuschätzen – womöglich war es eine Kombination aus den Gegebenheiten des ungewohnten Kunstrasens, der daraus resultierenden Angst vor Verletzungen und der Unterschätzung des Gegners.

Eine durch Castro nicht verhinderte Flanke mit folgender Ratlosigkeit bei Ginter und Co, falsche Laufwege nahezu der kompletten Abwehr beim zweiten Gegentor und der endgültige Beweis, warum der neue Roman die verdiente Nummer 1 ist – es war eine Verkettung dummer Fehler, die zum hohen Rückstand führte. Gegen ein anderes Team wäre das schwer aufzuholen gewesen, aber vielleicht auch nicht passiert. Gestern war die Borussia in Skien tatsächlich meistens Herr der Lage und es wurde schnell deutlich, dass sich die norwegischen Gastgeber selbst mit diesem Ergebnis nicht sicher fühlen konnten.

Das schnelle 2:3 nach der Pause war natrürlich wichtig für den Fortgang der Aufholjagd. Ihr Ausgang hinterlässt dann endgültig ein süßes Gefühl, denn selbstverständlich ist so ein Vier-Tore-Lauf nicht. Auf Pierre-Emerick Aubameyang ist Verlass, auch wenn er eine hundertprozentige Chance Slapstick-haft verdaddelte. Letztendlich stehen zwei Tore auf seinem Konto und Henrikh Mkhitaryan sorgte per Kopf für den Sieg.

Lehren kann man aus dieser Energieleistung, diesem tollen Schlagabtausch durchaus ziehen: Die Außenverteidigung bleibt ein Platz zum Tüfteln. Während sich Marcel Schmelzer auf links erneut ins Spiel kämpfte und eine gute zweite Hälfte hinlegte, war die Option, Gonzalo Castro wie einst in Leverkusen rechts hinten aufzubieten, ein Fehlgriff. Zwar scheint Lukasz Piszczek nicht schwerer verletzt zu sein, aber die Position sollte in der Diskussion bleiben. Weiter vorne auf der rechten Seite wirkte auch Kevin Kampl bemüht, aber sehr ineffektiv. Shinji Kagawa fand dagegen nach schwachem Start immer besser ins Spiel.

Fazit: Die Startelf vom Gladbach-Spiel wusste besser zu gefallen – dennoch boten die schwarz-gelben Jungs auf dem Platz am Ende großes Entertainment, das nicht nur den rund 2000 BVB-Fans im Stadion gefallen haben dürfte.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Castro (46. Sokratis), Ginter, Hummels, Schmelzer – Bender (68. Weigl) – Kampl (63. Ramos), Gündogan, Kagawa, Mkhitaryan – Aubameyang. Tore: Aubameyang (2), Kagawa, Mkhitaryan

Torwart-Roulette zum Vorbereitungsstart

Die Profis von Borussia Dortmund sind heute mit leistungsdiagnostischen Tests in die Saisonvorbereitung gestartet. Mit dabei: ein älterer Torhüter, mit dem man nicht mehr unbedingt gerechnet hätte. Es fehlte: der langjährige Kronprinz zwischen den Pfosten, der nun sein Glück im Reich der Schwaben sucht. Mitchell Langerak wechselt für eine Ablöse von angeblich drei bis vier Millionen Euro zum VfB Stuttgart.

Diese Personalie kam überraschend, auch wenn mit dem Trainerwechsel in Dortmund manche Gewissheit zu Recht beseitigt wurde. Stuttgarts ebenfalls neuer Trainer hat Mitch über den grünen Klee gelobt: „Ich hab von ihm ein schlechtes Spiel gesehen, das war das im DFB-Pokalfinale“, so Alexander Zorniger, der Langerak außerdem als „richtig, richtig guten Keeper“ bezeichnete. Allerdings haben Robin Dutt und Zorniger auch den Polen Przemyslav Tyton verpflichtet und zumindest öffentlich einen offenen Konkurrenzkampf um die Nummer 1 angekündigt.

Was bewegte Mitch Langerak also dazu, einen unsicheren Stammplatz in Dortmund gegen einen unsicheren Stammplatz beim schwäbischen Fast-Absteiger zu tauschen, der zudem nicht im Europapokal vertreten ist? Natürlich wird sich der Australier gegen Tyton und Nachwuchsmann Vlachodimos bessere Chancen ausrechnen als gegen Roman Bürki. Aber es muss bei seiner Entscheidung auch ein Element der Enttäuschung eine Rolle gespielt haben. Die Verpflichtung Bürkis war objektiv gesehen alles andere als ein Vertrauensbeweis. Einen solchen Mann holt man nicht als dauerhafte Nummer 2. Deshalb muss Langerak klar gewesen sein, dass er entgegen früherer Zusagen nicht die klare Nummer 1 werden würde.

Natürlich: Jeder Spieler muss durch Leistung überzeugen. Aber nun bereits ein abschließendes Urteil über Mitchells Qualitäten zu fällen ist voreilig. Wer über das Pokalfinale redet, muss  auch über das trotz eines kleinen Fehlers starke Halbfinale sprechen. Dass sich Langerak nun nicht noch mal auf die Bank setzen will, ist verständlich. Roman Weidenfeller ist demgegenüber inzwischen in Westfalen verwurzelt und dürfte damit weniger Probleme haben. Was genau hinter den Kulissen besprochen wurde, wird voraussichtlich nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Es spricht aber einiges dafür, dass Mitch gewisse Zusagen der BVB-Verantwortlichen anders interpretierte hat als diese sie heute gemeint haben wollen.

Bevor es morgen für die Dortmunder Jungs auf den Trainingsplatz geht, noch ein kurzer Blick auf den neuen Spielplan. Das Auftaktprogramm in der Bundesliga beschert den Schwarz-Gelben den Kracher zu Hause gegen Mönchengladbach am 1. Spieltag. Es folgen Aufsteiger Ingolstadt (A), Hertha BSC (H), Hannover (A) und noch ein Heimspiel-Hit gegen Leverkusen. Ein ausgewogener Start, mit dem man leben kann – wie auch mit dem letzten Saisonspiel, das gegen die ‚befreundeten‘ Kölner erneut zu Hause zu bestreiten ist.

Wir Ahnungslosen

Vor einem Jahr wussten wir Bescheid: Im schwarz-gelben Fußball-Universum war Ende Juni trotz Weltmeisterschaft in Brasilien lediglich unklar, ob Matthias Ginter als Ergänzung für die Defensive zu Borussia Dortmund wechseln würde. 2015 sieht es eine knappe Woche vor Trainingsauftakt ganz anders aus. In allen Mannschaftsteilen stellen sich Fragen: Wer den Verein verlässt, wer bleibt, oder zumindest, wer künftig zur Startelf zählt und wer am Rand steht.

Selbstverständlich ist diese Ungewissheit bis zu einem gewissen Maß unvermeidbar. Schließlich hat die Borussia einen neuen Trainer – das sind wir eben nur nicht mehr gewöhnt. Völlig klar, dass Thomas Tuchel zunächst seine Spieler kennenlernen muss. Und zwar persönlich und im Training, nicht nur am Telefon. Doch bei so vielen Fragezeichen wächst auch die Sorge, dass manche Personalie nicht zufriedenstellend geklärt werden könnte. Wagen wir noch mal den Überblick.

Tor. Roman Bürki ist gekommen, Mitch Langerak wird aller Voraussicht nach bleiben und sich mit ihm einen Zweikampf um die Nummer 1 liefern. Für Roman Weidenfeller soll es Interessenten geben und die Tendenz geht dahin, dass sich der langjährige Dortmunder Keeper auf einen Wechsel einlässt. Hendrik Bonmann wird nach Zlatan Alomerovics Abgang die neue Nummer Drei. Weiterlesen „Wir Ahnungslosen“

Dortmund hat wieder einen Schweizer

Der BVB setzt wieder auf einen Eidgenossen und damit eine Tradition fort, die Stephane Chapuisat, Alexander Frei und, ähm, Philipp Degen begründet haben. Roman Bürki, in der abgelaufenen Saison Stammtorwart beim Absteiger SC Freiburg, kommt wie erwartet für rund vier Millionen Euro. Und bringt trotz des am letzten Spieltag verspielten Klassenerhalts aus dem Breisgau einiges an Vorschusslorbeeren mit: Laut „Kicker“ war er mit einer Durchschnittsnote von 2,72 zweitbester Keeper der Bundesliga.

Mit Mitch Langerak deutet sich ein hoffentlich offener und fairer Zweikampf an. Unsere aktuelle Nummer 1 hat lange auf seine Chance warten müssen, diese aber zumindest in der letzten Spielzeit ansatzweise bekommen. Nun sofort komplett unangefochten zu sein, kann er nicht erwarten. Thomas Tuchel äußerte sich in dieser Frage so:

Roman wurde auf jeden Fall verpflichtet, mit der Möglichkeit, die Nummer eins zu werden. (…) Wir haben ihm da nichts versprochen, da sind keine Dinge entschieden.

Alles deutet darauf hin, dass aus dem Top-Torhüter-Trio, das die Borussia nun in ihren Reihen hat, Roman Weidenfeller derjenige ist, der den Verein verlassen soll. Im selben „Sky“-Interview, aus dem das obige Zitat stammt, sagte Tuchel über Weide, dass man „sehr ehrlich miteinander sprechen und eine gute Lösung finden“ werde.

Bei allen Verdiensten, die der langjährige schwarz-gelbe Keeper hat, war klar, dass der Verein nach einer solchen Saison wie 2014/15 Dinge verändern und Weichen für die Zukunft stellen musste. Man könnte Langerak vermutlich nicht halten und hätte Bürki nicht bekommen, wenn man jetzt weiter uneingeschränkt auf Weidenfeller setzen würde.

Should Ginter stay or should he go now?

Nicht gut gelaufen ist diese Spielzeit auch für Matthias Ginter. Dass es für ihn gegen starke Konkurrenz in der Innenverteidigung nicht einfach werden würde, war klar. Doch der Ex-Freiburger konnte bei seinen wenigen Einsätzen auch selten überzeugen. Trotzdem wäre es traurig, wenn er nun tatsächlich zur falschen Borussia wechseln sollte – selbst wenn Max Eberl & Co mit zehn Millionen Euro eine ähnliche Summe bieten, wie sie der BVB letzten Sommer gezahlt hat. Gut möglich, dass Ginter in Gladbach tatsächlich aufblühen und sein Potenzial abrufen würde – und die Schwarz-Gelben mal wieder einen jungen Spieler mit Perspektive zu früh hätten gehen lassen.

Borussia zurück im Torzirkus

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 4 FSV Mainz 05 2

Die Bundesliga erlebt an diesem Wochenende einen ihrer spektakuläreren Spieltage: mit vielen, schönen und späten Toren. Und das Schönste: Borussia Dortmund mischt kräftig mit. Schon am Freitagabend trafen die Schwarz-Gelben viermal und drehten erstmals in dieser Saison ein Spiel. Dabei erinnerte der Beginn fatal an die tragikomisch vergeigten Auftritte in der Hinserie: Schwaches Abwehrverhalten von Neven Subotic im Strafraum veranlasste Roman Weidenfeller zu einer Faustabwehr weit vor seinem Tor, so dass ihn anschließend Soto mit einem feinen Heber überwinden konnte. Zwar traf Neven später per Kopf zum Ausgleich, machte aber ansonsten ein deutlich schwächeres Spiel als in der zweiten Hälfte in Freiburg.

Eindeutig positiv zu bewerten war die Reaktion der Schwarz-Gelben auf den frühen Rückstand und die allgemeine Leistung der Offensive. Da wächst möglicherweise etwas zusammen, was genau so zusammengehört: Aubameyang, dahinter Reus, Kampl und einer aus dem Trio Kagawa, Kuba und Miki – daran könnten wir für den Rest der Saison noch viel Freude haben. Der BVB kreiert endlich wieder genügend Chancen, schoss 21-mal Richtung Mainzer Tor. Den Gästen gebührt durchaus Lob für ihre disziplinierte erste Hälfte, in der sie sogar noch einen Handelfmeter hätten bekommen können. Doch Jürgen Klopp muss in der Pause die richtigen Worte gefunden haben: Nach 55 Minuten führte die Borussia. Nevens Ausgleich folgte das 2:1 durch den Helden der Woche, Marco Reus.

Kurz darauf stand es 2:2. Roman Weidenfeller kam schlecht getimet aus dem Kasten und gab Malli die Gelegenheit, auszugleichen. Zwei Rückschläge in einem Spiel hätte dieses Team vor Freiburg vielleicht noch nicht verkraftet, doch man merkte, dass das Selbstbewusstsein wieder zurück ist. Zwar schlugen die Schwarz-Gelben nicht postwendend zurück, aber dafür war das 3:2 in der 71. Minute umso schöner. Marco Reus legte von links herrlich mit dem Außenrist für Aubameyang vor und der spitzelte den Ball gekonnt ins Tor. So macht die Borussia wieder Spaß – egal ob sie auf Platz 16 oder 6 steht. Weiterlesen „Borussia zurück im Torzirkus“

Dortmunds Krise hat auch Gründe

1. Bundesliga, 13. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 0

Wer wollte dieser weisen Erkenntnis der ARD-Sportschau widersprechen? Fragen wir uns also mal wieder, welche Gründe dazu geführt haben, dass die Borussia auch am 13. Spieltag mit null Punkten nach Hause fährt. Und zu diesem Zeitpunkt der Saison so schlecht da steht wie seit knapp 30 Jahren nicht mehr – seit der Spielzeit mit dem legendären Relegations-Krimi gegen Fortuna Köln. Der Übersichtlichkeit halber erfolgt die Analyse in zwei Teilen. Über die Transferpolitik und erzwungene Transfers wird in der nahen Zukunft zu sprechen sein.

Gegen die Eintracht wurde der BVB erneut Opfer einer unguten Mélange aus haarsträubenden Abwehrfehlern, unglücklicher bis schwacher Chancenverwertung, fehlender Kreativität und grenzwertiger Schiedsrichterentscheidungen. Um es gleich zu sagen: Einen klaren Fehler wie Wolfgang Stark beging der Unparteiische Gagelmann jedoch nicht – obwohl das Einsteigen gegen Aubameyang vor dem 0:2 äußerst robust war.

Das Verletzungspech ist derzeit vor allem daher ein Problem, weil es im schwarz-gelben Kader doch größere Leistungsunterschiede gibt. Und die, die nach einer Verletzung wieder zurückkommen, noch nicht bei 100 Prozent sein können. Um es deutlich zu sagen: Eine Innenverteidigung aus Matthias Ginter und Neven Subotic muss so bald wie möglich vermieden werden. Mit sehr einfachen Mitteln waren die beiden heute zu überrumpeln – dass Piszczek / Großkreutz und Durm zu viele Flanken zuließen, kommt noch dazu. An Jürgen Klopp muss man wiederum die Frage stellen, warum er mit den zuletzt allesamt nicht besonders glücklich agierenden offensiven Mittelfeldleuten Großkreutz, Kagawa und Mkhitaryan begann. Gündogan oder Ramos von Beginn an wären naheliegende Alternativen gewesen.

Für die Abwehr, wo sich inzwischen selbst Roman Weidenfeller von der Unsicherheit anstecken lässt, ist hoffentlich bis Freitag Abhilfe in Sicht. Schwieriger wird es, die fehlenden Ideen und die Torgefahr von Marco Reus kurzfristig zu ersetzen. Ein ‚Weiter so‘ kann es im Offensivbereich auch nicht geben. Nachdem ein Festhalten an Personen und am System nicht wirklich geholfen hat, muss Klopp hier wieder mehr experimentieren. Adrian Ramos und Ciro Immobile sind im derzeitigen Kader die Einzigen, die einen ähnlichen Torinstinkt wie Aubameyang und Reus haben. Sie besser ins Spiel zu integrieren, wird in den nächsten Tagen eine wesentliche Aufgabe für Klopp und sein Team sein.

Machen wir uns nichts vor: Die Partie in Frankfurt war nicht gut und für Dortmunder Verhältnisse auch keine unglückliche Niederlage. Der Unterschied selbst zur Vorsaison ist groß. In den nächsten Wochen werden nach derzeitigem Stand bis auf Marco Reus alle Spieler wieder zur Verfügung stehen. Wenn das nicht weiterhilft – nur dann wäre Jürgen Klopp mit seinem Latein am Ende.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (38. Ramos), Subotic, Ginter, Durm – Bender, Kehl (74. Gündogan) – Mkhitaryan, Kagawa (74. Jojic), Großkreutz – Aubameyang. Gelbe Karten: Ginter, Großkreutz