Darth Didi siegt in Dortmund

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1. Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 2 RB Leipzig 3

Borussia Dortmund verliert das Spiel, das man neben dem Derby unter keinen Umständen verlieren will. Die dunkle Macht triumphiert dank einer ersten Hälfte, in der sie die Schwarz-Gelben kaum zur Entfaltung kommen ließ und grobe Abwehrfehler eiskalt ausnutzte. Am Ende eines spektakulären Spiels hätte der BVB das Unentschieden verdient gehabt – so sind aber die grandiose Heimserie und die Fünf-Punkte-Führung Vergangenheit.

Drei Gedanken zum Spiel

Die Schwarz-Gelben haben in der Außenverteidigung einen veritablen Engpass. Ich gebe zu, noch vor dieser Partie habe ich das optimistischer gesehen. Schmelzer und Piszczek waren für mich – und da bin ich nicht der Einzige – nie das Nonplusultra auf ihren Positionen. Jeremy Toljans Verpflichtung habe ich daher begrüßt. Gestern spielte der 23-Jährige eine Hälfte hinten rechts und sah vor allem beim 1:2 ganz alt aus. Man muss es so deutlich sagen: Der Junge ist noch nicht so weit für ein solches Spiel – und auch noch nicht so weit wie Schmelle und Piszczu. Jetzt bleibt uns nur, die schnelle Rückkehr von Ersterem und vor allem von Raphael Guerreiro herbeizusehnen.

Doch es haperte auch auf anderen Positionen. Nicht nur Toljan musste zur Pause Pulisic Platz machen. Für Nuri Sahin kam zum Wiederanpfiff Julian Weigl. Unserem Dreier-Mittelfeld fehlte eindeutig die Bindung zur Viererkette. Es war wenig Spielaufbau zu sehen, dafür viele weite Abschläge von Bürki und lange Pässe der Abwehr. Sahin kam nicht zurecht, Mario Götze steigerte sich immerhin in der zweiten Hälfte, ‚Gonzo‘ Castro gefiel zunächst noch am ehesten. weiterlesen

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Gewonnen, doch die Souveränität bleibt verschollen

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1. Bundesliga, 17. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 2

15 Minuten glänzte Borussia Dortmund im ersten Pflichtspiel des neuen Jahres, das erst der Hinserienabschluss war. 15 Minuten lang spielten die Schwarz-Gelben eine überragende Auswärtspartie, die an die starken Testspiele anknüpfte. Doch in der Folge war Werder Bremen über weite Strecken gleichwertig, auch mit einem Mann weniger, ehe sich die Überzahl doch noch auszahlte.

Drei Gedanken zum Spiel

Mit Schönwetterspielern gewinnst du keine Meisterschaft. Ein zugegeben harter Vorwurf, der einer Begründung bedarf. Nehmen wir André Schürrle. Der erwischte als Sturmspitze einen Traumstart, erwies sich beim 1:0 nach fünf Minuten als geistesgegenwärtig und zeigte auch in der Folge viel Engagement. Doch als die Borussia die Oberhand verlor, konnte auch der Rekordeinkauf nicht helfen und wurde blass und blasser. Oder Shinji Kagawa. Auch der hatte sich etwas vorgenommen, zeigte schöne Ansätze, einige gelungene Pässe. Nur um dann wie so oft abzutauchen, als die Bremer Zugriff aufs Spiel und in den Zweikämpfen kriegten. Wenn dann auch noch eigentlich verlässliche Kräfte wie Gonzalo Castro schwächeln, ist es mit dem Offensiv- und Konterspiel nicht weit her.

Marco Reus und der eingewechselte Ousmane Dembélé hatten in der Vorbereitung mit Verletzungen zu tun gehabt, wurden in Bremen heftig bearbeitet (Reus) oder wirkten noch nicht 100%-ig spritzig (Dembélé). Trotzdem waren sie gefährlicher als die zuvor Genannten und werden der Borussia bald noch mehr helfen. Das Bremen-Spiel hat dennoch gezeigt, dass uns ein Ersatz für Adrian Ramos, sollte sein Transfer bald eingenetzt sein, gut zu Gesicht stünde. Das 1,90 Meter große schwedische Super-Stürmertalent Alexander Isak von AIK Solna soll bereitstehen.

Über Toprak bleibt zu reden. Fordern will ich ihn nicht. Aber die Anfälligkeit der Abwehr muss ein Thema bleiben. Fin Bartels konnte sich, als Bremen bereits ein Mann weniger war, durch die BVB-Abwehr tanken. Er täuschte Ginter zu leicht, er widerstand dem bis vor Kurzem angeschlagenen Sokratis und erzielte das 1:1. Eine Frage des Personals oder auch der Taktik? Muss die Viererkette immer so hoch stehen, selbst wenn man sowieso Überzahl hat? Oder sollte Thomas Tuchel vielleicht dafür sorgen, dass auf den Außen Spieler agieren, die den Gegner mehr beschäftigen? Die Auswechslung von Schmelzer zugunsten von Erik Durm deutet in die Richtung. Lukasz Piszczek macht das auf der anderen Seite schon ganz gut, nicht nur wegen seines vierten Saisontreffers.

Die Bremer bleiben in der Liga. Der SV Werder ist einer der sympathischeren Vereine in der 1. Bundesliga, doch hatte in den letzten Spielzeiten zu oft eine Mannschaft, einen Kader ohne Identität und echtes Herz. So langsam beginnt sich das wieder zu ändern und wie die zehn Gastgeber gegen elf Dortmunder dagegen hielten, bestätigt die These. Mit Thomas Delaney scheinen sie tatsächlich einen guten Fang gelandet zu haben. Woran sie arbeiten müssen: Die Zahl der Großchancen muss steigen und die Hintermannschaft dürfte auch gegen andere Teams noch Probleme kriegen.

Zurück zu Dortmund: Es bleibt viel Arbeit. Wenn die Verletzungsmisere abebbt, kann man dennoch mit viel Hoffnung in die nächsten Partien gehen. Die von der eigenen Gefühlswelt her unterschiedlicher kaum sein könnten: In Mainz, dann gegen Leipzig. Eines ist ihnen jedoch gemeinsam: Beide werden sehr schwer. Heute Nachmittag wird in Erfurt noch mal getestet.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) – Weigl – Pulisic, Castro (70. Guerreiro), Kagawa, Reus (70. Dembélé) – Schürrle. Gelbe Karte: Schürrle. Tore: Schürrle, Piszczek

Jung und wild stößt an Grenzen

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1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 1 Hertha BSC 1

Am Ende war es Drama, wie man es nach 45 Minuten nie erwartet hätte. Am Ende steht für die Borussia zwar nur ein Punkt, aber wenigstens kam Leben in ein Spiel, das die Hertha mit ihrer effektiven Defensivarbeit zu ersticken drohte. Das ist mitnichten ein Vorwurf, aber wenn Pal Dardai sagt, sein Team sei noch keine Spitzenmannschaft, dann hat er schon recht.

Die Gäste holten einen Punkt in Dortmund, weil sie sich auf das konzentrierten, was sie können. Gut stehen, zu Beginn sogar nah am Mann, und Fehler des Gegners nutzen. Selbst zu Hause gegen den HSV hat Hertha BSC ja nicht die Rolle eines klassischen Heimteams übernommen, sondern war einfach nur effektiv. Dass es in Dortmund mit dem Punktgewinn klappte, war in erster Linie Vedad Ibisevics Genialität zu verdanken, der das 0:1 von Stocker mit einem Hackentrick vorbereitete. Ein paar weitere Gelegenheiten vergaben die anderen Hertha-Offensiven eher kläglich.

Die Borussia musste arg verletzungsgebeutelt antreten. Da stand ein Mikel Merino bei seinem ersten Ligaeinsatz direkt von Beginn an in der Innenverteidigung. Nach gut 70 Minuten wurde sogar Joo-Ho Park eingewechselt. Die Schuld daran, dass die Schwarz-Gelben nicht an Hertha BSC vorbeiziehen konnten, ist jedoch eher in der Offensive zu suchen. Pierre-Emerick Aubameyang hatte bis zu seinem Ausgleichstreffer, der mustergültig vom eingewechselten Dembélé vorbereitet worden war, einen ganz schlechten Tag. Nicht nur wegen unnötigem Lupfversuch und verschenktem Elfmeter. Mario Götze rieb sich mit null Effekt komplett auf. Christian Pulisic und Emre Mor schaut man bis zum Sechzehnmeterraum mit Freude zu, danach fehlt wohl die Erfahrung.

Womit wir beim Drama wären: Nachdem er von Sebastian Langkamp sekundenlang umklammert worden war, schubste Emre Mor den 1,91 Meter großen Abwehrmann weg, der daraufhin theatralisch zu Boden ging. Von Schiedsrichter Patrick Ittrich gab das glatt Rot. Das ist nicht nur gegenüber der beidbeinigen Grätsche von Stocker gegen Ginter, für die der Schweizer später Rot sah, unverhältnismäßig. Franck Ribery hätte für eine ähnliche Aktion wohl nicht mal Gelb gesehen.

Am Ende bleibt das Fazit: Die Borussia muss weiter an sich arbeiten, vor allem, damit der zweite Anzug sitzt. Die Enttäuschung über fehlende Punkte wird etwas aufgewogen durch das emotionale Finale eines insgesamt doch würdigen Spitzenspiels. Sagte ich schon, dass Bayern wieder Meister wird?

Die Aufstellung: Bürki – Passlack, Ginter, Merino, Schmelzer (71. Park) – Weigl, Rode (60. Kagawa) – Pulisic, Götze (60. Dembélé), Mor – Aubameyang. Gelbe Karte: Dembélé. Rote Karte: Mor. Tor: Aubameyang

Pulisic rotiert zum Shootingstar

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1. Bundesliga, 30. Spieltag / BVB 3 Hamburger SV 0

Endlich mal wieder überzeugend gegen den HSV gewonnen, geglückte Generalprobe für den Pokal – alles gut? Ganz so einfach stellt sich die Situation nach dem 3:0 von Sonntagnachmittag nicht da. Eine Erleichterung war jedoch, dass die Mentalität der Borussia nach dem Drama von Liverpool keinen dauerhaften Schaden genommen hat.

Thomas Tuchel rotierte erneut massiv, brachte unter anderem mit Felix Passlack (links hinten) und Christian Pulisic (Flügel) eine ganz junge linke Seite. Auch sonst gab es wieder viel Neues in der Defensive – Bender, Ginter und Sahin standen in der Startelf. Um es klar zu sagen: Die Sache hätte auch nach hinten losgehen können. Bis zur Führung in der 38. Minute war der BVB zwar die aktivere Mannschaft, aber Angst hatte man vor allem, wenn die Gäste – mit oft einfachen Mitteln wie hohen Bällen – in die Nähe des Dortmunder Strafraums kamen. Bei den Schwarz-Gelben wirkte das alles andere als sattelfest. Wäre nicht Mats Hummels gewesen, der Sven Schipplock den Ball kurz vor dem entscheidenden Pass in die Mitte weggrätschte, hätte das Spiel ganz anders ausgehen können.

Wollen wir hoffen, dass es eine Zeit ohne Mats in unserem Trikot nicht so schnell geben wird. Denn der Kapitän war es auch, der den Pass vor der Führung durch Christian Pulisic gab. Letzterer wiederum war der Hauptgewinner der Rotation. 17 Jahre, dribbelstark und schon erstaunlich abgeklärt – der US-Amerikaner präsentierte sich über weite Strecken als hervorragende Alternative zu großen Namen. Das 1:0, frech ins kurze Eck, war Christians erstes Bundesligator – als viertjüngster Schütze überhaupt. Es ist keine mutige Prophezeiung, dass wir an ihm noch Freude haben werden.

Das Tor war – wie so oft – der klassische Dosenöffner, um noch einmal unseren alten Trainer zu zitieren. Danach lief es für die Borussia – mit etwas Glück und Mithilfe des HSV. Das 2:0 fiel kurz vor der Pause auch deshalb, weil die Gästedeckung Adrian Ramos nicht entschlossen anging, ihn vielleicht sogar unterschätzte. So konnte der den Ball sehenswert von links ins lange Eck zirkeln – ein tolles Tor.

In der zweiten Hälfte kam es dann knüppeldick für die Gäste: Rene Adler stoppte Shinji Kagawa unsanft vor dem Strafraum. Da er der Torwart und kein gewöhnlicher Feldspieler ist, darf man die Rote Karte durch Schiedsrichter Marco Fritz als hart, aber gerecht bezeichnen. Es folgte Verletzungspech, so dass die Hamburger die Partie sogar mit neun Mann beenden mussten. Lasogga und Müller waren bereits verletzt ausgeschieden, Drobny nach dem Platzverweis für Kacar gekommen – dann erwischte es auch noch Ekdal. Zum Glück konnte die Borussia von dieser deutlichen Überzahl noch mal profitieren. Ramos erzielte mit einem Abstauber-Tor vier Minuten vor Schluss noch seinen zweiten Treffer.

Gegen einen solchen HSV reicht eine solch insgesamt höchst durchschnittliche Leistung dann eben. Die zweite Halbzeit war einseitig, nach dem Platzverweis kam offensiv nichts mehr Erwähnenswertes von den Gästen. Hätten diese ihre Chancen verwertet, hätten sie besser gestanden … wer weiß? Aber mit dem Konjunktiv brauchen wir uns nicht lange aufhalten. Teil 1 meiner Wunschliste ist erfüllt, die Hoffungen auf Teil 2 sind deutlich gestiegen. Hertha ist nicht Liverpool, das Olympiastadion alles andere als Anfield.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter (75. Schmelzer), Bender, Hummels, Passlack – Gündogan (65. Leitner), Sahin – Castro (75. Aubameyang), Kagawa, Pulisic – Ramos. Tore: Pulisic, Ramos (2)

Dortmund reichen 45 Minuten

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Eine Halbzeit lang spielte sich im Westfalenstadion ein Deja Vu ab: Wieder mal ein Drecksspiel gegen Hoffenheim. Doch nach rund 93 Minuten jubelte nur noch Schwarz-Gelb. In einem klassischen Spiel der zwei Hälften brachten sich die Gäste auch selbst um ihre Punkte.

Der Eindruck von der Aufstellung der Borussia war vor der Partie kein negativer: Insgeheim hatte man mit noch mehr Änderungen gerechnet. Während einer Halbzeit zum Vergessen zeigte sich jedoch der Wert einer IV aus Hummels und Sokratis ebenso wie die Wichtigkeit von Ilkay Gündogan. Die in den letzten Wochen gewonnenen Eindrücke setzten sich fort, obwohl man es sich anders gewünscht hätte: Julian Weigl ist nicht das Wunderkind, zu dem er in dieser Saison bereits hochgejazzt wurde. Und Nuri Sahin kann nicht aus dem Stand das Level von Gündogan erreichen. Gegen aggressiv auftretende Hoffenheimer, die mit Julian Nagelsmann wohl nicht absteigen werden, fehlte sowohl der Zugriff im Mittelfeld als auch das energische Aufbauspiel unseres Kapitäns.

Eine entblößte Zentrale, Pech von Bürki: Es stand tatsächlich 0:1 zur Pause. Die Statistiker haben uns allerdings beigebracht, dass ‚Hoffe‘ gerne mal in Führung geht und dann nicht immer gewinnt.

In Dortmund kam nach der Pause endlich Gündogan und Sebastian Rudy sah Rot. Zwar war der Hoffenheimer nicht letzter Mann und das Foul sah nicht brutal aus. Allerdings war es ein klassischer Fall einer Grätsche von hinten – und da gibt es ja gewisse Regeln.

Nach dem Platzverweis war der zuvor zur Schau gestellte Optimismus der Gäste verschwunden. Es ging nur noch ums Verteidigen und zum Glück schief. Auch wenn sich die Geduld des BVB erst in der letzten Viertelstunde auszahlte: Am Ende war der Sieg verdient. Mkhitaryan unterstrich seine Ausnahmestellung mit dem Ausgleich und der Vorlage zum 3:1, das dem Tor zum selben Ergebnis in Stuttgart entsprach. Nur dass diesmal Miki die Vorlage für Auba gab.

Zwischendurch hatte ausgerechnet Adrian Ramos mit einem tollen Kopfball zum natürlich besonders umjubelten 2:1 getroffen. Über seine Einwechslung braucht man nicht zu diskutieren. Fragen wirft allerdings auf, dass Thomas Tuchel erneut Moritz Leitner Gonzalo Castro vorzog. Um es klar zu sagen: Am Sieg der Borussia war Leitner weitgehend unschuldig.

Das soll nicht davon ablenken, dass die Schwarz-Gelben in den zweiten 45 Minuten die richtigen Antworten gefunden haben. Ohne Reibungsverluste geht der Spagat zwischen komfortablem zweiten Platz in der Liga und zwei deutlich umkämpfteren Wettbewerben aber nicht vonstatten.

Auf Wiedersehen mit den besten Wünschen!

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1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 5 SC Freiburg 0

Die Überschrift ist mitnichten so zynisch gemeint wie sie sich anhört. Ja, der SC Freiburg hat gerade eine schwere Zeit und es der Borussia gestern leicht gemacht. Doch die Gäste hatten eine unglückliche Rote Karte zu verkraften und sind mir auch sonst nach wie vor sympathisch. Hervorheben sollte man zudem, dass sie nach 90 Minuten außer dem Platzverweis nur eine Gelbe Karte auf dem Konto hatten.

Nach dem trotz Überstunden nicht sonderlich laufintensiven Spiel im Pokal rotierte Jürgen Klopp am Samstag weniger als in Nürnberg, stellte vielmehr eine absolute A-Elf auf. Die dann auch eine 1A-Leistung ablieferte. Nur Pierre-Emerick Aubameyang dürfte angesichts zahlreicher Chancen und ausbleibendem Torerfolg nicht zu 100% zufrieden gewesen sein – doch auch er leistete seinen Beitrag zu einer ähnlich beeindruckenden Offensivleistung wie gegen den HSV.

Es mag überinterpretiert sein, aber in der Partie war der Wille der Mannschaft zu spüren, in dieser Saison alle drei Wettbewerbe gleich ernst zu nehmen. Das Gegenpressing, das Jürgen Klopp (und nicht nur er) als eine der entscheidenden Tugenden der Meisterjahre identifiziert hatte, wurde wieder konsequent angewandt. Und da Freiburgs Trainer Christian Streich nach eigener Aussage seinen Spielern die Anweisung gegeben hatte, die Bälle nicht hoch nach vorne zu schlagen, standen die Gäste durch das schwarz-gelbe Übergewicht im Mittelfeld bald ähnlich tief wie die letzten Gegner.

Eine Weile ging das für den Sportclub gut, doch dann hielt der nach einem Sturz in der zweiten Minute an der Schulter lädierte Sven Bender aus der Distanz drauf. Keeper Baumann parierte, war beim Nachschuss von Lewandowski noch im Weg, doch wurde dann von Marco Reus überlupft.

Was wäre passiert, wenn kurz vor der Pause nicht Fallou Diagne vom Platz gestellt worden wäre? Die Statistik von 27:2 Torschüssen über 90 Minuten spricht eine eindeutige Sprache. Dennoch war es eine unglückliche Szene für Freiburg. Diagne behinderte Lewandowski bei der Ballannahme im Strafraum, doch der Stürmer machte auch sehr viel aus der Szene. Auch wenn es nach Ansicht der Bilder eine folgerichtige Entscheidung von Schiedsrichter Schmidt war, richtig jubeln mochte ich über diesen Platzverweis nicht. Und wäre Bayerns Jerome Boateng für die gleiche Aktion vom Platz geflogen?

Der BVB machte nicht nur beim Strafstoß das beste aus der Situation. Die zweite Halbzeit war eine grandiose Kür. Bender durfte da schon seine Schulter schonen; er wird gegen Marseille wieder einsatzfähig sein. Für ihn spielte der selten gesehene Oliver Kirch im Mittelfeld. Robert Lewandowski erzielte zwei herrliche Tore mit einem Chip über Baumann und einer akrobatisch aussehenden Annahme einer Hofmann-Flanke. Er versöhnte damit für ein, zwei Egoismen in der ersten Hälfte. Kuba traf in der 79. Minute sehenswert nach einem zuvor unauffälligen Auftritt. Hervorzuheben sind andere: Nuri Sahin, der wieder Lenker und Passgeber ist. Mats Hummels, der viele Aktionen einleitete. Und Kevin Großkreutz, der viel mehr machte als nur seine rechte Seite dicht zu halten.

Nun gehen wir also hoffnungsfroh in die dritte Partie, in der ein Dreier Pflicht ist. Natürlich dürfte die Aufgabe gegen OM ungleich schwerer werden. Man darf vor allem gespannt sein, wie sich Eric Durm als Ersatz für den drei Wochen fehlenden Schmelzer auf europäischer Bühne schlägt.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Großkreutz, Subotic, Hummels, Durm – Bender (46. Kirch), Sahin – Reus (61. Blaszczykowski), Mkhitaryan (62. Hofmann), Aubameyang – Lewandowski. Tore: Reus (2), Lewandowski (2), Blaszczykowski

BVB vergibt ultimativen Strafstoß

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1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 1 TSG Hoffenheim 2

Icon_spielbericht_newBorussia Dortmund hat es verpasst, der TSG Hoffenheim den entscheidenden Stoß in die zweite Liga zu versetzen und die zunehmend erratische und kurzlebige Vereinspolitik der ungeliebten Hopp-Zöglinge zu bestrafen. Durch eine selten dämliche Niederlage ist eine Chance vorbeigezogen, die womöglich nie wiederkommt.

Im Westfalenstadion war die Stimmung nach dem Schlusspfiff aufgeheizt, denn natürlich wollte niemand glauben, dass die zwei Elfmeterpfiffe und das aberkannte 2:2 allesamt korrekte Entscheidungen von Schiedsrichter Dr. Jochen Drees waren. Erst nach Ansicht der Fernsehbilder musste man dann auch als Fan einräumen, dass die Schwarz-Gelben nur am Pech und eigenem Unvermögen gescheitert waren.

BVB v TSG, Spieltag 34

Als alles noch gut war.

Bereits nach sechs Minuten staubte Robert Lewandowski nach einem von Torwart Casteels noch gehaltenen Kuba-Kopfball zum 1:0 ab. Im Anschluss dominierte die Borussia komplett das Spiel, die Gäste blieben bis auf einen Salihovic-Schuss harmlos und spielten wie der verdienteste Absteiger seit langem. Nur Casteels hielt die TSG im Spiel – und das Dortmunder Ungeschick. weiterlesen

Strukturelle Unwucht

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1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 1 Hamburger SV 4

Von einer Unwucht spricht man bei rotierenden Körpern, deren Masse nicht rotationssymmetrisch verteilt ist. Unwuchten führen zu Vibrationen und erhöhtem Verschleiß, weshalb sie durch Gegengewichte ausgewuchtet werden. (Wikipedia)

icon_spielberichtfinalNach einer 1:4-Heimniederlage sucht man nach Erklärungen. Die einfache Variante wäre, zu sagen, die Schwarz-Gelben seien nicht konzentriert genug gewesen und hätten zu viele individuelle Fehler gemacht. Doch im Jahr 2013, bei dieser Borussia und diesem Rückserien-Start, reicht das nicht. Deshalb gibt es heute eine steile These aus der Physik, die auf folgendes hinausläuft: Der BVB hat gegen den HSV geeiert.

Natürlich war gestern von Beginn an zu sehen, dass die Gäste im Westfalenstadion einen Plan hatten: früh zu attackieren und die Gastgeber nicht ins Spiel kommen zu lassen. Und da das gegen die Borussia nicht über 90 Minuten funktioniert, ging es auch darum, in der Defensive diszipliniert zu sein und allgemein die Breite des Spielfelds zu nutzen. Ersteres klappte ebenfalls nicht immer: Nach munterem Beginn der in himmelblau angetretenen Hamburger war es zur Freude vieler Borussen Heiko Westermann, der sich nicht richtig mit Torwart Adler abstimmte und es Lewandowski ermöglichte, sich den Ball zu schnappen und aus spitzem Winkel die Führung zu erzielen.

Doch dafür funktionierte der dritte Punkt des Hamburger Gameplans umso besser. Wenn die Gäste das Spiel breit machten, hatten sie unübersehbare Vorteile, gar ein strukturelles Übergewicht auf den Flügeln. Womit wir zur Physik zurückkehren: Der vor und zurück rotierende BVB war außen ungleich besetzt. Jürgen Klopp hatte auf den Ausfall von Marcel Schmelzer und Not-Linksverteidiger Kevin Großkreutz mit einer nicht positionsgetreuen Lösung reagiert und Sven Bender nach links hinten versetzt. Bender war zwar ’nur‘ an zwei der vier Gegentore entscheidend mitschuldig und Piszczeks und Kubas rechte Seite ebenfalls alles andere als sicher. Dass der linke Dortmunder Flügel völlig ungefährlich blieb, war allerdings ein struktureller Vorteil für den HSV.

Man konnte es vor dem 1:2 sehen: Hummels fühlte sich genötigt, von hinten raus ins Mittelfeld zu gehen, um einen Angriff der Gäste über rechts zu unterbinden. Er verlor jedoch seinen Zweikampf gegen Son und so war die Borussia hinten ziemlich offen; gegen den gewandten Hamburger Flügelspieler hatte Bender keine Chance und der Koreaner kam zu seinem Traumtor. Die Unterlegenheit der Dortmunder Außen über weite Strecken gefährdete gestern auch die Disziplin der Innenverteidiger. Jansen, Diekmeier, van der Vaart und Son, dessen Angriffe meistens außen begannen, wurden defensiv zu selten gefordert und hatten deshalb viel Kraft für ihre Laufwege nach vorne übrig. weiterlesen

Ist er zu Stark, wirst du zu schwach

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1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 2 VfL Wolfsburg 3

icon_spielberichtfinalBorussia Dortmund kassiert eine Heimniederlage gegen den VW-Klub, die vor der Partie unwahrscheinlich schien und nach 35 gespielten Minuten noch deutlich unwahrscheinlicher. Doch im Fußball passieren bekanntlich unvorhersehbare Dinge. Gestern schrieb Referee Wolfgang Stark ein weiteres Kapitel seines Buches „Ich und der BVB – keine Liebesgeschichte“ und trug mit einer der schlechtesten Schiedsrichter-Leistungen seit Menschengedenken maßgeblich zum Endergebnis bei.

Für 35 Minuten hatte die Borussia die Partie komplett im Griff. Marco Reus hatte mit einem direkten Freistoß von links außen bereits nach sechs Minuten die Führung erzielt. In der Folge spielten die Schwarz-Gelben die Gäste teilweise schwindlig, doch trafen leider in Strafraumnähe zu häufig falsche Entscheidungen. Übereilte Distanzschüsse sind gegen einen reaktionsstarken Torwart wie Diego Benaglio nicht das Mittel der Wahl. In anderen Szenen wurde das Abspiel vergessen oder zu früh gesucht. Das Einzige, was in dieser Phase für einen Punktgewinn des VfL sprach, war, dass ein Tor immer auch aus heiterem Himmel fallen kann.

Ein Tor allein, egal ob durch einen Elfmeter oder aus dem Feld heraus, hätte die Borussia gestern selbstverständlich nicht so zurückgeworfen wie der zusätzliche Platzverweis gegen Marcel Schmelzer. Ganz Fußball-Deutschland hat die Szene mittlerweile gesehen: Der kurz vor der Torlinie stehende Linksverteidiger bekam den Ball zu keinem Zeitpunkt an die Hand und selbst wenn er vom Knie an die Hand gesprungen wäre, hätte Stark keine aktive oder unnatürliche Handbewegung unterstellen dürfen. Obendrein stand Vierinha, der die Flanke für den Schützen Dost hereinbrachte, im Abseits.

Im Anschluss an den „Wahrnehmungsfehler“ von Stark wackelte der BVB nur kurz, kassierte auch noch das 1:2 und bestimmte dann wieder das Spiel. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache, doch natürlich fehlte die Dominanz der ersten halben Stunde und nach dem erneuten Rückstand auch die Kraft für das Spiel in Unterzahl gegen eine technisch versierte Mannschaft, die nicht mehr als nötig tat. Man hätte die Begegnung nicht zwangsläufig verlieren müssen. Doch wäre beispielsweise das 2:3, bei dem Felipe Santana nicht gut aussah, auch gefallen, wenn noch ein gelernter Linksverteidiger in der Viererkette gestanden hätte? Pure Spekulation, natürlich. Es spricht jedenfalls wenig dafür, dass die Borussia das Spiel zu elft aus der Hand gegeben hätte.

Schiedrichter machen Fehler. Auch gravierende, so wie die Spieler. Das Problem bei Wolfgang Stark ist sein Hang zur großen Geste. Bei einem Handelfmeter und dem folgenden Platzverweis sollte man sich sicher sein, doch Stark scheint es wichtiger, durchzugreifen und große Entscheidungen zu treffen. Das zeigt auch seine Vergangenheit, die er mit Dortmund hat. weiterlesen

Ohne Stark wär hier gar nichts los

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1. Bundesliga, 4. Spieltag / Bayer Leverkusen 0 BVB 0

Man muss einfach mal „Danke“ sagen. Zum bayerischen(!) FIFA(!!)-Schiedsrichter Wolfgang Stark, der ein vorhersehbares, taktisch geprägtes 0:0 in ein farbenfrohes, emotionales 0:0-Spektakel verwandelte. Die Redaktion des ZDF-Sportstudios täte gut daran, ihre Schiedsrichter-Rubrik in „Stark des Tages“ umzubenennen, denn wer liefert sonst so viel Material wie der berühmteste Ergoldinger aller Zeiten (und bei dieser Einschätzung vergesse ich nicht den aktuellen Trainer des 1.FC Saarbrücken)?

Die erste Halbzeit war in Wirklichkeit nicht so berauschend, wie das ganze Spiel nach 90 Minuten dargestellt wurde.  Leverkusen-Fans werden möglicherweise anderer Meinung sein und in der Tat waren die Gastgeber in den ersten 45 Minuten die bessere Mannschaft. Es gab jedoch weder einen dauerhaften Sturmlauf auf das BVB-Tor noch weitere wirklich hochkarätige Chancen außer den beiden, die Roman Weidenfeller reaktionsschnell parierte. Die von taktischer Disziplin geprägte Partie spielte sich weitgehend im Mittelfeld ab und die weiteren Torschüsse, die Leverkusen natürlich hatte, waren vergleichsweise harmlos.

Der BVB tat sich in der ersten Hälfte angesichts der gut stehenden Gastgeber sehr schwer und machte sich das Leben selbst nicht leichter. Die Fehlpassquote war phasenweise deutlich zu hoch. Daran waren erneut die Innenverteidiger maßgeblich beteiligt. Aber auch für das komplette offensive Mittelfeld gab es mit Pässen kein Durchkommen durch die Reihen der Leverkusener. Normalerweise müsste man dann auf die Flügel ausweichen, aber von Piszczek kam nach seinem frühen Flanken-Torschuss wenig und Marcel Schmelzer hat offensiv ohnehin nicht die Durchsetzungsfähigkeit, um sich gegen eine absolute Spitzenmannschaft zu behaupten. Und das ist Leverkusen nach wie vor. Nach dem ersten Spieltag war der BVB in der medialen Wahrnehmung schon beinahe Meister, jetzt sind die Bayern kaum noch zu stoppen, aber am Ende könnte (!!!) die Werkself der lachende Dritte sein.

Die Gastgeber hätten mehr aus der ersten Hälfte machen können, aber letztendlich waren sie im Abschluss zu harmlos und die Dortmunder Viererkette trotz Fehlern im Aufbauspiel doch präsent genug, um die meisten gefährlichen Situationen (noch) rechtzeitig zu klären. Eine Gefahr für jeden Gegner stellt Andre Schürrle dar, der Mario Götze in den nächsten Wochen den Rang als Medien-Liebling Nr. 1 ablaufen könnte.

Die zweiten 45 Minuten begannen offener. Leverkusen hatte zwar die ersten guten Szenen, aber es war nicht so, dass der BVB erst durch den Platzverweis von Michal Kadlec ins Spiel kam. Spätestens mit Kagawas Schuss über das Tor in der 52. Minute waren die Schwarz-Gelben in der Partie und es war fortan keine Leverkusener Dominanz mehr zu spüren. Nicht zu vergessen: die geniale Hackenvorlage von Lewandowski auf Kagawa (in deren Anschluss Leno zur Stelle war) ereignete sich vor der Roten Karte. Trotzdem blieb es Maestro Stark vorbehalten, die Stimmung richtig zum Kochen zu bringen – auf dem Feld und unter den Fans. Es macht Sinn, die wichtigen Entscheidungen gebündelt abzuhandeln:

Die erste Gelbe Karte gegen Kadlec wegen eines schnellen Griffs an Götzes Arm war nicht absolut zwingend. Da der Linksverteidiger für sein späteres Einsteigen von hinten aber zurecht glatt Rot sah, spielt die erste Karte eine untergeordnete Rolle. Einige Kommentatoren wollen das Hummels-‚Foul‘ an Renato Augusto als den Auslöser der Hektik ausgemacht haben. Richtig, wenn es ein Foul gewesen wäre, hätte es Gelb-Rot geben müssen. Wenn der Abwehrspieler aber die Beine noch einzieht und der Angreifer trotzdem dankbar darüber stolpert, ist das für mich kein Foul. Rudi Völler sagte bei Sport 1, dass man das als Stürmer eben so mache – ich empfinde das nicht als wünschenswerten Bestandteil des Fußballs und würde mir wünschen, dass die Schiedsrichter in solchen Situationen den Mut haben, weiterspielen zu lassen. Immerhin ging der folgende Freistoß harmlos in die Mauer.

Die Rote Karte gegen Mario Götze roch sehr nach Konzessionsentscheidung. Es war ein angedeuteter Tritt zu sehen, der jedoch Balitsch gar nicht treffen konnte. Mario hat auch (aus)gespuckt. Da war Balitsch allerdings schon meterweit entfernt. Das Problem bei Stark ist, dass ihm einfach das Fingerspitzengefühl fehlt. Von manchem Regel-Positivisten wird dieser Begriff kritisiert, aber muss man die Bewegung von Götze wirklich als versuchte Tätlichkeit werten? Andererseits (und das wurde komischerweise kaum erwähnt): Eine Gelbe Karte war die Aktion schon wert und dann wäre Mario eben mit Gelb-Rot runtergeflogen. Seine erste Gelbe Karte wegen eines harten Einsteigens gegen Torwart Leno sah der Jungstar zurecht. Der (mögliche) Unterschied zur von Stark getroffenen Entscheidung betrifft also nur die Länge der Strafe. Über das nicht gegebene Freistoßtor braucht man hingegen nicht zu reden. In der Szene hatte der Schiedsrichter das Spiel eindeutig noch nicht freigegeben.

In der Phase, in der die Schwarz-Gelben in Überzahl agierten, hätten sie das Spiel gewinnen können. Plötzlich waren die Spielzüge flüssig und die sich ergebenden Chancen insgesamt zwingender als das, was Leverkusen zustande gebracht hatte. Leno rettete den Gastgebern bei Perisics Schuss mit einer tollen Reaktion das Unentschieden und ihm ist es auch zu verdanken, dass Kagawas Schuss in der 76. Minute nicht im Tor landete, obwohl schließlich Castro den Ball noch von der Linie schlagen musste. Die letzte Viertelstunde Zehn gegen Zehn verlief emotional in aufgeheizter Stimmung, mit weiteren Chancen auf beiden Seiten, aber gegen Ende hatte man das Gefühl, dass sich beide Mannschaften mit dem 0:0 zufriedengaben.

Es war ohne Zweifel ein gerechtes Ergebnis in einem Spiel, nach dem ohne Wolfgang Stark und die ‚Rotsünder‘ vor allem über taktisch gut organisierte Leverkusener gesprochen worden wäre und über einen BVB, der in dieser Saison noch viel häufiger nicht glänzen, sondern sich Punkte erarbeiten wird. Mit einem Punkt in Leverkusen kann man absolut zufrieden sein – traurig ist nur, dass Mario Götze womöglich für mehr als ein Spiel gesperrt wird. In diesem Sinne: Danke für die Show, Herr Stark, aber bitte keine Fortsetzung!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Gündogan – Götze, Kagawa (81. Kuba), Großkreutz (63. Perisic) – Lewandowski. Gelbe Karten: Hummels, Götze. Rote Karte: Götze.